In den letzten Wochen sind über die Mailing-Liste der Karl-May-Gesellschaft (kmg@lists.uni-bielefeld.de) eine ganze Reihe Beiträge (Fragen / Antworten / Stellungnahmen etc.) zum Thema "Bearbeitungen" verschickt worden, und wie die Sache aussieht, ist die Diskussion zu diesem immer jungen Thema zur Zeit noch nicht beendet. Ich entspreche hier dem an mich herangetragenen Anliegen, die wesentlichen Beiträge für die Pinnwand zusammenzustellen, mit einer ersten Sammlung. "Wesentlich" ist natürlich immer subjektiv, direkt an einzelne Beiträger verschickte Antwort-Mails sind selbstverständlich auch nicht enthalten. Die "Bearbeitung" der Mails wird auf das formal Notwendigste beschränkt - das betrifft vor allem die Zeilenumbrüche, die Wiedergabe der Textpassagen, auf die jeweils geantwortet wurde, in Kursive und gegebenenfalls die Einkürzung von Passagen (kenntlich durch [...]), die mit dem Thema "Bearbeitungen" im wesentlichen nichts zu tun oder lediglich einleitende Funktion haben.
Teilnehmer in diesem ersten Teil:
Carsten Alsleben Carsten.Alsleben@student.hu-berlin.de
Begonnen hat es, wenn ich die Mails recht durchgesehen habe, mit einer Anfrage von Gerhard Dabel am 19. Januar 2000:
[...]Aber ich hab mal eine Frage. Vielleicht kann die hier jemand beantworten. Der Karl-May-Verlag hat für den Herbst ein neues Buch angekündigt: "Abdahn Effendi". Die Geschichte kenn ich schon. Ist das die Fortsetzung? Hat man den Text jetzt erst neu entdeckt?Vor einiger Zeit hab ich mal so ein rotes Buch gekauft, von dem ich den Titel noch nicht kannte. Da fand ich dann, daß das eine Mogelpackung war, denn die Geschichte kannte ich schon. Wird das nur gedruckt, um Kohle zu scheffeln? ;-)
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[...]Aber ich hab mal eine Frage. Vielleicht kann die hier jemand beantworten. Der Karl-May-Verlag hat für den Herbst ein neues Buch angekündigt: "Abdahn Effendi". Die Geschichte kenn ich schon. Ist das die Fortsetzung? Hat man den Text jetzt erst neu entdeckt?Die gruenen "Gesammelten Werke" befinden sich m. E. zur Zeit in einem gewissen Umbruch. Den Anfang machten vor etwa zehn Jahren die Neuausgabe von Bd. 50 (mit einem umfangreichen Nachwort ueber die Entstehung des Mekka-Bandes) und der fast voellig unmotiviert erscheinende Neusatz von Bd. 60 (textlich trotz ca. 40 S. mehr Umfang vermutlich unveraendert - habe noch nicht verglichen). 1992 kam neben einer Neubearbeitung von Bd. 34 (38. Aufl.) auch eine Neu-, vielmehr Rueckbearbeitung von Bd. 7 heraus. Seither folgten noch diverse Aenderungen: Bd. 65 im Schlussteil (vermutlich veranlasst durch die Veroeffentlichung weiterer Teile des "Verlornen Sohnes" [75/76]) (alle folgenden genannten Baende nach den Katalogen von Ekkehard Bartsch aus 1999, teilweise moeglicherweise noch nicht erhaeltlich, die dort erwaehnten Aenderungen bei den Deckelbildern uebergehe ich hier), Bd. 19, Bd. 26 (27 vorgesehen), Bd. 36, Bd. 38, Bd. 49 - Tendenz: naeher zu May hin, wenn auch nicht durchweg auf den i-Punkt genau. "Abdahn Effendi" ist nach der Liste in Bd. 34 (38. Aufl.) zuletzt noch in Bd. 48 enthalten (gewesen?) und rueckt wohl jetzt mit anderen Alterswerken Mays in Bd. 81 ein; daher steht wohl auch eine Aenderung von Bd. 48 ins Haus. Naehere Informationen vielleicht beim KMV - oder weiss hier noch jemand mehr?
Vor einiger Zeit hab ich mal so ein rotes Buch gekauft, von dem ich den Titel noch nicht kannte. Da fand ich dann, daß das eine Mogelpackung war, denn die Geschichte kannte ich schon. Wird das nur gedruckt, um Kohle zu scheffeln? ;-)
Da dies vermutlich eine Reaktion auf das von mir vermittelte Angebot ist: Die Sache mit dem "Kohle scheffeln" ist gaengige Verlagspolitik. Die verschiedenen Goethe-Ausgaben (z. B.) entstehen ja auch nicht aus dem Wunsch der Verlage, der Menschheit etwas Gutes zu tun (vielleicht hat der ein oder andere Herausgeber noch ein solches Anliegen ;-) ), sondern um den Verlagen Einnahmequellen zu sichern.
Die Spielerei mit den Titeln soll natuerlich bis zu einem gewissen Grad suggerieren, hier sei etwas Neues auf dem Markt. Es haette aber bei Bd. 1 bis 4 dieser "roten Reihe" auch mit den "Originaltiteln" zu einer solchen Suggestion kommen koennen, denn vielen "unbedarften" May-Lesern haben Titel wie "Der Scout", "Auf der See gefangen", "Die Rose von Kairwan" und "Der schwarze Mustang" sicherlich nicht so viel gesagt (obwohl in irgendeiner Form alle in den "Gesammelten Werken" vertreten) wie vermutlich einem guten Teil der Mitglieder der KMG, so dass man auch hier trotz "Originaltitel" von "Mogelpackung" haette sprechen koennen.
"Der Scout" war aber in dieser Form (mit den durchaus nicht nebensaechlichen Textvarianten gegenueber Winnetou II) zuvor nur als Reprint der KMG (und bei viel Glueck in einem Original des Deutschen Hausschatzes) erhaeltlich, "Die Rose ...", von May so zusammengestellt, war in den GW ueber zwei Baende verteilt (mittlerweile - lt. Bartsch - in Bd. 38 vereint), "Auf der See ..." nur in sehr unvollstaendiger Form in Bd. 19 (weil von May z. T. fuer den zweitenSurehand-Band verwertet ...). (Leider wurde "dem Lesebeduerfnis unserer Zeit" angepasst - das ist den Nymphenburger Baenden VIELLEICHT mehr anzulasten als die Titelspielereien: zum Zitieren von May eignen sie sich nicht.)
Sinnigerweise hat man die zugkraeftigen Namen von Mays Hauptfiguren Winnetou, Old Shatterhand, Kara ben Nemsi und Hadschi Halef Omar in die Titel der roten Reihe integriert, weil diessicherlich den Kaufanreiz erhoeht. Und gerade beim sechsten Band hat dann wohl die Variation des Titels den Vorzug erhalten, denn er war ja schon als "Winnetou und der schwarze Hirsch" vor Zeiten erhaeltlich!
Zum Stichwort "Mogelpackung": Dieselbe koennte man May ja auch vorhalten, der ja seinerzeit selbst Geschichten in leichten Variationen und/oder mit geaenderten Titeln wiederverwertete (bis hin zu den Kompilationen mit wesentlichen Aenderungen in Winnetou II/III). Die Motive von Eisenbahnueberfall und Oelbrand verfolgen einen durch mehrere Wildwest-Erzaehlungen!
NEUE Winnetou- und Shatterhand-Texte/-Taten hingegen kann man vermutlich in den Romanen von Reinhard Marheinecke finden - leider aber dann nicht von May ... ;-)
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Du hast recht, die Verlage drucken viele Bücher nur um uns abzuzocken. Dabei würde mir die normale Karl-May Reihe aus dem Karl May Verlag voll und ganz reichen. Die sieht nämlich am schönsten aus und da zahl ich dann gern ein paar Mark mehr. Ich habe alle 81 Bände !! Und auch noch das Karl-May-Filmbuch. Ein tolles Buch! Deshalb freue ich mich sehr auf den Band Nr. 81 "Abdahn Effendi".Ich glaube, die roten Bände sind überflüssig. Meine Frage hatte übrigens nichts mit Deiner Mail zu tun.
Zu Weihnachten habe ich eine rote Taschenbuchausgabe von 33 Bänden bekommen. Da waren auch Titel die ich noch gar nicht kannte, zum Beispiel das Ehrenwort. War dann der blaurote Methusalem. Fand ich irgendwie nicht so toll. Genauso mit "Der Schwarze Mustang". War Halbblut. Irgendwie waren da auch total viel Rechtsschreibfehler drin. Und auch sachliche Fehler. Zum Glück sind die in meiner normalen Ausgabe korrigiert, wäre sonst echt ärgerlich.
Mein Opa hat auch noch Karl May Bücher. Witzigerweise sehen die genauso aus wie meine, nur das Bild sieht manchmal anders aus. Und innen ist dann alte Schrift, die kann ich gar nicht lesen. Aber ich finde das gut, daß Karl May auch die Generationen verbindet.
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[...]Dabei würde mir die normale Karl-May Reihe aus dem Karl May Verlag voll und ganz reichen.mir nicht. Aber niemand wird zum Kauf irgendeiner Ausgabe gezungen, so what? Nebenbei: Hast Du mal gezählt, wieviele Goethe-Ausgaben es gibt? (Ok, ok, Karl May spielt in einer anderen Liga <g>, aber Du kannst G. praktisch durch jeden anderen Autorennamen ersetzen, dessen Träger mindestens 70 Jahre tot ist)
bekommen. Da waren auch Titel die ich noch gar nicht kannte, zum Beispiel das Ehrenwort. War dann der blaurote Methusalem. Fand ich irgendwie nicht so toll. Genauso mit "Der Schwarze Mustang". War Halbblut.
andersherum wird ein Schuh draus <g>
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[...]Du hast recht, die Verlage drucken viele Bücher nur um uns abzuzocken. Dabei würde mir die normale Karl-May Reihe aus dem Karl May Verlag voll und ganz reichen. Die sieht nämlich am schönsten aus und da zahl ich dann gern ein paar Mark mehr. Ich habe alle 81 Bände !!Schoen, den KMV wird's freuen. Um Giesbert Damaschkes Reaktion auf diesen Satz (Mir nicht!") verstaendlicher zu machen, sollten vielleicht dazu noch ein paar Anmerkungen gemacht werden, da vielleicht nicht alle Teilnehmer an dieser Liste darueber Bescheid wissen (das Beispiel des [Noch?-]Mitglieds [Name leider entfallen], das in Segeberg den abgelehnten Ausschlussantrag gegen L. Schmid stellte und sich irgendwann in den KMG- Nachrichten bitter ueber die Desillusionierung beklagte, als es von den Bearbeitungen im KMV erfuhr, ist mir noch deutlich in Erinnerung) (Kenner der Szene koennen diese Mail vielleicht gleich auf dem Schutthaufen der Geschichte abladen, da trage ich doch nur Eulen nach Athen ... ;-) ):
Die gruenen Baende des KMV (von der Ausstattung her sicherlich nach wie vor sehr ansehnlich) und alle von ihnen abgeleiteten Ausgaben (Jubilaeums-Ausgabe, Bestseller-Ausgabe, Karl-May-Taschenbuecher bei Ueberreuter, diverse Lizenzen) sind in der Form, wie sie seit dem Zweiten Weltkrieg rund vierzig Jahre lang vorlagen, fast durchgaengig bearbeitet und weichen teilweise erheblich von den Ausgaben ab, die zu Mays Lebzeiten mit Mays Autorisierung erschienen. Und das betrifft nicht nur Aenderungen der Rechtschreibung oder des Gebrauchs bestimmter grammatikalischer Phrasen, sondern auch die Handlungen! (Das Thema, inwieweit die Muenchmeyer-Romane [GWB 51-55/77, 56-59, 60/61-63/78, 64-65/74-76, 66-68/73/78] schon in den aeltesten Druckfassungen nicht oder doch von May sind, moechte ich hier nicht durchhecheln. ;-) ) Fuer (literatur-)wissenschaftliche Zwecke - sprich zum Zitieren von Karl May - eignen sie sich also fast durchweg nicht. (Es sei denn, man behandelt die Bearbeitungen ...)
Leider hat sich diese Situation auch nach dem Erloeschen der urheberrechtlichen Schutzfrist an den Originaltexten Mays Ende 1962 nicht grundlegend geaendert. Die meisten Ausgaben, die seither erschienen (und die rote Reihe ist nur eine davon), mussten sich Pfusch am Werk des Maysters vorwerfen lassen. (Allerdings kein singulaerer Fall: Goethes Faust zum Beispiel ist auch betroffen, der Kommentar in der Ausgabe des Deutschen Klassiker-Verlages ist dazu sehr aufschlussreich!)
"Zitierfaehigen" May bringen daher im wesentlichen nur: Die Reprints, wie sie die Karl-May-Gesellschaft (Zeitschriftenabdrucke), der Karl-May-Verlag (Buchausgaben Fehsenfeld/Union) und der Olms-Verlag (Muenchmeyer-Romane), um die wichtigsten zu nennen, vorgelegt haben, und die Ausgabe "Karl Mays Werke", die sogenannte historisch-kritische Ausgabe (Verlage Greno, Haffmans und seit 1994 das Buecherhaus in Bargfeld). [Natuerlich auch die Originalausgaben von anno dunnemal, aber die sind ja fast schon zu wertvoll zum Lesen ...]
Und um das zu betonen: Es macht auch jenseits von literaturwissenschaftlichem Interesse einen Heidenspass, diese Texte zu lesen!
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Deshalb freue ich mich sehr auf den Band Nr. 81 "Abdahn Effendi".
Da ist die gesamte Karl-May-Anhaengerschaft (ob Nur-Leser oder Wissenschaftler) sicher sehr gespannt!
Ich glaube, die roten Bände sind überflüssig.
Es ist interessant festzustellen, dass diese Meinung sowohl bei Anhaengern der gruenen Baende als auch bei Textpuristen grassiert ... ;-) Bedauerlich finde ich in der Tat, dass die "rote Reihe" bearbeitet wurde, als bedauerlich koennte man es empfinden, dass zwei Baende davon in der ersten Haelfte der achtziger Jahre schon mal erschienen sind, aber abgesehen von Band 5 und von der Bearbeitung lagen diese Geschichten in dieser Form lange Zeit nicht fuer die Allgemeinheit vor! Das hat sich mittlerweile ja teilweise auch in den gruenen Baenden geaendert! (Und ganz abgesehen davon: die rote Reihe scheint ja verlagsvergriffen zu sein.)
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Zu Weihnachten habe ich eine rote Taschenbuchausgabe von 33 Bänden bekommen. Da waren auch Titel die ich noch gar nicht kannte, zum Beispiel das Ehrenwort. War dann der blaurote Methusalem. Fand ich irgendwie nicht so toll. Genauso mit "Der Schwarze Mustang". War Halbblut. Irgendwie waren da auch total viel Rechtsschreibfehler drin. Und auch sachliche Fehler. Zum Glück sind die in meiner normalen Ausgabe korrigiert, wäre sonst echt ärgerlich.
Jetzund wird's interessant! Und mir stellt sich hier doch tatsaechlich die Frage nach dem Alter des Schreibers! (Das ist nicht boeswillig gemeint!)
Die rote Taschenbuchausgabe ist wohl der Paperback-Nachdruck der sogenannten Zuericher Ausgabe (Parkland), die auf der historisch-kritischen Ausgabe (s.o.) basiert. Folgerichtig uebernimmt sie deren Titel. Der Titel "Halbblut" stammt nicht von May, sondern vom KMV; " ... Methusalem" ist der Buchtitel, die Zeitschriftenerstfassung hiess "... Ehrenwort ...", beim Buch ist aber anscheinend Mays Mitwirkung an der Textredaktion nicht abzuschaetzen, also folgen die Herausgeber dem Zeitschriftenabdruck und damit dessen Titelfassung.
Rechtschreibfehler: Ueber einige offensichtliche Satzfehler in den Parkland-Baenden habe ich mich auch geaergert - aber es sei darauf hingewiesen, dass die Texte dieser Baende die Textvorlage moeglichst zeichengetreu wiedergeben, und vor mehr als hundert Jahren (VOR der ERSTEN Rechtschreibreform zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts) schrieb man einiges anders als heute nach zwei Reformen: Fremdwoerter meist in der Form der Lehnsprache, oftmals statt "t" "th" usw., und das nicht einmal vollkommen einheitlich! Das sollte bei einer Kritik der Schreibung bedacht werden!
Sachfehler: Die hat der KMV in jahrzehntelanger Arbeit zu eliminieren versucht, aber May hat sie so verfasst - in eigener Unkenntnis von Sachverhalten oder sogar dessen, was er kurz zuvor selbst geschrieben hatte! Und es muss gesagt werden, dass man vielleicht manchen Sachfehler ohne weitere Konsequenzen tilgen kann - manch anderer Fehler aber beeinflusst weitere Handlungen, und somit veraendern Aenderungen dieser Fehler auch die folgenden Handlungen und Ablaeufe! (Da muss ich bei meinem eigenen Geschreibsel auch hoellisch aufpassen!!!)
Mein Opa hat auch noch Karl May Bücher. Witzigerweise sehen die genauso aus wie meine, nur das Bild sieht manchmal anders aus.
Ich hatte darauf hingewiesen, dass bei einigen Baenden seit kurzem wieder Radebeuler Deckelbilder verwendet werden, also diese Bilder von anno dunnemal! Wirf mal einen Blick in Deine Buchhandlung!
Und innen ist dann alte Schrift, die kann ich gar nicht lesen.
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Im uebrigen ein Punkt, ueber den ich schon mit Lothar Schmid vom KMV vor Jahren diskutiert habe - und diese simple Anmerkung eines May-Lesers macht es augenfaellig, wie sinnvoll auch die Neusatz-Ausgaben der alten May-Texte sind! (Das mindert die Wichtigkeit von Reprints um keinen Deut!)
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[...]hier eine kleine Ergänzung zum informativen Gespräch zwischen Dabel und Maske:Band 38 "Halbblut":
enthält jetzt neben "Halbblut" mit Untertitel "Der schwarze Mustang" diedrei Abteilungen aus "Die Rose von Kairwan", die früher auf die Bände 19 und 38 verteilt waren. Sämtliche anderen Erzählungen, die bislang in Band 38 enthalten waren, müssen demnächst ihre Position wechseln. Für Band 19 "Kapitän Kaiman" dürften sich auch Konsequenzen ergeben, da er ja - wie oben geschildert - etwas erleichtert wurde. Der "Silberlöwe" soll wieder 4bändig werden, wobei aber die bislang verwendeten Titel beibehalten werden. Band 26 liegt mir bereits vor. Band 27 müßte noch folgen. Die Bände 28 und 29 werden wohl unverändert bleiben. Diejenigen Einzelerzählungen aus der alten Fassung von Band 26, die nicht zum Silberlöwen gehören, werden frei und wandern vermutlich nach Band 19 oder 48, dessen Spätwerkserzählungen "Merhameh", "Schamah" und "Abdahn Effendi" im neuen Band 81 erscheinen werden. Die Neufassung von Band 26 ist übrigens am Deckelbild zu erkennen (der Name "Karl May" ist knallrot). Also bitte ärgert die Buchhandlungen nicht, indem ihr alle 26er aus den Schrumpffolien wickelt und anfangt, zu blättern ;-)
[...]
Hi JörgUnd das betrifft nicht nur Aenderungen der Rechtschreibung oder des Gebrauchs bestimmter grammatikalischer Phrasen, sondern auch die Handlungen!Find ich nicht. Also, ich habe über Weihnachten die Bände 16-18 gelesen (hatten aber in der roten Taschenbuchausgabe ganz andere Nummern!!). Da war die Handlung eigentlich genauso wie in der Fassung, die ich schon zweimal gelesen hatte. Nur war der Stil nicht so gut. Und eben die vielen Rechtsschreibungs-Fehler!! Oder die ganz alte Rechtsschreibung wie du sagst. Aber mal ehrlich: Stell dir vor, ein Schüler schreibt im Diktat ein Wort, daß er falsch so in der Taschenbuchausgabe gelesen hat. Wenn er sich beschwert, dann zeigt ihm der Lehrer den Vogel. Das ist doch wohl nicht gut für das Ansehen Karl Mays!! Außerdem waren Sachfehler in den roten Büchern. Zum Beisp. wo Kara Ben Nemsi die Sklavenjäger am Dschebel Arsch Qol (mit Q!!) fängt, da stimmen die Himmelsrichtungen nicht. Gut, daß der Karl-May-Verlag das in der richtigen Ausgabe korrigiert hat!
Und um das zu betonen: Es macht auch jenseits von literaturwissenschaftlichem Interesse einen Heidenspass, diese Texte zu lesen!
Find ich nicht (s.o.). Ich habe auch kein literaturwissenschafliches Interesse. Wer macht das? Marcel Reich-Ranitzki? Find ich cool, den Typen, habe aber noch nie gehört, daß der sich zu Karl May geäußert hat.
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Ich habe auch kein literaturwissenschafliches Interesse.aber ich z.B. Und ein paar tausend andere May-Leser auch.
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Liebe May-Freunde,die z. Z. zwischen Gerhard Dabel, Jörg Maske und Giesbert Damaschke geführte Diskussion paßt gut zu einem Beitrag in der Pinnwand von Werner Fleischer, auf den ich an dieser Stelle noch einmal hinweisen möchte.Ich denke, Herr Damaschke überschätzt die Zahl der literaturwissenschaftlich interessierten May-Leser ein wenig, insbesondere derer, die an dem Wortlaut des Maysters nicht ein Iota geändert sehen wollen. Die Karl-May-Gesellschaft beherbergt knapp 2.000 Mitglieder. Hierin dürften die Puristen nur eine Untermenge darstellen, jedenfalls eine nicht so hohe Zahl, daß sie für einen kommerziell ausgerichtetes Unternehmen, einen Verlag z. B., als Zielgruppe interessant wären. Verlage möchten mehrere Zigtausend Auflagen verkaufen und das über Jahre hinaus, und das hat der KMV mit seiner Ausgabe in geradezu auffälliger Weise geschafft. Und nicht zuletzt durch d i e s e Massenwirkung Karl Mays wurde die Konstituierung der Karl-May-Gesellschaft überhaupt erst möglich.
Zu den Bearbeitungen mag man stehen wie man will. Meiner Meinung nach haben sie ihre Berechtigung, solange neben den Neufassungen für die an der Forschung interessierten der vermeintlich "echte" Karl May zur Verfügung steht, und hier hat der Karl-May-Verlag einiges geleistet, siehe das umfangreiche Reprint-Programm, das alles andere als ein wirtschaftlicher Erfolg sein dürfte und letztendlich nur mit dem Erfolg der Bearbeitungen finanziert werden konnte.Außerdem ist die Qualität der Bearbeitungen sehr unterschiedlich. Einige Titel wurden kaum angetastet, andere dagegen stärker verändert bis hin zur Ergänzung völlig neuer Textabschnitte. Insofern würde ich es begrüßen, wenn man nicht immer pauschal von "den KMV-Bearbeitungen" spricht, sondern von ganz bestimmten Ausgaben, über die dann detailliert diskutiert werden könnte. Immerhin darf unterstellt werden, daß der KMV die Texte nicht veränderte, um May zu schaden. In diesem Sinne können wohl unlautere Motive kaum unterstellt werden, denn damit hätte sich der KMV selbst das Wasser abgegraben. Jede einzelne Textänderung war wohlüberlegt, und es wäre doch einmal interessant, nach den Gründen zu fragen und zu untersuchen, ob sie heute noch Gültigkeit haben.Daß die "Originale" durchaus nicht immer das Gelbe vom Ei sind, konnte ich erst jüngst wieder erfahren bei der Lektüre eines Beitrags von Walther Ilmer im Sonderheft der Karl-May-Gesellschaft Nr. 6, wo er seitenlang detailliert auf die katastrophalen Schwächen und Widersprüche im Münchmeyer-Roman "Deutsche Herzen - Deutsche Helden" eingeht, der einen Schluß bot, der alle Fragen offen ließ. Nach weit über 2.000 Seiten wird der Leser gnadenlos mit einem offenen Schluß alleingelassen. Da kann doch niemand erwarten, daß ein Verlag heute diese Frechheit in Millionenauflage wiederholt. Ilmer bezeichnet denn auch im Karl-May-Handbuch die KMV-Bearbeitung als "gelungene Leseausgabe". Der Schluß von "Deutsche Herzen - Deutsche Helden" ist sogar so schlecht, daß die KMG einen alternativen Schluß als Sonderband herausgab (Autor: Harald Mischnick; Titel: Das letzte Rencontre; Verlag: KMG-Presse Ubstadt).
Es wäre schön, wenn sich einzelne Listenteilnehmer zu einer sachlichen Diskussion zu diesem Thema zusammenfinden könnten.
Hier meine Einstellung:Mein erster Kontakt zu May waren die grünen Bände des KMV. Durch weitere Bücher, die ich beim KMV erwarb, erfuhr ich zum erstenmal etwas von der KMG. Seither habe ich einige Reprints (KMG und KMV), die Züricher Ausgabe und einige Bücher der historisch-kritischen Ausgabe erworben.Meinen Kindern (zur Zeit: 1 [2 Jahre alt]) werde ich jedoch (zunächst) nur die grünen Bande zum Lesen geben, da:
1. die Rechtschreibung der Reprints die Schulnoten in Gefahr bringt und2. der KMV einen flüssigeren Stil bietet.Einige Handlungen sind vom KMV verbessert worden (denke ich), z.B. in "Ardistan und Dschinistan" findet man nichts mehr von der geheimen Schrift auf dem Schild und was damit zusammenhängt, dagegen bekommt die Dschemma der Lebenden eine Bedeutung.Trotzdem bin ich an den Originaltexten interessiert und werde mir auch weiterhin Reprints besorgen.
[...]Das Problem der Bearbeitungen stellt sich allerdings meines Erachtens weniger unter dem Gesichtspunkt der Lesbarkeit oder heutigen Rechtschreibung noch unter dem der sachlichen Fehler, die der Mayster in seinen Werken begangen hat.Die erfolgten Bearbeitungen lassen vielmehr Karl May selbst in einem Licht erscheinen, daß nicht richtig ist. Der moderne Leser eines überarbeiteten Karl-May-Buches glaubt regelmaessig, er lese ein Buch aus der Feder Karl Mays. Tatsaechlich jedoch ist es gar nicht mehr allein Mays Werk, sondern das Werk mehrerer Bearbeiter. So erfreulich es für das Lesevergnügen sein mag, daß Erzählungen ein sinnvolles Ende haben, frei von Logikfehlern sind und an heutigem Sprach- und Rechtsschreibgebrauch gemessen besser zu lesen sind als die ursprünglichen Texte - es sind nicht mehr die Texte Karl Mays. Der hat nunmal nicht so geschrieben, wie man heute, laese man nur Buecher aus dem KMV und entsprechende Lizenzausgaben, glauben koennte.
Noch viel schwerer wiegt, daß die Bearbeitungen seiner Werke schon vorgenommen wurden, als sie noch durch das Urheberrecht geschuetzt waren. Letztlich handelt es um einen rechtswidrigen Eingriff in ein Recht, das neben der Möglichkeit, eigenes Schaffen in bare Münze umzuwandeln, auch die Persönlichkeit des Urhebers schützt.
Um nicht falsch verstanden zu werden: Die Bearbeitungen haben sehr viel zur Popularität von Karl May beigetragen, weil sie viele seiner Werke erst einem grossen Lesepublikum zugänglich und verständlich gemacht haben. Wenn ich aber ein Karl-May-Buch lese, dann will ich nicht einfach nur gut unterhalten werden. Meine Wertschaetzung für Karl May verlangt es, daß ich vornehmlich diejenigen Werke zur Kenntnis nehme, die voll und ganz aus seiner Feder stammen. Zum Glück ist - wie bereits ein anderer Listenteilnehmer erwaehnt hat - der Zugang zu diesen Ursprungstexten heute gut moeglich, da sowohl KMG wie KMV Reprints veroeffentlichen, die historisch-kritische Reihe vorhanden ist (die uebrigens die Ur-Texte in der heutigen Schrift bringt, die fuer jeden lesbar ist, wenngleich ich meine, jeder Literaturinteressierte sollte auch Altdeutsch lesen koennen) und vor allem weil die Ur-Buchausgaben noch zu halbwegs erschwinglichem Preise erworben werden koennen. Ich darf mir erlauben, diesbezüglich auf www.ebay.de hinzuweisen, wo viele Werke Karl Mays, auch Fehsenfeld und Radebeuler Ausgaben, manchmal sogar Union, versteigert werden (einfach unter Suche Karl May eingeben).
[...]der Autor schrieb:„Ich habe Korrekturen und Kürzungen nie geduldet. Der Leser soll mich so kennen lernen, wie ich bin, mit allen Fehlern und Schwächen, nicht aber wie der Redakteur mich zustutzt.“ [Mein Leben und Streben, Freiburg (1910), S. 234.Ein Zitat aus „Der Fremde aus Indien“, Bamberg 1995, S. 79:
„Fluchend ließen sie sich auf die seidenbespannten Stühle fallen, daß die leichten Sessel in den Fugen krachten. ‚Bravo!’ lobte van Zoom. ‚Halt’s Maul’ knurrte Bormann. ... ‚Dem Hund brech’ ich die Knochen, der dir das verpfiffen hat!’ ‚Benimm dich anständig, Bormann! Ich habe hier zwölf blaue Bohnen in den Schießeisen – es kommt mir nicht darauf an, dir eine zwischen die Rippen zu jagen!’“
Hat dies noch etwas mit Karl May zu tun?
[...]Ich denke, Herr Damaschke überschätzt die Zahl der literaturwissenschaftlich interessierten May-Leser ein wenig,mag sein, mag auch nicht sein: Nicht jeder an May Interessierte ist in der KMG, nicht jeder in der KMG ist litwiss. an May interessiert, nicht jeder, der nicht literaturwissenschaftlich an May Interessierte will sich mit Ausgaben ad usum delphini zufriedengeben. -
All das ändert nichts daran, daß (zum Teil massive) Eingriffe in Mays Text vorgenommen wurden (nicht nur vom KMV, bewahre) und auch nichts daran, daß die "Gesammelte-Werke"-Ausgabe als verlegerische Leistung, nun, sagen wir mal: einzigartig da steht.
Ich zumindest kenne keine andere Werkausgabe eines Schriftstellers, die auch nur entfernt mit den "Grünen Bänden" vergleichbar wäre. Schon die Editionsprinzipien sprengen den Rahmen germanistischer Beschreibbarkeit.
das hat der KMV mit seiner Ausgabe in geradezu auffälliger Weise geschafft,
stimmt, *so* ...
Und nicht zuletzt durch d i e s e Massenwirkung Karl Mays wurde die Konstituierung der Karl-May-Gesellschaft überhaupt erst möglich.
... kann man das natürlich auch formulieren.
Immerhin darf unterstellt werden, daß der KMV die Texte nicht veränderte, um May zu schaden.
Einigen wir uns lieber auf: der KMV hat die Texte nicht verändert, um dem KMV zu schaden.
Jede einzelne Textänderung war wohlüberlegt
Eine imho mehr als kühne Behauptung - doch darüber will ich mit Ihnen nicht streiten. Ich habe einfach einen viel zu großen Respekt vor einem Text und seinem Verfasser, als daß wir uns in dieser Frage einigen könnten. Da geht's für mich um fundamentale Fragen des philologischen Gewissens, weit jenseits von Rang oder Bedeutung eines Autors und erst recht der Überlegung, ob "Verlage" nun so unbedingt "über Jahre hinaus mehrere Zigtausend Auflagen verkaufen" möchten oder ob dort nicht andere Prioritäten gelten könnten.
Aber wie auch immer: es wäre mit Sicherheit einmal aufschlußreich, am Beispiel einiger ausgewählter Bände sorgfältig alle Bearbeitungen über die Jahre hinweg zu dokumentieren und die Prinzipen der Bearbeitungspraxis zu rekonstruieren.Ich denk da gar nicht mal so sehr an die die Kolportagedinger oder das Spätwerk, sondern die unumstrittenen Klassiker wie zB Winnetou, Silbersee, Durch die Wüste etc. Wäre doch mal ein schönes Disseratations-Thema und im Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung sollten sich auch die notwendige Kärner- und Fleißarbeiten auf ein Minimum reduzieren lassen. (Oder gibt es dergleichen schon?)Nach weit über 2.000 Seiten wird der Leser gnadenlos mit einem offenen Schluß alleingelassen.
tja, man muß nicht nur als Leser mit Enttäuschungen leben lernen <g>
[...]der Autor schrieb:„Ich habe Korrekturen und Kürzungen nie geduldet. Der Leser soll mich so kennen lernen, wie ich bin, mit allen Fehlern und Schwächen, nicht aber wie der Redakteur mich zustutzt.“ [Mein Leben und Streben, Freiburg (1910), S. 234. Ein Zitat aus „Der Fremde aus Indien“, Bamberg 1995, S.79:Der Mayster bringt in wenigen Worten genau das zum Ausdruck, wozu ich miretliche Zeilen in meiner vorherigen mail abgerungen habe. Ich will genauden Karl May lesen, diese bemerkenswerte historische Person, und ich willKarl May als Person ueber seine Buecher kennenlernen. Und das geht nuneinmal nur mit unverfaelschten Ausgaben.
Liebe May-Freunde,in der interessanten Diskussion ueber Bearbeitungen von May-Texten ist man leicht versucht, zu pauschalisierenden Beurteilungen zu gelangen oder gar Dogmen aufzustellen.Fuer fast jede Aussage im Mayschen Gesamtwerk kann man auch gegenteilige Zitate ins Feld fuehren, ganz abgesehen von der Tatsache, dass sich Mays Haltung zu bestimmten Themen waehrend seines Lebens bzw. Schaffens auch geaendert hat. So wird oft uebersehen, dass der spaetere May-Verleger Dr. Euchar Albrecht Schmid mit May ausfuehrliche Diskussionen ueber dessen Werk gefuehrt hat, die den Schriftsteller schliesslich zu dem oft zitierten Ausspruch 'Sie sollten mein Verleger werden!' veranlassten. Wenn man nicht an diesen Worten zweifelt (das nehme ich persoenlich einmal an), dann kann man daraus ein gewisses Einverstaendnis fuer Schmids Bearbeitungsplaene ableiten.
Andererseits hat man Aeusserungen Mays, gerade auch seine Autobiographie, sehr vorsichtig zu interpretieren und nicht jedem Wort unmittelbar Glauben zu schenken. ich verweise in diesem Zusammenhang auf die Kontroverse um die Blindheit des Autors. Wer autobiographische Zeugnisse etwas distanzierter betrachtet, muss nicht zugleich sagen 'May hat gelogen' (wie gerne unterstellt wird), sondern versucht nur, sich einem schwierigen psychologischen Phaenomen zu naehern.
Nachdem mir damit dargelegt zu sein scheint, dass man die Bearbeitungs-Diskussion nicht mit plakativen Zitaten Mays fuehren kann, denke ich, dass man den W e r t der Bearbeitungen beurteilen sollte. Keine Bearbeitung ist wohl ohne Grund entstanden.
- Beispiel: Union-Erzaehlungen
Hier ergab es sich zwangslaeufig,dass die Texte gekuerzt werden mussten, weil die gruenen Baende sonst den Norm-Umfang bei weitem gesprengt haetten. Dass dabei besonders der Hobble-Frank (mit seinen fuer meinen ganz persoenlichen Geschmack unertraeglichen Erguessen) dran glauben musste, war vielleicht in bezug auf die Masse der Leserschaft nicht die schlechteste Loesung. Einige Grausamkeiten kamen hinzu (Fackel ins Gesicht stossen), andere fielen weg (Winnetou zertrampelt wehrlosen Gefangenen). Dadurch werden Akzente gesetzt, die aber das Gesamtwerk kaum beeinflussen. Im uebrigen sind die neu hinzugefuegten Grausamkeiten kaum schlimmer als das, was May selbst in einigen seiner Marienkalender-Geschichten darbietet.- Beispiel: FruehwerkDer Doppelroman Zepter und Hammer/ Die Juweleninsel ist nur fuer den eingefleischten May-Fan, der auf biographische Spurensuche gehen will, interessant. Als Leser ist der Roman ein echter Krampf. Die KMV-Ausgabe bietet jedoch auf jeden Fall ein spannendes und gelungenes Jugendbuch mit einem befriedigenden Schluss.- Beispiel: Kolportage-RomaneEinige Romane sind an sich (bis auf Anachronismen) recht zusammenhaengend geschrieben (Waldroeschen, Weg zum Glueck, Liebe des Ulanen), doch ist ihnen die Kuerzung gut bekommen, da man niemandem seitenweise extrem nichtssagende Dialoge zumuten kann. Zumindest fuer mich ist die Lektuere der Originaltexte ein echtes Zeitproblem. Die Romane 'Deutsche Herzen und Helden' und 'Der verlorene Sohn' sind in der Originalfassung nicht befriedigend motiviert bzw. voellig unzusammenhaengend. Warum das so ist, dafuer kann man sicherlich unter Beruecksichtigung der Biographie Mays Theorien aufstellen. W. Ilmers Beurteilung der KMV-Baende 60-63 ist nicht hinzuzufuegen. Allein die Bearbeitung des Hauptteils des 'Sohn' findet mein persoenliches Missfallen. Wie J. Wehnert zurecht anmerkt, ist der Stil hier voellig geaendert und masslos verflacht. Fuer eine umfassende Beurteilung dieses Textes muss man jedoch die Editionsgeschichte kennen, was nicht einfach moeglich ist, da sie Urfassung der Bearbeitung (in 'Das Vaterhaus') nur wenigen Sammlern bekannt ist.Selbstverstaendlich muss man auch zwischen den einzelnen Bearbeitern differenzieren.Ich wuerde mich jedoch freuen, wenn man zu einer weniger pauschalisierenden Beurteilung der KMV-Texte faende.
[...]also literaturwissenschaftlich interessiert bin ich an Mays Werken nicht im geringsten, ich lese sie, weil es mir Spaß macht.Trotzdem war ich vor mehreren Jahren regelrecht entsetzt darüber, als ich bei Christian Heermann ("Der Mann, der Old Shatterhand war - Eine Karl-May-Biographie."- 1988, S. 18 ff.) las, wie stark entstellt die Texte teilweise sind. Ich halte dies für ein grundsätzliches Problem, denn wenn May draufsteht sollte auch May drin sein. Es mag ja sein, daß sich der eine oder andere Band des KMV besser lesen läßt seitdem er bearbeitet wurde, aber ich fühle mich durch diese Manipulationen um meine Begegnungen mit Karl May betrogen. Wenn Originaltexte schon verändert werden, erwarte ich wenigstens den Hinweis: ".. bearbeitet von XY ..", damit man selbst entscheiden kann, ob man dies akzeptieren kann oder nicht. Für mich jedenfalls ist klar, daß ich einen möglichst großen Bogen um KMV-Bände mache.Was die Leistungen des KMV bei der Verbreitung der Werke Mays betrifft, fühle ich mich ihm in keiner Weise verpflichtet. Ich habe Karl May durch die (auch nicht gerade textnahen) Barker / Brice - Verfilmungen kennen- und liebengelernt und bin mit (den ebenfalls grünen) Bänden des Verlages Neues Leben aufgewachsen, die ich nach wie vor sammle.
Diese anscheinend weniger bekannte Werkausgabe hat inzwischen auch schon Band 63 erreicht und wird mit 2-3 Bänden pro Jahr fortgesetzt. Dabei erschienen die Bände der letzten Jahre "unter Zugrundelegung der Buchausgaben aus den Jahren 1887 - 1910" mit modernisierter Rechtschreibung. Ich persönlich hoffe zumindest, daß es sich hierbei um Originaltexte handelt. Aber vielleicht hat dies ja schon mal jemand überprüft?
Die Reprints und die historisch-kritische Ausgabe finde ich beeindruckend. Dies alles mag zwar sein Geld wert sein, doch mir sind insbesondere die Bände der HKA schlichtweg zu teuer.