KMG-Nachrichten 121 / September 1999

Herausgegeben von Engelbert Botschen

15. Kongreß der Karl-May-Gesellschaft in Hohenstein-Ernstthal

vom 22. bis 26. September 1999

Dreißig Jahre nach ihrer Gründung veranstaltet die Karl-May-Gesellschaft ihren 15. Kongreß zum ersten Mal in Hohenstein-Ernstthal. In herzlicher Gastfreundschaft empfängt die Karl-May-Geburtsstadt die Mitglieder unserer Gesellschaft vom 22. bis 26. September 1999 zum Jubiläumskongreß, der zweifellos als eine der herausragendsten Veranstaltungen in die Geschichte der KMG eingehen wird.

Aus bescheidensten Anfängen heraus hat sich die Karl-May-Gesellschaft in drei Jahrzehnten zu einer der größten, aktivsten und lebendigsten wissenschaftlich-literarischen Vereinigungen Deutschlands entwickelt, die sich durch ihre seriöse Forschungsarbeit und die Fülle ihrer anspruchsvollen Publikationen, unter denen das vielgelobte Jahrbuch einen besonderen Rang einnimmt, in der Fachwelt und interessierten Öffentlichkeit einen ausgezeichneten Ruf erworben hat.

Aus all diesen Gründen erwartet der Vorstand, daß diesmal besonders viele Tagungsteilnehmer von nah und fern anreisen werden, um aus den Vorträgen namhafter Karl-May-Forscher neue Erkenntnisse über Leben, Werk und Wirkung ihres Autors zu gewinnen. Aber auch die reizvolle Möglichkeit, Karl Mays Geburtsort, der weitgehend im Zustand des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben ist, anhand seiner Biographie selbst zu erleben und zu erfahren sowie die Stätten seiner Kindheit, Jugend und frühen Mannesjahre aufsuchen zu können, wird nicht wenige Mitglieder zu einer Reise ins Erzgebirge verlocken.

An diesen fünf erlebnisreichen Tagen werden aber nicht nur die versierten Karl-May-Experten zu ihrem Recht kommen, sondern auch viele Leser und Verehrer des Schriftstellers, der seit 125 Jahren ungezählte Menschen für immer in seinen Bann gezogen und vielen etwas Bleibendes und Nachwirkendes auf ihren Lebensweg mitgegeben hat. Auch die Büchersammler werden sich einfinden, um bei der spannenden Auktion vielleicht die lange gesuchte Erstausgabe zu ersteigern oder an einem der vielen Bücherstände ein unerwartetes "Schnäppchen" zu machen. Neben den offiziellen Veranstaltungen wird ein attraktives Rahmenprogramm seinen Teil beitragen zum bunten Bild des großen Treffens von Karl-May-Freunden aus aller Welt.

Nach vier Jahren muß wieder eine umfangreiche Tagesordnung bewältigt werden, diesmal mit der Neuwahl des Vorstandes und der Kassenprüfer. Dabei wollen drei langjährige Vorstandsmitglieder - Vorsitzender, Schriftführer und Geschäftsführer - aus Altersgründen ausscheiden und jüngeren Kräften Platz machen.

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Liebe Mitglieder und Freunde,

mit dieser Ausgabe der KMG-Nachrichten - zufällig auch das 50. Heft dieser Reihe - verabschiede ich mich von Ihnen als Geschäftsführer der Karl-May-Gesellschaft. Nach sechzehn Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit werde ich mich in Hohenstein-Ernstthal nicht mehr zur Wahl stellen und diese wichtige Aufgabe in jüngere Hände legen.

Seit ich im Frühjahr 1987 den damaligen schlichten Geschäftsführerbrief durch die aufwendiger gestalteten und umfangreicheren KMG-Nachrichten ablöste, habe ich mit meiner vierteljährlichen Kolumne versucht, die Mitglieder direkt anzusprechen und jeweils über alle aktuellen Ereignisse in der Karl-May-Szene zu informieren. Über Ihre zahlreichen zustimmenden und kritischen Reaktionen in dieser Zeit habe ich mich immer sehr gefreut und sie stets als positive Anregungen betrachtet.

Die Arbeit für die KMG hat mir viel abgefordert, aber sie hat mir auch viel gegeben, so daß ich gerne und dankbar an diese Zeit zurückdenken werde. Meinem noch zu wählenden Nachfolger wünsche ich für die Zukunft eine glückliche Hand und viel Erfolg in der neuen Tätigkeit.

Ich danke Ihnen für die gute Zusammenarbeit und grüße Sie in herzlicher Verbundenheit

Ihr

Erwin Müller

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Die Reprints des Jahres 1999

Im Juni wurde der Reprint ,,AM TODE" an die Vorbesteller ausgeliefert. Dieser Band enthält nicht nur den Erstabdruck der später in ,,Im Reiche des silbernen Löwen III" aufgenommenen Erzählung aus dem ,,Rhein- und Moselboten" (1902), sondern verzeichnet erstmals unter dem Zeitungstext alle Varianten des Manuskripts und der Buchausgabe sowie einen Anhang von 11 Seiten mit Texten von und zu May aus dieser Zeitung. Eingeführt und eingeleitet wird der Reprint durch Helmut Schmiedt und Ulrich Schmid.

Bestellungen mit dem innen eingehefteten Bestellschein!

Nun folgt der zweite Streich:

Der Seminarist und Lehrer Karl May

Eine Dokumentation der Aktenbestände

Herausgegeben von Klaus Ludwig und
Bernhard Kosciuszko

Unter diesem Titel erscheint zur 30-jährigen Jubiläumstagung in Hohenstein-Ernstthal ein Novum in der Karl-May-Forschung: ein Aktenreprintband. Er gibt die mayrelevanten Blätter aus allen bislang bekannten und zugänglichen Akten der Schul- und Kirchenbehörden, die Material zu Mays Seminar- und Lehrerzeit enthalten, wieder. Jedes Aktenblatt wird als Reprint mit der dazugehörigen Transkription wiedergegeben. Mit dieser Dokumentation wird der Forschung und dem interessierten Mayfreund authentisches Material in chronologisch geordneter Form zu einem Lebensabschnitt geboten, der für Mays Leben und Werk größte Bedeutung hatte. Insgesamt 6 Jahre seiner Jugendzeit dauerten Mays 'Lehrjahre': Von 1856 bis 1859 besuchte er das Lehrerseminar Waldenburg, nach der Entlassung wegen eines Kerzendiebstahls durfte er in den Jahren 1860 und 1861 am Lehrerseminar Plauen die Ausbildung dann gnadenhalber doch noch abschließen. Seine daran anschließenden kurzen Tätigkeiten als Hilfslehrer in Glauchau und als Fabrikschullehrer in Altchemnitz endeten jeweils mit Entlassung, einmal wegen amouröser Annäherungen an seine Logiswirtin und dann - katastrophal - wegen der Beschuldigung, eine Uhr gestohlen zu haben. Mit seiner ersten Gefängnisstrafe und der Streichung aus der Liste der Lehramtskandidaten endete Mays ‘Lehrerkarriere'.

Anhand der Akten werden diese Stationen im Detail lebendig. Zeugnisse, Zensurenlisten, Seminarkonferenzprotokolle, das Protokoll der Abschlußprüfung, Briefe (z. B. der früheste Brief Mays: seine Bewerbung um Aufnahme ins Plauener Seminar), die Anzeige in der 'Meinholdaffäre', eine Schulstundenbewertung, das 'Klassenbuch': Stationen einer gescheiterten Laufbahn, die - auf einer höheren Ebene - dann doch noch fruchtbar wurde: May war nicht zum Lehrer von Schülern geboren, er wurde - und so verstand er sich ja selber - "Lehrer seiner Leser".

Viele der wiedergegebenen Dokumente wurden schon in Jahrbuchaufsätzen und insbesondere in den Karl-May-Haus-Informationen der letzten Jahre vorgestellt. Dort aber aus Raum- und Formatgründen oft nur ausschnittweise. Im neuen Reprintband sind die Dokumente Vollständig wiedergegeben. Zusätzlich zu den direkten Maydokumenten sind die Seminarordnung von Waldenburg und Bücherlisten der Seminarbibliothek Waldenburg in die Dokumentation aufgenommen worden. Abgerundet wird der Band durch eine umfassende Bibliographie.

Der im September erscheinende Aktenreprint mit einem Umfang von 397 Seiten kann mit beiliegender Bestellkarte geordert werden. Vorbestellpreis bis zum 31.10.1999 ca. 75,-- DM, danach ca. 95,-- DM jeweils zzgl. Versandkosten). Die Auslieferung wird etwa ab Anfang Oktober erfolgen.

In Absprache mit S. Augustin wurde der Erscheinungstermin für den Reprint ,,Frohe Stunden" in das 2. Quartal 2000 verschoben.

Bernd Kosciuszko Ruprecht Gammler

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Neuerscheinung:

Karl-May-Gesellschaft - Juristische Schriftenreihe -

hrsg. von Jürgen Seul - Bd. 3 -

Jürgen Seul: Rudolf Lebius ./. Karl May: Die Lu-Fritsch-Affäre - 160 Seiten - (DIN-A-4) - DM 24,- (zuzgl. Versandkosten)

ls am 12. April 1910 im Charlottenburger Prozeß zwischen Karl May und Rudolf Lebius das für den Dichter niederschmetternde Urteil fiel, fühlte sich einer seiner glühendsten Verehrer, die damals zwanzigjährige Marie Luise Fritsch, zur aktiven Unterstützung des Verfemten aufgerufen. In der Folgezeit mietete sie sich in der unmittelbaren Nachbarschaft des May-Feindes ein, was ihr später in der Presse den Titel "Mays schöne Spionin" bescherte. Mit Leidenschaft und bissiger Feder verfaßte die junge Stettinerin auch fünf Artikel unter dem Titel "Die Wahrheit über die Prozesse des Schriftstellers Karl May gegen den Gewerkschaftssekretär Redakteur Rudolf Lebius". Die beiden ersten Artikel vom 26. August und 2. September 1910, wie die nachfolgenden in der »Stettiner Gerichtszeitung« erschienen, führten zu einer Beleidigungsklage vor dem Königlichen Amtsgericht Stettin.

Da es Lebius nicht gelang, eine Eröffnung des Hauptverfahrens auch gegen Karl May zu erreichen, den er für den heimlichen Verfasser der inkriminierten Artikel hielt, versuchte er anschließend, in einem neuen Verfahren vor dem Königlichen Amtsgericht Kötzschenbroda an das verfehlte Ziel zu gelangen.

Das Verfahren zeigt, in welche strafrechtliche Gefahr sich Lu Fritsch begab, als sie in ihren Vernehmungen zur Rolle Karl Mays in der Angelegenheit befragt, mit großer Wahrscheinlichkeit die Unwahrheit aussagte. Der Prozeß gibt somit auch Zeugnis ab über die selbstlose "Opferwilligkeit" eines "Fans" für seinen "Star".

Die Dokumentation enthält ebenfalls die Reproduktion der vollständigen Kötzschenbrodaer Gerichtsakte inklusive der relevanten Prozeßdokumente des Stettiner Verfahrens.

Bestellungen an: Ulrike Müller-Haarmann, Gothastraße 40, 53125 Bonn

- übrigens: man kann die Reihe auch abonnieren -

WEITERHIN ERHÄLTLICH:

»Juristische Schriftenreihe der Karl-May-Gesellschaft«:

Bd. 1: Jürgen Seul: Karl May ./. Emil Horn, Ahrweiler 1996, Preis DM 12,-

Bd. 2: Jürgen Seul: Karl May ./. Dr. Alban Frisch & Wilhelm Lippacher, Ahrweiler 1997, Preis DM 26,-

 

Letzte Meldungen:

Roxin im INTERNET

Wie in N-KMG 120 auf Seite 56 angekündigt, war unser Vorsitzender Interviewpartner im Bayerischen Fernsehen. Leider wurde der Sendetermin dieses Gespräches bereits auf den 22. Juli vorverlegt, so dass wir nun nur noch einen Hinweis geben können, wenn Sie das Gespräch nachlesen wollen (was wegen der zusätzlich gebotenen Informationen sehr empfohlen wird): Klicken Sie im Internet auf http://www.BR-alpha.de und dann weiter auf  -Forum, suchen Sie in ‚Gäste’ nach Roxin und klicken Sie auf den Namen in Bildmitte.

Vortrag über Karl May

Hartmut Kühne (Hamburg) wurde von der Volkshochschule eingeladen, in Berlin-Eichwalde einen Vortrag über Karl May zu halten, der am 11. Juli 1999 in der alten Feuerwache stattfand. Mit dem Thema "Karl May - vom besonderen Leben eines besonderen Schriftstellers" fand er eine interessierte Zuhörerschaft.

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15. Kongreß der Karl-May-Gesellschaft e.V.

22. bis 26. September 1999

Karl-May-Geburtsstadt 09337 Hohenstein-Ernstthal

Hotel "Drei Schwanen", Altmarkt 19

Aktualisiertes vorläufiges Programm - Änderungen vorbehalten -

 

Mittwoch, 22. September 1999

11.00 Uhr Gemeinsame Pressekonferenz von Karl-May-Gesellschaft, Karl-May-Haus

und Stadtverwaltung im Rathaus

14.00 Uhr Eröffnung der Ausstellung "Karl May als Europäer"

Gasthaus "Stadt Chemnitz", Pölitzstr. 16

15.00 Uhr Blumenniederlegung am Karl-May-Denkmal

anschl. Stadtführung auf den Spuren Karl Mays

17.00 Uhr Enthüllung einer Gedenktafel am Haus des Heimat- und

Karl-May-Forschers Hans Zesewitz, Schillerstr. 12

17.30 Uhr Empfang der Stadt Hohenstein-Ernstthal für den Vorstand

und Mitarbeiterkreis der Karl-May-Gesellschaft

durch Oberbürgermeister Erich Homilius im Rathaus

20.00 Uhr Vortrag: Wolfgang Seifert (Berlin)

Patty Frank. Ein Leben im Banne Karl Mays

21.00 Uhr Videofilme: Maarten van Diggelen (Niederlande)

Patty Frank und Carl-Heinz Dömken

Zwei Menschen für Karl May

Donnerstag, 23. September 1999

09.30 Uhr Eröffnung des 15. Kongresses der Karl-May-Gesellschaft

Begrüßung: Prof. Dr. Claus Roxin, Vorsitzender der KMG

Grußworte: Oberbürgermeister Erich Homilius

Staatsminister Dr. Matthias Rößler

10.00 Uhr Vortrag: Prof. Dr. Günter Scholdt (Saarbrücken)

"Empor ins Reich der Edelmenschen"

Eine Menschheitsidee im Kontext der Zeit

11.30 Uhr Vortrag: Dr. Gudrun Keindorf (Bovenden)

Weibliche Seele - Männlicher Geist?

Zur Rollenverteilung im Spätwerk Karl Mays

15.00 Uhr Vortrag: Prof. Dr. Werner Rother (München)

"Ardistan und Dschinnistan" als Roman der Postmoderne

17.30 Uhr Vortrag: Dr. Martin Lowsky (Kiel)

Angst vor der "scharfen Nachtluft"

Zur Modernität von Karl Mays "Im Reiche des silbernen Löwen"

20.00 Uhr Diskussion: Karl Mays Spätwerk - Überschätzt? Verkannt? Mißdeutet?

Teilnehmer: Die vier Referenten des Tages

Moderation: Prof. Dr. Helmut Schmiedt (Koblenz)

Freitag, 24. September 1999

09.30 Uhr Vortrag: Dr. Johannes Zeilinger (Berlin)

Karl Mays frühkindliche Erblindung - eine Legende?

11.00 Uhr Vortrag: Prof. Dr. Reinhold Wolff (Bielefeld)

"Denver" und "Dallas" aus Dresden

Ein Versuch über expansive Phantasiewelten bei Karl May und anderen

14.30 Uhr Vortrag: Peter Ludewig (Berlin)

Die Geburt von Dada aus dem Geiste von Karl May

16.00 Uhr Kurzvortrag mit Lichtbildern: Bernd Schröter (Essen)

Der Indianermaler George Catlin (1796-1872) und sein

Einfluß auf Karl May

16.30 Uhr Geführte Wanderung zur Karl-May-Höhle

16.30 Uhr Sitzung von Vorstand und Mitarbeiterkreis der KMG

Gasthaus "Albertschlößchen", Zeisigstr. 1

20.00 Uhr Auktion im Rathaus

Thomas Grafenberg und Hartmut Schmidt versteigern

Raritäten der Primär- und Sekundärliteratur

20.00 Uhr Film: "Das Buschgespenst" (DDR 1986)

Kino "Capitol", Conrad-Clauß-Str. 2b

Samstag, 25. September 1999

09.30 Uhr Mitgliederversammlung der Karl-May-Gesellschaft e.V.

Nichtöffentliche Veranstaltung mit besonderer Tagesordnung

(s. an anderer Stelle dieses Heftes)

15.00 Uhr Vortrag: Prof. Dr. Gert Ueding (Tübingen)

"Sonntagswelt

Karl Mays Strategien der Affektwirkung

Claus Roxin gewidmet

16.30 Uhr Vortrag: Hartmut Schmidt (Berlin)

Die Beziehungen zwischen Karl May und seiner Vaterstadt (1900-1912)

17.30 Uhr Film: "Freispruch für Old Shatterhand" (BRD 1965)

Einführung: Michael Petzel (Göttingen)

18.00 Uhr Außerhalb des offiziellen Programms:

Ökumenischer Gottesdienst

Kirche St. Christophori, Hinrich-Wichern-Str. 4

19.00 Uhr Abfahrt der Busse vom Altmarkt zum Geselligen Abend im

"Lay-Haus" in Limbach-Oberfrohna

Rückfahrt der Busse ab 23.00 Uhr

Sonntag, 26. September 1999

09.30 Uhr Prof. Dr. Klaus Ludwig (Dresden)

Vorstellung einer neuen Dokumentation:

"Der Seminarist und Lehrer Karl May"

10.00 Uhr Vortrag: Dr. Andreas Graf (Köln)

Karl May und die Leihbibliothek in Hohenstein

11.00 Uhr Lichtbildervortrag: Prof. Dr. Meredith McClain (USA)

Ausflug nach Texas

Deutsche Besiedlung des Llano Estacado unter dem Einfluß

von Heinrich Schmitt (1832-1912), Father Joseph Reisdorff (1840-1922)

und Karl May (1842-1912)

12.00 Uhr Schlußwort des Vorsitzenden

E n d e d e s K o n g r e s s e s

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Wichtige Hinweise zum Kongreß in Hohenstein-Ernstthal

1. Öffentliche Veranstaltungen

Alle Veranstaltungen des 15. Kongresses der Karl-May-Gesellschaft - mit Ausnahme der Mitgliederversammlung - sind öffentlich. Gäste sind herzlich willkommen.

2. Kongreßbüro

Das Kongreßbüro befindet sich im Foyer des Hotels "Drei Schwanen". Alle Teilnehmer werden gebeten, sich nach der Ankunft in die Anwesenheitsliste einzutragen, die Kongreßgebühr (DM 15,00) zu entrichten und die Tagungsunterlagen in Empfang zu nehmen.

3. Ausstellung

Im Hotel "Drei Schwanen" zeigt Hartmut Kühne (Hamburg) in einer kleinen Fotoausstellung Rückblicke auf wichtige Ereignisse der dreißigjährigen KMG-Geschichte (1969-1999).

4. Auktion

Die Auktion wird im Sitzungssaal des Rathauses (1. Etage), Altmarkt 41, durchgeführt. Dort können die zur Versteigerung gelangenden Bücher auch vorher besichtigt werden.

5. Bücher und Mayensia

Auch die Büchertische und Verkaufsstände befinden sich im Rathaus (Erdgeschoß). Auf die zahlreichen Angebote "rund um Karl May" wird empfehlend hingewiesen.

6. Ökumenischer Gottesdienst

Auf vielfachen Wunsch findet auch wieder ein ökumenischer Gottesdienst in der Kirche St. Christophori statt, der von den Ortsgemeinden und Mitgliedern der KMG gestaltet wird. In dieser Hohensteiner Kirche wurden Karl May und Emma Pollmer am 12. September 1880 getraut.

7. Geselliger Abend

Zum traditionellen geselligen Abend "bei Speis' und Trank" fahren wir ins "Lay-Haus" nach Limbach-Oberfrohna, wo Karl May am 31. Mai 1869 fünf Billardkugeln entwendet hat. Für die Hin- und Rückfahrt stehen Busse zur Verfügung (ab und an Altmarkt).

8. Gastronomie

Das Hotel "Drei Schwanen" verfügt über ein gepflegtes Restaurant; außerdem gibt es im Foyer ein Pausenbuffet mit Getränken und kleinem Imbiß. Rund um den Altmarkt befinden sich mehrere Gaststätten und Cafés mit Angeboten für jeden Geschmack und Geldbeutel.

9. Zusätzliche Veranstaltungen

Außerhalb des offiziellen Programms bietet das Karl-May-Haus in Hohenstein-Ernstthal noch weitere Aktivitäten an, auf die gesondert hingewiesen wird.

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 Reinhold Wolff

Grußwort für die Karl-May-Gesellschaft

zur Enthüllung der Karl-May-Gedenktafel am ehemaligen Lehrerseminar in Plauen am 28.4.1999

 

 Meine sehr geehrten Damen und Herren,

es ist jetzt ungefähr zwei Monate her, daß der Vorsitzende der Karl May Gesellschaft, Herr Professor Roxin, mich anrief, um mir zu sagen, er habe eine Einladung nach Plauen im Vogtland, der er gerne Folge leisten würde, wenn er zu diesem Zeitpunkt nicht eine seit langem geplante Reise ins Ausland vor sich hätte. Ob ich denn in der Lage und willens sei, ihn würdig zu vertreten.

Ich sagte damals zu, ein wenig leichtsinnig, wie ich hinterher feststellte, und legte mir als nächstes routinemäßig die Frage vor: Wo ist eigentlich Plauen? Und als dieses Problem gelöst war, ergab sich die nächste Frage: Wird mir denn eigentlich etwas einfallen, wenn ich dort eine Rede halten soll.

Genau zu diesem Zeitpunkt war es, daß mir meine Zusage etwas voreilig und leichtsinnig vorzukommen begann, denn der Routinegriff zu den Karl May Biographien erwies sich in allen Fällen als unergiebig. Aus Karl Mays Autobiographie mit dem Titel "Mein Leben und Streben" geht nur hervor, daß er, nach dem mißglückten Versuch in Waldenburg, dann im Jahr 1860 problemlos im Lehrerseminar in Plauen aufgenommen wurde und ebenso problemlos mit einem "guten" Examen im Herbst 1961 dort abschloß. In der Karl May Biographie von Wollschläger steht ziemlich genau dasselbe. Gleiches gilt für die biographischen Arbeiten von Plaul und Hoffmann, von denen ich mir dann doch mehr erwartet hatte, hatte doch die DDR und hatten damit die Karl May Forscher der DDR über lange Jahrzehnte das Privileg nicht nur der heiligen Stätten der Karl May Forschung, sondern auch des Zugangs zu den biographischen Forschungsmöglichkeiten. Aber auch Plaul und Hofmann übergehen die Station in Plauen relativ zügig und systematisch. Gleiches gilt für Heermann, aber auch für Walter Ilmer und die voluminöse Karl May Biographie von Wohlgschaft: Mehr als ein guter Halbsatz zu Plauen ist da nirgendwo zu finden. In der Bildbiographie von Klußmeier und Plaul gibt es zwar allerhand Bildmaterial, aber auch nicht mehr Text. Kurz: In diesem Stadium meiner Recherchen habe ich meine etwas eilfertige Zusage verflucht.

Nun bin ich natürlich ein alter Profi, und da läßt sich immer von dem Grundsatz ausgehen: Irgend etwas ist stets machbar. Ein Grußwort ist eine traditionelle Textsorte mit traditionellen Erwartungshaltungen und traditionellen Inhalten, und so habe ich mir etwa im zweiten Stadium meiner Überlegung durchaus Chancen ausgerechnet, ausgehend vom ehemaligen Lehrerseminar, vor dem wir hier stehen, in die Topik des Werks von Karl May einzutreten: May als Hauslehrer in Winnetou I, Klekih-Petra als Lehrer Winnetous und der Apachen im gleichen Band, oder Karl May, der sich selbst immer wieder als "Lehrer seiner Leser" apostrophiert -: dies alles hätte sich sagen und erweitern, und aus alledem hätte sich immerhin ein routiniertes Grußwort basteln lassen.

So dachte ich, aber ganz zufrieden war ich nicht. Irgend etwas, so hatte ich das Gefühl, war ich dabei zu übersehen. Und plötzlich, nach einigen Tagen, kam es mir auch wie auf einen Schlag in Erinnerung: Natürlich, da war doch wenige Wochen vorher im neuen Jahrbuch der Karl May Gesellschaft ein massiver 70-Seiten-Aufsatz von Andreas Graf erschienen, der in der sonst quicklebendigen und kaum zu schockierenden Karl May Gesellschaft einen kleinen Skandal ausgelöst hatte - mit empörten Briefen an den Vorstand, mit Austritten usw. Diesen Aufsatz hatte ich offenbar verdrängt. Aber eben dieser Aufsatz handelte genau von der Plauener Zeit Karl Mays 1860/61, er breitete viel Archivmaterial aus dem Dresdener Hauptstaatsarchiv und dem Archiv der Stadt Plauen aus, vermittelt durch Prof. Klaus Ludwig (Dresden) und, wie ich inzwischen weiß, auch durch den Oberbürgermeister der Stadt Plauen, der an der Auffindung und Überlassung der Archivalien maßgeblich beteiligt war. Dies also fiel mir nun wieder ein. Warum ich deshalb im Grunde immer noch nicht ganz glücklich war über meine Entscheidung, diese Gedenktafel mit zu enthüllen, darüber gleich mehr.

Zunächst aber bot - und bietet - sich mir auf Grund dieser Arbeit tatsächlich die Möglichkeit, zum ersten Mal mehr zu erfahren über Mays Plauener Aufenthalt, und dies hier auch mitzuteilen. In den Archiven hat sich nämlich erstaunlich viel erhalten, was ein sehr plastisches und sprechendes Bild zu diesen 1 1/2 Jahren bietet, die Karl May in Plauen verbrachte. In Dresdener Hauptstaatsarchiv etwa liegen immer noch die "Acta, das Schullehrer-Seminar in Plauen betreffend", aus denen hervorgeht, wie Karl May in diesem Gebäude, vor dem wir hier stehen, räumlich untergebracht war: Wegen Überfüllung des Seminars zunächst kurze Zeit in einer Dachkammer (!) im Stadtzentrum untergebracht, zog er bald ins Seminar selbst um, wo die insgesamt vier Klassen des Seminars in drei Räumen mit dem jeweiligen Grundriß von 6 x 6 Metern wohnten -: aber nicht nur wohnten, sondern auch unterrichtet wurden und ihre kärgliche Freizeit verbrachten, und dort arbeiteten. Karl May hatte dabei noch Glück, denn die beiden letzten Klassen (er war zunächst in Klasse 2 eingetreten) wohnten zwar miteinander in einem Zimmer, hatten aber miteinander nur 21 Schüler, während es im nächsten Zimmer der Klassen 3 und 4 immerhin 27 Schüler waren. Kein Wunder, daß der Plauener Bezirksarzt Dr. Pfaff über die räumliche Situation in einem Artikel in einer Berliner Hygienefachzeitschrift folgendermaßen raisonierte: "Kommt man des Abends in einen dieser mit allerhand menschlichen Ausdünstungen imprägnierten Räume, so hält man sich fast unwillkürlich für die ersten Augenblicke das Taschentuch vor die Nase, ein Gefühl des Mitleids gegen die blassen jungen Leute... bemächtigt sich der Seele, und man fragt sich: Ist es möglich, daß die jugendlichen Organismen sich hier normal entwickeln können?". Zwar wurden wohl manche Fächer (offenbar Zeichnen, Musik oder Turnen) in eigenen Räumen unterrichtet, und es gab einen Speisesaal und eigene Schlafräume, aber die nun schon mehrfach erwähnten 6 x 6 m² waren zwischen morgens um 5.00 Uhr und abends halb zehn Uhr der wesentliche Lebensraum der 21 Seminaristen, zu denen Karl May gehörte.

In dieser absoluten Frühform des sozialen Wohnungsbaus also war der vormalige Waldenburger Seminarist Karl Friedrich May aus Ernstthal "zufolge hoher Verordnung vom 16. Mai ... am 2. Juni (1860) als Zögling" eingetreten, und hier machte er im September 1861 Examen. Als Aufnahmeprüfung mußte er übrigens - und das, wie vieles andere, wissen wir nun aus den Akten des Plauener Archivs -: als Aufnahmeprüfung also mußte er einen Aufsatz über Johannes den Täufer verfassen, römische Geschichte repetieren und Kopfrechenaufgaben lösen. Ich sehe unsere heutigen Primarstufenlehrer schon im Ansatz massenweise und gründlich scheitern.

Aber wir wissen noch mehr: Daß die Seminarlehrer im Seminargebäude zu wohnen hatten (ein wahrer Schüleralptraum also); daß die Internatszöglinge im Sommer um 5.00 Uhr, im Winter um halb sechs Uhr das Bett und den Schlafsaal zu verlassen hatten; daß Bettruhe um halb zehn Uhr, bzw. zehn Uhr in noch viel größeren Schlafsälen war; daß Ausgang für Elternbesuche nur am Sonntagnachmittag genehmigt wurde; daß der Tag mit einem kollektiven Gebet begonnen und abgeschlossen wurde; daß Tabakrauchen sowie das Betreten öffentlicher Schankstätten für die Seminaristen verboten war, usw. usw.

Unterrichtet wurden sechs Hauptfächer, die uns heute etwas merkwürdig anmuten: Religion, Katechetik, Musik, Deutsch, Rechnen und Pädagogik - in dieser Reihenfolge und zeitlichen Betonung; wobei der religiöse Unterricht etwa 1/3 der Gesamtzeit bestimmte, die Zeit für die Nebenfächer (Naturlehre, Geographie, Geschichte, Geometrie, Schönschreiben, Zeichnen und Turnen) eingerechnet.

Die deutlich religiöse Unterrichtshierarchie hatte dabei durchaus ihren Sinn, war doch der Lehrer in der späteren Berufspraxis der Untergebene des örtlichen Pfarrers. Alles Dinge, die wir uns heute - soll ich sagen: Gottlob? - nicht mehr so richtig vorstellen können.

Für Verfehlungen gegen die mit vielen weiteren Paragraphen beschwerte Hausordnung gab es insgesamt fünf Klassen von Strafen, die von der öffentlichen Abmahnung vor dem Kollegium als mildeste Strafe bis zur Relegation, also zum Hinauswurf reichten. Eine solche Relegation hatte May in Waldenburg gerade erlebt, und die vorgesetzte Behörde hatte ihm zwar das weitere Studium in Plauen erlaubt, ihn aber zur besonderen Beaufsichtigung empfohlen. Ein angenehmes Lebensgefühl kann dies, alles in allem, nicht erzeugt haben.

May wurde übrigens schon im September 1860 auch straffällig: wegen einer "außerordentlichen Neigung zur Lüge". Ob den strafverhängenden Pädagogen dabei klar war, daß sie damit genau jene dichterische Gabe bestraften, die später Millionen und Abermillionen von Lesern in ihren Bann ziehen sollte?

Ich könnte Ihnen nun auch noch alle Details aus der Abschlußprüfung im September 1986 berichten, aber lassen wir das: Primarstufenstudenten von heute hätten ohnehin längst den Rückzug angetreten, und warum sollen wir uns über 100 Jahre später mit solchen Horrorszenarien weiter belasten. Immerhin: daß Karl May dies alles durchgestanden hat, und auch noch mit der Abschlußnote "gut", bleibt durchaus ein Ruhmesblatt seiner Biographie.

Aber es kommt alles noch viel schlimmer, und ich komme nun zu jenen Einzelheiten von Karl Mays Plauener Zeit, die mich einen Augenblick lang haben verwünschen lassen, daß ich die Mitwirkung an der heutigen kleinen Feier so leichtfertig zugesagt hatte.

Ich muß dazu ein wenig ausholen. Wir befinden uns im Jahre 1860: in einer Zeit also, in der Sexualität tabuisiert ist wie kaum je in der europäischen Geschichte; in der die Enthüllung eines Damenfußknöchels (und wenn ich Knöchel sage, meine ich Knöchel, und nicht etwa das ganze Bein) die Männerwelt zu Ekstasen treibt; in der man in England beginnt, sogar die Klavierbeine mit Röckchen und Höschen zu verhüllen, um unanständige Assoziationen gar nicht erst aufkommen zu lassen; oder in der der führende deutsche Pädagoge - und die Pädagogik beschäftigt sich quasi mit nichts anderem als mit Sexualität, bzw. deren Verhinderung, und die Theologie tut es ihr gleich -: in der der führende deutsche Pädagoge mit Namen Schreber ganze Serien von Apparaturen entwickelt, mit denen man Kinder nach Art der modernen Verhaltenspsychologie daran hindern kann, ihre Hände unter die Bettdecke zu stecken und ihren edelsten Teilen nahezubringen. Es ist dies übrigens der gleiche Herr Schreber, der die geliebten deutschen Schrebergärten erfunden hat, nach dem Motto: Gartenarbeit ist gesund und lenkt von unkeuschen Gedanken ab, und dieser Herr Schreber hat einen Sohn, der preußischer Landgerichtspräsident und ein berühmter Psychotiker werden wird, und mit dessen Fall sich kein Geringerer als Siegmund Freud zu Anfang unseres Jahrhunderts beschäftigt hat.

Nun gut: Sie merken, wir sind weit entfernt von der Zeit, in der in der sogenannten "68er Generation" aufgeklärte Eltern diszipliniert an der Tür ihrer Kinder anklopften, um den Nachwuchs nicht womöglich beim Onanieren zu stören. Und sie merken inzwischen auch, worauf ich hinauswill.

Richtig! Jener schon erwähnte Bezirksarzt Dr. Pfaff, wohnhaft in Plauen im Vogtland, veröffentlicht im März 1860, also vor fast genau 139 Jahren, in einer Berliner Fachzeitschrift einen Artikel über Internate im allgemeinen (von denen er offenbar wenig hält), und - wie aus entsprechenden Andeutungen hervorgeht - über das Seminar in Plauen im besonderen, das ihm stellvertretend für alle Internate dieser Welt dient. Wir werden heute aus seinen gewundenen Ausführungen erst auf den zweiten Blick schlau. Ich muß sie Ihnen zitieren:

"Wenn aber in solchen Anstalten von den Knaben, die denselben blühend übergeben wurden, einer nach dem anderen langsam verwelkt, so kennt der Arzt die Ursache, der aufmerksame Lehrer ahnt sie. Es ist die geheime, traditionelle, furchtbar kontagiöse Krankheit, die wie ein Fluch auf dem Systeme des engen Beisammenwohnens junger Menschen ruht, es ist die ansteckende Krankheit, deren Träger des Contagiums das Internat selber ist, und die nicht unwesentlich zur Entnervung des menschlichen Geschlechtes beigetragen hat". Sie ahnen, von mir ja vorgewarnt, worum es geht: Herr Doktor Pfaff ist sicher, daß unter den gegebenen Bedingungen (viele junge Männer auf engstem Raum, ohne Luft und ausreichend Bewegung) -: dass also unter den gegebenen Bedingungen reichlich onaniert wird: allein, zu zweien und auch in größerer Gesellschaft.

Wie könnte es anders sein, fragen wir aufgeklärten Heutigen, aber damit läßt sich 1860 das Problem nicht erledigen. Herr Doktor Pfaff schickt seine Erkenntnisse auch an die zuständige Kreisdirektion, und nachdem sich die bürokratischen Gewitterwolken einige Zeit gesammelt haben, bricht im August der Sturm los. Karl May, Anfang Juni eingetreten, ist gerade recht gekommen.

Es wird inquisitioniert, verhört, ermahnt, es werden Strategien entwickelt, Listen erstellt (von "wirklichen" und "mutmaßlichen" Onanierern); es gibt Einzelgespräche und Gruppengebete; es gibt Denunzianten und informelle Mitarbeiter; und der Sturm legt sich erst im November wieder.

Und Karl May ist natürlich dabei. In einem der vielen Berichte wird, wenn auch ohne Namensnennung, darauf eingegangen, daß einzelne Seminaristen diese üble Angewohnheit schon nach Plauen mitgebracht hatten, und dabei wird auch ein Zögling erwähnt, der gestanden habe, solches schon in der Volksschule in Ernstthal und im Seminar in Waldenburg getrieben zu haben. Und damit kann, wie die Dinge nun einmal liegen, eigentlich nur Karl May gemeint sein.

Merkwürdigerweise passiert dann übrigens insgesamt eigentlich gar nichts, die Sache verläuft sich im Sand und ist höchstens noch in Mays Note 4 in "sittliches Verhalten" erkennbar. Aber man kann sich gut vorstellen, wie traumatisierend der 18jährige May, gerade in Waldenburg relegiert und nun erneut die Relegation vor Augen (denn darum ging es natürlich bei Verfehlungen dieser Art) dies alles erlebt haben muß. Andreas Graf glaubt, in der berühmten Szene im Eingangskapitel des Romans "Weihnacht" einen Reflex der diversen Verhörsituationen dieser Zeit zu entdecken: Es ist die Szene, in der der Ich-Erzähler May vor dem "Alten" seiner "höheren Lehranstalt" erscheinen und sich für ein viel zu langes Gedicht rechtfertigen muß, das er ohne Erlaubnis, damit aber einen Wettbewerb gewinnend, an die Redaktion einer Zeitung eingesandt hat. Die Szene schildert das ganze Entsetzen, das der Schüler May erlebt, wenn er zum "Alten" zitiert wird. Ich weiß dabei nicht, ob man in der Interpretation dieser Szene soweit gehen kann oder muß wie Andreas Graf (obwohl insgesamt manches dafür spricht, daß im ersten Kapitel von "Weihnacht" auch Reminiszenzen aus der Plauener Zeit verarbeitet wurden: So ist etwa die im 1. Kapitel geschilderte Wanderung von Rehau in Oberfranken über Eger nach Falkenau sehr viel eher von Plauen aus denkbar als von Waldenburg, liegt Plauen doch am Rande des fränkischen Vogtlands, usw.). Aber gewiß macht die Szene in der Beschreibung ihrer Angstzustände klar, in welcher Weise May Autorität erlebt haben muß, und von da aus wird sehr gut vorstellbar, wie sehr ihn die Onanie-Inquisition seiner ersten Plauener Monate an den Rand des Erträglichen gebracht haben dürfte.

Nun gut: Aber ist dies alles heute noch erwähnenswert? Hat dies anderes als anekdotischen Wert, und laufen wir mit Erinnerungen dieser Art nicht Gefahr, uns diese schöne kleine Feier zu vermiesen?

Ich glaube nicht, und dies aus zwei Gründen, aus denen diese kleine Geschichte weit über sich hinaus weist:

1. In vielen der Aktnotizen, in denen diese Geschichte ihren amtlichen Niederschlag in den Archiven von Plauen und Dresden gefunden hat, kommt zum Ausdruck, daß es den Verantwortlichen eben nicht nur um die Onanie der jungen Leute geht, sondern gleichzeitig auch um mehr, um richtige oder falsche Lektüre nämlich, um erlaubte oder unerlaubte Phantasien also, die nach damals schon alter Tradition der bürgerlichen Gesellschaft quasi "Einstiegsdroge" zur seelisch und körperlich ruinösen Angewohnheit der Onanie darstellen. Diese Debatte ist zu diesem Zeitpunkt, ebenso wie die Onanie-Debatte, schon mindesten 100 Jahre alt und wird noch lange weitergehen: die Lektüre von Romanen heizt, so mutmaßen Sittenwächter aller Art, die Phantasie an, ist wie ein Gift, ist selbst eine Sucht - und die Onanie, Sexualdelikt der Phantasie par excellence, nur ein Teil dieser Sucht. Romane entfremden der Welt, der realen Welt, der Arbeitswelt, nicht anders als das Übel der Onanie, das ja mit den Phantasien, von denen es ausgelöst wird und die es auslöst, in engstem Zusammenhang steht.

Was in solchen historischen Gedankenverbindungen sichtbar wird, ist der Sachverhalt, daß die bürgerliche Kultur, die sich seit dem 18. Jahrhundert entwickelt hat, von ihren Anfängen bis heute von einer Sucht- und Drogenproblematik begleitet ist. Die elitäre und exklusive Form dieser Suchtproblematik wird seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts im Drogenkonsum der Bohème sichtbar (Haschisch, Opium, gegen Ende des Jahrhunderts Kokain, oder auch hochprozentiger Alkohol wie im französischen Absinth, an dem so manche Künstlerleber erhärtet): im Underground und den "Szene-" Gewohnheiten seit den 60er Jahren dieses Jahrhunderts wird nur Massenphänomen, was die Bohème des 19. Jahrhunderts an Verhaltensweisen ausbildet. Alltagsdrogen und Alltagssüchte sind und bleiben bis heute Tabak, Kaffee und Alkohol: Zigarren und starker Kaffee sind nicht nur Karl Mays Kreativitätsstimulantien, aber sie werden vom 18. Jahrhundert bis heute eigentlich immer ein bißchen nebenher behandelt. Für die große Masse ihrer Mitglieder aber arbeitet die bürgerliche Gesellschaft seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert diese Sucht- und Drogenproblematik im wesentlichen an eben jenen beiden Punkten ab, von denen gerade die Rede war: an Literatur und Onanie. Seit im Laufe des 18. Jahrhunderts das bürgerliche Publikum in großer Anzahl Lesen gelernt hat, stürzen sich Kultur- und Moralkritik auf den damit betriebenen Mißbrauch und bemühen sich um die Regulierung der Phantasie in der "Bekämpfung" der "Schmutz- und Schundliteratur" oder der Literatur überhaupt. Das dabei benutzte Vokabular ist von Anfang an pathologisierend: Von "Leseseuche", "Lesesucht", oder auch von "Lesewut" (die damit apostrophierte Wut ist die Tollwut) ist dabei immer wieder die Rede. Und gleiches gilt für die Onanie, der beileibe nicht nur ihr narzißtischer Grundcharakter unterstellt wird, was noch verständlich wäre, sondern darüber hinaus ebenso ruinöse wie folgenschwere Motivationen (Rückenmarksschwund, und natürlich ewige Höllenstrafen). Allein der Schrebersche Maschinenpark zur Anwendung am Kinderbett zeugt von dem hohen emotionalen Aufwand und der geradezu kriminellen Energie, die in diesem Kampf gegen die Sucht mit einfließt.

Wir erinnern uns in diesem Zusammenhang, daß den "Kolportage-Autor" Karl May diese Debatte zu verschiedenen Zeitpunkten seines Lebens in verschiedener Weise sehr gründlich betraf. Und vielleicht kommt uns sogar der Gedanke, daß wir - wenn auch in viel milderer Form - an dieser Debatte immer noch beteiligt sind, wenn uns der Fernsehkonsum unserer Kinder Sorgen macht. Oder wenn wir daran denken, wie in diesem unserem schrecklichen Jahrhundert totalitäre Systeme immer versucht haben, vor allem die Phantasien ihrer Untertanen zu kontrollieren: daß über die Karl May Lektüre hierzulande (ich meine: im Bereich der ehemaligen DDR) vor nicht allzu langer Zeit "ganz oben", im ZK des SED nämlich, entschieden wurde, liegt durchaus auf der Linie der pädagogischen Probleme und Zwangsneurosen des 19. Jahrhunderts. Die kleine Plauener Anekdote aus dem Leben Karl Mays eröffnet, so gesehen, einen ganz wesentlichen Zusammenhang der bürgerlichen Kultur, in der wir immer noch leben.

2. Zum anderen aber erinnert uns diese traumatisierende Episode aus Karl Mays Leben in Plauen daran, daß es zum nachgerade unerklärlichen und bis heute nicht richtig faßbaren Geheimnis dieses Schriftstellers gehört, daß er auch auf geradezu auf paradigmatische Weise seine Alpträume und Traumata immer umgesetzt hat in kompensatorische Phantasien der Wunscherfüllung, der Grandiosität und des Glücks. Weil wir alle keine Sieger sind - manchmal vielleicht, aber viel zu selten -, brauchen wir alle, so meinte zumindest der weise Sigmund Freud, jenes Reservat, jenes Naturschutzgebiet der Phantasie, in der unsere Welt sich immer wieder ausbalanciert in jenes Gleichgewicht, in dem allein sich leben läßt. Und weil die meisten von uns nicht so begabt sind zur Phantasie, so wiederum Sigmund Freud, brauchen wir alle und ständig und immer wieder jene Phantasten und Vor-Träumer, die Dichter.

Einer der größten Vor-Träumer überhaupt aber war und ist seit über 100 Jahren in Deutschland eben dieser sächsische Phantast aus Hohenstein-Ernstthal, dessen wir heute gedenken. Ich darf Sie im Namen der Karl May Gesellschaft beglückwünschen zu der Entscheidung, mit der gerade enthüllten Gedenktafel an dieser Stelle an Karl May zu erinnern.

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Ulrich von Thüna

Das neue Jahrbuch 1999

 

Es macht Vergnügen, das Jahrbuch lesen zu dürfen, bevor andere es lesen können. Natürlich, - die Herausgeber und Redakteure haben dieses Privileg allzumal, aber das ist mit tüchtiger Arbeit verbunden: Manuskripte anfordern, anmahnen, verbessern, vielleicht auch zurückweisen, redigieren, Korrektur lesen. Der Unterzeichnende kommt sich fast schäbig vor, den Kuchen essen zu dürfen, ohne den Teig gemacht zu haben und möchte wenigstens versuchen, dieses Vergnügen beim Lesen der Fahnen auch den Lesern der Nachrichten zukommen lassen.

Traditionsgemäß stehen Beiträge zur Vita Mays, besonders solche mit der Veröffentlichung von Dokumenten zur Biographie Mays am Anfang. Hans-Dieter Steinmetz und Andreas Barth haben sich mit der Fabriklehrerzeit Mays 1861 beschäftigt und die entscheidenden Passagen eines Lektionsbuches und eines Visitationsberichts eines Schulinspektors veröffentlicht und außerordentlich detailliert kommentiert. Zeitgenössisches Fazit: "Der noch sehr junge Lehrer hat kein übles Lehrgeschick aber ist noch sehr haltlos". Der Inspektor hatte kein übles Urteil. Das Ganze, wieder ein Baustein für die noch zu schreibende genaue Biographie, ist dem Bienenfleiß und der Findigkeit der Rechercheure in Sachsen zu danken. Was hätte man noch finden können, wenn Klara May nicht .... Und selbst nach dem Zweiten Weltkrieg war noch Manches vorhanden, was in der Zwischenzeit vernichtet worden ist.

Nach einem Beitrag von Werner Kittstein über unterschiedlichen Briefformen in den Abenteuerromanen, folgt für mich der interessanteste Beitrag dieses Jahrbuchs, eine längere Arbeit von Falk J. Lucius zur Deutung der Carpio-Sappho-Beziehung in "Weihnacht". Lucius diskutiert bisherige Arbeiten von Schmiedt, Vollmer, Neumann, Stolte, Schmid und Ilmer und kommt zu einer außerordentlich differenzierten Analyse dieser komplizierten Konstellation, wobei die natürlich auf Arno Schmidt zurückgehende homoerotische Komponente wohl zu Recht sehr schnell verworfen wird. Lucius zeigt bei der Beleuchtung dieser Ich-Spiegelung große Vorsicht gegenüber psychologischen wie platt biographischen Interpretationen. Eine Diskussion mit dem zu Analysierenden ist nicht möglich und damit gerät die Entzifferung des Unbewußten, und darum geht es, fast unvermeidlich in den Bereich der Spekulation. Deshalb fallen auch seine biographischen Erörterungen zu Recht relativ knapp aus. Mit aller Vorsicht wird eine mögliche Spiegelung in "Weihnacht" von Reisen Mays als Schüler erwogen sowie eine Erinnerung an den Tod seiner Mutter im Sterben von Carpio. Natürlich geht Lucius nie soweit wie andere Exegeten, die fast eine Art von écriture automatique predigen. Interessant sind seine Ausführungen über die "Siamesischen Zwillinge", mit anderen Worten die gegenseitige Bedingtheit von Carpio und dem Ich-Erzähler. Wenn Carpio tot ist, ist auch Sappho tot. Sehr lesenswert sind ebenfalls seine Überlegungen zur Opfer- und Retter-Konfiguration. Der ausgezeichnet geschriebene und wissenschaftlich solide erarbeitete Beitrag ist ein Glanzstück des Jahrbuchs 1999.

Sehr anschaulich, ohne alle lnterpretationsexzesse und selbstverständlich solide Kenntnis des Werkes von May verratend (aber damit rennt man offene Türen ein) der Beitrag von Martin Lowsky über die wichtige Rolle, die Gasthausszenen bei May spielen. Literaturgeschichtlich aufschlußreich ist ein Vergleich zwischen den Romanen von Jules Verne und Karl May von Antje Streit. Sie hebt weniger auf den grundsätzlichen Unterschied zwischen Verne und May ab - die in ihrer Wirkungsmacht ja sehr ähnlich sind. Verne hat in Frankreich einen Kultstatus wie unser Autor in Deutschland. Antje Streit beschäftigt sich eher mit dem von beiden Autoren transportierten Chinabild, das ähnlich (Europäische Überlegenheit im wissenschaftlich-technischen Bereich bei Verne und Verharren im Aberglauben bei May) und unähnlich (unterschiedliches Menschenbild des Chinesen bei Verne und May) ist.

Helmut Lieblang verweist auf Charles Didier, eine bis dato wenigstens dem Referenten nicht bekannte Quelle Mays für "Durch die Wüste". Michael Niehaus beschreibt ausführlich die Rolle der Gerichtsverhandlungen bei May, ein weitläufiges und kurioserweise bisher nie systematisch behandeltes Thema, das natürlich auch seine Wurzeln in der Vergangenheit des Autors hat. Andreas Graf schreibt über literatursoziologische Aspekte des Kolportageromans, Gudrun Keindorf geht auf Spiegelungen nationaler Stereotypen ein ("Ein deutscher Traum? - Überlegungen zu Karl Mays Verhältnis zum Kaiserreich"), Dieter Sudhoff schildert hochinteressant das komplizierte Verhältnis von Rudolf Schlichter zu Karl May und vertieft damit einen früheren Beitrag in den Mitteilungen. Dann ist da schließlich von Hermann Wohlgschaft der Beitrag Mays Droschkenparabel und das Eneagramm". Es sind 64 Seiten, die ein gründlicheres Referat verlangen, als hier geleistet werden kann. Deshalb muß hier der Hinweis auf diese anspruchsvolle Arbeit ausreichen.

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Joachim Kalka

Unter der Bärenfellmütze

In der FAZ vom 5. Juli 1999 erschien die nachstehende Besprechung unserer Jahrbücher 1997 und 1998, die uns der Autor zur Verfügung stellte.

Die Karl-May-Gesellschaft hat seit ihrer Gründung im Jahre 1969 bedeutende Arbeit geleistet. Die Leistung ist um so eindrucksvoller, als sie sich ihren Gegenstand als literaturwissenschaftlich ernstzunehmenden weitgehend selbst erschaffen mußte, da vorher - abgesehen von Hans Wollschlägers Pionier-Monographie und Arno Schmidts "Sitara"-Attacke, die Hellsichtiges und höchst Dubioses auf singuläre Weise vermischte - wenig Interessantes erschienen war, die Textlage verworren und die Biographie oft undurchsichtig.

In den Jahrzehnten seither sind, gerade in den gewichtigen Beiträgen des Jahrbuchs, Leben und Werk dieses Schriftstellers genauer erschlossen worden. Wo viel erreicht ist, wird der Fortgang schwieriger: Seit einigen Jahren schien in den (an interessanten Details nach wie vor reichen) Bänden der Impuls einer ausgreifenden Forschung gelegentlich zu stocken. Daran könnte sich wohl erst etwas ändern, wenn der handschriftliche Nachlaß im Besitz des Karl-May-Verlages der Wissenschaft zugänglich gemacht würde. Mit dem vorhandenen Material hat die Forschung viel gemacht, und ihr bleibt fast nichts mehr übrig. Sie ist in das (notwendige) Stadium eingetreten, das bei klassisch gewordenen Autoren früher oder später heraufzieht: Sie liefert Miszellen, Korrekturen, kleine Manuskriptfunde, "nicht uninteressante", aber auch nicht aufregende Interpretationen.

Auch die Aufsätze des siebenundzwanzigsten und achtundzwanzigsten Jahrbuchs fallen hauptsächlich unter dieses Rubrum. Doch dann horcht der Leser auf: In der neuesten Folge findet sich ein unerwarteter Beitrag, dessen Autor mit archivalischer Zähigkeit und Glück einen bedeutungsvollen Fund gemacht hat. Andreas Graf schreibt über "Lektüre und Onanie. Das Beispiel des jungen Karl May, sein Aufenthalt auf dem Seminar in Plauen (1860/61) - und die Früchte der Phantasie". Graf hat einen Artikel in der "Monatsschrift für exakte Forschung auf dem Gebiete der Sanitäts-Polizei" entdeckt, dessen Autor, Dr. med. Emil Richard Pfaff, über die Institution des Internats "von medicinpolizeilichem Standpunkte aus" reflektiert. Das Internat, das als Forschungsbeispiel angeführt wird, ist das Schullehrer-Seminar in Plauen zu eben der Zeit, da May es besuchte.

Im Lichte von Pfaffs Artikel, zu dem noch ein Bericht des Kirchenrats Dobner und eine statistische Aufzeichung des Oberlehrers Kühn (eine "Onanisten-Tabelle") treten, erscheint auch May (der wie die anderen nicht namentlich genannt wird, doch als Zögling "aus der Schule zu Ernstthal und dem Seminar zu Waldenburg" greifbar ist), als Opfer der "verderblichen Seuche" Masturbation, deren Untersuchung die Schule so lange beschäftigte. Graf gelingt, ausgehend von seinem neuen Material, eine bedeutende Reflexion zur Sexualgeschichte Mays, eng verflochten mit einer Interpretation des eigenartigen Romans "Weihnacht!" (1897), für dessen Subtext die Onanie konstitutiv ist. Mit der Ausnahme dieses Fundes findet man in den beiden hier anzuzeigenden Bänden nur solides trockenes Brot.

Ein Aufsatz bildet auf andere Weise eine Ausnahme, und da er Symptom einer interessanten Tendenz zu sein scheint, sei er erwähnt: der Beitrag von Hermann Wohlgschaft, der vor einiger Zeit eine große Karl-May-Biographie veröffentlicht hat, im Jahresband 1997. Dieser Text geht nach Manna, und wir bekommen die restlose Verwandlung von Philologie in Pastoraltheologie vorgeführt. Das Interesse des Pfarrers Wohlgschaft an den "Sterbeszenen in Mays Kolportageromanen", die er sich zum Thema genommen hat, gilt dem Sachverhalt, daß seine eigenen privaten und beruflichen Erinnerungen an sterbende Menschen genau die Form jener Kolportageszenen haben (deren Beschreibungsexaktheit auch durch die anderenorts gemeldeten "Nahtoderfahrungen" oder durch das ägyptische und das tibetanische Totenbuch bestätigt wird). Ebendieses Lächeln hier wie dort, ebenjene Beängstigung; je nach den Umständen diese Unruhe und jener Friede. Und so vermögen die (selbst von Wohlgschaft einst "eher für Kitsch" gehaltenen) Sterbeszenen der Mayschen Kolportage uns Einsichten nahezulegen wie: "Wo die Schuld von Herzen bereut wird, verliert der Tod - auf Grund der Vergebung durch Gott und durch nahestehende Menschen - sein dunkles Gesicht."

Galt die Kolportage eine Zeitlang einer spät am Surrealismus und an Ernst Bloch geschulten Germanistik als das Refugium des Grellen, Unglaublichen, Outrierten und war sie als ein solch artifizielles Traum-Gegenmodell zur Alltagsexistenz von ästhetischem Interesse, darf sie sich nun als schlichte Wahrheit bewähren: Genau so, wie May die Menschen (die Guten, die Verworfenen, die Verzweifelten) sterben läßt, stirbt der Mensch tatsächlich.

Damit wären wir wieder in der präliteratischen Karl-May-Kritik angelangt: Texte werden nicht mehr als Literatur gelesen, sondern es wird Faktizität aus ihnen herausbuchstabiert; nicht mehr die Phantasie des Autors fasziniert, sondern die Exaktheit, mit der er Belege für etwas liefert, was der Leser als Faktum zu kennen vermeint. Literatur versagt oder besteht dann vor der Frage, "ob es wirklich so ist". Die Unbefangenheit, mit der Wohlgschaft gerade da, wo andere Leser mit Arno Schmidt "allererzabderitischsten Kitsch" diagnostizieren würden, Belegmaterial für etwas zu sammeln sucht, was ihm als bis hin zur Theodizee Tiefes und Bewegendes erscheint, stimmt den Rezensenten hilflos. Er konstatiert, daß ein solches Erkennungsinteresse jede Auseinandersetzung mit Literatur als Literatur beendet, und da möchte man voller Entsetzen mit dem Förster Wunderlich im "Verlorenen Sohn" murmeln: "Wer eines solchen Todes sterben muß!"

Nur am Rande sei angemerkt: Es gibt gute Gründe für die Vermutung, daß May zu Zeiten der Fortsetzungsromane alles andere als ein Tiefgläubiger war und daß die hier ergriffen entzifferten Szenen Bravourstücke des handwerklich souveränen, vom Autor aber innerlich ganz distanziert niedergeschriebenen Schwulststils darstellen. Dasselbe gilt für die im nächsten Jahrbuch von Wohlgschaft untersuchten "Liebesgeschichten in Karl May Kolportageromanen".

Die Karl-May-Gesellschaft hat es, nicht zuletzt dank ihrem souveränen Vorsitzenden Claus Roxin, jahrzehntelang verstanden, die divergierenden Interessen der vielen (sich gegenseitig gewiß oftmals wunderlich dünkenden) Leser Karl Mays unter eine Bärenfellmütze zu bringen. Es muß nicht jedes Interesse an Mays Texten allen anderen Interessenten einleuchten; zweifellos. Es ist auch argumentativ kaum etwas auszurichten gegen den Leser, welcher Sterbe- und Liebeszenen, in denen bei bengalischer Beleuchtung Gott und eine christliche Ehe beschworen werden, bewegend finden. Insoweit allerdings in dieser Sozietät nach wie vor Literaturwissenschaft betrieben werden soll, wäre en passant doch darauf hinzuweisen, daß diese nach der ästhetischen Wahrheit und nicht nach der religiösen Wirklichkeit in Texten fragt.

Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft 1997 und 1998. Herausgegeben von Claus Roxin, Helmut Schmiedt und Hans Wollschläger. Hansa Verlag, Husum 1997 und 1998. 433 S. und 424 S., geb., je 52,- DM.

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INTERNATIONALES KARL-MAY-SYMPOSIUM

vom 7. - 12. September 2000 in Lubbock, Texas

mit Rahmenprogramm für Begleiter

Donnerstag, 7. September 2000: Anreise nach Lubbock

Informeller Empfang für die Teilnehmer / Einchecken im Holiday Inn Hotel & Towers

Abend frei (oder: Cowboy Symposium Special Awards Evening)

Freitag, 8. September 2000:

Morgen frei (Einschreibung für das Karl-May-Symposium). Gelegenheit zum persönlichen Besuch des Cowboy Symposiums im "Lubbock Memorial Civic Center" (neben dem Hotel): Die größte jährliche Attraktion in Lubbock und Umgebung .

Mittagessen: Cowboy Symposium Bar-B-Q Lunch (Essenskarten im Paket)

14 Uhr: Offizielle Eröffnung des Karl-May-Symposiums im Tagungsraum der KMG im Civic Center

Begrüßungen: Mr. Alvin Davis, Gründer des Cowboy Symposiums: "Sonderauszeichnung für die Karl May Gesellschaft und unseren Mayster"

- Mrs. Windy Sitton, Bürgermeisterin der Stadt Lubbock

- Ein Vertreter der Comanche Nation.

15 Uhr bis 17 Uhr: Vorträge und Diaprogramme von Teilnehmern aus den USA

Rahmenprogramm 15 Uhr bis 17 Uhr: National Cowboy Symposium & Celebration

17.30 bis 19 Uhr: "Happy Hour" im Hotel. Geschlossene Gesellschaft mit einer Kostprobe der Wein- und Biersorten im Bereich des Llano Estacado

20 Uhr: Mexikanisches Essen für die KMG in einem Restaurant in der Nähe des Hotels. Mexikanische Musik

Samstag, 9. September 2000:

9 Uhr bis 12 Uhr Vorträge im Tagungsraum des Civic Centers

Rahmenprogramm: 9 Uhr bis 12 Uhr: Stadtführung, Buddy Holly Museum, Shopping

12 Uhr bis 13.30 Uhr: Mittagessen beim Cowboy Symposium (Chuckwagon-cook-off im Cowboystil, d.h. neben dem Eßwagen im Freien. Essenskarten im Paket)

14 Uhr bis 17 Uhr: Vorträge im Tagungsraum des Civic Centers. Anschließend Busfahrt nach Crosbyton, Tx, zum Crosby County Historical Museum mit Karl-May-Ausstellung im Hank Smith Zimmer. Begrüßung durch die Direktorin, Mrs. Verna Ann Wheeler. / Teilnahme von Vertretern der Quana Parker Familie. Ausstellung von Artefakten von Wayne Parker. / Pressekonferenz mit Bekanntgabe von Mrs. Smith-Ericson: Einweihung der "Hank Smith Retreat" im Blanco Canyon und die zukünftige Verbindung zur KMG.

Busfahrt weiter zum Blanco Canyon und direkt zum "Winnetou-Haus" am Rand des Canyons. Grillabend im Freien am Lagerfeuer. Tipis, Trommeln und Tanz. Vertreter der Comanchen

Rahmenprogramm: 14 Uhr: Busfahrt zum Ransom Canyon und zum Yellow House Canyon. Besuch einiger Privathäuser. Kaffeestunde bei einer Apfelplantage und Weiterfahrt nach Crosbyton. Besuch des Fossil-Museums und des Crosby County Historical Museum mit Karl-May-Ausstellung im Hank Smith Room. Der Bus fährt dann weiter zum Blanco Canyon zum Haus von Mrs. Georgia Mae Ericson "Casa del Sol". Canyon-Trek zum "Winnetou-Haus". Abend dort wie oben beschrieben.

Sonntag, 10. September 2000:

8 Uhr bis 9 Uhr: Chuckwagon/Cowboy Frühstück im Freien beim Cowboy Symposium (Essenskarten im Paket)

10 Uhr: Busfahrt nach Umbarger, Tx. Bar-B-Q Mittagessen im Battenhorst Smokehouse. (Besitzer sind Deutsch-Texaner der Gegend.

Nachmittag: Panhandle Plains Museum in Canyon, Tx., Fahrt in den Palo Duro Canyon. Treffen mit Native Americans der Gegend. Abendessen in Amarillo im Big Texan Restaurant mit Musik (Prairie Heirs of Canyon/Palo Duro Gegend)

Montag, d. 11. September 2000:

10 Uhr: Begrüßung der internationalen Gäste (mit Familien und Freunden) im Texas Tech International Cultural Center (ICC) durch Chancellor Montford, Präsident Haragan, Provost Burns, Vize-Provost Brink und Dr. Traylor, Direktor des ICCs.

10.30 Uhr: Eröffnung der Photoausstellung "Der Geist der Llano Estacado". Wahl der besten drei Photos durch die Gäste des Karl-May-Symposiums

11 Uhr: Spaziergang zum Ranching Heritage Center (RHC). Begrüßung durch den Direktor, Mr. Jim Pfluger, Cogdell´s Store.

12 Uhr: Mittagessen unter dem Pavillon Rancher´s Tailgate Picnic (Organisation: RHC Parlor Committee). auf dem Gelände des RHC. Besichtigung des RHC-Freilicht-Museums (historische Ranchhäuser besonders Hedwig-Hill = Deutsch-Texaner Stil).

14 Uhr bis 17 Uhr Vorträge im I.C.C.

Rahmenprogramm 14 Uhr bis 17 Uhr: Besuch beim Lubbock Lake Landmark (Oase von Bloody Fox), Omnimax Theater, Antiquitätengeschäft und Künstleratelier.

19 Uhr Busfahrt durch den Mackenzie Park zu den Präriehunden.

20 Uhr Besuch/Empfang/Picnic Supper (Spende an den Koch) im American Wind Power Center. Abend mit den Reitern der 4th Cavalry. Lagerfeuer, Cowboy-Musik.

Dienstag, 12. September 2000:

10 Uhr bis 12 Uhr Vorträge im I.C.C. Anschließend: Mittagessen nur für Teilnehmer

13.30 Uhr bis 15.30 Uhr Vorträge und Abschluß. Bus zum Hotel

Rahmenprogramm ab 10 Uhr: Bustour: Private Häuser im Südwest-Stil. Mittagessen im South Plains Shopping Mall. Shopping in der Mall bis 15 Uhr. 15.30 bis 16.30: Historische Modenschau im International Cultural Center, Hall of Nations - Mrs. Kristina Ertners und Kleidermode-Sammlung (circa 1860 -1920). (Sponsoren: RHA Parlor Comittee und RHC Ranch Hosts). Bus zum Hotel

17 Uhr Busfahrt zu den Kellereien Llano Estacado Winery und Caprock Winery.

20 Uhr Symposium Abschluß: Festessen (Skyviews Restaurant - Südwestern Buffet)

Mittwoch, 13. September 2000:

Rückflug nach Deutschland für alle, die nicht an der Winnetour® teilnehmen

- Kosten für Hin- und Rückflug und Symposium (Übernachtung, die meisten Mahlzeiten, Transfer) ca. 2.200 DM (EZ-Zuschlag 450 DM)

Beginn der Studienfahrt: Winnetour® Bus fährt nach New Mexico.

Winnetour® IV - ins Indianer Gebiet

vom 13. - 24. September 2000

(nur im Anschluß an das Symposium vom 7. - 13.9.2000)

Mittwoch 13. 09: 10 Uhr Abfahrt des Greyhound Busses vom Hotel in Lubbock.

12:00 Mittagspause in Tatum, New Mexico. Besuch bei West Craft (Silhouette Art).

14:30 Rio Pecos Überquerung. Roswell: UFO Museum und Indian Beading Collection. Weiterfahrt durch das Hondo Valley bis Tinney, Lincoln (Billy the Kid) und Ft. Stanton.

18:00 Ruidoso: Inn of the Mountain Gods. Mescalero Apache Hotel and Resort.

20:00 Abendessen mit Reservierungen in The Mescalero Cafe.

Donnerstag 14 .09: Ausflug über Apache Ski Area nach Three Rivers (Indianer Wandmalerei). Picnic Mittagessen im Freien. Alamogordo Space Center. Holloman Airforce Base: Luftwaffe Piloten. White Sands Nat. Monument bei Vollmond. Sunspot Solar Observatory.

Freitag 15. 09: Abfahrt nach Santa Fe über 1) Apache Museum in Mescalero. (Begrüssung der Direktorin und Erklärung der Geschichte der Mescalero). 2) Gran Quivara at Salinas Pueblo Missions National Monument, 3) Quarai at Salinas Pueblo Missions National Monument, und 4) Madrid, ein Künstlerzentrum (Abendessen). Santa Fe Hotel Check-in. Abend frei.

Samstag 16. 09: Stadtbesichtigung. Einkaufsbummel. Nachmittag: Bus zu den Museen.

Sonntag 17. 09: Ausflug nach La Cienega: Ranch of the Swallows. Nachmittag: San Ildefonso Pueblo und Santa Clara Pueblo. Abend in Santa Fe frei.

Montag 18. 09: Abfahrt nach Taos über Nambe Pueblo und Pojoaque Pueblo. Mittagessen: Rancho de Chimayo. Besuch bei dem Santuario de Chimayo. Weiterfahrt über Truchas und Las Trampas (Land der Penitentes). Hotel Check-in. Abend in Taos.

Dienstag 19.09: Morgen frei in Taos (Fechen Museum, Geschäfte am Plaza). Nachmittag Bus zum Millicent Rogers Museum, Overland Sheep Co. und zur George-Brücke über den Rio Grande. Besichtigung Michael Renolds "Earth Ships" (Alternative Häuser aus Auto Rädern). Privatbesuch bei Pflanzenexperten der Gegend.

Mittwoch 20. 09: Privater Empfang und Vortrag über Navajo Webkunst in Second Phase Gallery. Ausflug nach Taos Pueblo und Taos Ski Valley (The Bavarian Lodge and Restaurant).

Donnerstag 21.09: Bus nach Albuquerque über Dixon, Abstecher nach Abiquiu und Ghost Ranch von Georgia O'Keeffe. Mittagessen in Espanola. Abend in Albuquerque. Privatbesuch bei dem Schriftsteller Ken Englade.

Freitag d. 22.09: Ausflug nach Acoma Pueblo (Sky City), El Malpais National Monument und La Ventana Natural Arch.

Samstag 23. 09: Indian Pueblo Cultural Center und Stadtbesichtigung (Old Town). Letzte Einkaufsmöglichkeit. Festessen am Abend und Abschluß.

Sonntag 24. 09: Abflug von Albuquerque nach Deutschland.

 

VILLA SHATTERHAND

RADEBEUL-DRESDEN. 1./9. 1999

Liebe Karl-May-Freunde!

Aus dem Karl-May-Museum gibt es außer rückläufigen Besucherzahlen – was schlimm genug ist – wenig zu berichten. Mit der im vergangenen Jahr durchgeführten Verschönerung der Außenanlage zeigt sich diese nun in einem ansprechenden Zustand. Auch die Gebäudesanierung macht Fortschritte.

Die Restaurierungsarbeiten in Mays Bibliothek gehen nach dem Eichhörnchen-Motto (mühsam) voran, vier Bände sind wieder fertig geworden, weitere elf sind noch beim Buchbinder/Restaurateur. Das Spendenaufkommen hat etwas nachgelassen, was vielleicht am Sommer und dem Urlaub liegt.

Es haben im Zeitraum Ende April bis Anfang Juli 1999 gespendet:

Walter Schnitzel-Lang DM 20,00

Jörg Bielefeld DM 60,00

An das Museum gespendet, allgemein, ohne den Bibliothekszweck anzugeben, haben in diesem Jahr ferner:

Norbert Baumgart DM 100,00

Tischlerei Thomas Franz DM 1000,00

Bücherhaus Bargfeld DM 666,84

Die Auflistung erfolgte in der Reihenfolge der Spendeneingänge. Wir danken herzlich allen Spendern! Unterstützen Sie bitte auch weiterhin Restaurierung der Bücher in Karl Mays Bibliothek, z.B. indem über bestimmte Bücher die Patenschaft übernommen wird. Bitte spenden Sie auf das Konto:

Karl-May-Museum

Kreissparkasse Meißen  ·  BLZ 850 550 00    Konto-Nr. 300 000 1912

Stichwort: Bibliothek

Alle Spender werden auch künftig auf dieser Seite und, wie bereits geschehen, im Internet genannt.

Hans Grunert, Ralf Harder, René Wagner

Um das Sommerloch etwas aufzubessern, gibt es

Exklusiv zum 15. Kongreß der KMG

den Gipsabguß der im Karl-May-Museum befindlichen Karl-May-Büste.

Die im Original in Marmor gefertigte Büste wurde von dem bedeutenden Bildhauer, Maler und Grafiker und Freund Karl Mays, Selmar Werner geschaffen.

Die Büste ist ca. 70 cm hoch; es werden maximal 10 Stück gegossen. Selbstverständlich erhalten Sie die Büste mit einem numerierten Echtheitszertifikat.

Der Vorzugspreis beträgt bei Bestellung bis zum 15. Kongreß der KMG in Hohenstein-Ernstthal

850,00 DM; später 1000,00 DM.

Sichern Sie sich Ihre Karl-May-Büste!

Hans Grunert

Karl-May-Museum

Karl-May-Straße 5  · D-01445 Radebeul

Tel.: (0351) 8373010  ·  Fax: (0351) 8373055

Internetadressen

http://www.karl-may-stiftung.de

http://www.karl-may-museum.de

Email: redaktion@karl-may-stiftung.de

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Peter Noçon / Peter Bischoff

KARL MAY & CO. in guter Gesellschaft

nläßlich des zehnjährigen Bestehens der Deutschen Gesellschaft zum Studium des Western fand vom 18.- 20. Juni 1999 im gastfreundlichen Franz Hitze Haus in Münster eine von Erwin Müller angeregte gemeinsame Tagung von vier literarischen Gesellschaften, die sich mit dem amerikanischen Westen in der Literatur beschäftigen, statt. Unter Federführung der GASW (The German Association for the Study of the Western) trafen sich unter dem Veranstaltungstitel Träume von einer neuen Welt: der amerikanische und der europäische Western - der Western als kulturelles Bindeglied zwischen Europa und Amerika die Karl-May-Gesellschaft, die Charles-Sealsfield-Gesellschaft und die Friedrich-Gerstäcker-Gesellschaft. Das von der Arbeitsgemeinschaft Literarischer Gesellschaften und Gedenkstätten e.V. aus Mitteln des Bundesministeriums des Innern geförderte Symposium stieß auf großes Interesse sowohl bei den literarisch interessierten Westfalen als auch bei den aus ganz Deutschland erschienenen Mitgliedern der beteiligten Gesellschaften.

Integriert in das Gesamtprogramm waren drei publikumswirksame Ausstellungen: der preisgekrönte Westernmaler Klaus Dill präsentierte Bilder zu den Werken Karl Mays (speziell zu Der Schatz im Silbersee) und Fritz Steubens (die Romane um Tecumseh) sowie ausgewählte Westernfilmplakate aus seiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Deutschlands anerkanntester Verbreiter des Westernmythos durch das Filmplakat; René Wagner und Hans Grunert vom Karl-May-Museum Radebeul waren mit ausgewählten Exponaten (u. a. der Silberbüchse und dem Skalp eines von den Ogallala getöteten Weißen) vertreten; die beteiligten Gesellschaften stellten wertvolle Exemplare aus ihren Buchbeständen aus.

Als besonders attraktiv erwiesen sich die Lesungen der bekannten Westernautoren Matt Braun (USA) und Thomas Jeier (Deutschland) und die sich ergebenden Gespräche, in denen die Schriftsteller vom Publikum dazu bewegt wurden, über interessante Details ihrer Tätigkeit innerhalb des Westerngenres zu diskutieren. Beiden Autoren wurde für ihre langjährigen Verdienste um den Western erstmalig der Elmer Kelton Award bzw. der Elmer Kelton Preis verliehen.

Zwei richtungweisende Grundsatzvorträge - der erste zur "mythischen Sinnbildung von Geschichte im Western" (Peter Bischoff und Peter Noçon), der zweite zu "Individuum und Geschichte im Western" (David L. Simpson) steckten das vom amerikanischen Western beanspruchte Terrain ab: im Western bedingen Mythos und Geschichte einander, d. h. Geschichte ist Mythos, und Mythos wird zu Geschichte. Dieser Befund, der durch Vorträge zum Naturbild bei Zane Grey (Stephen L. Tanner) und zur Darstellung der weißen Auffassung der Indianer in Literatur und Kunst (Birgit Hans) erhärtet wurde, ist jedoch nicht ohne weiteres auf die Tradition des europäischen Western zu übertragen.

Nach einem kompilatorischen Beitrag zu verschiedenen Traditionen des europäischen Western im 19. Jahrhundert (Andreas Graf), der den Bedarf systematischer Forschung auf diesem Gebiet dem Publikum nahezubringen vermochte, verfolgte Jürgen Roth den publikationsgeschichtlichen Weg des deutschsprachigen Western im 20. Jahrhundert von seinen Anfängen in Dresden bis zu seiner gegenwärtigen Station in Bergisch Gladbach. Die politische Bedeutung des amerikanischen Westens für die europäische Demokratiebewegung stellte Franz Schüppen anhand des Werkes von Charles Sealsfield heraus. Aus seiner Praxis als Museumskurator berichtete Thomas Ostwald über Freud und Leid eines engagierten Bewahrers des Erbes, das Friedrich Gerstäcker dem europäischen Western vermachte. Für die zahlreich erschienenen Karl-May-Freunde bot der auslotende Vortrag von Reinhold Wolff über "Projektive Träume: Karl May und der Wilde Westen der Wilhelminischen Epoche" einen besonderen Leckerbissen, da es dem Redner überzeugend gelang, die einmalige imaginative Leistung Karl Mays zu verdeutlichen.

Franziska Dokter moderierte mit Charme und Wissen sämtliche Vorträge sowie ein Diskussionsforum zu der rhetorischen Frage: "Muß der Western gerettet werden?" Dieses weitgehend aus Erkenntnissen der Tagung schöpfende Forum sah den Western als einen Mythos, dessen Zerstörungsversuche allenfalls einen Gegenmythos schaffen.

Es handelte sich um eine rundum gelungene, niveauvolle Tagung, die Geschmack auf weitere Verbundtagungen dieser Art macht.

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Erwin Müller

Karl-May-Museum und Karl-May-Gesellschaft

Aus: ALG Umschau 22 / April 19999

Zwei bedeutende Karl-May-Institutionen können in diesen Monaten denkwürdige Erinnerungstage feiern:

Vor 70 Jahren, am 1. Dezember 1928, öffnete das Karl-May-Museum in Radebeul bei Dresden erstmals seine Pforten für die Öffentlichkeit. Im Garten der Villa »Shatterhand«, dem Wohn- und Sterbehaus des berühmten sächsischen Schriftstellers, hatten seine Witwe und sein Verleger ein Blockhaus im Wild-West-Stil errichten lassen und ihm den aus einer Erzählung Karl Mays entliehenen Namen »Villa Bärenfett« gegeben. Sie wurde zur attraktiven Heimstatt für eine große ethnographische Sammlung von Zeugnissen der nordamerikanischen Indianerkultur, die der weitgereiste Wiener Artist Patty Frank (d.i. Ernst Tobis) zusammengetragen hatte und bis zu seinem Tod im Jahre 1959 als Museumsleiter betreute. Diese indianische Ausstellung, ergänzt durch wertvolle Stücke aus dem Besitz von Karl und Klara May, die auch heute noch in Europa ihresgleichen sucht, zählte in den sieben Jahrzehnten ihres Bestehens mehr als sieben Millionen Besucher.

Auf einen anderen Jahrestag kann die Karl-May-Gesellschaft zurückblicken. Nach längeren Vorarbeiten im Rahmen einer losen Arbeitsgemeinschaft wurde sie vor 30 Jahren ins Leben gerufen Als sich am 22. März 1969 zehn Männer und eine Frau zur Gründung dieser literarischen Vereinigung in den Casino-Betrieben in Hannover trafen, konnte niemand ahnen, daß sich aus dieser unspektakulären Zusammenkunft eine Erfolgsgeschichte sondergleichen entwickeln würde. Mit über 1.900 Mitgliedern in 28 Ländern und allen Erdteilen - darunter 34 Universitäten, Hochschulen, Archive, Bibliotheken, Museen, Vereine und Verlage - gehört die KMG heute zu den größten und aktivsten literarischen Gesellschaften in Deutschland. Sie war Mitbegründerin der ALG und hat mit bisher 28 umfang- und inhaltsreichen Jahrbüchern eine stolze Leistungsbilanz vorzuweisen. Höhepunkt des Jubiläumsjahres wird der 15. Kongreß der Gesellschaft sein, der vom 22. bis 26. September 1999 in der Karl-May-Geburtsstadt Hohenstein-Ernstthal im Erzgebirge stattfindet und zu dem mehr als 300 Karl-May-Freunde aus aller Welt erwartet werden.

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Karl-May-Ausstellung in Ludwigsburg

Das Landratsamt in Ludwigsburg war Gast-Haus für eine Ausstellung, die viel mit Indianern, Büchern, Folklore und natürlich mit Karl May zu tun hatte. Von Mitte März bis Anfang Mai 99 konnten die Besucher die größte Schau über unseren sächsischen Abenteuererzähler sehen. "Seine Anziehungskraft ist enorm", freute sich Landrat Dr. Rainer Haas, der zusammen mit seinem Chemnitzer Kollegen Dr. Christoph Scheurer die Ausstellung eröffnet hatte. Viele haben mitgeholfen, daß diese Ausstellung zustandegekommen ist: Das Karl-May-Museum in Radebeul, das Karl-May-Haus in Hohenstein-Ernstthal, viele Verlage, an erster Stelle der Karl-May-Verlag Bamberg, Karl-May-Freundeskreise, Fans und Sammler, das Marbacher Literaturarchiv und viele andere, die von Karl May etwas wissen und verstehen -: wie auch KMG-Mitglied Karlheinz Eckardt, ein profunder Karl-May-Kenner, der schon mal einen Burnus umlegt oder sich stilgerecht indianisch kleidet und der den Festvortrag hielt. Indianer waren auch da, ein echtes Powwow gab’s, Lindberg Namingha, ein Hopi-Indianer aus Arizona und Mutter Sonnhild aus Schwaben schlugen die Trommel und tanzten mit den Kindern "Schneeadler", "Morgenröte" und "Morgenlichtmädchen". Ganze Schulklassen besichtigten die Exponate, den Henry-Stutzen, das Bärenfell; ein original Tipi lud zum Verweilen ein, das Karl-May-Arbeitszimmer durfte bewundert werden, und in Vitrinen Hunderte von Büchern, Magazinen und indianischen Gegenständen. Des großen Erfolges wegen mußte die Ausstellung verlängert werden und eins ist sicher: So viele Besucher gab es schon lange nicht bei einer Ausstellung im Kreishaus. -dSch

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Erich Loest erhält Verdienstkreuz

Anläßlich der 1.Sächsischen Literaturtage erhielt Erich Loest am 23.4.99 das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Der Vogtlandblick (Plauen) berichtet am 28.4.99: Ein großer Literat wurde vergangenen Freitag ausgezeichnet. Überbringer der Auszeichnung, die durch den Bundespräsidenten erfolgt, war Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf. Im Alten Rathaus wurde der Schriftsteller mit Blitzlichtgewitter und Medienauflauf begrüßt. In der Laudatio ging Biedenkopf auf die stark vom eigenen Erleben geprägte Erzählweise des Autors ein. Ohne sprachliche Experimente schreibe Loest fast schon als Chronist seiner Zeit Entwicklungen, Erfahrungen und Lebensbedingungen nieder. Dabei, betonte der Landesvater, karikiert Loest Andersdenkende und das zu DDR-Zeiten herrschende System nicht, sondern stellt es deutlich und klar erkennbar dar. -dSch

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1. Sächsische Literaturtage im Kulturraum Vogtland 23.-30. April 1999

In Plauen, von welcher Stadt in dieser Ausgabe noch mehrmals berichtet wird, und anderen Orten des Vogtlandes wie Reichenbach, Bad Elster, Auerbach oder Falkenstein fanden die ersten sächsischen Literaturtage statt. Ein Punkt innerhalb der Literaturtage war die Enthüllung einer Gedenktafel für Karl May in der Seminarstraße, an Karl May gedachte aber auch der Ministerpräsident in seiner Rede am 23.4.99 im Festsaal der Industrie- und Handelskammer in Plauen, die hier auszugsweise dokumentiert wird:

... Anliegen dieser sächsischen Literaturtage ist es, den Facettenreichtum der Literatur bekannt zu machen und, was ich sehr wichtig finde, über sie und mit ihr ins Gespräch zu kommen. Es leuchtet ein, dass man auch im Vogtland in diesem Jahr an Goethe nicht vorbeikann, vorhin habe ich ja immerhin schon seine Abwesenheit erwähnt. Bei diesen Literaturtagen gilt einmal mehr der Satz des diesjährigen Jubilars ,,Wer vieles bringt, wird manchem etwas bringen".

Auch Erich Kästner wird aus Anlass seines 100. Geburtstages sicherlich Reverenz erwiesen. Kästner schrieb ja nicht nur für die Erwachsenen, sondern vor allem für Kinder... Die Bedeutung des Lesens, des richtigen Lesenlernens liegt für Kinder auf der Hand, aber auch für Erwachsene, denn es ist nie zu spät, damit anzufangen, in diesem Sinne lesen zu lernen. Die Bemühung, aber auch der Genuss der Auseinandersetzung beim Lesen, das sich Hingeben, Einbringen in das Lesen ist ein lebenslanger Prozess. Aber es ist gut, wenn man schon als Kind lernt, mit Büchern umzugehen. Dabei halte ich es ist nicht für unbedingt notwendig, dass man mit ,,Werthers Leiden" oder anderer hoher Literatur anfängt, auch Karl May, ... und der einen wesentlichen Teil meiner Kindheitslektüre ausgemacht hat, kann zum Lesen bilden und erziehen.

Mich hat heute ein Journalist im Hinblick auf die Literaturtage gefragt, warum ich denn dieses Lesenlernen für so wichtig halte. Meine Antwort war: Beim Lesen kann man nicht von einem Punkt zum nächsten springen. Allerdings werden uns heute auch Formen der Lektüre angeboten, die uns das Springen fast nahelegen. ... Was ich meinte, war das Lesen im Zusammenhang. Denn was bedeutet Lesen im Unterschied zu Fernsehen? Anders als beim Fernsehen, wo man jederzeit das Bild wechseln, den Gegenstand wechseln, den Inhalt wechseln kann, erschließt einem die Fähigkeit zu lesen die gewissermaßen auf längere Lebensdauer angelegten Texte. Der Leser — und auch ich als etwas Älterer mache immer wieder diese Erfahrung — muss sich beim Lesen eines Textes seine Bilder dazu selbst machen. Er wird angeregt, sich vorzustellen, wie die Dinge waren. Überhaupt — wenn Kinder, wie auch ich in meiner frühen Kindheit damals, als uns noch nicht die ganze Welt als motorisiertes Plastikspielzeug vorgesetzt wurde, mit Hölzchen und Stöckchen und anderem Dinge schufen oder bauten, dann war ein ganz entscheidendes Element dieser Tätigkeit die Phantasie. Lesen erzieht die Phantasie, Lesen gibt der Phantasie oft überhaupt erst Anstöße. Ich habe noch ziemlich genaue Vorstellungen davon, wie ich mir die Figuren Karl Mays vorgestellt habe, welche Gesichtszüge die hatten. Und zu meinem eigenen Erstaunen kann ich die Gesichtszüge bis heute nicht verändern. Natürlich ist das eine ganz persönliche Einbildung, aber solche Einbildungen sind so lebendig und vor allem dauerhaft, dass das Fernsehbild sie nicht ersetzten kann. Ganz davon abgesehen, dass das weit flüchtiger ist als das, was man sich bei der Lektüre vorstellen kann.

... Kinder, die intensiv lesen, so zeigt eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung, sind auch sonst überdurchschnittlich aktiv. Vielleser, so ergibt diese Untersuchung, sehen zwar auch fern, und sitzen am Computer, aber sie nutzen diese Techniken anders — gezielter, intelligenter, weniger als Zerstreuung als auf Zwecke orientiert. Diese Verbindung überrascht mich keineswegs.

Die Bedeutung des Buches ist auch im Zeitalter der neuen Medien unbestritten... Ebenso wichtig ist, dass Literatur auch ein wichtiger Ausdruck der Freiheit ist. Die Freiheit der Autoren zur Kritik, auch zu harter, gezielter, möglicherweise als ungerecht empfundener Kritik, ihr Schutz vor Unterdrückung ist nicht nur eine Frage der Freiheitsrechte, es ist auch ein Ausdruck von Kultur. Hier meine ich Kultur nicht nur im Sinne der Toleranz, sondern im Sinne einer Bereitschaft, sich der Kritik zu stellen und auch den zu schützen, der sie übt. Insofern ist die Freiheit der Literatur ein Lackmustest für die freiheitliche Verfassung einer Gesellschaft.

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Rose Thein

Worte sind wie Spuren in die Herzen der Menschen.

Eine solche Fährte legte Hermann Wiedenroth mit seiner Lesung humorvoller Karl-May-Texte gleich zum Auftakt der diesjährigen Karl-May-Festtage in Radebeul am 14.Mai 1999. Hätten mich zu Beginn der Reise noch leise Zweifel geplagt, ob das Programm die lange Fahrt von Würzburg in den Lößnitzgrund rechtfertigen würde - sie wären spätestens jetzt in alle Winde zerstreut worden.

Mit gewandter Zunge und sehr viel Liebe zu Karl May und seinen Figuren, führte Wiedenroth uns Zuhörer zunächst auf den Weg zum Silbersee, wo wir unterwegs einen von Old Shatterhand höchstpersönlich geschossenen und zubereiteten Präriehundbraten verköstigen durften. Daß das Mahl nicht allzu schweigsam eingenommen wurde, dafür sorgte, neben den unzertrennlichen Freunden David Kroners und Jakob Pfefferkorn, besser bekannt als der Lange David und der Dicke Jemmy, vor allem der gutmütige und sehr beredte Hobble Frank aus Klotzsche bei Moritzburg.

Mühelos gelang danach der Sprung über den Atlantik bis tief in den Sudan zum Stamm der Niam Niam. Hier lief Wiedenroth zur Höchstform auf, als er Mays Textvorgabe eines Gelehrtenstreites zwischen dem Deutsch sprechenden Ungar Uszkar Istvan, dem "Vater der elf Haare" und dem bayerischen Vogelkundler Ignaz Pfotenhauer vom Zaun brach. Doch ganz egal, ob "Philologie seinte Wissenschaft von Geist, inwendiges" oder doch eher "Lehre von Sprachen" und unabhängig davon, daß die Ornithologie wirklich die "Naturgeschichte, vogelige und gefiederte" ist, bei "ihrem Latein", nehmen es May und damit auch Wiedenroth mit jedem auf!

Zum Abschluß kam dann noch mein persönliches Lieblingsstück aus "Krüger Bei" zu Gehör: Winnetou in Radebeul! Ich sah ihn im Eingang stehen, mit seinem dunklen Anzug und dem Zylinderhut, der sein langes schwarzes Haar verbergen sollte. "Es war wohl gegen Mitternacht, als der Apache erklärte, daß er nun genug gehört habe." Ich selbst hätte Hermann Wiedenroths Winnetou liebend gern noch viel länger zugehört!

Was nach dem, auch weiterhin wunderschönen May-Wochenende, blieb, war die Hoffnung, daß die Tradition, das manchmal schon etwas ins Western-Show-Genre hinübergehende Karl-May-Fest, am Vorabend mit so engagiert und perfekt vorgetragenen Karl-May-Texten zu eröffnen, in den kommenden Jahren weiter fortgeführt wird.

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Hochwertiger originalgetreuer Nachbau:

Karl Mays Stuhl aus der Villa "Shatterhand" in limitierter Auflage

Kooperation des sächsischen Stuhlbauerhandwerks mit der Karl-May-Stiftung

ür sein umfangreiches Werk brauchte Karl May nicht nur ständige Inspiration, sondern auch viel Sitzfleisch. "Ich werde um Manuskript gedrängt, habe seit gestern Nachmittag drei Uhr, also sechzehn Stunden lang, am Schreibtische gesessen...", teilte er einmal mit. Sein damaliger Schreibtischstuhl aus der Villa "Shatterhand", dem heutigen Karl-May-Museum in Radebeul, ist jetzt von Meisterhand originalgetreu nachgebaut worden.

Das sächsische Stuhlbauerhandwerk, seit 400 Jahre vor allem im Raum Rabenau-Oelsa bei Dresden beheimatet und als Zunft mittlerweile bundesweit einmalig, präsentiert mit dieser Kopie ein eindrucksvolles Beispiel hochwertiger Handwerksarbeit. Seine öffentliche Premiere hatte das wertvolle Stück bereits im März dieses Jahres während eines Pressegesprächs im Karl-May-Museum und auf der 51. Internationalen Handwerksmesse München, wo es reges Besucher- und Medieninteresse fand.

Für anspruchsvolle Interessenten wird Karl Mays Stuhl aus der Villa "Shatterhand" ab Sommer 1999 in einer limitierten und von der Karl-May-Stiftung zertifizierten Auflage von 150 Exemplaren in Handarbeit gefertigt. "Mit dieser Sonderedition wollen wir Literaturfreunde in aller Welt und Liebhaber exklusiver Handwerkskunst ansprechen", sagt die Geschäftsführerin der Sitzmöbelhandwerk Oelsa eG, Bernadette Fiedler. Das handwerkliche Kleinod bezeichnet sie als erlesenes Ergebnis aufgeschlossener Zusammenarbeit zwischen Sachsens Stuhlbauerhandwerk und der Karl-May-Stiftung.

Nach den Worten von René Wagner, Museumsdirektor und Geschäftsführer der Karl-May-Stiftung, verbinden sich in der gekonnten Nachbildung auf besondere Weise sächsische Handwerks- und Kulturgeschichte. "Der um 1890 vermutlich aus Rabenau angeschaffte Stuhl ist ein Symbol für die Schöpferkraft Mays", sagt er. Auf ihm sitzend, habe der Autor etwa 20.000 Manuskriptseiten geschrieben, darunter am "Winnetou" gearbeitet und sein Spätwerk u. a. mit "Und Friede auf Erden", "Im Reich des Silbernen Löwen" und "Ardistan und Dschinnistan" geschaffen.

Der im Karl-May-Museum ausgestellte Originalstuhl wurde im Auftrag der Oelsaer Genossenschaft von dem erfahrenen Stuhlbauermeister Sigurd Wolf aus Rabenau-Spechtritz im Verbund mit Holzbildhauermeister Winfried Wagner aus Kreischa und Sattlermeister Tino Lohse aus Dresden mit viel Liebe zu jedem Detail nachgebildet. Zu den handwerklichen Finessen des Stücks aus massivem Nußbaum gehören handgedrechselte Beine und Säulen, reiche Handschnitzereien an Arm- und Rückenlehne, handgeflochtenes Peddigrohr als Polsterauflage, die klassische Polsterung sowie das punzierte Rindsleder mit silberfarben ausgemaltem Ornament.

"Dank dieser vielgestaltigen Handarbeit werden die Käufer mit jedem originalgetreu nachgebildeten Karl-May-Stuhl zugleich ein nummeriertes Unikat erwerben," betont die Geschäftsführerin der Stuhlbauergenossenschaft. Ein Zertifikat, ausgestellt von der Karl-May-Stiftung und der Genossenschaft, soll den künftigen Besitzern sowohl die Authentizität als auch die handwerkliche Qualität jedes Stuhles dokumentieren. Die hochwertige Arbeit hat ihren Preis: Jeweils ein Stuhl der einmaligen Sonderedition kostet 2.988 DM zzgl. MWSt. Im Bereich der Europäischen Union erfolgt der Versand kostenfrei. Bestellungen nimmt die

Genossenschaft des Sitzmöbelhandwerkes Oelsa eG

Hauptstraße 76 ,01734 Oelsa, Fon (03 51) 6 44 67 03 u. 6 44 67 04, Fax (03 51) 6 44 67 05

entgegen. Die Geschäftsführerin: "Wir laden jeden Interessenten gern zu einer Werkstattbesichtigung in unsere ‘Stuhlbauerstadt’ Rabenau ein. Wer das seltene Handwerk des Stuhlbaus einmal vor Ort kennengelernt hat, der wird ‘seinen’ Karl-May-Stuhl dann wohl ganz besonders zu schätzen wissen."

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Karl May wieder im Gefängnis?

87 Jahre nach seinem Tod anno 1912 begegnet man Karl May wieder im Gefängnis. Im neuen Untersuchungsgefängnis in Luzern verewigte der Luzerner Künstler Stefan Banz auf Wände und Böden 51 bekannte Persönlichkeiten wie Karl May, Nelson Mandela, Jeanne d’Arc, Mata Hari, Oskar Wilde, Robert Mitchum, Galileo Galilei, Marco Polo und weitere, die jeweils wegen irgendwelchen Delikten im Gefängnis einen Teil ihres Lebens verbrachten.

Dieser Hinweis, den wir unserem Baseler Mitglied Markus Rudin verdanken, kann noch ergänzt werden durch einen Auszug aus dem Baseler Magazin Nr.24 vom 26. Juni 1999 (Text Brigitte Ulmer):

as Haft-und Untersuchungsgefängnis Grosshof, im letzten Herbst nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt, steht vor den Toren Luzerns, dort, wo sich die drei Straßen von Horw, Luzern und Kriens kreuzen. Die paar Wohnsiedlungen daneben wirken etwas verloren, und von fern erhebt sich stolz und verheißungsvoll der Pilatus. Der Bau des Luzerner Architekten Walter Rüssli ist kein Betonmonolith, sondern ein kleines, dezentral strukturiertes Gefängnis mit 71 Plätzen. Gleichwohl wirkt es von außen kühl, abweisend, imponierend auch, viel Beton, Fenster sind keine sichtbar (sie weisen auf den Innenhof), der Eingang schmal. Aber hier setzt man, wie Gefängnisdirektor Bernhard Kuonen später ausführen wird, auf (humanen) Gruppenvollzug, trennt mit der Bauweise nach Haftarten. Das schlägt in höheren Bau- und Personalkosten zu Buche. Das Kunst-am-Bau-Projekt von Stefan Banz hingegen dient nicht primär der Inspiration der Insassen, sondern ist, als "Kunst im öffentlichen (!) Raum", Teil der kantonalen Kulturförderung. Das Gefängnis bleibt Verwahranstalt: Es befreit die Gesellschaft von denjenigen, die ihr Strafrecht als Bösewichte definiert. Ein Gefängnis ist kein Hotel, sondern eine Zäsur im Leben... Stefan Banz sieht in seiner Arbeit vor allem ein Stimulans für die Insassen. Wieweit er sein Publikum erreicht, ist eine Gretchenfrage. 51 Namen von berühmten Gefangenen mit je einem Werktitel hat der Luzerner im ganzen Gefängnis applizieren lassen. Banz hat die grauen Mauern in Korridoren und Treppenaufgängen, in Aufenthalts- und Warteräumen mit Zeichen vermint, in diskreter Größe von drei Zentimetern, in den nüchternen Schriftarten "Stone sans bold" und "Trump mediaeval roman"... Karl May, ein Lehrer, der in die Kleinkriminalität abstieg und immer wieder länger im Gefängnis saß, schrieb dort seinen legendären Winnetou. (Paradoxerweise schuf er mit dem weißen Old Shatterhand ein vor Moral strotzendes Ideal.) Aber wer den Schriftzug "Winnetou" im Korridor liest, kann sich auch einfach an Abenteuertum erinnert fühlen. Oder an seine Kindheit und die (verlorenen) Träume.

Anm. d. Red.:

1. Es handelt sich hier nicht um eine Glosse, wir wollen das Kunstwerk auch nicht kritisieren, und die Ausführungen betreffs Karl May müssen im Kreis von Karl-May-Kennern nicht kommentiert werden.

2. Interessant wäre aber doch, was Karl May zum heutigen Strafvollzug sagen würde.

3. Luzern bewirbt sich als Kongreßstadt im Jahre 2001. -dSch.

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Karl May und die Indianer

Karl May hat mit seinen populären Romanen das deutsche Bild von nordamerikanischen Indianern entscheidend geprägt. Das Neanderthal-Museum widmet ihm am Mittwoch, 7. Juli eine nähere Betrachtung. Von Mays 73 Romanen spielen 20 in Amerika und werden noch heute aufgelegt. Inzwischen hat sein Werk eine Auflagenhöhe von 200 Millionen erreicht. Die Geschichten hinterlassen Spuren in den Köpfen: Der scheinbare Reigen unterschiedlicher indianischer Kulturen in Mays Romanen blieb in allgemeinen, romantischen Stereotypen verhaftet. Deutsche Touristen erwarten noch heute, in Amerika auf Indianer wie Winnetou zu treffen.

Birgit Hans ist Professorin an der Universität North Dakota. Dort leitet sie das Indian Studies Department. Als Gastrednerin durchleuchtet sie im Museum das Indianerbild der Deutschen anhand der Romane von Karl May. Sie spielen auf den Plains, den Grasländern zwischen Mississippi und Rocky Mountains. Hans analysiert die indianischen Charaktere und ihre Beziehung zu den "Bleichgesichtern". Ihren Vortrag illustriert sie mit Dias.

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Erwin Müller

Nachtrag zur Globalisierung auch in Sachen Karl May

Zu meiner Kolumne in den letzten KMG-Nachrichten (Nr. 120, Juni 1999, S. 1/2) über die Globalisierung auch in Sachen Karl May hat unser holländisches Mitglied J.C. Oosterbean mitgeteilt, daß es auch in Indonesien Bücher von Karl May in der Landessprache (Bahasa Indonesia) gibt, die in den siebziger und achtziger Jahren in der Hauptstadt Jakarte als Übersetzung aus dem Niederländischen erschienen sind. Aus Kostengründen wurden die Werke allerdings in zwei bis drei Teile zerlegt, was in gewisser Weise an die früheren Lieferungsromane erinnert.

Die Vorliebe für Karl May geht natürlich auf die holländische Kolonialzeit zurück, denn im Mutterland war er ja über viele Jahrzehnte ein vielgelesener Autor.

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Erwin Müller

Lobenswerte Karl-May-Aktivitäten

Unser Mitglied Manfred König, evangelischer Pastor in Munster (Niedersachsen), entfaltet beachtliche Initiativen in Sachen Karl May. So hat er vor einiger Zeit auf Einladung eines Kreises von Ehepaaren einen Karl-May-Abend mit Lesungen, Vortrag und Dias gestaltet, der unter dem Motto stand: "Karl May Abenteuer und Religion". Damit erntete er so viel Erfolg, daß er gleich für das nächste Jahr zur Fortsetzung noch einmal eingeladen wurde.

Im Kirchenkreis von Manfred König haben alle Pastoren und hauptamtlichen Mitarbeiter ihre Bereitschaft erklärt, sich zur EXPO 2000 auf ein Thema nach eigener Wahl für eine öffentliche Veranstaltung vorzubereiten. Unser Mitglied hat sich dazu das Thema "Winnetou ist ein Christ - Karl May als Prediger der Gottes und Nächstenliebe" ausgesucht.

Auch aus Ludwigsburg (Württemberg) kann über eine sehr erfolgreiche Aktion berichtet werden. Durch die Initiative unseres Mitglieds Karlheinz Eckardt in Benningen am Neckar und aufgrund einer Partnerschaft des Landkreises mit der Region Chemnitz wurde im Frühjahr 1999 die Ausstellung "Karl May heute. Aspekte aus Leben und Werk" im Kreishaus mit so lebhaftem Zuspruch gezeigt, daß sie verlängert werden mußte, um dem großem Publikumsandrang gerecht zu werden. Mit einer Fülle von indianischen und orientalischen Exponaten, umfangreichem Bildmaterial sowie Karl Mays unsterblichen Werken in alten und neuen Ausgaben wurde die abenteuerlich-exotische Welt des sächsischen Fabulierers den Menschen von heute nahegebracht. Die Zeitungsartikel über diese vorbildliche Ausstellung füllen eine ganze Mappe.

Hut ab vor solchem Engagement zweier Mitglieder! Dem Berichterstatter bleibt nur noch zu sagen: Zur Nachahmung empfohlen!

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Horst Friedrich

Winnetous Erben:

Delorias Buch "RED EARTH WHITE LIES"(1)

Karl May sah ja die Zeit voraus, wo der Indianer mit dem weißen Amerikaner wieder in jeder Hinsicht gleichziehen, aufstehen, reden, und sein Erbe entschlossen verteidigen würde. Vine Deloria ist auch hierzulande kein ganz Unbekannter, und in besagter Hinsicht scheint er zu "Winnetous Erben" zu gehören.

Über Vater und Großvater entstammt er der nordamerikanisch-indianischen, mündlichen Überlieferungstradition, ist aber heute Professor an der University of Colorado in Boulder (USA). Er hat seinem Buch den bezeichnenden Untertitel gegeben: "Die eingeborenen Amerikaner und der Mythus von wissenschaftlichen Fakten". Wer an der rein-indianischen Vorzeit Nordamerikas interessiert und des Englischen mächtig ist, sollte sich dieses Buch (das auch der deutsche Buchhandel beschaffen kann) unbedingt besorgen,

Das Anliegen Delorias ist es, daß die westliche Wissenschaft endlich damit aufhört, quasi-wissenschaftliche Legenden über die Indianer zu verbreiten, daß sie damit beginnt, die Indianer ernstzunehmen insbesondere ihre (offenbar oft sehr genauen) mündlichen Überlieferungen, und daß sie aufhört so zu tun, als handele es sich bei den Indianern um eine etwas einfältige, nicht ganz ernstzunehmende Rasse, die gewissermaßen eines Vormundes bedürfe.

Deloria beschreibt anhand zahlreicher Beispiele, welch großer Konflikt zwischen dem Weltbild der westlichen "Mainstream"-Wissenschaft und der nordamerikanisch-indianischen Tradition besteht. Die indianischen mündlichen Überlieferungen stellen die geologische Zeitskala für das Pleistozän (Diluvium) und die "Nacheiszeit", ja die ganze Lehrvorstellung von einem "Großen Eiszeitalter" in Frage, ebenso die darwinistischen Evolutionsvorstellungen. Überdies sprechen sie von traumatischen Naturkatastrophen, teils geradezu Mega-Kataklysmen, zur Zeit des Jetztmenschen, was in unserer derzeitigen Establishment-Geologie für ausgeschlossen erachtet wird.

Das WEISSE LÜGEN im Titel bezieht sich auf die sehr ernste Anschuldigung Delarias an die Adresse der "weißen" (= westlichen) Schulwissenschaft, daß diese mittels wissenschaftlich haltloser oder höchst fragwürdiger Thesen versuche, die Indianer ihrer eigenen Tradition zu berauben, indem sie deren Überlieferungen als Ausgeburten eines unwissenschaftlichen, noch einfältigen Menschheitsstadiums verächtlich mache und zum Nonsens erkläre. Es handelt sich dabei im Grunde also um eine Art ideologischer Überfremdung, um ideologischen Imperialismus ähnlich wie derzeit China versucht, mit der (vom Westler Marx ausgesonnenen) kommunistischen Ideologie die Tibeter ihrem traditionellen Weltbild abspenstig zu machen.

Am schwerwiegendsten sieht Deloria es dabei an, daß die Weißen mittels ihrer "Lügen-Wissenschaft" den Indianern ihr traditionelles Weltbild ausreden wollen, wonach das Universum offensichtlich etwas Lebendes sei, während es, der westlichen Schulwissenschaft zufolge, ja lediglich ein mechanistisches System ist, in dem es nichts gibt als tote Materie-Objekte, blinde Kräfte und den Zufall.

(1) Vine Deloria, Jr.: RED EARTH WHITE LIES, Fulcrum Publishing, Golden/Colorado (USA) 1997, US-$ 16,95 Paperback.

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Wolfgang Hermesmeier / Stefan Schmatz

Neue Bibliographie der niederländischen Karl-May-Ausgaben erschienen.

or neun Jahren hatten M. van Diggelen und H.-D. Steinmetz ein Sonderheft zum Thema "Hundert Jahre Karl May in den Niederlanden" vorgelegt. Soeben ist in den Niederlanden eine neue Arbeit über die holländischen Karl-May-Ausgaben erschienen, die ihren Vorgänger qualitativ und quantitativ noch übertrifft.

Der Autor J. C. Oosterbaan hat sein Buch "Een Ketting von Boeken" (Eine Bücherkette) im Selbstverlag herausgegeben. Entstanden ist dabei ein professionell aufgemachtes Buch in Hardcover-Einband, auf hochwertigem Papier gedruckt, fadengeheftet. Glanzstück des Werkes ist ein 24-seitiger farbig illustierter Anhang, in dem die Deckelilustrationen aller wesentlichen holländischen May-Ausgaben abgebildet sind.

Das Buch hat den Untertitel "Handleiding voor Karl May boeken verzamelaars, met bibliografische karakter" (Handbuch für Karl-May-Buchsammler mit bibliographischem Charakter). Der Autor führt bibliographisch alle niederländischen May-Ausgaben von 1890 bis 1995 auf. Die Stärke des Buches ist vor allem ein umfangreicher Prosa-Teil. Der Autor hat dabei eine sehr geschickte Kapiteleinteilung vorgenommen. Er beginnt mit "De oude Dood", der ersten May-Ausgabe in der Niederlanden, und fährt fort mit den Bänden des Verlags Van Goor, die in Ihrer Einbandgestaltung den deutschen Union-Bänden sehr ähneln. Eines der nächsten Kapitel ist der bekannten Becht-Ausgabe gewidmet, von der es in einem Zeitraum von 80 Jahren eine Vielzahl von Auflagen gab. Ausführlich wird dann auf die Ausgaben des Verlags Schoonderbeck eingegangen, die in zahlreichen Einbandvarianten erschienen sind. Mit viel Liebe zum Detail widmet der Autor sich auch den Frany-(Kaufhaus)-Ausgaben, die von van Diggelen/Steinmetz nur am Rande behandelt wurden.

Auf diesem Gebiet werden viele neue Forschungsergebnisse zugänglich gemacht. Schliesslich werden auch die in Belgien erschienenen Bände und zahlreiche Nachkriegsausgaben behandelt. Auch auf die 50-bändige Serie des Verlags "Het Spektrum" aus den 60er Jahren wird detailliert eingegangen. Der Autor geht auch auf Titel ein, von denen er Kenntnis aus Werbeunterlagen o. ä. hat, die er aber nie gesehen hat. Die Wiedergaben der Titelblätter sind dabei durchweg in den Text eingeschaltet.

Innerhalb jedes Kapitels findet sich zu jedem Buch unter der Überschrift - Boekbeschrijving (Buchbeschreibung) ein ausführlicher bibliographischer Eintrag

- Korte inhoud (kurzer Inhalt)

eine knappe Inhaltsangabe

- Oorsprong (Ursprung)

eine knappe Werksgeschichte der entsprechenden deutschen Ausgaben mit Hinweisen darauf, welche Textfassung die Grundlage der holländischen Übersetzung war.

- Nadere bijzonderheden (Besonderheiten)

eine Werksgeschichte in Holland. Es wird gesondert auf die Buchgestaltung eingegangen. Dabei nimmt der Autor in humorvoller Weise Stellung zur Qualität der Einbände und der beigegebenen Illustrationen. Eigenartige Bindequoten, die von den bekannteren abweichen, werden detailliert beschrieben. Auf den Verkauf von Verlagsrechten und Nacheditionen bei anderen Verlagen wird verwiesen.

- Notitie voor verzamelaars (Notizen für Sammler)

alles, was dem Sammler-Autor mitteilenswert für andere Sammler erschien. Darunter finden sich Anekdoten, wie er in einem Zeitraum von 50 Jahren einzelne Bände erworben hat, sogar bei wem und zu welchem Preis. Er gibt subjektive Hinweise, ob die Bücher häufig oder selten oder derartige Raritäten sind dass man sie (fast) nie zu Gesicht bekommt. Zum Leidwesen der Sammler und zur Freude der Antiquare nennt er auch die aktuellen Antiquariatspreise, die für die Bände allgemein bezahlt werden müssen.

Alles in allem ein sehr persönliches Buch von einem Sammler für Sammler, das nicht nur zum Nachschlagen, sondern vor allem auch zum Lesen einlädt. Man begegnet dem Autor auf jeder Seite (sei es auf der Jagd nach Raritäten; sei es beim Schwelgen in Erinnerungen; sei es bei subjektiven Bemerkungen über das Ge-/Missfallen einzelner Bücher). Es herrscht ein heiterer Plauderton vor, der sich wohltuend vom bierernsten Wissenschafts-Jargon abhebt. Dabei ist es gar nicht so wichtig, ob man niederländisch versteht oder nicht. Wir selbst - der holländischen Sprache nicht mächtig - haben festgestellt, dass man sich relativ schnell einlesen kann und sich vieles aus dem Zusammenhang erklärt.

J. C. Oosterbaan hat sein Buch in vielen Arbeitsstunden aus reiner Liebhaberei ohne Profitinteressen verfasst -- eine Leistung, die unsere Anerkennung verdient, eine Grosstat aber auch für das Andenken Karl Mays nicht nur in den Niederlanden. Und damit hängt auch der Titel des Bandes, "Bücherkette", zusammen; er geht zurück auf einen Ausspruch Sam Hawkens' in Winnetou 1:

"Nun steckt Euch einmal Eure Bücher an den Hut, und hängt Euch eine Bücherkette ums Genick! Was wird man sagen, he? Dass Ihr ein verrückter Kerl seid, ein ganz verrückter Kerl! Diese Berühmtheit und keine andere werdet Ihr von Eurem Bücherschreiben haben!".

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FAX 0031-113-502488

Verlag: Van Velzen - Krabbendijke 1999

Format: 16,5 x 24,5 cm; 272 S., davon 24 farbig illustriert - Preis: 42,50 niederländische Gulden

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Für Genießer: "In wohldosierten Portionen"

Am Erker, Zeitschrift für Literatur, 22. Jahrgang 1999, Nr. 37

S. 91f: Die Fritz Müller-Zech-Kolumne

Oder vielleicht doch nicht, schließlich lese ich momentan in wohldosierten Portionen Karl Mays Kolportageschinken Deutsche Herzen - Deutsche Helden, der einen denkbar schlechten Ruf als handwerklich mißratenster unter Mays Auftragsarbeiten für den geschäftstüchtigen Verleger Münchmeyer genießt, vom zweifelhaften Inhalt einmal abgesehen, und amüsiere mich köstlich dabei. Vergiftete Dolche, entführte Jungfrauen, ein spleeniger Lord, furchtbare Schurken und tapfere Helden, was will man kurz vor dem Einschlafen, wenn einem gar nicht mehr auffällt, ob dem Erzähler hier und da ein paar Fäden entgleiten, mehr. Noch amüsanter als den Roman selbst finde ich die editorischen Vorbemerkungen zu diesem Reprint des Karl May-Verlages, in denen die Bearbeitung des trivialen Ungetüms zu vier der bekannten grünen Bände beschrieben und gerechtfertigt wird. Da der Hauptheld Oskar Steinbach eine Art Kara Ben Nemsi in "wenig veränderter Gestalt" sei, habe es nahegelegen, diesen auch gleich in jenen zu verwandeln und ihm notwendigerweise auch einen Hadschi Halef Omar zur Seite zu stellen, "was nicht immer leicht war". Ein anderes Mal verwandelte man ihn kurzerhand in den "besonders beliebten Old Firehand".

Solche "Bearbeitungspraxis" war einer der Gründe für die Pläne zu einer "historisch-kritischen" Ausgabe der Werke Mays, die zunächst beim lange verblichenen Greno Verlag und dann bei Haffmans erschien, inzwischen aber im eigenen Verlag des Herausgebers Hermann Wiedenroth beheimatet ist. Daß hier als erstes aber ausgerechnet die, sämtlich als Reprint vorliegenden, Kolportageromane neu gesetzt herauskommen, scheint mir ein wenig rätselhaft. Übrigens hat sich Mitherausgeber Hans Wollschläger, der sich seit Jahrzehnten um die Anerkennung Mays als ernsthafter Schriftsteller bemüht, mit Wiedenroth überworfen und bietet über private Anzeigen im Mitteilungsblatt der "Karl-May-Gesellschaft" die bisher erschienenen Ausgaben der Edition zum halben Preis an, so daß man die sechs Prachtbände (Halbleinen, Graphitschnitt, Lesebändchen etc.) Deutschen Herzen - Deutsche Helden für 32 DM das Stück erwerben könnte, um sie im Regal ....

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Glosse

Der unbekannte Karl May

Weltbild Verlag GmbH in Augsburg macht allen Sammlern eine Freude, lassen wir ihn zu Wort kommen: Das Frühwerk des Autors - für Sie neu entdeckt! Als Karl-May-Fan sind Sie sicher schon als Kind und Jugendlicher den Pfaden der Trapper und Indianer gefolgt, saßen mit Old Shatterhand und Winnetou am Lagerfeuer, waren mit Kara Ben Nemsi auf langen Karawanen unterwegs durch die Wüste oder haben sich über den treuen Hadschi Halef Omar amüsiert. Die Edition DER UNBEKANNTE KARL MAY bildet genau die Ergänzung für wirkliche Fans wie Sie: Die Bände sind dem Frühwerk des Autors entnommen und waren lange Zeit vergriffen. Sie entstanden lange Zeit vor den geschätzten und berühmten Romanen, doch sie sind schon "echte Karl Mays"... Entdecken Sie die literarischen Abenteuer von DER UNBEKANNTE KARL MAY! Eine echte Rarität wartet auf Sie! ... usw. Bestellungen beim Kundendienst Tel. 0180-5354-328.

Soweit ein Auszug aus der Werbung. Die Bücher sind sehr preiswert und nicht schlecht in der äußeren Aufmachung, ein Abo-Probebezug ist problemlos. Die schwarz/weiß-Illustrationen gestaltete Firuz Askin nach historischen Vorlagen der Münchmeyer-Buchfassung, es sind recht schmucke Bände. Aber eine Sensation? Karl May & CO, das bekannte Magazin aus der Mescalero e.V.-Redaktion in Borod, schreibt in seiner Ausgabe Nr. 76 auf Seite 27: Der Weltbild-Verlag hat in seinem neuen Bücherangebot die angebliche Sensation für alle Karl-May-Fans. Es handelt sich hierbei um die ursprüngliche Form des von Karl-May für den Münchmeyer-Verlag Dresden in den Jahren 1876/1885 unter Pseudonym geschrieben Roman DEUTSCHE HERZEN, DEUTSCHE HELDEN. Der Karl-May-Verlag hat diese 109 Lieferungen des Erstdrucks als Sammlung im Schuber schon 1976 herausgebracht...Auch im Bücherhaus Bargfeld Verlag erscheint DEUTSCHE HERZEN, DEUTSCHE HELDEN in der Reihe "Historisch-Kritische Ausgabe". Ganz so groß ist die von Weltbild angekündigte Sensation also nicht. Und im unabhängigen Magazin Weltbild Augsburg vom 11. 6.99 schreibt die Redaktion (Beate Schley): Karl May selber wäre über die Neuerscheinungen vermutlich nicht sehr glücklich. Schon einmal, 1902, hatte er nämlich versucht, gerichtlich dagegen vorzugehen. Neben allem Kitsch läßt jedoch das Frühwerk auch den späteren Karl May schon ahnen. Die Romane sind äußerst spannend. Und wer genau hinschaut, entdeckt im dritten Band sogar den Prototyp Winnetous: Der berühmte Apatschenhäuptling "Starke Hand" ist edel, weise und mutig. Soweit das Magazin. Selbstverständlich habe ich abonniert, ich liebe Karl May in jeder Buchausgabe. -dSch

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Willy Vandersteens KARL MAY auf deutsch ?

Wer an KARL MAY in Comicform denkt, dem dürften wohl zuerst die Ausgaben des Lehning-Verlages von Helmut Nickel oder die aus den Fix & Foxi-Alben von Hartmut Neugebauer einfallen. Aber nicht nur in Deutschland erschien eine Comic-Version mit Karl Mays Helden, sondern auch in Belgien.

Im Dezember 1962 brachte der Antwerpener STANDAARD-Verlag seine eigene Fassung auf den Markt, für die der besonders im Benelux-Raum berühmte flämische "Breughel der Comics" Willy Vandersteen (1913-1991) verantwortlich zeichnete. Aus Vandersteens unerschöpflicher Phantasie stammen so bekannte Figuren wie SUSKE & WISKE (in Deutschland auch als ULLA & PETER veröffentlicht), DER ROTE RITTER, ROBERT & BERTRAND, SAFARI, BIGGLES - und BESSY. Mit BESSY hat es in diesem Fall eine ganz besondere Bewandtnis, aber dazu später.

Zwischen 1962 und 1985 erschienen in Belgien insgesamt 87 Alben. Bei diesen Geschichten handelt es sich zwar nur in vier Fällen im Adaptionen der Romane (WINNETOU I und II, DER SOHN DES BÄRENJÄGERS und UNTER GEIERN), aber es sind spannende und häufig gutgezeichnete Geschichten, die noch nicht von den Brutalitäten heutiger Comics geprägt sind, die es nur allzu oft gibt.

Was hat das aber mit BESSY zu tun? Die Serie mit der Colliehündin und den Rancherssohn Andy Cayoon, die von 1965 bis 1985 im Bergisch Gladbacher BASTEI-Verlag erschien, dürfte auch vielen Karl-May-Fans noch ein Begriff sein. BESSY selbst lief in Belgien schon seit Weihnachten 1952. Nachdem BASTEI den Vorsprung der Belgier fast aufgeholt hatte und gleichzeitig die Erscheinungsweise von 14-tägig auf wöchentlich umstellen wollte, kam Vandersteen 1967 in Lieferschwierigkeiten. Aber er wußte sich zu helfen.

Bevor er neue Zeichner eingearbeitet hatte, ließ er flugs die ersten 16 KARL-MAY-Alben zu BESSY umzeichnen, indem er Old Shatterhands Kopf durch den von Andy ersetzte und BESSY hinzugezeichnet wurde. Die Hündin spielt in diesen Episoden, die in den BASTEI-Heften Nr.46-61 veröffentlicht wurden, kaum eine Rolle. So manchem dürfte damals die Ähnlichkeit einiger Folgen mit KARL MAY aufgefallen sein, aber wer hatte schon Gelegenheit, das genau zu überprüfen ?

Die KARL-MAY-Alben wurden bisher in ihrer Urform niemals auf deutsch veröffentlicht. Da es aber schöne Geschichten sind, hat sich ein Hobby-Herausgeber gefunden, der das gerne ändern möchte. Ein solches Projekt - nur für einen begrenzten Sammlerkreis interessant - verursacht natürlich Kosten. Neben Druck- und Vertriebskosten, Lizenzgebühren für den STANDAARD-Verlag sind auch noch Rechtsfragen zu klären.

Der Herausgeber sucht daher im Vorfeld Interessenten, um einigermaßen kalkulieren zu können, auch was die Auflage angeht. Wer also ernsthaft an den Heften interessiert ist, wende sich an:

Ulrich Wick

Espenstraße 5 b

35428 Langgöns

Er hofft, die Hefte, die schwarzweiß mit einem Farbumschlag sein werden (es gibt leider keine Farbversion, und kolorieren käme zu teuer), zu einem Preis von etwa DM 15,-- pro Stück anbieten zu können. Weitere Informationen auf Anfrage.

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Dietrich Schober

Plauen - Gedenktafel am ehem. Seminargebäude

Am 28.4.99 wurde in Plauen eine Gedenktafel enthüllt, sie enthält folgende Inschrift:

Karl May (Bildnis)

2.6.1860 - 13.9.1861

Absolvent am "Vogtländischen Schul-Lehrer-Seminarium"

Diese Tafel in Bronzeguß hängt am ehemaligen Seminargebäude in der Seminarstraße 4, wo sich heute das Jugendzentrum der Stadt Plauen, das ‚Kinder- und Jugendhaus eSeF‘ befindet. Der Text kommt vom Oberbürgermeister, der ausführende Künstler ist Herr Johannes Schulze, die Idee stammt von Prof. Dr. Ueding und Herrn Dr. Wirkus, dem Geschäftsführer der e. o. Plauen Gesellschaft. Eine etwa 30-köpfige Schar an Prominenz und Journalisten stellte sich zu dem Festakt ein; die Begrüßungsrede hielt der OB Dr. Rolf Magerkord:

»Karl May - wer von uns verbindet diesen Namen nicht mit Winnetou, Old Shatterhand und mit Kara Ben Nemsi. Unsere Gedanken wandern zu längst vergangenen Zeiten in ferne Ländern. So z. B. in das Land der Indianer, zu Freundschaft zwischen den Menschen weißer und roter Hautfarbe und zum Sieg des Guten über das Böse.

Wer kennt sie nicht, die Erzählungen, die noch heute jung und alt begeistern und uns in eine andere Welt entführen. Auf den Spuren Karl Mays, dem wohl populärsten Verfasser von Abenteuerromanen deutscher Sprache, waren in Vergangenheit und Gegenwart schon viele Reisende im Orient, in Nordamerika und anderen Landstrichen einschließlich der sächsischen Heimat unterwegs. Nur die wenigsten wissen, daß auch der Aufenthalt in der Stadt Plauen für das Leben des Schriftstellers prägend war.

Karl Friedrich May entstammte einer armen Weberfamilie in Ernstthal in Sachsen, wo er am 25.02.1842 als fünftes von vierzehn Kindern geboren wurde. Der Wunsch des begabten Jungen war es, ein Gymnasium zu besuchen und eine Hochschule zu absolvieren. Aber die Eltern konnten diesen Wunsch nicht finanzieren, es reichte gerade noch zum Besuch des Lehrerseminars in Plauen.

Karl May, der seine Ausbildung 1856 in Waldenburg begann, diese aber auf Grund eines Deliktes, er soll sechs Kerzen beiseite geschafft haben, 1860 verlassen mußte, setzte seine Lehrausbildung 1860 in Plauen fort. Sein am 7. April 1860 an den damaligen Seminardirektor, Johann Gottfried Wild, aufgesetztes Bewerbungsschreiben wurde ihm positiv beschieden. Am 2. Juni bestand er die Aufnahmeprüfung und zwei Tage später stieg er in die Ausbildung am Lehrerseminar in Plauen ein. Quartier bezog er zunächst in einer Dachkammer der Gastwirtschaft ,Zur Pyramide‘ in der Schustergasse, unmittelbar im alten Stadtzentrum gelegen. Später fand er im Internat des Seminars Aufnahme.

Häufig war der Schriftsteller auch Gast des Tunnelrestaurants, das sich neben dem heute noch vorhandenen Nonnenturm befand, im zweiten Weltkrieg aber zerstört wurde und wo jetzt wieder ein Restaurant seine Gäste empfängt. Da er nur zwei Ecken entfernt wohnte, hielt er hier sicher hin und wieder Einkehr. Karl May selbst liefert dazu einen Indirekten Beleg, indem er der Romanfigur Hobble-Frank in seinem Buch "Der schwarze Mustang" (1896/97) die folgenden Worte in den Mund legte: ,,Plauen is mir nämlich sehr ans Herz gewachsen, denn dort habe ich bei Anders im Glassalon mein schönstes Bier getrunken und meine besten Schweinsknöcheln a‘ la Omlette gegessen; voigtländische Klöße, so grüngeknüffte, waren, gloobe ich, ooch dabei."

Schulisch nutzte May die wiedergewonnen Chance, den Abschluß als Schulamtskandidat zu erreichen. Dies sollte ihm auch gelingen. Am 10. und 12. September standen die Abschlußprüfungen an. Zwei Zeugnisse mit dem Gesamtprädikat ,gut" belegen seine Leistungen, die in Einzelnoten zwischen 1b und 2b ihren Ausdruck fanden. Damit erlangte er den Status eines Schulamtskandidaten, das heißt, aus seiner bisherigen Ausbildung und dem entsprechenden Abschluß leitete sich für ihn noch nicht das Recht ab, eine ständige Anstellung als Lehrer zu beanspruchen.

Zwei Jahre Hilfslehrertätigkeit standen dem 19½jährigen Karl May bevor. Im Oktober 1861 trat er in Glauchau an der Armenschule ins Berufsleben ein. Einige Originaldokumente seiner Plauener Zeit sind heute noch im Besitz des Plauener Stadtarchives.

Bleibt noch einiges zur Geschichte des Plauener Schul-Lehrer-Seminariums zu erwähnen. Das 1797 erstmals erwähnte Lehrerseminar in Plauen stellt die zweitälteste derartige Bildungseinrichtung im sächsischen Raum und zugleich im Vogtland dar. Die Aufklärungsbewegung im 18.Jahrhundert mit ihren Forderungen nach einem freien, gleichen und menschenwürdig erzogenen Bürger erstrebte eine Verbesserung der bis dahin erbärmlichen Volksschule. Sie benötigte für das Lehramt vorbereitete Schulmänner. Das älteste Seminar öffnete 1787 in Dresden Friedrichstadt.

Die Geschichte des Plauener Seminars ist eng verbunden mit der des Städtischen Gymnasiums, denn obwohl es 1810 staatlich anerkannt wurde und die Bezeichnung "Vogtländiches-Schul-Lehrer-Seminarium" tragen durfte, erfolgte erst 1835 die endgültige Trennung beider Lehranstalten. Bis zur Errichtung eines eigenen Seminargebäudes (vor dem wir jetzt stehen) in den Jahren 1844/45 nach Entwürfen von E.O. Roßbach und O.O. Rädel war nur ein unzureichendes und oft wechselvolles Unterkommen gegeben. 1884 erhielt das Seminar einen gleich großen Anbau, der jedoch im zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Erhalten geblieben ist aber die 1865 eingeweihte Turnhalle. Von 1897 bis 1899 ist in dem seinerzeit nur geringfügig bebauten Randgebiet der Neundorfer Vorstadt ein wesentlich größeres Seminargebäude (heute Freiheitsstr.2) im Neorenaissancestil nach Entwürfen von P. Kemlein errichtet worden, das bis zur Verlagerung der Lehrausbildung an den Universitäten und Hochschulen im Jahr 1928 als städtebaulich hervortretendes Domizil diente.

Im Zeitraum von 1815 bis 1928 sind am Plauener Seminar 2200 Zöglinge zu Lehrern für die Volksschule ausgebildet worden. Zu den bekanntesten Absolventen zählt neben Karl May Dr. Friedrich Dittes, der von 1844 -1848 das Lehrerseminar in Plauen besuchte und anschließend in Reichenbach, Plauen und Leipzig als Lehrer tätig war. Somit ist das Gebäude, welches man heute als Seminarstr. 4 vorfindet und vor dem wir uns jetzt befinden, genau jenes, indem Karl May während seiner Seminarzeit lernte. Glücklicherweise wurde nur der erst 1864 errichtete Anbau im zweiten Weltkrieg zerstört. Von 1899 bis 1933 nutzte die Stadtgemeinde das ehemalige Seminar.

Zwischen 1933 und 1945 war hier die Delitschschule untergebracht. Danach beherbergte es das Musikunterrichtskabinett Plauen. Nach umfangreicher Rekonstruktion gehen heute wieder Kinder und Jugendliche ein und aus, denn in den Räumen befindet sich das Schülerfreizeitzentrum der Stadt und sicher kennen die meisten von ihnen die Bücher von Karl May.

Noch 87 Jahr nach seinem Tod am 30. März 1912 in Radebeul. gehört er zu den auflagenstärksten deutschen Schriftstellen. Heute gibt es seine Bücher in ca. 30 Sprachen und die deutschsprachigen Ausgaben werden auf 70 bis 80 Millionen Exemplare geschätzt. Die humane Tendenz seiner Bücher und ihr Einsatz für unterdrückte Völker (wie Indianer und Kurden) sichern ihm immer noch aktuelles Interesse und die Zuneigung unzähliger Leser.

Wir stehen hier vor einem geschichtsträchtigen Haus, der einzig erhalten gebliebenen Karl-May-Stätte in Plauen, und es ist mir eine Ehre, heute die Gedenktafel für den Schriftsteller Karl May zu enthüllen, dessen Leben auch ein stückweit mit der Stadt Plauen verbunden war.«

[Anschließend an den Oberbürgermeister ergriff Prof. Dr. Wolff das Wort - s. Seite 12ff.]

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Dietrich Schober

Pressespiegel

Riesensaurier und die Silberbüchse. Thüringer Allgemeine 5.5.99: In unmittelbarer Nachbarschaft von Dresden hat Sachsens "wilder Westen" einiges zu bieten. Es locken Riesensaurier im Stadtpark und Winnetous "Silberbüchse" im Karl-May-Museum als Ergänzung zur Semperoper oder der Galerie alter Meister. Mays Abenteuerromane gehören zu den meistgelesenen deutschen Büchern weltweit, es gibt Übersetzungen in mehr als 30 Sprachen. Das war 1928 Grund genug, ein ihm gewidmetes Museum zu eröffnen.

Im Old-America-Museum in Neckarmühlbach wird Geschichte gelebt. Pforzheimer Zeitung 19.4.99: Mit Onkel Tom im Wilden Westen. Willkommen im Indianer- und Western-Museum Neckarmühlbachtal von Onkel Tom alias Thomas Merbt. Kaum ein Einstundenritt nordwestlich von Heilbronn unterhalb der Burg Guttenberg ist der ansonsten ferne und nach Ansicht von Onkel Tom eigentlich gar nicht so wilde "Wilde Westen" ganz nah. Für seine Leidenschaft macht Onkel Tom drei Dinge verantwortlich. Erstens Karl May und seine Romane, zweitens den Nachbarn von Karl May, sein Großvater nämlich, und drittens seine USA-Prmiere in den 60er Jahren. Die erste Begegnung mit einem Indianer entsprach nämlich alles andere als seinem damals noch existierenden Winnetou-Klischee.

Old Shatterhand reitet in China. Nürnberger Nachrichten 5.5.99: Karl May erobert China: 22 Bücher des Abenteuerschriftstellers kömmen dieser Tage in chinesischer Übersetzung auf den Markt. Damit erscheinen die Abenteuer rund um Winnetou und Old Shatterhand jetzt in der 38. Sprache. Unter anderem liegen bereits Bücher in Japanisch und Vietnamesisch, in Esperanto und Latein vor, teilte der Bamberger Karl-May-Verlag mit. Für die aufwendig gestaltete China-Ausgabe im Schuber wurden die Original-Titelbilder verwendet, mit denen May auch in Deutschland seinen Siegeszug angetreten hatte. Als Starauflage sei jeder der 22 Bände 5000 Mal gedruckt worden, sagten die beiden Bamberger Verleger Lothar und Bernhard Schmid.

Ausstellung im Neanderthal-Museum in Metten. Rheinische Post v. 20.5.99: "Mythos und Wirklichkeit der Indianer". Das wahre Leben Winnetous. Allzu phantastische Grobschnitte à la Karl May korrigiert die Präsentation mit einhundert, meist Leihgaben namhafter deutscher Museen, Bildtafeln und Videoeinspielungen. Sie bennt zunächst jene, die mitgestrickt haben am Mythos vom edlen Wilden: Maler wie George Catlin und Karl Bodmer, die das Gesichtsfeld der Europäer auf den Indianer als Jäger und Krieger einengten. Die schreibende Zunft des 19. Jahrhunderts knüpfte daran mit unzähligen Histörchen an. Wie eben Karl May, der aus Catlins Bildnis des Blackfoot-Medizinmannes Wun-nee-toe aus dem Jahr 1832 seine Kunstfigur Winnetou formte.

Winnetous Tod - schon der Titel der Ausstellung ist doppeldeutig. Stuttgarter Zeitung v. 29.6.99: Die durch Karl May geprägte romantische Vorstellung hat mit der Realität des Indianerlebens nichts zu tun. Das zeigt eine Ausstellung im Neanderthal Museum bei Düsseldorf. "Winnetous Tod" lautet ihr Titel doppeldeutig. Denn nicht nur der Entstehung des Mythos wird nachgespürt, seine Überwindung ist das Ziel. Tatsächlich waren die Lebens-, Wirtschafts- und Gesellschaftsformen der Indianer so unterschiedlich wie die Lebensräume, an die sich anpassen mußten. Das demonstriert die Ausstellung an drei Beispielen: den Bewohnern des Waldrandes, der Plains und der Nordwestküste. Doch überall schimmert Karl May durch.

Karl May am Kalkberg. Segeberger Nachrichten v. 19.6.99: Informativ und kritisch. Auf fast 400 Seiten haben die Autoren Reinhard Marheinecke und Nicolas Finke das ganze Kapitel der Karl-May-Spiele in Bad Segeberg zusammengefasst. Die Idee, ein umfassendes Nachschlagewerk für alle Fans der Wild-West-Geschichten zusammenzustellen, entstand 1994. Die damals von der Kalkberg GmbH zum 40jährigen Jubiläum der Spiele herausgegebene Festschrift fiel bei den Fans durch. "Der Inhalt war dürftig, die ersten Jahre kamen viel zu kurz und die gesamte Zusammenstellung vermittelte den Eindruck, in erster Linie reine Werbung für Pierre Brice zu sein", erinert sich Ekkehard Bartsch, in dessen Karl-May-Center am Indian-Village das Buch gestern vorgestellt wurde. "Karl May am Kalkberg" ist in einer Auflage von 3000 Exemplaren im Karl-May-Verlag erschienen und ab sofort zum Preis von 38 Mark im Buchhandel erhältlich.

Winnetou streitet wieder. Berliner Zeitung v. 12.4.99: Der Karl-May-Verlag geht gegen eine Rio-Reiser-Cd vor. Opfer ist diesmal die Plattenfirma der Brüder Rio Reiser, Gert und Peter Möbius, die im Oktober vergangenen Jahres eine CD mit unveröffentlichten Stücken des verstorbenen Berliner Liedermachers herausbrachten.

Alles neu macht der May. Bild und Funk offenburg v. 11.6.99: Es geht ums Geld. Worum auch sonst. Es mag nach einem Stück absurdem Theater klingen, wenn im Juli vor dem Nürnberger Landgericht ein Prozeß anläuft, in dem der Karl-May-Verlag Bamberg gegen den Vertrieb einer CD des Rocksängers Rio Reiser vorgeht. Für den betroffenen Vertrieb in Berlin ist das allerdings überhaupt nicht lustig. Der Verlag behauptet, das CD-Cover kopiere mit seiner grünen Farbe und dem Goldrand die traditionellen Karl-May-Ausgaben.

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Tatort: "Auf dem Kriegspfad"

Am 1. August um 20:15 sendete das Erste einen Tatort mit diesem schaurigen Titel, ganz so ernst war die story aber denn doch nicht; natürlich gab es einen Toten, der Mörder war alsbald ausgemacht und erlitt ein schreckliches Ende, uns als Karl-May-Fans interessierte aber mehr das Drumrum, denn als Drehort dienten auch das Museum in Radebeul und die Felsenbühne in Rathen. Kommissar Ehrlicher ist uns unter der Maske des Karl May auf der Reise zu den lieben Haddedihn noch in Erinnerung, das ZDF sendete diesen Film im August 1998 (N-KMG 117 S. 30). Und so kommt alle Augenblicke eine Anspielung auf Karl May vor, der Kommissar outet sich als Leser aller 65 Bände (Frage: seit wann liest er nicht mehr?), und einmal fällt der Satz "So schön wie im Kopf kann der Wilde Westen gar nicht sein" (Wie fliegen trotzdem nach Lubbock!), und dann die Indianer: Hobbyisten mit einem echten Häuptling: Murray Small Legs aus Alberta, Kanada, (spricht aber sehr gut deutsch, wenn auch langsam). Alles etwas verworren, weil vom indianischen Geist durchwoben, klar? Jedenfall die Landschaft war super, vom Museum sah man doch nicht viel, schade. Und die FAZ (Frankfurter Allgemeine Zeitung) schreibt am 2.8.99 u.a.: Der Indianer des Schmerzes, Schluss mit edel. Ein einfacher Fall, der aber dennoch seine Zeit braucht. Denn Indianer leben bekanntlich nach ihren eigenen Gesetzen. So sind es vor allem die Geister der Ahnen, die die Ermittlungen vorantreiben. Übersinnliche "Tatorte" gibt es häufiger einmal. Hier jedenfalls fanden die Darsteller sichtlich Spass daran. Howgh. -dSch

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COWBOYS & INDIANS

Sie erinnern sich: in N-KMG 119 S. 2 wurde mitgeteilt, dass die in Santa Fe erscheinende Zeitschrift einen Artikel über Karl May plant. In der Ausgabe August/September 1999 lesen wir The strange Life and Legacy of Karl May by Danica Tutush. Ganze sechs Seiten widmet uns das amerikanische Magazin für Western Enthusiasten und fragt: Wer ist Karl May? Antwort gibt unter anderem Dr. M. McClain, professor at Texas Tech University in Lubbock; aber auch andere Sachverständige aus der KMG, dem Karl-May-Archiv und vom Magazin Karl May & Co. kommen zu Wort. Der Artikel ist ordentlich recherchiert und bebildert, das deutsche Phänomen Karl May wird den Amerikanern wohl schwerlich verständlich werden. Immerhin anerkennt Steve Lewis aus dem Visitors Bureau in Santa Fe, dass er der Grund ist, weshalb so viele German tourists kommen. Schauen Sie ins Internet unter www.cowboysindians.com, dort können Sie The Premier Magazine Of The West bestellen, Kosten für 1 Jahr = sechs Hefte $27, die Adresse ist 128 Grant Avenue in Santa Fe, NM 87501.

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Lukullus

So hieß ein lateinischer Feinschmecker und so heißt eine kleine Zeitschrift aus dem Verlag B&L MedienGesellschaft in Hilden. Erinnert sei an den Bericht in KMG-N 120 Seite 52 ("Karl-May-Rätsel"). Bei der Recherche nach dem Urheber stieß der Pressebeauftragte in der Redaktion dieses Verlagshauses auf eine Redakteurin, die an Karl May persönlich sehr interessiert war und prompt mit Infomaterial über KMG usw. versorgt wurde. In der Schwesterzeitschrift Lukullus erscheint jetzt in Nr. 30 ein langer Artikel über unseren Karl May mit der Überschrift "Oh herrlicher sächsischer Lügenbold..." Die kleine Lebensgeschichte wird garniert mit einem Portrait und drei alten Buchtiteln, dann folgt die Adresse unseres Geschäftsführers in Föhren. Und dann wird der Leser aufgefordert, eine Postkarte an die Redaktion zu schreiben, denn gewinnen kann man 5x2 Eintrittskarten für die Karl-May-Festspiele in Bad Segeberg. Das Angebot ist vom Feinsten, danke sehr, Lukullus.

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Germanistik im INTERNET

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung schreibt am 26.5.99 unter dieser Überschrift: Virtueller Kanon. Wer sich in die Informationsflut des Internet begibt, ist als Navigationshilfe bislang auf sein individuelles Geschick angewiesen. Eine Diskussion über verbindliche Kriterien zur Beurteilung der gebotenen Information fand bislang kaum statt. Diese Diskussion möchte nun am Beispiel der Germanistik das Beiheft acht der Zeitschrift "Informationsmittel für Bibliotheken" anstoßen (Germanistik im Internet. Eine Orientierungshilfe, hrsg. von Frank Simon-Ritz, Deutsches Bibliotheksinstitut, Berlin 1999). In zehn Beiträgen zur Präsentation deutschsprachiger Schriftsteller, germanistischer Fachinstitutionen, wissenschaftlicher Zeitschriften und literarischer Texte im Internet wird geprüft, wie komplex die Informationsebenen der jeweiligen Websites verknüpft und wie klar die Verweisungen strukturiert sind, welchen Grad der Intermedialität sie gewähren und zu welchen Formen der Interaktivität sie ihre Benützer einladen. Das Beiheft kann über das Deutsche Bibliotheksinstitut (http://www.dbi-berlin.de) auch in einer online-Version eingesehen werden, in der die zahlreichen Internet-Adressen der gedruckten Fassung als links direkt zu den beurteilten Seiten führen. So läßt sich schnell überprüfen, ob sich die Website der Karl-May-Gesellschaft tatsächlich als "Vorbild für die Entwicklung anderer virtueller Autorenarchive" eignet. Hier schlägt sich in den Augen der Bibliothekarin Ulrike Steierwald jedenfalls die "Kanonbildung jenseits des literaturwissenschaftlichen Diskurses" nieder.

Wählt man die angegeben Adresse, liest man folgendes zum Thema KMG:

Zum Prototyp der gelungenen Internetpräsentation eines Autors hat sich die Seite der Karl-May-Gesellschaft (KMG) entwickelt. Bereits Ulrich Goerden hat auf seiner Fachinformationsseite auf die "hervorragende" Qualität hingewiesen. Neben Einführungen in sechs verschiedenen Sprachen finden sich ein Fotoarchiv, Sekundärliteratur im Volltext, eine umfassende Bibliographie und umfangreiche Teile des Werkes in Volltextversionen. Nicht nur 17 Jahrbücher der KMG und die Materialien zur Karl-May-Forschung liegen vor, sondern auch ein Jahrgang der Zeitschrift "horen", eine Kurzbiographie Karl Mays und ein Forschungsbericht aus Beiträgen des Vorsitzenden der KMG, Claus Roxin (München). Alle Volltexte haben Hypertextstruktur, d.h. die Ebenen der Primär- und Sekundärvolltexte sind durch links verbunden. Die komplexe Textstruktur ist dennoch übersichtlich, da die Arbeitsgruppe für technische Informatik (Technische Fakultät der Universität Bielefeld), die diese Seite betreibt, eine eigene Suchmaschine anbietet, so daß jederzeit auch punktuell auf die einzelnen Seiten zugegriffen werden kann. Darüber hinaus bietet die Arbeitsgruppe Recherchehilfen an, über die sich Inhaltsverzeichnisse der Volltextangebote öffnen. Hunderte farbige oder Schwarzweißabbildungen in guter Qualität, größtenteils den Werkausgaben entnommen, sind abrufbar. Weitere Highlight auf dem Weg der Recherche sind die Seitenkonkordanzen zwischen den beiden zugrundeliegenden Werkausgaben. und eine digitalisierte Ausgabe des Romans Winnetou. Dieses Angebot führt zum Internetbasierten Informationssystem der Universitätsbibliothek Bielefeld, das hier im Rahmen von IBIS*) die ideale Gleichzeitigkeit von Bibliographischem Nachweis, Digitalisat und Register bereits anbieten kann. Links zu externen Seiten, die "Pinnwand" als Diskussionsforum und ein Veranstaltungskalender sind auf der Seite der KMG zu Selbstverständlichkeiten geworden. Die Internetpräsentation dieses Autors ist nicht nur ein Hilfsmittel der Forschung, sondern kann in dieser Qualität selbst zu einem Ort wissenschaftlicher Fortschreibungen werden. Es bleibt zu hoffen, daß diese Seite zu einem Vorbild für die Entwicklung anderer virtueller Autorenarchive wird.

*)IBIS ist das erste Projekt in deutschen Bibliotheken zur kooperativen elektronischen Informationsversorgung für Wissenschaft und Lehre mit Hilfe der Vernetzung lokaler Bibliothekssysteme.

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Pierre Brice in Bad Segeberg 1999

Der KMG wird manchmal vorgeworfen, sie verhalte sich nicht volksnah, was auch immer das heissen mag. So krass können wir das nicht stehen lassen, unsere hehren Ziele lassen sehr wohl zu, gelegentlich auf das Tagesgeschehen einzugehen. Als Pressebeauftragter war ich in Bad Segeberg als Gast im Hotel Intermar beim Karl-May-Fest 1999 (16.-18.7.99), dessen Höhepunkt die Verleihung des ‚Scharlih‘ an Pierre Brice war. Ausgezeichnet sollte er werden für seine zeitlos gültige Interpretation von Karl Mays "Winnetou", so die Veranstalter, und das sind Karl-May-Stiftung, Karl-May-Museum, Karl-May-Verlag und Karl-May-Archiv. Und weiter im Text: Mit dem ‚Scharlih‘, dem Ehrenpreis der Karl-May-Freunde, werden alljährlich Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um das Fortleben von Karl May verdient gemacht haben. Es ist der einzige Preis, der im Namen Karl Mays verliehen wird. Die kostbare "Scharlih"-Statuette wurde entworfen von dem Bildhauer Prof. Wilfried Fitzenreiter. In der Reihe der Preisträger vergangener Jahre lesen wir illustre Namen wie Carl-Heinz Dömken, Eddi Arent, Artut Brauner, Horst Wendlandt, Marie Versine und andere. Die Begeisterung wollte gar kein Ende nehmen, die festliche Abendgesellschaft feierte ihren Preisträger minutenlang mit standing ovations, was dieser sichtlich genoss, denn er ist mit Sicherheit eines: volksnah.

Seit seinem ersten Winnetou-Auftritt in den Filmen der 60er Jahre erlebt Pierre Brice eine Publikumsreaktion ohnegleichen, er wird mit Winnetou quasi identifiziert. Sehr schnell hat der Schauspieler begriffen, daß dies die Rolle seines Lebens ist und hat alles getan, den Erwartungen seiner Verehrer gerecht zu werden. Nach dem Film folgte die Segeberger Theaterphase, in der er Hauptdarsteller und Buch-Schreiber war, und nun ist er wieder da und macht Regie. Er hat sich um Karl May verdient gemacht, ganz ohne Frage, und er hat dabei sicher nicht schlecht verdient; es sei ihm vergönnt, hat er doch allen Fans gezeigt, wie Winnetou hätte sein können, wäre es eben nicht nur eine Romangestalt von Karl May. Und nach der Preisverleihung sagte er mit dem Scharlih in der Hand in humorvoller Bescheidenheit: "Das habe ich verdient".

Der Chronist besuchte am Sonntag dann die "Karl-May-Spiele '99" am Kalkberg, diese Jahr gibt man ‚Halbblut‘, das Programmheft sagt: frei nach Karl May, Inszenierung Pierre Brice. Gojko Mitic als Winnetou und Hermann Giefer als Old Shatterhand tun ihr bestes, andere namhafte Schauspieler agieren, Pferde, Esel und eine Ziege treten auf (kann man so sagen?), ein Adler schwebt ein paar mal über die Arena. Und sonst? Elke Sommer als Big Mama, die ist tatsächlich das Eintrittsgeld wert, sie bringt Stimmung und beherrscht ihren Part als Köchin für die Eisenbahner mit Brillanz. Wenn dieses Heft der KMG erschein, ist die Spielzeit abgelaufen, von einer geschäftsschädigenden Kritik kann dann wohl nicht die Rede sein. Meine Herren und Damen Verantwortliche! Frei nach Karl May heisst doch nicht, dass alles, aber auch alles frei erfunden sein muss, kein Wort, keine Szene im ganzen Stück stammt von Karl May, einzig ein paar seiner Namen werden verwendet, doch dabei werden Typen wie Hobble Frank und Tante Droll gnadenlos zum Clown gemacht; der Lacherfolg der Kinder ist der Truppe gewiss, auch ein paar beachtliche Stunts und technische Gags werden geboten, aber wollen Sie sich damit wirklich zufriedengeben ? Nur Kinderjohlen, Jahrmarktsbudenzauber ?

Die nächsten Festspiele müssen, sollte man auf erwachsene Zuschauer Wert legen, schon deutlich mehr Karl May beinhalten. Natürlich kämfen die Hauptakteure für Frieden und Völkerverständigung, so hört man. Ach lieber Winnetou, kämpfe doch weiter, immer weiter, aber endlich auch einmal für Karl May. Der ist doch Dein eigentlicher Brötchengeber, dem sind wir alle verpflichtet, sein Fortleben soll auch nächstes Jahr gewährleistet sein. Karl May, könnte er kämpfen, würde jeden Prozess gewinnen. -dSch

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Karl May global:

Chinesische May-Ausgabe

Anläßlich der Präsentation einer 22-bändigen chinesischen Karl-May-Ausgabe während einer Pressekonferenz am 18. Januar 1999 (vergl. den Leitartikel in der vorigen Nummer der KMG-Nachrichten) hielt der Kulturattaché der deutschen Botschaft in Peking, Holger Green, ein Kurzreferat über Karl Mays Leben und Werk. Wir dokumentieren den Text nachstehend im Original. (mitg. v. Erwin Müller)

On the publishing of the Chinese edition of 22 books by the German author Karl May

ecently, "China Women's Publishing House" published the Chinese translation of 22 books by Karl May, probably the most widely read German author. Through this publication, a part of Karl May's vast works have been made accessible to the average Chinese reader.

Karl May was born to a poor family as the fifth of fourteen children in 1842; he died at the age of seventy in 1912. Initially a primary school teacher, he took to writing after some painful experiences during his younger years. He first wrote short homorous stories and tales on the country side, where he lived. Later he began to write adventurous stories on countries far away, for whom he become famous not only in Germany. At the time, when he wrote these stories, he had not visited any of these countries. The vivid picture, he drew of them, makes the reader think, however, the author knew these countries personally very well,

Karl May wrote, in particular, about North America and the conflict between the Red Indians and the white settlers, about the Middle East and the Balkans. Especially his account of North America and the Red Indians strongly influenced the conception generations of Germans had of this continent,

Karl May invented figures like Old Shatterhand and Winnetou. Belonging to different races, Old Shatterhand being white, Winnetou being a Red Indian, they are good friends. Both are people with a humane character, who fight the evil and strive for the noble, who respect nature, love their people and live the ideal of christianity. But not only those two, all main figures in Karl May's books are characters,; whose fate the reader will be eager to follow closely, because he can identify with them. Karl May's work in general is characterized by his pacifist views and his support of the idea of equality between the peoples of the world.

Altogether, Karl May wrote more than 80 widely acclaimed books, which have been translated into more than 40 languages. Today, the total edition of his books exceeds 100 rnillion copies worldwide.

lt is a pleasure that, through the publication of the Chinese edition of selected works by Karl May, the Chinese reader will be able to share the experience generations of Germans have made in the past.

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Auf den Spuren von Karl Mays Kalendergeschichten.

m Sonntag, 21. März 1999 trafen sich gut zwei Dutzend interessierte Karl-May-Freunde und -Freundinnen zum Mittagessen im Hotelrestaurant Pfauen in Einsiedeln. Hier logierte unser Dichter am 19. Sept. 1901 anläßlich geschäftlicher Besprechungen mit dem Verleger Eberle.

Anschließend erwartete uns Bruder Gerold Zenoni vom Benediktinerkloster. Er verfaßte schon einige Artikel über Karl May im Heft "Maria Einsiedeln" und erhielt prompt auch positive Reaktionen aus der Schweiz und dem Ausland. Mittlerweile gehört er dem Schweizer KM-Freundeskreis an. Nach der Besichtigung der weltberühmten Klosterbibliothek welche nach vier Jahren Bauzeit und Restaurierung (6.3 Mill.Fr.!) letztes Jahr wieder eröffnet wurde, begaben wir uns in den Gästetrakt, wo Bruder Gerold uns fein säuberlich alle Jahrgänge mit den Kalendergeschichten, einen Jahrgang "Alte und Neue Welt", einige gebundene Hausschatz-Exemplare sowie wunderschöne Fehsenfelder-Erstausgaben in verschieden Bindetechniken aufgelegt hatte. Alle diese Bände sind in vorzüglicher Qualität vorhanden. Bei den verschiedenen Leseexemplaren von Karl-May-Bänden aus der Studentenbibliothek konnte man auf Grund der Zerlesenheit feststellen, daß die Abenteuererzählungen beliebter als die "Himmelsgedanken" waren. Anscheinend liebt man auch im Kloster das Abenteuer ... ! Unser Leiter Elmar Elbs gab einen knappen Einblick in das Schaffen und Wirken Karl Mays in seinen literarisch umstrittenen Kalendergeschichten. Er wußte auch anzumerken, daß seine Vergleichslesung der Erzählung "Christ ist erstanden" in Benzigers Marienkalender von 1894, allen Polemiken gegenüber den KMV-Bearbeitungen bis auf einige Wörter und Sätze mit dieser identisch ist.

Bruder Gerold erzählte uns von seinem Hobby und überraschte uns von seinen Nachforschungen betreffend der Katholischen Presse bei Karl Muth und den Aussagen dessen Enkelin. Wie uns das Beispiel zeigt, läßt das Klosterleben durchaus auch ein solch literarisches Hobby zu. Bruder Gerold, Jahrgang 1958, verfaßt regelmäßig auch Kulturbeiträge in der oben erwähnten Monatsschrift des Klosters.

Alle Teilnehmer, von den beiden jüngsten KMG-Mitgliedem Michael Hischier und Felicitas Bürgi (13) bis zu den Altvorderen und Gästen waren voll des Lobes über diese Veranstaltung.

Nach einem kurzen Schwatz und ein paar Erinnerungsfotos auf dem Klosterplatz löste sich die Besucherschar in alle Richtungen auf, mit der Erinnerung an einen interessanten, prachtvollen Sonnentag mit überraschend viel Schnee. (Einsiedeln liegt auf 940 m ü.M.)

Text: Markus Rudin, Basel - Fotos: E. Elbs, Luzern

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Süd-West-Treffen der KMG

Die Karl-May-Freunde aus dem Rhein-Neckar-Gebiet laden wieder zu einer Begegnung ein, die am

Samstag, 2. Oktober 1999 ab 17 Uhr

im Lokal "Mamma Rosa" (früher Park-Café) Dreikönigstr. 8,  06202-4335 (Fremdenzimmer) in 58723 Schwetzingen stattfinden wird. Gäste und Interessenten sind - wie immer - willkommen. (Mitteilung Gert Zech)

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... ein Stück Internationalität

Die diesjährige Shatterhan’tour (KMG-N 120 S. 59) führte auch nach Eldorado zur Xbar-Ranch der Familie Meador. Die kleine Stadt mit dem großen Namen Eldorado ist immerhin der Hauptsitz des Schleicher-County - mit Gerichtshof, Gefängnis ... und Bibliothek. Wegen des chronischen Geldmangels kam man auf die pfiffige Idee, die fällige Restaurierung der Bürgersteige vor dieser Bibliothek sponsern zu lassen.

Da ließen es sich die acht Shatterhan’touristen nicht nehmen, gleich zwei Steine á 35 $ zu sponsern, so daß für die KMG wieder ein Stück Internationalität gewährleistet ist, auch wenn es ,nur’ in einem kleinen Nest nordöstlich der Hills ist.

Nachtrag:

Das Foto zum Artikel D. Schober: "Die Rose von Würzburg" (KMG-N 121 S. 62f. ist von Andreas Bestle.

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Treffen der Karl-May-Freunde Nordbayern

Bei den letzten Treffen waren wir gerade mal zu viert bzw. zu dritt. (An unseren ehemals "harten Kern" von wenigstens 5 Leuten sei hiermit appelliert, sich die folgenden Termine in den Kalender zu schreiben und sich keine anderen Termine aufdrängen zu lassen!) Trotzdem möchten wir unsere Treffen (vorerst) fortsetzen, nicht zuletzt wegen des hervorragenden Essens und der netten Aufnahme im indianischen Ambiente.

Vor der Tagung in Hohenstein-Ernstthal würden wir uns - Interesse vorausgesetzt - kurzfristig noch einmal treffen, um Mitfahr-Gelegenheiten und sonstiges abzustimmen. Um Fahrtzeiten für alle Interessenten kurz zu halten, soll dieses Treffen in der Fränkischen Schweiz (z.B. Pottenstein) stattfinden. Wer hier (auch kurzfristig) kommen kann und will, möchte sich bitte bis spätestens 10.09.99 bei uns melden:

Tel.: 09241/7668 (Tschakert), Tel.: 0911/382622 (Steinel)

Unser nächstes reguläres Treffen findet am 08.10.1999 ab ca. 18:30 Uhr in Erlangen, Werner-von-Siemens-Str. 1b, Restaurant "Tatanka" (ehemals "Wurzelsepp") statt. Vorgesehen ist eine Tagungs-Nachlese für diejenigen, die nicht nach Hohenstein-Ernstthal fahren konnten. Und für die Vorausplaner: Die Treffen im Jahr 2000 werden wieder jeweils am 2. Freitag im Quartal stattfinden (14.1., 14.4., 14.7., 13.10.).

Und allen anderen: Auf Wiedersehen auf der Tagung in Hohenstein-Ernstthal!

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Treffen Südniedersachsen

Der Stammtisch Südniedersachsen tagt das nächste Mal am Samstag, den 11.9.99. Da wir uns diesmal privat (zum Grillen) treffen, werden alle Interessenten gebeten, sich unter Tel./Fax: 0551/83421 bei Dr. Gudrun Keindorf zu melden, um die Einzelheiten zu erfragen.

 

 


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