Zitate aus Karl Mays "Weihnacht!"
zitiert nach: Karl May, "Weihnacht!", Nördlingen: Greno, 1987 = Karl Mays Werke, histor.-krit. Ausgabe, Bd. IV.21. Zitate zusammengestellt und ausgewählt von Timm Kabus.
Vorrede: Weihnacht ist eine - zunächst - ungewöhnliche Reiseerählung Mays: beginnt sie doch mit einem Ausflug ins Böhmische, bevor die Handlung in den Wilden Westen wechselt.- Bei der Suche nach für diese Seite zitierbaren Stellen fiel auf, daß solche Textstellen sehr viel häufiger waren, als in den Kolportageromanen: Das beginnt bei den zahlreichen religiösen Auslassungen und endet bei einer dreiseitigen Auseinandersetzung mit dem Gastsein!
Die Zitate
"Weihnacht! Welch ein liebes, liebes, inhaltsreiches Wort! Ich behaupte, daß es im Sprachschatz aller Völker und aller Zeiten ein zweites Wort von der ebenso tiefen wie beseligenden Bedeutung dieses einen weder je gegeben hat noch heute giebt." [9]
"Es ist jedermann, besonders aber jedem Redakteur bekannt, daß ein Gedicht, je länger es ist, desto leichter in den Papierkorb wandert, und auch ich wußte wenigstens, daß der Wert eines Poems nicht mit seiner Länge zu wachsen pflegt..." [11]
"... irdische Ewigkeiten gehen vorüber..." [13]
"Sie verfallen sonst dem Tintenteufel, der der schlimmste von allen Teufeln ist" [14]
"Ein Gedicht kann jeder machen, der die Reime dazu aus der Luft hergreift; aber eine Komposition, das ist etwas ganz anderes, das kommt nicht aus der Luft, sondern wo anders her! Da muß man etwas gelernt und ganz besonders einen tüchtigen Lehrer gehabt haben." [17]
"... wenn jemand nicht bei seinem Familien- sondern bei seinem Vornamen genannt und dieser letztere sogar in Koseform... gebraucht wird, so ist mit Sicherheit anzunehmen, daß er ein sogenannter guter Kerl ist." [34]
"Ja, man sieht es der ganzen, vornehmen Haltung an, daß Sie Studenten, wirkliche, echte Studenten sind." [36]
"Wenn die Berge hoch zum Himmel steigen, bedecken sie ihre Häupter mit Schnee, und wenn der Schnee des Alters den Menschen krönt, ist er dem Himmel nahe; Himmelsnähe aber erweckt Ehrfurcht in jeder fühlenden Menschenbrust." [48]
"Ich bejahte diese Frage mit dem bekannten, sanften Erröten, welches ein Zeichen jener verdienstvollen Bescheidenheit ist, die jeden zeitgenössischen deutschen Dichter ziert." [58]
"Auch die besser situierten Stände haben gute Stuben, allerdings "Salons" genannt. An ihre Einrichtung ist mehr Geld verschwendet worden, als die Mittel eigentlich erlauben; diese teuren Sachen müssen geschont werden; darum sind sie nicht zum Gebrauche sondern zum Prunk, zum Anstaunen da, und selbst wenn der Hausherr es einmal wagen wollte, sich auf einen solchen Stuhl zu setzen oder den Teppich mit seinen Stiefeln zu berühren, würde er von der Dame des Hauses einfach und ohne Anwendung übermäßiger Höflichkeit zur Thür hinauskomplimentiert." [67]
"Das Nikotin ist ein Drache, der mich niemals wieder in seine Krallen bekommen soll, und der Alkohol eine Schlange, die ich zähmen werde, weil man doch nicht für immer von ihr loskommen kann, denn sie taucht in hunderterlei Arten auf, die oft gefährlich, zuweilen aber auch nützlich sind." [68]
"... sie dachte, unterwegs eher und leichter gute, mitleidige Leute zu finden, und es ist auch wahr, daß einsam wohnende Menschen gastlicher sind als Bewohner von Orten, wo es Gasthäuser giebt." [97]
"Der Ort, wo ein Mensch im Verscheiden liegt, ist eine heilige Stätte, und wenn er auch der allerärmlichste der ganzen Erde wäre." [99f.]
"Der gute Mann [als Gast] erleidet wahre Folterqualen, die sich bis zum höchsten Grade der Tortur steigern, wenn er vielleicht die Unvorsichtigkeit begangen hat, in der Kunst, der Wissenschaft oder irgend einem anderen Fache hervorragendes zu leisten, so daß sein Name in die Öffentlichkeit gedrungen ist. So ein Unglücklicher bekommt Einladungen über Einladungen, aber wehe ihm, er folgt einer! Er wird von seinen lieben, aufopferungsvollen Gastfreunden herumgeritten, bis er vor Müdigkeit zusammenbricht. Diese Menschen haben keine Ahnung davon, daß sie geradezu eine Art von Mord begehen..." [149; der gesamte Gastfreundschafts-Absatz reicht von 148-150].
"Hiller hatte verdienen müssen und doch zu keinem erwerblichen Berufe Kenntnisse oder Geschick besessen, was mich auf die Vermutung brachte, daß die Familie eine aristokratische sei und das Haupt derselben bis zum Hereinbruche des Unglückes nur der Repräsentation gelebt habe..." [172]
"Man soll sprechen, wenn es notwendig ist, sonst nicht." [178]
"Kein Jäger wird es für in seinem Interesse gehandelt erachten, daß die Indianer ihm in Beziehung auf Bewaffnung gleichgestellt werden..." [183]
"Ich bin es nicht ungewohnt, sogar mehrere Tage und Nächte hindurch den Schlaf ganz zu entbehren. Die Natur richtet sich darnach ein oder wird gezwungen, sich zu fügen" [193]
"Wetten darüber, wer mehr essen oder trinken kann, sind mir abscheulich." [206]
"Man ist eben, wenn man Bekannte aufsucht, niemals sein eigener Herr!" [222]
"... das Prahlen mit Wohlthaten liebte er ebensowenig wie ich. ... Ich hörte ihn [Winnetou] oft sagen, was man für unglückliche Menschen thue, das thue man für den großen, guten Manitou, und wie man mit diesem, dem hoch Erhabenen, stehe, das dürfe man keinem Menschen, der gegen ihn ein Nichts sei, ausplaudern." [253]
"Ja, das richtige Spurenlesen im Wildwest ist eine Wissenschaft, gradezu eine Wissenschaft, über die es freilich keine Lehrbücher und auch keine Lehrstühle giebt. Nicht jeder Mensch besitzt die Gabe, es in diesem Studium zu guten Erfolgen zu bringen." [266]
"Als Handwerker hätte er es wahrscheinlich eher zu etwas gebracht; Handwerk hat einen goldenen Boden, und wer den Mann, der auf diesem ehrenwerten Boden steht, verachtet, der verdient an sich das, was er thut. Aber Carpio war eines der vielen, vielen Opfer der landläufigen und doch so falschen Ansicht vieler studierter Väter, daß es eine Schande sei, einen nicht studierten Sohn zu haben. Auch Väter, welche es zu einer guten Lebensstellung brachten, ohne eine höhere Schule besucht zu haben, und die nun doch wissen sollten, daß es viele Wege giebt, sich zu einer sogenannten, aber auch nur sogenannten, 'besseren Existenz' emporzuarbeiten, setzen einen Trumpf daruf, wenigstens einen ihrer Söhne irgend einer Alma mater womöglich mit Gewalt in die widerstrebenden Arme zu treiben. Die Folgen bleiben niemals aus; die Enttäuschung läßt nicht auf sich warten, und dann, und wenn man zehn Menschen in die berühmte Klage vom 'verfehlten Leben' einstimmen hört, so kann man getrost behaupten, daß acht oder neun von ihnen Söhne solcher Väter sind." [295f.]
"Jeder Dieb ist vor allen Dingen bemüht, seinen Raub zu Geld zu machen..." [302]
"Der Mensch ist eine gehende Pflanze, deren Wurzeln doch nirgends anders als in der Jugendzeit ruhen. Aus ihr holt er sich noch im spätesten Alter, vielleicht ohne es zuzugeben oder es auch nur zu wissen, eine Menge geistiger Nahrungsstoffe, ohne welches sein Gemüt verdorren müßte!" [304]
"... ein guter Mensch darf nicht den Vorwurf auf sich laden, die letzten Stunden eines Sterbenden schwergemacht zu haben." [326]
"Welch ein herrlicher Mann! So fühlte, so dachte und so sprach ein Indianer, also ein sogenannter Wilder! Ich habe überhaupt mehr sogenannte als wirkliche Wilde getroffen, ebenso wie man sehr leicht dazu kommen kann, mehr sogenannte als wirkliche Christen kennen zu lernen." [326]
"Der Mensch soll nur das thun, was nützlich ist, und da es gar nicht nützlich ist, sich zu fürchten, so habe ich mir die Furcht schon gleich gar nicht angewöhnt." [399]
"Ich kann den Menschen, dem der Glaube an Gott fehlt, nur tief bedauern!" [443]
"Wie oft in meinem Leben habe ich jene große Potenz bewundern müssen, welche aus uns unbekannten Gründen und Ursachen Folgen und Ereignisse zieht, die uns überraschend kommen, weil wir eben nichts von der Veranlassung dazu wußten! Diese Macht wird von dem gewöhnlich denkenden Menschen Zufall genannt. Man macht es sich da leicht; man braucht keine geistige Anstrengung dazu; man hat keine Verantwortung; man riskiert nicht, wegen des 'Ammenmärchens' von Gottes Weisheit ausgelacht zu werden; man sagt eben von jeder auf unerwartete und unerklärliche Weise eingetretenen Thatsache, daß sie dem Zufalle zu verdanken sei. Ich beneide die Anhänger der Zufallslehre nicht. Sie beugen ihre Häupter vor dem bloßen, aller Intelligenz baren Ohngefähr, vor einem seelen- und willenlosen Etwas, welches ihnen keinen Halt bieten kann, sondern ihnen denselben nur zu rauben vermag. Wieviel glücklicher ist da doch derjenige, welcher glaubt, daß Gottes Auge ihn bewacht und Gottes Vaterhand ihn durch das Leben leitet! ..." [445f.]
"Wer sich nicht belehren läßt und sich gegen andere Meinungen gern nachtragend zeigt, dem entgeht die Elastizität, welche zum Parieren schwerer Schicksalsstöße nötig ist." [447]
"Bilden Sie sich nichts ein! Wenn man nichts hat, so ist es besser, man behält nur dieses Nichts, als daß man sich noch eine Enttäuschung dazu holt." [454]
"Es soll vorkommen, daß Sterbende hellsehend sind." [500]
[Ende]