Zitate aus Karl Mays "Verlornen Sohn"
zitiert nach: Karl May, Der verlorne Sohn, Bargfeld: Das Bücherhaus, 1995f. (= Karl Mays Werke, histor.-krit. Ausg., Bd. II.14-19). Zitate zusammengestellt und ausgewählt von Timm Kabus.
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Vorrede: Dieses Werk ist eine Lieferungsroman-Ausgabe, d.h., sie erschien seinerzeit (Dresden 1883-85) in wöchentlichen Heftchen, womit die Verleger auch das mittellose Publikum gewinnen wollten, das sich den Kauf eines ganzen Buches nicht leisten konnte. Der "verlorne Sohn" zählt zum Frühwerk Karl Mays. Es sei also davor gewarnt, aus den folgende Passagen zu sehr, auf die Meinung des "späteren" Karl May zurückzuschließen, zumal er bei dieser besonderen Literaturgattung auch noch den Interessen des Publikums Rechnung zu tragen hatte.
Ferner biete ich Ihnen hier nur Zitate - der Kontext geht dabei notgedrungen verloren - lesen Sie doch mal das ganze Werk! Es ist schwierig, die 3000 Seiten Herz-Schmerz-Kitsch und die abstrusen Abenteuer unbeschadet zu überstehen. Dieses Buch schildert zugleich aber auch in bedrückender Lebensnähe das Elend der Armen in der Mitte des letzten Jahrhunderts - das Karl May als Sohn eines armen Webers selbst miterlebt hat. Sie haben es mit einem stark autobiographischen Stück Literatur zu tun. Die eigentliche Handlung führt viele verlorene Söhne zu ihren richtigen Eltern, vorangetrieben durch Gustav Brandt, den um seine Ehre gebrachten Försterssohn, und mündet schließlich in zahlreichen Hochzeiten.
»Er ist ein Offizier gewöhnlicher Begabung, der seine Pflicht thut und in dreißig Jahren sich als Oberst pensionieren lassen wird. An diese unbefriedigende Existenz soll ich gefesselt sein!« (Alma von Helfenstein über den Hauptmann von Hellenbach) [19]
»Selbst wenn eine Frau ihren Mann nicht liebt will sie doch von ihm beachtet sein.« [163]
»Wird ein Weib verschmäht, so ist ihr Grimm dann größer, gewaltiger und - gefährlicher als ihre Liebe« [164]
»Viele Dichter und Schriftsteller schreiben gerade über das, was ihnen am Allerfernsten liegt, am Allerliebsten. Ein Prinz schreibt gern Dorfgeschichten, ein Melancholikus gern Humoresken, und ein Literat, welcher mit dem Hunger kämpft, wagt sich an das Höchste und Beste, was der Mensch zu erreichen vermag. Er träumt, es im Besitz zu haben; seine Phantasie schmückt es mit allen irdischen Werthen und Schönheiten; er fühlt sich während des Schreibens als Glücklichster der Sterblichen und sinkt, wenn er die Feder fortlegt, dem Knochengespenste des Hungers und des Elends wieder in die Arme.« [208]
»Wer die Küsse zählt, der ist noch viel schlimmer dran als Derjenige, welcher die Kirschen zählt, welche er ißt; der eigentliche Haut goût, das Mousseux geht ganz und gar dabei verloren. Und wer es ohne Zahlen und Ziffern nicht vermag, der thut am klügsten, gleich zu multipliciren, da kommt doch zuletzt ein artiges Sümmchen heraus.« [243]
» 'Ich habe keine Ahnung... Ich erkenne heute sehr deutlich, daß der Mann im Beobachten und Calculiren weit über unserem Geschlechte steht.' - 'Desto mehr stehen wir den Damenin Beziehung der Feinheiten unseres Gemüthslebens nach. Uebrigens ist das Erstere kein Verdienst für uns, da wir nach der Behauptung der Anatomen ein weit größeres Gehirn Besitzen, als die Wesen, nach deren Liebe wir trotzdem so sehnlich trachten. ...'« [282]
»Pah! Nicht Schätze machen glücklich! Ich war nicht immer so reich, und bevor ich es war, fühlte ich mich glücklicher. Ein einziger, warmer Sonnenstrahl ist dem Erdenleben mehr werth, als aller Goldesglanz, ein Blick des Himmelsblau durch Wolkengrau ist köstlicher, als die Saphiere aller Diademe und Kronen, und ein frischer, grüner Grashalm hat für die lebende Natur mehr zu bedeuten, als ganze Hände voller Smaragde.« (Sonnenstrahl: So bezeichnete Gustav Brandt seine Alma von Helfenstein früher.) [501]
»'Sie lassen den Dichter verhungern, während Sie seine Erzeugnisse in Saffian binden.... Hier darf man nicht Bücher kaufen, da man befürchten muß, daß die Verfasser derselben verhungert sind.'« [578]
»'O weh da hat der Magen schon zu Fastnacht Osterferien! Ist das ein Elend! Wer ist Schuld daran? Die Regierung etwa? Die thut Alles, aws sie thun kann. Aber die Blutsauger, die Vambeeren oder Vampiren oder wie sie heißen, die sind Schuld daran!...'« [693]
»... Frauen sind in Beziehung auf ihre Verschwiegenheit nicht immer besonders zuverlässig.« [701]
»Die Armuth, das Elend führt zu Gott; der Reichthumaber macht gleichgiltig gegen den Geber aller Güter.« [719]
»Die Schönheiten eines Mädchens sind für kein einziges Auge da; diejenigen eines Weibes sind nur für den Mann ihrer Wahl vorhanden. Eine Frau, welche andere Männer zu Mitbesitzern macht, selbst wenn es nur durch das Auge wäre, und ein Mädchen, welches zu jungen Burschen in solcher Kleidung geht, wie diese hier, diese Beiden gehören zu den Verlorenen.« [727]
»Selbst Derjenige, welcher das beste Gewissen hat, fühlt eine gewisse Beklemmung, wenn er die Polizeibei sich zu empfangen hat.« [754]
»Der Grund ist derjenige eines Menschen, aber er ist nicht menschlich.« [814]
»Auch der Arzt kam. Er constatirte, daß der Schreiber erfroren sei - ob seit Jahren verhungert? Pah! Niemand glaubt mehr, daß ein Mensch wirklich verhungern kann!--« [841]
»Ich bin kein Dichter und kein erfahrener Mädchenjäger. Ich kann nicht schöne Worte machen; aber wenn ich einmal für Dich sterben soll, da sage es getrost; ich thue es auf der Stelle!« [921]
»Der Mensch soll sich nicht besser und sicherer dünken, als er ist.« [921]
»Das Begräbnis wird ... die acht Gulden, welche ich morgen erhalte, auffressen. Zu allem Elende des Lebens kommt der Schluß, daß man nicht einmal umsonst sterben darf!« [1088]
»Wenn Gott wirklich die Liebe ist, so kann er keinen Menschen in Versuchung oder Prüfung führen.« [1103]
»... Er [der Armenarzt] ist doch nicht gekommen. Wird ein Reicher krank, dem es nur am Ellbogen juckt, so laufen sich gleich zehn Aerzte die Beine weg; wenn aber ein armes, elendes Volkskind verhungert und erstickt, so ist nicht Einer zu haben.« (so Wilhelmi) [1110]
» Welch ein Elend! Ja, es sieht im Leben doch noch ganz anders aus, als Tausende sich denken. Es giebt der Noth und des Jammers so viel, daß man erschrecken möchte...« (so Arndt) [1149]
»In jetziger Zeit ist ein Jeder nur auf seinen eigenen Vortheil bedacht.« (so Schulze) [1151]
»Es giebt keine Noth, aus der nicht Hilfe möglich wäre.« (so Arndt) [1152] »... Man ist nicht mehr Mensch, sondern Strafobject. Man ist ein Ding, an welchem ein Jeder seine vermeintlichen Besserungsexperimente macht. Bessern! Hergott! Und wer sind diese Leute? Diese Aufseher sind ja selbst nichts Aderes gewesen, als Handwerker. Was vertehen sie von Psychologie? ...« (so Heilmann über das Gefängnis) [1360]
[Heilmann:] » '... Der Mensch, welcher den entlassenen Sträfling, welcher seine Schuld abgebüßt hat, noch weiter mit offenem Mißtrauen und mit Verachtung straft, begeht ein großes Unrecht und beweist nebenbei, daß er die Verhältnisse gar nicht kennt. Wie Viele laufen frei herum, denen ein Stammplatz im Gefängnisse gehörte. Die Bevölkerung der Strafanstalten ist auch nicht anders zusammengesetzt als die freie Menschheit. Es giebt hier wie dort gute und schlechte.' [Petermann:] 'Ich weiß das, ich weiß das sehr genau. Ich... darf wohl behaupten, daß... es in den Gefängnissen keine kleinere Procentzahl guter Menschen giebt, als in der Freiheit...'« [1361f.]
»Ein jedes Weib befindet sich im Besitze eines gewissen Schauspielertalentes...« [1498]
» [Chefredakteur:] '... Wir Journalisten sind es, welche die öffentliche Meinung fabriziren. Wer sich mit uns verfeindet, der ist abgethan.' [Leda:] 'Ja, Sie sind die Herren der geistigen Welt!...'« [1529]
»Nur darf das Menschenherz nicht einer Wolke gleichen, welche Alt und Jung, Schön und Häßlich, Kluge und Unfähige, Gerechte und Ungerechte mit ihrem Regen beträufelt.« (so E. Starton) [1549]
»Sie hat sich beleidigt gefühlt, und Sie wissen ja selbst, eine beleidigte Dame pflegt unversöhnlich zu sein.« (so der Ballettmeister) [1590]
»Das Publikum ist ein willenloses, urtheilsloses - Ungeziefer! ... Die Stimme des Publikums ist stets eine gemachte. Der Pöbel ist stets unselbständig; er wird geleitet. Ein einziger kluger und willensstarker Charakter zwingt der ganzen Menge seine Meinung auf, ohne daß diese Menge es nur bemerkt. Das Publicum schwatzt nach, was ihm dictirt oder soufflirt wird.« (so der Kammerdiener des Intendanten) [1658]
» [Kammerdiener:] '... Wissen Sie, was das beste Mittel ist, einen Menschen öffentlich todt zu machen?' [Max Holm:] 'Seine Moralität in Zweifel zu ziehen.' [Kammerdiener:] '... Nein; die beste, fürchterlichste Waffe ist die Lächerlichkeit. Sie siegt über Alles, selbst über die Wissenschaft, die Schönheit, den Ruhm. Wer die Liebe eines Weibes gewinnen will, kann alles wagen, Alles thun; aber er muß, sich sehr hüten, sich lächerlich zu machen. ...' [1659]
»Wir Menschen sind gleichwerthig, sobald ein Jeder seine Pflicht erfüllt.« (so der Fürst von Befour) [1705]
»Solche Prüderie... liegt doch in der weiblichen Natur. Und gegen die Natur läßt sich eben nur schwer ankämpfen.« (so der Regisseur) [1754]
»Man sage der häßlichste Frau, daß sie hübsch sei, und sie wird es glauben...« [1862]
»Und sucht ein weibliches Wesen nach einem Vorwande, so läßt er sich sicher finden.« [1871]
Brandt über die Engländer als Kolonialherren auf Borneo: »Dieses Krämervolk besitzt kein Deutsche Herzen, deutsche Helden, sondern an dessen Stelle einen Klumpen Egoismus. Es gründet Colonieen, nur um sie auszubeuten. Es achtet keine Menschenrechte. Es schafft die Sclaverei der Neger ab, um desto besser die Bewohner seiner Colonieen in Fesseln zu schmieden.« [2061]
»Ja, das Weib soll der Sonnenstrahl sein, welcher das Leben des Mannes erhellt und erwärmt.« (so Alma von Helfenstein zu G. Brandt) [2063]
»Bedenken Durchlaucht, daß nur helle Köpfe und scharfe Denker das Amt eines Richters begleiten. Die Logik eines richterlichen Urtheiles ist infallibel wie der Papst in Rom« (so der Justizrath zum Fürsten von Befour) [2067]
»[Justizrath:] 'Hm! Man konn doch nicht die Eltern eines Mörders gern in seiner unmittelbaren Nähe haben!' [Fürst von Befour:] 'Was können die dafür?' [Justizrath:] 'Durchlaucht, die Krankheiten der Moral sind ebenso ansteckend wie diejenigen des Leibes.' [Fürst:] 'Sie halten also den Mord für ansteckend?' [Justitzrath:] 'Unter Umständen, ja. ...'« [2068]
[Justizrath:] »... Eltern vertheidigen ja stets ihre Kinder.« [2068]
[Justizrath:] »...auf die Fragestellung kommt [beim Verhör] sehr, sehr viel an. Ob man dem Angeklagten wohl will oder nicht, das hat sehr großen Einfluß auf die Folgen. Man kann den Angeklagten durch schonendes Verhör in ein sehr mildes Licht stellen; man kann aber auch durch unbeugsames und verwickeltes Fragen ihn zu Antworten zwingen, welche belastend auf ihn zurückwirken. ...« [2070]
[Justizrath:] »Menschlichkeit! Humanität! Laxe Begriffe! Der Richter hat mit Strenge zu verfahren, denn die Macht des Gesetzes liegt eben in der Strenge. Der Richter hat niemals zu belohnen, meist aber zu bestrafen. ...« [2070]
»[Salomon Levi:] 'Wissen Sie aber, daß es Gotteslästerung ist, Gott Zebaoth mit der Lotterie in Verbindung zu bringen?' [Franz Herold:] 'Das mag sein, doch sind die Frauen ja stets gläubiger und mystischer angelegt, als wir Männer.' [Levi:] 'Aber einen solchen Unsinn darf ein Mann auf keinen Fall dulden. ...'« [2117]
[Rebekka Levi:] »Diese Herren vom Militär, welche sind so stolz, daß sie auf der Straße keinen Menschen ansehen, der nicht ist ein Krösus oder Adeliger, diese Herren muß man demüthigen, wenn sie kommen, Geld zu leihen, um zu bezahlen ihre Schulden und zu retten ihre Ehre, welche nicht ist werth einen Gulden und auch nicht einen Kreuzer.« [2120]
[Wunderlich:] »... das Leben ist ein Gaukelspiel. Der gewandteste Seiltänzer bleibt oben, die Anderen aber fallen Alle vom Seile. ...« [2132]
»Das gilt nichts. Es hat Fälle gegeben, daß die größten Spitzbuben solche Legitimationen besaßen.« [2163] »Das Spielen ist ein großmächtiges Laster! Es bringt die Menschen in's Verderben, in Armuth und Schande.« [2166]
»Früher sprach man nur von den 'dummen Bauern'. Man erzählte sich tausend der lächerlichsten Anecdoten von ihnen. Wo aber sind diese Bauern jetzt hin? Der Bauer ist klug geworden. Er weiß zu rechnen; er ist pfiffig. Er ist jetzt klüger als mancher Advocat und haut Den, von dem er sich früher betrügen ließ, nun seinerseits über die Ohren, daß es eine Art hat. Der Bauer ist dumm pfiffig.« [2201]
»... bei Gott ist Alles und beim Teufel ist sehr Vieles möglich.« [2203]
»Vorsicht ist kein Zeichen der Furcht oder der Angst!« [2282]
»Giebt man dem Teufel ein Fingerglied, so verlangt er bald die ganze Hand. Ich werde mich in Zukunft besser hüten.« [2325]
»Adolf that, als ob er sich im Zorne befinde. In einer solchen Stimmung ist man für die Verführung viel empfindlicher als bei ruhigem Blute.« [2345]
»Was Deines Amtes nicht ist, da laß Deinen Vorwitz!« [2544]
»Leider ist das Leben eines solchen Verbrechers - möchte man sagen - viel mehr werth, als dasjenige jedes ehrlichen Menschen. Wenigstens muß der Criminalist so denken.« [2555f.]
Edmund: »... Ich werde mich niemals verheirathen!« - Freiherr: »So sagt ein Jeder, der noch nicht angebissen hat. Ich war auch so. Jetzt aber meine ich, daß es die allergrößte Dummheit auf Erden ist, ohne Weib zu bleiben.« [2565]
Freiherrin: »Edmund, Du liebst? ... Das Weib eines Anderen?« - [Edmund:] »... So ein Wahnsinn wäre bei mir ja überhaupt eine absolute Unmöglichkeit.« [2565]
»Nicht einmal Eltern haben deas Recht, in solche Geheimnisse [der Liebe] ihrer Kinder einzudringen.« [2566] Freiherrin (zu einer Mesalliance): »Man schreitet allerdings lieber eine Stufe hinauf als hinab, aber Beispiele, daß die Tochter eines bürgerllichen Hauses sich gern und gut mit den Ahnen des Mannes in die Reihe stellen konnte, sind jetzt gar nicht mehr selten!« [2566]
Edmund: »'Wenn die Sonne scheint, kann kein Mensch ihrem Strahl gebieten, daß er wegbleibe!' - [Freiherr:] 'Aber einen Sonnenschirm kann man aufspannen'« [2568]
»Hm! Wie im Roman. Man rettet ein Mädchen und verliebt sich in sie.« [2569]
»Das denkst Du jetzt. In der Jugend pulsirt das Blut rascher durch die Adern, als in späteren Jahren. Darum erscheint Alles vergrößert, das Glück sowohl wie auch das Unglück!« [2570]
»Gott ist die Liebe. Wenn er eine solche Welt von Liebe in ein Menschenherz legt, so kann er nicht wollen, daß dieses Deutsche Herzen, deutsche Helden daran zugrunde geht.« [2575]
Valeska zur Mesalliance: »...es giebt Gesetze, gegen welche man nicht ungestraft sündigen darf, obgleich sie in keinem Gesetztbuche stehen.« [2588]
»Glücklich zu machen, sollman niemals zaudern.« [2597]
»Was die Mutter gut geheißen hat, darf der Vater doch nicht tadeln, oder gar rückgängig machen.« [2598]
»Die Vorsehung kann zuweilen zögern, sie mag zuweilen hart erscheinen, aber sie ist doch stets gerecht.« [2599]
»Wer sich tödten will, der tödtet sich trotz der gespanntesten Wachsamkeit [eines Wächters].« [2638]
»Euch Männer kennt man! Wenn Ihr aus unseren [- der Ehefrauen -] Augen seid, dann geht ihr außer Rand und Band.« [2644]
»Eine vorsichtige Frau läßt ihren Mann nicht in Versuchung gerathen.« [2644]
»... die Damen sind oft viel scharfsinniger als die Männer.« [2673]
»Geben sie mir eine Retorte, und ich concentrire das Weltmeer zu einem einzigen Tropfen. Meine Medicamente nehmen kaum den Raum eines Punktes weg, den Sie mit der Spitze Ihrer Feder auf Papier machen, und doch wirken sie mit der Gewalt eines Blitzes oder einer Kanonenkugel.« [2734]
»Doch bemerke ich allen Ernstes, daß ein Mann der Wissenschaft sich nie gekränkt fühlen kann, wenn er einen Fingerzeig erhält, der sich nicht auf seine Person, sondern auf die Sache bezieht.« [2749]
»... ich will diese Blamage riskiren. Ich spiele in einer Lotterie, in welcher tausend Nieten gegen einen einzigen Gewinn stehen. Desto größer ist das Glück, wenn ich einen Treffer ziehe.« [2753]
»Ihre Kenntnisse sind so bedeutend, wie das Glück groß ist, welches Sie besitzen. Und dieses letztere ist ja nicht das Geringste, was einem Arzt zu wünschen ist.« [2753]
»Es ist ja nichts unmöglich, und eine jede Möglichkeit hängt nur von Umständen ab.« [2778]
»Man soll so rasch wie möglich heirathen, das ist eine alte, gute Familienregel, auf die ich nichts kommen lasse.« [2796]
»Getheiltes Glück ist halbes Glück. ... Ihr werdet Euch genug zu sagen haben, wobei Ihr keinen Anderen braucht. Oder guckt Ihr Euch nur so im Stillen an? Es soll Liebesleute geben, die sich stundenlang in das Gesicht sehen, ohne ein Wort dabei zu sprechen, und doch ganz selig sind. Versucht es heute einmal!« [2804]
»Ich spreche und denke nicht wie ein Grünschnabel, der heute so fühlt und morgen anders.« [2807]
»... und als dann die Gläser gefüllt waren und zusammenklangen, bemächtigte sich der Versammlung bald eine Stimmung, wie sie eben nur vom Safte der Reben hervorgebracht werden kann.« [2849]
»Er war kein Damenherr und trug niemals eine Essenz bei sich wie Andere, welche die Erfahrung gemacht haben, daß Derjenige, welcxher mit dem schönen Geschlechte verkehrt, zuweilen in die Lage kommt, ein Parfüm zu gebrauchen.« [2885]
»Wenn ich nach Egypten reise und vor den Pyramiden stehe, so bewundere ich sie. Ich denke, daß vor Jahrtausenden ein längst vom Welttheater verschwundenes Volk mit armseligen Hilfsmitteln diese kolossalen Steinhaufen zu errichten vermochte. Diese Bauten wirken durch ihre einförmige, traurige Massenhaftigkeit. Ich bewundere sie, aber mein Deutsche Herzen, deutsche Helden bleibt kalt dabei. So kann es einem auch mit der Schönheit eines menschlichen Wesens gehen.« [2888]
»Man braucht einem Mädchen gegenüber nur das Wort interssant auszusprechen, so ist sie sofort gefangen wie der Sperling in den Krallen der Katze.« [2909]
»[Mein Herz] ... ist so voller Glück, daß ich nicht weiß, wohin. O, wenn so ein Mädchen wüßte, welche Seligkeit ihre Liebe über unser Leben ergießt!« [2913]
»Ein Verliebter schluckt Alles hinter, und wenn es Terpentinöl sein sollte.« [2947f.]
»Es denkt und fühlt ja nicht der Eine wie der Andere. Ueber den Begriff des Schönen läßt sich streiten. Das Wort schön darf nicht blos auf körperliche Verzüge und Eigenschaften Anwendung finden.« [2962]
»[Es ist] ... auch die Seeleneinrichtung des Weibes eine ganz andere, als diejenige des Mannes.« / »Ich meinte, daß der Mann, wenn er liebt, mehr oder weniger durch die Schönheit der Formen beeinflußt wird. Das Weib liebt weniger die Formen als den Inhalt. Ich könnte einen schönen Mann hassen und einen häßlichen lieben, beides um ihrer Herzeigenschaften willen.« [2962, 2963]
»'Und doch bin ich Ihnen so fremd.' / 'Ja, wenn wir zusammenzählen, wie oft wir uns gesehen oder getroffen haben. Aber ich zähle nicht. Es bedarf gar nicht vieler Begegnungen, um dem Herzen nahe zu stehen.« [3068]
»Wenn es sich um Eifersucht und Rache handelt, pflegt ein Mädchen gar nicht mehr an Furcht zu denken.« [3083]
»Wer Unrecht thut, darf sich später nicht beklagen, wenn ihm Anderes geschieht, als er erwartet hat.« [3086]
»Sie [die angehörigen Frauen] erfahren es auf keinen Fall, damit man es ihnen nicht entlocken kann. Den Frauen ist in dieser Beziehung ja niemals ganz zu trauen.« [3106]
»Ein Mann darf unschön sein, eine Frau aber nicht. Und die Schönheit zeigt sich ja nicht nur in den Zügen. Wer ein gutes Gemüth hat, der kann nicht häßlich sein.« [3179]
»Ja, der Lieutenant war nicht schön, aber so lieb und gut. Welch ein Glück, dem Manne zeigen und beweisen zu können, daß man ihn nicht wegen so werthloser, vergänglicher Eigenschaften liebt!« [3181f.]
[Ende]