Juristische Schriftenreihe


In der Juristischen Schriftenreihe der Karl-May-Gesellschaft (Herausgeber: Jürgen Seul und Ruprecht Gammler) sind folgende Bände erschienen:

Band1: Jürgen Seul: Karl May ./. Emil Horn. Ahrweiler 1996.

Band2: Jürgen Seul: Karl May ./. Dr. Alban Frisch & Wilhelm Lippacher. Ahrweiler 1997.

Band3: Jürgen Seul: Rudolf Lebius ./. Karl May: Die Lu-Fritsch-Affäre. 2., überarbeitete Auflage. Hansa Verlag, Husum

In der Zeit der schlimmsten Presse- und Prozesstumulte um den alten Karl May trat 1910 die damals erst zwanzigjährige Marie Louise („Lu“) Fritsch in die Öffentlichkeit, um den Schriftsteller zu unterstützen. Dabei bediente sie sich der Methoden eines investigativen Journalismus. Sie entlarvte im Rahmen einer geheimen Aktion die Machenschaften des schlimmsten May-Gegners Rudolf Lebius und publizierte sie in einer mehrteiligen Artikelserie der Stettiner Gerichts-Zeitung. Die aufsehenerregenden Enthüllungen zogen mehrere Prozesse – auch gegen Karl May – nach sich und führten zu einer Meineidsuntersuchung gegen Lu Fritsch. Dabei zeigte sich, dass die junge Frau mit einer Mischung aus jugendlicher Begeisterung und juristischem Leichtsinn ihr Idol verteidigte. Liebevoll nannte Karl May sie deshalb seine „Merhameh“ und setzte ihr mit einer gleichnamigen Altersnovelle ein literarisches Denkmal.

Band4: Jürgen Seul: Karl May und Rudolf Lebius: Die Dresdner Prozesse. Mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Claus Roxin. 208 Seiten. Hansa Verlag, Husum 2004.

Nach 1900, als Karl May zu einem der erfolgreichsten Schriftsteller deutscher Zunge avanciert war, der in der Öffentlichkeit überzeugend seine erfundene Lebensgeschichte verkörperte, wurden erste Zweifel an seiner Glaubwürdigkeit laut. Mehrere Pressekampagnen, die nicht zuletzt durch den ungeschickt agierenden Dichter weiter angeheizt wurden, mündeten schließlich in erbitterte juristische Auseinandersetzungen. Vor allem der aus Tilsit stammende Journalist Rudolf Lebius erwarb sich zweifelhafte Meriten bei seinem unsäglichen "Vernichtungsfeldzug" (so der Titel eines Flugblatts) gegen den Radebeuler Schriftsteller. Im Spätsommer 1904 begann Lebius in seiner Dresdner Zeitung, der "Sachsenstimme", mit polemischen Artikeln gegen May zu agitieren. Die Beiträge enthielten vor allem Spekulationen und verstellte Fakten über Mays Vorstrafen. Die Grenzen der üblen Nachrede und Verleumdung wurden vielfach überschritten und beschäftigten Staatsanwaltschaft und Gerichte in Dresden. Die vorliegende Dokumentation zeigt die Hintergründe der Beziehung zwischen May und Lebius auf und gibt erstmalig auch die wichtigsten Artikel der "Sachsenstimme" wieder sowie zahlreiche Beiträge anderer Zeitungen, die – oft von May direkt oder indirekt inspiriert – den Schriftsteller gegen Lebius in Schutz nahmen. Die neuen Fakten beleuchten das skandalöse Kesseltreiben eines Journaille-Vertreters, der nicht zu Unrecht als "Karl-May-Töter" bezeichnet wurde. Zudem beinhaltet der Band in seinem zweiten Teil die transkribierte und kommentierte Akte eines ,typischen‘ Presseprozesses zwischen Lebius und May vor dem Amtsgericht Kötzschenbroda, die im Sächsischen Hauptstaatsarchiv Dresden vorliegt. In einem umfangreichen Anhang werden nicht nur die Prozessakten vollständig faksimiliert, sondern darüber hinaus zahlreiche Zeitungsartikel sowie die handschriftlichen Briefe des Lebius.