Eine Begegnungsstätte im Banne Karl Mays entsteht
Die Zukunft der Vergangenheit
Interview mit André Neubert, Leiter des Karl-May-Hauses
Herr Neubert, im September begannen die umfangreichen Sanierungsarbeiten an der zukünftigen "Karl-May-Begegnungsstätte" ...
Ein schönes Gefühl, wenn Träume wahr werden... Gut geplant und vorbereitet sieht man täglich, wie es vorwärts geht. Obwohl weniger Fördermittel als erhofft fließen und die geplante Giebelgestaltung durch eine Kompromisslösung ersetzt werden mußte, wird die Karl-May-Begegnungsstätte voraussichtlich am 25. Februar 2001- zu Mays 159. Geburtstag - ihrer Bestimmung übergeben.
Wozu eine solche Begegnungsstätte?
In Deutschland gibt es rund 200 Litaraturmuseen und literarische Gedenkstätten. Seit 1985 befindet sich unter ihnen das als "Karl-May-Haus" bekannte Memorial-Museum im Geburtshaus des großartigen sächsischen Fabulierers. Leider ist es nur 4.25 breit... Flächenmäßig ist "das kleine Museum mit dem großen Inhalt" den Anforderungen als wesentlicher Image-Faktor Hohenstein-Ernstthals nicht gewachsen. Ziel der Begegnungsstätte ist es, alle funktionalen Sekundärbereiche des Museums zentral zu platzieren (Fundus, Bibliothek, Archive, Benutzerraum ... ) und den maßgeblichen Flächenzuwachs für Ausstellungs-, Vortrags- und Veranstaltungsräume zu nutzen. Der Flächenzuwachs von über 200 qm hilft, die Erbe- und Traditionspflege um Karl May in seiner Geburtsstadt stabil und weiterhin solide zu betreiben.
Und das in Zeiten, in denen öffentliche Gelder für Kultur nicht immer reichlich fließen...
Dazu muß grundlegend gesagt werden, daß die Begegnungsstätte nicht vom Museum - also von der Stadt -, sondern von der Interessengemeinschaft Karl-May-Haus e.V. längerfristig gepachtet wurde. Der Pachtvertrag wiederum wurde nur auf der Basis einer längerfristigen Sponsorenzusage möglich. Das die Interessengemeinschaft die Begegnungsstätte rundum in den Dienst des Museums legt, ist außer jeder Diskussion. Ziel ist schließlich einzig und allein eine angemessene Erbe- und Traditionspflege um Karl May in seiner Geburtsstadt.
Die Karl-May-Geburtsstadt hat also direkt nichts mit der Begegnungsstätte zu tun?
Finanzseitig gesehen übernimmt die Stadt Hohenstein-Ernstthal anteilmäßig Betriebskosten der Begegnungsstätte eingedenk der Tatsache, dass natürlich auch Betriebskosten der bis dato anfallenden "Auslagerungsstätten" eingespart werden können. Interessengemeinschaft und Stadt gehen hier Hand in Hand. Ausdruck dafür ist u.a. die Eingliederung des "Werner-Legère-Zimmers" und von Teilen seines Archives in die Begegnungsstätte.
Was steht für das Premieren-Jahr im Programm?
Geplant sind vorerst die beiden Sonderausstellungen "Sie alle heißen Indianer" mit Original- Illustrationen des Berliner Gerhard Lahr und "Karl May in der DDR" eine sehr forschungs- und arbeitsaufwendige Präsentation, die vom Wissenschaftlichen Beirat Karl-May-Haus erarbeitet wird. Vorträge wie "Mit Karl May durch Texas" oder "Karl Mays Aufenthalt in der Schweiz" gehören ebenso zum Programm wie Buchpremieren und Gesprächsrunden mit Prominenten. Eine Museumsnacht, ein Country-Frühschoppen, ein Karl-May-Skatturnier und ähnliche Veranstaltungen sind angedacht. Überlegt wird derzeitig noch, wie wir im Rahmen der Begegnungsstätte Karl May noch besser für Lehrer und Schüler sinnvoll aufbereiten können. Das komplette Programm wird zu Jahresbeginn veröffentlicht.
Was gibt es noch Neues um Karl May? Das Karl-May-Haus als Museum hat sich in letzter Zeit zugleich als Forschungsstätte profiliert...
Die Forschung ist ein Muß im Rahmen unserer angestrebten Erbe- und Traditionspflege um Karl May. Im Oktober brachte der Wissenschaftliche Beirat unseres Museums bereits das dreizehnte Heft der "Karl-May-Haus Information" mit zahlreichen neuen Forschungsergebnissen heraus. Darin geht es u.a. um den etwas freien Umgang Karl Mays mit dem Doktortitel, um seinen Aufenthalt in Joachimsthal und auch ein Blick auf das Jack London Centre in Dawson City wird geworfen. Außerdem war das Karl-May-Haus im September beim ersten transatlantischen Symposium der Texas Tech University in Lubbock (USA) neben zahlreichen Wissenschaftlern renomierter Universitäten aus den USA, Japan und Deutschlands vertreten. Der Karl-May-Verlag berät zur Zeit über die bereits dritte Auflage des Bandes "Karl May auf sächsischen Pfaden" - einem Produkt des Wissenschaftlichen Beirates...
Eine letzte Frage: Wie stehen Sie zur Karl-May-Bühne in Waldenburg?
Das Karl-May-Haus ist in erster Linie Museum und Forschungsstätte. Trotzdem verfolge ich natürlich aufmerksam alles Geschehen, das mit dem Namen Karl May in Verbindung steht. Dazu gehören auch die Aufführungen von Karl-May-Stücken auf den zahlreichen Freilichtbühnen Deutschlands und Österreichs. Als Hohenstein-Emstthaler bin ich naturgemäß vordergründig am Erfolg der Freilichtbühne am Oberwald interessiert.
Übrigens: Das zur Zeit beste Karl-May-Bühnenstück präsentiert das Puppentheater Chemnitz. "Der Schatz im Silbersee" - ein sehr empfehlenswertes Spektakel, an dem die Zuschauer garantiert ihr Vergnügen haben.
Herr Neubert, besten Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die zukünftige Arbeit.
(Das Gespräch mit dem Leiter des Karl-May-Hauses führte Kathrin Alboth)
Quelle: HOT Journal (Hohenstein-Ernstthal), Heft 3/2000 (Dezember 2000), S. 3-4