Materialien zum Werk Karl Mays


In dieser Reihe sind bisher folgende Bände erschienen:

Band 1: Oliver Gross: Old Shatterhands Glaube - Christentumsverständnis und Frömmigkeit Karl Mays in ausgewählten Reiseerzählungen. Hansa Verlag, Husum, 2te Auflage 1999. (vergriffen)

Der Autor geht der Frage nach, wie sich Karl Mays persönlicher Glaube in den zehn populärsten Reiseromanen und -erzählungen widerspiegelt. Mit einer umfangreichen Textanalyse, die religiöse Exkurse und auch eher unscheinbare Textsplitter umfasst, gelingt es durch Einzelbeobachtung erhellende Aspekte aufzuzeigen: z.B. zu Personenkonstruktionen, Handlungskonstellationen, Christentumskritik, Feindesliebe, Sterben und Bekehrung (wobei sich Unterschiede zwischen der Bekehrung Old Wabbles und der Winnetous zeigen). Für die behandelten zehn Bände werden hier zum ersten Mal Mays ethische und religiös-theologische Prämissen zusammenfassend dargestellt. 

Band 2: Johannes Zeilinger: Autor in Fabula. Karl Mays Psychopathologie und die Bedeutung der Medizin in s einem Orientzyklus. Hansa Verlag, Husum, 2001.

Karl Mays Leben und Werk: eine vielfach verwobene Einheit, die zu durchdringen eine schwierige Aufgabe darstellt. Der Autor unternimmt eine Neuinterpretation der Psychopathographie Mays nach heute medizinisch gültigen Diagnosekriterien. Ein faszinierender Ansatz, der das Verständnis für Mays oft schwierige Charakterzüge erweitert und mehr noch, diese Psychopathie als entscheidende Ursache der künstlerischen Kreativität des Schriftstellers überhaupt deutet. Als Beispiele im literarischen Werk dienen die medizinisch kolorierten Episoden des Orientzyklus, in denen Kara Ben Nemsi als heilender wie kranker Held den Dualismus der Psyche seines Schöpfers, das Schwanken zwischen Mythomanie und Depression repräsentiert.

Band 3: Jürgen Seul: Karl May im Urteil der 'Frankfurter Zeitung'. Hansa Verlag, Husum, 2001.

Die Presse spielte in Karl Mays Leben eine besondere Rolle. Begleitete sie zunächst den literarischen Aufstieg des Dichters noch mit Lobeshymnen und wohlgefälligen Besprechungen, so wan delte sich das Bild Mitte der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts. Ausgerechnet die "Frankfurter Zeitung", das bedeutendste demokratische Blatt seiner Zeit, leitete den Umschwung in der öffentlichen Meinung ein, der schließlich in einer wahren Presse- und Hetzkampagne eskalierte. Bis heute bekannt ist die berüchtigte Forderung der Zeitung nach dem Index für Karl May, jedoch untersucht Seul auch bisher kaum bekannte Artikel, die May thematisieren, wie z. B. die Beiträge des Philosophen Ernst Bloch oder die Rezensionen des Blattes zu den Jugendromanen Mays, die deutlich eine kritischere Haltung einnahmen, als dies in seinen Aufstiegsjahren üblich war.

Band 4: Dominik Melzig: Der "Kranke Mann" und sein Freund. Karl Mays Stereotypenverwendung als Beitrag zum Orientalismus. Hansa Verlag, Husum, 2003.

Melzig hinterfragt das Bild des Osmanischen Reiches bei Karl May sowie in Mays Quellen und weiteren Texten der öffentlichen Meinung. Er untersucht Mays Orientalismus-Konzept, nämlich die Herkunft und die historische Funktion jener Vor-Urteilsstrukturen, aus denen sich das Wilhelminische Kaiserreich "seinen" Orient bastelte, und macht deutlich, dass es sich bei Traumreichen dieser Art um eine "konstruktive" Leistung handelt, die mehr Auskünfte über den Träumer gibt als über die wirkliche Welt. Melzig verfolgt damit einen Gesichtspunkt, der in der Karl-May-Forschung bisher etwas vernachlässigt wurde und daher von großem Erkenntnisinteresse ist: dass nämlich das Werk Mays - dessen literarischer Massenerfolg im wilhelminischen Deutschland bisher seinesgleichen sucht - auch integraler Bestandteil der Mythen- und Wunschproduktion des wilhelminischen Reiches war.

Band 5: Jürgen Hillesheim/Ulrich Scheinhammer-Schmid: Im Kampf für einen „Vielgeschmähten“. Die „Augsburger Postzeitung“ und Karl May – Eine Dokumentation. Hansa Verlag, Husum, 2010.

„Der Meinungsstreit um Karl May“, schon zu seinen Lebzeiten aufs heftigste entbrannt, spiegelt sich in ganz besonderer Weise in weit über hundert Artikeln, die von dem und über den Abenteuererzähler in der „Augsburger Postzeitung“ erschienen, einer der führenden katholischen Tageszeitungen in Deutschland und Österreich bis zum Dritten Reich. Zu Karl May nahm die Redaktion zunächst wechselnde Positionen ein, engagierte sich aber ab 1905 intensiv für den Autor. Der Band sammelt alle Artikel der „Postzeitung“ von und über May von 1889 bis 1912, bietet darüber hinaus auch ausgewählte Artikel aus anderen Augsburger Tageszeitungen zum Thema und beleuchtet durch ausführliche Anmerkungen die Hintergründe der in den einzelnen Beiträgen abgehandelten Themen und Kontroversen.

Band 6: Hans-Joachim Jürgens: Ästhetische Bildung, literarisches Schreiben und Neue Medien. Zum didaktischen Potenzial von Karl Mays Erzählungen für die Jugend. Hansa Verlag, Husum, 2014. 391 S., broschiert. Format 16cm x 24cm. ISBN 978-3-941629-11-0.

Hans-Joachim Jürgens geht in seiner germanistischen Dissertation der Frage nach, auf welche Weise Karl Mays klassische Jugenderzählungen wie „Der Ölprinz“ und „Der Schatz im Silbersee“ aus der Perspektive moderner Literatur- und Mediendidaktik für den Schulunterricht nutz- und fruchtbar gemacht werden können. Dafür untersucht er die Aspekte Literarisches Lernen, Ästhetische Bildung, Lesedidaktik, Literaturvermittlung und Neue Medien. In einem zweiten Teil arbeitet er auf der Basis einer Maybezogenen theoretischen Auseinandersetzung mit aktuellen fachdidaktischen Fragestellungen ein konkretes projektorientiertes und kompetenzbezogenes Unterrichtskonzept aus, das auf der bekannten Anekdote von den Senfindianern basiert.

Band 7: Hartmut Wörner: Seelenbrüder. Eine Studie zu Karl May und Hermann Hesse. Hansa Verlag, Husum 2015. 165 S., broschiert. Format 16cm x 24cm. ISBN 978-3-941629-14-1.

Es ist dies die erste vergleichende Untersuchung zu Karl May und Hermann Hesse. Die beiden wohl wirkungsmächtigsten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts könnten, was die Thematik ihrer Werke oder die Art der poetischen Gestaltung angeht, wohl kaum unterschiedlicher sein. Ansatzpunkte für Hartmut Wörners Analyse sind jedoch das literarische Selbstverständnis der Autoren und der mystisch gefärbte, ethisch-spirituelle Gehalt ihrer Werke - und hier lassen sich in der Tat überraschende Erkenntnisse gewinnen. Ziel Wörners ist es, anhand einer vertieften Analyse wichtiger Aspekte aus Leben und Werk der beiden "Bekenntnisschriftsteller" zu zeigen, dass May und Hesse Seelenbrüder waren, deren Werke das Anliegen verbindet, die Leser zu einer autonom gestalteten, inneren Reise hin zu einem transzendenten Humanismus anzuregen.