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Die Fotos und Dokumente in den Wandvitrinen im schmalen Gang des Erdgeschosses berichten unter anderem von der wechselvollen Geschichte des Hauses und den Beziehungen zu seinem berühmtesten Bewohner. Beim Betrachten und Lesen der Dokumente spürt man förmlich die Gegenwart des wohl bekanntesten Indianers - des Apachenhäuptlings Winnetou. Die von dem Münchner Künstler Vittorio Güttner geschaffene Büste empfängt den May-Freund mit warmem Blick. Die ebenfalls im Flur präsentierten indianistischen Gegenstände deuten an, daß die Wildwestgeschichten das Interesse der Leser wohl am meisten fesseln. Bevor man sich treppauf in die erste Etage begibt, betritt man den Kassenraum und den Museumsshop, das einstige "Großmutterstübchen", das Karl May durch die engen Beziehungen zu dieser bemerkenswerten Frau wohl am besten in Erinnerung war. |
| Über eine enge Wendeltreppe erreicht man das Obergeschoß. "... Im ersten Stock wohnten die Eltern mit uns. Da stand der Webstuhl mit dem Spulrad..."
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![]() Heute bildet das erste Stockwerk das Kernstück des Museums. Im Detail werden hier in chronologischer Folge die einzelnen Lebensabschnitte Karl Mays und sein Werk dargestellt und gewürdigt. Ein abenteuerliches Menschenschicksal wird sichtbar, das mitunter noch abenteuerlicher verlief als die Geschichten seiner Helden. |
| Aus Platzgründen befindet sich heute in dieser Etage der nachgestaltete Arbeits- und Wohnraum der Familie May. Er bezeugt in seiner realistischen Darstellung das soziale Umfeld der Mayschen Kindheitsjahre. Die Heimweberstube, in der man die körperliche und geistige Enge jener Zeit spürt, ermöglicht den Besuchern einen Blick in den Alltag des vorigen Jahrhunderts und verrät uns mehr über Karl May und seine Bücher als manches Dokument. | ![]() |
In einem abgetrennten kleinen Raum, bis 2001 als Büro genutzt, werden die ausländischen Karl-May-Ausgaben, die einen Sammelschwerpunkt des Museums bilden, präsentiert. Für den Zeitraum ab 1945 befinden sich in den Vitrinen Bücher aller Sprachen, in die der Autor übersetzt worden ist. Die Vielfalt der bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges weltweit erschienenen May-Ausgaben erschließt sich dem Besucher in einem farbenfrohen Wandfries aus Deckelbildern.
So eng das Karl-May-Geburtshaus auch ist, es gibt noch ein drittes Stockwerk: "... und hatte ganz oben unter dem First einen Taubenschlag..."
In den ersten Jahren des Museums wurde dieser Raum als "Lesestube" genutzt, um Interessierten Zugang zur in der DDR schwer beschaffbaren Karl-May-Literatur zu ermöglichen. Bis zur Dachgeschoß-Sanierung (1997) sind hier nur einzelne Requisiten des DEFA-Trickfilms "Die Spur führt zum Silbersee" präsentiert worden. Durch Aufhebung der Raumstruktur konnte die Ausstellungsfläche in dem Geschoß vergrößert werden. Sie wird nun für die umfassende Dokumentation des einzigartigen Filmprojektes genutzt.

Begibt sich der Besucher nun die schmalen Treppen wieder hinunter, so wird er feststellen:
"... Es gab auch einen Keller, doch war der immer leer. Einmal standen einige Säcke Kartoffel darin, die gehörten aber nicht uns, sondern einem Nachbar, der keinen Keller hatte..."
Bis zur Eröffnung der Karl-May-Begegnungsstätte ist das abgesenkte Kellergewölbe als Sitzungs- und Vortragsraum genutzt worden. Derzeit wird eine Mauerwerksanierung vorgenommen, um den Raum künftig mit in die Dauerausstellung einbeziehen zu können.
Mit einem letzten Blick in den in der Selbstbiographie beschriebenen Garten wird der Einblick in die Welt Karl Mays beendet.
"... Der Hof war grad so groß, daß wir fünf Kinder uns aufstellen konnten, ohne einander zu stoßen. Hieran grenzte der Garten, in dem es einen Hollunderstrauch, einen Apfel-, einen Pflaumenbaum und einen Wassertümpel gab, den wir als 'Teich' bezeichneten..."
Übrigens hat der Besucher nach Beendigung des Rundganges 38 Holzstufen der Wendeltreppe hinter sich gelassen - sicherlich mit dem Gefühl, einen Museumsbesuch erlebt zu haben, der sich gelohnt hat.
Karl-May-Haus Hohenstein-Ernstthal. Das Begleitbuch zu den Ausstellungen, hrsg. vom Wissenschaftlichen Beirat Karl-May-Haus, Hohenstein-Ernstthal 1995, S. 12-16 (Zu beziehen über das Museum).
Sämtliche Zitate aus: Karl May: Mein Leben und Streben. Freiburg i.Br. 1910, S. 13f. (Reprint Hildesheim - New York 1975, 1982, hrsg. v. Hainer Plaul).
Literatur:
Das Karl-May-Haus