Aktuelles aus: KMG-Nachrichten 116 - Juni 1998

Übermittelt von Engelbert Botschen


Jahrbuch - Karl May

Deutsche Tagespost v. 22. März 1997:

Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft, Band 26 (1996). Herausgegeben von Claus Roxin, Helmut Schmiedt und Hans Wollschläger, 437 Seiten, 52,-- DM. Hansa Verlag Ingwert Paulsen, Husum, 1996.

Insgesamt achtzehn Beiträge umfaßt das 26. Jahrbuch der Hamburger Karl-May-Gesellschaft. Die Autoren untersuchen das umfangreiche Werk des deutschen Volksschriftstellers aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Das Prinzip der Vielfalt ist durchaus beabsichtigt. So können die Herausgeber und wissenschaftlichen Beiträge das literarische und musikalische Werk Karl Mays interdisziplinär ausloten und die große Spannweite der literarhistorischen und kulturgeschichtlichen Traditionsbezüge in der Zusammentragung divergierender kontextueller Aspekte einem großen Kreis von Karl-May-Lesern nahebringen.

Ein Schwerpunkt der versammelten Aufsätze, die größtenteils auf Vorträge bei der Karl-May-Gesellschaft in Bad Segeberg im Herbst 1995 rekurrieren, bildet die komparatistische Analyse von Karl Mays literarischen Bezügen und historischen Quellen. Folgt man dem Schöpfer von Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar in die Jagdgründe der Phantasie, so wird deutlich, daß sich May sowohl in der Wahl seiner literarischen Mittel als auch in seiner produktiven Genre-Aneignung ganz unterschiedlicher Traditionen bedient hat. So weisen Helmut Lieblang und Hans-Jörg Neuschäfer in ihren profunden Beiträgen nach, wie Karl May in seinen Reiseerzählungen auf den Spuren des Grafen d'Escayrac de Lauture wandelte und wie er die Formenwelt des französischen Feuilleton-Romans eines Alexandre Dumas d.Ä. und eines Eugène Sue rezipiert und für das eigene Schaffen fruchtbar gemacht hat.

Spannend zu lesen sind auch die Aufsätze, die bisher eher vernachlässigten Randgebieten der Karl-May-Forschung gewidmet sind. So wird etwa die Rolle der Musik im Leben und Werk Mays untersucht, ferner werden Analogien im Leben und Arbeit zwischen Karl May und Hans Fallada verifiziert, die Germanisten beschäftigen sich mit den "autobiographischen Hinweisen in den Reiseromanen" Mays, mit dem durchgängig rhetorischen Charakter seiner Romane, mit der "Leitmotivik des frühen Karl May", mit den "Formen und Funktionen des Reisens bei Karl May", mit dem "Indianerbild Mays und der Tradition der Fremdendarstellung" und zu guter letzt mit der Verfilmung der May-Bücher. Abgerundet wird der sorgsam edierte Sammelband durch einen ausführlichen Literaturbericht, der die neueste Forschungsliteratur zu Karl May einer kritischen Analyse unterzieht. Aber auch Karl May kommt selbst zu Wort mit einem Widmungsgedicht, das er kurz vor seinem Tod verfaßt hat. Ingo Schmidt


Auch der "Teckbote", Kirchheim (Teck), vom 24.12.97 berichtet über unsere Jahrbücher:

Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1997. Herausgegeben von Claus Roxin, Helmut Schmiedt, Hans Wollschläger, 433 Seiten, Leinen, 52.- DM (ISBN 3-920421-71-X).

Den Mittelpunkt des Karl-May-Jahrbuches 1997 bildet Karl Mays berühmte Jugenderzählung ,,Der Schatz im Silbersee", die zu einem der meistgelesenen Bücher deutscher Sprache geworden ist. Mehrere Studien beschäftigen sich mit der Erzählstruktur sowie historischen Hintergründen dieses Werkes.

Daneben untersuchen weitere Studien die Sterbeszenen in Mays Kolportageromanen, seinen Umgang mit Namen und geometrischen Schemata oder aber den Einfluß Alfred Brehms auf Mays orientalische Szenerien. Auch Karl May selbst meldet sich 1997 zu Wort: Wiedergegeben werden Mays Aufzeichnungen über die chinesische Sprache, das kürzlich aufgefundene Gedicht ,,Des Buches Seele" sowie seine Briefe an die Leserin Babette Hohl, die Mays durch zunehmendes Alter veränderte Sichtweise seiner Phantasiewelten darstellen:

,,Ich habe bisher nur skizziert, mich geübt, mich vorbereitet. Jeder halbwegs gebildete, unbefangene Mann. der meine bisherigen Bände liest, muß vom ersten Blicke an immer deutlicher und deutlicher erkennen, daß alle diese meine Erzählungen nichts weiter sind als nur Experimente, Proben und Versuche, das Richtige zu treffen. Wer das nicht sieht, der ist unbedingt literarisch blind." (Brief vom 11.3. 1905).


Ein erlöster Straftäter!

Das Buch unseres Vorsitzenden über Karl May, das Strafrecht und die Literatur hat lebhafte Beachtung gefunden. Die Neuherausgabe dieser längst bekannten Essays stieß in eine Marktlücke.


Jazzethik (S. 298):

In der Reihe Promenade des Verlages Klöpfer & Meyer legt Gerd Ueding als Herausgeber seit kurzem Essays vor, die sich außerhalb ausgetretener Pfade mit unterschiedlichsten Themen auseinandersetzen. Bis jetzt sind zehn Bände erschienen, Band 8 behandelt einen wichtigen, das Leben bestimmenden Punkt in der Biografie Karl Mays.

Schon Arno Schmidt (Sitara und der Weg dorthin, 1963) und Hans Wollschläger (Karl May. Grundriß eines gebrochenen Lebens, 1976) beschäftigten sich mit den Ungesetzlichkeiten und Köpenikaden des Reise- und Abenteuerschriftstellers, der im Gewand seiner von ihm selbst erfundenen Personen eine Einheit von Leben und Werk anstrebte. Claus Roxin, Professor für Rechtswissenschaft in München und Präsident der Karl-May-Gesellschaft, untersucht in vier Vorträgen und Studien die Straftaten, vom ersten Diebstahl 1859 bis zu einer angeblichen Amtsanmaßung im Jahre 1879. Karl May verbrachte viele Jahre im Gefängnis, denn seine gesteigerte kriminelle Energie führte konsequent zu einer Erhöhung des jeweiligen Strafmaßes. Ab 1874 beginnt sein Leben als Schriftsteller. "Fragt man sich, warum ein solcher Mann in einer doch auch wieder recht massiven Weise straffällig werden konnte, so zeigt der Ablauf seines Lebens dem Kriminologen drei Problemfelder, deren Ineinandergreifen mir die Erklärung zu liefern scheint. Das erste dieser ,Felder' wird durch die staatliche Reaktion auf die Gesetzesverstöße des jungen Seminaristen und Hilfslehrers bezeichnet; das zweite durch die soziale und familiäre Situation des Kindes und das dritte durch die Art und Weise der Straftaten, die vom Bilde der üblichen Delinquenz erheblich abweicht und dadurch zur Deutung ihrer Ursachen beitragen kann."

Das kriminelle Verhalten des Künstlers May als junger Mann war, wie eine programmierte Wechselwirkung, Ausgangspunkt für die spätere literarische Arbeit. Kreativität durch Delinquenz ist die Schlußfolgerung, die unter Mays Lebenswerk gezogen werden kann. Noch heute wird Karl May als Jugendschriftsteller angesehen, vor allem deshalb, weil seine Frühwerke, die Abenteuer von Old Shatterhand, Old Surehand, Winnetou, Kara Ben Nemsi, Hadschi Halef Omar, die Phantasie junger Menschen beflügelten. Seine Spätwerke allerdings, so sieht es Claus Roxin, gelten als psychologische Aufarbeitung der Mayschen Biografie. Die suggestive Wirkung der angeblich selbst erlebten Abenteuer hielt "sogar die ganze deutsche Öffentlichkeit bis in die Literaturgeschichte hinein eine Zeitlang" gefangen. May nahm die Gestalt seiner nur der Phantasie entsprungenen Figuren an, deren Erlebnisse er für sich reklamierte. Folgen und Einschätzung untersucht Roxin anhand von Material über May und anhand seiner Schriften.

Die literarische Öffentlichkeit feierte Karl May erst in seinem hohen Alter gebührend. Trotzdem mußte der Schriftsteller sich an seinem Lebensabend sehr unangenehmer Anfeindungen gerichtlich erwehren, die im Zusammenhang mit seinen Straftaten als junger Mensch standen. Die Studie Dr. Karl May, genannt Old Shatterhand, zuerst publiziert 1974 im Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft, nimmt diese gewandelte Sicht der Öffentlichkeit zum Anlaß, den späten Triumphator May im Lichte der Huldigungen zu zeigen. Der Journalist Rudolf Lebius trug entgegen seiner eigentlichen Absicht dazu bei, daß der von ihm denunzierte Karl May spät zwar, aber nicht zu spät, gerechtfertigte Anerkennung erhielt. Aber aller Erfolge zum Trotz: Roxin stellt klar, Karl May verlor durch die geistige Besetzung seiner erfundenen Figuren Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi an Reputation. Heute wird das Gesamtwerk Karl Mays angemessen gewürdigt, nicht zuletzt durch die Bemühungen der Karl-May-Gesellschaft und des Präsidenten Claus Roxin. Klaus Hübner

Claus Roxin: Karl May, das Strafrecht und die Literatur, Tübingen 1997, Klöpfer & Meyer, 192 S.


Kumulus 3/98:

Claus Roxin: Karl May, Strafrecht und die Literatur, Verlag Klöpfer und Meyer, DM 32,-

Winnetou, der Kämpfer für Gerechtigkeit, ist in manchem der Antipode zu dem, was sein Schöpfer Karl May in seinem Leben durch die angeblich gerechtmachende Justiz erfahren mußte. Claus Roxin, Professor für Strafprozeßrecht, hat in der renommierten Reihe "Promenade" des Tübinger Verlages Klöpfer und Meyer ein essayistisches Buch über "Karl May, das Strafrecht und die Literatur" verfaßt: Karl May als "höchst problematischer, doch gerade darin moderner Autor, der seine entgrenzte, entsprungene Phantasie in eine künstlerische Kraft verwandelte und sich damit die Bedingungen eines menschenwürdigen Lebens selber schuf", so drückt es Gerd Ueding in seinem Vorwort zu dem Band aus. Roxin geht den Straftaten von Karl May nach und verfaßt darüber "glänzende Essays über das Strafrecht und die Literatur, über die kreativen Wirkungen der Delinquenz, über die Entstehung exotischer Rettungsromane". Ein Buch, das zweifellos Karl May denen näherbringt, die ihn immer noch und immer wieder als Begleiter durch die großen Abenteuer ihrer Jugend lieben, und das dennoch nichts von dem Mythos nimmt, der mit dem Namen dieses Schriftstellers verbunden wird.


Karl May: Schriftsteller zwischen Wahn und Sinn, oder: von der Lust zu fabulieren

Der Dichter vom Gefängnishof

Von Stefan Bergmann

Westfälische Nachrichten, 7.2.1998

Karl May wandelte wohl irgendwo zwischen Wahn und Sinn, zwischen Schein und Sein. Dabei vermischte er beides so geschickt, daß zum Schluß der geneigte Zuhörer und auch Leser gar nicht mehr wußte, was denn nun allein den grauen Zellen des Dichters entsprungen ist, und was er wirklich erlebt hat, in dem verschlafenen Städtchen Ernstthal in Sachsen.

Der harmlose Jugendbuchautor, der hin und wieder ein bißchen flunkert, das ist - pardon: war - Karl May beileibe nicht. Diese These zu untermauern, war das Ziel eines Professors aus München, der in einem denkwürdigen, anekdotendurchzogenen Vortrag über Karl May referierte: Prof. Dr. Dr. h.c. Claus Roxin.

Und weil Roxin von Haus aus Strafrechtler ist, und es sich überdies um einen Vortrag auf Einladung des "Freundeskreis Rechtswissenschaft" der Uni Münster handelte, machte sich der prominente Redner daran, Karl May in einem psychopathologischen Parforce-Ritt zu schriftstellerischem Kleinholz zu verarbeiten: vergnügt wie vergnüglich, in höchstem Maße amüsant aber, und - das war wichtig -, nicht wirklich böse. Denn Roxin ist auch Vorsitzender der deutschen Karl-May-Gesellschaft. Und die ist nun wahrlich kein Rezitations-Clübchen mit Hang zum Indianerspiel.

Karl May (1842 bis 1912): Dieb, Frauen-Verführer, Hochstapler, Lügner und schließlich Knastbruder. Weil er aus einer armen Familie kam, so Roxin, mußte er sich Prestige erkämpfen. Was er dann auch sehr konsequent versuchte, aber immer wieder scheiterte: Weil er Kerzen stahl, flog er aus dem Lehrerseminar. Weil er sich eine Taschenuhr "geliehen" hatte, kam er ins Gefängnis - und verlor seinen Lehrer-Job. Als Dr. Heilig kurierte er Augen, als Herr Hermes linkte er die Kaufleute. Insgesamt saß May acht Jahre im Gefängnis.

Doch May sei kein kalt kalkulierender Lügner gewesen, oh nein. Er habe nur eine "pseudologia phantastica" entwickelt, laut Roxin die Angewohnheit, die Realität mit der Phantasie zu vermischen, wie es Kinder tun. Doch während überbordende Phantasie bei Kindern normal sei, offenbare May "pathologische Züge", so Roxin, um mit einem Schmunzeln hinzuzufügen: "Hochstapelei und Dichtertum haben aber dieselben Wurzeln".

Und so dichten Dichter die Welt um, wie es ihnen gefällt, und May schrieb über Prärie, wilden Westen mit freiheitsliebenden Helden (Freiheit, die er mangels Geld und zu kurzen Hofganges ja kaum erlebt hat), wilden Osten mit mächtigen Herschern (Macht hatte er auch nie) und Reisen in ferne Länder (die weiteste Reise war wohl Ernstthal-München). Doch die Selbst-Therapie Mays hatte Erfolg, seine 40000 phantastisch beschriebenen Seiten zeugen davon.

Und Claus Roxin? Wäre er a) nicht ein Wissenschaftler und b) nicht ein (heimlicher?) Verehrer von Karl May, wäre er c) wohl kaum in der Lage, mit solch' sichtbarer Lust den Volksdichter in der Luft zu zerreißen - um ihn liebevoll wieder zusammenzusetzen.


Woran man bei einem Umzug u. a. denken sollte

oder Was passiert, wenn Sie der KMG Ihre neue Adresse nicht mitteilen?

Eine wichtige Aufgabe von Geschäftsführer und Schatzmeister besteht darin, unsere Mitgliederdatei immer auf einem aktuellen Stand zu haben. Daß dies bei über 1880 Mitgliedern nicht ganz leicht ist, kann man sich denken. Viermal im Jahr vor Auslieferung der Quartalssendung und zusätzlich vor Auslieferung des Jahrbuchs geht eine lange Liste, die unser Schatzmeister sorgfältig erstellt, zur Husum Druck- und Verlagsgesellschaft. Sie enthält die neuen Mitglieder, Löschungen von Daten (z. B. bei Todesfällen) und Adressenänderungen. Die Mitglieder der KMG sind sehr mobil - es kommt immer eine nicht gerade kleine Zahl von Adressenänderungen zusammen.

Und was geschieht nach der Auslieferung? Nach Husum geht jedes Mal ein dicker Packen Quartalssendungen und Jahrbücher zurück, die nicht zugestellt werden konnten!

Liebe Mitglieder, ich möchte Ihnen am Beispiel der März-Mitteilungen erläutern, was dies bedeutet.

1. Sie sind umgezogen und vertrauen auf Ihren Nachsendeantrag (und wollen vielleicht irgendwann einmal dem Geschäftsführer eine Karte schicken ...). Das funktioniert aber bei einer Pressesendung wie den Mitteilungen nicht unbedingt! Pressesendungen werden nämlich nicht generell nachgesendet, sondern nur unter ganz bestimmten Bedingungen.

a) Wenn jemand innerhalb eines bestimmten Postbezirks umgezogen ist, muß der Briefträger ein Formular mit der neuen Adresse ausfüllen, dieses an den Absender (d. h. Husum Druck) zurücksenden und die Sendung an die neue Adresse zustellen. Aber: offensichtlich kennt nicht jeder diese Regelung, so daß manchmal Sendungen auch innerhalb eines kleinen Ortes nicht nachgesendet werden, manchmal jedoch quer durch Deutschland.

Immerhin haben wir im März auf diese Weise sechs neue Adressen erfahren, einige allerdings nur mit der weiteren Hilfe des Computers (Straßenverzeichnisse der D-Info), da man nicht denken braucht, die Formulare seien alle leserlich ausgefüllt.

b) Sechs Sendungen gingen nach Husum zurück mit der neuen Adresse (Lesbarkeit s. o.), weil die Bedingungen für einen Nachsendeantrag nicht erfüllt waren. Diese Mitglieder haben also von mir die Mitteilungen nachträglich erhalten. Aber: In Husum werden natürlich erst einmal alle Rückläufer gesammelt, was bis Mitte März gedauert hat. Entsprechend spät habe ich diese Nachlieferungen verschickt. Und vor allem: zusätzlich zu den Versandkosten der ersten Auslieferung (relativ preiswerte Pressesendung) kommt dann ein Briefporto von DM 3,-.

2. Sechs Mitglieder sind "unbekannt verzogen". Wird von der KMG Hellseherei erwartet? In diesen Fällen können wir nur hoffen, daß sich diese Mitglieder noch melden, spätestens nämlich dann, wenn die nächste Quartalssendung nicht bei ihnen eintrifft. Denn natürlich müssen diese Daten gelöscht werden, da die Juni-Mitteilungen ja mit Sicherheit wieder nicht zugestellt würden.

3. Sendungen werden nicht nachgesendet, gehen aber auch nicht an den Absender zurück, d. h. sie "verschwinden" irgendwo. Falls das Mitglied sich meldet, gibt es eine Nachlieferung; ansonsten erfahren wir gar nichts von der Nichtbelieferung.

Das alles verursacht zusätzliche Kosten - Änderungen an der Mitgliederdatei können in Husum natürlich nicht kostenlos vorgenommen werden, Nachlieferungen durch mich bedeuten erhöhte Versandkosten, vor allem, wenn jemand mehrere Mitteilungen erhalten muß - gar nicht zu reden von dem Zeitaufwand, den mindestens vier Leute fünfmal im Jahr betreiben müssen.

Die Kosten für den Versand der Jahrbücher sind sowieso erheblich höher (z. Zt. DM 7,50), es kann sich also jeder ausrechnen, was die KMG für die erneuten Auslieferungen aufbringen muß.

Herzlichen Dank an alle, die rechtzeitig vor ihrem Umzug an Geschäftsführer oder Schatzmeister schreiben. Es reicht nicht, eine neue Adresse nur auf dem Überweisungsträger (z. B. bei der Beitragszahlung) anzugeben. Das gibt es nämlich auch! Erstens wird nicht unbedingt der komplette Text eingescannt und erscheint auf dem Kontoauszug, zweitens werden einzelne Buchstaben immer wieder nicht korrekt eingescannt, und drittens, wie soll der Schatzmeister wissen, daß es sich tatsächlich um eine Adressenänderung handelt?

Also, Sie möchten doch auch sicher an Ihrem neuen Wohnort die nächsten Mitteilungen und das Jahrbuch lesen können. Es wäre schön, wenn einmal nicht mehr so viele Mitglieder in jedem Quartal aus der Datei gestrichen werden müßten, nur weil sie bei den vielen Benachrichtigungen, die ein Wohnungswechsel nun einmal erfordert, die KMG vergessen haben.

Ulrike Müller-Haarmann


Die Chronik der KMG wird fortgesetzt

Zum 25jährigen Bestehen der KMG 1994 schrieb Erich Heinemann eine ausführlich berichtende, spannend erzählende Chronik, die alle damaligen Mitglieder erhielten. Erich Heinemann hat die Geschichte der KMG, die namentlich am Anfang "der abenteuerlichen Züge nicht entbehrte", wie Professor Roxin einmal sagte, vom ersten Tage an miterlebt; er hat die KMG mitbegründet und sie als Vorstandsmitglied entscheidend mitgestaltet.

Inzwischen arbeitet Erich Heinemann an einem Fortsetzungsband, der an das Jubiläum von 1994 anknüpft und die weitere Entwicklung bis in das Jahr 2000 umfassen soll. Dann besteht die KMG 30 Jahre. Mit ihrem 30jährigen Bestehen endet zugleich eine Ära, die durch die Ablösung der ältesten Mitglieder des Vorstandes, die noch aus der ,,Gründerzeit" stammen, gekennzeichnet ist.

Auf diesen zweiten Chronikband dürfen unsere Mitglieder schon heute gespannt sein. Wer den ersten Band noch nicht besitzt, sollte die Gelegenheit wahrnehmen, ihn sich jetzt zu beschaffen. Ein geringer Restbestand (etwa 60 Exemplare) ist noch vorhanden. Hier der Titel:

Erich Heinemann, Eine Gesellschaft für Karl May. 25 Jahre literarische Forschung. 1969 - 1994. Hansa Verlag, Husum. Preis 15,00 DM.

Bestellanschrift:

Ulrike Müller-Haarmann, Gothastr. 40, 53125 Bonn.


Herbert Meier

Gustav Bär - Architekt und Freund Karl Mays

Sonderheft der KMG Nr. 113 (1997):. 79 Seiten.

Gustav Bär ist kein Name, der in den Schriften über Karl May häufig auftauchen würde und so dürfte die Gestalt dieses damals bedeutenden Architekten und Künstlers nur wenigen ein Begriff sein. Die vorliegende Monographie von Herbert Meier (Hemmingen) schließt also eine Lücke der KM-Forschung, denn Gustav Bär hat unter anderem wesentliche Teile des Mobiliars von Karl Mays Arbeitszimmer und Empfangssalon in der "Villa Shatterhand" entworfen. Konkret und detailgetreu, wie wir es von ihm gewohnt sind, macht Herbert Meier die Leser mit Leben und beruflichem Werdegang des gebürtigen Thüringers Bär bekannt, der seit 1906 bei der Eisenbahnverwaltung in Hannover arbeitete und später dort auch größere Hochbauentwürfe anfertigte. Mit Karl May stand Bär seit 1906 im Briefwechsel; Bär versuchte unter anderem, den damals als Redakteur für das "Hannoversche Tageblatt" arbeitenden Schriftsteller Hermann Löns dazu zu gewinnen, über Mays Drama "Babel und Bibel" positiv zu besprechen. Stattdessen schrieb Arthur Kutscher, der später berühmte Theaterkritiker, am 4.11.1906 im "Hannoverschen Tageblatt" eine eher vernichtende, keineswegs gerechte Rezension des Mayschen Stücks. Herbert Meier weiß auch sehr kenntnisreich über Bärs Einsatz im "May-Kampf", vor allem in der Auseinandersetzung mit dem Hamburger Pädogogen Wolgast, zu berichten. Auch Bärs Entwürfe für einen neuen Schreibtisch in Mays Arbeitszimmer und für das "Empfangszimmer" der Villa Shatterhand werden ausführlich dokumentiert. Interessant sind auch der Hinweis, daß Bär May 1909 den Entwurf (Zeichnung oder Aquarell) übersandte und daß sich Bär 1910 an der Ausschreibung für den Entwurf eines Bismarck-Denkmals in Bingen beteiligte, wobei Meier nachweist, daß Bärs Entwurf offenbar von Vorschlägen Karl Mays inspiriert wurde.

Auch nach Mays Tod setzte sich Bär sehr für Karl May ein; unter anderem fungierte er als Vertrauensmann für Hannover des 1918 von Rudolf Beissel und Fritz Barthel gegründeten "Karl-May-Bundes". Auch bei der Gründung des KMV 1913 hat Bär offenbar entscheidend mitgewirkt. So ist Herbert Meiers kleine Monographie über Gustav Bär nicht nur ein unentbehrlicher Beitrag zur Wirkungsgeschichte Karl Mays, sondern er zeichnet auch im Kleinen ein genaues Porträt der Jahre 1906-1929 "im Umkreis Karl Mays" bzw. seiner Freunde. Man wird daher sagen dürfen: in der Bibliothek des May-Interessierten darf dieses reich bebilderte Sonderheft keinesfalls fehlen!

ANREIZ FÜR ENGLISCH-SPRACHLER!

Zwei englischsprachige Arbeiten (auf medizinischer Grundlage), ,,Überlegungen zu Karl Mays frühkindlicher Erblindung" (ca. 170 Zeilen plus Anm./Lit.-Angaben) und ,,Überlegungen zur Frage: Woran starb Karl May?" (ca. 250 Zeilen plus Anm.) bedürfen der Übertragung ins Deutsche, zwecks Veröffentlichung durch die KMG. Aus mehreren Gründen bin ich verhindert, diese Übertragungen vorzunehmen. Im Namen des Vorsitzenden, Prof. Dr. Roxin, bitte ich Damen wie Herren, die sich der Aufgabe unterziehen wollen, dem Vorsitzenden (Bindingstraße 5, 82131 Stockdorf) wie auch mir (Erfurtstraße 16, 53125 Bonn) ihre Bereitwilligkeit mitzuteilen! Dank im voraus! Walther Ilmer.

Rezensionen:

Christoph F. Lorenz


Nachruf:

Dr. Ferdinand C. de Rooy

Am 4. März 1998 verstarb Dr. Ferdinand C. de Rooy, einer der bekanntesten Karl-May-Experten in den Niederlanden. Er wurde im Alter von 78 Jahren ganz unerwartet aus einem arbeitsreichen Leben abberufen, das er - neben seinem Lehrerberuf - hauptsächlich Karl May gewidmet hat.

So erschien bereits 1955 die erste holländische Karl-May-Biographie aus seiner Feder: "Old Shatterhand, ook voor U" (Old Shatterhand, auch für Sie). Im Verlag Het Spectrum folgte 1958 eine Übersetzung der KMV-Ausgabe ,,Bei den Trümmern von Babylon" in zwei schmalen Bänden. 1962 schrieb er unter dem Titel ,,De Man die Old Shatterhand was" (Der Mann, der Old Shatterhand war) den Text für eine Rundfunksendung. Und schließlich veröffentlichte der Verlag Het Spectrum zwischen 1962 und 1967 seine unvergessene große Karl-May-Ausgabe in 50 Taschenbüchern, womit er in den Niederlanden einen Riesenerfolg hatte.

Am 9. März haben wir uns auf dem Friedhof Nieuw Eykenduynen in Den Haag von Dr. Ferdinand C. de Rooy verabschiedet. Wir werden unseren Freund nicht vergessen!

Maarten van Diggelen


Lebhafte Aktivitäten im Internet

Neue INTERNET-Adresse für Karl May

Auf Initiative von Prof. Dr. R. Wolff stellt die Uni Bielefeld ihren Rechner für die Belange der KMG zur Verfügung. Professor Knoll (Arbeitsgruppe Technische Informatik) richtete eine Adresse ein, die online angewählt werden kann und nun den Namen Karl May enthält: http://karlmay.uni-bielefeld.de. Herzlichen Dank nach Bielefeld !

In der ZEIT Nr.13 und 14 erschien unter der Rubrik 'Sidestep: world wide web- Empfehlungen im Internet' ein Hinweis auf diese Adresse der KMG. Wie man hört, freuen sich die Betreiber über äußerst regen Zugriff von Interessierten.

Eine eigene Homepage stellt Ralf Harder zur Verfügung und arbeitet ständig an der Aktualisierung: http://karlmay.uni-bielefeld.de/kmg/pinnwand/harder.htm, unter Aktuell - Pinnwand findet man auch andere ansprechende Angebote, das von Harder ist aber optisch besonders hübsch angerichtet, ein Besuch lohnt sich !

Nicht mehr ganz neu, aber auch interessant: Auf den Externen Seiten mit Karl May finden Sie Links zu KM-Haus, KM&Co, KM-Museum und den KM-Verlag Bamberg.


Karl-May-Haus renoviert

Am 156. Geburtstag wurde das renovierte Haus dem Publikum wieder geöffnet, mit neuem Dach und einer Eröffnungsausstellung. Im Geburtshaus trafen sich Oberbürgermeister Erich Homilius, Regierungspräsident Altensleben, Stellv. Landrat Gersdorf, Wiss. Beirat Dr. Heermann, A. Neubert (Hausherr), R. Wagner (Museum), W. Hallmann (Freilichtbühne), J.-M. Bönisch (Freundeskreis), B. Schmidt (KMV) und J. Pompe (KMV) und viele, viele andere, das Gedränge war enorm, auch die Presse war vertreten. Bei Reparaturarbeiten an der Fassade im September 97 wurden am Dach und an der Wettergiebelseite erhebliche Schäden festgestellt, worauf das Haus geschlossen wurde und die Renovierungsarbeiten begannen. Das ganze Dachgeschoß wurde leergeräumt, das Dach komplett entfernt, die Ausstellungsstücke umquartiert. Finanziert wurden die Reparaturarbeiten mit Fördermitteln seitens der Stadtsanierungs- und Entwicklungsgesellschaft und der Denkmalpflege. Die Stadt und die Kommune kamen für den Rest der Kosten auf. Deshalb erklangen auch viele Dankesworte zur Feierstunde am 25.2.98, die aber noch einen anderen Zweck hatte: Preisverleihung an die Sieger der Ausschreibung zum Karikaturenwettbewerb "Karl May aus dem Sichtwinkel seiner Leser". In der Sonderausstellung bis 31.März wurden die besten Arbeiten präsentiert. Den Preis von DM 5000,- teilten sich Marco Oeser (Oberlungwitz) und Thomas Müller (Hadamar).


Süd-West-Treffen der KMG

Unser Freund Karl Serden teilt mit: Die Karl-May-Freunde aus dem Rhein-Neckar-Gebiet laden wieder zu einer Begegnung ein, die am

Samstag, 27. Juni 1998 ab 17 Uhr im Lokal "Mamma Rosa" (früher Park-Café) Dreikönigstr. 8, % 06202-4335 (Fremdenzimmer) in 58723 Schwetzingen stattfinden wird. Gäste und Interessenten sind - wie immer - willkommen.


Verleihung des Karl-May-Förderstipendiums an Dr. A. Graf (KMG)

Am 5.3.98 trafen sich im Ratssaal des Rathauses in Radebeul: Oberbürgermeister Dr. Volkmar Kunze und René Wagner (Vorstandsvorsitzender bzw. Geschäftsführer der Karl-May-Stiftung), H. Adler (Vorstandsmitglied der KM-Stiftung), H. Schubert (Kulturamtsleiter der Stadt), H. Dr. Rascher (Geschäftsführender Vorsitzender des Freundeskreises KM-Museum), Prof. Dr. R. Wolff (KMG), Prof. Dr. K. Ludwig (KMG), A. Neubert (KM-Haus), Pressevertreter der Stadt und der KMG, und außerdem H. Joachim Sacher von der Firma Gerburg. Der Preisträger Dr. Andreas Graf erhielt in der Laudatio von Prof. Wolff *) äußerst anerkennende Worte und bedankte sich bei Stiftung und Sponsoren, unter andrem mit dem Versprechen, weiter 'die pfadlosen Wüsten von Bibliotheken' zu durchwandern. Zuvor hatte René Wagner auf die Gründung der Stiftung und ihren Auftrag hingewiesen. Am 5.März 1913 (also vor 85 Jahren) wurde die Urkunde gemäß Antrag bei der königlich-sächsischen Regierung auf gemeinnützige Stiftung unterzeichnet, Zahlungen erfolgten erstmals 1917. Nach 1990, dem Gründungsjahr des Kuratoriums, und der 'Wende'-Arbeit jetzt also ein erster Preisträger. Dr. Kunze sprach dann von der Bedeutung des KM-Museums für die Stadt, jährliche Besucherzahlen von 100 000 seien ein deutliches Zeichen. In den neuen Satzungen von 1991 wurde neu aufgenommen der Förderpreis. Die Finanzierung erfolgt durch Sponsoren, für 1997/98 sind zu nennen die Fa. Dresdner Leasing GmbH, Fa. Gerburg Wohnungsbau GmbH und Fa. R+S Grundstücksgesellschaft. Leitgedanke für alle: Für Karl May ist gleich für Radebeul. Prof. Wolff hatte sich über Dr. Graf gut informiert und referierte humorvoll aus den beruflichen Anfängen des Preisträgers, den Werdegang (Promotion über Balduin Möllhausen) und die Tätigkeit als Freier Mitarbeiter bei diversen Verlagen. Ab 1996 betreut Graf die Datenbank mit dem Projektnamen HALEF (Historische Abenteuerliteratur europäischen Formats) am Germanistischen Institut der TU Dresden. Mit Radebeuler Schloßberg-Sekt und musikalischer Untermalung durch zwei Studentinnen der Kreismusikschule Radebeul endete die Feier.


Prof. Dr. Reinhold Wolff

 

85. Jahrestag der Karl-May-Stiftung:

Verleihung des Karl-May-Förderstipendiums

Laudatio für Dr. Andreas Graf

 

 

Meine Damen und Herren, lieber Herr Graf,

wenn heute, anläßlich des 85. Jahrestages der Karl-May-Stiftung, zum ersten Mal ein Karl-May-Förderstipendium an ein Mitglied der Karl-May-Gesellschaft verliehen wird, dann müßte nach Fug und Recht an dieser Stelle eigentlich Claus Roxin stehen, um für den Kandidaten die Laudatio zu halten. Denn wer wäre hierzu geeigneter als Claus Roxin, seit einem Vierteljahrhundert Vorsitzender und Seele der Karl-May-Gesellschaft, mit der die wissenschaftliche Erforschung von Karl Mays Leben und Werk erst so richtig in Gang kam; und darüber hinaus 2.Vorsitzender des Kuratoriums der Karl-May-Stiftung und übrigens sehr viel länger mit dem Kandidaten bekannt und damit viel besser vertraut mit seinen bisherigen Werdegang als ich selbst.

Aber Claus Roxin wird an diesem Tag für einen anderen Termin benötigt, bei der Hochzeit seines Sohnes in München nämlich: einem Termin überdies, der viel länger vorhersehbar war. Und da der große Vorsitzende der Karl-May-Gesellschaft bei allen seinen unbestritten gewaltigen Qualitäten doch nicht über die Fähigkeit verfügt, an zwei Orten gleichzeitig physisch präsent zu sein, erging die Bitte an mich, den Kandidaten gebührend zu loben, wie der Brauch es nun einmal will.

Ich habe dies auch gerne zugesagt, schienen mir doch das Ereignis selbst wie auch der Kandidat des Förderstipendiums, Herr Dr. Andreas Graf, ungewöhnlich genug und allen Lobes wert. Daß sich, in rein privater Initiative, Unternehmen der regionalen Wirtschaft zusammentun, um ein wissenschaftliches Vorhaben zu unterstützen, ohne dabei auf staatliche Anreize und Förderprogramme zu schielen: normal ist das, wie wir alle wissen, heutzutage nicht. Die Idee zu dieser "Initiative für Radebeul" stammt von Peter Grübner, dem gerade ausgeschiedenen Vorstandsvorsitzenden der Karl-May-Stiftung, dem die Stiftung übrigens ihr Überleben verdankt wie kaum einem andern, und es mag viel Hanseatisches in ihr stecken, viel von hanseatischem Bürgersinn und Bürgerstolz; aber sie paßt auch gut in eine Karl-May-Landschaft, in der sich das Radebeuler Museum zu über 70 % aus eigenen Einkünften finanziert (17 %, nicht 70 % sind bundesrepublikanischer Durchschnitt), und in der die Mitglieder von Vorstand und Kuratorium der Karl-May-Stiftung wie auch die Mitglieder der Karl-May-Gesellschaft ausschließlich unbezahlt und ehrenamtlich in Sachen Karl-May tätig sind. Normal ist das alles nicht in einer Zeit, in der die Wissenschaft am Tropf der bürokratisch organisierten Drittmittelforschung hängt, gelenkt längst nicht mehr vom genuinen Erkenntnisinteresse und der Neugier der Wissenschaftler, sondern von den anonymen Entscheidungen wissenschaftsfremder Bürokraten und Politiker (und ich spreche jetzt nicht von der alten DDR, sondern von der alten und neuen Bundesrepublik). Daß sich, wie in der Initiative "Für Radebeul", privatwirtschaftliche Generosität engagiert in einem Feld, in dem auch sonst ausschließlich originäre Neugier und selbstbestimmtes Forschungsinteresse das Klima bestimmen, ist der ungewöhnliche, nicht repräsentative Glücksfall, und braucht vielleicht auch den ungewöhnlichen Gegenstand, an dem all dies sich kristallisiert, eben: Karl May.

Ungewöhnlich ist aber auch die Person des heutigen Stipendiaten, die ich Ihnen nun kurz vorstellen möchte. Herr Dr. Andreas Graf, 1958 in Köln geboren, hat an der Universität Köln Germanistik, Geschichte und Philosophie studiert und, ebenfalls in Köln, 1989 mit Auszeichnung promoviert: mit einer Arbeit über Leben und Werk des Balduin Möllhausen, der für Kenner des Werks von Karl May kein Unbekannter ist, wohl aber noch immer für viele Germanisten. Graf ist seit 1985, d. h. seit dem Abschluß seiner Magisterarbeit, publizistisch tätig: in Buchpublikationen, Editionen und Beiträgen in Fachzeitschriften, auch dem Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft. Neben dieser wissenschaftspublizistischen Tätigkeit stehen auch literarische Publikationen: der Gedichtband "Männlich und Winterfest" von 1982; derzeit ist, so hört man, auch ein Roman im Entstehen. Seit 1985 ist Graf auch freier Mitarbeiter in diversen Literaturzeitschriften; seit 1991 produziert er als freier Mitarbeiter Bücher für verschiedene Verlage und ist in Lektoraten tätig. Ebenfalls seit 1991 und bis heute hat Herr Graf Lehraufträge an den Universitäten Köln und Koblenz erhalten. Seit 1994 ist er auch freier Mitarbeiter des Deutschlandfunks.

Spätestens die wiederholten Erwähnungen des Wortes "frei" dürften dabei signalisiert haben, daß Herr Dr. Graf die prekäre und risikoreiche Existenzform eines "freien Autors" oder "freien Schriftstellers" gewählt hat, nur gelegentlich abgestützt durch Stipendien (etwa einem Graduiertenstipendium des Landes NRW 1985 bis 1987, oder einem Postdoc-Stipendiums der DFG 1991 bis 1993) oder aber die erwähnten Vortrags- und Lektoratstätigkeiten, bzw. die ebenfalls erwähnten Arbeiten beim Rundfunk. Wer weiß, wieviel mit den eigentlich wissenschaftlichen Publikationen zu verdienen ist – nämlich gar nichts oder doch so gut wie gar nichts –, der wird auch mit Respekt zur Kenntnis nehmen, daß Grafs Lebenslauf für einige Jahre die Arbeit als Telegramm- und Eilzusteller beim Postamt Köln 1 (mit 18 Wochenstunden) dokumentiert. Das unter so schwierigen Umständen entstandene, wissenschaftlich-publizistische Oeuvre ist gleichwohl eindrucksvoll. Ich darf einige der über 30 Titel kurz hervorheben:

Da wären an erster Stelle zu nennen natürlich die beiden Buchpublikationen, die aus der Kölner Dissertation entstanden sind: "Der Tod der Wölfe" von 1991, eine moderne, kritische und in vielen Punkten zum ersten Mal recherchierte Möllhausen-Biographie, die seinerzeit viel Beachtung in der Germanistischen Fachwelt fand und inzwischen als Standardwerk gilt; und, unter dem Titel "Abenteuer und Geheimnis", eine Gesamtdarstellung des umfangreichen Romanwerkes von Möllhausen von 1993, die im wissenschaftlichen Forum die gleiche Anerkennung gefunden hat. Um diese beiden zentralen Publikationen herum gruppieren sich eine Reihe von Aufsätzen und Editionen, von denen besonders die bei dtv herausgegebenen Möllhausen-"Geschichten aus dem Wilden Westen" (1995) und die auf 19 Bände angelegte große Möllhausen-Ausgabe bei Olms, deren erster Band noch in diesem Jahr erscheinen wird, zu erwähnen wären.

Dieser mit der Promotion verbundene Möllhausen-Schwerpunkt markiert aber nur ein viel breiter angelegtes Interesse Grafs am Abenteuer- und Populärroman des 19. Jahrhunderts unter den verschiedensten Aspekten: da stehen neben den erwähnten Arbeiten zu Möllhausen, Arbeiten zu Gerstäcker, zu Wilhelm Raabe, zur Vertriebsform und kulturellen Funktion der Kolportage oder der Verbreitung der populärer Literatur im 19. Jhdt. Dies alles immer wieder, von der frühen Teilnahme am Projekt CID = "Computergestützte Interpretation von Detektivromanen" an der Universität Köln (1985) bis zur Herausgabe eines "Medienhandbuch Köln" von 1992, auch weiterverfolgt im thematisch angrenzende Gebiete, und immer wieder publiziert an hervorragenden Orten, die von der Wertschätzung der Fachwelt von Grafs Arbeit zeugen: in der "Deutschen Vierteljahres-Schrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte", der Festschrift zum 65. Geburtstag von Rudolf Schenda (dem Altmeister der Forschung zu den populären Lesestoffen des 19. Jahrhunderts), der Zeitschrift "Fabula" oder dem "Internationalen Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur".

Und da ist natürlich, last but not least, Karl May: seit 1991 ist kaum ein Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft erschienen, das nicht einen Beitrag von A. Graf enthielte: zu Mays Adaptation und Variation literarischer Quellen, zu Mays Kolportage Romanen, usw. Ganz generell gilt, soweit ich das sehe, im wissenschaftlichen Mitarbeiterkreis der Karl-May-Gesellschaft Dr. Andreas Graf auch als eine der großen Zukunftshoffnungen des Karl-May-Forschung.

So weit, so gut, werden Sie sagen: aber wir verleihen ja keinen Karl-May-Preis, sondern ein Karl-May-Förderstipendium. Nicht ein Genie soll gefördert werden, sondern ein Werk: wo also ist der eigentliche Gegenstand der Förderung?

Und in der Tat war die bisher geschilderte Qualifikation von Andreas Graf nur die Voraussetzung dafür, ihn im Herbst 1996 auf einer ABM-Stelle mit einem Projekt zu betrauen, das am Germanistischen Institut der TU Dresden angesiedelt ist und unter der Verantwortung des Dresdner Kollegen Prof. Dr. Walter Schmitz steht: mit dem Aufbau einer Datenbank zur "Historischen Abenteuerliteratur europäischen Formats". Wem dieser Titel auf den ersten Blick nicht ganz transparent vorkommt, der mag sich erklären lassen, daß die Anfangsbuchstaben der einzelnen Wörter in diesem Titel eine wohlklingende und sinnträchtige Abkürzung ergeben: das Wort HALEF nämlich als Kurzbezeichnung des Projekts. Und gemeint ist damit die Erstellung einer Datenbank zur Abenteuerliteratur des 19. Jahrhunderts: so wie das Werk von Karl May eine Art "Summe" des Populärromans des 19. Jahrhunderts darstellt, in die fast alle Traditionen dieses Genres einfließen (Indianerroman, Orientroman, Seeroman, Räuberroman, Sozialroman, Großstadtroman, usw.), so wird – dies der Grundgedanke des Projekts – Karl Mays Werk auch in einer bestimmten Dimension nur ganz verständlich im Kontext der Traditionen, in denen es steht. Diese Traditionen des Abenteuer- und Populärromanes aber sind, wenn man von ein paar markanten Autoren wie Sealsfield, Gerstäcker oder Möllhausen einmal absieht, immer noch weitgehend unbekannt und unerforscht: ihre Erforschung wird auch das Werk von Karl May in einer neuen Weise erschließen, wie es sonst bisher nicht möglich war. Die Datenbank, an der Andreas Graf seit Oktober 1996 arbeitet, ist hierzu ein erster wichtiger Schritt. Sie hat inzwischen mit über 2300 Einträgen einen erheblichen Umfang erreicht, und wird in diesem Jahr auf ca. 4000 Einträge anwachsen. Die erwähnte ABM-Stelle hat diese Arbeit für ein Jahr finanziert: das Förderstipendium sichert nun die Fortführung des Projekts.

Ich kann an dieser Stelle nur andeuten, daß weit im Hintergrund dieses Projekts noch ein anderes steht: die Idee, im Zusammenwirken von Karl-May-Stiftung, Universität Dresden und öffentlicher Hand, vielleicht in der juristischen Form eines "An-Instituts", in der räumlichen und ideellen Nähe zur "Villa Shatterhand." ein Forschungszentrum zum europäischen Abenteuer- und Populärroman zu errichten, das diesen ganzen, gesamteuropäischen Bereich des Populärromans nicht nur im großen Umfang erschließt, sondern auch in modernster, digitalisierter Form auf CD-ROM zugänglich macht. Dieses Forschungszentrum, wenn es denn entstünde, würde mit Sicherheit die regionale Forschungslandschaft Sachsens bereichern, war doch die Forschungslandschaft der DDR früher geprägt von der Monokultur Humboldt-Universität, Berliner Akademie und Universität Leipzig. Und es würde ganz von selbst, wie mir Rudolf Schenda und andere bestätigt haben, zu einer Institution von nationaler und internationaler Ausstrahlung werden. Und welcher Name, wenn nicht der Karl Mays, könnte über einem solchen Forschungszentrum stehen; welcher Ort, wenn nicht Radebeul, käme in der ganzen weiten Republik als Sitz eines solchen Forschungszentrums eher in Frage.

Aber das sind für den Augenblick noch Träume. Wir haben zwar die Idee eines solchen Forschungszentrums schon mehrfach im Kuratorium der Karl-May-Stiftung wohlwollend diskutiert, aber, wie Sie alle wissen, war die Karl-May-Stiftung bisher im wesentlichen mit ihrer Existenzsicherung beschäftigt. Wenn jedoch aus den am Ende angedeuteten Träumen und Visionen je etwas werden sollte, dann wird auch hierfür die Arbeit von Dr. Andreas Graf an der Datenbank HALEF der erste Baustein sein.

Ich habe deshalb nicht nur den Kandidaten zu loben, sondern auch im Name der Karl-May-Forschung den Mitgliedern der Initiative "Für Radebeul" für die Finanzierung des Förderungsstipendiums sehr herzlich zu danken.


Neues von Klaus Dill

Im Weltbild/Bechtermünz Verlag ist die Neuauflage von Glenn Tuckers "Tecumseh - Roten Mannes Ruhm und Erbe" im Februar auf den Markt gekommen. Dieses Buch regte unser Mitglied K. Dillzu seinem Tecumseh-Zyklus an. Die Neuauflage enthält nun einige seiner farbigen und schwarz/weißen Illustrationen.

Am 19. Mai wird im Deutschen Filmmuseum in Frankfurt K. Dills große Filmplakatausstellung eröffnet. Sie wird voraussichtlich bis Ende Juli zu sehen sein. KarI-May-Haus Information Heft 11 erschienen

Pünktlich zu Karl Mays 156. Geburtstag und aus Anlaß der Eröffnung der Karikaturenausstellung ,,Karl May im Sichtwinkel seiner Leser" (25.2. - 30.3.1998) im sanierten Geburtshaus erschien mit erweitertem Umfang die neue Ausgabe der Karl-May-Haus Information (80 Seiten, 18 Abb., 31 Faksimiles, 7.90 DM)

Aus dem Inhalt:

Der Geist im Muldental. Tickte in Waldenburg "eine alte Kuckucksuhr"? ( ,,Wie stolz ich war ..." Zu Karl Mays Aufnahme und Aufenthalt am Seminar zu Waldenburg ( Ein Dossier mit Geschichte. Die Leipziger Polizeiakte Karl Mays ( Marie Grund - eine fast vergessene Freundin Klara Mays ( Schaffen in der Heimat. Prolog zu den Prozessen gegen die Hohenstein-Ernstthaler Lokalpresse ( Zwischen Krankenbett und Amtsgerichten. Zu Karl Mays Aufenthalt Mine Dezember 1910 bis Anfang Mai 1911 ( [Sonderausstellungen 1997:] Avers und Revers - zweimal Karl May / Kar1-May-Abenteuer in Zinn ( Kar1-May-Gedenktafeln in Linz und Mittweida ( Das Karl-May-Haus und seine Besucher [Umfrage] ( Jungbrunnen ,,Bastei" - ohne May. Nachtrag zu ,,Des Buches Seele".

Angaben zum Inhalt der KMHI-Hefte 1 bis 10 siehe KMG-Nachrichten Nr.112 (Juni 1997), S. 14/15.


Lothar Schmid siebzig Jahre

Wir Älteren, durch die Jahrgänge miteinander verwandt, werden, wenn einer von uns Geburtstag hat, nachdrücklich daran erinnert, daß auch wir uns mit Riesenschritten der Siebzig nähern. Siebzig, so sagte Thomas Mann, das ist schon ein biblisches Alter. Wirklich?

Nun ist auch Lothar Schmid siebzig Jahre alt geworden. Er wurde am 10. Mai 1928 in Radebeul als dritter Sohn des Karl-May-Verlegers Dr. Euchar Albrecht Schmid geboren. Es muß ein Traumleben sein, als Junge in einer Welt von Karl-May-Bänden aufzuwachsen; so jedenfalls mögen viele es sich vorstellen. Wie oft ist wohl der Name KARL MAY im Elternhaus gefallen. Wie werden seine Mitschüler ihn beneidet haben. Wie mag die steife, vielleicht gar nicht so kinderfreundliche Pracht der Villa `Shatterhand' auf den Jungen gewirkt haben, in der die "hochgeschlossene alte Dame", Tante Klara, herrschte, die Witwe des großen Magiers. Aber zum Glück stand da in der Tiefe des Gartens das romantische Blockhaus, dem das Herz eines Jungen weit stärker entgegenschlug.

Später, im Triumvirat der Verlagsleitung, war Lothar Schmid für Versand und Vertrieb zuständig, für Rechts- und Vertragsfragen. Inzwischen hat Lothar Schmid den KMV übernommen, der jetzt als Lothar Schmid GmbH firmiert. Ihm zur Seite steht, als Vertreter der dritten Generation, sein Sohn Bernhard.

Der Jubilar sieht, nach den arbeitsreichen Jahren der Umstrukturierung des Verlages, seinem verdienten Ruhestand entgegen. Hat es auch zwischen der KMG und dem KMV im Laufe der Jahrzehnte immer wieder einmal Spannungen gegeben, so hält uns das nicht davon ab, dem Verlag Verdienste um das Werk Karl Mays einzuräumen. Wohl muß die Quelle der Kraft von dem Autor selbst ausströmen, aber auch der beste Autor kann nicht ohne einen rührigen Verlag zur Geltung kommen. Die Spannungen, die es gab und die auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt leider noch nicht ganz aus der Welt geschafft sind, sie wären bei offener Aussprache wohl vermeidbar gewesen. Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein....

Oft war aber ihre Ursache in den unterschiedlichen Zielen zwischen einem nach wirtschaftlichem Erfolg strebenden Verlag und einer literarischen Gesellschaft, die sich der Forschung verpflichtet hat, zu suchen. Dem Senior des Karl-May-Verlages, der erst kürzlich einen schweren Verkehrsunfall glücklich überstanden hat, wünschen wir von Herzen alles Gute und noch viele frohe Lebensjahre - und Freude am geliebten Schachspiel!

Erich Heinemann


Zur Erinnerung an Richard Plöhn und Wilhelmine Beibler wurde in einer kleinen, aber würdigen Feier am 22. Mai 1998 am Grabmal Karl Mays eine Gedenktafel enthüllt, wobei Prof. Dr. Reinhold Wolff in bewegenden Worten die Geschichte dieser Gruft in den großen historischen Zusammenhang der Irrungen und Wirrungen deutscher Vergangenheit stellte. Die KMG gab zur objektiven Information eine Presseerklärung heraus:

Karl Mays Grabmal

Das Grabmal Karl Mays auf dem Radebeuler Friedhof hat seine eigene Geschichte. Unter dem Eindruck des Nike-Tempels in Athen als gemeinsame »Ruhestätte der Familien Plöhn und May« geplant, wurde der Bau - das sicher prunkvollste Mausoleum der deutschen Literaturgeschichte - mit dem Bildwerk Selmar Werners von dem Architekten Paul Ziller 1901/02 errichtet: ein Trost-Geschenk Karl Mays an die Witwe seines zuvor verstorbenen besten Freundes Richard Plöhn, seine spätere zweite Frau Klara. Nach Plöhn wurde 1909 auch deren Mutter Wilhelmine Beibler darin beigesetzt. Inzwischen hatte sich Mays Selbstverständnis jedoch gewandelt: er wünschte für sich selber eine schlichte Bestattung in seinem Garten. Da dies aber nicht ohne weiteres möglich war, fand auch er 1912 in der Gruft seine letzte Ruhestätte. 1945 schließlich folgte ihm seine Witwe dorthin. Dieser letzten Beisetzung vorangegangen war allerdings ein zutiefst beschämender Vorgang. 1942, als offizielle Feiern zum 100. Geburtstag Mays anstanden, weigerten sich nationalsozialistische Stellen, an der Ehrung vor einem Grab teilzunehmen, in dem »auch ein Halbjude«, Richard Plöhn, ruhte. Klara May, die sich um diese Zeit leider zur »überzeugten« Parteigängerin Hitlers entwickelt hatte, fühlte sich genötigt, die Särge ihres ersten Mannes und ihrer Mutter aus der Gruft zu entfernen; sie wurden in Tolkewitz verbrannt. Die auf die beiden Anverwandten hinweisenden Inschriften am Grabmal hatte sie vorher bereits tilgen lassen. Vergangenheit kann nicht »bewältigt«, sie kann aber - und muß - erkannt und einbekannt werden. Diese vergleichsweise kleine Episode in der Geschichte des deutschen Rassenwahns führte zu dem Entschluß der Karl-May-Gesellschaft, nicht nur in ihrem Jahrbuch 1995 eine schonungslose Darstellung von Hans-Dieter Steinmetz mit allen Dokumenten zu veröffentlichen, sondern auch am Grabmal selbst an die beiden Nächsten Karl Mays, die einmal darin ruhten, mit einer Gedenktafel zu erinnern. Sie mag die Besucher dieser Stätte doppelt an das Werk eines Autors gemahnen, der in seinen Büchern stets für das friedliche Zusammenleben der Völker und Rassen eingetreten ist.

Radebeul, im Mai 1998

Karl-May-Gesellschaft


Liebe Freunde Karl Mays!

Auch künftig wird in den KMG-Nachrichten über das "Karl-May-Museum" berichtet. Wir erfüllen damit die Bitte zahlreicher Mitglieder, die mehr über Mays Wohnstätte erfahren wollen. Diese Rubrik soll Bindeglied sein zwischen Radebeul und dem interessierten May-Freund, der räumlich weit entfernt vom Museum wohnt. So werden Sie fortan rechtzeitig über aktuelle Ausstellungen und Veranstaltungen informiert.

Natürlich werden wir auch auf die Aufgaben und Zielvorstellungen der "Karl-May-Stiftung" eingehen. Insbesondere wollen wir diverse Probleme aufzeigen, um vielleicht mit Ihrer Unterstützung passende Lösungen zu finden. Und sollten Sie von sich aus Verbesserungsbedarf entdecken, wir sind immer aufgeschlossen für Innovationen, sofern sie zweckdienlich sind.

Wenn Sie das nebenstehende, von uns geschaffene Pictogramm entdecken, ist Ihre Mithilfe besonders erbeten. Es handelt sich dann stets um Mays schadhafte Bibliothek. Wie Sie aus den letzten Märznachrichten wissen, bereitet uns dies enorme Probleme.

Wir möchten deshalb nochmals alle Mitglieder der Karl-May-Gesellschaft aufrufen, mit Spenden für die Erhaltung und Restaurierung der Bücher in Karl Mays Bibliothek beizutragen, z.B. indem über bestimmte Bücher die Patenschaft übernommen wird. Näheres hierzu auf Anfrage. Bitte spenden Sie auf das Konto:

Karl-May-Museum

Kreissparkasse Meißen · BLZ 850 550 00 Konto-Nr. 300 000 1912

Stichwort: Bibliothek

Alle Spender werden künftig auf dieser Seite und im Internet genannt! Auf Wunsch wird eine steuerlich absetzbare Spendenquittung ausgestellt.

Hans Grunert Ralf Harder

Karl-May-Museum
Karl-May-Straße 5 · D-01445 Radebeul
Tel.: (0351) 83730-0 · Fax: (0351) 83730-55

Internetadressen

http://www.karl-may-museum.de
http://www.karl-may.elbflorenz.de


Sonderausstellung

"Vom Tomahawk bis zum Henrystutzen"

Fiktive und tatsächliche Waffen Karl Mays

Diese akribisch gestaltete Ausstellung kann bis zum 27. September 1998 in der "Villa Bärenfett" besucht werden.

85 Jahre Karl-May-Stiftung

Unter den Museen des Freistaates Sachsen, die alljährlich Besucher aus aller Weit anlocken, stellt das Karl-May-Museum in Radebeul eine Besonderheit dar.

Die Geschicke dieses seit 1928 bestehenden Museums, das die Ausstellungen "Indianer Nordamerikas" sowie "Karl May - Leben und Werk" zeigt, sind eng mit der Karl-May-Stiftung verknüpft. Der Schriftsteller Karl May (1842-1912), dessen Werk in mehr als 30 Sprachen übersetzt ist und in einer deutschen Auflage von nahezu 100 Millionen Exemplaren vorliegt, hatte in seiner letztwilligen Verfügung seine Gattin Klara May (1864-1944) zur Universalerbin bestimmt. Verbunden war dies mit der Maßgabe, daß die Hinterlassenschaft des Schriftstellers ("alles, was ich besitze und was meine Werke noch einbringen werden") nach Klara Mays Ableben einer mildtätigen Stiftung zufallen solle, dazu bestimmt, mittellosen begabten Menschen Ausbildungsbeihilfe sowie notleidenden Schriftstellern und Journalisten Unterstützung zu gewähren.

Diese Karl-May-Stiftung wurde von der Witwe bereits zu Lebzeiten, am 5. März 1913, beim Königlichen Ministerium des Kultus und öffentlichen Unterrichts in Dresden errichtet In einem Vertrag vom 11. Dezember 1913 setzte Klara May die Stiftung zur Erbin des Vermögens ihres verstorbenen Mannes ein. Nach Erreichen einer bestimmten Kapitalhöhe aus weiteren Zuwendungen der Witwe und Gewinnanteilen des Karl-May-Verlages Radebeul wurden seit 1917 Unterstützungen aus den Zinsen des Stiftungsvermögens gezahlt.

In weiteren Verträgen vererbte Klara May der Stiftung auch ihr persönliches Vermögen und die Villa "Shatterhand." Sie verband damit die Auflage, die Villa "Shatterhand.", Wohnhaus des Schriftstellers, und dazugehörige Liegenschaften zu einem Karl-May-Museum auszubauen. Anlaß dafür bot eine reichhaltige Sammlung indianischer Kulturgegenstände, die Klara May von dem weitgereisten Artisten Patty Frank (1876-1959) erworben hatte. Zusammen mit Objekten, die Karl und Klara May auf ihrer Nordamerika-Fahrt 1908 und die Witwe auf einer USA-Reise 1930 bzw. durch weiteren Ankauf erhalten hatten, bildete die Sammlung Patty Franks den Grundstock für das Karl-May-Museum, das Eigentum der Karl-May-Stiftung ist.

Nachdem die Karl-May-Stiftung 1945 durch Eingliederung in eine Sammelstiftung ihre juristische Eigenständigkeit verloren hatte, wurde ihr inzwischen die volle Rechtsfähigkeit wiedergegeben und am 9. Mai 1992 eine neue, im Sinne des Stifterwillens erweiterte Satzung zuteil.

Zweck der Stiftung heute ist es, das Andenken an den sächsischen Schriftsteller Karl May und seine Werke zu pflegen, deren erzieherische Absicht der Verbreitung von Toleranz, Völkerverständigung und Friedensliebe galt. Das geschieht durch den Erhalt und die Förderung musealer Einrichtungen und Gedenkstätten, insbesondere des Karl-May-Museums und des Grabmals, und damit in Verbindung stehender kultur- und regionalgeschichtlicher, literarischer und bildungsmäßiger Belange und Vorhaben sowie weiterhin durch bestimmte soziale Maßnahmen. Auch der Auf- und Ausbau eines wissenschaftlichen Zentrums, eines zentralen Karl-May-Archivs in Radebeul sowie die Einrichtung und Verleihung eines "Karl-May-Preises" gehören satzungsgemäß zu den Aufgaben der Stiftung.

Nicht verschwiegen werden kann, daß die Karl-May-Stiftung heute in argen Finanznöten steckt. Deshalb kann sie in absehbarer Zeit nicht ihre satzungsgemäßen Aufgaben aus eigener Kraft finanzieren. Um so höher ist die Unterstützung des Kulturraumes "ELBTAL" und die Unterstützung der Stiftung durch private Spender zu bewerten. Der Initiative von Dresdner und Radebeuler Firmen ist es zu danken, daß unter dem Leitgedanken "Für Radebeul" die Einrichtung eines "Karl-May-Förderstipendiums" und eines "Karl-May-Preises", mit jeweils 10.000 DM dotiert, Wirklichkeit werden konnte. Die Verleihung des "Karl-May-Förderstipendium" wird jährlich erfolgen, und der "Karl-May-Preis" wird entsprechend den Möglichkeiten verliehen. Über die Vergabe des Stipendiums und des Preises entscheidet eine Jury, in der namhafte Karl-May-Forscher, der Vorstand der Karl-May-Stiftung und die Sponsoren vertreten sind. Diese Auszeichnungen werden jeweils am 5. März eines jeden Jahres in Radebeul überreicht.

Der Kölner Autor und Literaturwissenschaftler Dr. Andreas Graf (38) Wird das in diesem Jahr erstmals verliehene "Karl-May-Förderstipendium" der Karl-May-Stiftung erhalten. Das Stipendium ist bestimmt für Persönlichkeiten, die sich mit herausragenden und wegweisenden wissenschaftlichen Leistungen bei der authentischen Erforschung des Werkes von Karl May sowie seines literarischen, kulturellen und gesellschaftlichen Umfeldes verdient gemacht haben. Herr Graf ist Lehrbeauftragter an den Universitäten Köln und Koblenz und hat für die TU Dresden gearbeitet. In den vergangenen zehn Jahren veröffentlichte er einige Bücher und zahlreiche Aufsätze zur Abenteuerliteratur (u. a. Karl May, Möllhausen, Gerstäcker) und über populäre Lektüren und Massenmedien vor allem des 19. Jahrhunderts.

Herr Graf erhält das in diesem Fall auf zwei Jahre vergebene Stipendium für weitere Arbeiten an der von ihm aufgebauten Datenbank HALEF (Historische Abenteuer-Literatur europäischen Formats).

Radebeul, am 5. März 1998

René Wagner

Geschäftsführer der Karl-May-Stiftung


Der Freundeskreis Karl-May-Museum im Internet

Hiermit wurde am 25. Februar 1998 eine Plattform geschaffen, die für Mitglieder der KMG und Freunde des Museums gleichermaßen attraktiv ist. Diese Seiten bringen ständig die aktuellsten Meldungen aus der Villa "Shatterhand." Darüber hinaus wird May ausführlich als Mensch und Pazifist gewürdigt. Mit Textbeiträgen von Hans Grunert, Ralf Harder, Walther Ilmer, René Wagner und Reinhold Wolff. http://www.karl-may.elbflorenz.de


Auf Karl Mays (literarischen) Spuren:

Winnetour 98

Wir wollen keinen Traum schildern, keine farbigen Bilder mit dürren Worten wiedergeben, denn Sie sollten Ihren eigenen Träumen folgen, selbst die farbigen Landschaften erleben; wir möchten auch Ihnen nur einige Anregungen geben, daß es sich lohnen kann, den fiktiven Spuren der Mayschen Romane zu folgen, und wollen daher auch nur über einige Glanzlichter einer großen Fahrt berichten, die erneut auf den Spuren des Old Shatterhand in den heutigen Südwesten der USA führte:

Die erste Überraschung kam am 4. April 1998 gleich bei der Landung in New York auf dem Kennedy-Airport. Der Weiterflug nach Dallas war ge'cancelled'. Wie Mrs. McClain später sagte, kommt das häufiger vor, wenn der Fluglinie die Maschine nicht genügend ausgebucht scheint. Doch in Amerika sieht man das gelassen: Wir wurden nach Washington umgebucht, denn von dort ging am gleichen Tag noch ein Flug nach Dallas.

Überraschend waren auch die amerikanischen Zeitangaben. Eine Canyon-Tour im Big Bend National Park sollte eindreiviertel Stunden dauern, doch nach 20 Minuten war der passierbare Teil des Canyons durchwandert - wir hätten uns jetzt natürlich noch eine Stunde lagern können, denn die Gegend war romantisch und die Temperatur angenehm. - Die große Tour in den Carlsbad Caverns war mit zweieinhalb Stunden angegeben: das bescherte eine Stunde Zeit für weitere Unternehmungen.

Gleich am ersten Abend in Dallas stellte uns Mrs. McClain den 'Dallas writer Bill Cannon' vor, der aus seinem Schaffen berichteten wollte. Der Abend war lind, wir saßen auf der Terrasse eines nahen Restaurants bei einem kühlen Drink, doch in Dallas wurde gefeiert, laute Musik auf allen Straßen in der Nähe - da bekamen nur die direkt daneben sitzenden Gäste noch etwas von der Unterhaltung mit, wenn sie genügend Amerikanisch verstanden. Später trafen wir in El Paso den 'Texas writer Elroy Bode' und in Albuquerque den 'writer of Western fiction in the Tony Hillermann Series Ken Englade', den wir noch in sein bemerkenswertes Haus am Rande der Stadt begleiteten.

Überhaupt Häuser: sie waren immer offen, jede Tür weit geöffnet und wir konnten uns ungezwungen in beneidenswert geräumigen Räumen ergehen. Das gehört zu den Besonderheiten der Reisen mit Mrs. McClain: Sie öffnet uns die Häuser und Herzen ihrer großen Freundesrunde, bringt uns in Kontakt mit den Menschen, als wären wir auf einer privaten Besuchsreise.

Da liegt ein zauberhaftes kleines Adobehaus völlig verborgen und von der Straße nicht zu bemerken mitten in einer Großstadt. Doch das kleine Haus bot überraschenderweise Platz für die gesamte Reisegruppe. Am Abend des 6. April genossen wir dort den Kaluha Nightcap und waren schon eine große Gemeinschaft geworden. Das Adobehaus liegt in Lubbock und es gehört unserer einmaligen Gastgeberin, Reiseleiterin und Fremdenführerin Meredith McClain. Sie bereitete uns in ihrem Haus nicht nur einen unvergeßlichen Abend, sie leitete uns auch die nächsten Wochen unermüdlich auf fast leeren Highways tief in den Südwesten hinein bis zur mexikanischen Grenze; durch Texas bis nach El Paso am Rio Grande, nach Mexico (Ciudad Juarez) und durch New Mexico bis nach Albuquerque.

Immer wieder beeindruckend: Die Weite des Raumes! Tagelang nur Sonne, doch es war eine trockene Hitze, gut zu ertragen. Der letzte Regen soll zu Weihnachten gefallen sein.

Und dann war es eine Reise der gewaltigen Naturmonumente: Nach dem Llano estacado und dem unvergeßlichen Blanco Canyon bei Lubbock folgten nun die Gipswüste White Sands, die Carlsbad Caverns, der Big Bend National Park und der Rio Grande, um nur die großen Namen zu nennen.

Sie sollten es sich einmal ansehen!

Engelbert Botschen


Nach den Rechten sehen

Hier geht es nicht um die in der Bundesrepublik virulente Frage, ob sich unerwünschte Radikale auch im literarischen Bereich tummeln; in der benachbarten Alpenrepublik wurde vor kurzer Zeit das Urheberrecht modernisiert und weitgehend den Rechtsvorschriften in Österreich und Deutschland angenähert. Wir dokumentieren hier einige Ausschnitte des Artikels, da die angeschnittene Problematik uns sehr aktuell erscheint. Erstaunen will uns nur, daß man die bekannten Schwächen des Urheber- und Wettbewerbsrechts im deutschsprachigen Bereich noch einmal wiederholt hat.

Neue Züricher Zeitung - FOLIO Okt. 1997 (Manfred Papst)

Bei ihrer naturgegebenen Tätigkeit, Büchern auf die Welt zu helfen, kommen die Verleger selbst nicht ganz ohne Bücher aus. Hierzulande steht ein zerlesenes Exemplar des "Handbuchs der öffentlichen und privaten Kulturförderung in der Schweiz" (vulgo "Bettelbibel", Orell Füssli 1988 ff.) zwischen dem Duden und dem Adreßbuch des Schweizer Buchhandels auf ihren Schreibtischen. Unlängst ist ein viertes Buch hinzugekommen: Denis Barrelets und Willi Egloffs "Kommentar zum Bundesgesetz über das Urheberrecht und verwandte Schutzrechte" (Stämpfli 1994). Und weil den Verlegern auch nach längerem zerstreutem Blättern nicht recht klar ist, was sie unter Erschöpfungsgrundsatz, Wahrnehmungsvertrag und Zweckübertragungstheorie verstehen sollen, hängen sie sich ans Telefon, palavern stundenlang mit ihresgleichen und gehen schließlich zusammen essen.

Einig ist sich männiglich darin, das die goldene Zeit des Raubdrucks vorbei sei. War er zu Zeiten Schillers noch der Schrecken der Verleger, so hat er sich in unserer Epoche zum Nischenobjekt für Sammler gemausert. Man trauert schon fast den Spontibuden nach, die Bücher von Engelmann oder Wallraff illegal nachdruckten und von jungen Leuten mit großen Umhängetaschen in den Szenekneipen von München und Berlin verkaufen ließen.

Die Raubdrucke hatten als Kuriosa ihren Charme; ein Geschäft großen Stils können sie kaum gewesen sein, zumal sie nicht einmal die Hälfte der Originalausgaben kosten durften und Stück für Stück mühsam losgeschlagen werden mußten.

Der folgenreichste illegale Nachdruck war wohl jener von Arno Schmidts Riesenwerk "Zettels Traum" (1970), dessen Urheber nie dingfest gemacht werden konnten. Die Piratenausgabe erschien kurz nach der Stahlberg-Edition und kostete nur einen Viertel. Schmidt sah sich um den Lohn seiner Arbeit gebracht: dem "Spiegel"-Redaktor Gunar Ortlepp erzählte er sogar, er müsse sein "Lilienthal"-Projekt nun wohl aufgeben, weil er nicht mehr hoffen dürfe, einen Verleger zu finden.

Zu reden gibt natürlich auch das neue Urheberrecht. Es ist mit ihm wie mit dem Dekalog: Nicht alle seine Gebote sind in gleichem Masse praxisrelevant. Den Empfehlungen, vom Stehlen und Lügen abzusehen, entsprechen hier die Paragraphen über die Schutzdauer des Urheberrechts sowie jene über das Zitatrecht. Wie man weiß, erlischt das Urheberrecht in der Schweiz seit dem 1. Juli 1993 nicht mehr 50, sondern erst 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers. Die Frist, die bis 1955 sogar nur 30 Jahre betrug, wurde einerseits verlängert, weil man die Bestimmung der gestiegenen Lebensdauer der Menschen anpassen wollte, andererseits, weil das Gesetz mit den einschlägigen Regelungen im umliegenden Ausland in Einklang gebracht werden sollte. Es liegt auf der Hand, daß verschiedene Schutzfristen etwa für die Schweiz und für Deutschland zahlreiche Probleme mit sich brachten.

So schlecht sei das geltende Copyright gar nicht, heißt es einhellig. In Geschichten von bunter Fülle und Breite wird deutlich, daß Verleger weder mit den lebenden noch mit den bereits lange genug verblichenen Autoren die meiste Mühe haben, sondern mit den Rechtsnachfolgern jener Autoren, die noch nicht 70 Jahre tot sind. Das neue Urheberrecht schafft in erhöhtem Maße Pfründen für Leute, die mit der geistigen Leistung des Urhebers nichts, aber auch gar nichts zu tun haben. Die Erfahrung zeigt sogar, daß sie das Werk ihrer Ahnen und Gönner in aller Regel nicht fördern, sondern seiner kritischen Aufarbeitung alle möglichen Steine in den Weg legen. Die bekannten Fälle von Nietzsche über Brecht bis Dürrenmatt zeigen ein Panoptikum von Prüderie und Geldgier, Eitelkeit und Borniertheit; gar manchen Verleger hat man brummen hören, die Witwenverbrennung habe schon ihren Sinn.

Wunderliche Rechtsverhältnisse trifft man auch an, wenn das Gespräch auf die Werkausgaben kommt. Der Karl-May-Verlag in Bamberg, vormals Radebeul, ist ein Unternehmen, von dem jeder Verleger insofern träumt, als es von einem einzigen toten Autor in Freuden lebt. Nun hat der Zürcher Haffmans-Verlag vor einigen Jahren Anlauf zu einer eigenen Karl-May-Werkausgabe genommen; die Rechte am 1912 in die ewigen Jagdgründe eingegangenen Autor sind ja frei. Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger, die beiden neuen Herausgeber, entdeckten bald, daß die Bamberger Edition von Eingriffen wimmelte. Mays Sprache und Orthographie waren schulmeisterlich bearbeitet, Fremdwörter zerdeutscht, Zweideutiges desinfiziert worden. Sage und schreibe 11000 Abweichungen des Bamberger Textes gegenüber der Erstausgabe zählten die Herausgeber allein in "Winnetou I". Niemand konnte die Bamberger an ihrem finsteren Treiben hindern. Benennen freilich durfte man es, aber nicht in der Verlagsvorschau. Dort durfte nicht stehen, der Karl-May-Verlag sei philologisch eher - eher! - skrupellos. Es durfte nicht einmal die NZZ mit dem Satz zitiert werden, ab jetzt komme der echte May aus Zürich. Vergleichende Werbung sei das und somit verboten; derweil die verstümmelten Texte auf ewig munter verkauft werden dürfen.

Die Überzeugung, daß die Wege der Juristen seltsam seien, eint die Verleger. Das heißt freilich nicht, daß sie sich nicht bisweilen beschwatzen ließen. So haben sie sich neuerdings sogar den Floh ins Ohr setzen lassen, ihre Autoren als Warenzeichen zu schützen: in einer Zeit, die "Anne Frank" zu einer eingetragenen Marke gemacht hat und davon keineswegs um den Schlaf gebracht wird, vielleicht gar kein so abwegiger Gedanke.

Um Prävention geht es auch beim Titelschutz; allerdings hat man es hier nicht mehr mit Urheber-, sondern mit Wettbewerbsrecht zu tun und zudem mit einer deutschen Eigenart. Die Lektüre der Titelschutz-Eintragungen im "Börsenblatt des deutschen Buchhandels" ist ein Vergnügen, das sich allenfalls mit dem Studium von Versandhauskatalogen vergleichen läßt.

Manfred Papst ist Programmleiter des Buchverlags der "Neuen Zürcher Zeitung".


Manfred Raub

Bimbaschi und Kaimakam

Wer denkt hier nicht an den guten, etwas vertrottelten Bimbaschi, den Polen DOZORCA, dem der Säfir so übel mitspielte, und seinem treuen Onbaschi-Korporal Kepek in Bagdad. Zwei liebenswerte, von Karl May gezeichnete Figuren.

Erinnerlich wird auch noch der Kaimakam sein, der, nach dem ,Opfertod des Heiligen' in Scheik Adi (Pir Kamek und der Miralei Omar Amed: "verschwanden in der lohenden Glut" des Scheiterhaufens), als nun ranghöchster Offizier, das Kommando der türkischen Streitmacht übernahm.

Von der Fiktion zur Wirklichkeit.

Wie bekannt, dienten zahlreiche europäische Offiziere in der damaligen türkischen Armee. Karl May erwähnt im Silberlöwen II. Adolf Farkas und Bemm, beide zum Islam übergetreten, avancierten, und wurden mit hohen Offiziersrängen bedacht. Weitgehend unbekannt dürfte dagegen sein, daß ein (oder mehrere?) amerikanischer Offizier in türkischen Diensten stand: C. Carroll TEVIS

Er diente in der Nordstaaten-Armee unter BANKS. (Banks, Nathaniel P., Generalmajor und Kommandeur der Red River Campagne gegen die Südstaaten, ab März 1864)

Der Biograf beschreibt den, mit einem martialischen Napoleon III. Schnurrwichs ausgestatteten, Offizier: "In Bank's Armee gab es verschiedenartige Offiziere, eingeschlossen ein professioneller Abenteurer. Colonel C. Carroll TEVIS (lt. Rangabzeichen LT. Colonel - Oberstleutnant) welcher die 3rd (dritte) Maryland Cavalry befehligte. Sein richtiger Vorname war Washington, aber mit Namen nahm er es nicht so genau. Um 1850 diente er in der türkischen Armee unter dem Namen NESSIM BEY.

1854 zum Major (in den USA) befördert, änderte er seinen Dienstrang (appellation = Amtsbezeichnung) in: Bimbaschi, bei der nächsten Rangerhöhung in: Kaimakam." Ein wohl recht seltsames Verhalten für einen höheren Offizier.

Die absonderliche Schreibweise - Quaimaquam -, fast der lateinischen Sprache entnommen, ist wohl darauf zurückzuführen, daß dieses Wort für eine amerikanische Zunge fast unaussprechbar ist.

Man stelle sich vor, ein deutscher Major, für einige Zeit in Frankreich abgeordnet, läßt sich nach seiner Rückkehr COMMANDANT nennen. Ein Oberstleutnant, in amtlicher Mission in Spanien, TENIENTE - CORONEL; um im europäischen Sprachraum zu bleiben.

Hätte Karl MAY TEVIS gekannt, er hätte ihn bestimmt in seinen Werken verewigt.

Quellennachweis:

Durchs wilde Kurdistan. Radebeul; Von Bagdad nach Stanbul. Fehsenfeld; Im Reiche des silbernen Löwen I und II. Radebeul

The Civil War, Vicksburg . To Appomattox, NTNL. Historical Society

Black Dogs LEVENTHAL Publishers. N.Y. (c) 1983


Erwähnung von Karl May oder seinen Werken


Karl May hilft bei der Prüfung zur ,,Einsegnung"

Der Schriftsteller und Berliner Soziologieprofessor Horst Bosetzky, in den 80er Jahren besonders bekannt geworden durch seine Kriminalromane, die unter dem Kürzel ,,-ky" erschienen, stellte im Rahmen einer Autorenlesung am 15.02.1998 im Freiburger ,,Theater-Cafe"' seinen neuesten Roman Capri und Kartoffelpuffer vor.

Aus diesem wählte er unter anderem einen Abschnitt aus, in dem der ,,Held" des Romans, Manfred Matuschewski, im Berlin der 50er Jahre seine Konfirmanden-Prüfung ablegen muß. Der gestrenge Prüfer stellt ihm die Frage: ,,Wer ist schuld am Tod unseres Herrn Jesus Christus?"

Manfred Matuschewski, obwohl gut präpariert, weiß auf diese an sich so simple Frage zunächst die richtige Antwort nicht, schweigt wie weiland in ähnlicher Situation (wenn auch bei anderer Fragestellung) Tom Sawyer. Schon naht das Unheil, der Quaestor droht ein Minus-Zeichen hinter den Namen Matuschewski in seiner Liste für ,,nicht bestanden" zu machen, da ruft Matuschewski senior seinem Sprössling zu: ,,Karl May!"

Und sofort kombiniert Manfred Matuschewski messerscharf: Band 22, ,,Satan und Ischariot". Blitzschnell posaunt er hinaus: "Judas Ischariot war es, der unseren Herrn Jesus Christus verraten hat!" Was ihn buchstäblich in letzter Sekunde rettet und die Konfirmanden-Prüfung bestehen läßt.

Horst Bosetzky kommentierte die vorgetragene Passage mit den Worten: ,,Man sieht wieder einmal, wie nützlich und hilfreich es sein kann, Karl-May-Kenner zu sein."

Horst Bosetzky: Capri und Kartoffelpuffer, Argon-Verlag Berlin 1997 (S. 53)


Hat Thomas Mann nun Karl May gelesen?

Aus einem Brief von Kuno Fiedler an Thomas Mann vom 28.11.1954:

(Fiedler meinte, daß Kiplings Ruhm darauf beruhte, daß sich die Engländer immer im tiefsten von ihm "angesprochen" fühlten.) "Noch deutlicher ist mir dies bei einem Vertreter der `Volksliteratur' aufgefallen: bei Karl May. Aber den kennen Sie nicht (obwohl man bei ihm wie bei keinem anderen Schriftsteller die Bedürfnisse des Lesepublikums - ihre sachgemäße Befriedigung - studieren kann). Sollten Sie je einmal den ersten Band `Winnetou' lesen wollen, sagen Sie es mir bitte! Es ist eine ganz verblüffende Lesung (in mehrfacher Hinsicht).

Thomas Mann, Tagebücher 1953 - 1955, S. Fischer, Frankfurt/M. 1995, S. 698.

(Mitgeteilt von Erich Heinemann, Hildesheim.)


Karl May im Schulbuch:

Englisch G - Neue Ausgabe - Band A 4 - 1988 Cornelsen Verlag, Berlin (mitgeteilt von E. Koch)

Virginia and James Frank are two people Ruth met while she was in the USA. Now they are visiting the Kochs in Frankfurt. On one of the first evenings Ruth interpreted for the Franks and her parents.

Frau K.: Sag doch bitte Frau und Herrn Frank, daß wir sie morgen zu einem Ausflug nach Bamberg einladen möchten.

Ruth: My mother says that my parents would like... .

Mr F.: We'd like to come very much. I've heard about Bamberg from a friend who was there in the army. It must be a very nice town.

Ruth: Herr Frank sagt, ...

Mrs. F.: How far is it by car from Frankfurt to Bamberg?

Ruth: ...

Herr K.: Wenn wir Autobahn fahren, können wir in zwei Stunden dort sein. - Ich habe da aber auch noch eine Frage, Ruth. Frage sie doch bitte mal, ob sie je von Karl May gehört haben.

Ruth: ...

Mr F.: Sorry, I've never heard the name. Who is he?

Ruth: ...

Frau K.: Er ist ein deutscher Schriftsteller, der im 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts gelebt hat. Er hat viele Romane (novels) über den amerikanischen Westen geschrieben, über Cowboys und Indianer. Als er die Romane schrieb, war er noch nie in Amerika gewesen. Erst 1908, vier Jahre vor seinem Tod, besuchte er Amerika. Vielleicht ist es interessant für Sie zu wissen, daß viele Jugendliche ihr erstes Bild vom amerikanischen Westen aus diesen Büchern haben.

Ruth: I hope I've remembered everything my mother has said. Well, Karl May is ... .

Mr. F.: That sounds very interesting. And what has Karl May got to do with Bamberg?

Ruth: ...Maybe I can answer your question. I was a Karl May reader once, too. You see he lived in Dresden. But after the war his publishers moved to Bamberg. And now there is a Karl May museum in Bamberg, too. - Ich habe den Franks gerade erzählt, ...


Kürschners Deutscher Literatur-Kalender erscheint 1998 neu

Von der Redaktion Kürschners Deutscher Literatur-Kalender erfahren wir, daß der K.G. Saur Verlag, Postfach 70 16 20, 81316 München, zur Zeit eine neue Ausgabe von Kürschners Deutschem Literatur-Kalender vorbereitet, der im Hauptteil die lebenden deutschsprachigen Belletristikautoren verzeichnet und 1998 im 61 Jahrgang wieder erscheinen soll.

Bedingt durch den langen Zeitraum seit Erscheinen des letzten Jahrgangs des Literatur-Kalenders im Jahr 1988 haben sich etliche Autorenadressen verändert, viele neue Autoren sind hinzu gekommen. Autorinnen und Autoren können sich direkt an die Redaktion wenden. Für die Aufnahme in Kürschners Deutschen Literatur-Kalender ist die selbständige Veröffentlichung mindestens eines belletristischen Werkes Voraussetzung.


Hedwig Pauler

Deutscher Herzen Liederkranz

Lieder und Gedichte im Werk Karl Mays

Ebermannstadt/Ubstadt: KMG-Presse 1996

Gedichte mitten im epischen Erzählen? Das gibt es bei den Romantikern natürlich, bei Eichendorff und in den Märchen, aber auch schon in Schnabels Felsenburg und später bei Storm und, wenigstens in Anspielungen, bei Fontane. Auch bei Karl May haben wir das.

Hedwig Pauler hat Mays Gedicht-Einlagen und Gedicht-Anspielungen registriert und entschlüsselt. Man staunt, daß es so viele sind, und staunt auch über Mays Ironie: etwa wenn er Bürgers Lenore souverän verballhornt oder ein eigenes frühes Schwulstgedicht einem wahnsinnigen Dichter im Wilden Westen in den Mund legt und sich so über sich selbst mokiert.

Dabei ist Paulers Buch, May hin, May her, auch ein Blick in die Kulturgeschichte. Es verrät, was vor hundert Jahren an Lyrischem alles in war.

Martin Lowsky


Zu allerletzt:

Peter Koch / Thomas Krefeld / Wulf Oesterreicher

Neues aus Sankt Eiermark

Das kleine Buch der Sprachwitze

Verlag C.H. Beck

In einem Flugzeug in den Vereinigten Staaten kommt ein Mann ins Gespräch mit einer attraktiven Frau. Sie erklärt, sie sei Sexualkundlerin und habe herausgefunden, daß die Juden am leidenschaftlichsten lieben und die Indianer am ausdauerndsten. Darauf ihr Gesprächspartner: "Das ist ja sehr interessant. Übrigens habe ich mich noch gar nicht vorgestellt: Winnetou Goldstein."


Ich löse meine Karl-May-Sammlung auf und verkaufe gegen Höchstgebot:

komplette Bamberger Ausgabe, alle Jahrbücher, Mitteilungen und KMG-Nachrichten, viel Sekundärliteratur, diverse Mayensia, Zeitungsartikel usw.

Angebote werden erbeten an:

Klaus Werner Bungert, Robert-Koch-Straße 51, 65549 Limburg Tel. ()6431/44293


Treffen der KM-Freunde Berlins und Billy Jenkins

Am 14. März war es endlich wieder soweit, die Berliner KM-Freunde trafen sich und dieses mal war der Veranstaltungsort der Salon in Old Texas Town. Der Mayor der historischen Westernstadt mitten in Berlin befand sich leider auf Reisen, aber viele Mitglieder dieses Cowboy-Clubs waren anwesend und ermöglichten uns einen angenehmen Nachmittag, so ertönte nicht nur Cowboymusik, sondern auch die unsterblichen Winnetou-Film-Melodien.

Noch dem üblichen Ritual - Bücherkauf, Tausch, Quatschen und an der Bar sich einen Drink holen - hatten die Berliner und ihre Freunde (sogar aus Dresden und Eberswalde) das Vergnügen als erste den Vortrag über Billy Jenkins zu hören. Das KMG-Mitglied Dr. Michael Zaremba, wohnhaft in Berlin-Konradshöhe, entdeckte zufällig, das in einem Nebenhaus der berühmte Artist und Autor Billy Jenkins gelebt hatte. Seine am Anfang kleinen Nachforschungen ergaben kurze Zeit später einen Berg von Informationen und Billy Jenkins wurde für ihn ein wichtiges Arbeitsthema und alle KMG-Mitglieder dürfen sich auf ein Sonderheft im Herbst des Jahres freuen, daß dann Billy Jenkins gewidmet ist und natürlich aus der Feder von Herrn Zaremba stammt.

Beginnend, wie er zu Jenkins kam, zog der Vortragender leicht den Bogen über das Leben Jenkins, verweilte öfter an besonderen Lebensstationen und verblüffte immer wieder mit Einzelheiten, die keiner seiner Zuhörer kannte. Zeitzeugen hatten umfangreiches Material geliefert, das nun in geordnetem Zustand präsentiert wurde. Wer weiß schon, daß von Billy Jenkins selber nur die ersten vier Romane geschrieben wurden oder daß zu den späteren Ghostwritern der Westernautor Unger gehört. Oder, daß Billy Jenkins Gründungs- und Ehrenmitglied des Cowboy Clubs Old Texas Town 1950 e.V. ist, oder daß Jenkins und Patty Frank sich gut kannten, daß sie sich oft in der Villa Bärenfett trafen, wobei beide total verschiedener Natur waren. Hier der Artist in Leder-Glamour-Anzug, da der bodenständige Artist, dem man dem Cowboy eher abnahm. Dickköpfig sollen auf jeden Fall beide gewesen sein. Es folgte eine lebhafte Diskussion und da unter den Gästen z.B. auch der Antiquar Matthias Schalow aus Berlin war, ein Kenner aller Jenkins-Publikationen, gab es auch die Möglichkeit, alte Jenkins-Hefte im Original anzuschauen.

Auch Herr Zaremba brachte eine Fülle von vergrößerten alten Fotos mit, so daß auch dem Wort die visuelle Untermalung gegeben war. Als der Vorstand von Old Texas Town dann noch erlaubte, eine kleine Führung durch die Stadt mitzumachen, waren wohl alle mit diesem Nachmittag mehr als zufrieden.

Für Interessierte, die Westernstadt hat am ersten Freitag, 18.00 bis 22.00, und am ersten Samstag, 19.00 - 2.00, eines jeden Monats für das Publikum geöffnet. Geboten wird außer der Flaggenparade, Führungen, noch eine mexikanische Kantina mit Tequila und der Saloon mit Tanzvorführungen, u.a. auch Can-Can und Mariachi-Musik. Abschließend sei an dieser Stelle nochmals Dank an Dr. M. Zaremba für seinen Vortrag zu sagen.

Am 14. November dieses Jahres haben alle Berliner und auch sonst alle, die Interesse haben, die Möglichkeit ein weiteres Mal sich im Saloon von Old Texas Town zu treffen: Herr Wolfgang Seiffert hält einen Vortrag über Patty Frank, Start ist wieder 14.00 Uhr. Thomas Grafenberg


Peter Krumbiegel

Karl May und Schloß Osterstein

Vergangenheit und Ausblick

Am 8.6.1865 verurteilte das Leipziger Bezirksgericht den Angeklagten Karl May zu vier Jahren und einem Monat Arbeitshaus. Eine Strafe zwischen Gefängnis und Zuchthaus.

Vorausgegangen war der Versuch May's, sich den Lebensunterhalt u.a. durch kleine schriftstellerische Arbeiten, Komponieren, dem Erteilen von Privatstunden zu verdienen.

Der Versuch scheiterte. May begeht Diebstähle und Betrügereien...

Karl May tritt seine Haftstrafe im Schloß Osterstein am 14.6.1865 an.

"Ich fand bei meiner Einlieferung in die Strafanstalt eine ernste, aber keineswegs verletzende Aufnahme. Wer höflich ist, sich den Hausgesetzen fügt und nicht dummerweise immerfort seine Unschuld beteuert, wird nie über Härte zu klagen haben. Was die Beschäftigung betrifft, die man für mich auswählte, so wurde ich der Schreibstube zugeteilt.

Man kann hieraus ersehen, wie fürsorglich die Verhältnisse der Gefangenen von der Direktion berücksichtigt werden.

Leider aber hatte diese Fürsorge in meinem Fall nicht den erwarteten Erfolg. Nämlich ich versagte als Schreiber so vollständig, daß ich als unbrauchbar befunden wurde.

Ich hatte als Neueingetretener das Leichteste zu tun, was es gab; aber auch das brachte ich nicht fertig.

Das fiel auf.

Man sagte sich, daß es mit mir eine ganz besondere Bewandnis haben müsse, denn schreiben mußte ich doch können!

Ich wurde Gegenstand besonderer Beachtung.

Man gab mir andere Arbeit, und zwar die anständigste Handarbeit, die man hatte.

Ich kam in den Saal der Portefeuillearbeiter und wurde Mitglied einer Riege, in welcher feine Geld- und Zigarrentaschen gefertigt wurden."

Das Schloß Osterstein soll in den Jahren 1109 bis 1123 vom Grafen Wiprecht von Groitsch erbaut worden sein.

Auch dem Markgrafen Dietrich den Bedrängten wird die Erbauung des Schlosses zugeschrieben.

In Urkunden taucht erstmals im Jahre 1292 der Begriff `castrum Czwickaw' auf.

Die großen Zwickauer Stadtbrände in den Jahren 1328 und 1403 gingen auch an Schloß Osterstein nicht spurlos vorüber.

Die Feste mußte niedergerissen werden und wird dann von 1404 bis 1407 mit noch stärkeren Mauern wieder aufgebaut.

Im Dreißigjährigen Krieg wird das Schloß 1632 so eingeäschert, daß es 30 Jahre nicht mehr bewohnbar war.

Als im Jahre 1770 unter dem Kurfürst Friedrich August in der sächsischen Kriminalistik Tortur, Staupenschlag und Landesverweisung ganz abgeschafft und auch die Todesstrafe in vielen Fällen aufgehoben wurde, nahm der Bedarf an Gefängniszellen zu.

Das Schloß Osterstein bekam eine neue Nutzung.

Die Gerichtsbehörden verhängten jetzt als Strafen häufiger Festungsbau oder Zuchthaus.

Binnen 5 Jahre entstand so aus dem Schloß Osterstein ein `Zucht- und Arbeitshaus für 200 Individuen beiderlei Geschlechts`.

Doch im Schloß Osterstein waren nicht nur Kriminelle inhaftiert.

Zum Beispiel mußte August Bebel hier zweimal Haftstrafen verbüßen.

So eine neunmonatige Haft vom 1.7.1874 bis 1.4.1875 wegen Majestätsbeleidigung und eine zweite vom 18.11.1886 bis 17.8.1887 während des Sozialistengesetzes.

In der Strafanstalt entsteht das `Repertorium C. May`. Es beinhaltet schriftstellerische Pläne, die Karl May später größtenteils nicht verwirklicht.

Am 2.11.1868 erfolgt für Karl May die vorzeitige Entlassung aus der Haftanstalt.

"Es war ein schöner, warmer Sonnentag, als ich die Anstalt verließ, zum Kampf gegen des Lebens Widerstand mit meinen Manuskripten bewaffnet... Ich kehrte heim, und kaum war ich dort, so stürzte sich alles, was ich beseitigt glaubte, wieder auf mich... Ich vernahm unausgesetzt den inneren Befehl, an der menschlichen Gesellschaft Rache zu nehmen, und zwar dadurch Rache, daß ich mich an ihren Gesetzen vergriff."

Karl May begeht neue Straftaten, die schließlich zu einer erneuten Verurteilung, diesmal 4 Jahre Haft im berüchtigten Zuchthaus Waldheim führten.

Schloß Osterstein soll jetzt seine ursprüngliche Fassade mit den Renaissance-Giebeln wiedererhalten. Vorgesehen ist, das Schloß künftig als Seniorenresidenz mit betreutem Wohnen zu nutzen.

Auf dem Gelände des ehemaligen Zellenhauses, das 1997 abgebrochen wurde, ist der Neubau eines Multiplexkinos mit insgesamt 2200 Plätzen in acht Sälen, Handel und Gastronomie geplant.


Gedanken über Pferde

Als Berliner habe ich noch die Möglichkeit, eine Pferdemetzgerei zu besuchen, und man verzeihe mir, aber Pferderouladen sind ein Leibgericht von mir. Der Berliner Pferde-Schlächter Alfred Bredel ist der letzte seiner Zunft, nach dem Krieg zählte man noch ca. 60 davon.

Wenn ein May-Freund Pferde hört, denkt er garantiert nicht an diesen Beruf, sondern an die Pferde, denen May ein literarisches Denkmal gesetzt hat. Sei es im Orient der unvergleichbare Rih, oder im Westen Iltschi und Hatatitla. Natürlich gibt es in der Weltliteratur auch andere berühmte Pferde, man denke an Pegasus oder Rosinante. Ein Pferd wird aber immer im Zusammenhang mit Arbeit gebracht - Pflug oder Kutsche ziehen - oder als Reittier. Es dient dem Kürassier, dem Cowboy, dem Indianer und Araber, und die edleren Artgenossen trifft man auf der Rennbahn oder in den Büchern. Aber kein Vieh ist dem Menschen soviel wie das Pferd, da es noch sein letztes Gramm Fett seinem Nutznießer opfert. Übrigens Pferdefett wird nicht gegessen, sondern als Naturheilmittel zum Einreiben bei den verschiedensten Leiden verwendet, sei es Gicht, Rheuma, wunde Kinderpopos oder das männliche Fortpflanzungsorgan (ich weiß nicht, ob es was nutzt, aber Glaube versetzt bekanntlich Berge).

Wer von uns hielt nicht beim Lesen den Atem an, als Rih die Schlucht ,maysterte', die das Pferd des Schuts nicht schaffte. Wieviele Tränen flossen, als Rih die Kugel abbekam, die Kara Ben Nemsi gegolten hatte. Unzählige mißliche Lagen konnten nur gemaystert werden, weil diese Pferde ihre Herrn retteten. Solche Pferde werden nicht geschlachtet, weder beim Metzger noch beim Abstempeln zur Trivialliteratur.

Thomas Grafenberg


Theater-Zeitung Dortmund v. 21.4.98

Abgespielt - doch der Tumult um Villa Shatterhand geht weiter

Zum Daniel-Call-Stück "Tumult auf Villa Shatterhand" erreichte das Theater ein mehrseitiges Schreiben des Karl-May-Verlags aus Bamberg, das sich inhaltlich mit Stück und Programmheft beschäftigt. Neben vielen kritischen Bemerkungen legt der Verlag vor allem Wert auf die Feststellung, daß alle rassistischen Einschübe in das Werk Mays, die vor allem vom ersten Verleger hineinredigiert wurden, inzwischen vom Karl-May-Verlag bei Neubearbeitungen entfernt wurden.

Das Stück von Daniel Call wurde planmäßig im April letztmals gespielt.


Starrummel vor 100 Jahren

Karl May in München: Fans blockieren die Sonnenstraße

Süddeutsche Zeitung v. Freitag, 4. Juli 1997 - von Rudolf Reiser

Ganz München ist aus dem Häuschen, als heute vor hundert Jahren Karl May in der Stadt eintrifft. Der 55jährige Erfolgsschriftsteller hat sich am 3. Juli noch auf einer Dampferfahrt auf dem Starnberger See erholt und will sich jetzt die Kunststadt an der Isar anschauen. Er kennt sie eigentlich ja nur vom "guten Spatenbräu", das er so gerne trinkt. Doch es kommt alles ganz anders, als er denkt. May: "In Stuttgart und Innsbruck ließen mir die Leser keine Minute Ruhe. Am schlimmsten war es aber in München, geradezu unglaublich. Am ersten Abend entdeckte mich ein dortiger Buchhändler im Hotel und ließ es ohne mein Wissen in die Zeitungen setzen, daß May da sei."

Diese Ankündigung verfehlt natürlich nicht ihre Wirkung. Karl May berichtet weiter: "Am anderen Mittag hatte ich schon über 600 Briefe und Karten mit Besuchsanmeldungen." Tatsächlich suchen ihn im Hotel "Trefler" an der Sonnenstraße an diesem Tag 900 Münchner auf. "Am nächsten Tag über 600, am folgenden über 800, dann riß ich aus", schreibt der populäre Gast. Damit aber nicht genug. Während der Besuche muß Karl May "alle zehn Minuten auf den Balkon treten, um mich der unten stehenden Menge zu zeigen und sie zu grüßen". Der Ansturm ist so gewaltig, daß der Straßenbahnbetrieb in der Sonnenstraße eingestellt werden muß. Kein Durchkommen! Da rücken Arbeiter an und treiben die Fans mit Wasserschläuchen auseinander.

Einem Reporter erzählt Karl May indes von seinen Plänen. Er wolle im Herbst 1897 "wieder die Atlantis durchqueren, um Winnetous einsames Grab zu besuchen, bei den Apachen einzukehren und sich in den Rocky Mountains einen Grizzly-Bären zu holen". 1898 sei dann eine Reise nach Bagdad geplant. Natürlich wolle er "seinen einstigen Freund und Beschützer, den nunmehrigen Oberscheik der Haddedihn-Schammar, den unvergleichlichen Hadschi Halef Omar und sein Hanneh besuchen". Voller Genugtuung schreibt schließlich der Reporter: "Mir aber, und wohl allen, die in diesen Tagen mit Dr. May zusammentrafen, war es eine große Freude und wird es eine bleibende Erinnerung sein, den Mann, der die ganze Welt bereist hat, der über 1200 Sprachen und Dialekte versteht, den letzten Vertreter der Romantik des wilden Westens von Angesicht zu Angesicht gesehen zu haben." Im Frühjahr 1898 weilt Karl May ein zweitesmal in den Mauern der Stadt. Einige Münchner sind so von den Besuchen angetan, daß sie unverzüglich den "Münchner-May-Club" gründen. Die Mitglieder treffen sich zunächst im Hotel "Trefler", dann in der "Blauen Traube" am Sendlingertorplatz. In den Statuten, die May persönlich genehmigt, heißt es: "Ordentliches Mitglied kann jeder unbescholtene, den besseren Kreisen angehörige Mann werden, der sich zu den Grundsätzen der christlichen Cultur basierenden Anschauungen des Dr. Karl May bekennt."


Karl-May-Gesellschaft möchte Winnetou-Schöpfer angemessen in der Literaturgeschichte plazieren

Beim Stöbern im "Schatz am Silbersee" entdecken Kinder die Leidenschaft Lesen

Klötzer Volksstimme, 19. September 1997

Karl May - mit einem Schlag werden Erinnerungen an jene längst zurückliegende Weihnachtsfeste wach, als unterm Tannenbaum die grünen Leinenbücher lagen. Für Sekunden tauchen unter anderem die Akteure vom "Schatz am Silbersee" - Winnetou und Old Shatterhand - vor dem geistigen Auge auf.

"Karl May lehrt bis zum heutigen Tag Kindern und Jugendlichen leidenschaftliches Lesen", so Claus Roxin, Vorsitzender der Karl-May-Gesellschaft, die an diesem Wochenende zu ihrer Tagung in Erlangen zusammenkommt. "Karl May bleibt man auch als Erwachsener treu", sagt der Juraprofessor, der die Gesellschaft 1969 mitbegründet hat.

Die gesammelten Werke des Abenteuerschriftstellers haben nach Angaben des Bamberger Karl-May-Verlags inklusive Lizenzausgaben eine Gesamtauflage von über 80 Millionen. Seit mehr als 100 Jahren werden Karl Mays Werke verlegt - und immer noch sind sie erfolgreich.

"Karl May war einer, der die Paläste der Reichen und die Hütten der Armen gleichermaßen authentisch kannte", sagt Claus Roxin. So sei auch allein schon sein Leben faszinierend. Karl Friedrich May wurde am 25. Februar 1842 in der sächsischen Kleinstadt Ernstthal als Sohn eines armen Webers geboren. Er wird Lehrer, und in dieser Zeit begeht er den ersten Diebstahl. Als Vorbestrafter wird er aus dem Schuldienst entlassen und dann wieder straffällig. Diebstahl, Betrug und Hochstapelei bringen Karl May erst in ein Arbeitshaus, später ins Zuchthaus. In dieser Zeit entstehen seine ersten literarischen Skizzen. 1874 wird Karl May aus dem Gefängnis entlassen und beginnt professionell zu schreiben. Aus dem Zuchthäusler wird ein stets gern gesehener Gast am sächsischen Hof. Als Karl May am 30. März 1912 in Radebeul stirbt, ist er berühmt.

Sein Leben, so heißt es bei der Karl-May-Gesellschaft, liest sich wie ein Roman - ebenso abenteuerlich und maßlos, so ergreifend und mitreißend. Doch erst in den 60er und 70er Jahren zog Karl May das Interesse der Literaturwissenschaftler auf sich. Vorher wurde er als Volksschriftsteller eingeordnet und war für die Germanisten nur von mäßigem Interesse.

Die Karl-May-Gesellschaft hat es sich zur Aufgabe gemacht, das literarische Werk Karl Mays zu erschließen und zu bewahren. Außerdem soll das Leben und Schaffen des Winnetou-Schöpfers erforscht und dem Autor und seinem Werk ein angemessener Platz in der Literaturgeschichte verschafft werden. 1855 Mitglieder hat die Gesellschaft, darunter auch 33 Institutionen wie Universitäten und Museen. "Karl May ehrt man nicht, indem man für ihn fanclubartig schwärmt, sondern sich vielmehr kritisch mit ihm auseinandersetzt", sagt Claus Roxin.

An sein erstes Buch von Karl May kann sich Claus Roxin noch ganz genau erinnern: Als Achtjähriger nahm er es an einem Regentag erstmals zur Hand. "Und ich habe es auf einen Zug ausgelesen." So habe auch er als Kind durch Karl May das leidenschaftliche Lesen gelernt.

Ute-Marion Schnurrer


Gustav Preininger, Graz

Ein Briefwechsel

Betr.: ORF (Österr. Rundfunk) und Karl May

Im Vorjahr hat der ORF eine Sendung über indianische Völker gebracht und dabei in der Ankündigung Karl May genannt (,,Indianer suchen Karl May"). In der an und für sich nicht schlechten Sendung wurde dann allerdings in einer Art zu Karl May Stellung genommen, die meinen Widerspruch hervorrief. Es kam zu einem Briefwechsel mit dem verantwortlichen Redakteur; vielleicht ist er für Sie von Interesse:

Graz, 09.12.1997

An die Redaktion Medienjournal, Funkhaus

Betr.: Abendjournal/MedienjournaI v. 05.09.1997 ,,Indianer suchen Karl May"

Vorab möchte ich festhalten, daß ich mit Inhalt und Absicht der Sendung, sowie mit ihrer Gestaltung sehr einverstanden bin, allerdings mit einer wesentlichen Ausnahme. Offenbar schreiben Sie dem Namen Karl May noch immer soviel Zugkraft zu, daß er Ihnen als Aufmacher zu dieser Sendung gut genug erschien. Obwohl die Aussage des Titels mit dem Inhalt der Sendung überhaupt nichts zu tun hat, glaube ich, daß ,,Old Shatterhand" ihnen diesen journalistischen Kunstgriff sogar verziehen hätte, lag ihm doch sehr daran, das Verständnis für das traurige Schicksal des indianischen Volkes - dieser Sammelbegriff sei gestattet - zu wecken. Wenn Sie allerdings gegen Ende der Sendung - und erst dann wird Karl May wieder erwähnt - behaupten, daß die Klischeevorstellungen der Österreicher (und wohl auch die unserer deutschen Nachbarn) auf die Lektüre seiner Bücher zurückzufahren sind, so haben es die in der Sendung genannten indianischen Journalisten offenbar mit Leuten zu tun gehabt, die Karl May entweder nur vom Hörensagen kennen oder ihn nur sehr oberflächlich gelesen haben. Und auch Ihnen scheint der Schriftsteller weitgehend unbekannt zu sein, sonst würden Sie nicht die Aussagen von Leuten ernst genommen haben, die wahrscheinlich ebenso nach der Lektüre von Peter Rosegger sehr erstaunt wären, in den Häusern unserer Bauern heute elektrisches Licht anstelle des Kienspans vorzufinden

Eine einigermaßen seriöse Beschäftigung mit dem Thema hätte Ihnen eigentlich deutlich machen müssen, daß es gerade Karl May war, der neben den, wohl dem Wissen seiner Zeit entsprechenden, ,,Klischees" in seinen Geschichten immer wieder auf die Verbrechen hingewiesen hat, die von den Weißen an den Indianern begangen wurden, und der schon vor hundert Jahren das traurige Schicksal dieser Rasse vorausahnte. Er hat humanistische und ökologische Ansichten vertreten, die man zu seiner Zeit und wohl auch leider teilweise heute noch als romantische Spinnereien abgetan hat und abtut. Daß er die Indianer durchaus einer Weiterentwicklung für fähig gehalten hat, beweist sein Alterswerk "Winnetous Erben".

Wenn Byron Christopher feststellt, daß er unter Europäern mehr Verständnis für indianische Probleme gefunden hat als unter seinen Landsleuten in Kanada, so mag das mehrere Ursachen haben. Eine davon ist sicher, daß viele Ressentiments der weißen Bevölkerung Nordamerikas auf hautnah erlebte historische Ereignisse zurückgehen - auch die Indianer waren keine Lämmer und über Recht oder Unrecht soll hier nicht gerichtet werden -, ein Empfinden, das in der Distanz natürlich nicht vorhanden ist. Das hatte natürlich auch zur Folge, daß Schriftsteller wie Karl May, die sich der indianischen Sache annahmen, es leichter hatten sich Gehör zu verschaffen. Und ich behaupte, daß dieses gefundene Verständnis gerade unter jenen, die Karl May wirklich gelesen haben, in verstärktem Ausmaß vorhanden ist. Die Journalistin Maggie de Rangeé (ich hoffe, sie schreibt sich so oder ähnlich) scheint es tatsächlich nur mit Dummköpfen zu tun gehabt zu haben.

Es tut mir leid, daß die an und für sieh sehr gute journalistische Arbeit, die dieser Sendung zugrunde liegt, durch einen solchen Lapsus getrübt wird und erlaube mir die Empfehlung, gerade jenen Details, die als Blickfang benützt werden, in Hinkunft mehr der gebotenen journalistischen Sorgfalt angedeihen zu lassen.

Wien, 11.12.97

Als Sendungverantwortlicher freue ich mich natürlich sehr über Ihr großes Interesse an unserer kleinen Sendung. Vor allem, weil Sie der Sendung eine sehr gute journalistische Arbeit zubilligen, aber auch, weil Sie den Kunstgriff mit dem plakativen Titel verzeihen.

Daß die indianische Journalistin nur mit Dummköpfen zusammengetroffen ist, wollen wir doch nicht hoffen. Vielleicht war auch jemand darunter, der sich Karl May auch durch die Brille von Arno Schmidt angenähert hat. Dann jedenfalls wäre das jemand gewesen, der sich nicht unbedingt dumm, wohl aber sehr kritisch geäußert haben müßte.

Doch grundsätzlich: Es ist kein Lapsus, wenn sich in einer Sendung jemand in einer Weise äußert, die einem Hörer unqualifiziert erscheint. Denn auch das gehört zur Darstellung aller Facetten der Wirklichkeit. Oder liege ich da falsch?

Graz, 16.12.97

Da Sie Ihren Brief, für den ich bestens danke, mit einer Frage beenden, möchte ich es doch nicht versäumen, Ihnen darauf zu antworten. Ich gehöre nicht zu jenen Leuten, die, wie Sie zart andeuten, grundsätzlich alle, die nicht ihrer Meinung sind, für dumm halten. Über Karl May wurde und wird noch immer viel gestritten, aber da geht es um Themen, die mit dieser Sendung wenig zu tun haben, wie z.B. die Stellung des Autors in der deutschen Literatur.

Um es nochmals zu sagen - offenbar war mein Beispiel mit Peter Rosegger nicht klar genug: Wenn jemand heute einen Indianer fragt, wieviele Skalpe er in seinem Wigwam hat oder wieviele Büffel er jährlich tötet und diese seine ,,Kenntnisse" aus Büchern ableitet, die im vorigen Jahrhundert geschrieben wurden (ob von Karl May, J.F. Cooper oder F. Gerstäcker, um nur einige zu nennen, ist egal), dann ist der entweder ein Dummkopf (gelinde gesagt) oder er beabsichtigt mit dieser Frage eine Beleidigung seines Gegenübers, was noch schlimmer wäre. Letzten Endes werden diese Leute ja in der Sendung selbst als Phantasten bezeichnet. Die Wirklichkeit ist, daß sie wohl angeregt wurden, sich mit den Indianern zu beschäftigen (so wie es Leute gibt, die von Rittern und Burgfräulein träumen), aber an diesem Volk nicht wirklich interessiert sind und in dieser Beziehung also auf einer primitiven Stufe stehen geblieben sind. Das kann wohl nicht die Schuld eines Autors sein.

Aber es scheint offenbar journalistisch ergiebiger zu sein, sich weniger an wirklichen Facetten zu orientieren und dafür einem weithin populären, aber (für diesen Zweck glücklicherweise, weil nicht mehr in der Lage sich zu wehren) toten Schriftsteller eins ans Zeug zu flicken.


Synchronsprecher G. G. Hoffmann gestorben

Trierischer Volksfreund 19.11.97

Der Synchronsprecher Gert Günther Hoffmann, der Stars wie Sean Connery, Clint Eastwood, Rock Hudson und Paul Newman seine Stimme geliehen hat, ist am Montag im Alter von 68 Jahren gestorben. Das teilte seine Witwe jetzt mit. Hoffmann galt als "König der deutschen Synchronsprecher". Neben mehreren "James Bond"-Filmen mit Connery gehört die Synchronisation von Captain Kirk in der Fernsehserie "Raumschiff Enterprise" zu seinen bekanntesten Aufgaben. Er lieh auch Christopher Lee ("Der Hund von Baskerville") und Michel Piccoli seine deutsche Stimme. In zahlreichen Karl-May-Filmen synchronisierte Hoffmann Lex Barker als Old Shatterhand.


Der Sohn Old Shatterhands als Sänger

Nein, Christopher Barker (37) trägt kein fransenbestücktes Lederhemd und sagt statt "Howgh" ganz normal "Hallo" zur Begrüßung. Nicht einmal hoch zu Roß sitzt der Sänger und Schauspieler. Trotzdem - die verträumt-blauen Augen, das Haar, und "die romantische Ader" hat Christoper Barker eindeutig von seinem Papa geerbt, der als unvergessener Old Shatterhand an der Seite Winnetous Abenteuer bestand oder sich als Tarzan-Legende von Liane zu Jane schwang.

"Wir haben viel Sport zusammen getrieben, spielten Tennis und schwammen", erinnert sich der in Genf aufgewachsene Christopher Barker in perfektem Deutsch an seinen Vater, den er im Alter von 13 Jahren verlor. "Das schönste war, daß er mir Tauchen beibrachte. Wo immer ich auf der Welt bin, gehe ich ins Wasser. Die beste Entspannung für mich!"

"Irgendwann nahm ich Gesangsstunden und fing an, an der Oper kleinere Rollen zu übernehmen. Als mich mein Chef ermahnte, weil ich immer mehr Zeit auf der Bühne verbrachte, wechselte ich die Branche."

Seine Antriebswelle, den berühmten Nachnamen, setzt er ganz bewußt ein: "Das öffnet manche Tür." Kann aber auch zur Last werden, wenn wieder einmal ein Regisseur eine Lex-Kopie aus Christopher machen möchte. "Dann schmeiß' ich hin. Ich bin immer noch ich."

(In: ,Von der Last und der Lust eines berühmten Namens'. Aus: Hamburger Abendblatt vom 13.9.1997).


Aus der Presse:

Zum Thema 'Winnetous Rückkehr'

In weit über 100 Zeitungen erschienen kurz nach der Ausstrahlung (3./4.Jan.98) fast identische Artikel. Das Wiesbadener Tagblatt schreibt: Das "Kriegsbeil" droht. Als Reaktion auf den ZDF-Zweiteiler "Winnetous Rückkehr" hat der Karl-May-Verlag das Kriegsbeil ausgegraben. Der Bamberger Verlag hat die Renate-Ziegler-Filmproduktionsfirma (Berlin) verklagt, weil diese mit der unberechtigten Benutzung des Namens Winnetou gegen bestehendes Marken- und Wettbewerbsrecht verstoßen habe, erklärte der Verleger Lothar Schmid in Bamberg. Karl-May-Romane könnten in der Urfassung zwar von jedermann herausgebracht werden. Für die Verwendung der Charaktere und deren Namen in neuen Geschichten und Produktionen müsse aber eine Lizenz erworben werden. Der Justitiar der Filmfirma hält diese Beschuldigung für "schlichtweg abwegig und absurd". Auch wenn der Verlag Winnetou als Markenname habe eintragen lassen, rechtfertige das nicht den Anspruch, über den Namen allein zu verfügen, sagte Rechtsanwalt Paul Hertin.


Thema 'Karl-May-Land'

Die Leipziger Volkszeitung v. 7.1.98 schreibt: Goldgräber hoffen auf Karl-May-Land, Staatsregierung pocht auf gesicherte Finanzierung -neues Konzept soll bis April stehen. Die Staatsregierung wird das Unternehmen "Karl-May-Land" in der Oberlausitz nur dann unterstützen, wenn die Finanzierung gesichert ist und eine veränderte Konzeption höchstmögliche Auslastung von März bis Oktober verspricht. Die Planer haben bis 2. April Zeit, überzeugende Konzepte zu liefern. Dann wird entschieden, ob Sachsen sich mit 35 Prozent an der Finanzierung des 410-Millionen-Mark-Projekts beteiligt, oder ob die Hoffnung auf mehr als 3500 direkte und indirekte Arbeitsplätze in der rekultivierten sächsisch-brandenburgischen Braunkohleregion spätestens ab dem Jahr 2000 trügt. Der mit einem Gutachten beauftragte Würzburger Fremdenverkehrs- und Freizeitforscher Prof. Rico Scherrieb sprach gestern von einer einmaligen Projektidee, gab aber für die bisher vorliegenden Pläne des Ideenträgers Jos Vanlangenaecker kein grünes Licht. Produkt nicht schlecht, dennoch ein Unternehmen voller Risiken. Staatssekretär Wolfgang Vehse gab ihnen bis Anfang April "Hausaufgaben" mit.


Thema


Karl-May-Länder

Das Projekt Karl-May-Land an der Lausitz (s.a. N-KMG 113 S.60 ) ist ins Stocken geraten. Die Lausitzer Rundschau berichtete noch am 4.11.97 in einen ganzseitigen Artikel von diesem Projekt, aus dem wir hier zitieren. Ein unabhängiger Gutachter sollte bis Mitte Dezember 97 sein Urteil über Wirtschaftlichkeit und Machbarkeit des vorliegenden Vierstufenplans abgeben, dann entscheiden Kabinett und Landtag. Bauherr und Betreiber gehen offenbar ein hohes Risiko ein und hoffen, daß bereits im Jahr 2000 ein Teil des Parks betrieben werden kann. Ulrich Klinkert, Staatssekretär im Bundesumweltministerium: "Die sanierte Landschaft könnte kaum besser genutzt werden. Das Karl-May-Land würde die Lausitz in der ganzen Welt bekanntmachen". Den Namen Karl May kennt in Deutschland fast jedes Kind. Aber auch in Europa liegt der Bekanntheitsgrad über 50%, so Marktforscher. Und Dr. Frank Pessner, der Deutschlandchef von ETTC: "Karl May kennt jedes Kind. Der Name steht für seine Figuren, die in seinen Büchern und Filmen Wirklichkeit geworden sind. Wir bieten erstmals in Europa die Möglichkeit, in diese Welt einzutauchen". - Nebenbei : In der Sendung Politmagazin FAKT vom MDR am 6.4.98 um 21:00 wurde von einem Freizeitprojekt mit dem Titel 'Planet Harz' berichtet; das hat mit Karl May zwar nichts zu tun, nur zeigt sich darin die Bereitschaft des Landes Sachsen-Anhalt, für etwa 30 Bauprojekte rund um Blankenburg/Harz bis zu 1/2 Milliarde DM Fördermittel zu investieren. - Und wie geht es an der Lausitz weiter? Das sächsische Wirtschaftsministerium hat immer noch nichts endgültiges entschieden. Pressesprecher der Betreibergesellschaft ETTC, Herr Dr. Pessner, erklärt in einem Telefongespräch sinngemäß folgendes: Das 1995 von einem Lenkungsausschuß verabschiedete Projekt stieß 1996 auf Widerstand, die Investoren wurden nicht akzeptiert, weil deren Finanzkraft als zu gering erachtet wurde, namhafte Investoren waren gefragt. Ein als Ausweich geplantes Fondsmodell, bei dem ein Großfinanzier Garantie gibt, bis der letzte Anleger eingezahlt hat, wurde abgelehnt. Das Wirtschaftsministerium forderte, das Projekt in 4 Etappen aufzubauen, Nach der 3. Überarbeitung und immer kleiner werdenden Stufen ergab ein Gutachten: Entweder Bau im Ganzen oder gar nicht, ein Nach-und-Nach ist von der Sache her nicht machbar. Also der Stand von April 1998: Das Modell ist sachkundig geplant, zurück zur ursprünglichen Größe. Nun liegt die Entscheidung wieder beim Ministerium.-

Eine andere Art Freizeitpark entsteht in der Umgebung von Beilngries in Oberbayern, das "White Eagle's Indian Camp". In der Südd. Zeitung vom 29.9.97 wird berichtet: "Uli Wimmers 10 000 qm großes Camp bietet Kindern und Erwachsenen mehr als Karl-May-Romantik". Uli Wimmer alias White Eagle: "Ich unterscheide mich von den Freizeitindianern, die nur am Wochenende auf irgendwelche Westerntreffen fahren dadurch, daß ich das ganze Jahr über hier lebe und mich mit der indianischen Kultur wirklich identifiziere." Zur Selbstinformation sei die Telefonnummer angegeben: 08461-605353. Wir sagen da nur: Uff Uff! -

Als drittes ist immer noch in Planung das Freizeitareal am Stausee Oberwald in der Nähe von Hohenstein-Ernstthal, wo neben Westernstadt und Indianerdorf auch eine Festspielbühne entstehen soll. Wir werden zu gegebener Zeit über dieses Projekt berichten, dem wir - wie den anderen auch - gutes Gelingen wünschen.

Dietrich Schober


Friedrich Pustet, Regensburg

Einen wesentlichen Einschnitt in die wechselnden Verlagsbeziehungen Mays bedeutet sein Eintritt als Mitarbeiter am katholischen Familienblatt "Deutscher Hausschatz" (Verlag Fr. Pustet, Regensburg; gegr. 1826), in dem zwischen 1879 und 1909 (mit einer Unterbrechung 1899-1906) insgesamt 31 Romane erschienen - soweit das Karl-May-Handbuch 1987 Seite 133. Die Dokumentation findet sich bei G. Klußmeier: Karl May und Deutscher Hausschatz in M-KMG 16/1973 - 24/1975. Die Mittelbayerische Zeitung Regensburg schreibt am 25.2.1998 unter der Überschrift "Regensburger 'Hausschatz' verhalf Karl May zum Erfolg", hier ein Auszug: "Vor 200 Jahren - am 25.Februar 1798 - wurde der Verlagsgründer Friedrich Pustet in Hals, heute Ortsteil von Passau, geboren. Und dieser Name wurde in guter Familientradition von Generation zu Generation weitergegeben, so daß stets ein Friedrich Pustet an der Firmenspitze stand. Ab 1874 gab Pustet die Zeitschrift "Deutscher Hausschatz" heraus, das katholisch geprägte Gegenstück zur "Gartenlaube". Ein später weltberühmter Autor wurde vom "Hausschatz" entdeckt: Karl May. Seine ersten Geschichten erschienen unter Pseudonym.. Aber bereits 1879 bekam Karl May bei Pustet einen Exklusivvertrag. Das war der Durchbruch für den Autor, der zuvor mehrfach im Gefängnis gesessen hatte - wegen Straftaten, die er wohl aus bitterer Armut begangen hatte. In der Zeit bis 1909 erlebten 33 Karl-May-Romane ihre Erstveröffentlichung im "Hausschatz". - Und auf Seite 13 (Leben in Regensburg) lesen wir am 26.2.98: "Die Firma Pustet ist eine katholische" charakterisiert sehr treffend der Erfolgsschriftsteller Karl May das Regensburger Familienunternehmen. Mays Abenteuerromane sind in den Jahren 1879 bis 1909 in Pustets "Deutschem Hausschatz" als Fortsetzungsgeschichten erstveröffentlicht worden. Zu Zeiten des vielschreibenden Romanciers regierte bereits Friedrich Pustet der Dritte, das kleine Ladengeschäft am Neupfarrplatz war schon zu Zeiten des Firmengründers gegen ein großes Verlags- und Druckereigebäude an der Gesandtenstraße eingetauscht worden, und Bücher aus dem Hause Pustet wiesen seit den 1860er Jahren und noch zu Lebzeiten des ersten Friedrich eben jene beeindruckende Reihe der Erscheinungsorte auf, die da hieß: Regensburg, Rom, New York, Cincinnati. Der sechste Friedrich Pustet beschäftigt in der jetzigen GmbH & Co KG, die nach wie vor als Familienbetrieb geführt wird, 450 Mitarbeiter. Das Verlagsprogramm ist der theologischen Ausrichtung treu geblieben. - "Weiter im Firmenprospekt: ... bahnten sich jedoch innerkirchliche Reformbestrebungen an, die sich schließlich durch die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils 1963 artikulierten: Die Einführung der Landessprache im offiziellen Gottesdienst anstelle des bisher allgemein verbindlichen Lateins. Damit war den weltweit vertriebenen liturgischen Pustet-Ausga-ben in lateinischer Sprache ein Ende gesetzt. Dieser einschneidende Verlust des Weltmarktes erschütterte das Unternehmen. Aber es fiel nicht - und das gehört zu den bemerkenswertesten Tatsachen in der jüngeren Geschichte des Familienunternehmens. Nach wie vor ist Pustet ein Verlag von Rang und Namen für Theologie in ihren verschiedenen Sparten, nach wie vor widmet er sich mit Vorrang der Herausgabe liturgischer Werke für den offiziellen Gottesdienst, ergänzt durch eine Vielzahl praxisbezogener Titel für Priester und Laien. - Heute befindet sich der Verlag in der Gutenbergstraße 8, die Hauptbuchhandlung in der Pustet-Passage im Zentrum. -dSch


Wolfgang Seifert, Berlin

Zu Nr. 115/März 1998 - R.-D. Kahlke: Custer Living History Days

Fehler in den KMG-Nachrichten sollten berichtigt werden: Im oben genannten Aufsatz stellt der Autor eine Veranstaltung zum Custer-Mythos in South Dakota vor. Es wird leider nicht erwähnt, daß die Gründung der heutigen Stadt Custer eine eklatante Verletzung des Vertrages von Laramie 1868 darstellte, wonach Forts oder weiße Ansiedlungen im Gebiet von South Dakota nicht angelegt werden durften.

Der peinliche Fehler ist zu Beginn des Aufsatzes leider unübersehbar: Der abgebildete Langhaarige mit dem schwungvollen Stetson ist nicht G.A. Custer, sondern William F. Cody, genannt BUFFALO BILL.


Jens Kiecksee, Neuenkirchen

Vorab recht herzlichen Dank für die jüngsten KMG-NACHRICHTEN, die sich erneut - wen wundert's - als ausgesprochen informativ und unterhaltend darboten.

Gestatten Sie mir bitte eine Anmerkung zu Manfred Raubs ,Zwei kurze Bildgeschichten' (S. 16). Ob "unser Schweizer Nachbar ein so großer Karl-May-Freund (ist)", vermag ich nicht zu beurteilen, aber daß der Autor und Zeichner dieses Monte-Christo-Abenteuers einer ist, kann kaum bezweifelt werden. Es handelt sich um Helmut Nickel, der von Februar 1963 bis Oktober 1965 die bisher wohl beste Karl-May-Comic-Adaption schuf. (Erschienen im Walter-Lehning-Verlag). Zu bemängeln gab es daran wohl überwiegend nur die Druckqualität und die Farbgebung. Beides wurde inzwischen vom Splitter-Verlag korrigiert, bei dem ab 1989 eine sorgfältig edierte Neuauflage erschien. Meines Wissens allerdings nicht die komplette May-Arbeit Nickels.

DER GRAF VON MONTE CHRISTO erschien in der Erstauflage von Oktober 1954 bis Dezember 1954. Geschrieben und gezeichnet von Helmut Nickel in zwölf Heften im schon genannten Lehning Verlag. Danach wurde die Reihe von einem anderen Zeichner (Albert) in den damals sehr populären ROBINSON-Heften fortgesetzt, die zum großen Teil auch von Nickel gestaltet wurden.

Und wenn Sie gestatten, eine weitere kurze Anmerkung zu R.-D. Kahlkes `Custer Living History Days' (S.57): Das auf eben dieser Seite abgebildete Photo zeigt nicht Custer, sondern William Frederick Cody, besser bekannt als Buffalo Bill.

Ich hoffe, Sie sind mir nicht böse ob meiner Kritikasterei und verbleibe mit freundlichen Grüßen


Falsches Custer-Portrait

Leider wurde für S. 57 der KMG-Nachrichten Nr. 115 ein falsches Bild eingereicht. Das Portrait zeigt nicht G. A. Custer, sondern Buffalo Bill. Mehrere KMG-Mitglieder haben Redaktion und Autor auf den Mißgriff hingewiesen. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

R.-D. Kahlke


Walter Dölle, Traben-Trarbach

Es wird die Karl May Freunde sicherlich interessieren, daß ich in der Zeitschrift ,,Die Woche im Bild" vom 24.3.1935 (Eine Familienzeitschrift mit Abonnenten-Versicherunq, vom Reichsaufsichtsamt genehmigt), folgende Werbeseite entdeckte: Die schönsten Bücher für die Jugend sind die interessanten Romane von F.H. Achermann, ein zweiter Karl May.

Man war sich also in der NS Zeit der Beliebtheit eines Karl May bewußt. Er wurde hiermit zum Werbeaufhänger für den Schriftsteller F.H. Achermann. Der Inhalt seiner Romane war im Sinne der Regierung des 3.Reiches. In der selben Zeitschrift fand ich eine Kleinanzeige, welche etwas über den Inhalt eines Romans von Achermann berichtete. Der Titel des Buches "Rauchgas".

Zwei Deutsche werden bei einem Sturmangriff im Westen verwundet, geraten in französische Gefangenschaft, sprengen eine Munitionsfabrik und fliehen in die Schweiz. Dort treten sie in den Dienst der Spionage, kommen nach Rußland und fallen dort den Bolschewisten in die Hände. Doch schließlich kommt die Rettung. Dann heißt es hier: Das Rauschgas ist das Gift des Bolschewismus, das dem Volke als süßes Gift eingeflößt wird und dann die Menschen zur Verelendung bringt.

Der Verfasser warnt in der Form eines Romans auf das nachdrücklichste vor dem ,,Rauschgas" des Bolschewismus. Der Gedanke, mit dem Namen Karl May für einen Schriftsteller zu werben, den die Regierung vor ihren Karren gespannt hat, könnte von Reichskanzler Hitler selbst gekommen sein, denn angeblich soll er als junger Mann bei Karl Mays Vortrag in Wien unter den begeisterten Zuhörern gewesen sein.

Auch später soll er seinen Generälen geraten haben, Karl May zu lesen. Sollte ein Mitglied der KMG einen Roman von Achermann besitzen, würde ich mich freuen, von ihm zu hören.


Egon Felgner, Gera

Gestern erhielt ich aus Bargfeld aufgrund meines Abos den Band III des Waldröschens und Band I des Leseralbums, welches den Abschluß der Abteilung VIII, Briefe, bilden wird. Ich bin begeistert, da die Qualität der abgebildeten Fotos hervorragend ist. Ich kann das beurteilen, da ich selbst als Korrektor und Gestalter in einem Verlag tätig bin. Wir alle sollten den Herausgebern und Karl-May-Freunden Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger dankbar sein. Zumal die beiden vorhergehenden Anläufe scheiterten. Und einen nächsten wird es sicherlich nicht geben.

Daher liegt es an allen Karl-May-Freunden, wenn wir eines Tages die Gesamtausgabe in unseren Regalen voller Stolz stehen haben. An alle noch zögernden Sammler der Werke unseres Maysters, lassen Sie sich das nicht entgehen. Und springen Sie noch auf den Zug auf, der uns in die Welt der Mayschen Personen und ihrer Handlungen führt. An dieser Stelle ein Dank nach Bargfeld.


Rainer Buck, Marbach

Bei dieser Gelegenheit ein herzliches Dankeschön für Ihre Arbeit und die aller Aktiven in der KMG. Ich bin auch nach fast 15 Jahren noch gerne und überzeugt Mitglied der Gesellschaft.


Verheiratet mit WINNETOU

"Freundin" 5.11.97:

Seit 23 Jahren sammelt die Würzburger Bibliotheksassistentin Rose Thein, 32, alles, was mit Karl-May-Büchern, - Verfilmungen und mit Winnetou-Darsteller Pierre Brice zu tun hat. 14700 Sammlerstücke hat sie zu Hause - von Bleistiften über Postkarten bis hin zu einem original Häuptlingskopfputz.

Winnetou kehrt nun für einen neuen ZDF-Zweiteiler aus den ewigen Jagdgründen zurück. Freuen Sie sich?

Als Fan ist man schon in einer Zwickmühle. Pierre Brice wieder auf dem Bildschirm - das ist super. Aber den toten Winnetou auferstehen zu lassen ist doch ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

Wie wurden Sie Winnetou-Fan?

Als Neunjährige saß ich mit meinem Bruder vorm Fernseher, und es lief der Karl-May-Film "Unter Geiern". Als ich Winnetou zum erstenmal auf seinem Pferd sah, war ich sofort hin und weg - behauptet jedenfalls mein Bruder! Jetzt zelebriere ich dieses erste "Treffen" jedes Jahr, indem ich mir "Unter Geiern" anschaue und mir das gleiche koche wie im Film, nämlich Hühnchen. Das Rezept steht im Karl-May-Kochbuch, das natürlich in meiner Sammlung nicht fehlt.

Was fasziniert Sie an Winnetou?

Alles! Er ist so romantisch, und Pierre Brice verkörpert ihn ideal, er bewegt sich edel und sieht einfach toll aus. Aber eigentlich begeistern mich auch die Karl-May-Literatur und die Figur als Gesamtkonzept - sie steht für Friedfertigkeit und Gerechtigkeit.

Was kann man denn als Bleichgesicht von ihm lernen?

Das Leben mit der Natur, den Umgang mit Kräutern im Alltag - und daß man nicht viel braucht, um zufrieden zu sein.

Waren Sie schon in seiner Heimat?

Nein, ich finde es schrecklich, wie die Indianer in den Reservaten heute leben müssen. Das möchte ich gar nicht sehen!


Karl-May-Freundeskreise

Schweizer Karl-May-Freundeskreis

Ein besonderes Erlebnis erwartet die Schweizer KM-Freunde am Samstag, 27. Juni 1998 ab 12.00 Uhr im INDIANLAND bei Gossau im Zürcher Oberland. Vincent Escriba und eine kleine Gruppe von Idealisten unterhalten hier ein Indianermuseum und einen Naturpark mit indianischen Bezügen.

Ab 13.00 Uhr erzählt uns hier Heinz Zbinden über seine Freundschaft mit Patty Frank, anschließend kommt der Begründer des lndianermuseums Radebeul in einem 30-minütigen Radiohörbild selbst zu Wort. Wenn alles klappt, können wir dann auch noch mit René Wagner, Direktor des Karl-May-Museums, der an diesem Wochenende anläßlich eines Festanlasses im Indian-Land weilt, plaudern und fachsimpeln. Also 27. Juni 98 unbedingt vormerken, Gäste willkommen.

Karl-May-Freunde Nordbayern

Das nächste Treffen der Karl-May-Freunde Nordbayern findet am Freitag, 03.07.98, ab ca. 18:30 im Restaurant "Tatanka", Werner-von-Siemens-Str. 1B (Nähe Zollbahnhof, ehem. Bräustube, mit Gastgarten), in Erlangen, statt. Wie der Name schon sagt, gibt es dort (auch) indianische Spezialitäten. Info und ggf. Mitfahrgelegenheiten unter 09241-7668 oder 0911-382622. Gäste jederzeit willkommen!


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