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„Karl May als Erzieher“und„Die Wahrheit über Karl May“oderDie Gegner Karl Mays inihrem eigenen Lichte

voneinem dankbaren May-Leser

Freiburg i. Br.Friedrich Ernst Fehsenfeld1902
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Anwaltliche Bestätigungen
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„Karl May als Erzieher“

und

„Die Wahrheit über Karl May“.

Warum zwei Titel anstatt nur einem? Und warum gerade diese beiden? Weil ich über einen Mann schreibe, mit dem sich kürzlich die Presse just unter denselben Ueberschriften beschäftigt hat. Ich gehorche also diesen „Mustern“!

Ich bin gern aufrichtig und bemühe mich auch, stets ehrlich zu sein. Darum erkläre ich gleich am Eingange, daß ich nicht über ihn schreibe, ohne ihn genau zu kennen, sowohl als Schriftsteller als auch als Mensch. Ich bin ein persönlicher Freund von ihm. Das soll nicht heißen, daß ich litterarische Abgötterei mit ihm treibe. In meinem Alter schwärmt man längst nicht mehr. Im Gegenteil, ich traue mit wenigstens dieselbe Objektivität und Vorurteilslosigkeit zu, welche die Verfasser jener Zeitungsartikel für sich in Amspruch nehmen werden.

„Karl May als Erzieher!“

Wie ironisch das geklungen hat! Aber das ironische Lächeln ist für den Mund, um den es spielt, niemals ganz ungefährlich. Welcher Kobold mag dem Erfinder dieses Titels wohl den Schabernack gespielt haben, ihn zur Wahl gerade dieser vier Worte zu verleiten? Wo und wann hat May sich „Erzieher“ ausgegeben? Wenn man ihm mit Hilfe dieses Wortes Vorwürfe macht, muß er es doch für sich in Anspruch genommen haben! Man gebrauchte es als Ausgang des Beweises, daß er ein „Ver-“ zieher zum Bösen sei. Wir werden ja sehen, ob es gelungen ist, diesen Beweis zu führen! Das Sonderbarste hierbei ist, daß man von der Absicht jenes Kobolds keine Ahnung hatte. Sein Streich ist ihm vortrefflich gelungen. Er hat dem betreffenden Herrn nämlich die Wahrheit zu geflüstert. May ist

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Erzieher. Wenn er sich einmal so genannt hätte, wäre er in seinem Recht gewesen. Die Thatsachen werden sprechen.

„Die Wahrheit über Karl May!“

Wie bestimmt, wie infallibel das geklungen hat! Wo fließen die lauteren Quellen, aus denen man diese „Wahrheit“ schöpfte? Es lohnt sich wohl, sie kennen zu lernen! Für mich gibt es nur zwei solche Quellen. Seine Person und seine Werke. Hat der Verfasser dieses Zeitungsartikels May jemals gesehen? Oder kennt er eingehend seine Werke? Hat er mit ihm gesprochen? Hat er wenigstens in brieflichen Verkehr mit ihm gestanden? Hunderte haben diesen Artikel ohne alle Prüfung nachgedruckt. Hatte denn kein einziger von ihnen einen in Dresden oder Umgebung wohnenden Bekannten oder Korrespondenten, den er zu May schicken konnte, um nachzuschauen? Er wäre mit bekannter Gastlichkeit empfangen worden. Man hätte ihm jede Auskunft, jeden gewünschten Beweis gern gegeben. Man schreibt über keine Gerichtsverhandlung, ohne einen Berichterstatter, einen Augen- oder Ohrenzeugen dort gehabt zu haben. Ist May, den Hunderttausende achten, ehren und lieben, nicht wenigstens dieselbe Rücksicht wert, die man jedem Verbrecher schuldig zu sein glaubt? Durfte man in den Spalten ungezählter Blätter und in öffentlichen Vorträgen über ihn verhandeln und über ihn richten, ohne daß das Auge eben dieser Öffentlichkeit vorher bei ihm persönliche Anfrage und Haussuchung gehalten hätte? Kein einziger von diesen Anklägern und Richtern kann nachweisen, daß er auch nur einen Tropfen aus dieser ersten und gar nicht zu umgehenden Quelle geschöpft habe! Kein einziger von ihnen scheint zu wissen, daß zur gerechten Beurteilung eines Menschen ganz unbedingt die persönliche Bekanntschaft mit ihm gehört! Ja, woher stammen denn alle diese Vorwürfe, welche man ihm entgegenschleudert?

Etwa aus der zweiten Quelle, aus seinen Werken? Wollen sehen!

Zunächst die höchst notwendige allgemeine Bemerkung, daß diese Werke nicht oberflächlich gelesen werden dürfen. Wer sie verstehen oder gar über sie referieren will, hat sie zu studieren. Sie sind nämlich etwas ganz anderes, als das, was sie dem leichtfertig darüber hinfliegenden Auge zu sein scheinen. Die Wogen und Wellen dieser scheinbaren „Reiseerzählungen“ werden von einer geheimnisvollen Kraft bewegt, der man mit liebenden Fleiß nachzugehen hat. Sie sind einem noch unerforschten, heiligen Waldesfrieden entstiegen und streben einer bisher noch welt- und erdenfremden Mündung zu. Der nicht oberflächliche, sondern erste Leser, welcher in die

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Tiefe dringt, wird einen goldhaltigen und an Perlen reichen Grund gewahren.

Nun frage ich: Gehören die Verfasser jener Zeitungsartikel zu diesen ernsten Lesern? Haben sie die Bücher studiert oder nur durchblättert. Wieviele Bände sind ihnen bekannt? Denn May muß ganz gelesen werden, vom ersten bis zum letzten Bande. Er wird auch noch mehr schreiben, und auch am Schlusse seines allerletzten Buches wird es noch fraglich sein, ob man ihn dann schon so versteht, daß man über ihn als Schriftsteller ein Urteil fällen kann. Es liegt mir der Brief eines Kritikers ersten Ranges vor, welcher gegen May eifert und, darüber von ihm zur Rede gestellt, in dieser Zuschrift notgedrungen eingesteht, daß er von keinem Bande mehr als die ersten Seiten gelesen habe. Was kann wohl aus der Feder dieses Mannes fließen? Etwa die „Wahrheit über Karl May“? Hand aufs Herz! Ist dieser Herr der einzige seiner Art?

Hätte man diese Bücher wirklich gelesen, so wäre es unmöglich gewesen, den Verfasser als „Ju­gend­schrift­stel­ler“ zu bezeichnen. Aber um zu wissen, daß er das nicht ist, braucht man sie gar nicht einmal zu lesen! Alle Welt weiß, daß der Inhalt von einem Viertelhundert Bänden vorher schon im „Deutschen Hausschatz“ gestanden hat. Ist dieses nur den ernsten Zwecken dienende und von gereiften Männer gelesene Blatt etwa eine Zeitschrift für „Knaben“ oder „Mädchen“? Warum wird trotzdem an der Firma „Jugendschriftsteller“ für alles von ihm Geschriebene so krampfhaft und beharrlich festgehalten? Es muß doch einen Grund dafür geben? Und dieser Grund ist gewiß von großer Wichtigkeit. Vielleicht gelingt es uns, ihn kennen zu lernen! Dann wird es sich wohl auch ergeben, ob diese Klassifizierung auch zur „Wahrheit über Karl May“ gehört.

Weiter! Man nennt ihn einen „Ich-Erzähler“. Ist er das wirklich? Wer ist das „Ich“, welches er anwendet? Ist irgend eine menschliche Person an sich, oder ist ein in dieser wirkendes Prinzip gemeint? Kann einer der Herren Kritiker diese Frage beantworten? Es ist hier nur einer von zwei Fällen möglich. Entweder hat man sich nur so überaus flüchtig mit May’s Werken beschäftigt, daß nicht einmal über dieses „Ich“ nachgedacht worden ist. Was aber hat man dann von einer Kritik zu halten, welche gerade die Hauptsache, nämlich die handelnde Seele aller dieser Erzählungen, unbekannt geblieben ist? Oder, im anderem Falle: Man hat diese Seele gefunden und erkannt. Warum verschweigt man das? Fürchtet man sich vielleicht, die eigene Seelenlosigkeit einzugestehen? Ist die physische

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Person „Karl May“ so ganz unentbehrlich? Muß man sie unbedingt haben, um in ihr und mit ihr die von ihm gegebenen Ideale ver nichten zu können? man merke wohl, ich antworte nicht; ich behaupte nichts; ich frage nur!

Es liegt mir fern, irgend jemand anzuklagen. Ich nehme vielmehr bereitwillig an, daß Mancher in gutem Glauben geurteilt hat. Der Kritiker wird ja mit Material förmlich überflutet. Es ist so schwer, den eigenen Standpunkt aufzugeben, um einem fremden gerecht zu werden. Und gerade May arbeitet an einer Stätte, an welcher noch nie ein Schriftsteller thätig gewesen ist. Seine Erfolge sind nicht äußeren Ursachen zuzuschreiben, sondern der tief verborgenen Idee, welche ihn und alle seine Gestaltungen beseelt, aber für viele bis heute ein Geheimnis geblieben ist. May ist nur von denen zu begreifen, denen er sich selbst mitteilt. Darum hat der Chefredakteur einer führenden Zeitung, welcher im Lande umherzieht, um in öffentlichen Vorträgen vor ihm und seinen Werken zu warnen, sehr recht, als er während eines solchen Vortrages sagte, daß May ein „jetzt noch ungelöstes Rätsel“ sei. Auch ihn soll meinerseits kein Vorwurf treffen. Wenn er über May ein Urteil fällt und zu gleicher Zeit bekennt, daß er ihn noch nicht verstehen und begreifen könne, so hat er den Stab nicht über May, sondern über sich selbst gebrochen, und kein vernünftiger Mensch wird ihm diese Eingeständnis der eigenen Schwäche übelnehmen!

Man scheint der sonderbaren Ansicht zu sein, daß das soeben genannte Rätsel sich selbst zu lösen habe. Mit anderen Worten: May hat sich zu verteidigen, und zwar sofort und ohne Weigern! Wenn er schweigt, so ist „die Wahrheit über Karl May“ keine Lüge gewesen!

Sollte man dies für möglich halten? Was ich hier sage, ist im Jahre des Heils 1901 wirklich und wörtlich vorgekommen! Man schreibt „Die Wahrheit über Karl May“. Und man schreibt dann, daß sich infolge seines Schweigens herausgestellt habe, daß diese Wahrheit keine Lüge gewesen sei. Klingt das nicht genau so, als ob diese „Wahrheit“ auf unsicheren Füßen gestanden habe? Als ob May nur den Mund zu öffnen brauchte , um zu zeigen, daß sie alles Andere, aber nur nicht die Wahrheit sei? Er hat trotzdem und doch geschwiegen. Eine Wahrheit, die sich selbst als zweifelhaft be­zeich­net, ist keiner Antwort wert. Und vor allen Dingen: Ein so viel beschäftigter Mann, wie er, hat keine Zeit, jedem sensationslüsternen Blättchen ein pikantes Gabelfrühstück zu liefern. Denn, daß ich gleich im Beginn und ehrlich

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sage: May ist überzeugt, daß einige Journale es mit ihren Angriffen gegen ihn nicht nur ernst, sondern unversöhnlich ernst meinen: Aber ebenso genau weiß er auch, daß diese Angriffe nicht etwa aus Ueberzeugung und Herzensbedürfnis nachgedruckt werden. „Die Wahrheit über Karl May“ und „Karl May als Erzieher“ das sind für jeden Redakteur hochwillkommene Themata. Der Angegriffene hat sich natürlich zu verteidigen. Das bringt man wieder. Diese Verteidigung wird ganz selbstverständlich zum Gegenstand weiterer Angriffe. So entwickelt sich ein journalistischer Kampf des Engländers gegen den Bur. Man gönnt dem letzteren zwar gern den Sieg, aber man wünscht diesen Sieg möglichst weit hinaus. Das gibt so schönen Stoff für leere Spalten! Wird May hierauf eingehen? Wenn er es täte, es wäre ja außerordentlich „aktuell“! Aber leider hat es den Anschein nicht. Er kennt den Englishman, dem jede Waffe recht und jede „Wahrheit über Karl May“ geläufig ist. Die deutschen „Times“, „Daily Chronicles“ und „Standards“ mögen immerhin ihre Kriegsartikel bringen. Ihre Genauigkeit und Zuverlässigkeit ist ja weltbekannt. Ein jeder kann sich da wohl selbst und leicht das Richtige denken!

Man hat über May Behauptungen aufgestellt, ohne ihn auch nur der geringsten, sachlichen Erkundigung für wert zu halten. Das stolze Selbstbewußtsein der „Helden von der Feder“! Warum hat man ihn nicht vorher gehört? War der Angriff – wie bei den Engländern – eine auf alle Fälle festbeschlossene Sa­che? Fürchtete man, daß auf eine Anfrage eine Antwort erfolgen werde, vor welcher jeder Grund zum Angriff schwinden müsse? Nun ist er erfolgt; es kann der Kampf beginnen! Er wird wahrscheinlich – wie in Südafrika – auf Jahre hin kein Ende nehmen. Aber zum Kriege gehören zwei Parteien, und — — die eine macht nicht mit! May ist ja auch ein Mann von der Feder. Er darf wohl auch sein Selbstbewußtsein haben! Wahrscheinlich kennt er sich und kennt auch seine Gegner. Die Wahrheit kann zwar angefeindet werden, wird aber niemals die Besiegte sein. Er muß ja wissen, auf welcher Seite sie steht. Ihre beste, unwiderstehlichste Waffe ist das Schweigen. Eine Wahrheit aber, die es für nötig hält, sich selbst und spaltenlang als Wahrheit zu bezeichnen, die tut das doch wohl nur, um ihre Blöße zu bedecken!

Es wurde an verschiedenen Stellen gesagt, daß die „Enthüllungen“ über May nicht nur ihn, sondern auch seine Freunde niedergeschmettert hätte. Ist dem wirklich so?

Was ihn betrifft, so konstatiere ich, der ich ja mit ihm verkehre -

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verkehre, daß er sich über die Angriffe sogar freut. Er hat sie herbeigewünscht. Sie sind der einzige, untrügliche Beweis, daß seine Bücher die Wirkung haben, welche sie haben sollen. Er hätte sie vergeblich geschrieben, wenn die Krankheit, die er heilen will, sich nicht gegen sie sträubte. Und da, wo sich dieses Sträuben zeigt, da hat die Krankheit ihren Sitz! Wie mag doch wohl dieses große soziale Übel heißen?!

Und seine Freunde? Wo wäre der von ihnen, der ihn verlassen hätte? Freunde und — Leser, das ist ja zweierlei! Man hat an gewissen Stellen den letzteren seine Bücher entzogen, und so haben sie gehorchen müssen — — — dem Zwange folgend, nicht dem eigenen Triebe. Aber sobald dieser Zwang vorüber ist. Werden sie das Versäumte nachholen! Später mehr über diesen Punkt! Wer freiwillig auf „seinen May“ verzichtet, von der sogenannten „Wahrheit über ihn“ dazu verführt, der mag es thun. May ist nie „der Seine“ gewesen. Der Bibliothekar wird einige Pfennige an ihm verlieren, May aber sicher nichts. — Dieser sagte kürzlich zu mir:

„Der Sturm fegt meine Tenne rein. Die Spreu zerstiebt; der Weizen aber bleibt. Ich bin den Herren, welche diese Arbeit für mich thun, zur Dankbarkeit verpflichtet. Sie ahnen gar nicht, wie groß die Schar unnützer Quälgeister ist, von der sie mich erlösen!“

Der Weizen von der Spreu! Das war das richtige Wort! Die Spreu ist es, von der die Gegner sprechen. Haben sie nur diese gesehen, den Weizen aber nicht? Steht in den „Akten“, von denen sie sprechen, gar nicht von der großen, herrlichen Ernte, von welcher täglich die Berichte da eingehen, wo das Haus des Säemanns steht? Haben sie für das weite, unendliche Aehrenfeld nur dazu ihre Augen, um zu sehen, daß sich hier und da am Rande diese Feldes eine vereinzelte Kornrade findet, deren Samen der Wind vom Wege herüber wehte?

War es ernst, als sie über diese Ernte lachten? Glauben sie es wirklich zu erreichen, daß auch andere blind an ihr vorübergehen? Warum fällt mir da das Gleichnis Christi Matthäus 14. 24 ein? Das Himmelreich ist gleich einem Menschen, der guten Samen auf seinen Acker säete. Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind und säete Unkraut mitten unter den Weizen.

Ist es nicht Pflicht, den Leuten dieses Mannes zu sagen, daß sie nicht schlafen, sondern vor dem Feinde wachen sollen? Ja, gewiß! Wer aber ist der Feind! Er sei nicht genannt. Es sind wahrscheinlich -

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wahrscheinlich sogar mehrere. Aber nehmen wir diese Blätter zur Hand und gehen wir hinaus auf das Feld! Ich ahne, was und wen wir sehen werden. — —

„Ein Säemann ging aus, seinen Samen zu säen. Und als er säete, fiel einiges auf den Weg; das wurde zertreten, und die Vögel des Himmels kamen und fraßen es auf.

Und etliches fiel auf gutes Land. Es ging auf und trug hundertfältige Frucht.

Wer Ohren hat, zu hören, der höre!“

Lucas 8, 5 und 8.

Der Säemann, den ich hier meine, ist Karl May. Es war vor nun fast dreißig Jahren, als er sein Feld zum ersten mal bestellte.

Wo liegt diese Feld? Und welche Art von Samen war es, den er streute? Sind seine Tadler imstande, mir Auskunft zu erteilen? Haben sie ihn schon damals beachtet? Haben sie ihn mit ihrer Aufmerksamkeit durch diese ganze, lange Zeit begleitet? Ist ihnen sein unendlicher Fleiß, seine nie ermüdende Beharrlichkeit bekannt? Haben sie eine Ahnung von den Hindernissen, den Widerwärtigkeiten, den Enttäuschungen, die sich ihn entgegenstellten? Wissen sie die Ausdauer zu würdigen, welche nötig war, die einstige Brache in den reich ergiebigen Garten zu verwandeln, den nun aus ihr geworden ist? Wer die Wahrheit über Karl May schreiben will, muß doch wohl dies Alles, Alles wissen!

Oder haben sie ihr Augenmerk nur erst in neuester Zeit auf ihn gerichtet? Vielleicht erst dann, als die von ihm gezogenen Früchte den ihrigen den Markt verdarben? Nun ist er ihnen plötzlich durch und durch bekannt! Nun haben sie ihn im Augenblick durchschaut und bis auf die Nieren geprüft! Nun zeigt ein einziger Moment, daß in seinem Garten nichts als Unkraut wachse!

Unkraut? Hm! Nehmen wir doch einmal diese so schnell über Nacht giftig und also schädlich gewordenen „Unkräuter“ her! Untersuchen wir sie — nicht nach den von Linné aufgestellten Regeln, sondern nach den Gesetzen des Christentums und der Humanität.

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Vorher aber wollen wir den doch erst einen Blick auf diese so rasch entschlossenen Sachverständigen auf dem Gebiete der geistigen und ethischen Pomologie werfen!

Warum? Weil ich unter ihnen Gesichter sehe, welche ich vor noch nicht gar langer Zeit unter der Schar der „Mayfreunde“ bemerkt habe! Und zwar in den vorderen Reihen derselben! Ich erinnere mich noch ganz deutlich der Worte, mit denen sie ihn belobten und seine Werke aller Welt empfahlen! Sie haben ihn also nicht erst jetzt kennen gelernt. Sie kannten ihn schon früher. Ihr Urteil ist also kein vorschnelles, unbedachtes, sondern sie haben ihren Glauben gewechselt. Sie sind von Freunde zum Feinde übergegangen Warum?

Weil May vor nun fast 30 Jahren einmal ganz anders geschrieben haben soll, als er dann und bis jetzt geschrieben hat!

Sie haben diese alten Sachen nie gekannt und nie gelesen. Sie haben mit ihren lobenden Empfehlungen nur das später Geschriebene gemeint. Sie waren entzückt über „die absolute sittliche Reinheit“ dieser ca. 30 Bände „Reiserzählungen“. Sie empfahlen diese Bände als „die beste ethische Kost auf dem geistigen Tisch des deutschen Volkes“. Und plötzlich jetzt? Jetzt hat sich wie ihm Handumdrehen diese Kost in ein „Gift“ verwandelt, welches sie sich „für sich und deutsche Volk verbitten müssen?“ Merken denn diese Herren nicht, daß sie ganz dasselbe thun, was sie May vorwerfen.

Sie haben früher in ihren Zeitungen ganz anders geschrieben!

Ist das nicht sonderbar? O, mehr als sonderbar! Sie haben nämlich das, was sie heute als „Gift“ bezeichnen, lange Jahre hindurch nicht nur empfohlen, sondern dem deutschen Volke auch in Wirklichkeit als reine, gute Speise vorgelegt. Sie haben dieses Volk also mit Gift genährt. Das ist nach ihrem Abfalle von May ein Faktum, welches sie unmöglich leugnen können! Das aber, was sie May vorwerfen, ist nichts weiter als eine bloße unbewiesene Vermutung, aus welcher sie nie ein Faktum machen können!

Wo wird also die Wahrheit über Karl May zu suchen und zu finden sein? Bei seinen Anklägern, die durch ihre Anklage nichts weiter beweisen, als daß sie jahrelang zur moralischen Vergiftung des Volkes die Hand geboten haben? Oder bei ihm, gegen den man nur Vermutungen aber keine Beweise hat?

Wir haben es also mit zwei Arten der Gegner Mays zu thun.

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Eine dritte gibt es nicht. Die Einen richten über eine fast dreißigjährige Thätigkeit, von welcher sie kaum die letzten beiden Jahre kennen! Und die Anderen gestehen ein, grad das, was sie May vorwerfen, selbst begangen und ausgeführt zu haben!

Ich glaube, dieses nichts weniger als biblische oder christliche Gebiet verlassen zu können, um zu unserem Gleichnisse zurückzukehren!

„Ein Säemann ging aus, seinen Samen zu säen, und als er säete, fiel einiges auf den Weg; das wurde zer­tre­ten, und die Vögel des Himmels kamen und fra­ßen es auf.“

Ist diesem Säemann ein Vorwurf deshalb zu machen, weil der Hauch der Luft einige Körner auf den Weg hinübertrug? Christus spricht in seiner Erklärung dieses Gleichnisses kein einziges Wort des Tadels aus. Er weiß, das es keinen Säemann auf Erden giebt, bei dem dies nicht auch vorgekommen ist. Wo ist der Christ, der sich klüger und erfahrener als sein Meister dünkt? Wo giebt es einen Menschen, dem nicht auch zuweilen einige Körner hinüber auf den Weg geraten sind?

Bei Karl May ist das nur ein einziges Mal geschehen. Und doch, mit welcher Härte, mit welcher Unerbittlichkeit wird ihm das vorgeworfen! Ja, grad die sogenannten Jünger Christi sind es, die einen Vorgang zum unverzeihlichen Verbrechen machen, den Gottes Sohn für selbstverständlich hielt! Sie entschuldigen sich damit, daß diese verloren gegangenen Körner Unkrautsamen gewesen seien. May aber behauptet es sei guter Samen gewesen. Wer muß es besser wissen, er oder sie?

Diese Körner sind zertreten worden! Die „Vögel des Himmels“, die Freibeuter, kamen und fraßen sie auf!

Waren die Körner für diese Freibeuter bestimmt? Nein! Es ist an Karl May ein Raub begagen worden. Was sollten diejenigen thun, die sich jahrzehntelang seine Freunde nannten? Die ihn ihrer Liebe, ihrer Achtung, ja ihrer Bewunderung versicherten? Die seine Werke rühmten und von ihm sagten, er habe nie ein schlechtes Wort geschrieben? Wer unter ihnen ist, der ihn in den Schutz seiner Spalten nehmen konnte und dies auch that, der trete vor! Er ist ein Christ und ist ein Ehrenmann!

Wie? Alles still?!

Am stillsten aber ist der Säemann! Und still bin auch — — ich! Wenigstens jetzt! Ich habe es hier nicht länger mit dieser dunklen Stelle, sondern mit der lichteren, schöneren Seite unseres Gleichnisses zu thun.

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„Und Etliches fiel auf gutes Land. Es ging auf und trug hundertfältige Frucht.“

Es ist für jeden Leser eines Autoren von größten Interesse, für die gerechte Beurteilung seiner Werke aber unbedingt erforderlich, über seinen geistigen Werdegang unterrichtet zu sein. Er ist ja ein Künstler und nur minderen Falles ein Handwerker. Aber die Kunst läßt noch viel weniger als das Handwerk jemals einen fertigen Meister geboren werden. Jeder verständige Mann, vor allen Dingen jeder Kritiker hat, bevor er ein Buch liest, an den Verfasser desselben die Frage zu richten: Wie und auf welchem Wege bist du die geistige Person geworden, als welche ich dich jetzt kennen lernen werde? Ganz unbegreiflicherweise hat man gerade an Karl May diese Frage nie gerichtet! Giebt es etwa einen mir verborgenen Grund, ihn als einen Mann zu behandeln, der wie einst Pallas Athene gleich fix und fertig aus dem Haupte Zeus’ entsprungen sein muß? Ich kenne Kritiker, welche folgendermaßen verfahren: Sie überfliegen die Titel und die ersten Blätter seiner „Reiseerzählungen“. Dann tun sie über fast 30 Jahre zurück einen weiten Sprung auf apogryphe Sachen, deren sich inzwischen das litterarische Freibeutertum bemächtigt hat. Schnell wird nun der beklagenswerte, ausgeraubte Autor mit diesen Freibeutern vollständig identifiziert, weil das der stillen Absicht passend ist. Und dann stellt man unter Paukenschlag einen ungeheuren Drachen aus, den man ganz à la Barnum den Namen giebt: „Die Wahrheit über Karl May“!

Aus welchen Quellen wird dieser Drache getränkt? Aus den „Reiseerzählungen“, die man so schlecht kennt, daß man sie heut für sittlich rein und morgen für moralisch schädlich hält. Und aus vier Bänden ebenso guter „Reiseerzählungen“, die von May vor einem Vierteljahrhundert einstweilen beiseite gelegt worden sind. Sie sollten später in seinen „Gesammelten Werken“ wieder erscheinen. Aber eine dazu vollständig unberechtigte Hand hat die fast zweijährige Abwesenheit Karl Mays im Orient benützt, sie ohne seine Erlaubnis und in ganz anderer Gestalt herauszugeben. Diese Gestalt aber gehört ebenso in dass Reich der Lüge wie der oben erwähnte Drache!

Hat May denn nur diese teils schwer zu verstehenden, teils apogryphischen Reisewerke geschrieben? Hat seine Feder denn gar keine Arbeit geliefert, aus welcher die „Wahrheit über ihn“ leichter und sicherer geschöpft werden kann? Ich meine doch!

Es war am Ende der siebziger Jahre, als er zum ersten Mal in das Säetuch griff. Er schrieb die „Geographischen Pre­digten“. Dieser Titel sagt, was er schon damals wollte und was

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er noch heute will. May ist kein Anderer geworden; er ist sich treu geblieben und wird es auch weiter bleiben! Geographie und Predigten! Kenntnis der Erde und ihrer Bewohner und Ausschau nach einer lichteren Welt, als sie ist! Darum war auch gleich das erste Kapitel „Himmel und Erde“ überschrieben. Und das letzte, „Haus und Hof“, führte zum frommen Gottes-„Hause“, welches im stillen Kirch-„Hof“ steht. Ist dieser Anfang einer schriftstellerischen Laufbahn nicht bezeichnend für den ganzen, weiteren Werdegang? Kann ein Mann, der gleich in seinem ersten Werke die Kirche und den Himmel als das A und O seiner Thätigkeit bezeichnet, sofort hierauf unsittliche Romane schreiben? Wenn jeder andere Mensch, May aber nicht!

Diese „Geographischen Predigten“ enthalten übrigens die ganze, vollständig festgestellte Disposition aller seiner folgenden Werke. Er hat ganz genau nach ihr gearbeitet und wird das auch ferner thun. Ebenso enthalten sie eine Erklärung, warum er seine „Predigten“ in das Gewand von „Reiseerzählungen“ kleidet.

Nun frage ich: Kann die Kritik über May schreiben, ohne gerade dieses für sie so unentbehrliche Werk zu kennen? Welcher Kritiker aber hat es besprochen? Oder aber auch nur erwähnt? May hat in ihm den Grund zu seinem seelischen Heim, zu seinem geistigen Hause gelegt. Wer aber den Grund nicht sieht und kennt, für den kann auch das Haus nicht existieren. Oder ist es der ersten Aufgabe der Kritiker angemessen, die von ihnen besprochenen Personen in Luftschlössern wohnen zu lassen?!

Und während er an diesen „Geographischen Predigten“ schrieb, arbeitete er auch schon an seinem herrlichen „Winnetou“. Man nenne mir einen Schriftsteller, der seinen Lesern ein Ideal gegeben hat wie diesen Winnetou! Was ist diese Seele einer dem Untergange geweihten Nation für eine wunderbare, sympathische, ergreifende Gestalt! Welch eine Reinheit in dem größten Schmutz der Erde! Welch eine Himmelssehnsucht trotz des schönen, fehlerfreien Erdenkörpers! Wie keusch, wie heilig jedes Wort und jede That! Wie ringt sich dieser edle Geist sich von dem Staube frei, um mit dem letzten Worte heimzugehen: Charley, ich bin ein Christ!

Und während diese Lichtgestalt bei Tage und bei Nacht hinter May stand, um ihm die Feder zu führen, soll diese Feder wozu fähig gewesen sein? Schmutzige Hintertreppenromane zu schreiben! O, ihr Menschen, was seid ihr doch für Menschenkenner!

Man sagt, erhabe damals Hunderttausende von Zeilen geschrieben. O nein! Sondern Millionen! Und gerade darum fand

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er nicht die Zeit, den Druck mit dem Manuskript zu vergleichen. Man konnte ändern, ohne daß er es bemerkte.

Wie zahlreich sind die Firmen, für die er damals schrieb! Meist Firmen ersten Ranges. In Berlin, Leipzig, Stuttgart, Breslau, Wien u. s. w. Und was diese Firmen brachten, wurde von zahllosen Zeitungen zum Abdruck gerne begehrt. Ist den Herren Kritikern seine Vielseitigkeit bekannt. Sind sie vielleicht einmal dem so vielgelesenen „Humoristen“ Karl May begegnet? Die urdrolligen Gestalten seiner „Reiseerzählungen“ sind nicht die einzigen, die er gezeichnet hat. Wie viele Humoresken hat er nur über den Fürsten „Leopold von Anhalt-Dessau“ geschrieben! Man muß sie lesen, um Karl May zu kennen.

Weiß die Kritik auch, wie tief er in das Seelenleben des deutschen Volkes eingedrungen ist. Er, den man nur als den Schilderer fremder Länder und fremder Völker zu kennen scheint!

Es liegt eine ganze Sammlung seiner „Erzgebirgischen Dorfgeschichten“ vor mir. Als ich sie lesen sollte, hatte ich ungefähr dasselbe Gefühl, welches sehr viele haben werden, wenn man ihnen die „Himmelsgedanken“ desselben Verfassers vorlegt. „Karl May, der Indianergeschichten für die Jugend schreibt, und — — Gedichte!“ So hätte ich auch fast gesagt: „Der Autor von ‚Im Lande des Mahdi‘ u. s. w. und — — erzgebirgische Dorfgeschichten!“ Aber ich las, und wen und was fand ich in diesen Erzählungen? Ganz und genau denselben May, der so viele Jahre später sein erschütterndes „Weihnacht“ und sein tiefsinniges „Am Jenseits“ geschrieben hat. Wer noch nicht an Gott glaubt, der muß hier glauben lernen. Wer an der Gerechtigkeit der Vorsehung zweifelt, dem wird hier das freudigste Vertrauen kommen. Und Niemand und Nichts als nur das Böse geht zu Grunde. Es wird kein einziger Konflikt durch den Mord, den Untergang gelöst. Es wird niemals etwas hier geborgt, was erst in jenem Leben bezahlt werden soll. Die Ewigkeit ist schon hier in der Zeit. Der Richter verbirgt sich nicht geheimnisvoll hinter den Kulissen des Grabes. Er waltet schon auf Erden seines Amtes. Er thut das mit fürchterlicher Strenge, mit fast wörtlicher Wiedervergeltung, aber doch so schonend, so mild, so göttlich lieb mit dem, der ihn um Gnade bittet!

Alle diese Werke sind Spiegel, aus denen uns das Bild nicht nur des Schriftstellers, sondern auch des Menschen Karl May entgegenschaut — — „zum Sprechen ähnlich“. Man braucht nicht zu suchen, nicht nachzudenken, um es zu finden. Es bietet sich freiwillig, ganz von selbst, gleich auf den ersten Blick. Es ist da nichts apogryph, man hat sich nicht in die Geheimnisse der „Reiseerzählungen“ zu versenken -

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versenken. Und man hat auch nicht den verborgenen Philosophemen der „Himmelsgedanken“ nachzuspüren. Denn diese „Him­mels­ge­dan­ken“ sind unendlich tief. Doch davon später!

Wie steht es nun mit allen hier angegeben und auch noch anderen, jetzt unerwähnt gebliebenen Werken? Sie füllen die lange Zeit, über welche jener Sprung nach den Apogryphen hinweg getan worden ist. Man muß und muß sie kennen, wenn man die „Wahrheit über Karl May“ wissen will. Ich fordere jeden einzelnen seiner Tadler oder gar Richter auf, mir zu sagen, ob für ihn diese große Lücke nicht bestehe!

Sie ist da. Sie ist sogar allgemein bekannt. Sogar für den, der von dem Menschen May weiter nichts weiß, als daß er nur und ausschließlich von seinen Honoraren lebt. Denn nur ein unerfahrenes Kind kann der Ansicht sein, daß er sein Leben über zwanzig Jahre lang nur von den bescheidenen Honoraren des „Deutschen Hausschatzes“ gefristet habe. Hat man aber versucht, sie auszufüllen? O nein! Um keinen Preis! Sie war ja eben recht! Sie gab der Phantasie so breiten Spielraum! Man wurde durch nichts wirklich Wahres verhindert, jene Drachenwahrheit zu erfinden, die man dann mit so großem Aufsehen von Vortrag zu Vortrag durch das ganze Rheinland und noch weiter schleppen konnte! Man besaß ja von ihm mehr als genug für die beabsichtigten Zwecke. Nämlich zweierlei. Erstens etwas, was man absolut nicht verstehen konnte: die „Reiseerzählungen“. Und zweitens etwas, was man nicht genau wußte: ob jene alten Manuskripte sittlich rein oder anstößig geschrieben worden seien. Weiter brauchte man nichts. Die moralische Abschlachtung konnte beginnen! — —

Das sind die allgemeinen Züge, welche ich zunächst zu zeichnen hatte. Das Besondere wird zugleich folgen. Vorher aber auch über Karl May noch etwas Allgemeines. Es ist das nötig, weil es den Untergrund zu seinem Bilde giebt.

Nämlich: Was ist er? Litterat? Schriftsteller? Journalist? Dichter? Nichts von alle dem! Er ist ein einfacher, arbeitsamer Landwirt, weiter nichts! Er hat sich ein kleines Ackerland zu eigen gemacht. Wo? In irgend einer der vielen Unendlichkeiten, um welche sich gewöhnliche Menschen nicht zu kümmern pflegen. Es ist ein unbeschreiblich schönes, geistiges Land. Das hat er bebaut — — als Erster und auch Einziger, der das wagte. Nicht etwa ein Klondike, sondern ein Eden! Seine Mühen wurden reich belohnt. Sein Besitz vergrößerte sich von Jahr zu Jahr. Er säete, er pflanzte und er erntete. Nicht für sich aber doch für sich. Denn er meinte, es

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sei das größte Glück des Einzelnen, in der Gesamtheit gänzlich aufzugehen. Wer ihn verstehen will, muß dieses Eden kennen. Wissen seine Gegner, wo es liegt? Nein? So mögen sie ihn doch ruhig säen und ernten lassen — — — für sie thut er das keinesfalls! — — —

Am Schlusse des vorletzten Abschnittes sagte ich: „Aber nehmen wir diese Blätter zur Hand und gehen wir hinaus auf das Feld! Ich ahne, wen und was wir sehen werden.“ Wir haben während der hierauf folgenden Betrachtungen diese Feld erreicht. Es ist so groß und ausgedehnt, daß wir es nicht örtlich, sondern nur zeitlich überblicken können. Es fällt uns eine Warnungstafel auf, welche uns die Worte zu lesen giebt:

„Ehrliche Kritiker sind hochwillkommen! Kritikaster werden nicht beachtet!

Ich finde diese Tafel sehr wohl angebracht. Warum? Das wird sich zeigen, wenn wir den Feind erwischen, welcher das Unkraut unter den Weizen sät. Die Kritik ist die Vorsehung, welche das Unschöne, Unedle, Unreine und Schlechte von Schönen, Edlen, Reinen und Guten zu scheiden hat. Sie muß also von diesem Guten, Reinen und Edlen so vollständig durchdrungen sein, daß sie vor allen Dingen in eigener Person des Gegenteils nicht fähig ist. Sie hat als Vorsehung hoch über alle menschliche Schwäche oder gar Niedrigkeit zu stehen. Es wird schon im gewöhnlichen sozialen Leben verlangt, daß der Richter reinen Herzens sei. Er soll ein reines Gewissen und reine Hände haben. Auch darf er sein Urteil nie nach eigenem Ermessen fällen. Es sind ihm Gesetze vorgeschrieben, nach denen er sich zu richten hat. Thut er das nicht, so wird er selbst strafbar und sinkt durch diese seine eigene Schuld tief unter den Angeklagten herab. Noch mehr gilt das für die höhere, die geistige Welt. Noch mehr ist hier die eigene Makellosigkeit erforderlich. Auch hier darf nicht nach Selbstbelieben Recht gesprochen werden. Es sind die Gesetze der Religion und Humanität, der Kunst und Ethik auf das Strengste vorgeschrieben. In diesem Reiche kann nur derjenige Kritik üben, der sich zur religiösen Duldsamkeit, zur un­par­tei­ischen Nächstenliebe, zur Verachtung alles Häß­li­chen und zur Immunität gegen alles, was der guten

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Sitte widerspricht, emporgeschwungen hat. Er muß beweisen, daß er die strengste Selbstzucht übt, sich unbedingt beherrschen kann. In seinem Alphabete darf sich kein einziger Buchstabe befinden, der gegen die unter gebildeten Männern eingeführten Umgangsformen verstößt. Denn auf diesem Gebiete wird jede Rücksichtslosigkeit zum Armutszeugnis für den, der sie begeht. Und dieses Armutszeugnis haben die Geg­ner Mays sich selbst ausgestellt! Alle, vom er­sten bis zum letzten! Darum ist es für May unmöglich, in Gestalt einer Antwort mit ihnen zu verkehren, und darum ist auch die vorliegende Arbeit nicht für sie geschrieben!

Der Ton, in welchem sie ihre „Wahrheit über Karl May“ vorbringen, ist durch die „Fliegenden Blätter“ weltbekannt geworden. Ein „Sepp“ oder „Naz“ läuft zur Kneipe, reißt die Thür auf und ruft in die von Bierdunst und Tabacksrauch geschwängerte Atmosphäre hinein: „Raufen’s schon?“ Nach solcher Kneipe läßt kein May sich zerren! Und der Inhalt dieser „Wahrheit“ ist diesem Tone vollständig angemessen: Bier­klatsch! Jedes Wort erfunden oder verdreht, kein einziges aber erwiesen! Es widert den nicht an solche Luft Gewöhnten förmlich an, hineinzutreten! Wir thun es dennoch, weil wir als „die Leute des Säemannes“ die Augen offen zu halten haben.

Da sehen wir denn die „Feinde“ sitzen, einen neben dem anderen. Sie haben sich alle Mühe gegeben, Karl May in einem ihm fremden Dunstkreis zu ziehen. Sie haben sein Bild unter die qualmende Lampe dieses Kreises gestellt. Er mußte in diesem falschen Lichte zum Zerrbild werden. Und diese Karikatur wurde von ihnen als sein wahres, ungelogenes Portrait herumgezeigt. Jetzt aber haben wir endlich einmal nun sie vor uns. Wir lassen sie, wo sie sind, in ihrer eigenen Atmosphäre. Sie werden von ihrem eigenen Lichte beleuchtet, nicht von dem unserigen. Wir lassen sie sprechen, ihre eigenen Worte. Wir dichten nicht; wir erfinden nicht; wir lügen nicht; wir bringen nichts Unbewiesenes. Alles was wir thun und sagen, ist authentisch. Kurz und gut:

Wir wollen den Spieß umkehren. Wir wollen abrechnen. Mit wem? Mit der Scheelsucht und dem Neide. Mit der skrupellosen Parteigehässigkeit. Mit der fadenscheinigen Untrüglichkeit. Mit dem fraktionellen Hochmute. Mit der gedankenschwachen Stapfenfolgsamkeit. Und indem wir das thun, bringen wir nichts und nichts als nur die von ihnen selbst unwiderleglich bewiesene

„Wahrheit über die Gegner Karl Mays“.

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Dies meine Bemerkung zu der erwähnten Warnungstafel. Die Erfahrung hat gezeigt, daß diese Warnung wohlberechtigt ist. Inwiefern? Ich werde es gleich zeigen. Wir wollen ja den Feind belauschen, welcher kommt um Unkraut auszusäen.

Seine ersten Versuche hat er mit Hilfe derFrankfurter Zeitungunternommen. Sie brachte regelmäßig zur Weih­nachts­zeit in ihrer Bücherschau eine kurze Warnung vor Mays Werken. Warum gerade zu dieser Zeit? Des Weihnachtsmarktes wegen. Die Bücher Mays waren ja als Christgeschenke vielbegehrt. Kein Verleger verkaufte soviel wie der seinige. Dieser Absatz sollte ihm verdorben werden. Damit begnügte man sich für einstweilen. Man wartete, ob es wirken werde.

Aber es wirkte eben nicht. Jedermann fand, was May gab, untadelhaft. Da griff der Feind zum Unkrautsamen. Die genannte Zeitung schrieb, daß May „in den Index einzutragen“ sei. Wie kam sie zu dieser erstaunlich Aeußerung? Ist sie katholisch? Oder auch nur christlich? Ist sie vielleicht sogar Mitglied der Congregation von Kardinälen, welche über den Index zu bestimmen haben? Lächerlich! Und diese Lächerlichkeit bewirkte, was sie bewirken mußte: einen nur größeren Absatz der von ihr gehaßten Bücher. Gehaßt? Ja, allerdings! Denn nur allein der nackte Haß, der keine Bedenken kennt, kann thun, was dann geschah. Es giebt nur eine einzige Leidenschaft, die sich selbst nicht schont, um einen anderen zu verderben. Das ist der Haß!

Also, der „Index“ hatte sich nicht bewährt. Was nun thun? Die Antwort auf diese Frage ergab sich ganz von selbst. Man machte eine Reise nach dem Oriente, durch welche er fast zwei Jahre von der Heimat ferngehalten wurde. Welch eine Gelegenheit zur erfolgverheißenden That! Sie wurde natürlich sofort ergriffen! Die „Frankfurter Zeitung“ brachte schnell mehrere Artikel gegen May. Ich behandele sie nicht getrennt sondern als Ganzes.

Man nennt May einen Reiseschriftsteller. O wäre es doch zu beweisen, daß er das nicht ist! Daß er gar keine Reisen macht! Wie hätte man das anzufangen? Einfach fol­gen­der­ma­ßen: Es hatte irgend jemand den Namen Karl May in ein Fremdenbuch einzutragen. Punktum! Das genügte vollständig, um ihn moralisch tot zu machen.

Wie gesagt, so geschah es! Und sonderbarerweise war es keine andere Zeitung als gerade die „Frankfurter“, welcher ein un­ge­nann­tes Frauenzimmer aus dem kleinen Jodbade Tölz in Oberbayern die frohe Botschaft sandte, daß sich May dort eingeschrieben

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habe. Die „Frankfurter“ erkundigte sich sofort auf telegraphischem Wege nach der Richtigkeit dieser ihr natürlich bisher vollständig unbekannten Thatsache. May muß also für sie eine wichtige Persönlichkeit sein. Die Antwort der braven Wirtin lautete: „Karl May Fremdenbuch eingetragen, persönlich unbekannt.“ Also der Name stand da wohl, aber den Mann selbst kannte man im Gasthofe nicht! Und wie und wo hatte man ihn eingetragen? Folgendermaßen: Es waren zugereist:

Am 23. Juni Michael Gruber aus München, 

Am 24. Juni Heuß-Bloest aus München,

und zwischen diesen beiden Zeilen stand:

Am 31. März Karl May aus Oberlößnitz.

Bei seinem Namen stand „alias Old Shatterhand“. Und als Stand war angegeben: „allbekannt“. Also im letzten März zugereist, aber erst gegen Ende Juni eingetagen! Dabei ein blamierendes alias! Und dann dieses „allbekannt“, aber nur grad da, wo diese Wort stand, kannte man ihn nicht! Uebrigens wohnt May nicht in Oberlößnitz, sondern in Radebeul in Dresden. Dies mußte die „Frankfurter“ aus dem Schriftstellerlexikon wissen! Mußte und mußte das nicht Fälschung sein? War es für eine gewissenhafte Zeitung möglich, diese offenbare Fälschung, diesen Schwindel als „Wahrheit über Karl May“ zu veröffentlichen? Nun und nimmermehr! Aber die „Frankfurter“ that es doch, und zwar mit solchem Hohne und so spöttisch ausgeschmückt, daß man hinter jedem ihrer Worte ein extra klingendes „Es ist geglückt!“ hören konnte.

Diese Zeitung ist damals, ihrem eigenen Eingeständnis zufolge, mit Briefen entrüsteter Mayleser förmlich überschwemmt worden. Einem derselben, der in der Schweiz wohnt, hat sie geantwortet:

„May hat keine Feinde, sondern nur Kri­tiker.“

Ich frage, gehört es zur Kritik eines Buches, die bürgerliche Reputation des Verfassers mit Hilfe eines Falsifikates zu vernichten? Die Schrift im Fremdenbuch ist dann von dem gerichtlichen Sachverständigen mit der Handschrift Mays verglichen und als Fälschung befunden worden. Die „Frankfurter“ hat also eine Lüge über May als Wahrheit hingestellt. Ich schreibe hier „die Wahrheit über die Frankfurter Zeitung“. Hat sie gewissenhaft oder gewissenlos gehandelt? Wel­ches von diesen beiden Worten soll ich wählen?

Wenn eine Zeitung in dieser Weise die höchsten ethischen Güter auf eine trügerische Karte setzt, so kann sie nur von dem Hasse dazu verleitet -

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verleitet werden. Das habe ich bereits gesagt. Woher und warum dieser Haß?

Ich beantworte diese Frage nicht aus mir selbst. Ich habe gesagt, daß ich nur die eigenen Worte der Feinde bringen werde. Ich lasse dieTremoniasprechen. Man kennt ihren neuesten May feindlichen Artikel. Diese Gegnerin Mays gab der „Frankfurter Zeitung“ folgendes zu hören:

Die Redaktionen sollen die Trohnsäle der ‚Königin Presse‘, die Hochburgen des edlen Journalismus, die Wohnnstätten wahrhaft nobler Gesinnung, die Lehrzimmer vornehmer Schreib- und Handlungsweise sein. Sind sie das, lieber Herr? Diese Frage richtete May einst an einen ihn besuchenden Redakteur.

Die „Tremonia“ zeigt in diesen Zeilen, welch eine hohe Meinung May von der Presse und ihren Pflichten hat. In welcher Weise aber gewisse Redaktionen diese Pflichten erfüllen stellt das genannte Blatt im weiteren Verlaufe des betreffenden Artikels dar. Man liest da:

.... Dieser Aufenthalt in Wien war nur auf einige Tage berechnet, dehnte sich aber auf fünf Wochen aus. Seine Leser hielten ihn dort fest. Man höre hierüber den Redakteur der ‚Frankfurter Zeitung‘, welcher zwar öffentlich in seinen Spalten alle Angaben Mays als Lüge bezeichnet, unter vier Augen aber erzählt: ‚Er war zur Erzherzogin berufen. Es wurde dort ein wahrer Kultus mit diesem Menschen getrieben.‘ Die Folge dieses sogenannten ‚Kultus‘ war, daß die Gegner seiner gläubigen Richtung auf ihn aufmerksam wurden und in ihm einen Mann erkannten, mit dem gar wohl zu rechnen sei. Der Redakteur der ‚Frankfurter Zeitung‘ sagte hierüber sehr aufrichtig, aber wohl ebenso unvorsichtig: ‚Dies gab uns Veranlassung, uns diesen Mann etwas näher anzusehen, und da er sich auf dem Gebiete der Religion bewegt, so beschlossen wir, ihn auszumerzen.‘ Also ausgemerzt sollte May werden; das heißt doch wohl, litterarisch unschädlich gemacht!

Diese noch heute für May wichtige Aufklärung brachte die „Tremonia“. Sie spricht von den Gegnern seiner gläubigen Richtung. Dies haben also erstens in ihn einen Mann erkannt, mit dem gar wohl zu rechnen sei. Und zweitens haben sie beschlossen, ihn auszumerzen. Warum? Weil er sich auf dem Gebiete der Religion bewegt! Ist diese Enthüllung nicht im höchsten Grade interessant? Ich wiederhole, daß es die Enthüllung

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einer „Mayfeindin“ ist, welche erst kürzlich wieder aus der vollen Lunge gegen ihn geeifert hat. May braucht gar nicht zu den Waffen zu greifen. Die Gegner schlagen einander selbst! „Raufen’s schon?!“

Man sagt „Wir“. Man spricht im Plural. Es handelt sich also nicht um eine einzelne Zeitung, um einen einzelnen Redakteur, sondern um eine ganze, wirkliche Koalition gegen May! Man hat sich wegen seiner gläubigen Richtung gegen ihn verbunden. Die Angriffe sind also nicht gegen ihn, sondern gegen seinen Glauben gerichtet. Sind denn die Erfolge dieser seiner Thätigkeit so groß, daß es einer förmlichen Verbrüderung gegen ihn bedarf? Stehen die Felder dieses Säemanns so reich und voll in Aehren, daß seinen Feinden, d. h. den Feinden des Christentums, angst und bange wird? Sie spotten über seine Frömmigkeit. Sie verhöhnen sie und ihn als „widerlich“! Das thun sie aber nur „öffentlich“. Wenn sie „unter sich“ sind, giebt es keine Heimlichkeiten. Da bezeichnen sie ihn als einen Mann, „mit dem man wohl zu rechnen hat“. Und da beschließen sie, was alles zu thun sei, „um ihn auszumerzen“! Und was sie da beschlossen haben, das wird mit schonungsloser Willkür ausgeführt, selbst wenn dabei die eigene Ehre gefährdet werden sollte!

Die politische Richtung, welcher die „Frankfurter angehört, geht mich nichts an, aber die Art und Weise, in der sie gegen May auftritt, offenbart ihre persönlichen Ziele. Wer solche Ziele, solche Zwecke verfolgt, dem müssen die seltenen Erfolge von Mays Werken allerdings die größte Besorgnis einflößen. Man sieht, daß fast die gesamte Jugend Deutschlands für die von ihm gegebenen, sittlich reinen und hohen Ideale schwärmt. Man hört das Alter mit Anerkennung, oft sogar mit Begeisterung von seinen Gestaltungen sprechen. Man fühlt an sich selbst den tiefen Eindruck seiner Bücher, dem nur der Haß zu widerstehen vermag. Man summiert die gaben, welche diese Werke bringen: Kindesliebe, Dankbarkeit, Gehorsam, Pflichttreue, Fleiß, Energie, Ehrlichkeit, Ausdauer, Mildthätigkeit, Menschenfreundlichkeit, Glauben, Achtung vor der Obrigkeit, Nächstenliebe, Warnung vor sozialen und religiösen Irrlehren u. s. w. Man bemerkt in der Ferne und in der eigenen Umgebung, daß die ideale Mays liebgewonnen werden, daß ihnen freudig nachgestrebt wird. Man beobachtet, daß der eigene Einfluß schwindet. Es beginnt eine andere, dem krassen, selbstsüchtigen Materialismus höchst unangenehme Luft zu wehen. Die Leser Mays zählen nicht nur nach Hunderttausenden; es sind Millionen. Und in dieser lernbegierigen Welt ist ein Frühlingshauch erwacht, in dessen

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Wärme alle edlen Knospen springen. Die Volksseele be­ginnt, sich zu regen. Sie reibt sich die Augen. Sie gewahrt die Fesseln. Sie will frei sein, will empor. Es gibt nicht nur eine harte, schmutzige Materie, einen gefühllosen Egoismus, eine knochige Faust, die nach allem schlägt, was ihr nicht Geld und Gut und Vorteil bringt. Es giebt da oben eine Sonne, es giebt eine reine Luft, ein helles, schönes Licht. Es giebt höhere Gedanken und bessere Empfindungen. Hoch über jener Faust schwebt eine liebe, segensreiche Hand, die sich so herzlich offen einem Jeden entgegenstreckt, sei er, wer er sei, Christ, Jude oder heide, schwarz oder weiß, wenn er nur das ist, was von ihm erwartet wird — — ein Mensch! Aber wie ist mir denn? Darf man denn das noch sein — — ein Mensch? Hat man denn nicht irgend einer Konfession oder Fraktion anzugehören, um die Erlaubnis zu erhalten, sich als Mensch fühlen zu dürfen? Wird man denn nicht dadurch ein Mensch, daß man behauptet, andere Menschen seien schlechte Menschen? Du unglückseliger May! In deinem Herzen und in deinen Büchern giebt es keinen Unterschied der Person, keinen Sinn für die beglückenden Parteiinteressen, keinen Vorzug des Einen vor dem Anderen! Du liebst sie alle gleich. Das ginge noch. Aber du lehrst diese Liebe auch deinen Millionen Lesern. Und das, das können wir nicht dulden! Wir sind Partei und lassen uns keinen Einzigen, der zu uns geschworen hat, von dir rauben. Wir glauben nicht an Gott. Wir glauben auch nicht an die Menschen. Wir glauben nur an uns! Wir sind unser eigenes, unser einziges Ideal! Wir streben nur nach uns; wir lieben nur uns, und wir gehorchen nur uns. Was außer uns liegt, hat unbedingt u n s e r e s Sinnes zu werden, sonst wird es geistig, physisch und moralisch abgeschlachtet! Du aber stehst nicht außer uns, sondern wir bemerken an dir noch etwas viel Schlimmeres. Nämlich du zeigst deinen Millionen, daß wir auf verkehrtem Wege sind und daß wir keinen Halt besitzen, denn — — — du ziehst uns ja zu dir hinüber, Einen nach dem Anderen; wir können dir nicht widerstehen! Darum müssen wir dich, wenn wir weiter existieren wollen, angreifen, bekämpfen, vernichten, mit allen Mitteln und um jeden Preis. Darum haben wir beschlossen, dich auszumerzen! Darum haben wir dich soeben in eine Jodbad geschickt. An diesem Jod soll der Schriftsteller May zu Grunde gehen. Er soll erst der Verachtung und dann der Vergessenheit anheimfallen. Und wenn dann der Mensch May, von dem wir freilich ganz genau wis­sen, daß er sich im Orient befindet, von dort wiederkehrt, so soll es keinen einzigen Buchdrucker mehr geben, bei dem er um die Aufnahme eines seine ver —

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— wünschten Manuskripte betteln darf! Wir haben dich dem Index leider ganz vergeblich anempfohlen. Darum wurdest du von uns in Acht und Bann gethan und in contumaciam nach Tölz deportiert. Du bist als Schwindler gebrandmarkt. Nun werden wir dich auch noch als litterarischen Lügner und wissenschaftlichen Idioten an den Pranger stellen. Dann bist du verloren, vollständig verloren, du magst wollen oder nicht! — — —

Man zögerte nicht, diesem Gedankengange Folge zu leisten. Die „Frankfurter Zeitung“ that es unter der UeberschriftKarl May im Urteil der Zeitgenossen“. Sie konnte also den Mund gar nicht voller nehmen. Das Urteil war also von der gesamten, ganzen lebenden Generation gefällt? Oder doch gewiß von einer wenigstens bedeutenden Anzahl berühmter, kompetenter Männer, welche am Webstuhle der Zeit hervorragend mitarbeiten und ihr ihr Inhalt und Richtung geben? Man höre, wer es war, und lache nicht! Ein Berliner Schriftsteller in Lausanne, ein Sachse im Rheinlande, ein Texaner im Hunsrück und ein Zeitungsleser aus Karlsruhe! Welchen Standes waren diese Koryphäen, und wie hießen sie? Das sagte die „Frankfurter“ nicht. Befürchtete sie vielleicht, sich zu blamieren? Die Namen mochte sie verschweigen, aber den Stand mußte sie angeben. Daß sie den des Berliners nicht auch verschwiegen hat, war undiplomatisch. Es hat aus ihm nichts, als nur der Schriftstellerneid gesprochen. Eigentümlich ist es auch, daß von diesen einzigen „Zeugen gegen May“ keiner zuhause lebte. Denn auch der Zeitungsleser war nicht „in“, sondern „aus“ Karlruhe. Doch will ich hieraus keine für die „Frankfurter“ ungünstigen Schlüsse ziehen. Was aber wurde von diesen namenlosen Gestalten vorgebracht? Wer im Namen der ganzen Mitwelt gegen einen Karl May in die Schranken tritt, muß doch wohl gewappnet und ihm geistig wenigstens ebenbürtig sein, womöglich ihn hoch überragen! Vage und gar unbewiesene Lappalien hat er unbedingt zu vermeiden! Hören wir!

Der „Berliner in Lausanne“ sagt nichts, als daß er der Ansicht sei, Karl May habe niemals fremde Länder gesehen. Dieser arme Teufel liegt im Sande, noch ehe wir mit ihm beginnen. Lassen wir ihn liegen, und die „Frankfurter“ neben ihm!

Der „Zeitungsleser aus Karlsruhe“ zählt die Kenntnisse des „Freundes der Haddedihn“ auf und ironisiert über sie. Weiter nichts! Er hat Karl May mit ganz bedauerlich blöden Augen gelesen, denn er weiß nicht, wer dieser „Freund“ eigentlich ist, hat also auch kein Urteil über ihn. Wir werfen ihn zu der „Frankfurter“ und ihren ersten „Kronzeugen“ in den Sand!

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Der „Sachse im Rheinlande“ ist gesprächiger. Er hat sogar eine unvorsichtig lockere Zunge! Er behauptet erstens, May habe „Karl Stülpner, der kühne Wildschütz“, ein tolles Machwerk, geschrieben. Das ist einfach eine Lüge! Diese Erzählung hat existiert, noch ehe May geboren war! Ich halte es für leichtsinnig, wo nicht boshaft, so etwas ohne alle Prüfung aufzunehmen! Hierauf aber werden Scenen aus dem Leben dieses Wildschützes in der Weise angedeutet, asl ob sie Vorkommnisse aus Mays eigenem Leben seien. Hiergegen würde der Strafrichter die größte Strenge, das Gefängnis in Anwendung bringen. Ist das Buchkritik oder eine Anweisung auf die Anklagebank? Man sieht, was der bedenkenlose Haß vermag, wenn er sich einmal vorgenommen hat, jemand „auszumerzen“. Sodann wird die Behauptung aufgestellt, May habe „die Tochter eines Handwerkers“ geheiratet. Ich un­ter­strei­che das ganz besonders, weil es eine höchst zutreffende Selbstkritik der „Frankfurter“ enthält, denn ich zeige die Feinde ja nicht in meinem, sondern in ihrem eigenen Lichte. Auch diese Behauptung ist eine Lüge! Der „Frankfurter“ ist nicht einmal die Ehe heilig! Man sieht, welche Mittel ihr geläufig sind! Wer einer so (???) Waffe fähig ist, dem kann, soweit die Erde reicht, ja nichts mehr heilig sein! Und dabei hat sie die Stirn, nach der Schweiz zu schreiben, daß May „keine Feinde, sondern nur Kritiker“ habe! Aber die Hauptsache ist folgendes: Die „Frankfurter“ ist bekanntlich Demokratin. Sie liebäugelt mit dem „Volke“. Sie gebärdet sich als Anwaltin des „Arbeiterstandes“. Sie giebt vor, den „Bürger“ zu schützen und zu ehren. Sie vertritt die geistigen und materiellen Interessen des „Handwerkers“. Ist das Wahrheit oder Maske? Sie beantwortet diese Gewissensfrage selbst. Der Haß gegen May hat sie verleitet, die Maske abzunehmen und zu zeigen, was und wie sie über diese Stände denkt. Sie teilt, um ihn auszumerzen, mit, daß er die Tochter eines Handwerkers geheiratet habe. Sie bezeichnet es also als eine Schande, eine Handwerkstochter zur Frau zu nehmen! Das Handwerk steht in ihren Augen unter dem Niveau der bürgerlichen Ehre! „Er hat die Tochter eines Handwerkers geheiratet“ klingt unter den gegebenen Umständen genau so, wie zum Beispiel vor 100 Jahren der Vorwurf geklungen hätte: „Er hat die Tochter eines Scharfrichters, eines Kavillers geheiratet.“ Weiß nun der Bürger, der Handwerker, der Arbeiter, was er von seiner „Demokratin“ zu halten hat? Es ist nicht nötig, weitere Worte zu machen. Sie liegt zum drittenmal im Sande, von ihrem eigenen Licht grell beleuchtet.

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Ich muß mich zwingen, mich nicht abzuwenden, denn es kommt ja noch ein vierter „Zeuge“!

Das ist der „Texaner im Hunsrück“. Man staune, was diese vierte Kapazität zu sagen hat! Er behauptet, daß Karl May nicht in Amerika gewesen sein könne, und beweist das folgendermaßen: „May hat angeblich Distanzen zu Pferde zurückgelegt, wozu heute der Southern Pacific Expreß beinahe ebenso lange braucht.“ Stimmt das? Nein! Orte werden nicht genannt. Der „Texaner auf dem Hunsrück“ scheint den Rücken des Hunnen besser zu kennen als Texas. Warum verschweigt er die Orte? Warum nur Behauptungen, aber keine Beweise? Machen ihn vielleicht die vielen gleichlautenden Namen da drüben irre. Wenn die Bahn einen Bogen schlägt und der Train wiederholt zu halten hat, ist es oftmals leicht, eine Station noch vor der Ankunft des Zuges zu erreichen. Das scheint dem texanischen Hunsrücker unbekannt zu sein. Übrigens ist er in Beziehung auf die Geographie von Texas vollständig Analphabet, und es kommt ihm nur darauf an, May bloßzustellen. Der Beweis liegt in dem weiteren Vorwurf: Ferner hat er im südlichen Texas Flüsse per Dampfer befahren (wenn ich nicht irre, war es der Colorado), auf welchen überhaupt nie ein Dampfer verkehrt hat.“ — — Welch eine Unwissenheit. Erstens giebt er zu, nicht gewiß zu wissen, welche Flüsse May gemeint hat. Ja wie kommt er dann dazu, trotz dieser Unwissenheit zu urteilen? Jedenfalls sind ihm die Orte seiner vorhergehenden Behauptung ebenso ungewiß gewesen; da hat er sie lieber gar nicht genannt! Ferner handelt es sich hier nicht um „Flüsse“, sondern nur um einen einzigen „Fluß“. Und die „Frankfurter“ scheut sich nicht, sich eines solchen Ignoranten gegen May zu bedienen! Ich weiß, sie kann die geographischen Kenntnisse und Anschauungen Karl Mays nicht besitzen. Aber muß sie darum ebenso unwissend oder noch unwissender als dieser arme „Hunne“ sein? Und wenn sie das war und heute noch ist, hatte sie keine Nachschlagebuch? War es nicht ihre Pflicht, ein Lexikon in die Hand zu nehmen? Zu ihrer eigenen Sicherheit, um nicht sich selbst bloßzustellen? Da sagt zunächst Brockhaus: „Texas zählt viele, zum Theil sehr ansehnliche, schiffbare Flüsse.“ Und da der „Zeuge“ den Colorado nennt, so war es ja leicht, die Wahrheit zu finden. Oder besitzt die „Frankfurter“ nicht einmal ein Lexikon? Sie braucht wohl keins, weil sie grundsätzlich nur behauptet, aber nie beweist? Brockhaus, Meyer, Spamer und andere sagen doch mit größter Deutlichkeit, daß der Colorado sogar für Dampfer 320 Kilometer weit schiffbar sei, bei Hochwasser noch 90 Kilometer weiter. Die von

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ihnen erwähnte Rast oder Barre hat May noch ganz besonders beschrieben und betont! Und bei einer solchen Unwissenheit greift man zur geographischen Lanze gegen May! Was ist der Erfolg? „Die Frankfurter“ fliegt zum vierten Mal in den Sand, in welchen ihr alle ihren berühmten vier „Zeitgenossen“ Gesellschaft leisten!

Was muß diese Demokratie im Sande doch von der Intelligenz ihrer Leser denken, wenn sie ihnen solchen Unsinn bietet! Hat sie denn nicht bedacht, daß ihre Unverfrorenheit eine Beleidigung für jeden ihrer Abonnenten ist? Oder hat sie nur aus Haß gegen May auch hierauf keine Rücksicht genommen? Es kann ja gar nicht anders sein! Ich will nicht selbst urteilen. Ich lasse die „Tremonia“ sprechen, mit welcher vereint sie neulich wieder über May zu Gericht gesessen hat. Was diese ihre Kampfgenossin sagt, muß doch die Wahrheit sein! Das heißt denn folgendermaßen:

„Es ist eine geradezu phänomenale Drei­stigkeit, mit welcher die „Frankfurter Zeitung“ May Lügen straft! Wie reißt sie ihn in ihrem „Karl May im Urteil der Zeitgenossen“ herunter, ohne sich nur die allergeringste Mühe, die Wahrheit festzustellen, gegeben zu haben! Sie selbst eine Feindin der Wahrheit, wagt es, Karl May eine Lüge nach der anderen ins Gesicht zu schleudern! — Was bildet sich denn der Redakteur ein? Er läßt einen ungenannten Hunsrücker, einen Sachsen am Rhein, auch ungenannt, einen Berliner in der Schweiz und einen Leser aus Karlsruhe, auch namenlos, ihren Geifer ausspucken, giebt sich dann seinen eigenen, unbewiesenen Behauptungen zu ihren Wildschützen und unschiffbaren Flüssen, und — man höre und staune — die Summe diese Blödsinnes und seiner böswilligen Behauptungen bezeichnet er, der geistige Riese, als „das Urteil der Zeitgenossen“! Es ist ein wahres Glück, daß es außer diesen fünf Koryphäen in Deutschland noch ein halbes hundert Millionen an­de­rer „Zeitgenossen“ giebt!“

Das ist wohl deutlich genug gesprochen! Aber die „Tremonia“ fährt, sich direkt an den Redakteur der „Frankfurter Zeitung“ wendend, fort:

„Was“ hat May Ihnen denn eigentlich gethan? „Nichts!“ Mit welchem Recht maßen Sie sich ein Urteil über ihn an? Sind Sie etwa gescheiter, weiser, besser als er? Nein! Tausendmal nein! Ich glaube es nicht! Oder etwa, weil Sie Redakteur Ihrer Zeitung sind? Hören Sie, darauf bilden Sich sich ja nicht ein! Eine Zeitung, deren sämtliche „Zeitgenossen“ aus einem Hunsrücker, einem Berliner, einem Karlsruher und Ihnen selbst

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bestehen, die hat kein Urteil über May und merzt ihn auch nicht aus! Aus was soll er denn eigentlich „gemerzt“ werden? Aus Ihrer Zeitung? Die braucht er nicht und hat sie nie gebraucht! Aus der Schriftstellerei? Er will ja gar kein Schriftsteller sein, nicht einmal ein Journalist wie Sie! — Sie hassen einen Mann, der Ihnen nie etwas gethan hat, weil Ihre atheistische Richtung die zu Gott führende Wirkung seiner Werke fürchtet. Darum soll er unmöglich gemacht werden, um jeden Preis, selbst um den der Wahrheit und der eigenen Ehre! In dieser Weise wird von Ihnen ohne alles Bedenken die Ehre Ihrer Mitmenschen umgebracht! Darf so ein Mann die hochverantwortliche Stellung eines Redakteurs bekleiden? — — Wie war das, was May von den Redaktionen sagte? Wissen sie es noch? Ist die Ihrige ein Thronsaale der Königin Presse? Eine Hochburg des edlen Journalismus? Eine Wohnstätte wahrhaft nobler Gesinnung? Ein Lehrzimmer vornehmer Schreib- und Handlungsweise??? Und was Ihre Ehre betrifft, so frage ich Sie: Ist es ehrenhaft, die Person eines Schriftstellers seiner Werke wegen abzuwürgen? Ist es ehrenhaft, alles, was er unbefangen und wahrheitsgetreu von seinem Heim, seinem Privatleben, seinen Besuchen, seinen Korrespondenzen erzählt, an den Pranger zu nageln, ohne vorher auch nur einen einzigen Blick in dieses Heim gethan zu haben? Ist es ehrenhaft, die Ehe eines Autors mit in die Kritik zu ziehen und ihn dadurch in den Augen seiner Leser heruntersetzen zu wollen, daß man sich der Veröffentlichung bedient, er habe eine Handwerkerstochter geheiratet? Ist es ehrenhaft, mit giftigen Spionenblicken dem Privatleben und privaten Handeln eines Menschen nur deshalb nachzuspüren, weil man beschlossen hat, ihn als Schriftsteller zum abstoßenden Kadaver zu machen? Ist es ehrenhaft, ihn dadurch als Lügner hinzustellen, daß man selbst die Unwahrheit spricht? Ist es ehrenhaft, eine so kennt­nis­rei­chen Geographen (denn daß May das ist, werden selbst seine Feinde zugeben) mit Hilfe von Schuljungenirrtümern ungenannter Personen als Schwindler öffentlich hin­zu­stel­len? Ist es ehrenhaft, sobald sich irgendwo nur ein Stäub­lein gegen ihn zeigt, mit wahrhaft heißhungriger Wollust darüber herzufallen und, ohne zu prüfen, diese Stäublein zu einer mit Unwahrheiten gefüllten Bombe aufzublasen, die man dann öffentlich platzen läßt? Ist es ehrenhaft,… Doch wozu noch mehr solcher Fragen; es genügt ja eine einzige voll­ständig!“

So, ganz wörtlich, in dieser Weise, hat die Mayfeindin „Tremonia“ zur Mayfeindin „Frankfurter Zeitung“ gesprochen! Man

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sieht, ich halte Wort: Ich zeige die Maygegner nicht in meinem, sondern in ihrem eignen Lichte! Selbst der begeistertste Leser Karl Mays könnte der „Frankfurter“ nicht besser und nicht deutlicher sagen, was sie ist und wie sie handelt! Diese siebenmal wiederholte Frage nach ihrer Ehrenhaftigkeit spricht ganze Bände. Und nun kommt die höchst wichtige Frage und die noch wichtigere Antwort darauf: Was hat sie gethan? Der „Tremonia“ geantwortet? Eine Entgegnung gebracht? Eine Beleidigungsklage angestrengt? Nichts von alle dem! Die sieben Fragen nach ihrer Ehrenhaftigkeit sitzen ihr noch heute im Nacken. Das ist schlimm, sehr schlimm für sie! Sie hat in ihrem blinden Haß gegen May ihre Glaubwürdigkeit und noch weit mehr auf das Spiel gesetzt und das Spiel verloren.

Ihr Angriff richtet sich auch gegen einen Artikel, den Karl May unter dem Titel „Leiden und Freuden eines Vielgelesenen“ für den „Deutschen Hausschatz“ geschrieben hatte. Der Verleger dieses Journals hatte ihn wiederholt darum ersucht, und May hatte ihn nur halb gezwungen geschrieben, um die vielen Anfragen seiner Leser zu befriedigen. Er hatte diesen Artikel ganz so unbefangen geschrieben, wie die „Tremonia“ es oben nach ihrer zweiten Ehrenfrage schildert. Die „Frankfurter“ aber machte mit ihren bekannten „wahrheitstreuen“ Pinselstrichen aus dieser Unbefangenheit ein häßliches, abstoßendes Bild der lügenhaftesten Prahlsucht und Großsprecherei. Sie stellte alle Angaben Mays einfach als Schwindeleien hin. Er bekommt von seinen Lesern Tausende von Zuschriften und hatte aus einigen dieser Briefe kurze Stellen angezogen. Es waren nur acht. Aber grad diese wenigen, kurzen Beweise über die Wirkung seiner Bücher sind es gewesen, welche den Grimm der „ungläubigen“ Feindin zum vollständig aussichtslosen Angriff trieben. Sie hat dies durch die Art und Weise, in welcher sie über die Briefe sprach, bewiesen. Niemand ahnt, wieviele grad derartige Sendungen ihm zugehen. Sie sind die besten, unumstößlichen Zeugnisse f ü r seine Werke und gegen die Machinationen seiner Feinde. Was ist es, was diese Feinde so gegen ihn erbittert? Was ist es, was sie zerstören wollen, indem sie sich bemühen, ihn „auszumerzen“? In den Briefen, die er bekommt, ist die Antwort auf diese beiden Fragen zu lesen. Ich habe gesagt, daß wir die Augen offen zu halten haben, wenn der Feind kommt, um Unkraut zwischen den Weizen zu säen. Das Unkraut haben wir jetzt, wenigstens bei dem einen Feinde, kennen gelernt. Nun will ich eine kleine Probe des Weizens zeigen, damit man unterscheiden lerne zwischen dem guten Samen des so

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angefeindeten Säemannes und den schädlichen Körnern derer, die ihn um seiner Früchte willen hassen und verfolgen.

Ich veröffentliche darum eine kleine Anzahl jener Leserbriefe, die ihn gegen alls Angriffe unempfindlich machen. Ich mute niemand zu, jeden einzelnen zu lesen. Wer unbefangen sucht, der findet gleich beim ersten Blick. Sollte irgend jemand wieder von Prahlerei sprechen, so mag er es immerhin thun. Ich habe nichts dagegen und May wohl noch viel weniger! Es handelt sich hier nicht um Reklamebriefe. May bedarf der Reklame nicht. Seine Gegner besorgen sie ihm aufs allerbeste. Man soll die Früchte beider, der Angreifer und des Angegriffenen, kennen lernen. Das beabsichtige ich; weiter nichts!

Wer die wirkliche „Wahrheit über Karl May“ wissen will, der wird sie in diesen Briefen finden. In den Blättern seiner Feinde steht sie nicht. Wer aber „die Wahrheit über die Gegner Karl Mays“ kennen lernen will, der muß diese ihre Blätter lesen. Wir haben ja gesehen und gehört, in welcher Weise sie selbst einander die Wahrheit sagen. Sie sprechen da so kräftig, so deutlich und so überzeugend, und sie stellen sich da selbst so in das eigene Licht, daß man kein Wort hinzuzufügen braucht.

Zum Schlusse noch ein Unikum! Die von der „Tremonia“ in ihrer Ehre so unheilbar Verwundete brachte kürzlich wieder einen Artikel gegen Karl May. Woher hatte sie ihn? Man denke: Von der „Tremonia“ abgeschrieben! Ist so etwas nur möglich?! Die „Tremonia“ fragt den Redakteur der „Frankfurter“ in das Angesicht: „Darf so ein Mann wie Sie die hochverantwortlich Stelle eines Redakteurs bekleiden?! Und dieser Redakteur, was thut er? Jeder andere hätte den Beleidiger gefordert! Er aber druckt, als ob nichts vorgekommen wäre, so ganz behaglich einen „Tremonia“-Artikel nach! Ist das zu glauben? Eigentlich nicht. Aber dieser Artikel war ja gegen May gerichtet! Merkt man etwas? „Raufen’s schon?“ In der Schnapskneipe schlägt schlägt man sich erst blutrünstig, und hierauf trinkt man Brüderschaft. Das ist

„Die Wahrheit über die Feinde Karl Mays!“

Diese siebenmal nach ihrer Ehrenhaftigkeit gefragte „Frankfurterkriegt in den Vorratskorb dessen, der sie bis zum „zz“ beleidigt hat! Sie weiß, dort giebt es einen Artikel gegen May. Sie druckt in ab und fügt eine Einleitung und eine Schlußbemerkung hinzu. Aber jetzt kommt das geradezu Unerhörte! Nämlich in dieser Einleitung zum „Tre­mo­nia“-Artikel rühmt sie sich

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gewaltig jenes „Karl May im Urteile der Zeitgenossen“, wegen dessen sie grad von der „Tremonia“ als ehrlose Lügnerin bezeichnet worden ist. Hierbei wirft sie May vor, „mäuschenstill gewesen zu sein. Das ist denn doch selbst mir zu stark! May war im Orient und konnte ihr nicht antworten. Er brauchte es auch nicht zu thun, denn die „Tremonia“ hatte ja das Wort für ihn ergriffen, und ich meine, kräftig genug! Aber die „Frankfurter“ war nicht im Oriente, als sie von der „Tremonia“ jene fürchterlichen, moralischen Prügel bekam, und ist dennoch ganz — ganz — ganz — mäuschenstill“ gewesen. Man sieht: Sie stellt sich wieder selbst ins eigene Licht! Was wir da sehen, ist zwar unerhört, aber ist

„Die Wahrheit über die Gegner Karl Mays!“

Es war — — — Sumpf, durch den ich jetzt zu waten hatte. Mir ist dabei übel geworden. Ich könnte über diese neueste Leistung der „Frankfurter“ zwar noch einige ihrer „eigenen Lichter“ werfen, doch ich muß heraus aus dieser Atmosphäre. Aber sie, nun, sie mag — — — darin stecken bleiben! — — —

Karl Mays Reiseromane erscheinen jetzt in billiger Ausgabe im Verlage von F. E. Fehsenfeld, Freiburg i. Br. Wir haben seit Jahren diese eigenartigen Schöpfungen mit wirklichem Vergnügen verfolgt und verstehen sehr wohl das lebhafte Interesse, welches sie in sehr weiten Kreisen gefunden haben. Mays Werke stehen turmhoch über den gewöhnlichen Skalp-, Büffel- und sonstigen Jägererzählungen. Lebhafte Phantasie und gefällige Darstellung vereinigen sich hier mit einer vielseitigen Bildung, und den Hintergrund bildet eine ernste Lebensauffassung und gründliche Kenntnisse der geographischen und ethnographischen Details. Alles für die Jugend Anstößige ist sorgfältig vermieden, obgleich Mays Werke nicht etwa bloß für diese bestimmt sind; viele tausend Erwachsene haben aus diesen bunten Bildern schon Erholung und Belehrung im reichsten Maße geschöpft!

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So schrieb die „Kölnische Volkszeitung“, und sie hat damit

„Die Wahrheit über Karl May“

gesagt. Sie ist davon vollständig überzeugt gewesen, und ich habe Grund, diesen Umstand hier ganz besonders zu bestätigen.

Wann schrieb sie das? Als sie noch in Ge­schäfts­ver­bin­dung mit ihm stand! Auch diesen Umstand hebe ich mit Nachdruck hervor. Geschäftsverbindung? Ja, gewiß! Aber es hat mit dieser Verbindung eine ganz eigenartige Bewandtnis. Wenn es erlaubt ist, eine Geschäftsverbindung mit der Ehe zu vergleichen, so ist die „Kölnische Volkszeitung“ jetzt Witwe. Aber man denke ja nicht, daß der Mann gestorben sei! Er befindet sich noch am Leben und freut sich herzlich darüber, daß sie dennoch das ihr gar nicht zustehende Witwengeld in Anspruch nimmt. Warum freut er sich darüber? Davon später!

Diese ganz eigenartige Ehe wurde durch „Wü­sten­räu­ber“ geschlossen. Aber man braucht nicht zu erschrecken. „Die Wüstenräuber“ sind nur der blutrünstige Titel, den die „Kölnische Volkszeitung“ seiner Reiseerzählung „Die Gum“ gegeben hat! Auch hiervon später!

Als die „Kölnische Volkszeitung“ diese Erzählung acceptierte, fragte May, welches Honorar sie zahlen werde. Sie antwortete, er möge das doch ihr überlassen. Eine noble Zeitung zahle doch auch nobel, und man werde die Erzählung nach ihrem Erscheinen in der „Volkszeitung“ auch in „Bachems Romansammlung“ aufnehmen. May schenkte der „Noblesse“ Glauben, gab die Erzählung zum Abdrucke her und that dasselbe auch noch mit einer zweiten. Nach langem, langem Zögern, sogar wiederholtem Mahnen, erhielt er das Honorar. Wie hoch war es?

Es betrug genau den zehnten Teil des Honorars, daß ihm z. B. sein Verleger Fehsenfeld für bereits anderweit veröffentlichte Sachen zahlt! May geriet in die größte Verlegenheit. Er befindet sich leider nicht im Besitze eines sicheren „Juliusturmes“ nebst den dazu gehörigen Schildwachen. Wohin mit diesen kolossalen Unsummen?! Es gab nur ein einziges Mittel, diese schweren Sorgen von sich abzuwenden: Er schrieb nach Köln, daß er dem Verleger der „Kölnischen Volkszeitung das Recht, seine Erzählungen weiter zu drucken, hiermit entziehe!

Man ersieht hieraus: May hat die oben erwähnte „Wü­sten­räu­ber­ehe“ gelöst. Aber dieWüstenräuberselbst? Ich will einmal aus der Schule schwatzen: Karl May ist im letzten

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November persönlich in Köln gewesen, auch in der Mar­zel­len­stra­ße, wo die „Kölnische Volkszeitung“ täglich neu geboren wird. Dort hat er die „Wüstenräuber“ gesehen, und — — die hat er sich gekauft!!! Will jemand sie sehen? Sie stehen kaum hundert Schritte vom heiligen Do­me am Fenster und laden jeden Vorübergehenden ein, von ihnen zu erfahren, was die Wü­sten­räu­ber“ von Karl May berichten!!!

Die Erzählungen dieses Verfassers scheinen den Besitzern der „Kölnischen Volkszeitung“ außerordentlich lieb geworden zu sein, denn sie haben sich nicht von ihnen trennen können. Man druckt und verkauft sie ohne Bedenken weiter, obgleich Karl May damals, als er ihnen das Verbot zugehen ließ, sie in die Bän­de aufgenommen hat, welche die „Kölnische Volkszeitung“ als „Münchhausiaden“ bezeichnet. Es ist also zu konstatieren, daß die Herren von der „Kölnischen Volkszeitungselbst Münch­hausiaden verbreiten, indem sie sich gegen alles Recht und jede Billigkeit mit „Karl May“ be­schäf­ti­gen! Das ist:

„Der Wahrheit über Karl Mays Gegner“

zweiter Teil, nämlich:

„Die Wahrheit über die Kölnische Volkszeitung“!

Was wird wohl der „Kritiker“ einer Zeitung von einem Litteraten denken, welcher darauf eingeht, dem Besitzer dieser Zeitung gute, brauchbare Beiträge zu liefern, und zwar für den zehnten Teil des ihm geläufigen Honorares? Ich bin überzeugt, er wird seine Recension mit den Worten beginnen: „Diese ganz eigenartigen Schöpfungen stehen turmhoch e. t. c.“ Und er wird sie mit den Worten schließen: „Schon viele Tausende haben im reichsten Maße Erholung und Belehrung aus ihnen geschöpft!“

Wenn aber diese „zehnte Teil“ dem Autor gegen alle Erwartungen zu wenig ist? Wenn er den weiteren Druck verbietet? Wie wird dann die Kritik lauten?

Genau wie vorher, wenn der Kritiker ein Ehrenmann ist. Er hat an seiner Empfehlung jenes Schriftstellers selbst gegen etwaige Feinde desselben festzuhalten! Er hat die in seiner Kritik ausgesprochene Ueberzeugung gegen sie zu verteidigen. Denn weicht er auch nur ein Jota von seiner wohlbegründeten Meinung ab, so ist es um seine eigene Ehre geschehen. Man wird sagen, daß „jenes Zehntel“ sein geistiger und moralischer Maßstab sei!

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Sehen wir, wie die „Kölnische Volkszeitung“ sich in dieser Beziehung benommen hat! Hat ihre Ehre sich berwährt? Ich urteile nicht. Ich lasse sie selbst sprechen!

Einige Zeit nach jenen berüchtigten Artikel, wegen deren die „Frankfurter Zeitung“ von der „Tremonia“ moralisch geohrfeigt wurde, ergriff endlich auch die „Kölnische Volkszeitung“ in dieser Angelegenheit das Wort. Sie hatte über zwei Wochen gewartet. Warum so lange? Wenn man weiß, daß man das eigentlich nicht darf, was man eigentlich will, so ist Vorsicht wohl geboten. Und die Vorsicht erfordert immer Zeit zum Ueberlegen! Das Resultat dieser Ueberlegung war ein Artikel mit der Ueberschrift „Ein ergötzlicher Streit“.

Was also hat der gar nicht zu definierende Angriff der „Frankfurter“ gegen den „turmhoch“ stehenden Mit­ar­bei­ter der „Kölnischen Vokszeitung“ für eine Wirkung auf die letztere hervorgebracht? Ergötzlich ist er ihr gewesen! Sie fügt zwar diesem Titel bei: „mit ernsten Hintergrund“. Aber der Ernst desselben liegt doch wohl im Angriffe gegen May. Der Hintergrund liegt dem Beschauer fern. Das Ergötzen ist also nur bei der „Kölnischen Volkszeitung“ zu suchen. Ihre Ausdrucksweise, „ihr Stil hat sie verraten. Die christliche katholischeste Zeitung des ganzen deutschen Reiches giebt offen zu, daß ihr die Abschlachtung ihres einstigen, für sie turmhoch stehenden Mitarbeiters ergötzlich gewesen sei! Nichts weiter als eine Variétéscene für das Blatt, von denen man behauptet, daß es die „journalistische Personifikation des ganzen deutschen Katholizismus“ sei! Was sagt der letztere dazu?

Wenn uns schon die Ueberschrift in das Varieté oder Tingel-Tangel verweist, wie lustig mag da das ihr folgende sein! Stände ich auf dem Varieté-Standpunkt, den die „Kölnische Volkszeitung“ nach ihrem eigenen Geständnisse in dieser Angelegenheit einnimmt, so würde ich den Lesern dieser Zeilen wohl viel zu lachen geben. Aber ich bin ein Christ, und folglich ist es mir durchaus unmöglich, sie ergötzlich zu finden! Ich werde also das, was die Angeheiterte vorbringt, mit demjenigen Ernste betrachtet, den sie verloren hat!

Sie macht sich zunächst über den gewissen „Er“ lustig, von dem schon die „Frankfurter“ nicht wußte, wer er eigentlich ist. Auch sie hat also nie ein Wort von May verstanden. Die Impotenz mag lachen! Es sei ihr gegönnt! Sodann erklärt sie, daß „in sittlicher Beziehung nichts gegen May ein­zu­wen­den sei.“ Ich quittiere ihr einstweilen! Sie fügt hinzu: „Gesunde Jungen mögen meinetwegen -

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meinetwegen hier und da ein paar Stunden drin lesen.“ Ich konstatiere, daß es May nicht eingefallen ist, seine Werke für „kranke Jungens“ zu schreiben.

Nach weiterem, worauf ich dann zurückkommen werde, wird ganz aufrichtig eingestanden:

„Wir können uns nicht helfen: uns ist der Mann zu fromm!“ Natürlich! May ist zwar nicht die „Personifikation der deutschen Katholiken“, aber öffentlich einen Schriftsteller zum Gelächter machen und dabei seine Werke ohne seine Erlaubnis drucken und verkaufen, dazu ist seine Frömmigkeit allerdings zu wenig Lüge!

Warum hat die „Kölnische Volkszeitung“ denn in ihrer von mir angeführten Kritik von allen seinen sonstigen Vorzügen gesprochen, aber nur nicht von dieser Frömmigkeit? Damals, als sie ihm das „nobel“ sein sollende „Zehntel“ berechnete, war er ihr wohl nicht zu fromm? Gleich hierauf folgt eine Lüge, die ich nicht anders als „frech“ bezeichnen kann. Sie ist das sogar im höchsten Grade! Nämlich ein an May habe sich das „zustimmend bescheinigen lassen“. Sie giebt diese Worte also für bestellte Ware aus. Ich habe für sie hier nicht als nur das eine Wort : „Pfui!“ Auch diese Verdächtigung ist mit ein Grund, daß ich eine Anzahl von Briefen hinten angeschlossen habe. Sie beweisen, das May es in Beziehung auf solche Zeugnisse nicht nötig hat, auf den mitleiderregenden Standpunkt der „Kölnischen Volkszeitung herabzusinken! Ich muß sagen, daß grad der Schreiber dieser von ihr verleumdeten Worte May richtig gelesen und recht verstanden hat. Er ist Regierungsrat. Man lese Brief Nr. 2, um zu sehen, daß May noch ganz bescheiden citiert hat. Wenn die „Kölnische Volkszeitung“ nur einen kleinen Teil der Intelligenz eines solchen Lesers besäße, würde sie sich heut nicht in der traurigen Lage befinden, Dinge ruhig anhören zu müssen, welche jedem „gesunden Jungen“ die Röte in die Wangen triebe!

Diese wunderbar christliche Zeitung höhnt über May, wenn er neun Worte aus tausenden von Briefen bringt. Das darf er nicht! Das ist Prahlerei. Sie aber darf spaltenlange Schandartikel über ihn schreiben! Sie darf ihren Redakteur von Stadt zu Stadt senden, damit er Vorträge gegen May halte! Und was für welche! Ist sie

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es denn allein, welcher Menschenrechte gegeben worden sind? Darf niemand, den sie mit Füßen tritt, auch nur die Lippen öffnen? Weiß sie denn gar nicht, daß sie mit ihren Angriffen gegen einen Unschuldigen das Christentum vollständig verlassen hat? Daß sie der Humanität mit beiden Fäusten ins Gesicht schlägt? Daß sie sich ganz so beträgt, als ob sie wohl zu den Botokuden oder den Papuas, nicht aber nach Köln am Rhein gehöre?

Im weiteren Verlaufe ihres Artikels finde ich eine Bemerkung, welche ich hier anzunageln habe. Der Nagel ist notwendig. Warum, wird sich zeigen. Sie sagt nämlich: „Herrn May mit dem Pariser Schwindler Taxil auf eine Stufe zu stellen, fällt uns nicht ein.[“] Und am Schlusse erlaubt sie sich, Karl Mays Stil zu bekritteln. Ich habe schon vorhin gezeigt, daß sie sich durch ihren Stil bloßgestellt hat. Aber ich will noch eine interessante Kritik beifügen. Kürzlich war nämlich zu lesen: „Wenn die Kölnische Volks­zei­tung für diese ihre Stilleistung mit sechs Wo­chen Gefängnis bestraft worden wäre, so müßte man diese Strafe gewiß als sehr gelinde be­zeich­nen![“] Wo hat das gestanden? Im Kladderadatsch. Wer mit seinem eigenen Stile aus der „Personifizierung des deutschen Katholizismus“ bis so weit hinüber nach den Kladderadatsch entgleist, der sollte sich doch hüten, das Allereinzige, was er besitzt, den Kladderadatschstil als Muster hinzustellen! — —

Das war eine flüchtige Durchsicht des Artikels über den „ergötzlichen Streit“. Wenn ich ihn nun mit der früheren, May wohlwollenden Recension vergleiche, so höre ich hinter jeder Zeile deutlich die Befürchtung fragen: „Ist jene Recension vielleicht noch vorhanden? Man wird sie doch nicht etwa hervorziehen und uns öffentlich vor Augen halten?!“ Von diesen Gesichtspunkten aus muß man den Aufsatz der „Ergötzten“ lesen. Wäre man so heiter veranlagt wie sie, so würde man über ihre Widersprüche nicht nur „ergötzt“ sein, sondern auch „ergötzlich“ schreiben können! Sie hat nach jedem Nadelstich sofort ein um Verzeihung bittendes Wangenstreicheln. Wie oft hat sie versucht, auch im Reiche der Künste als Kennerin und — — Richterin aufzutreten. Nun steht sie zwischen den wohlgefüllten Farbentöpfen, um zu zeigen, was sie kann. Aber sie hat nur grelle Töne und trägt sie mit — — dem Faustpinsel auf. Und wie! Jeder dunkle Strich wird durch einen sofort folgenden hellen als verfehlt bezeichnet und jede Falte gleich wieder ausgefüllt. Jede frivole Linie wird, kaum daß sie entstanden ist, in einen tiefernsten, sittlich reinen Zug verwandelt und jeder tadelnde Punkt durch

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einen lobenden „Tapps“ verdeckt. Und das alles geschieht mit jenen „Faustwerkzeugen“, die man in „ungeriebene“ Farben taucht! Man hat nicht gewartet, bis der Tadel trocken wurde. Darum hat er sich mit dem Lobe in einen charakterlosen Farbenbrei verwandelt, den man als

„Die Wahrheit über Karl May“

im allerbreitesten Rahmen zu Köln am Rhein an den Galgen hängt. Man komme zu diesem Hochgericht und schaue sich das Kunstwerk an! Wer hängt da an dem Galgen? Ein sogenanntes Portrait! Es ist so verschwommen, daß auch nur von Gesichtszügen kaum gesprochen werden kann. Und gar das „technische“ Können der — — Meisterin! Wer also hängt am Galgen? Etwa der Mann, dessen Gesichtszüge mit denen des verschwommenen Bildes nichts gemein haben? Oder das Bild selbst? Oder wer mit diesem?

Ich wäre der größte Thor, den es nur geben kann, wenn ich dieses Werk, welches sogar Schule machen soll, vom Hochgerichte herabnähme, um es nachzubessern! Ich würde Karl May nur um den Eindruck bringen, den jeder Beschauer mit sich nimmt. Denn jeder, der es gesehen hat, geht in der Ueberzeugung von dannen: hier hängt

„Die Wahrheit über die ‚Kölnische Volks­zei­tung‘, und zwar in ihrem eigenen Lichte und an der ge­eigneten Stelle!“ — —

Kann jemand, für den das Original gar nicht vorhanden ist, ein Portrait desselben zeichnen? Jeder denkende Mensch hält das für vollständig unmöglich. Die „Kölnische Volkszeitung“ belehrt ihn eines anderen. Sie hat geschrieben, gedruckt, gezeichnet und gemalt, und aber wen? Sie weiß es nicht! Sie nennt ihn bald „Er“ und bald Karl May. Es schlummert in ihrem Busen eine Ahnung; aber sie gestattet ihr nicht, aufzuwachen. Es ist ja viel bequemer, mit physischen Personen fertig zu werden, als mit geistigen Gestalten! Und wer Faustpinsel und unverriebene Farben liebt, der darf sich doch gewiß nicht an Geistiges wagen! Sollte man meinen, daß die Kritik des zwanzigsten Jahrhunderts weit, weit hinter der des sechzehnten Jahrhunderts zurückstehen könne? Sie thut es doch! Es ist nicht schwer, dies zu beweisen.

Damals machte sich der Name eines Mannes bekannt, der weit gereist war und Ungewöhnliches erlebt hatte. Er schrieb Bücher. Sein Blick war scharf. Er sah, was andere seiner Zeit nicht sahen. Er erkannte jenes „Ultra“, welches im Leben der Völker wie des einzelnen verhängnisvoll werden kann. Und er beschloß, es seinem

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Volke im Bildnis vorzustellen. Er schuf Gestalten, und er schuf sie doch auch nicht. Er griff hinein in das Leben, dem sie alle angehörten, und nahm sie in seinen geistigen Dienst. Sie durften bei ihm sein, was, und bleiben, wie sie waren, doch mußten sie sich nach seiner Art und Weise kleiden und auf die Namen hören, die er ihnen an Stelle der ihrigen gab. Denn niemand sollte wissen, wer sie eigentlich seien, weil der Mensch nicht gerne bekannte Personen als Vorbilder anerkennt. Sie waren also nicht etwa Gebilde seiner Phantasie. Sie lebten und handelten in Wirklichkeit. Und er nahm aus dieser ihrer Wirklichkeit nur das, was seinen Absichten entsprechend war.

Hierauf setzte er sich hin und schrieb über sie. Und als er fertig war, ließ er es drucken. Man las. Was stand in seinem Buche? Münchhausiaden — Lügen — Un­be­greif­lich­kei­ten! Wirklich? Dem Unverstande schien das so. Dieser fragte nach dem Namen, nach der Kleidung, nach allen möglichen Aeußerlichkeiten. Das schien ihm nicht zu stimmen. Er wurde mißtrauisch. Und weil er eben der Unverstand war, trug er dieses sein Mißtrauen auf den Verfasser des Werken über. Was er in dem von ihm nicht verstandenen Buche für Lügen hielt, das gab er auch dem Leben des Verfassers in den Mund. Man zweifelte seine eigenen, persönlichen Reisen und Erlebnisse an und machte sich über sie lustig. Das that damals der Unverstand, der ja auch noch heute ganz Aehnliches fertig bringt. Aber zwischen heut und damals giebt es den höchst augenfälligen Unterschied, daß zu jener Zeit dieser Unverstand nur in den niedrigsten Schichtendes Volkes wohnte. Heute aber macht sich ganz genau dasselbe Unverständnis nur in den sogenannten litterarisch-intelligenten Kreisen geltend, während der ganze, übrige Teil des Volkes begriffen hat, daß wohl der Verfasser eines Buches, nicht aber der Kritiker desselben dichten darf!

Um die Intelligenz der genannten Kreise war es damals und dort ganz anders bestellt als heute hier bei uns. Sie drangen sofort in den Geist, in die Seele dieses Buches ein. Es blieb ihnen keinen Augenblick verborgen, was der Verfasser wollte. Grad sie selbst litten ja an jenem „Ultra“, vor welchen er warnte; aber sie zürnten ihm nicht, sondern sie waren gerecht und ehrlich genug, dies einzugestehen und ihm dankbar zu sein. Sie besprachen, sie lobten, sie empfahlen sein Werk, neidlos und ohne Groll und — — — wo soll das geschehen sein? — — vor dreihundert Jahren — — — ? Natürlich in dem hochgepreiesenen Lande der „Denker“, der „Humanität“, des „Fortschrittes“ u. s. w., nämlich in Deutschland? Oder wohl

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gar am schönen, von Dichtern besungenen und auch in geistiger Beziehung so hochbedeutenden Rhein? O nein! Da ist noch in allerneuster Zeit ja grad das Gegenteil ge­sche­hen! Was ich erzähle, ereignete sich in dem sogenannten Lande der — — — „Verdummung“, des „Rückschrittes“, der „Inquisition“ u. s. w., nämlich in Spanien. Der Mann von dem ich spreche, war ein gewisser Cervantes Saavedra. Er will vielgereist sein und viele Abenteuer erlebt haben. Er hat auch Abenteuerliches geschrieben, lauter Unsinn, Lügen, Erfindungen, Münchhausiaden, Don Quixoterien — — kurz, er ist der Verfasser des Don Quixote! Und wer es nicht wissen sollte, dem will ich es sagen: Er ist einer der ersten Sterne am litterarischen Himmel der Völker. Sein „Lügenwerk“ erlebte schon in den ersten 50 Jahren nur in Spanien allein 400 Auflagen Für England wurde es 200mal übersetzt. Es ist auf der ganzen Erde jedem Volke und jedem Völkchen wohlbekannt, und wenn irgend ein Mensch nur den geringsten Anspruch auf Bildung erhebt, so muß er es gelesen und auch — — verstanden haben!

Es kann mir nicht einfallen, May mit Cervantes zu vergleichen. Diesem etwaigen Vorwurfe muß ich gleich im voraus begegnen. Aber beide haben die scheinbare Abenteuerlichkeit und die Feindschaft des Unverstandes gemein. Auch May schreibt gegen ein „Ultra“, aber in ganz anderer als Cervantes’ Weise. Dieser letztere geißelt es. May aber geht ihm grad dadurch unerbittlich zu Leibe, das er es vollständig ignoriert. Er läßt alle seine Gestalten nur das Gegenteil diese Ultra thun. Und diese Gestalten? Alles was ich über die Personen des Spaniers gesagt habe, gilt wörtlich auch von denen Mays. Auch sein Leben ist unendlich erlebnis- und gestaltenreich. Er hat mehr gesehen und mehr gehört als viele, viele Andere. Und das ist nicht nur mit den leiblichen Sinnen, sondern auch und vorzugsweise mit dem geistigen Auge und Ohre geschehen. Was er da in sich aufnahm, das hat er bedacht und assimiliert. Die äußere Welt ist ihm vollständig auch zur inneren geworden. Sie lebt da weiter fort und zwar so, wie sie sich auch äußerlich entwickeln sollte. Da sie das letztere nicht thut, so treibt sie von innen nach außen, um dort ihren Fehlern nachzuforschen und sie zu verbessern. So tritt Alles und Jedes, was er aus dem physischen Leben in sich aufgenommen hat, als psychisch Neuerschaffenes wieder aus ihm heraus. Es ist zur Seele geworden, die den Körper aber nur vergeblich sucht. Auch dieser muß neu geschaffen werden, ganz genau so, wie er war, doch mit den Eigenschaften, die ihn befähigen, diese Seele in sich aufzunehmen.

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In dieser Weise entstehen die Menschen und auch die Ereignisse, denen man in den Büchern Karl Mays begegnet. Sie entstammen der Wirklichkeit und werden ihr als wiedergeboren und wiederentwickelt zurückgegeben. Sie gehören ihr auch wieder an, doch nur für den, dem jenes „Ultra“ nicht die Augen trübt. Wer aber sagt, daß sie Gebilde der Phantasie seien, der gehört zu denen, welche May, wie wir oben gesehen haben, in seinem Leben und ebenso in seinen Werken vollständig ignoriert.

Diese Bemerkungen habe ich für ehrliche Charaktere niedergeschrieben. Wer es von vornherein und grundsätzlich unehrlich mit ihm meint, der mag zur „Kölnischen Volkszeitung“ gehen! Warum? Auch sie hat eine der Wirklichkeit angehörige Gestalt in sich aufgenommen und sie ihr als neugeboren zurückgegeben. Wer war diese Gestalt? Karl May der „turmhochstehende“, der „vielseitig gebildete“, der „ernst auffassende“, der „gründlich un­ter­rich­te­te“, der unanstößige Mann, der schon vielen Tau­sen­den „Erholung und Belehrung“ gespendet hat! Und wie hat sie ihn der Wirklichkeit zurückgegeben? Als Faust­pin­sel­por­trait, am moralischen Galgen aufgehängt! Welch eine liebevolle Mutterseele! Welch eine wunderbare Neugeburt! Wie muß es in der inneren Welt der „Kölnischen Volkszeitung“ ausschauen! Sollte man es für möglich halten, daß nur durch die Berührung mit dem „Ultra“ aus einem völlig unanstößigen Manne so etwas ganz Verkommenes werden könne!

Dabei wurden in der MarzellenstraßeDie Wü­sten­räu­berweiter gepflegt. Und da selbst „Räuber“ Geld verdienen helfen, so stellte sich vor nun ca. Jahresfrist bei May trotz seines Verbotes das bekannte, zwerghafte „Zehntel“ ein. May nahm es natürlich nicht an und bedeutete die Besitzer der „Kölnischen Volkszeitung“ zum wiederholten Male, daß ihm ihr Verhalten höchst verwunderlich sei. Sie nahmen das Geld in aller Ruhe zurück! Sie steckten es ohne Skrupel wieder ein! Sie ließen keine Antwort, keine Erklärung, keine Entschuldigung hören! Aber etwas thaten sie doch. Nämlich sie schmückten ihre Ladenfenster mit den neuen Bänden dessen, der sie nicht gewürdigt hatte, Geld von ihnen an­zu­neh­men. Ich muß da unbedingt fragen: Wer hat „nobel“ gehandelt? Der Mann, der dieses Geld nicht einmal berühren will? Oder die, welche es so gewissenszart zu ihrem „Wü­sten­räu­ber­er­zeug­nis“ legen? Die Antwort zeigt

„Die ‚Kölnische Volkszeitung‘ in ihrem eigenen Lichte!“

Daß ein Autor von dem ihm gesandten Honorare partout nicht wissen will, ist ein in der Schriftsteller- und Verlegerwelt

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unerhörtes Ereignis. Aber noch viel unerhörter ist das, was hierauf geschah. Man bedenke: Die Inhaber der „Kölnischen Volkszeitung laden an ihren Fenstern jeden Vorübergehenden ein, „Karl May“ zu kaufen! Zu gleicher Zeit aber senden sie ihren Chefredakteur im Lande herum, damit er in öffentlichen Vorträgen und vor tausenden von Zuhörern die Welt vor ganz demselben Karl May warnen soll! Was geschieht also in der Oeffentlichkeit! Da spricht man von „abgründlicher Unsittlichkeit“ und von pornographischen Werken der al­ler­scheuß­lich­sten Art“. Was aber geschieht in der Tasche? O, weiter nichts; da klimpert man vergnügt und zu­gleich unbefangen mit der Münze, welche die sittliche Reinheit ohne alles Bedenken zu sich steckte, obgleich sie der „abgründlichen“ und „allerscheußlichsten Unsittlichkeit“ ver­ächt­lich war!

Ich will die von dem Herrn Chefredakteur gehaltenen Vorträge keineswegs kritisieren. Sie für mich abzuthun, bedarf es nur eines kurzen Ueberblickes. Der Vortragende bezieht sich nur auf das, was gegen May erhoben worden ist. Aber seine eigene, frühere Kritik, die so viel Lob über Karl May enthielt? Kein Wort von ihr! Befindet sie sich vielleicht in derselben Tasche, in welche man das zurück erhaltene Honorar gesteckt hat? — Und alles das, was andere Blätter für und zu gunsten Mays veröffentlicht haben? Auch kein Wort! Aber der durch ganz Deutschland bekannt gewordene „Tremonia“-Artikel? Der durfte doch um keinen Preis umgangen werden, zumal die „Tremonia“ ein Centrumsblatt wie die „Kölnische Volkszeitung“ ist und also gleicher Meinung mit ihr zu sein hat? Gleicher Meinung? May hatte keine Veranlassung, der „Tremonia“ irgend ein Verhältnis zu kündigen, oder gar ihr ein Honorar zurückzusenden. Darum schrieb sie gerecht und freund­lich über ihn. Darum hat der Herr Chefredakteur diesen ihren Artikel vollständig vermieden. Hieran hat sich freilich eine Kleinigkeit geändert. Nämlich May erhielt in Afrika eine Zuschrift der „Tremonia“, in welcher sie ihn um einen Gratisbeitrag bat. Er hat ihn ihr auch zugesagt, aber nach seiner Heimkehr nicht sofort Zeit gefunden, ihn zu liefern. Nun schreibt die „Tremonia gegen ihn. Sie ist zur „Kölnischen Volkszeitung“ über­ge­tre­ten. Man sieht, von welchen Ein­flüssen die „gerechte, unparteiische“ Kritik abhängig ist! Es ist noch gar nicht lange her, so wurde May von der „Tremonia „Unser berühmter, hochverehrter Freund!“ ge­nannt. Heute geht sie Hand in Hand mit seinen ärgsten Feinden! So und nicht anders sieht es aus um die Gesinnungstüchtigkeit

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und Gesinnungstreue derer, welche sich als geistige Führer des deutschen Volkes gebärden!

Ferner werden schon in der Ankündigung des Vortrages May und Taxil nebeneinander gestellt. Und was hat der Vortragende in seinem Blatte erklärt? Herrn May mit dem Pariser Schwindler auf eine Stufe zu stellen, fällt uns nicht ein! — Hier kann es keine Ausrede geben, etwa wegen vorgeschobener Aehnlichkeiten. Die Namen May und Taxil stehen in der Annonce nebeneinander. Sie sind auch nebeneinander besprochen worden! Eins von beiden muß also ein Unrecht sein: entweder, das, was früher gesagt, oder das, was jetzt gethan worden ist. Das ist es, was ich hier zu konstatieren habe, weiter nichts!

Was man von dieser Zuverlässigkeit des Herrn Chefredakteurs zu halten hat, das sagt er selbst und aufrichtig auch in folgenden Worten: „Zum Ueberfluß ist May aller Wahrscheinlichkeit nach Protestant; für das Gerücht, er sei in Amerika katholisch geworden, fehlt jeder Beweis! Also „Gerücht“, „fehlender Beweis“ und nur „Wahr­schein­lich­keit“! Aber dennoch muß es gesagt und dennoch muß darüber gesprochen werden! Warum? Weil May — — ausgemerzt werden soll! Mit der Wahrheit bringt man das nicht fertig, denn sie spricht ja für, nicht gegen May, und so steigt man denn getrost zu „Gerüchten“ und „Wahrscheinlichkeiten“ herunter. Und zwar religiös müssen sie sein, des Knalleffektes wegen!

„Mein Glaube ist mein größtes Heiligtum, und meine Religion steht mir viel, viel zu hoch, als daß es mir auch nur einfallen könnte, sie mir von da oben in die Druckerschwärze herunterzerren zu lassen!“ Dies ist die Ansicht Karl Mays. Mag man ziehen oder zerren; herunter bringt man sein Heiligtum aber nicht!

Sodann wird gesagt, daß er als Rei­se­be­richt­er­stat­ter nicht ernst zu nehmen sei. Wo in aller Welt hat May sich denn als solcher aufgespielt? Für welches Journal ist er Berichterstatter gewesen? Welches Blatt hat eine geo­gra­phi­sche Expedition ausgerüstet, deren Mitglied er ge­wesen ist? Wer weiß etwas davon? Niemand! Selbst May nicht! Aber ich! Ich kenne eine Zeitung, welche eine „Afrika-Expedition durch die Sahara“ ausgerüstet und deren Erlebnisse sodann veröffentlicht hat! Und wer hat diese Expedition beschrieben? May!!! Leugnet er etwa diese Expedition ab? Ja. So ist er ein Lügner! Denn vor mit liegt ein Buch, in welchem zu lesen steht:

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Erlebnisse einer Afrika-Expedition durch die
Sahara von Karl May.

Er giebt zu, diese Erzählung geschrieben zu haben, behauptet aber, trotzdem kein Lügner zu sein. Wer ist es aber denn, der gelogen hat? Die „Wüstenräuber“ wissen es! Diese fürchterliche, ganz entsetzliche Bande wird von den Besitzern der „Kölnischen Volkszeitung“ so ängstlich festgehalten und so liebevoll ausgestattet und fällt doch immer wieder mit allen den ihr gelieferten Waffen über diese ihre Wohlthäter her! Auch jetzt soeben wieder! Diese Räuber erzählen folgendes:

„Als May uns nach Köln sandte, waren wir noch keine „Wüstenräuber“. Erst die „Vokszeitung“ hat uns diesen Titel gegeben. Er konnte nicht blutig genug klingen. Und weil zum Geschäft denn doch Reklame gehört, hat sie die hochtrabendeAfrika-Expedition durch die Sahara!!dazu erfunden. Das hat sie gedruckt, ganz ohne das Wissen und gegen den Willen Mays!“

So! So also steht es um diese Angelegenheit! Man erfindet eine Expedition! Man greift in das Reich der „Unwahrheit“! Man macht „Münchhausiaden“! Man bindet den Lesern „Bären“ auf, was Alles später man dann May vorwirft. Man druckt und vertreibt dies acht volle Jahre lang ohne Erlaubnis dessen, den diese Phantastereien schädigen müssen! Dann schreibt man einen Artikel gegen ihn, in welchem man ihm die „Lügen“, die aufgebundenen „Bären“, die „Münchhausiaden“, die „Erfindungen“ in das Gesicht schleudert! Man ändert seinen wahrheitstreuen Titel in einen falschen, blutigen um, und dann, wenn er den Weiterdruck verboten hat, dann ist auf einmal er es, der die „Mordgeschichten“ veröffentlicht! Man sendet ihm Briefe mit der Anrede: „Hochzuverehrender Herr!“ um ihn mit dieser Höflichkeit neun Zehntel des Honorars abzukaufen. Und wenn man von dem nicht acceptierten zehnten Zehntel erfährt, daß es mit den „Wüstenräubern“ und der vorgetäuschten „Afrika-Expedition“ wahrscheinlich zu Ende geht, so — — — nun, was? Nun, da läßt man sehr einfach den Herrn Chefredakteur einen Vortrag halten, in welchem er erklärt, daß May als Reiseberichterstatter nicht ernst zu nehmen sei! Und hieran ist die sehr energische Bemerkung zu schließen, daß man ihn sich als „Jugendschriftsteller“ und „religiösen Lyriker“ zu verbitten habe!

Wieder eine Phantasieleistung! Eine geistige Don-Quixoterie! Oder was ist es anders, wenn sich jemand den eigenen

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Kopf an der eigenen Windmühle einrennt? Die „Kölnische Volkszeitung“ schreibt: Alles für die Jugend Anstößige ist sorgfältig vermieden![] Später schreibt sie: Gesunde Jungens mögen seine Werke lesen! Und wir wissen ja, daß es in Deutschland verschiedene Millionen „gesunder Jungens“ giebt. Und als diese nun den guten Rat der „Volkszeitung“ befolgen, was thun sie da? Da schreibt sie plötzlich: Als Jugendschriftsteller müssen wir ihn uns verbitten! Ist den die Schar der „gesunden Jungens“ über Nacht krank geworden? Nein, gewiß nicht! Wer ist es denn, der krank geworden ist? Man sage es mir! Ich weiß es nicht; ich ahne es bloß! Man vergleiche die drei angeführten Urteile, und man wird bemerken, wie schnell es mit ihnen abwärts geht!

Der Herr Chefredakteur hat wohl gewußt, daß die Fehsenfeldschen Bände nur Erzählungen enthalten, welche im „Deutschen Hausschatze“ als Originale erschienen sind. Diese Journal aber ist, wie schon gesagt, ein Blatt für geistig ausgereifte Leser. Warum spricht man trotzdem nur vom „Jugendschriftsteller“? Etwa weil May auch für Spemanns Knabenzeitung einiges geschrieben hat? Dieser Grund wäre lächerlich! Auch können diese Sachen nicht gemeint sein, denn sie sind in der dritten Person geschrieben, und man greift allein die „Ich“-Erzählungen aus dem „Hausschatz“ an. Warum muß May partout ein „Jugendschriftsteller“ sein? Einfach deshalb: Als Schriftsteller für Erwachsene ist er unverletzlich! Sogar die „Kölnische Volkszeitung“ bescheinigt es, daß viele Tausend Erwachsene Erholung und Belehrung aus Mays Werken geschöpft haben!

In den Werken Mays wohnt und waltet diejenige Jugend, welche niemand alt werden kann. Jedes Herz, welches jung geblieben ist, wird sich an ihnen erfreuen. Und jedes Herz, welches noch jung ist, wird aus ihnen bleibende Jugend schöpfen. Der Griesgram aber, dem die Zähne für eine gesunde, kräftige Kost abhanden gekommen sind, muß sanften Brei und leise Suppen haben. Schon der bloße Anblick eines anderen Gerichtes bringt ihn in Zorn. Wie käme es sonst, daß Leute, die Mays Werke früher lobten, sie jetzt tadeln! Ihre Ernährung ist gestört! Wäre das nicht, so müßte man viel schlimmere Fehler annehmen! Zwanzig Jahre lang hat May für den „Hausschatz“ geschrieben. Sowohl der Verleger wie auch die Leser haben sich dieses Mitarbeiters gefreut. Der erstere ist ein ernster, erfahrener, um den Journalismus hochverdienter Mann — — Kommerzienrat Pustet in Regensburg. Jetzt

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wird plötzlich alles, was er von May gebracht hat, als wertlos, ja als schädlich bezeichnet. Hat man denn nicht daran gedacht, was das für diesen Herrn bedeutet? Wenn das wahr ist, was man heute von May sagt, so ist Pustet zwanzig Jahre lang entweder ein beklagenswerter Ignorant oder moralisch unzurechnungsfähig gewesen. Wer ihn aber kennt, der schwört auf die Unmöglichkeit von beiden Fällen. Er hat wiederholt zu May gesagt: „Der Hausschatz steht und fällt mit Karl May.“ Das ist wohl „geschäftlich“ gemeint gewesen; aber auch in „ethischer“ Beziehung würde der Fall des einen den Sturz des anderen nach sich ziehen! Die Wahrheit ist erbarmungslos!

Der Herr Chefredakteur in Köln hat wohl nicht an diese Tragweite seiner Angriffe gedacht! Jedenfalls aber hat er ganz genau gewußt, daß der „Hausschatz“ keine Zeitschrift für kranke Jungens ist, und wenn er trotzdem May in diesem Sinne angreifen will, so hat nicht er ein Gutachten abzugeben, sondern May ist es, der sich die verfängliche und wohl­be­rech­ne­te Bezeichnung als „Jugendschriftsteller“ zu verbitten hat. Nur so liegt diese Angelegenheit, keineswegs aber umgekehrt. In Köln am Rhein hat man sich gar nichts zu verbitten!

Auch nicht den „religiösen Lyriker“! Dieser „Lyriker“ hat seine ganz eigene Geschichte. May hatte irgendwo geschrieben, daß seine „Gedichte“ erst nach seinem Tode erscheinen würden. Die „Kölnische Vokszeitung“ geriet auch hierüber in ihre bekannte „ergötzliche“ Stimmung. Sie behauptete: May sei kein Dichter. May habe also gar keine Gedichte. Er wolle jedoch auch für einen Dichter gehalten werden. Er könne aber nichts vorzeigen. Darum vertröste er das Publikum auf seinen Tod. So sagte die Erfinderin der „Afrika-Expedition“. Leider aber kam es anders. May gab, da war er noch nicht tot, seinen ersten Band Gedichte heraus:Himmelsgedanken“. Was that die „Kölnische Volkszeitung“? Sich etwa dementieren? Das war gar nicht nötig. Ihr Ingenium gab ihr das einzig Mögliche ein: Sie erklärte einfach, daß diese Gedichte ja gar keine Gedichte seien! Sie behielt also völlig recht, daß May kein Dichter sei! Daher das große, so entschieden klingende Wort: „Auch als religiösen Lyriker müssen wir uns ihn verbitten!“

Was sagte May, als er diese Worte las? Nichts. Weinte oder lachte er. Das letztere nicht, denn Trauriges kann er nicht ergötzlich finden. Aber das erstere hätte er beinahe gethan. Worüber? Ueber seine Niederlage? O nein, sondern über die Niederlage

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der „Kölnischen Volkszeitung“. Die „Himmelsgedanken“ bieten nämlich etwas ganz anderes als das, was man religiöse Lyrik nennt. Die genannte Zeitung scheint auf dichterischem Gebiete nicht daheim zu sein. Sie hat sich beispiellos bloßgestellt. Schon durch das Wort „Gedanken“ mußte sie auf das Richtige geführt werden. Aber da sie gar nicht nach Gedanken suchte, so fand sie auch keine und konnte also nichts anderes als eben auch gedankenlos urteilen. Man lese ihre vollständig allen Inhalts entbehrenden Zeilen und vergleiche mit ihnen das Folgende, was eine ihrer nicht gedankenlosen Kolleginnen sagt:

„Himmelsgedanken! — — Ein seltenes Buch — — mehr: ein heiliges Buch. Als habe es ein frommer Einsiedler geschrieben. Gott betet in diesen Gedichten durch den Mund eines Menschen, Gott selbst zu Gott! — Wie Jesus zu Gott betete. — Wie das Kind den Vater bittet oder die Mutter. — Das klingt wunderbar und doch — — ist es die ewige, die einzige Wahrheit: Der Mensch als ein in Erscheinung tretender Gottesgedanke kehrt im Gebet zu seinem Ursprunge — Gott — zurück. So ist der Mensch eine That Gottes, die Gott preist, bewußt oder unbewußt — im Lichte der Erkenntnis oder in der Dämmerung der Ahnung. Der Glaube an Gott ruht in der Seele eines Jeden, des Naturmenschen wie des Kulturmenschen, und das beweist den göttlichen Ursprung des Menschen — beweist, daß Gott ist. Gäbe es keinen Gott, wäre der Mensch nicht Geschöpf Gottes, könnte dieser Glaube nicht in der Menschenseele leben. So verwandelt sich der Glaube an Gott in die Ueberzeugung von Gott. Daher auch die Sehnsucht nach Gott, eine Sehnsucht, die eins ist mit dem Verlangen nach höherer Vollkommenheit — nach göttlichem Leben jenseits dieses Lebens. Dieser Gott ist es, der uns aus den Mayschen Gedichten anweht und mit heiligen Schaudern erfüllt. Man möchte selbst ganz Geist sein, um den Dichter auf seinem Wege zum Himmel — zu Gott begleiten zu können, um mit ihm zu schauen, was dem sterblichen Auge noch verborgen ist. Diese Sehnsucht erwecken seine Lieder, und wir verstehen ihn, wenn er so ergreifend fleht:

„Herr, gieb mir Schwingen, aufzusteigen

 Aus dunkler Nacht zum hellen Licht!

Du willst mir Deinen Himmel zeigen,

 und ich, ich komm und komme nicht!“

Dieses Lied der Gottessehnsucht sollte als köstliche Perle unter die Kirchenlieder aufgenommen werden. Wunderbar schön im Ausdruck -

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Ausdruck und erhaben im Gedanken ist das Gedicht: „Die Menschheitsseele“: Man könnte über dieses eine Gedicht ein Buch schreiben und würde den Inhalt doch nicht erschöpfen. In der ganzen Sammlung ist nicht ein Gedicht, das neben dem religiös-philosophischen Werte nicht auch einen litterarischen Wert hätte; ja, viele der Gedichte können als klassisch bezeichnet werden. Daß May aber auch den schlichten Volkston wie nur irgend Einer anzuschlagen versteht, beweist er durch mehrere rührend schöne Lieder. — Wer die höchsten Höhen der Menschheit erklimmen, wer im göttlichen Lichte frei wandeln will, der wird in den „Himmelsgedanken“ das finden, was er sucht. Es ist ein Buch für weihevolle Stunden, wo die Seele allein mit Gott sein will — kein Buch für den lauten Markt des Lebens, und doch ist es das Leben selbst — das wahre, aus Gott quellende Leben, das in jeder Strophe der Gedichte pulsiert!“ — —

Dieser Kritiker sagte von einem einzelnen der Gedichte, man könne ein Buch darüber schreiben und würde den Inhalt doch nicht erschöpfen! Die „Kölnische Vokszeitung“ wischt mit einem einzigen Strich ihrer Hand die ganze Sammlung unter den Tisch. Sie hat es — — — ausgemerzt, wie ja der Verfasser überhaupt ausgemerzt werden soll! Man kann wohl „Expeditionen nach der Sahara“ erdichten, aber einem wahren Dichter in das Reich seiner Gedanken folgen, das thut man nicht. Man sagt sehr einfach, daß dieses sein Reich auch eine — — Sahara sei! Nähme man nicht eine feste Absicht, ein bestimmtes Ziel, einen geheimen Zweck an, den die „Kölnische Volkszeitung“ erstrebt, so wäre es ganz unmöglich, sich in ihren Widersprüchen zurecht zu finden. Sie nennt seine „Reiseerzählungen“ ganz „eigenartige Schöpfungen“. Warum sucht sie nicht auch bei den Gedichten nach dieser Eigenart? Aber May durfte kein Dichter sein, und darum ist er keiner. Sie ist ja infallibel. Wirklich? hm! Der „Kladderadatsch“ bestraft ihren „Stil“ mit sechs Wochen Gefängnis und hält das noch für sehr mild. Wenn ihm ihr Urteil über Mays „Himmelsgedanken“ vor die Augen kommt, ich glaube, er setzt sie für lebenslänglich fest! Darum muß ich mich beeilen, über sie fertig zu werden! Denn ich bin jetzt bei meinem Hauptpunkte angelangt. Sie ist nämlich die un­er­müd­li­che nicht ruhende Tamtamschlägerin für ein Kolportagegeschäft, dessen „abgründlich unsittliche“ „Schundromane“ durch die Tätigkeit des Chef­re­dak­teurs in ganz Deutschland finden!

Es handelt sich nämlich um die sogenannten „Karl Mayschen“

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Kolportageromane, welche von A. Fischer, früher H. G. Münchmeyer in Dresden ohne Erlaubnis Mays herausgegeben wurden. Ich habe diese Angelegenheit bereits erwähnt und muß sie weiter unter wieder bringen. Darum hier nur das, was hierher gehört!

Vor einigen Jahren tauchte das Gerücht auf, daß Karl May unsittliche Romane geschrieben habe. Er war still dazu. Er kannte ja seine Gegner. Und er wußte, daß andere Schriftsteller sich seines Namens als Pseudonym bedienen. Haben doch diese Gegner in ihren Blättern selbst zugegeben, daß außer dem „echten“ Karl May noch drei andere „falsche“ vorhanden seien! Auch hatte er wegen der geplanten, langen Orientreise weder Raum noch Zeit, sich mit dieser Sache zu beschäftigen. Er hob das bis nach seiner Rückkehr auf. Längere Zeit nach seiner Heimkehr hörte er, daß ein gewisser Fischer seine über zwanzig Jahre alten Sachen in einem ganz umgeänderten Gewande als „Neuheiten“ von ihm herausgegeben habe. Dieser „Herr Fischer“ war ebenso pfiffig wie gewisse Zeitungen gewesen: Er hatte die Abwesenheit Mays klug ausgenutzt, sich also in intellekter und taktischer Beziehung ganz als Kollege gezeigt.

May that sofort sein möglichstes. Er warnte den Buchhandel in den Fachblättern desselben vor diesem Herrn Fischerschen „Karl May“ und beauftragte seinen Rechtsanwalt, gerichtliche Klage zu erheben. Mehr konnte er doch nicht thun! Nun ist er aber nicht Buchhändler, und nur die Veröffentlichungen dieser werden so, wie sie verfaßt sind in ihre Blätter aufgenommen. Wenn ein Nichtbuchhändler, wie May, gegen einen Buchhändler schreibt, so wird dieser Angriff dem Angegriffenen zur Begutachtung zugeschickt; was diesem letzteren verdächtig erscheint, wird nicht aufgenommen. So kam es, daß May nicht alles sagen durfte, was er zu sagen hatte. Was er gegen Fischer veröffentlichen durfte, ist also keineswegs, wie die „Kölnische Vokszeitung“ und die „Tremonia“ es thun, als „glaubwürdiges Aktenmaterial“ zu bezeichnen. Das mußten diese Zeitungen wissen, deren „Verleger“ ja Buchhändler sind. Ihre Anführungen, daß May sich mit Fischer „gestritten“ habe, sind falsch. Ein „Streit“ oder „Zank“ mit diesem Manne ist May gar nicht eingefallen, wäre auch vollständig unmöglich gewesen, da er nur hätte sagen dürfen, was Herr Fischer gütigst ihm erlaubte!

Was die gerichtliche Klage betrifft, so hat es sonderbarerweise Blätter gegeben, welche sich für berechtigt hielten, May und seinem Rechtsanwalte Vorschriften zu machen, oder gar das Schlußurteil im voraus zu fällen. Man braucht weder den Rat von Laienadvokaten, noch die voreiligen Rechtserkenntnisse von Personen, die ihnen nur

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ihre eigenen Wünsche leichtfertig — — verraten! Ein Prozess, wie dieser zu werden verspricht, kann Jahre erfordern. Denn May führt ihn nicht allein für sich, sondern noch viel mehr für alle jene beklagenswerten Autoren, welche so unglücklich sind, von gewissen Verlegern oder Zeitungen wirtschaftlich oder moralisch ab- oder ausgeschlachtet zu werden! Das Material zu einem solchen Kampfe ist nicht so schnell, wie man meint, herbeigeschafft! Es handelt sich hier um einen Krebsschaden, welcher unerbittlich ausgescnitten werden muß, weil ihm sonst grad die frischesten und hoffnungsreichsten Kräfte des geistigen und ethischen Organismus unseres Volkes zum Opfer fallen müssen!

Man sieht, daß es sich hier nicht um eine einfache Privatklage handelt. Es heißt vielmehr „Hie Geist und hie Materie!“ Hie Manuskript und hie Druckmaschine! Hie Eigentum, hie Raub! Hie Schriftstellerehre und hie — — — und hie — — — und hie? Was noch? Die „Wüstenräuber“ an den Schaufenstern zu Köln am Rhein wissen es! Der Herr Chefredakteur hat in seinem Vortrage öffentlich eingestanden, daß es ihm an Aktenmaterial fehle, um ein Schlußurteil über May zu fällen. Er erklärt, daß May für ihn noch „ein Rätsel“ sei. Wie aber steht es auf der anderen Seite? Die „Kölnische Volkszeitung“ ist für May schon längst kein Rätsel mehr! Es fehlt kein einziger Beweis! Die Akten sind geschlossen! Es sind die Akten zu dem Prozesse

„Karl May contra Adalbert Fischer, Heinrich Münchmeyer und die Kölnische Volkszeitung!

Es wird vielleicht manchen wundern, diese drei Namen so eng beisammenstehen zu sehen, als ob sie zu einander gehörten. Die materielle Berechtigung zu dieser Zu­sam­men­stel­lung habe ich bewiesen. Aber es giebt auch noch andere, viel höher stehende Gründe dazu. Sie sind nicht schwer zu finden. Ich muß zwar weit ausholen, werde mich aber um so kürzer fassen!

Als das Gerücht, May habe unsittliche Roman geschrieben, von gewisser Seite mit großem Schall verbreitet wurde, liefen aus allen Gegenden Deutschlands Aberhunderte von Briefen bei ihm ein. Und ihr Inhalt? Die Absender waren über diese Verleumdung entrüstet. Sie sagten: „Wir kennen ihn, denn wir kennen seine Werke. Wir lesen sie seit nun Jahrzehnten. Sie haben einen beispiellosen großen Leserkreis gefunden. Warum? Durch ihre unantastbare sittliche Reinheit. Wenn wir alles andere

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glauben, so doch das Eine nicht, daß May einmal unsittlich schreiben oder geschrieben haben könne! Wir sehen in solchen Gerüchten Lügen, die der Neid erfand. Wir haben an ihn geglaubt und werden auch weiter an ihn glauben! Wer diese Lügen für Wahrheit ausgiebt, dem ist die sittliche Reinheit eine unbekannte Sache!“

Wer und was waren die Schreiber dieser Briefe? Befand sich ein Zeitungsbesitzer oder ein Redakteur unter ihnen? Nein! Jede Zeitung hat ihre Richtung, und wer dieser Richtung angehört, hat die Möglichkeit, sittlich rein zu sein. May aber gehört keiner Richtung an. Für ihn giebt es also selbstverständlich keine Möglichkeit, sittlich rein zu sein! Er ist weder dies noch das; er ist bloß Mensch. Und reine Menschlichkeit, Humanität, steht abgrundtief unter der Parteilichkeit! Wer zu May gehört steht außer den Parteien und außerhalb der Achtung ihrer Führerinnen.

Kein Wunder, daß diese Führerinnen die ihnen gelegen kommende „Unsittlichkeit“ angriffen und sich eng mit ihr beschäftigen! Sie folgten der Lockung dieser Un­mo­ra­li­tät lieber als der ernsten, mahnenden Stimme, welche aus vierzig streng moralisch ge­schrie­be­nen Maybänden sprach. Was aber sagten diese beiden Stimmen?

Die Bücher warnten:

„Glaube doch an uns! Wir sind ja Zeugen genug!“

Die Unsittlichkeit bat:

„Schreib doch von mir! Sonst kann ich nicht existieren!“

Was von beiden wurde gewählt? Das ist ja allbekannt: Die Unsittlichkeit entstand! Sie wurde allüberall gelesen. Sie ist noch heute da. Und wo sie noch nicht ist, dahin wird sie verbreitet. Von wem? Etwa von May? O nein, sondern von seinen sogenannten „Kritikern“! May thut ja alles mögliche, sie dahin zurückzuzwingen, woraus sie entstanden ist und wohin sie also gehört, nämlich in das Nichts. Er schweigt. Ja, er schweigt nicht nur beharrlich, sondern mit einer Selbstüberwindung, welche nur ein ethisch hochdenkender Mann zu üben vermag. Sie geben aber sich alle Mühe, sie so groß und fett wie möglich anzufüttern. Sie schweigen nicht, sondern sie schlagen den Gong und alle Trommeln! Hat denn keiner von ihnen bedacht, was das heißt, auf noch ungelesene Werke von May aufmerksam zu machen? Hat man denn nicht gewußt, daß dies für mehr als Hundertausende eine Aufforderung zum Lesen ist? Welch eine unbegreifliche Kurzsichtigkeit!

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May hat gegen diese Lüge gethan, was er zu thun vermochte, und wird es auch noch weiter thun. Er hat erst öffentlich gewarnt und dann den Klageweg beschritten. Ein „Mehr“, ein „Ultra“ gab es nicht für ihn, der ja gegen jedes verderbliche Ultra schreibt. Er gab diese Angelegenheit den von der Obrigkeit eingesetzten Richtern in die Hände. Er glaubte an diese Richter. Er vertraute ihrer Gerechtigkeit. Er wußte, daß sie ihm unbedingt und unter allen Umständen zu seinem Rechte verhelfen würden. Und in dieser festen unerschütterlichen Ueberzeugung ließ er sich zu keinem Schritt hinreißen, durch den er zur Weiterverbreitung der Unsittlichkeit geleitet worden wäre.

Wie anders aber seine angeblichen „Kritiker“! Sie haben seine Warnung gelesen, ihr aber kein Gehör geschenkt. Wie sie keines seiner Bücher verstanden haben, ist ihnen auch die diskrete Bedeutung dieser Warnung vollständig entgangen. Sie hatten zu schweigen und den Ausgang des Prozesses ruhig abzuwarten. Das war übrigens eine Pflicht, von der ich noch zu sprechen habe. Aber hätten sie das gethan, so wäre ihnen ja diese hochwillkommene Gelegenheit, May „aus­zu­mer­zen“, verloren gegangen. Sie wurde also sofort und mit größtem Eifer ergriffen. Man liierte sich mit der Un­sitt­lich­keit, um ihn geschäftlich und moralisch zu ver­nichten.

An die Spitze dieser „Streiter um die Sittlichkeit“ stellten sich zwei „Ultras“, die sich, wenn es sich nicht um May handelt, unendlich fern, oft feindlich gegenüberstehen. Das Frankfurter und das Kölnische Ultra! Das Frankfurter war dem Kölnischen gewiß nicht, wie May, zu fromm! Und das Kölnische wurde, wie es scheint, von dem Frankfurter auch nicht für zu fromm, einen Schriftsteller ausmerzen zu helfen, gehalten! Der Kampf der Sitlichkeit gegen die Unsittlichkeit begann. Wo war die gute Sitte und wo ihr Gegenteil zu suchen? Wir haben es gesehen! Und der Erfolg?

„May hat Romane geschrieben!“ So klang es durch das ganze deutsche Reich. Verlagsbuchhandlung und Titel waren angegeben. Jeder Mayleser folgte dieser Aufforderung. „Diese Romane sind voller scheußlicher Lie­bes­sce­nen u. s. w.!“ So wurde hinzugefügt. Aber- und abertausende lesen May nur deshalb nicht, weil er ihnen sittlich zu rein ist. Nun eilen auch diese hin, sich an diesem pornographischen Wunder zu ergötzen. Der Kol­por­ta­ge­ver­le­ger Fischer macht ein Bombengeschäft! Seine eigenen Worte sind, daß er einen so riesigen Absatz für geradezu unmöglich gehalten habe!

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Das sind die Früchte des Unkrautes, welche die Feinde zwischen den Weizen säeten! Wir haben sie ertappt!

Aber nicht genug! Es konnte Leute geben, welche die Botschaft von Mays Unsittlichkeit nicht gelesen hatten. Denen mußte man die Kunde mündlich beibringen. Der Chefredakteur der „Kölnischen Volkszeitung“ war gerne bereit dazu. Er ging und sprach! Als was? Als Laienmissionar! Als Volksapostel! Er war in dieser Eigenschaft sehr ernst zu nehmen. Aber die Wirkung war noch viel ernster als der Apostel und der Missionar selbst! Von da, wo er gesprochen hatte, liefen bei Karl May eine Menge von Klagen und Beschwerden ein. Worüber? Ueber die „litterarischen Kuriosa“, welche man sich infolge der Vorträge gekauft hatte. Wenn Mays Werke öffentlich, von der Rednertribüne herab, verkündet werden, und noch dazu in der Art und Weise der „Kölnischen Volkszeitung“, so ist das letztere ja gar nicht anders zu erwarten. Der Laienmissionar hat die Wißbegierde auf das höchste angespannt und dabei die Phantasie so wenig befriedigt, daß seine Warnung geradezu zur Aufforderung, zur Empfehlung werden muß. Wer, um May auszumerzen, zum Volksapostolat greift, der sollte doch wenigstens einigermaßen Psychologe sein. Vor allen Dingen hat er sich in den Gedankengang seiner Zuhörer zu versetzen! Dieser kann nur folgender sein:

„Hat der Herr Chefredakteur diese Romane selbst gelesen? Natürlich! Denn die „Kölnische Volkszeitung“ urteilt nie über etwas, was sie nicht genau weiß! Hat ihm dieses Lesen geschadet? Nein! Denn die „Kölnische Volkszeitung“ hat keinen durch May unsittlich gewordenen Chefredakteur! Nun, was dieser Chefredakteur verträgt, das vertragen andere Leute auch. Lesen wir also diese Romane getrost ebenso, wie er sie gelesen hat!“

In dieser Weise kalkuliert jeder, der den Herrn Apostel sprechen hört. Dieser steht vor den Augen der Versammlung als der edle, sittlich reine, lebende Beweis dafür daß diese „unsittlichen Romane“ ganz wohl ohne Schaden gelesen werden können! Oder will er etwa eingestehen, seine Reinheit verloren zu haben? Oder hält er nur sich allein für moralisch so erhaben, daß er selbst Casanovas Memoiren vertragen kann? Dagegen aber seine Zuhörer für sittlich so schwach und wankelmütig, daß er extra und persönlich zu ihnen reisen muß, um sie zu stützen? — — Merkt er, daß er und auch sein Rednerpult zu wanken beginnt? Daß die Logik der Thatsachen ihn zwingt,

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von diesem hochgelegenen Punkt herabzusteigen? Er komme herunter und drehe sich um. Da wird er sehen, wer nun an seiner Stelle oben steht! Nicht in körperlicher, sondern in geistlicher Gestalt. Es ist nicht mehr der Herr „Laienmissionar“, der Herr „Volksapostel“, sondern Karl May, welcher, genau so wie bei der „Frankfurter“, den feindlichen Spieß umkehrend, folgendes zu sagen hat:

„Wer ist der Mann, der soeben gesprochen hat? Er stand als Ankläger hier an dieser Stelle? Wer hat ihn dazu berufen, es zu sein? Etwa Gott? Oder die Obrigkeit? Oder das Volk, zu dem er spricht? Womit hat er sich legitimiert? Mit nichts! Er reist ohne Paß und Ausweis auf geistigem Gebiet umher, um die Bewohner desselben „anzusprechen“!

Seine intellektuelle und ethische Heimat ist dort, wo die „Wüstenräuber“ an den Fenstern liegen! Warum hat er sie nicht mitgebracht? Warum erwähnt er sie mit keinem Worte? Sie würden ihn legitimiert haben! Und zwar so vollständig, daß man sofort sähe, wessen Geistes Kind er ist! Und in welcher Weise „sprach er an“? Als Prediger der moralischen Gesetze, nach denen dort, wo man die „Wüstenräuber“ an den Fenstern sieht, gehandelt wird! Nach diesen Gesetzen richtet sich seine Art und Weise „Ansprache zu halten“! Er geht nur still, nur mit dem „Blatte“ in der Hand, von Abonnent zu Abonnent, von Thür zu Thür, wie der Brauch des „Handwerks“ bestimmt, weil jedes Ueberschreiten der „Innungs“-Grenze gegen Fug und Recht verstößt. Er macht sich das bequemer! Er annonciert schon Monate voraus, wann er kommen werde, um „anzusprechen“. Und wenn er dann erscheint, wird nicht bloß „das Handwerk angesprochen“, sondern alle Welt und jedermann“.

„Auf den höchsten Punkt, den es hier in dieser Versammlung giebt, nur auf diesen hat er sich gestellt! Alle anderen standen oder saßen unter ihm! Das ist ja die Forderung seines Volksapostolates! Kann man an diesem Apostolate zweifeln? Unmöglich! Wer darüber zu urteilen wagt, ob ein Christ „zu“ fromm sei, der muß doch wenigstens Apostel sein, wenn nicht Christus selbst! Oder ist vielleicht nur jenes bekannte, nichts weniger als christliche, ganz außerhalb der Kirche stehende, rein „chefredakteurliche“ Ultra, welches hierher kam, um eine ultramoralische „Ansprache“ zu halten? Die Antwort auf diese Frage ist leicht zu geben. Wir haben das Ultra nicht nur stehen sehen, sondern auch aus jedem Worte herausgehört! Ich, May, habe mein Recht in die Hand der Obrigkeit gelegt, denn ich bin ja dem Gesetze unterthan. Diese Ultra aber hat es der Obrigkeit entrissen, um es moralisch-juridisch

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zu erläutern. Wer der Behörde in dieser Weise vorgreift, der kann nicht anders als nur „ultra“ sein! Dieses Uebermaß, diese Unbotmäßigkeit des „Ichs“ hat das „Ich“ meiner Erzählungen zu geißeln beliebt. Diese Selbstübertreibung hat mich ironischerweise einen „großen Mann“ genannt. Wer sein eigenes „Ich“ so wenig kennt, daß er nicht nur als Redakteur, sondern auch als Apostel sich über die Gesetze stellt, der sollte doch wohl jenes andere „Ich“ in Ruhe lassen, welches seine Intelligenz gar nicht begriffen hat! Und wer über seine eigene Gestalt so wenig unterrichtet ist, daß er sie für erhaben genug hält, die deutsche Leserwelt vom sittlichen Untergange zu erretten, wie kann der wohl ein Urteil über die Größe oder die Kleinheit anderer aussprechen! Solche Ultras wachsen niemals aus dem gesunden Sinne des Volkes heraus. Sie werden nur in den Redaktionen gewisser Blätter großgezogen. Sie entstehen und atmen in der Atmosphäre jener geistigen Großmannssucht, in welcher jeder sich als Uebermensch und Uebergeist erscheint! So einem Ultra ist alles bekannt und alles unterthan, von der Ceder bis zum Isop, von Aeschylos bis zum Ueberbrettl, von Alexander dem Großen bis zum Kakisoldaten, von Archimedes bis zur Wurstmaschine, von Moses bis — — — doch nein! Moses kennen sie nicht! Dieser hat uns ja das achte Gebot gegeben, welches lautet: „Du sollst nicht falsches Zeugnis reden wider deinen Nächsten!“

„Was so ein Ultra hier am Rednerpult gesprochen hat, das kann nur Uebertreibung sein. Ich, Karl May, weiß sehr wohl, daß ich meine Schwächen habe, als Mensch wie jeder und als Autor wie alle. Ich gestehe das offen ein, denn ich betrachte mich nicht als Uebermensch oder als Uebergeist. Ich bin jeder sachlichen Kritik dankbar, welche mich in humaner Weise auf diese Fehler aufmerksam macht. Ich verspreche sogar, mir alle Mühe zu geben, sie abzulegen. Wer seine Fehler bekennt, dem kann man sie vergeben. Friede auf Erden bei denen, die guten Willens sind! Eine inhumane Kritik aber giebt es für mich nicht. Und wer meinen geistigen Hausfrieden nicht achtet und mich aus meiner eigenen Wohnung treiben will, der wird bald finden, daß sie mir nicht ihm gehört! Was ich geschrieben habe, das ist mein geistiges Eigentum, nicht bloß dem Buchhändler, sondern auch der Kritik gegenüber! Diese Eigentum ist wohlerworben und bis zum letzten Worte bezahlt. Es stehen keine Hypotheken von anderer Hand darauf. Wer hat ein Recht, als Gerichtsvollzieher bei mir anzuklingeln? Das Ultra vorhin — — maßte sich dies an! Freilich, wer den Beruf eines litterarisch-moralisch-religiösen Detektivs so

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deutlich in sich fühlt, daß er sich zum Taxiliadenriecher ausgebildet hat, der steht ja auch der Auspfändung nicht fern!“

Er hat ganz in der Manier eines Lord-Oberrichters den Stab über mich gebrochen. Aber sorgte er denn wohl vorher dafür, daß es rein bei ihm im eigenen Hause sei? Man gehe hin und schaue nach! Ich bin kein Denunciant! Ich rieche nicht herum! Wenn aber jemand es für nötig hält „ansprechen zu gehen“, so muß es wohl gestattet sein, bei ihm auch einmal vor zusprechen!“ —

So, das habe ich Karl May sprechen lassen. Jetzt ergreife nun wieder ich selbst das Wort. Nicht als „Lord-Oberrichter“. Doch habe ich folgendes zu fragen:

War dieser Herr Chefredakteur schon im Amte, als zu Köln am Rhein jene „Afrika-Expedition durch die Sahara“ erfunden und dem Publikum vorgespiegelt wurde?

Ja!

War er im Amte, als am 31. August 1893 die Besitzer der „Kölnischen Volkszeitung“ den Brief öffneten und lasen, in welchem Karl May ihnen das Recht entzog, die „Wüstenräuber“ weiter zu verlegen?

Ja!

Das genügt! Genügt vollständig! Das Weitere wird sich an einem anderen Orte finden! Man hat die „Wüstenräuber“ trotzdem festgehalten. Man hält sie heute, nach über acht Jahren, auch noch fest und verkauft sie Tag für Tag, obgleich der Honorarversuch vollständig mißlungen ist. Aber nun habe ich folgendes festzustellen: Der Verlag der „Kölnischen Volkszeitung“ ist kein Kolportagegeschäft, und die Mayschen Beiträge sind vollständig sittlich rein geschrieben. Dennoch hat das Ehrgefühl des Verfassers ihm nicht gestattet, das Honorar anzunehmen. Die Herren haben es wieder eingesteckt! Und aber der Chefredakteur dieser Zeitung beschuldigt May, für schnödes Geld einem Kolportagegeschäfte unsittliche Romane geliefert zu haben! „Für schnödes Geld!“ Habe ich etwas hinzuzufügen?

Eigentlich nein! Das Ultra tritt ja hier ins grellste eigene Licht! Aber ich muß unbedingt darauf hinweisen, daß in den Zeitungsberichten alle diese, mild gesagt, phantastischen Behauptungen unter dem Titel

„Die Wahrheit über Karl May!“

veröffentlicht worden sind! Die eigene Erfahrung aber hatte zur

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Evidenz bewiesen, daß es grad für May nichts Widerlicheres giebt als „schnödes Honorar“ an dem der ethische Grünspan haftet! Wer aber war es, der solches Honorar gern wieder in die Tasche steckte? Die „Kölnische Volkszeitung“!

Es ist doch sonderbar, daß die Kolportagebuchhandlung, für welche May des „schnöden Geldes“ wegen geschrieben haben soll, mit der Aufstellerin dieser Unwahrheit so ähnliche Gesichtszüge hat! Münchmeyer-Fischer drucken ohne Erlaubnis des Verfassers Sachen von Karl May. Die „Kölnische Volkzeitung“ thut ganz genau dasselbe! Münchmeyer-Fischer arbeiten den Inhalt um, behalten aber den Titel bei. Die „Kölnische Volkszeitung“ läßt den Inhalt unberührt, hängt aber in dem von ihr erfundenen Ultra-Titel Karl May das Gewand des Lügners, des Schwindlers um die Schultern. So stehen wohl beide gleich? Münchmeyer-Fischer und die „Kölnische Volkszeitung“? O nein! Wer steht höher oder wer tiefer? Man höre!

Der Kolportagemann hat keinen Chefredakteur. Er besorgt das, was ihm zur Last liegt, alles selbst. Aber mag er Mays Werke noch so sehr verändern,

„Die Wahrheit über Karl May!“

verfälscht er nicht! Für ihn ist May, der „turmhoch Stehende“, nicht ein Apostat der Sittlichkeit geworden. Vielmehr behauptet er, Karl May sei in jedem Gewande rein und lesenswert, selbst in den Münchmeyerschen! Dieser Mann, der verachtete Kol­por­ta­ge­buch­händ­ler, hat trotz seines sogen. „Schundverlages“ so viel Ehrgefühl, daß es ihm gar nicht einfallen kann, zur geschäftlichen Ausnutzung auch noch die per­sön­li­che Abschlachtung zu fügen!

Und aber die „Kölnische Volkszeitung“. Sie hat einen Chefredakteur. Aber mag sie den Inhalt seiner Werke noch so unberührt lassen,

„Der Wahrheit über Karl May!“

hängt sie den „Wüstenräuber“-Mantel um und läßt sie dann durch die ersonnene Afrika-Expedition im allerschlimmsten Lichte erscheinen! Der „turmhoch Stehende“ wird als Apostat der Sittlichkeit bezeichnet! Diese Zeitung, welche so fälschlicher Weise als „Personifikation des deutschen Katholizismus“ bezeichnet wird, ist von einer so hervorragenden Herzensbildung, daß sie selbst verbotener Ware ihre anhängliche, treue Liebe nicht entzieht, kein zurückgesandtes Honorar verschmäht und zu diesen geschäftlichen Vorzügen zuguterletzt auch noch als

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sittliche Mutter Deutschlands ihre lieben Kinder vor moralischer Verrohung infolge „scheußlicher Lektüre“ warnt!

Soll ich wieder fragen, wer höher stehe, der „Kolporteur“ oder die „Kölnische Volkszeitung“ Sie hängen beide hier in ihrem eigenen Lichte. Wer hinschaut, mag entscheiden! — —

Der „Feind“ im biblischen Gleichnisse kam, als „die Leute schliefen“. Er säete sein Unkraut heimlich aus. Er schämte sich. Der Haß trieb ihn zur nächtlich dunklen That. Aber Sinn für Reputation war noch vorhanden. Wie aber handelte der Haß zur jetztigen Zeit? —

Heut, kurz vor Weihnachten, stehen allüberall die Münchmeyerschen Bücher, mit dem Namen Karl May versehen, ganz mit demselben Rechte oder Unrechte wie zu Köln am Rhein „Die Wüstenräuber“, an zahllosen Buchhändlerfenstern. May muß das ruhig geschehen lassen. Er hat den Ausgang des Prozesses abzuwarten. Wie er dadurch geschädigt wird, ist weder zu berechnen noch zu sagen! Wer aber trägt die Schuld daran?

Der grimme, unbegründete Haß, der in seiner volkspsychologischen Blindheit sich zum Marktschreier und Ausrufer für die Münchmeyersche Kolportagebuchhandlung machte! Er hat einen vol[k]serzieherischen Fehler begangen, der niemals wieder gut gemacht werden kann. Seine Pflicht wäre es, diesen Fehler einzugestehen und May um Verzeihung zu bitten, so wie dieser vorhin gebeten hat, ihm seine Fehler zu vergeben! Anstatt aber dies zu thun, begeht dieser Haß die beispiellose Ungeheuerlichkeit, dem so schwer und unschuldig Geschädigten einen öffentlichen Fußtritt nach dem andern zu versetzen, um ihn … was? … auszumerzen!

In dieser Bemühung gehen beide innig Hand in Hand. Das Ultra zu Frankfurt am Main und das Ultra zu Köln am Rhein. Der Main fließt ja in den Rhein, und die Flüsse bilden, wie man weiß, auch geistige Verbindungswege. Die Frankfurter Abfallstoffe haben sich zu Köln am Rhein festgesetzt. Alles, was die „ungläubige Demokratin“ gegen May ausspie, wurde von der vornehmen Kölner „Aristokratin“ bereitwilligst aufgefischt und sowohl schriftlich wie auch mündlich ihren gäubigen Lesern und Zuhörern als

„Die Wahrheit über Karl May!“

auf den sittlich rein und weiß gedeckten Tisch serviert. Der Herr Küchenchef soll aber ja nicht glauben, die deutsche Volksseele durch derartige moralisch-kulinarische Kunststücke für längere Zeit dupieren oder gar ernähren zu können! Sie hat ja gar nicht nötig, einen

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Blick in seine Küche zu werfen! Sogar das Betreten seines Hauses ist ganz überflüssig! Sie gehe nur vorüber und schaue in die Ladenfenster! Da stehen die „Wüstenräuber“, einer neben dem anderen! Man hat ihre Sprache nicht lange verstanden. Jetzt aber werden sie umso lauter und deutlicher reden und erzählen. Jetzt werden sie verkünden, was bisher so geheim gehalten wurde. Was? Etwas höchst Wissenswertes und Interessantes, nämlich

„Die Wahrheit über die Kölnische Volkszeitung!“

„Die Pflege der Ideale ist die größte Kulturarbeit, und wenn wir hierin den anderen Völkern ein Muster sein und bleiben wollen, muß das ganze Volk mitarbeiten!“

Diese goldenen Worte hat vor wenigen Tagen der deutsche Kaiser allen denen zugerufen, welchen eine solche Erinnerung von so hoher Stelle nötig ist. Die notleidende, nach Idealen dürstende Seele des Volkes hat ihm diese Worte in den Mund gelegt. Sie, der wir als unserer herrlichen „Germania“ sichtbare Gestaltung geben; sie, der wir es zu verdanken haben, daß man die deutsche Nation „das Volk der Dichter und Denker“ nennt; sie, die uns auf dem Gebiete der Kunst, der Wissenschaft die Pfade zeigt, welche zu den höchsten Zielen führen; sie, welche die Wogen die deutschen Flüsse rauschen, die Vögel der deutschen Wälder singen, die Glocken der deutschen Kirchen läuten und alle Pulse Deutschlands für das Ideale schlagen läßt: sie soll von ihrer Höhe niedersteigen; sie soll nicht mehr dichten und denken dürfen; sie soll der Kunst verderbliche Schlingen stellen und die Wissenschaft in Fesseln legen; sie soll das Rauschen der Ströme, die Stimmen der Wälder, den Klang der Glocken und jeden deutschen Herzenspuls in den Dienst von Geistern stellen, die nicht eingestehen wollen, daß sie an dem Fels des blinden Vorurteils geschmiedet sind!

Wir haben es leider nicht vermeiden können, derartigen Geistern auch hier in diesen Blätten zu begegnen. Es ist ihnen aber nicht möglich gewesen, uns derart, wie es in ihrer Absicht lag, irre zu leiten. Sie haben uns in ihrem eigenen Lichte so deutlich

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vor die Augen gestellt, daß wir nun ganz genau wissen, was das deutsche Volk von ihnen zu erwarten hat. Sie dünken sich, in dem Besitz der alleinseligmachenden Weisheit zu sei. Sie schwören darauf, das Monopol des alleinrichtigen Urteils zu besitzen. Sie haben sich ein Selbstpatent auf den alleingültigen Volkswillen ausgestellt. Sie meinen darum, daß man ihnen in jeder Beziehung zu gehorchen und Heerfolge zu leisten habe. Sie fordern unbedingte Willigkeit. Das geringste Weigern wird von ihnen streng gerügt. Und wer sich von einer solchen Rüge nicht augenblicklich niederschmettern läßt, um den ist es geschehen — — man merzt ihn einfach aus!

Man darf diese Geister ja nicht unterschätzen! Sie besitzen eine große Macht, obgleich ihnen nur kleine Menschen dienen! Sie selbst aber gehorchen jenem großen, rücksichtslosen, niemand neben sich duldenden Geist, der keinen anderen Namen, als nur den seinen kennt. Und dieser Name lautet: „Ich“! Sein Reich ist — — das Monopol, das Patent, heiße das Gebiet auch, wie es heiße! Er liebt nur sich; er verachtet alles andere, und er haßt — — nur ein Einziges: die Seele, weil sie die Liebe ist, welche neben sich auch andere liebt. Wo dieser Geist zur Herrschaft kommt, da muß die Seele leiden, sei es beim ganzen Volke. Sein erstes Gebot lautet:

„Ich bin der Herr, Dein Gott und Ideal. Du sollst nicht andere Ideale haben neben mir!“

Wer diesem Selbstgotte fröhnt, der wird zum Ultra-Ich. Zum Mustermenschen, welcher stolz sagt: „Ich bin das von mir erreichte Ideal; die andern haben nur und allein nach mir zu streben!“ Ein solches Ultra-Ich setzt sich an Stelle der Humanität und wird darum inhuman. Es setzt sich an die Stelle der idealsten Moralität und handelt darum unmoralisch gegen andere Menschen. Aus ganz demselben Grunde setzt es sich in seinem angemaßten Urteile über die größten Staatsmänner, Nationalökonomen, Philosophen und Aesthetiker und wird dadurch undiplomatisch, unwirtschaftlich, unphilosophisch und — — häßlich! Es setzt seinen eigenen Geist hoch über den Geist eines Buches hinweg und spricht darum von diesem Buche ohne Geist. Kurz, „dieses Ultra vernichtet jedes Ideal, indem es sich selbst zum Ideale setzt“. Wir haben ja die Zeitungsartikel solcher Ultra-Ichs gelesen und ihre Vorträge anhören müssen. Welchen Eindruck aber haben wir gewonnen? Wo war die Hoheit dieser Ich-Ideale hingeraten? Tief unten hat sie nackt und

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bloß vor uns gestanden! Und welchen Eindruck soll diese Nacktheit, diese Blöße auf uns machen? Als Vorbild soll sie uns dienen? Nacheifern sollen wir ihr? Welch ein unglückliches Volk, dessen Apostel und Erzieher solche Ultra-Menschen sind!

Apostel und Erzieher? Ja! Den „Apostel“ haben wir ja kennen gelernt! Und den „Erzieher“ werden wir gleich auch zu sehen bekommen! Er sitzt auf seinem Redaktionssessel oder er steht auf der Rednertribüne und belehrt das Volk. Er erteilt ihm Unterricht. Er mahnt; er warnt; er — — straft! Dem geistig Schwachen giebt er „guten Rat“ und dem sittlich Unvorsichtigen bietet er sich zur Stütze an! Sind da nicht alle Momente der „Erziehung“ vorhanden? Und wie diese Erziehung gehandhabt wird, das haben wir gesehen! Mit dem geistigen und moralischen Knüttel schlägt man zu! Mit journalistischen „Kasernenhofblüten“ setzt man sich in Respekt! Man treibt die erzieherische Disziplin bis zum Spießrutenlauf! Man wirft sich als Zuchtmeister der deutschen Nation in die Brust! Und das, das sind die Ich-Ultras, die Ich-Ideale, über welche hinaus es nichts mehr giebt, was man anstreben kann! Nach ihnen, nur nach ihnen sollen alle deutschen Pulse schlagen! Nur so allein, wie sie wollen, ist es in Deutschland erlaubt, zu fühlen und zu denken! Was ihnen fehlt, das wahre, hohe, edle Ideal, das darf sich in keiner deutschen Brust ertappen lassen. Es wird ohne Gnade und Barmherzigkeit — — ausgemerzt!

Diese Geister kommen, wenn „die Leute“ nicht wachen, und säen Unkraut unter den Weizen. Diese Unkraut wuchert üppig auf im Volke, in der Familie! Wenn dann die junge Saat aufgeht, dann sieht die Obrigkeit und dann sehen die Eltern mit erschreckendem Erstaunen, wer dagewesen ist! Die ausgestreuten „Ichs“ sind aufgegangen. Dornen und Disteln von entsetzlicher Vermehrungsfähigkeit! Jede will der anderen Licht, Luft und Wärme rauben! Der eigene Vorteil ist das einzige Gesetz, nach dem jede dieser „Pflanzen“ sich zu entwickeln trachtet. Da gibt es weder Liebe noch Ehrfurcht für die Eltern! Der Gehorsam kann nur durch Drohungen, durch Strafe erzwungen werden. Und ist der Vater schwach, so zieht er sich ein „Früchtchen“ heran, welches sich nicht ihm, sondern nur jenen „Ich-Idealen“ folgsam zeigt. Wie diese keine Einschränkung des eigenen Willens kennen, so trotzt auch hier der Eigenwille jeder Gefahr. Und wie diesen großen Ichs sich über alle Ideale stellen, so ist auch für die kleinen keines vorhanden, welches ihnen sittlichen Halt gewährt. Das „Ultra-Ich“, die Unbotmäßigkeit, hat sich bereits im Knaben so entwickelt, daß er möglicherweise sogar dem Strafgesetze

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in die rächenden Arme getrieben wird. Sitzt dann so ein Unglücklicher auf der Anklagebank, so ist die Ernte des Feindes reif!

Er sammelt also nun seine Früchte ein? O nein! Dazu ist der ja viel zu klug! Es kommt ihm gar nicht in den Sinn, sich zu den „Früchten“, zu dem „Unkraut“ zu bekennen. Er fängt das anders an! Wie? Ein Beispiel mag das zeigen! Jungens, welche von den Eltern verwahrlost waren, saßen auf der Anklagebank. Die juridischen Gründe lagen klar. Von den moralischen Ursachen mußte auch gesprochen werden. Sie lagen in der vollständig verfehlten Erziehung. Aber sollte man den Eltern die Schande anthun, dies vor Gericht zu konstatieren? Nein! Woher nun Gründe nehmen? Juristen sind bekanntlich kluge Leute. Es gibt einen „Ultra“ unter ihnen. Seine Logik führt ihn zu folgender Gedankenverbindung: Unbedingt ist die Erziehung schuld — — sie geschieht nicht bloß praktisch, sondern auch theoretisch — — durch Bücher. Greifen wir nicht die praktische der Eltern, sondern die theoretische an! Aber welche Bücher? Die Bibel — — den Katechismus — — die Schulwerke? Unmöglich! Also — — Unterhaltungsschriften, Leihbibliothek, „Ju­gend­schrift­stel­ler“ — — ah! Da ist ja z. B. dieser überall gelesene Karl May! Hoffentlich haben auch die angeklagten Jungens ihn gelesen! Sie wurden gefragt, und was mit Sicherheit zu erwarten war, das geschah: Sie antworteten mit einem Ja! Jetzt war die Ehre der Eltern gerettet. Nach der Ehre Mays wurde aber nicht gefragt! Man erklärte vielmehr einmütig, daß die Schuld auf die Lektüre schlechter Jugendschriften, besonders der Karl May’schen, zu schieben sei! Hierauf aber ging einer der Juristen zum Buchhändler und kaufte für seine eigenen Söhne drei Bände von Karl May. Ein zweiter Jurist erklärte: „An den Jungens war nichts zu verderben, selbst durch schlechte Bücher nicht!“ Und ein praktischer Rechtsgelehrter schrieb an die bekannte Stelle nach Köln am Rhein, daß dieser Fall keineswegs Karl May zur Last zu legen sei!

Welches Recht hat man, jugendliche Verirrungen mit dem Namen Karl May zu bedecken, um die Eltern zu entlasten? Selbst seinen Gegnern sind drei falsche „Karl May“ bekannt. Allein in Württemberg sind hunderttausende der schauerlichen Bücher unter seinem Namen verbreitet worden, ohne daß er auch nur eine Ahnung von ihrem Inhalt und Verfasser hatte. Es ist nichts als nur ein Zufall, daß er auch über die Indianer schreibt. Die Namen aller jener litterarischen Sünder, welche dieses reiche Feld beackern, verstecken -

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verstecken sich hinter dem seinigen, der ohne Makel ist. Aber selbst wenn die gegen May gerichteten Anklagen die Wahrheit enthielten, könnte er wirklich schuld an den oben erwähnten Verirrungen sein? Wer hat den Jungens die Bücher gegeben? Wer hat die Pflicht, ihre Lektüre zu überwachen? Wenn jemand vergiftet wird, wer ist zu beschuldigen? Der Apotheker oder der Mörder? Schon dieser eine Hinweis zeigt, welche Gedankenlosigkeit dazu gehört, den Eltern schlecht erzogener Kinder mit „schlechten Jugendschriften“ zu Hilfe zu kommen, und wenn dies von Juristen geschieht, so ist es um so unbegreiflicher!

Nun wissen wir aber, daß grad bei May alles Schädliche sorgfältig vermieden ist, und so fragen wir verwundert: Wie sind jene Herren Juristen grad auf Karl May gekommen? Kannten sie seine Werke als verderblich für die Jungen? Wurde dies während der Untersuchung nachgewiesen? Und speziell: Durch welche Stellen (Seitenzahl angeben!) sind grad diese Angeklagten moralisch so verdorben worden? Ein Jurist darf doch niemals ein Urteil ohne vorherigen Beweis fällen! Ich glaube, diese Herren haben es nur der Humanität und Nachsicht Karl Mays zu verdanken, daß sie juridischen Weiterungen entgangen sind, die er höchst wahrscheinlich mit besseren Gründen hätte belegen können, als die ihren waren!

Wie kam es doch wohl, daß dieser Fall durch so viel Zeitungen getragen wurde? Höchst überflüssige Frage! Das große Ultra-Ich trug ihn von Blatt zu Blatt! Der „Feind“, der seine Unkrauternte nun unverzüglich weitersäete! Er kam bei diesem Gange auch an ein frommes, stilles Haus. Es wird von Brüdern einer Kongregation bewohnt, welche „ihren Karl May“ sehr hoch in Ehren hält. Sie hat ihn sogar in eine fremde Sprache übersetzt, um durch ihn auch auf ihre nicht deutsche Beicht- und an deren Kindern religiös und sittlich heilsam einzuwirken. Sie erzielt mit ihm recht günstige Erfolge, doch leider nicht er mit ihr. Sie zahlt ihm nämlich nichts für diese Bücher!

Dieser Kongregation gehört das Haus, an welches das große Ultra-Ich kam, um sein Unkraut unter den Weizen Mays zu säen. Man wies es natürlich ab? O nein! Es wurde freundlich bewillkommt und dann als lieber Gast beherbergt und gepflegt. Auch nahm man ihm einen ganzen Sack voll Unkrautsamen ab, um ihn als Dank der Kongregation auf dem Felde Mays auszustreuen! Einer der frommen Brüder dachte nach, in welcher Weise das wohl am besten zu geschehen habe. Seine Kongregation druckt May, um durch ihn erzieherisch einzuwirken. Der Pater aber schien die allgemeine

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Ansicht seines Ordens über das Heil der Kirche und die Erziehung des Volkes nicht zu teilen. Vielleicht war er kein Freund der Pädagogik seiner Brüder, weil sie es nicht verstanden hatte, sein eigenes Ultra eines Besseren zu belehren! Er beschloß also, der Ueberzeugung seines Ordens durch den Beweis entgegenzutreten, daß May ganz oder gar nicht die Uebersetzung, wohl aber die Vorenthaltung des Honorars verdiene. Er ließ das Unkraut drucken und unter der AufschriftKarl May als Erzieherüber die ganze deutsche Welt verbreiten!

Was soll ich, der ich nicht geistlichen Standes bin, zu solchem Dank eines geistlichen Herren sagen?! Ich frage nur: Wer hat wohl Recht? Der Pater? Was er gegen May vorgebracht hat, ist durch den Inhalt dieses Heftes schon längst weit mehr als nur widerlegt! Oder der Orden? Den hat noch niemand widerlegt! Aber was zeigt uns nun auch dieser Fall? Eine Kongregation druckt May, weil sie ihn doch für hoch erzieherisch hält. Und ein einzelnes Mitglied derselben Kongregation behauptet in einem weitgelesenen Blatte, daß vor ihm als Erzieher zu warnen sei! Es zeigen sich auch hier wiederDie Feinde Karl Mays in ihrem eigenen Lichte!Den Artikel des frommen Bruders haben zahlreiche Zeitungen abgedruckt. Von der Nachsicht Mays der Kongregation gegenüber hat kein Mensch etwas gehört. May ist ja — — — diskret! Es fällt ihm übrigens gar nicht ein, sich als „Erzieher“ aufzuspielen; aber es freut ihn doch, wenn ihm seine Leser schreiben, daß die „Reiseerzählungen“ „erzieherisch“ im besten und edelsten Sinne gewirkt haben. Es sei also auch hier auf die beigefügten Briefe verwiesen, welche dies beweisen. Und damit die Herren Gegner nicht auch hier wieder in ihre früheren „Münchhausiaden“ fallen können, habe ich das Zeugnis sogar dreier Rechtsanwälte beigegeben, welches beweist, daß diese Briefe „echt“ sind.

Wenn das Unkraut der Gegner den Weizen Mays als schädlich bezeichnet, so ist das nichts, worüber man sich zu wundern hat. Es erklärt schließlich ja auch der Fuchs den Jäger für einen Mann, den jeder meiden soll! Fast unbegreiflich ist aber die Bereitwilligkeit, mit welcher dieses Unkraut weitergetragen wird! Um das zu verstehen, muß man auch nach andern als nur den rein journalistischen Ursachen suchen. Es scheinen zu den materiellen und geistigen noch „seelische“ Gründe zu kommen. Man suche also nach der Seele dieser Abart der Presse! In dieser Beziehung ist zunächst der Wahrheit gemäß zu konstatieren, daß es den wirklich und unzweifelhaft vornehmen Journalen Deutschlands nicht eingefallen ist, sich an der mit so vielem Kraftaufwande inscenierten

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„Hetze“ zu beteiligen. Der „Seelenadel“ hat den Sumpf geahnt und sich vor ihm gehütet. Die Seelenarmut brauchte nicht einmal ihr kurzes Kleid zu schürzen, um Stapfe für Stapfe hindurchzuwaten! Wer die deutsche Volksseele so wenig kennt, daß er glaubt, sie werde sich ihre Ideale von ihm rauben lassen, der hat wohl an der eigenen diesen Raub schon längst begangen! Und hiermit ist der Boden festgestellt, auf dem das Unkraut „ergötzlich“ wuchern kann — — — die Seelenarmut ist’s!

Wäre die Seele des Menschen etwa für ihn Sichtbares, wie ganz anders würde er sich ihr widmen! Sein Heil hängt ja nur von ihr allein, nicht aber von seinem Geiste oder gar Körper ab. Wer freilich diese Heil und mit ihm die Seele leugnet, der beweist damit nur, daß beide, seine Seele und sein Heil, nicht auf dem Ultra-ich-Gebiete zu suchen sind. Das „Ich“ ist beider allerschlimmster Feind! Und wenn es gar als Redakteur oder Redner sich anmaßt, die Seele und das Heil nicht nur des einzelnen sondern auch des ganzen Volkes in die Zucht zu nehmen, so kann es allen diesen Seelen sehr leicht so ergehen, wie es Karl May ergehen sollte: „Wir beschlossen, ihn auszumerzen!“ Die oben angeführten Worte des Kaisers sind durch das ganze deutsche Reich erklungen und haben die Zustimmung der ganzen deutschen Presse gefunden. Aber wie verhält sich diese Presse, sobald das Kaiserwort in die That umgesetzt wird? „— — — so muß das ganze Volk mitarbeiten!“ hat der Monarch erklärt. Aber erlaubt die Presse das? Derjenige Teil von ihr, welcher die unendliche Bedeutung der Ideale kennt, erlaubt es nicht nur, sondern er unterstützt es sogar, so viel er kann. Der andere Teil aber tritt dieser Arbeit mit allen Mitteln entgegen, die er sich gestatten zu können meint. „Ich bin das von mir erreichte Selbstideal. Kein Mensch darf nach einem anderem Ideal streben; es wird sonst ausgemerzt!“ Das ist der Grundsatz, nach welchen da gehandelt wird. „Wenn wir dem Volke seine Ideale lassen, dann glaubt es ja nicht mehr an uns!“ „Dem Kaiser rufen wir zwar zu: Vivat das Ideal! Denn wenn wir das nicht thäten, so würden wir durchschaut. Dem Volke gegenüber aber wird dieses Vivat in das entschiedenste Pereat verwandelt!“

Weiß man vielleicht, in welcher Weise diese Verwandlung vorgenommen wird? Sie ist nicht etwa schwer, sondern sogar sehr leicht durchzuführen. Setzen wir uns einen Fall! Den folgenden: Ein Schriftsteller schreibt über ideale. Er gehört nicht zu jener Ultra-Presse, sondern er ist eine „Stimme aus dem Volke“. Er thut also das, was der Kaiser wünscht! Er will, daß sein Volk auch die

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Seelen anderer Völker kennen und auch lieben lerne. Er führt darum seine Leser in die Länder jener Völker und zeigt ihnen dort Personen, welche sich von diesen ihren Volksseelen leiten lassen. Der Leser wird so ergriffen, daß er mit seiner ganzen eigenen Seele bei dieser Lektüre ist. Diese Bücher enthalten also nichts anderes, als: „Besuchsreisen, welche die deutsche Volksseele unternimmt, um die Seelen anderer Völker kennen zu lernen und liebzugewinnen.“

Solche Reisewerke hat es bisher noch nie gegeben. Darum ist es kein Wunder, daß jedermann ihnen ein ungewöhnliches Interesse schenkt. Der Leser bewegt sich in einer Welt der Ideale, deren Gestalten zwar dem wirklichen Leben angehören, deren Seelen aber den verderblichen Einfluß des Materialismus zu überwinden streben. Es entsteht in ihm das Verlangen, es diesen Gestalten und diesen Seelen gleichzuthun. Hierin liegt der hohe, erzieherische Wert, den diese Bücher haben. Jung und Alt beginnt, für sie zu schwärmen. Sie werden nicht bloß Eigentum, sondern sogar Lieblingseigentum des Volkes, dessen Seele sich in ihnen offenbart. Da wird der Materialismus aufmerksam. Ich meine nicht den, welchen man gewöhnlich mit diesem Worte zu bezeichnen pflegt, sondern den andern, fast allgegenwärtigen, für den es auch auf geistigem, sittlichem und religiösen Gebiete keine andere Materie, als die von ihm konstruierte giebt! Seine Altäre stehen in den Redaktionen jener zweiten Art der Presse, von der ich sprach. Man beginnt dort, sich mit diesen Bücher zu beschäftigen. Man ist empört, durch sie in ein Reich geführt zu werden, in dem die Seele alles, das andere aber so viel wie gar nicht gilt. Man sagt sich: „Dieser Mann, der aus und zu dem Volke spricht, ist ein Mann, mit dem gar wohl zu rechnen ist! Wir hätten ihn nicht so bekannt werden lassen sollen, wie er geworden ist! Wir müssen ihn unbedingt zum Schweigen bringen!“ — Wie fängt der Materialismus das an? Außerordentlich pfiffig, und doch ebenso außerordentlich einfach: Er macht diese Schriftsteller auch zum Materialisten! Er sagt: „Von Seele, von Idealen giebt es in diesen Bücher keine Spur. Die Länder, die Völker, die Städte, die Flüsse u. s. w., welche der Verfasser so wahrheitsgetreu beschreibt, sind wirklich da! Die Personen ebenso! Das alles ist die schönste, die unwiderleglichste, die materielle Wahrheit. Aber die Seele, welche diese Personen sprechen, denken und handeln läßt? O, die giebt es nicht; die ist gar nicht da! Er selbst ist dies Ideal! Und weil wir als „Ultra-ichs“ und als Materialisten keine anderen Ideale und keine Seele gelten lassen können, so sind alle seine Volksseelen -

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Volksseelen Lügen. Die allergrößte dieser Lügen aber ist das „Ich“, in dem er schreibt!“

In dieser Weise verwandelt man die Idee, der man nicht beikommen kann, in den Verfasser. Man kennt die Grenze nicht, an welcher sich bei ihm das Ideal mit der Wirklichkeit vereint. Man giebt sich auch gar nicht die Mühe, sie zu finden, weil man dem ersteren dadurch Konzessionen machen würde. Man bleibt bei dem Stoff, bei der Gestalt und wirft auf die Lüge, die man selbst begeht! In dieser Weise wird die ideale Welt zerstört und der Verfasser — — ausgemerzt! Nun sage der deutsche Kaiser noch einmal, daß auch das Volk für seine Ideale mitzuarbeiten habe!

Was Volk!!! Wer ist dieses Sammelsurium denn eigentlich??? Wir sind die Ultrapresse, die Regierenden, ultra nach oben oder nach unten. Alles andere, was zwischen oben und unten liegt und sich nach uns zu richten hat, das ist das Volk!!! Und dieses Volk soll eine Seele haben? Dann nur schnell fort mit jenem Schriftsteller, der ihm von dieser Seele und von diesen Idealen vorerzählt! Besonders der Jugend werde er entrissen! Den Schülern, die nach höheren Zielen streben! Wozu sind ihnen ideale nötig! Man denke doch! Eine ideale Menschheit! Über sie verbreitet eine ideale Presse! Die größte Unmöglichkeit, die es nur geben kann! Ein jeder, der zu uns gehört, hat die Pflicht, diesen Menschen als „Jugendschriftsteller“ und als „Erzieher“ so zu diskreditieren, daß er wirklich doch noch auf den Index kommt!

Hierzu konstatiere ich, daß die „Jugend“ bereits begonnen hat, sich gegen Karl May zu wehren. Ich freue mich darüber! Warum? Erstens, weil es in jener liebenswürdig heiteren Weise geschehen ist, welche der Jugend so gut zu Gesicht steht. Und zweitens, weil der Verdacht, welcher dieser „Jugend“ über Karl May eingeflößt worden ist, mir denn doch zu denken giebt. Welcher Verdacht?

Ich spreche hier nicht von der Jugend im allgemeinen, sondern von derMünchner Jugendinsbesondere. Auch dieses Blatt hat sich mit Karl May beschäftigt und ich glaube, verraten zu dürfen, was und wie er davon dachte. Nämlich, als er die betreffenden Stellen gelesen hatte, lachte er herzlich und sagte: „Du liebe Jugend“, was machst du doch für Jugendstreiche!“

Sie glaubt nämlich nicht weniger als ihn in Schutz genommen zu haben, hat ihn aber in einer Weise verteidigt, der ich meine Anerkennung nicht versagen kann. Von niemand ist das Verhalten seiner Gegner so deutlich und so grell beleuchtet worden wie von ihr!

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Jedermann weiß aus Karl Mays Werken, daß kein Mensch den Buren den endlichen Sieg herzlicher gönnen kann als er. Das dreht die „Jugend“ herum: Grad aber als unerbittlichen „Burenfresser“ läßt sie ihn nach Südafrika gehen oder vielmehr „reiten“, wie die „Frankfurter“ so gern sagt, und ihn jene „Münchhausiaden“ vollbringen, welche die „Kölnische Volkszeitung“ erfunden hat! Kann man seine „Kritiker“ besser persiflieren? Man sagt, daß Kinder die besten Menschenkenner seien. Die „Jugend“ hat die Wahrheit dieses alten Satzes bestätigt. Auch sie repräsentiert einen neuen, jungen Willen, der seine eigenen Wege sucht. Wenn er nach Edlem strebt, wird er diese Wege finden. Ahnt sie, daß auch May seine Wege geht? Daß diese aber weitab von denen liegen, welche andere gehen? Einsame, aber sonnig helle Geistespfade, an denen weder rechts noch links der Ruf der Unken im Sumpfe ertönt? Kennt sie ihn und seine Ideale? Vielleicht sind es die ihren, vielleicht auch nicht! Er ist ein alter Mann und plaudert nicht. Die Jugend aber hat das Recht, es noch zu thun. Sie werde alt! Doch nur an Vorsicht, ja nicht im Herzen! — —

Indem ich mich dem Schlusse dieser Arbeit nähere, drängt sich mir die Frage auf: Was hat man mit allen diesen Angriffen gegen May erreicht? Ist er „ausgemerzt“ worden? Das Gegenteil hat stattgefunden: Wo er noch nicht bekannt war, dahin wird er jetzt, zur Weihnachtszeit, als „Christgeschenk“ gebracht! Aber was für ein „Christgeschenk! Mit obscönen Bildern ausgeputzt, als ob nicht „heilige Zeit“, sondern Liebeskarneval sei! Das Unkraut, welches der „Feind“ ins Volk getragen hat! Die Folgen jener öffentlichen Reden, welche über den „unsittlichen“ May gehalten worden sind! Der Verleger dieser Sachen ist dadurch förmlich gezwungen worden, die Zeit bis zur Fällung des richterlichen Urteils mit allen Kräften und allen Mitteln auszunutzen! Er weiß, daß dieses Urteil gegen ihn sprechen muß, aber das vorgefällte Urteil der feindlichen Presse hat ihn verführt, die durch sie gemachte Reklame auszunützen.

Diese Presse hat kurzsichtigerweise verlangt, daß May mit seinen Beweismitteln hervortrete. Man braucht nicht Jurist zu sein, um über eine solche Forderung in Erstaunen zu geraten. Zunächst ist es eine Bevormundung, die ihresgleichen sucht. Ein Rechtsübergriff des Ultra-Ich! Was bildet es sich ein! Und sodann zeugt dieser selbstüberhebende Eingriff in die Bestimmungsrechte eines unabhängigen Mannes von einer geradezu kindischen Unerfahrenheit auf prozeßlichem Gebiete. Auch dieses Ansinnen zeigt so recht:

„Die Gegner Karl Mays in ihrem eigenen Lichte!“

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Nur die Großmannssucht, die aufgeblähte Arroganz kann sich einbilden, ein derartiges Verlangen stellen zu dürfen! Und wenn diese Arroganz, wie wir gesehen haben, selbst auch einen Preßprozeß zu erwarten hat, so ist es eine Unvorsichtigkeit von ihr, ihre Unkenntnis der Prozeßordnung in dieser Weise einzugestehen!

Wann, wie und mit welchen Beweismitteln es May beliebt, gegen Münchmeyer vorzugehen, das ist ganz genau ebenso nur seine Sache, wie auch er allein zu bestimmen hat, wann, wie und mit welchen Beweismitteln gegen die Nachdrucker der „Wüstenräuber“ vorgegangen werden soll! Die jetzt so unberechtigter Weise von Münchmeyer — Fischer herausgegebenen Arbeiten Mays waren gleich anfänglich bestimmt in seine „Gesammelten Werken“ aufgenommen zu werden. Dies wird geschehen, wenn sie ihres aufgedrungenen „Karnevals“-Gewandes wieder entkleidet worden sind. Dann wird sich zeigen, ob sie sittlich rein sind oder nicht. Und dann, aber auch erst dann, wird man ein gerechtes Urteil über sie fällen können. Aber schon heute, aus ihrem jetzigen Kleide, auf die Moralität des Verfassers schließen zu wollen, das ist eine Voreiligkeit, welche er sich — — verbitten muß!

— — — — — — — — — — — — — — — — — — — —

Diese Striche sagen, daß ich eigentlich zu Ende bin. Aber die „Frankfurter Zeitung“ fügt ihrem Berichte über den Vortrag des Kölnischen Herrn Chefredakteurs ein Schlußwort bei, welches ich meinen Lesern doch nicht vorenthalten darf. Es lautet:

„Es ist sehr nützlich, wenn man weiß, wozu man seinen Verstand hat. Schade bloß, daß die meisten Leute so viel Zeit nötig haben, ehe sie sich entschließen können, von ihm Gebrauch zu machen!“

Welch eine Anerkennung für den Herrn Chefredakteur und seine „Kölnische Volkszeitung“! Sie enthält das Zeugnis über geistige Befähigung und zugleich auch die Quittung über geleistete Heeresfolge! Wie stolz können beide für solche Güte sein! Auch unser biblisches Gleichnis von Säemann hat ein Schlußwort, welches wir hier beachten müssen:

„Wer Ohren hat, zu hören, der höre!“

Was aber hören wir? Den Dank den die eine Maygegnerin der anderen vor die Füße wirft! Sie sagt zu ihr: „Du hast mit deinem Verstande nichts anzufangen gewußt! Wie lange hat es gedauert, ehe du von mir lerntest, ihn zu gebrauchen!“ Welch geistige Erhabenheit! Als ob die andere vollständig zerknirscht sein müsse! In dieser Weise lohnen die Gegner Mays einander ab! Niemand im ganzen deutschen

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Reiche hat Verstand gehabt, als nur die „Frankfurter Zeitung“ ganz allein! Und wo hat sie ihn her? Natürlich von den vier berühmten Zeitgenossen: dem Leser aus Karlsruhe, dem Berliner in Lausanne, dem Sachsen im Rheinlande und dem Texaner auf dem Hunsrück! Dieser ihr Verstand war also erstens vierfach, zweitens namenlos und drittens nicht zu Hause! Lauter sehr gute und lobenswerte Eigenschaften! Das er nicht „zu Hause“ war, haben wir an dem „namenlosen“ Zeug gesehen, welches das „vierfache“ Denkvermögen treiben durfte! Und aus solcher Quelle soll die „Kölnische Volkszeitung“ den endlichen Entschluß gefaßt haben, von ihrem Verstande Gebrauch zu machen? Ein wenig despektierlich! Nicht? Doch unter Kolleginnen nimmt man das wahrscheinlich nicht genau! Zumal wenn es von so befreundeter Seite kommt!

Dieses äußerst rücksichtsvolle Führungszeugnis wird aber nicht nur der „Kölnischen“ ausgestellt, sondern auch allen anderen Blättern, welche sich von der „Frankfurter“ in das Schlepptau nehmen ließen! Sie haben alle ihre Denkkraft von ihr stärken lassen. Sie alle wurden von ihr zu dem Entschlusse gebracht, „von ihrem Verstande Gebrauch zu machen“! Man sieht, welch eine reich fließende Verstandesquelle von den vier namenlosen „Zeitgenossen“ zu Frankfurt am Main erbohrt worden ist! Sie sprudelt für alle, welche noch nicht wissen, wozu man seinen Verstand hat! Wer so unglücklich ist, zu dieser Kategorie von Menschen zu gehören, dem sei die „Frankfurter Zeitung“ warm empfohlen! Man sieht, ich hege keinen Groll gegen sie; ich empfehle sie sogar! Und wem ihr Verstand nicht helfen sollte, der mag ihn trotzdem und immerhin genießen, er wird nicht daran sterben!

Sollte es nun ganz wider Erwarten hier oder da noch einen Menschen geben, der seinen Verstand auch ohne Beihilfe der „Frankfurter Zeitung“ zu gebrauchen versteht, dem sei das vorliegende, kleine Heft in die Hand gelegt. Es ist ja eben nur für Leute geschrieben, welche es nicht nötig haben, am Gängelband zu denken! — — —

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Briefe.

1.

Euer Wohlgeboren

werden mir gütigst verzeihen, daß ich mit Gegenwärtigem Ihnen lästig falle. — Der Zauber, welchen Ihre Reiseschilderungen auf mich und meine Familie ausüben, erstreckt sich auch auf solche Leser ihrer Erzählungen, welche, als Nichtdeutsche, die letzteren nur in der Uebersetzung kennen lernen. Einer meiner Unterbeamten, ein junger, feingebildeter Syrier, hat ihre Schriften in französischer Uebersetzung gelesen und ist für dieselben ganz begeistert. Ich theilte ihm mit, daß wir soeben ihren „Mahdi“ lesen, und da läßt er mir keine Ruhe, bis ich Sie um gütige Auskunft bitte, ob und wo die genannte Erzählung in französisch zu erhalten sei. Darf ich um diesbezügliche gütige Mitteilung bitten? — Dieser Bitte schließt sich noch ein anderer Gedanke an. Denn eben diesen jungen Mann Namens Neghib Gargour, der die arabische und französische Sprache vollkommen beherrscht und in der Literatur beider Sprachen vollkommen zu Hause ist, würde sich auch die Verbreitung Ihrer Erzählungen hier in Egypten unter den gegenwärtig sich stete vermehrenden Theile der gebildeten Araber ermöglichen lassen. Werden Ihre Schriften ins Arabische übersetzt und zwar von Jemand der das Zeug dazu hat, wie dieser junge schriftgewandte Syrer, dann wird der Absatz davon ein enorm großer sein. Seit ungefähr zwei Jahrzehnten ist die Schulbildung unter den Arabern und Syrern in großartigem Maße fortgeschritten. Demzufolge herrscht in jeder nur einigermaßen gut situierten arabischen und arabisch sprechenden Familie eine förmliche Lesewuth. Wäre Ihr „Mahdi“ in’s Arabische übersetzt — das Buch würde in keiner dieser Familien fehlen! Zu einer solchen Übersetzung (aus dem Französischen in’s Arabische) würde aber nicht leicht ein passenderer Mann zu finden sein als dieser Neghib Gargour, der auch von unserer General-Postdirektion als Interpret und Uebersetzer in beiden Sprachen verwendet wird. Namentlich in der feinen höheren arabischen Schreibweise soll er Vorzügliches leisten. Freilich weiß auch ich, daß es etwas Mißliches ist, den deutschen

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Originaltext aus einer französischen Uebersetzung auf arabisch getreu wiederzugeben. Allein Herr Gargour würde Ihnen das arabische Manuscript zur Durchsicht und allenfalls nötigen Correktur einsenden, falls sie ihm die Erlaubnis zum Uebersetzen Ihrer Erzählungen in’s Arabische gütigst gewähren wollten. Die Uebersetzung würde dem Khedive gewidmet und mit Ihrem Bilde und, auf Ihren allfallsigen Wunsch, mit Ihrer Biographie versehen werden. Alle weiteren Anordnung bezüglich der Drucklegung etc. würde der junge Mann natürlich von Ihnen erbitten, da er in dieser Hinsicht vollkommen Neuling ist.

Mit der herzlichen Bitte um gütige Antwort zeichnet mit aller Hochachtung

Euer Wohlgeboren

ergebenster

Amtsvorstand bei der egypt. Post

St. S.

2.

Sehr geehrter Herr!

„…… Gottesliebe und Menschenliebe, daß sind die leuchtenden Brennpunkte, um die sich ihre Erzählungen bewegen, die hellen Sterne, die in Ihrem Denken und Handeln bestimmend voranschweben und Ihnen, wie einst den Kämpen aus dem Morgenland, stets den rechten Weg zeigen. Ihre Schriften sind nicht in erster Linie Reiseerzählungen, sondern „Reden an die Völker“, Predigten des Gottvertrauens und der Menschenliebe, lebendiger und wirksamer, wie viele, denen diese Worte als Stichworte voranstehen. Praktisches Christentum treiben heißt: seine Macht und seine Wirkungen auf die Menschen im realen, bewegten Weltgetriebe zur Geltung bringen, nicht bloß das Gute lehren oder glauben, sondern das Gute thun. Ihre Schriften sind Thaten, wie sie unsere Zeit braucht, Apologieen Gottes und des Göttlichen im Menschen, Missionspredigten edelster und wirksamster Art. Darum wird auch Segen von ihnen ausgehen für Viele.

Und wissen Sie auch, worin das Geheimnis ihrer Wirkung liegt? — In der Persönlichkeit dessen, der im Geiste vor uns tritt: wem es vergönnt ist, seinem Leben in Wahrheit und Dichtung einen solchen Inhalt zu geben, sein Herz anzufüllen, mit all Ihren äußern und innern Erlebnissen, dessen Persönlichkeit muß durch sich selbst gewaltig auf seine Mitmenschen wirken. Und von jeher, so lange die Welt steht, waren es doch allein Persönlichkeiten, von denen im

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geistigen Leben der Völker Leben ausgegangen ist, deren inneres Licht die Dunkelheit des Erdenlebens erleuchtet und deren inneres Feuer die Herzen der Menschen erwärmt hat. Man schweige mir von Lehren, von philosophischen oder religiösen Systemen; an sich und durch sich selbst wirken sie Nichts. Erst wenn ein ganzer Mann, eine in sich geklärte und geschlossene Persönlichkeit sein Inneres mit ihnen erfüllt und durchglüht hat, ihre Wahrheit durch sein Leben zeigt und erweist, dann erst wird der tote Buchstabe lebendig, wird die latente Energie in lebendige Kraft umgesetzt, dann erst wirkt der Geist durch den Menschen auf den Menschen.

Es ist ja Pflicht eines Jeden, nach seinen Kräften und in seinem Kreise als Persönlichkeit mitzuhelfen, „das Reich Gottes zu bauen“. Daß in dieser Arbeitsgemeinschaft Ihnen ein so großes, herrliches Loos zugefallen ist, darum beglückwünsche und bewundere ich Sie.

Nehmen Sie den vorstehenden Herzensgruß für was Sie wollen, aber zweifeln Sie nicht daran, daß er ehrlich gemeint ist etc.“

Dr. G.

Regierungsrath.

3.

„… Ich bin Bibliothekar der hiesigen städtischen Volksbibliothek, welche augenblicklich 3390 Leser zählt, im vergangenen Jahre über 60 000 Bände ausgegeben hat und — außer den Hofkreisen — von Leuten aller Stände frequentirt wird.

Wenn meine Bücherreihen mit einer Gewehrsammlung verglichen werden, so ist „May“ die Waffe, mit der ich jeden Leser unfehlbar ins Herz treffe. Ja, unter allen Autoren steht „May“ weitaus obenan! Ich füge noch an, daß hiesige Gymnasiallehrer Ihre Werke als Studium zur Belebung des Styls empfehlen.

Möchte Ihnen noch recht lange die Kraft, zu reisen und die Freude, zu schreiben, gegeben sein! Der Sie umgebende, freudig dankbare große Leserkreis muß das von Herzen wünschen…“

„Der Sie hochverehrende

Bibliothekar.“

4.

„… Höchst wahrscheinlich wird es sie kaum überraschen, auch einmal von einer Klosterfrau ein Schreiben zu erhalten; ja es liegt sogar die Vermuthung sehr nahe, daß dies durchaus nicht das erste und das einzige sein wird.

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Aber warum ich Ihnen schreibe? Je nun, aus zwei Ursachen. Freilich werden Herr May die eine dieser Ursachen nicht hoch anschlagen; denn was könnte Ihnen, dem Vielgepriesenen, an der stillen Verehrung einer unbekannten, schlichten Klosterfrau im fernen Tirolerlande liegen? Und was dann die andere Ursache betrifft, so fürchte ich sehr… doch davon später.

Vorläufig will ich beim ersten Grunde meines Schreibens stehen bleiben. Trotz aller etwaigen Bedenken hat es mich doch gedrängt, Ihnen meine warme, tief empfundene Ergebenheit und Pietät einmal auszusprechen. Herr May sind ja bei aller Energie Ihres Charakters doch wieder so gutherzig, weich und edel, daß sie ein armes Gänseblümchen gewiß nicht verachten, welches den Muth oder die Keckheit hat, sich neben die stolzen Blumen tropischer Gärten hinzustellen und mit schüchterner, dankbarer Verehrung zu Ihnen aufzublicken.

Durch die Vermittlung von Marienkalendern und verschiedenen Zeitschriften an bekannte Leute wurde ich zuerst mit ihren Reiseerlebnissen bekannt; aber ich verhielt mich denselben gegenüber anfänglich sehr kühl und ablehnend; denn eine Roman-Lecture … und wären es auch nur Reise-Romane … schien mir doch für eine Klosterfrau in hohem Grade unschicklich. Allein die Berührung mit einigen Studenten, über die ich ein gewisses protégé auszuüben habe, vielleicht auch eine kleine Portion angeborener Evas-Natur, brachten mich dazu, doch einigermaßen Notiz davon zu nehmen, und da … nun, da kam eben auch das Verhängnis über mich, wie über alle, die Ihre Schriften lesen; es gieng mir um kein Haar besser als ihnen, d. h. ich blieb ebenso gut an der Angelruthe stecken wie sie!

Ist es eine Schande, wenn ich bekenne, daß ich bei Ihren Erzählungen mehr als einmal gelacht und geweint und noch viel Besseres als das: daß ich manche Anregung zum Guten daraus geschöpft habe? Wie oft hätte ich gerne zu Gunsten jener Armen, deren leibliches und geistiges Elend Sie so rührend zu schildern wußten, auf mein eigenes Essen verzichtet, wenn ich es Ihnen hätte schicken können!

Und jedesmal fühlte ich mich ordentlich von meinem Alp befreit, und so wohlthuend berührt, als hätte ich selbst die größte Gutthat empfangen, wenn ich weiter las, daß Ihr mildthätiges Herz sie auf irgendeine Weise ihrer drückenden Lage entrissen habe. Wie oft waren Sie und ihre Gefährten und die Situationen u. s. w. mir so nahe gerückt, daß ich glaubte, mitreden und mitdisputieren und mithandeln zu müssen! Es liegt ein ganz eigener Zauber in der

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Art und Weise Ihres Erzählens, den ich noch bei keinem anderen Schriftsteller gefunden habe und für den nur Sie selbst im 1. Hefte des „Hausschatzes“ dieses Jahrganges die richtige Erklärung gegeben haben, daß nämlich das, was von Herzen kommt, aus einem tief gläubigen, gott- und menschenliebenden Herzen, auch wieder zu Herzen geht und dort im tiefsten Innern verwandte Saiten berührt.

Ich hätte noch vieles, sehr vieles, aus dem Herzen heraus und von Herzen wegzuschreiben, um Ihnen den Beweis zu liefern, wie lebhaft ich bei Ihren Erzählungen und Schilderungen mitgefühlt, mitgelitten- und gestritten, mitgearbeitet und mitgebetet habe etc.; doch ich thue mit Gewalt an und schweige, um diesen ersten Theil meines Briefes bald zum Abschlusse zu bringen und Ihnen nicht ungebührlich lange die kostbare Zeit in Anspruch zu nehmen. Weiß ich doch aus Ihren eigenen Klagen, wie leichtsinnig, rücksichtslos und unbarmherzig manche Ihrer Verehrer Ihnen dieselbe wegstehlen. Leider besitze ich gar nichts, um Ihnen meine pietätvolle Verehrung auf eine würdige Weise darzulegen; denn arm bin ich von Hause aus und arm duch die Gelübde; aber etwas sende ich Ihnen doch, was hoffentlich vor Gott und Ihnen nicht ganz wertlos ist, nämlich: ein inniges „Vergelt’s Gott“ … „warme Glück- und Segenswünsche für Ihr ferneres Wohlergehen“ … „und ein herzliches Gebet, daß der Herr sie noch lange arbeiten, schriftstellern und … missionieren lasse! Es ist dies alles und das Beste, was mir zur Verfügung steht: die Gabe des Herzens, die Gabe geheiligter Armut, die Gabe aufrichtiger Dankbarkeit für all den reichen Segen, welchen sie im Glauben und in der Liebe ausstreuen! Möge mein armseliges, schmuckloses Schreiben nicht untergehen in all der Flut von noblen, glänzenden, duftigen, schillernden Zuschriften und Anerbietungen, mit denen Sie, der vielgelesene, vielgequälte, vielgepriesene Autor, überschüttet werden! …“

Schwester K.

5.

„Aber es bleibt dabei: Sie sind der größte Schriftsteller Deutschlands, ein Säcularmensch. Ihr Lob erklingt auf der Ofenbank und im Salon, im Munde des Backfisches und im Gehege der ehemaligen Zähne.

Sie sind ein großer Theologe. Nächstens, d. h. am dritten Sonntag in der Fastenzeit, wenn ich meine Gemeinde zur Beichte vorbereite, werde ich den Tod Ihres „Old Wabble“ auf die Kanzel bringen, wörtlich, um in meinen Pfarrkindern Reue und Leid zu erwecken. -

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erwecken. Ich habe nämlich auch Hartgesottene! Schade, daß die Sache zu lang ist! Zu zwei Predigten gehts nicht gut, und streichen möchte man nicht, weil Alles so schön ist. Klarer, wirksamer habe ich die Erweckung der Reue nach allen Richtungen noch nicht gehört oder gelesen! etc. etc.“

J. N. Pfarrer.

6.

„Eine alte Frau kann es nicht unterlassen, Ihnen die herzlichsten Neujahrswünsche zugleich mit meinem Danke für so viele schöne Stunden zu sagen, welche Ihre Bücher mir bereiten. Trotz meiner 70 Jahre fühle ich mich so frisch, daß ich es mit der Enkel hellem Entzücken über Karl Mays Bücher aufnehme. Ich lese viel, besonders Reiseberichte, verfolge mit lebhaftem Interesse die Colonialbestrebungen der Deutschen; dann sind es musikalische und wissenschaftliche Schriften, die ich bevorzuge, englische und amerikanische Bücher — — — — — aber Karl May heimelt mich immer wieder an, so frisch, so humorvoll, und vor allen Dingen so rein und edel! „Winnetou“ liegt stets bereit, ist die Perle und wird es stets bleiben.

Ich habe 40 Jahre in Marseille gelebt, und nur um meinen in Deutschland lebenden Söhnen und Enkeln nahe zu sein, zog ich nach Deutschland — — — — Möge Ihre Feder uns weitere, neue Genüsse spenden!“

Elisabeth E.

7.

„Durch den IIIten Band des „Mahdi“ in den Besitz Ihrer werthen Adresse gelangt, drängt es mich, Ihnen, verehrter Herr, meine herzlichste Anerkennung Ihrer so seltenen fesselnden Schriftgewandtheit auszusprechen. Grad der im ernsten, so manches Trübe bringenden Berufe stehenden Mann — wie ein vielgeplagter Landarzt — findet in Ihren Werken eine unerschöpfliche Quelle der Erfrischung, des Trostes und der Mahnung, treu und unverzagt weiter zu arbeiten an der eigenen Läuterung und zum Besten seiner Mitmenschen.

Ich kenne Kollegen, die einzig durch Ihre Schriften zum verlorenen Glauben ihrer Kindheit zurückgekehrt sind. Solche Erfolge erzielt zu haben und fort und fort weiter zu erzielen, das muß für Sie ein köstlicher Lohn sein, um den ich Sie beneide.... Mein innigster Wunsch ist, daß Ihre Werke in keiner Familie fehlen

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möchten, wo wahrer Sinn für das Edle und Schöne herrscht.“

Dr. med. R. T., pr. Arzt

8.

„Sehr geehrter Herr!

Ich hatte das Glück, einige Ihrer Werke zu lesen. Gott soll Ihnen lohnen die Stunden, die Sie mir bereitet haben, als einsamen, einzigen Europäer, Missionar in der Benoué (Zufluß des Nigers), wo ich mich nach geistiger Unterhaltung sehnte!

Für den Augenblick in unserem Mutterhaus, erlaube ich mir, bei Ihnen anzufragen, wo ich in leichter und meine Kasse schonender Weise alle Ihre Werke erhalten könnte.

Bitte um baldige Antwort, da mein Aufenthalt in Europa sehr gemessen ist!…“

Missions-africainesL. M.

Lyon, Cours Gambetta 150.

9.

„… Wie groß meine Freude diesen Morgen war, als unter unserer Mail ein Brief sich befand mit der heading „May“, kann ich Ihnen kaum beschreiben....

Mein Herr, ich danke Ihnen für die freundliche Antwort, welche Sie mir schickten, und bitte den lieben Gott, er möge Ihnen noch viele Jahre schenken und Sie erleben lassen, daß Ihre gesammelten Werke in alle Sprachen übersetzt und in allen Ländern gelesen werden und dadurch unendlich viel Gutes gestiftet wird! Ich habe viele Erzählungen gelesen, aber so spannend und lebensgetreu, so rein und christlich wie Ihre noch keine!…“

E. Z. Cincinnati.

(Der Verfasser dieses Briefes, ein Yankee, erklärt in einem früheren, daß er nur, um die Werke Karl May’s im Originale lesen zu können, Deutsch gelernt habe.)

10.

„…So ist denn endlich mein Wunsch erfüllt! Diese Bücher kann man in jede Hand geben! Sie werden die Ehre Gottes befördern, und ich hoffe, daß dadurch noch viele Seelen gerettet werden.

Seit ich Ihre Schriften las, bete ich täglich für Sie und werde es jetzt wieder mit noch mehr Liebe fortsetzen....

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Mit herzlich und aufrichtiger Dankbarkeit für Ihre gottwohlgefälligen Schriften, die ich nach Kräften auch Anderen empfehlen werde…“

L.

Rue des Récollets.

11.

„Zu den vielen Tausenden, die begeistert von Ihren Werken sind, Werke, aus denen die Liebe zu den Mitmenschen in überzeugungsvoller Treue und Wirksamkeit spricht, zu diesen habe ich auch die Ehre, mich anzureihen.

In meinem Amte als erster Vorsitzender des Samaritervereins ist mir oft die Gelegenheit geboten, die Nächstenliebe den Betreffenden warm ans Herz zu legen, und ich glaube, dies nicht besser betätigen zu können, als bisher geschehen, indem ich Allen Ihre Werke zu lesen und zu beherzigen empfahl.

Ich muß freilich mit dem Geständnisse an Sie herantreten, daß ich — — — Jude bin…

Um auf den erzieherischen Werth Ihrer Werke zu kommen, stelle ich die Behauptung auf, daß den Kindern kein besseres Buch in die Hand gegeben werden kann. Moral und Pflichtgefühl werden ihnen stets vor die Augen geführt, reiches Wissen in der Geschichte der betreffenden Länder ihnen enthüllt, und endlich werden ihre geographischen Kenntnisse durch Schilderungen der Länder, ihre ethnographischen durch die Kenntnis der Sitten und Gebräuche der verschiedenen Völker u. s. w.

Ich spreche Ihnen meinerseits meinen tiefgefühltesten Dank aus für den großen Genuß, den Sie mir bereitet haben. Wir haben beide einen Wunsch und ein Ziel vor Augen: Das Glück unserer Nebenmenschen — — Liebe zu streuen und Liebe zu ernten!“

R. L.

12.

„Hochgeehrter Herr!

Verzeihen Sie, wenn ich, getrieben von dem Gefühle der Dankbarkeit gegen Sie, mir gestatte, Ihnen meinen speziellen Dank für Ihr edles Missionswerk auszudrücken, welches Sie durch die in Ihren unübertrefflichen Reiseerzählungen vorherrschende sittliche Tendenz vollbringen, durch die Sie wohl viele, ich möchte fast sagen, fast alle Ihrer Leser zu einer idealeren Auffassung über den wahren Lebenszweck des Menschen führen.

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Ich muß es zu meiner Schande gestehen, daß auch ich früher einer von Jenen war, die sich über ihr Dasein resp. den Lebenszweck des Ebenbildes Gottes, nicht viel Vorstellungen machen, hatte aber das Glück, einige Bände Ihrer wundervollen Reiseerzählungen in die Hände zu bekommen, studierte dieselben fleißig, wurde aus meiner geistigen Lethargie aufgerüttelt und habe nun den festen Vorsatz gefaßt, mein geistiges, mein sittliches Leben nach den von Ihnen gegebenen Beispielen einzurichten....

H. Kr.

13.

(Dieses Schreiben war an eine Zeitung gerichtet, deren Redakteur es Karl May sandte, um ihn zu erfreuen, nicht wissend, daß derartige Zuschriften täglich bei ihm eingehen.)

„Es drängt mich, Ihnen ein lautes Bravo zuzurufen wegen des schönen Artikels in der gestrigen Nummer, Karl May betreffend. Jedes Wort desselben ist mir so recht aus der Seele geschrieben. Wie freute ich mich, als ich vor einigen Wochen in den „Spuren im Sande“ sofort den guten, lieben Karl May erkannte! Die Lectüren der May’schen Reisen ist eine Erholung und Bildungsangelegenheit zugleich, namentlich für einen Geistlichen. Möchte der Herr ihn noch lange reisen und erzählen lassen!…“

B. Pfarrer.

14.

„Wohl wissend, daß Ihre Zeit bis auf das Äußerste in Anspruch genommen ist, überwiegt doch die Hingebung, Andacht, mit der ich Ihre Werke lese, jedes Bedenken, meiner unbegrenzten Hochachtung, Verehrung und Dankbarkeit Ihnen gegenüber Ausdruck zu verleihen.

Gott erhalte Sie in stetem Wohlergehen und lohne Ihnen Ihre Bemühungen in der Aussaat des Sa­men­kor­nes des wahren Christenthumes!

Ihnen ein herzliches „Crescat, floreat, multiplicat!“ zurufend, zeichne ich als ihr aufrichtiger Verehrer

Ch. V. Schuldirector.

15.

„… Durch die Liebenswürdigkeit des Herrn Kom­mer­zien­ra­thes erfuhr ich daß Sie in allernächster Zeit wieder eine Weltreise

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antreten werden. Da ich nun an Ihren Lebensschicksalen stets den innigsten Antheil nehme, kann ich es mir nicht versagen, Ihnen zu diesem schwierigen, anstrengenden Unternehmen alles Glück zu wünschen. Täglich bete ich zum lieben Gott, daß er Sie in seinen heiligen Schutz nehme und seine Engel Ihnen besonders zur Seite stelle, damit Sie glücklich und wohlbehalten wieder zu uns zurückkehren, um das große Werk, recht viele Menschen zu Gott und damit auch zum wahren Frieden zu führen, fortzusetzen und möglichst zu vollenden.

Möge mir dann auch das Glück beschieden sein, Sie noch einmal begrüßen zu dürfen.

Mit dem Gefühle vollster Hochachtung und Verehrung Ihr ergebenster

G. M. Königl. Geistlicher Rat“

16.

„Ich muß meinen Dank aussprechen, meinen herzlichen Dank für Ihre Schriften. Wir Priester sehen mit Freuden, wie Ihre Bücher eine Lectüre verdrängen, die einem ganz anderen als dem lieben Gott in die Hand arbeitet. Ich selbst habe manche fromme und manche wissenschaftliche Anregung Ihren Reiseerzählungen entnommen, nicht bloß Lust und Liebe zu Sprachstudien allein….

Doch was soll mein langes Geschreibsel — mein Dank macht nicht reich und nicht berühmt, doch mein Gebet gehörte Ihnen schon oft. Ich werde auch noch manchmal bitten, daß Gott Ihre Feder auch fürderhin segnen möge….“

L. N. Kaplan.

17.

„Ich fange an, Sie zu bewundern. Ich meine Sie hätten einen größeren Einfluß auf das deutsche Volk als Shakespeare auf das englische. Dramatische Stücke werden von dem gewöhnlichen Volk nicht gelesen, die Ihrigen aber von Milchmädchen auf dem Lande bis zur Fürstin auf dem Throne, vom Schustergesellen bis zum Professor auf der Universität. Ferner muß zugegeben werden, daß der innere Shakespeare kein Christ ist. In Ihren Werken jedoch leuchtet zuweilen das Christenthum in überirdischem Glanze empor. Sie sind ein großer Wohlthäter des deutschen Volkes!“

L. N. Schl. Pfarrer (S. J.) Amerika.

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18.

„Ich danke Ihnen, danke Ihnen von ganzem Herzen, daß Sie in Ihrer lebensfrischen und wahrhaft gläubigen Art mich von schlechter Lectüre abgezogen und sie mir verächtlich gemacht haben! Ich bin Erzieherin, war es auch in Kairo. Bei dem dortigen gemächlichen Leben begann ich zu lesen — Alles, was mir in die Hände kam. Ich schäme mich, Ihnen die Autoren zu nennen. Doch als ich letzten Sommer zur Heimath kehrte, fand ich eines Ihrer Bücher bei einem Verwandten von mir, einem geistlichen Herrn. „Solche Lectüre thäte Dir besser als Deine Franzosen!“ sagte er. Ich begann. Die erste Folge war, daß ich überhaupt nicht mehr zu unrechter Zeit las und meine Pflichten im Auge behielt. Ich schämte mich vor Ihnen. Nun bin ich ein anderes Menschenkind. Möge Gott Sie reichlich segnen: Allah ictauil aurak!“

Burg H.Bertha H.

19.

„… Was mich aber ermuthigte, Ihnen zu schreiben, das ist das sichre Bewußtsein, ich habe es mit einem Herrn zu thun, dessen edles Wohlwollen und christliche Menschenfreundlichkeit die ganze Welt umspannt, ohne dabei einen Unterschied im Auge zu haben....

„Recht bald fand ich heraus, daß diese Werke einem goldeswerthen Autor angehören, der sie so gestellt hatte, daß sich das unschuldigste Gemüth nicht scheuen darf, sie zu lesen…“

„So haben Ihre Schriften ihren Weg auch in unser Kloster gefunden und sind eingedrungen in die Zellen der Kranken, denen sie viel angenehme Stunden bereitet haben. Dafür werden diese nicht müde werden, Gottes Segen auf Sie herabzuflehen.“

M. B. (O. S. D.)

20.

„Ich habe nicht glauben können an Gott und habe angefangen, zu lesen „Winnetou“. Dann habe ich gelesen „Durch die Wüste“, „Satan und Ischariot“, „Weihnacht“. Ich fangte an, die Leute zu beneiden, die an Gott glaubten. Ich beneidete, weil sie glücklich waren. Ich las „Old Surehand“, ah, ah, der zweite Band, wie Sie mit Old Wabble und Shurehand durch den Llano reiten!

Ich weinte die ganze Nacht, warum ich nicht so glücklich bin! Ich fangte an, zu beten. Und bete heut und immer! Ich weiß nicht und kann mir nicht ausdrücken; ich bin so glücklich. Ich weiß nicht, es kommt mir vor, daß ich der Glücklichste von Allen bin.

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Wem habe ich das zu danken? Dem lieben Gott, der mich doch nicht verlassen hat. Und wem noch? Meinem lieben Karl May. Er sagt nicht von cruce und Katechismus. Nein, das sagt er nicht, aber es liegt was in seine Bücher, in seine Thaten, daß man gut werden muß und an den lieben Gott glauben. Wie das kommt, kann ich mir nicht erklären; darum liebe ich ihn, und lieben werde ich ihn und ehren bis in den Tod.

Ich besitze bis jetzt 24 Bände, und ist mein Alles, mein höchstes Eigenthum.

Wie ich Jemanden kennen lerne, der deutsch lest und schreibt und seelenkrank ist, so gebe ich ihm den „Winnetou“ erst und dann die andern und zum Schluß den „Old Shurehand“. Wann er das gelesen hat wie ich, so wird er gesund. Das macht mich so glücklich!“

Ploesci-Gara, Rumänien, Costica.C. St.

21.

J. M. J. C.

„… Und dennoch wage ich es in Hinblick auf die fast hingebende Verehrung, welche wir, die Schwestern unseren Pensionates, unserem lieben May entgegenbringen. Sind doch fast sämmtliche Bände Ihrer wunderbaren Reiseerzählungen in unserer bescheidenen Bibliothek vorhanden, werden mit der größten Begeisterung gelesen und rufen einen so guten, nachhaltig wirkenden Eindruck auf Alle hervor, daß wir uns für berechtigt halten, unseren Dank dem der vielen tausend Leser und Leserinnen beizugesellen. Ich selbst lese zum vierten Male „Winnetou“. Diesem Herrlichen konnten Sie, verehrter Herr, kein besseres Denkmal setzen, als Sie es in diesem Werke gethan. Ihm und Ihnen schlagen, man möchte sagen, Millionen Herzen in aufrichtiger Liebe entgegen, und…“

Schwester M. A.

22.

(Schreiberin dieses hatte Karl May während seines dortigen Aufenthaltes im Hôtel aufgesucht, ihn aber nicht sprechen können.)

„… Ich konnte nicht widerstehen, ich mußte wenigstens den Versuch machen, jenen Mann zu sehen, dem nicht nur ich selbst so viele schöne, glückliche Stunden danke, sondern dem es auch gelang, meine hochbetagte, nicht gläubige Mutter so zu fesseln, daß sie seit der Lectüre Ihres „Winnetou“ keinen größeren Genuß kennt, als Ihre Werke. All die zweifelhafte Lectüre, welche früher die geistige Nahrung der Mutter bildete, ist dadurch — Gott sei Dank! — verdrängt; ja

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noch mehr: Mutter hat auch schon angefangen, Ihre Werke gleichgesinnten Freundinnen zu empfehlen, und auch diese werden wohl bald zu Ihren begeisterten Anhängerinnen zählen. So sind Sie also in den mir zugänglichen, glaubenslosen Kreisen zum Apostel geworden. Darum drängt es mich, Ihnen aus vollem dankbaren Herzen ein inniges „Vergelts Gott!“ zu sagen. Dies der Zweck meiner Kühnheit, und darum der Wunsch, unsern Wohlthäter sehen zu dürfen…“

M. H., städt. Lehrerin.

23.

„Verzeihen Sie, daß ich Ihnen durch mein Schreiben eine Minute Ihrer kostbaren Zeit raube!

Ich kann nicht länger das Gefühl der Hochachtung für Sie schweigend mit mir herumtragen. Ich komme einem reinen Herzensbedürfniß nach, wenn ich Ihnen dies hier zum Ausdruck bringe.

Ich bin nur ein einfacher schlichter Müller, der in seinen freien Stunden gern über guten Büchern sitzt und, soweit es seine bescheidenen Mittel erlauben, sich dieselben auch anschafft.

Karl May’s Reiseerzählungen bilden die Krone meiner geringen Habseligkeiten, nicht um mich äußerlich damit zu zeigen, nein, mein Inneres erhielt durch den frommen Sinn Ihrer Erzählung eine Wendung, die besser wirkt als manche Predigt.

Es wäre für mich einfachen Mann eine große Freude und Ehre, wenn…“

A. R.

24.

„… Was wir hier im Collegium durch Ihre Bücher gewonnen haben, werden wir mit in das Leben nehmen und unsern „Karl May“, den ächt deutschen, religiösen Schriftsteller, nie ver­ges­sen. Empfangen Sie von uns und Allen, die schon früher aus unserer Gemeinschaft schieden, den herzlichen Dank…“Collegium Carolinium.

25.

„… Also ohne Umschweife: Ich möchte Ihnen, verehrter Herr, meine Huldigung darbringen. Aus Ihren Büchern können Alle lernen, Alt und Jung, Arm und Reich, Hoch und Nieder. Auch Priester und Missionare könnten da viel

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lernen. Gott geben Ihnen noch viele Jahre! Wäre ich ein reicher Mann, diese Bücher dürften bei keinem Lehrer und in keinem Hause fehlen! …“O. E., Buchhändler.

26.

„Hochgeehrter Herr“

Empfangen Sie vor allen meinen und unseres ganzen Collegiums aufrichtigsten und herzlichsten Dank für die wahrhaft Geist und Herz erfrischende Lectüre, welche Sie uns bieten. Es herrscht für Sie eine Begeisterung, die an Enthusiasmus grenzt. Möge der liebe Gott Ihnen Alles reichlichst vergelten uns Sie noch lange erhalten!Professor H.
Rector.“

27.

Euer Hochwohlgeboren! Sehr geehrter Herr!

Eine Bitte, sehr geehrter Herr May, deren Erfüllung in Ihrer Macht liegt.

Im Laufe des Winters, vielleicht noch vor Weihnacht, beabsichtige ich, im hiesigen Vereine einen Vortrag über Ihre Werke, deren Bedeutung und Stellung in der deutschen Literatur zu halten.

Was mich hiezu veranlaßt, sei nur kurz gestreift.

Im Laufe des diesjährigen Sommers kam mir durch Zufall eines Ihrer Werke in die Hand. Ich las es anfangs, wie wenn man etwas beginnt, weil man absolut nichts Schlechteres unternehmen kann. Das Ende indes der Geschichte war, daß ich in einem Zuge alle Ihre Werke las und wiederlas und noch lese und noch oft lesen werde.

Seit meiner Gymnasialzeit — und 20 Jahre liegen dazwischen — hatte ich an Reisebeschreibungs-Magenbeschwerden gelitten, die der gute Gerstäcker (Gott hab’ ihn selig) am Gewissen hat. Ich habe es nicht für möglich gehalten, daß ich noch jemals solchen Lectionen Geschmack abgewinnen könnte. Wie Sie sehen, ist es doch und sehr gründlich geschehen, und das haben sie am Gewissen, geehrter Herr!

Mein Lebtag hatte ich an allem Schönen und Guten, wo und wie immer ich es fand, meine stille Freude; wo ich konnte, suchte ich die Teilnahme anderer hiefür zu erwecken. Auch in diesem Falle stellte sich das Bedürfnis heraus, die Gedanken und Empfindungen, die das Lesen Ihrer eigenartigen Schöpfungen in

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mir wachrief, Anderen zu erschließen und möglichst Vielen ebenso viele genußreiche Stunden zu verschaffen.

In Ihren Werken finde ich wiederholt Andeutungen, daß Sie zahlreiche Anfragen, Bitten und Wünsche aus Ihrer Lesergemeinde nicht unberücksichtigt lassen.

Der eingangs bezeichnete Grund veranlaßt mich, gleichfalls mit einer Bitte an Sie heranzutreten. Und da es nicht müßige Neugier ist, die mir die Bitte dictirt, sondern nach meinen Begriffen ein guter Zweck, hoffe ich auf deren Erfüllung. Ich möchte nämlich meinem Vortragstoff, um dem Hörer eine möglichst vollständige Uebersicht über Ihr Schaffen zu geben, als sicherlich dankbar begrüßte Zugabe, einige biographische Notizen beifügen, und darum wollte ich gebeten haben.

Werde ich vergebens gebeten haben?

Die nächste Zukunft mag’s bringen. Was immer aber sie auch bringen wird, ich werde bleiben Ihr dankbarer Verehrer und treuester Freund Ihrer Muße.

Mit freundlichem Gruße

Ganz ergebenst

S. St.

28.

„Lieber Karl May!

Verzeihen Sie verehrter Herr, diese Anrede, die mir eigentlich nicht zukommt; aber den Verfasser eines Buches wie der Himmelsgedanken kann man nur mit diesem Worte anreden — — lieb! Ich habe soeben in stiller Abendstunde Ihr herrliches Buch ausgelesen, und ich muß gestehen, ich bin tief ergriffen von dem Inhalte, von der tiefen Gottesgemeinschaft, die uns aus allen Gedichten erklärend entgegentritt. Es ist mir heiliger Ernst mit diesen meinen Worten, mögen vielleicht auch viele Leute den Kopf über den Gedanken Mays geschüttelt haben, einen Band Gedichte herauszugeben, Gedichte besonders diesen Inhalts, dieses, ich möchte sagen, seelenvollen Inhaltes und Reichthumes.

Selten bin ich so ergriffen worden wie von dem herrlichen „Wo sind die Deinen“; selten hats mich mächtiger gepackt als bei dem Gedicht „Ich saß im lieben, trauten Stübchen“ oder bei dem „An die Mutter“ überschriebenen; selten habe ich etwas tiefer Empfundenes gelesen als „Großmütterchen“ oder „Des Waldes Seele!“ Oder — — indessen, wenn ich so fortfahren wollte, würde ich am Ende dahin gelangt sein, die Gedichte allmählig alle angeführt

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zu haben. Aber weß das Herz voll ist, deß geht der Mund über, und doch möchte ich Ihnen weiter nichts sagen, — ich wohl einer von so vielen Tausenden, die Aehnliches gefühlt haben — als den Dank für die herrliche Gabe, die Sie, verehrter Herr, der Menschheit zu ihrem schönsten Feste unter den Weihnachtsbaum gelegt haben und die hoffentlich recht bald ein dauerndes Besitzthum des ganzen deutschen Volkes sein wird....“

Dr. phil. W. W.

29.

„… Ihre herrlichen Werke enthalten soviel Belehrendes so leuchtende Züge von Edelsinn, daß man sich unwillkürlich bemüht, in Beziehung auf Characterstärke und selbstlose Nächstenliebe auch auf eine wenigstens annähernd gleiche Stufe mit Ihren Helden zu gelangen. Man lernt allen Egoismus, alles Sinnliche und Gemeine verachten und ist bestrebt, durch geistige Beschäftigung und veredelnde Genüsse auf eine höhere Stufe von Bildung zu gelangen.

Das schöne, freimüthige Bekenntniß Ihres Gottesglaubens rüttelte mich aus meiner religiösen Gleichgültigkeit, so daß ich endlich nach langem Zweifeln und inneren Kämpfen zum Siege und zum Frieden gelangt bin.

Also habe ich es nächst Gott Ihnen allein zu danken, daß Sie mich dem ächten Gottesglauben, verbunden mit der werkthätigen Nächstenliebe, wieder zugeführt haben. Möge Gott Sie reich segnen für dieses Werk. Leider kann ich meinen Dank in keiner Weise bethätigen, als daß ich bete, bete so recht aus Herzensgrund.

Sie sind mein guter Engel geworden, der mir auch ferner als treuer Rathgeber und ernster Lehrer zur Seite stehen wird. O möchten Sie mir doch vergeben, daß ich so viel wagte, indem ich mein Herz vor Ihnen ausschüttete, was ich vor keinem Menschen mehr thun würde! Empfangen Sie nochmals meinen wärmsten Dank. Mögen Sie noch recht viele auf edle Pfade leiten!

U. V.

30.

Mein hochgeehrtester, theuerster, innigst geliebter Herr!

Soeben erfahre ich durch meinen Buchhändler, daß Sie hier weilen und im Hôtel vor einem Stoß Briefen sitzen, die liebende treue Herzen Ihnen unaufhörlich zusenden.

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Ach, könnte ich doch von meinem Arbeitstische auf einige Augenblicke fort! Wie unendlich gern möchte ich die paar Schritte hinuntereilen, um einen einzigen Blick zu richten auf meinen langjährigen, obgleich nie gesehenen Freund, dem mein ganzes, ganzes Herz gehört! Doch die Pflicht des Dienstes erlaubt es mir nicht, und ich muß mich auf diese wenigen eiligen Worte beschränken.

Ich lege Ihnen, Hochverehrtester, den Ausdruck meiner höchsten Verehrung, Dankbarkeit und Liebe zu Füßen und bitte Sie, denselben gütigst anzunehmen.

Ich kann nichts Anderes für Sie, meinen geliebten Freund, thun, als für Sie beten, daß Gott der Herr Sie segne und erhalte zu seiner Ehre und zur Freude so Vieler, welche durch Ihre Bücher zu einer neuen, reinen und ernsten Lebensauffassung geführt worden sind!

Ach, könnte ich Sie, Hochverehrtester, auch nur auf einen kurzen Augenblick schauen, wie namenlos glücklich wäre ich. Vielleicht wäre es möglich, mir auch nur gestatten zu wollen, Sie im Vorübergehen zu sehen, wenn Sie die Güte haben wollten, mir eine Zeit ab 6 Uhr nachmittags anzugeben.

Sollte mir indeß dieses Glück, nach welchem ich mich jahrelang sehne, hienieden nicht beschieden sein, so hoffe ich, daß wir uns einst im Himmel droben sehen werden....

(Schreiber dieses ist Staatshauptkassierer im Finanzministerium und Präsident des intellectuell hervorragendsten Vereines im Lande.)

31.

Hochgeehrtester, lieber Herr!

Den Dank, welchen Ihr Brief vom 6./7. Februar in meinem Herzen erweckte, in Worte zu kleiden, ist mir nicht möglich. Wie ich mich besinne, ich finde nicht den Ausdruck, der sich mit meinen Gefühlen decken würde. Das liegt aber mir auf der Lippe, Ihnen zu sagen: Im Bedürfnis, Ihnen für die gesandten 2 Gedichte und für die versprochenen Prosaartikel etwas von realer Wirklichkeit zu bieten, hat mich mein Gottgläubiges Gemüt auf ein Mittel gewiesen, das sich auf der Bahn Ihres Gedichtes: „Gebet“ bewegt. Ich bin ein Mensch von kindlichem Glauben und Gottvertrauen. Ich kann beten. Auf Ihren Reisen, die Sie zu unternehmen gedenken, werde ich Sie begleiten mit meinem Gebet, daß Sie gesund und bereichert Ihr Heim wieder erreichen, daß Sie den von Gott

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Ihnen übertragenen Beruf so erfüllen, wie es Ihrem Talente ent­spricht. Denn das dünkt mir augenscheinlich: Sie haben die Mission, die geistigen Giftbazillen, die durch so viele Erzeugnisse unserer gegenwärtigem Li­te­ra­tur gezüchtet werden, durch eine Art Na­tur­heil­ver­fah­ren auf literarischem Gebiete zu pa­ra­ly­sie­ren und zu überwinden.

Ihr Name gehört denn auch vor vielen anderen in ein Voksschullesebuch. Warum? Durch Ihre literarischen Arbeiten sind Sie dem deutschen Volke und der Welt bereits Lehrer geworden, ja nicht bloß Lehrer, sondern auch Erzieher. Ihre Werke haben belehrenden und erziehlichen Wert. Darum freue ich mich auf Ihre Artikel wie ein Kind auf den Christbaum.

Ihre 2 Gedichte sind schon eingereiht. Die kommen ins Lesebuch. Dafür werde ich sorgen, daß die Umgebung der Gedichte auch zu den Perlen paßt. Die Gedichte haben dauernden Wert und die Eigenschaft, daß sie tiefer und inniger das Herz erfassen, je öfter man sie liest und durchdenkt. Meinen herzlichen Dank für diese unverhofften Gaben!

Nun freue ich mich, Sie hier sehen und sprechen zu dürfen. Sie sind ein Wesen von einer Seele, die auch Männerherzen mit Liebe umstrickt. Schauen Sie selber auch stets auf ihre Gesundheit, auf daß Sie uns recht lange erhalten bleiben. Dies wünschet

Ihr in Verehrung und Dank ergebenster

J. K.

(Schreiber dieses ist Erzieher und Herausgeber eines neuen Lesebuches für Schüler in Bayern!!!)

32.

„… Verzeihen Sie gütigst, wenn Ihnen ein Mitglied der Kongregation des frères des Ecoles Chrétiennes mit diesen Zeilen Ihre kostbare Zeit raubt!

Es thut einem im Herzen wohl, einen Gelehrten und Schriftsteller, wie Sie einer sind, mit solcher Innigkeit und Wärme für den Gottesglauben eintreten zu sehen. O, fahren Sie, lieber Herr, nur fort, dieses herrliche Apostolat auszuüben! Ihr Lohn ist Ihnen sicher, wenn auch nur spärlich hinieden, so doch unendlich groß im schönen Himmel!…“

Freiherr Fr. v. A.,

Secretair und Administrator.

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33.

„…Bei uns herrscht ein ehrlicher, gesunder Enthusiasmus für Ihre schönen Werke, welche spielend lehren, das Herz erheben und die Phantasie beleben, ohne sie zu erhitzen. Ozon in der Stickluft der verknöcherten Schule! Nehmen Sie, verehrter Herr, den Ausdruck meines Dankes und meiner vollen Hochachtung entgegen…“

Sch.

34.

Sehr geehrter Herr!

Zu Ihren vielen, Ihnen unbekannte Freunden rechnen sich, seitdem sie Ihre Schriften lesen, auch die Unterzeichneten, die Ihnen für die vielen genußreichen Stunden und die Fülle geistiger Anregungen zu großem Danke verpflichtet sind. Daß dieser Kreis Ihrer unbekannte Freunde tagtäglich größer wird, beweist die Thatsache, daß noch jeder, alt oder jung, der auch nur einen Band Ihrer Reiseerzählungen in die Hand genommen hat, sich begeistert der Familie angeschlossen hat, die Sie, verehrter Herr, als Ihren „literarischen Papa“ schätzt und liebt. Haben wir es doch erlebt, daß 60jährige Männer, die über unsere Begeisterung für Winnetou und Hadschi Halef als über eine verspätete jugendliche Schwärmerei für Indianer- und Araberfiguren gelacht, nach der Lectüre auch nur eines Bandes Winnetou die Nächte durchgelesen haben, nicht müde geworden sind, die sämmtlichen Bände zu lesen und mit Spannung auf Ihre ferneren Publicationen warten. Thatsächlich wird es kaum einen zweiten Schriftsteller geben, der in dem Kreise seiner Leser und damit seiner Verehrer so sehr alle Alter vom 12jährigen Gymnasiasten bis zum graubärtigen Greise vereinigt.

Im Interesse Ihrer kostbaren Zeit wünschen wir, daß diesen Allen das Herz nicht so voll sein möge, daß ihnen wie uns „der Mund über“ geht; aber einmal muß auch einem so viel Beschäftigten Manne gegenüber der Dankbarkeit das Wort verstattet sein. Gestatten Sie deshalb, daß wir uns zu Dolmetschen der Gefühle Vieler machen, Ihnen für diese vielen genußreichen Stunden herzlich danken und Ihnen die besten Glück- und Segenswünsche zum neuen Jahre übersenden.

Wir wissen, daß es Ihre Zeit nicht erlaubt, auf Zuschriften, wie diese zu antworten und machen uns deshalb auf eine Antwort auch keine Hoffnung. Sollten Sie aber zu einer kurzen Mitteilung Zeit und Lust übrig haben, so wären wir Ihnen

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dankbar, wenn Sie die beifolgende Postkarte ausfüllen und an einen von uns absenden wollten. Unser Interesse an der Mitteilung bedarf wol [wohl] keiner näheren Begründung.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Dr. E. Regierungsrath. Dr. G. Kulturinspector.

35.

„Ich bin nämlich der Werkmeister des Vereins zur Fürsorge für Blinde, denen Ihre Schriften vorgelesen werden und die für Ihre Person sowie für Ihr ganzes Wirken sehr eingenommen sind. Nehmen sie die Versicherung entgegen, daß wir Sie sammt Ihrer werthen Frau Gemahlin in unser tägliches Gebet einschließen.“

Familie K. sammt den Insassen des Blindenheims.

36.

„… Sie haben jedenfalls manches gute Samenkorn in jugendliche Herzen gesenkt und es zu edler Freundschaft begeistert wie Sie und Ihr Winnetou…“

G. W. Lehrerin.

37.

„Wir haben Ihre sämmtlichen Erzählungen gelesen. Sie sind uns durch dieselben ein guter lieber Freund geworden. Wieviel Nutzen, Belehrung und Liebe zum Glauben haben wir schon aus diesen Schriften gezogen! Wir werden nicht müde, dieselben immer wieder zu lesen. Nehmen Sie unsern allerbesten Dank! Wir beten für Sie!

B. K. und Frau.

38.

„Aus jedem Ihrer Werke spricht ächt religiöse Gesinnung. Ein freies, gesundes Denken weht uns entgegen. Wenn Sie wüßten wieviel Gutes Ihre Werke bereits wirkten! Wenn auch nicht sofort der Zweifel gebannt wird, sie führen den qualvoll ringenden Geist doch zur Ruhe!“

Cl. K.

39.

„Mein Sohn hat vor Kurzem an Sie geschrieben. Er ist ganz erfüllt von Ihren Büchern und voll Schwärmerei für Sie. Ich habe ihm versprochen, Sie zu bitten, wenn Sie einmal nach B. kommen,

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uns zu besuchen und bei uns zu wohnen. Mein Mann und ich schließen uns diesem Wunsche von Herzen an. Wir würden…“

Frau Justizrath R.

40.

„Ich kann dem Drange nicht widerstehen, Ihnen zu sagen, wie sehr das Lesen Ihrer Werke mich erbaut hat; hingerissen bin ich von Ihrer Sprache. Mein ganzes Fühlen ist bei Ihnen. Diese Bücher sind nicht geschrieben zum Zeitvertreib, sondern zum Lernen. Ich danke Ihnen. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen.“

H. J.

41.

„Ich habe die berühmtesten Schriftsteller aller Nationen gelesen, kann aber von keinem sagen, daß er mich so seelisch angeregt habe wie es die Schriften unseres so hochverehrten Karl May thun. Ich bete jeden Tag für Sie. Möge der liebe Gott Sie uns noch lange erhalten und Sie mit der reichsten Fülle seiner Gnaden überschütten!“

O. K.

42.

„Ihre Werke sind mir und nicht minder auch meinen Bekannten und Freunden ein Born unerschöpflicher Freude. Wo ich hinkomme, wird und muß „May“ gelesen werden. Ich habe stets beobachtet, wie veredelnd Sie überall wirken, wie manche Person diesen oder jenen Fehler abgelegt oder sich dieser oder jener Tugend befleißigt hat. Gewiß, Ihre Werke sind eine Goldgrube gediegenster, edelster Art, und der liebe Gott möge Ihnen hier und dort im Jenseits reichen Lohn zu Theil werden lassen!“

B. H.

43.

„Mit wahrer Begeisterung habe ich bis jetzt einen Theil Ihrer Werke gelesen. Ja, fürwahr: „Artificem commendat opus.“ Sie ahnen nicht, wieviel Gutes in moralischer, sittlicher Beziehung Sie nicht allein an der Jugend, sondern auch an den Erwachsenen wirken. Ich danke Ihnen und grüße Sie herzlich!“

K. Gl.

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44.

„Wir lassen nicht über unseren Karl May kommen. Ihre Bücher sind für uns so zu sagen, Gebetbücher, aus denen wir fortwährend Gottvertrauen, Liebe, Hoffnung und weise Rathschläge für das Leben schöpfen. Sie wissen selbst, wie schwer es heutigen Tages ist, sich den Glauben zu erhalten, und da sind uns eben Ihre Bücher eine sehr feste Stütze. Ich bete fast alle Tage für Sie, da auch Sie, wie ich gelesen habe, für Ihre Leser beten.“

H. Pl.

45.

„Als eifriger Leser Ihrer so treffend erzählten Reisebeschreibungen, welche wohl schon Viele auf gute Wege gebracht haben, fühle ich mich verpflichtet, Ihnen zu danken. Durch solche Erzählungen muß man nur auf den Weg zur Tugend gelangen. Ich selbst, als hinfälliger Mensch, immer mehr zu Abwegen geneigt, bin, seitdem ich Ihre Reisebeschreibungen lese, ganz anders geworden. Ich kann Ihnen dafür nicht danken. Dazu wäre ich zu schwach. Aber Gott wird es Ihnen beim letzten Gerichte auch anrechnen.“

O. F.

46.

„…Gott segne Sie für alles Gute, was Sie thun! Lieber Herr, bitte, mißverstehen Sie mich nicht! Ich „schwärme“ nicht für Sie; aber ich habe Sie sehr lieb, trotzdem ich Sie oder Ihr Bild nie gesehen habe. Aber aus den Bücher redet ein Herz voll Glauben und Zuversicht und Menschenliebe, und um dieses Herzens willen habe ich Sie lieb!“

A. P.

47.

„Das Lesen Ihrer Schriften hat mich viel Leid vergessen lassen, und nach Tagen, an denen ich besonders hart die Fesseln fühlte, fand ich Trost und Beruhigung am Abend, mich vertiefend in Ihre einzig schönen Erzählungen. Ich erbaute mich an dem großen Gottvertrauen, an der ächten, wahren Frömmigkeit, der tiefen, aus dem Herzen kommenden Gottes- und Menschenliebe.

Ich will Ihnen aus der Tiefe meines Herzens danken für all die glücklichen Stunden; ich fasse immer wieder frischen Muth, mache

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neue Vorsätze und verzichte mit Freuden auf Theater und Gesellschaften, wenn ich eines Ihrer Bücher lesen kann. Gott vergelte Ihnen Alles tausendfach. Er segne Sie mit seinem reichsten Segen. Er erhalte Sie immer gesund und munter, in gleicher Geistesfrische und Herzensgüte!“

L. Sch.

48.

„Bevor ich schließe, danke ich Ihnen noch für das kostbare Geschenk Ihrer Bücher, die mir so oft geholfen haben, in schwierigen Fällen den Sieg davon zu tragen, dieser ausgezeichneten Erziehungsmittel, die mir auch jetzt helfen sollen, die schwere Aufgabe an meinen Kindern ganz zu erfüllen.“

J. P.

49.

„Ich besitze bereits 15 Ihrer Werke. Ich preise Sie glücklich, daß Sie noch in dem reiferen Mannesalter soviel Gottvertrauen besitzen. O, wie glücklich wäre ich, wenn ich noch mit Liebe und Vertrauen zu unserem Herrgott aufblicken könnte! Leider bin ich durch die falsche Anleitung meiner Lehrer und Seelsorger zu einem Freigeist geworden, der alles Gute, ja selbst Gott verleugnet. O, wie würde ich mich freuen, wenn Sie, zu dem ich so großes Vertrauen besitze, mich wieder auf die rechte Bahn lenken würden!“

A. B.

50.

„Mein Mann besitzt einzelne Ihrer Werke. Mit welchem Entzücken haben wir sie immer und immer wieder gelesen! Ich gestehe es Ihnen gern, daß durch Sie mein Glaube an die Kraft des Gebetes gefestigt worden ist und daß wir durch ihre Werke veranlaßt worden sind, die guten Eigenschaften unseres Characters zu pflegen und die bösen möglichst zu unterdrücken.“

Frau H. W.

51.

„Ich versichere Sie meiner aufrichtigen Verehrung und Dankbarkeit für die vielen, vielen schönen Abende, welche mir Ihre herrlichen -

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herrlichen Werke schon bereitet haben. Ihre spannenden, gehaltreichen Erzählungen waren die Veranlassung, daß ich schon seit mehr als 2 Jahren das unbesiegbare Bedürfnis, nach Tisch auszugehen, nicht mehr empfinde und daß es jetzt zu den größten Seltenheiten und Opfern gehört, wenn ich einen Abend im Wirtshause verleben muß.“

Dr. E.

52.

„… Ich habe Ihre Werke mit großem Interesse gelesen und kann Ihnen aufrichtig sagen, sie haben mir viele glückliche Stunden bereitet.

Ich habe oft mit Gott und der Welt gehadert, weil ich so ein Krüppel bin, aber Sie haben so zu Herzen gehend geschrieben, daß ich jetzt einsehe: was Gott thut, das ist wohlgethan!…“

G. F.

53.

„Wie anregend und zum Guten hinweisend die Lectüre dieser Bücher auch auf Kinder ist, davon habe ich ein Beispiel an meiner Hedwig, die zwar von Character gut, aber oft recht ausgelassen und neckisch ist. Seit neuester Zeit genügt es vollständig, wenn meine Frau bei irgend einer Veranlassung sagt: „Aber Hedwig, wenn das Karl May wüßte!“ Sie ist dann sofort ganz ehrbar.

Es macht mich ganz besonders glücklich, daß sie nicht nur ein gelehrter und berühmter Herr, sondern auch ein humaner Mann sind, und in Ihren Werken auch die Jugend darauf hinweisen.

Ich wünsche Ihnen noch ein recht langes Leben in ungetrübtester Gesundheit. Damit Sie noch mehr solcher schöner Bücher schreiben mögen, der Jugend und den Erwachsenen zur Belehrung und Unterhaltung. Hier liest dieselben Alt und Jung mit gleichem Eifer und Interesse…“

E. N.

54.

„Wenn ich Ihnen nun im Eingange meines Briefes sagte, ich beabsichtige, Ihnen zu danken, so ist das so zu verstehen: Durch das Lesen Ihrer Reiseerzählungen habe ich von Ihnen gelernt, viele Tugenden auszuüben. Ihr standhafter Glaube hat mich erbaut und auch mich in demselben neu gestärkt und gefestigt. Für diese gute Beispiel allein wäre ich

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Ihnen großen Dank schuldig; aber dieser erstreckt sich auch auf etwas noch Anderes.

Ich habe nämlich mir nahestehenden Personen, die einer religiösen Anregung sehr, sehr bedürfen, Ihre Bücher zum Lesen gegeben, und ich glaube, wohl behaupten zu dürfen, daß diese Personen sich infolge dessen dem Guten schon empfänglicher zeigen. Wenn es so weitergeht, hoffe ich, sie mit Gottes Hülfe wieder vollständig auf den guten Weg zurückkehren zu sehen. Diese Andeutungen mögen Ihnen genügen. Ich wiederhole Ihnen, daß ich Ihnen nicht genugsam danken kann. Mögen Sie noch recht viele Menschen durch Ihre Schriften auf den Weg der Tugend führen!“

R. A.

55.

„… Wie schon oben gesagt, wer auch nur eines Ihrer Bücher gelesen, aber auch wirklich gelesen hat, der kann eben nicht unterlassen, Ihnen seine Bewunderung Ihrer Werke zu zollen. Aber ich will Ihnen nicht nur mittheilen, daß Ihre Werke, wie wohl jeder sagen wird, hochinteressant, lehrreich und erbauend sind, sondern ich bin Ihnen zum Dank verpflichtet, denn ich gestehe Ihnen, daß ich leider leichtsinniger Weise auf einen Abweg von dem Guten und Gottwohlgefälligen gerathen war, von dem ich aber Gott sei Dank durch Ihr christliches Vorbild wieder abgekommen bin....“

A. M.

56.

„… Eines der bedeutendsten Werke, welche Sie bis jetzt geliefert haben, ist unbedingt das letzte: „Am Jenseits.“ Wie viele wallende Gemüther werden Sie durch dieses großartige Buch beruhigen! Ja, man mußte und muß glauben, daß Gottes Hand Ihre Feder geführt habe!

Ich wollte Sie nicht belästigen, aber als ich das Buch fertig las, konnte ich nicht anders, ich mußte obige Worte niederschreiben…“

H. V.

57.

„… Sie schreiben mit dem Kopfe, ja aber auch mit Ihrem reichen, weichen Gemüth. Sie sind „Old Shatterhand“, ja, aber auch ganz „Gefühlsmensch“. Was ist Ihnen doch die Menschheit zum Danke verpflichtet für Ihre unsterblichen Werke!

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Wissen Sie auch, daß ich täglich für Sie bete, daß Sie noch lange zum Wohle der Menschen schreiben und wirken können?…“

G. W. Erzieherin.

58.

„… Was könnte ich sagen, um Ihnen zu danken für die vielen glücklichen Stunden, die Sie uns allen bereitet haben? Wir alle danken Ihnen! Wir haben gelernt, viel gelernt. Namentlich der tief religiöse Zug, welcher durch alle Ihre Erzählungen geht, er hat uns Vieles gelehrt. Wie oft ist Dank und Lob für Sie, verehrter Herr, von unseren Lippen geflossen, wenn wir wieder eine Erzählung beendet hatten! Nochmals, Dank, tausend Dank aus dem einsamen Dörfchen der Oberlausitz. Möge der allmächtige, gütige Gott Sie segnen für die vielen Lehren, welche Millionen in Ihren Erzählungen finden und wohl Viele auch befolgen!…“

M. W.

59.

„… Nun noch Eins! Und damit gebe ich den Quellpunkt und Hauptgrund an, wodurch Sie so ganz und vollst mein Interesse hingenommen haben, und das ist Ihre Religiösität, Ihr Christenthum. Gott segne Sie dafür und lasse Sie dabei, auch ferner so warm für diese heiligen Güter ein zutreten und sie uns so überzeugend und doch so wenig aufdringlich darzubringen!

So, wie Sie das Christenthum auffassen, fühle ich mich ganz Eins mit Ihnen. Würde es von allen verschiedenen Confessionen und deren Gliedern so aufgefaßt, nämlich als eine Religion der Liebe, so wären auch sie alle Eins und das Parteigezänke und die Trennungen hörten auf. Wie zeigen Sie doch so deutlich, wieviel man mit Liebe weiterkommt! Sie werden doch schließlich auch die rohsten und rauhesten Gegner bezwingen, wenn in ihnen nur ein Fünkchen des Guten glimmt!...“

H. von Sch

(folgen noch mehrere Unterschriften.)

60.

„… Seine Magnifizenz muß zu Feier Ihres Eintreffens hier Universitätsfeiertag gewähren. Begeistert für Sie und Ihre Werke,

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welche wahrhaftig Culturbedeutung für unser Volk besitzen, grüßen wir…“

(folgen die Unterschriften.)

61.

„… Schon seit Jahren benutzen wir als Tischlesung für unsere Lehramtscandidaten Ihre allgemein beliebte Reiseerzählungen, welche anfangs selbstverständlich mit großem Jubel begrüßt wurden und bis jetzt mit größter Aufmerksamkeit gelesen werden…“

Lehrerseminar in T.

F. J. Präfect.

62.

„... Sie schreiben jetzt gewiß wieder an einer jener Erzählungen, welche uns Menschen — unbewußt — gut machen, kein Gemüt unberührt lassen, ja, Wunder wirken. Tausend Dank für Ihre Menschenfreundlichkeit! Ja, Sie sind ein gottbegnadeter Mensch. Wir müssen Ihnen danken und täglich für Sie beten, so sehr verstehen Sie mit Ihren Schilderungen zum Herzen zu sprechen. Kein Missionar könnte so gründlich bekehren wie Ihre Schriften. Gott erhalte Sie noch lange!“

Familie M.

63.

„… Fürchten Sie aber nichts. Weder eine Bitte noch sonst ein Verlangen stelle ich an Sie, o nein, sondern nur der Ausdruck meiner innigsten Dankbarkeit soll der Inhalt meiner Zeilen sein.

Sonderbar, seit 1892 bin ich Abonnent des „Deutschen Hausschatzes“, von dem sich 7 Jahrgänge in meinem Bücherschrank befinden. Nie aber wollte ich mich an die darin enthaltenen Reiseerzählungen von Karl May machen. Erst als ich den Jahrgang 1897 vom Einbinden erhielt, las ich Ihre „Leiden und Freuden eines Vielgelesenen“ und wurde aufmerksam.

O, was war ich thöricht gewesen! Grad das Schönste hatte ich unbeachtet gelassen, ohne es zu ahnen! Nun freilich holte ich das Versäumte nach! Herzlich vergelts Gott, lieber Herr! Ihre Werke machen mich zufrieden, und meinen unruhigen, so oft mit dem Willen Gottes hadernden Geist führten sie wieder auf die

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rechte Bahn. Ich werde besser durch Lesung Ihren herrlichen, von Gottes- und Men­schen­lie­be durchwehten Schriften. Gott lohne es Ihnen tau­send­fach hier und im Jenseits und erhalte Sie noch lange Ihren Lesern! Ich bete täglich für Sie, und …“

L. Schr.

64.

„… Heil dem Tage, an dem uns ein Mann geboren wurde welcher die Jugend belehrt, den Mann von dem schlechten, breiten Wege abhält und dem Alter Erholung und Unterhaltung bietet! Mögen Sie noch lange des irdischen Daseins sich erfreuen, Glück und Zufriedenheit Ihr ferneres Leben begleiten, und besonders um Eines flehe ich zu dem Allmächtigen: Mögen noch viele so schöne Werke aus Ihrer Feder fließen! Mögen Sie ernten, was Sie gesäet haben…“

L. M.

65.

Hochverehrter, lieber Herr!

Wes das Herz voll ist, des gehet der Mund über. So kann auch ich meine Gefühle nicht länger eindämmen und belästige Sie noch einmal mit einem Schreiben. Wenn Sie wüßten, wie lieb ich Sie habe und wie dankbar ich Ihnen bin. Nächst dem lieben Gott und meinem geliebten Mütterlein sind Sie meinem Herzen das Höchste. Seit meines Vaters Tode muß ich als Erzieherin mein Brot verdienen. Das ist recht schön und gut, aber manchmal beschleicht mich doch die Sehnsucht nach Heimat und Mütterlein gar zu sehr. Wie wird mir dann das Herz so mit Trost erfüllt, wenn ich mich an Ihren herrlichen Werken erbauen kann und aufs Neue sehe, wie unseres himmlischen Vaters Liebe uns auch in fremden Landen so treu umgiebt. Ferne liegt es mir, Sie, verehrter Herr May, um eine Antwort zu drängen. Ich will nicht zu der Kategorie derjenigen gehören, die Sie, den Vielbeschäftigten, quälen. Ich wollte Ihnen nur danken und sagen, wie lieb ich Sie habe. Mein heißester Wunsch ist natürlich, Sie einmal sehen zu dürfen, und doch glaube ich nicht, daß ich den Mut finde, die Verwirklichung dieses Wunsches herbeizuführen, auch wenn sich mir Gelegenheit dazu böte. In Gedanken aber bin ich immer bei Ihnen, wie bei einem geliebten Vater oder Bruder. Noch ein Herzenswunsch, dessen Erfüllung nur von

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Ihnen abhängt, drängt sich mir in die Feder. Ich möchte nämlich so gerne, ach so furchtbar gerne Ihr Ave Maria singen können. Eine Melodie habe ich mir zwar zusammengestellt, aber es ist doch nicht diejenige, die Winnetous letzten Augenblick verschönt hat, und nach dieser sehne ich mich so sehr, so sehr. Aber damit bin ich ja auf dem besten Wege, sie zu belästigen. Deshalb bitte ich Sie, diesen Wunsch als nicht ausgesprochen zu betrachten. Zu Weihnachten wünsche ich mir eine Photographie von Kara Ben Nemsi. Old Shatterhand besitze ich schon. Das war damals eine Freude, als ich sie so ganz unvermutet auf meinem Geburtstagstische fand.

Nun ist es aber wohl Zeit, an den Schluß zu denken. Wie viele Briefe habe ich schon an Sie geschrieben, aber natürlich nicht abgesandt. Wenn ich Ihnen so in Gedanken mein Herz ausschütte, dann ist es mir, als ob Old Shatterhand neben mir sitze und mit in Worten, die eben nur er sagen kann, Trost zuspreche; und dann zieht wieder glückliche Zufriedenheit in mein Herz ein. Nun habe ich aber Ihre kostbare Zeit über Gebühr in Anspruch genommen und bitte Sie herzlich darüber nicht ungehalten zu sein.

Ich sende Ihnen, wie einem lieben, alten Bekannten, einen herzlichen Gruß.

In treuer, dankbarer Verehrung

Anna L.

66.

(Der Verfasser besuchte Karl May in der Villa „Shatterhand“ und schickte ihm hierauf zu seinem mündlichen noch einen schriftlichen Dank. Der Brief enthält folgenden Passus):

„Ich habe Sie gefunden, wie ich Sie seit jeher im Geiste vorgestellt. So voller Kraft und Muth, voller Liebe und Güte dem weniger Begabten gegenüber, ein gewaltiger Geist von riesiger Schaffenskraft. So wurde denn mein Ideal nicht zerstört, und Sie werden auch fortan die Richtschnur meines Handelns bleiben, mein ganzes Leben lang!“

G. B.

67.

„… Vor allen Dingen möge der liebe Gott Sie noch mit einer langen Reihe von glücklichen Jahren segnen. Und wenn es Ihm gefällt, sie von diesem Leben abzurufen, so möge er Sie einführen in die Pforte des Himmels! Ich bin zwar nur ein einfacher

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Handwerker, aber glauben sie getrost meiner Versicherung, daß ich Sie von Herzen liebe!

Viele Grüße senden sämmtliche 70 Mitglieder des hiesigen Gesellenvereins. Er läßt Ihnen alles Gute wünschen. Sie können sich keinen Begriff davon machen, was das Lesen Ihrer Werke in dem Verein geändert hat!...“

W. (Allgäu).J. W. Käser.

(Auf diese Zuschrift dieses einfachen Käsers ist May ganz besonders stolz, stolz natürlich im edelsten Sinne.)

68.

„… Als Erzieherin nehme ich ein lebhaftes Interesse an allen Erscheinungen der modernen Litteratur, deren Ziel es sein soll, die edelsten Gefühle des Herzens zu wecken und zu pflegen. Aber…“

„Es sind namentlich Ihre Werke, hoch geehrter Herr, welche mit wahrer Begeisterung gelesen werden. Diese ausgezeichneten Schriften enthalten alles Schöne und Edle und pflegen nebstbei die wahre christliche Gesinnung. Gestatten Sie mir darum, werther Herr, Ihnen meine aufrichtige Bewunderung und Verehrung auszusprechen und …“

K. Kl.

69.

„Hochverehrter Herr!

Soeben besprechen wir begeistert Ihre neuesten Werke, wobei wir ebenso sehr die lebendige Darstellung, die Tiefe Ihrer Gedanken, wie die aus innerster Überzeugung entsprungene Religiosität bewundern. Es wurde dabei…“

Frau Kanzleirath

Bürgermeister L.

L.

Frau Bürgermeister L.

70.

„…Möge Gott Ihnen recht gute Gesundheit verleihen, daß Sie noch recht lange in Ihrem Berufe zur Ehre Gottes und zum Wohle der Mitmenschen arbeiten und so auch uns noch durch manchen Band erfreuen können. Möge er Ihre mächtige Feder ganz besonders leiten in der Ausführung Ihres Entschlusses, Ihren einzig dastehenden „Winnetou“ auf die Bühne zu bringen!

Als Freunde alles Edlen und Guten haben wir uns Namen

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aus Ihren Büchern beigelegt, und nennen uns auch gegenseitig so …“

Jos. Sm.

Frank Z.

Jos. W.

A. F. Br.

A. M. Z.

etc.

Emil F.

John M.

Jos. W.

Bernard P.

Jos. P. K.

etc.

71.

Hochgeehrter Herr!

Es mag ein Jahr her sein, als ich von meinen Freunden an einem schönen Sommerferientage eingeladen wurde, einen Spaziergang mit ihnen zu machen. Gern willigte ich ein, und bald hatten wir den Dunstkreis der Stadt verlassen. „Seht,“ rief ich aus. „wie schön ist Gottes herrliche Natur!“ „Gottes? — Gottes?“ „Fritz, wie meinst du das?“ — Ich sah sie verwundert an. Aber bald begannen sie mir vorzustellen, daß sich alles von selbst gebildet habe; ja sie bekrittelten sogar die Bibel. Nur zu sehr hörte ich auf sie, und es dauerte gar nicht lange, so hatten sie einen eifrigen Anhänger an mir gefunden. — — — Seit jenem Tage waren ein paar Monate vergangen. Ich wurde zu einem andern Freunde zum Geburtstage eingeladen. Er hatte unter anderem auch das Buch „Auf fremden Pfaden“ bekommen. (Damals kannte ich Ihre Bücher noch nicht.) Ich blätterte darin herum und las „Gott läßt sich nicht spotten“. Ich lachte darüber und begann, während die anderen spielten, dies Buch zu lesen. Ich lachte jetzt nicht mehr, und als ich es zu Ende gelesen hatte, weinte ich sogar. Sie sind es, der mich wieder zum lieben Gott zurückgebracht hat. Gerade mußte mein Freund diese Buch bekommen; gerade mußte ich von ihm eingeladen werden; gerade mußte ich den Teil „Gott läßt sich nicht spotten“ aufschlagen. Das war alles Zufall? Nein, das war die Liebe meines Gottes, der mich nicht hatte wollen verloren gehen lassen. Jedem Unwürdigen giebt er Zeit zur Besserung, auch giebt er ihm Beweise seiner Kraft und seines Schaffens; wer jedoch nicht darauf achtet, der ist für die Welt und die Ewigkeit verloren. Ich danke Ihnen nochmals herzlich; doch eine Bitte hätte ich. Möchten Sie nicht die Güte haben und mir, wenn Sie einmal Zeit haben, Antwort schicken, ob sie

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wirklich meinen Brief erhalten haben. Verzeihen Sie mir, daß ich Ihnen Alles aufgedeckt habe, ich konnte nicht anders!“

Fr. Pr.

72.

(Von einem Lehrling geschrieben.)

Geehrter Herr!

Schon lange habe ich mich darauf gefreut Ihnen zu schreiben. Ich spreche Ihnen hiermit meine vollste Hochachtung aus; noch nie haben Bücher mich so erfreut. Wie die Ihrigen. Man kann sie dreimal lesen, ohne sich dabei zu langweilen. Hier in Konitz werden auch Ihre Bücher besonders viel und gern gelesen, was ja weiter nicht wunderbar ist. Ich bin fest davon überzeugt, daß Ihre Bücher in ganz Deutschland allgemeine Anerkennung finden und fleißig gelesen werden, daß sie selbst überall geachtet und geliebt werden. Neulich hörte ich von einigen Leuten Sachen, die mir und gewiß auch Ihnen wenig Freude machen werden. Sie sollten Ihre Bücher von einem Engländer, dessen Namen natürlich keiner wußte, abgeschrieben haben. Ich habe dies nicht geglaubt und einfach für Lügen erklärt. Ihre Bücher können nicht abgeschrieben sein, das beweist schon die lebhafte Schilderung, die geographische Beschreibung und das tadellose deutsch. Man lernt daraus einen guten Teil Bildung, Geographie, und vor allem wird man vor Schlechtigkeiten durch Ihr edles Beispiel abgehalten. Ich kenne hier in Konitz mancheinen, darunter auch mich, der dadurch sich bedeutend gebessert hat. Nun leben Sie wohl, ich kann Ihnen nichts mehr schreiben, aber ich würde mich sehr freuen, wenn eines Tages einen Brief von Ihnen in den Kreis meiner Kameraden, welche auch große Verehrer Ihrer Bücher sind, einträfe.

Mit freundlichem Gruß.

Hochachtungsvoll

O. H.

73.

„… Seit beinahe zwei Jahren unterdrücke ich die Lust, Sie, geehrter Herr, zu belästigen. Es liegt mir gänzlich fern, Sie mit Lobeserhebungen zu überschütten; nein, ich will Ihnen hiermit nur meinen tiefgefühlten Dank aussprechen für den Zauber, welchen Ihre Erzählungen auf mich ausüben, in denen mich hauptsächlich Ihre tiefe Religiosität anmuthet.

Mein innigstes Gebet habe ich schon oft – und werde es

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ferner thun – zu Gott emporgesendet, damit er Sie einst reich belohne in der Ewigkeit…“

O. K., Lehrerin.

74.

„… Aber sehen Sie das nicht als Schwärmerei an! Ich bin 42 Jahre alt. Neben Ihren Bänden stehen unter noch Anderen W. Weber, W. Kreiten. O. J. Werfer, H. Eschelbach, Louise Hensel, R. Liebenau, Droste Hülshoff, etc. etc. Aber wenn es in meiner Macht stünde, würde ich alle meine Bekannten mit Ihren Büchern beschenken. Ihre Schreibweise ist so faßlich, natürlich, ungekünstelt und doch voll Kunst, ächt christlich — — Wie herrlich ist nicht Ihr „Ave Maria“, sie prächtiger Dichter!

Was mir am meisten gefällt, ist die Sittenreinheit des Inhaltes. Alle Ihre Gedanken sind förmlich abgewogen, um auch das zarteste Gemüth nicht zu verletzen. Für dieses Alles möchte ich Ihnen tausendmal dankend die Hand drücken…“

M. N.

75.

Sehr geehrter Herr!

Um dem verderblichen Einflusse der Schundlitteratur entgegenzuarbeiten, habe ich im hiesigen Kreise eine Volksbibliothek ins Leben gerufen, die die Bewohner ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses mit zweck­ent­spre­chen­dem Lesestoff versehen soll. Das Institut hat sich in einer Weise entwickelt, daß wir auch nicht entfernt in der Lage sind, die Bedürfnisse befriedigen zu können. Mehr als 1200 Leser suchen bei uns Unterhaltung und Belehrung. Am meisten begehrt unter allen Werken werden Ihre vorzüglichen Reiseerzählungen, die wir in 78 Bänden besitzen. Unsere Mittel erlauben zur Zeit keine weiteren Anschaffungen; wir sind deshalb auf die Unterstützung wohlwollender Volksfreunde angewiesen und möchten an Sie die ergebene Bitte richten, das Institut durch gütige Überweisung Ihrer Werke ausbauen zu helfen. Sie würden uns dadurch zu großem Danke verpflichten.

Mit vorzüglicher Hochachtung

S.

Königlicher Landrath.

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76.

„… Zur Zeit als Geschworener an das hiesige Schwurgericht einberufen, lese ich eben den dritten Band Ihres „Winnetou“ fertig, und weil, wie ich aus dem Nachworte ersehe, auch Andere sich brieflich an Sie wenden, so gestatte ich auch mir, Sie mit einigen Zeilen zu behelligen.

Sie sind ein gläubiger Christ, und der Umstand, daß man dies aus Ihren Erzählungen herausliest, verleiht denselben den höchsten Werth. Nie wird beim Leser das Gerechtigkeitsgefühl verletzt. Das Christenthum ist ja die ewige Wahrheit, und weil die sich in Ihren Werken stets kenntlich findet, so theilen Sie die Schätze aus, die mehr werthen als die Goldschätze von Deklil-to!...“

E. B.

Vorstand des kaufmännischen Vereins in A.

77.

„…Die albernen Menschen, welche Ihnen den Vorwurf machen, daß Sie zuviel Religion u. dergl. bringen! Ich stimme da vollständig mit Ihren Grundsätzen überein. Alles Andere ist Heuchelei und deshalb zu verachten. Ich muß aufrichtig bekennen, daß mir das Lesen Ihrer Werke trotz, ich muß sagen, vielfach berechtigter socialer Denkungsart, im christlichen Glauben wieder neu bestärkt hat....“

G. Pf.

78.

„… Besonders labte ich mich an dem gottesfürchtigen Sinn, der allen Ihren Bänden innewohnt. Wie die Welt — besonders in den Städten — mit ihren atheistischen Ansichten prahlt, so stand auch ich sehr nahe daran, meinen Glauben zu verlieren. Doch das Lesen Ihrer Bücher und Ihr gottesfürchtiger Sinn haben so auf mein Gemüth eingewirkt, daß ich nun froh bin, meinen Glauben durch Sie wieder gewonnen zu haben. Nehmen Sie hierfür, verehrter Herr, aufrichtigen Dank!…“

A. St.

79.

„… Ich bediente mich in diesem Briefe Ihnen gegenüber der Anrede: „Lieber Mitarbeiter in der

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Seelsorge“, weil ich überzeugt bin, daß die göttliche Gnade durch Sie schon mehr gewirkt hat, als durch Manche von uns Priestern …“

F. von B., Pfarrer.

80.

„… Es ist mir geradezu unmöglich, noch länger dem Drange, Ihnen zu schreiben, zu widerstehen; ich fühle mich gezwungen, meine höchste Bewunderung, Anerkennung und Hochachtung, meine aufrichtigste Liebe und Dankbarkeit freimütig auszusprechen.

Aus Ihren edlen Schriften sehe ich in Ihnen einen wahren Mann vor mir, einen ächt deutschen Mann, eine deutsche Kernnatur, wie ich sie mir besser nicht vorstellen kann, einen Mann aber namentlich, der nach den Worten des mannesmutigen Apostels Paulus in Wahrheit ist, was er hier auf Erden sein soll, nämlich die Ehre und das Abbild Gottes, der diesen kostbaren Schatz der Manneswürde besitzt, indem er leuchtend und unerschrocken auftritt und mit dem Auge des Verstandes und der Offenbarung klar und deutlich einsieht und befolgt die Gesetze, die sein Leben regeln und ordnen, um nach Gottes Willen sein wahres Glück zu erreichen, der vernünftig und frei Gottes Willen und Gesetz zu seinem eigenen Gesetze macht und so teilnimmt an der Freiheit und der Herrschaft Gottes; einen Mann endlich, der die wunderbare geheimnisvolle Schöpfung und das edelste derselben, das menschliche Herz, diesen Sitz der Gefühle, zu würdigen und mit dem Wahren, dem Ewigen zu verbinden.

Wie oft habe ich mich an Ihrer getreuen, sittenreinen Schilderung der Natur und der Charaktere wahrhaft erbaut! Ihre Reisebeschreibungen sind eine der kostbarsten Perlen des Jahrhunderts. Wie oft habe ich mir gesagt: Glücklich der Mann, der Sie, wie der kleine, tapfere Halef, zum Freunde hat!

Daß Sie uns noch viele, viele Jahre wohl erhalten bleiben zur Ihrer eigenen Zufriedenheit und Freude, zur Erbauung der Mitmenschen und zum Wohlgefallen und zur Verherrlichung Gottes, das wird Gegenstand des Gebetes bleiben

Ihres, Ihnen gänzlich ergebenen

Anhängers und Freundes

Chr. K., Kaplan (Belgien).

81.

„… Für mich steht es fest: Ihre Schriften sind geradezu unersetzbar und unvergleichlich. Was ein Seelenhirte, der

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direct sprechen muß, vergeblich unternehmen würde, Sie haben es erreicht durch Ihre indirecte Weise: Manche, manche Seele gerettet! Heut, wo der Indifferentismus sich neben dem Unglauben in krassester Form so entsetzlich breit macht, sind Männer, die sich, wie Sie in ihren Schriften, nicht scheuen, ihren Christenglauben, ihre Ueberzeugung vor dem Forum der Oeffentlichkeit auch in Werken nicht spezifisch religiösen Characters zu bekennen, von doppeltem Werthe.

Doch wozu wiederholen, was Ihnen schon von hunderten Ihrer treuen Leser mit freudiger Begeisterung …“

A. Z.

82.

„… Der liebe Gott forderte in diesem Jahr ein großes, schweres Opfer von uns, indem er uns einen Sohn im Alter von 19 Jahren hinwegnahm. Und grad dieses mein Herzenskind hatte immer, sogar noch in den letzten Tagen, den sehnlichsten Wunsch, Ihnen, hochverehrter Herr, einmal sagen zu dürfen, wie nahe Sie seinem Herzen gestanden, wie viele Stunden reiner Freuden, Belehrung und Erholung Sie ihm durch das Lesen Ihrer unübertrefflichen Werke bereitet haben und wie sehr er Ihnen dafür danken möchte.

Er war so gut, so unverdorben und so fromm, daß bei allem Leide mein Mann und ich uns noch freuen, dem lieben Gott ein solches Kind schenken zu dürfen. Und da ich weiß, daß der liebe Verstorbene auch für Sie öfters gebetet hat, so verzeihen Sie mir wohl meine Kühnheit, daß ich Ihnen ein Bild meines Kindes schicke, mit der Bitte auch für ihn ein Wörtlein zu beten, welches doppelt gilt, weil es aus dem Herzen eines wirklichen Wohlthäters der Menschheit, besonders der Jugend kommt.

Zugleich lassen Sie auch mich Ihnen von Herzen Dank sagen für die genußreichen Stunden, die Sie sowohl mir als überhaupt meiner Familie bereiteten. Gott möge Ihnen das viele Gute, welches Sie durch Ihre Schriften wirken, hier und besonders im Jenseits tausendfach belohnen.

A. Br., geb. R.

83.

„… Die Liebe zu Ihnen! Glauben Sie mir, daß Ihre Predigten der Liebe nicht an mir verloren gegangen sind, und daß Sie mir mein höchstes Gut,

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meinen Gott, wiedergegeben haben! Ich habe oft stundenlang bei schlechten Büchern gesessen, um nachweisen zu können, daß es keinen Gott gebe. Ich Thor. Seit ich vor zwei Jahren zu Ihren Büchern griff, bin ich anders geworden, und seitdem ich Sie persönlich gesehen habe, ist jeder Zweifel weg!

Jetzt aber werde ich an meinem Gott festhalten, und wäre glücklich gleich Ihnen sagen zu können: „Und wenn nur einer meinen Glauben achten, ja lieben lernt, so ist mein Tagwerk nicht umsonst gethan, und ich kann getrost mein Haupt irgendwo zur Ruhe legen! Wie tief haben sich diese Worte, wie tief hat sich überhaupt Ihre Rede mit Marah Durimeh in meinem Herzen eingeprägt!…“H. J.

84.

„… Als treuem Anhänger Ihrer Werke macht es mir große Freude, Ihren gegenwärtigen Aufenthalt hier zu wissen, um Ihnen danken zu können für die vielen, vielen genußreichen Stunden, die mir Ihre Erzählungen schon bereiteten.

Das Lesen Ihrer Bücher ist mir eine wahrhafte Erholung nach vollbrachter Arbeit. Der Geist, der sie durchströmt, zieht mich unwiderstehlich an; ich liebe Sie und bin Ihr Eigen, ohne Sie persönlich zu kennen.

Leider ist die Erfüllung meines größten Wunsches, mit Ihnen einmal zusammen zu treffen, fast eine Unmöglichkeit zu nennen, doch ich glaube an Gott, und er kann es möglich machen.

Wenn ich die Stunde Ihrer Abreise erfahren kann, so wird mich nichts hindern, stummen Abschied zu nehmen von Ihnen, vielleicht für immer: Ihr geschriebenes Wort aber wird in mir leben, so lange mein Herz schlägt.

Mit der Bitte, nochmals meinen innigsten Dank entgegen zu nehmen zeichne ich

In hochachtungsvoller Ergebenheit

Ihr

R. L.

85.

„… Doch schlechte Bücher und eine noch schlechtere Gesellschaft von Menschen, die ich für meine Freunde hielt, brachten mich vom Pfade der Tugend ab. Meine alte Mutter flehte mich an, weinte Thränen und bat mich, davon abzulassen. Ich folgte nicht.

106

Sie betete vor mir. Ich wurde davon gerührt und versprach Besserung, aber ich hielt nicht Wort.

Da kam der Rettungsstrahl. Ihre Bücher waren es, die ihn mir brachten. Ihre Gottesfurcht, das so oft belohnte Gottvertrauen und die Reinheit Ihrer Worte erschütterten mich tief. Ich und mein Freund, wir haben die schlechte Gesellschaft verlassen und leben nur Ihnen. Nehmen Sie die Segenswünsche meiner Mutter und...“F. Dr.

86.

„… Wie groß der Einfluß war, den Ihre Reiseerzählungen auf mich ausgeübt haben, vermag ich nicht zu bestimmen, aber daß er ein sehr großer war, kann ich ohne Uebertreibung behaupten. Mein Gefühl drängt mich, Ihnen meinen Dank dafür auszusprechen, daß Sie aus mir einen anderen Menschen machten. Durch Ihre Erzählungen wurde ich wieder ein Christ und ein Mensch im edelsten Sinne des Wortes…“G. Br.

87.

„Mit innigem Danke theile ich Ihnen mit, daß ich Ihren Werken den Glauben verdanke. Ich geriet in schlechte Gesellschaft… als mich Ihre Werke und besonders „Weihnacht“ wieder auf den rechten Weg zurückführten. Den Dank dafür kann ich mit Worten Ihnen niemals abstatten. Möge Gott Sie belohnen!“B. S.

88.

„… Möge mir der liebe Gott zu meinem zukünftigen Berufe auch ein so festes Vertrauen, so frohen, muthigen Glauben verleihen, wie er aus allen Ihren Büchern spricht. Dann wird wohl auch meine Arbeit wohlgelingen!“H. B.

89.

„… Ja, Ihre Schriften sind ein wahrer Segen für mich geworden. Gott vergelte und lohne es Ihnen tausendfach! Ich gedenke Ihrer in tiefer Dankbarkeit, und täglich steigt mein Gebet für Sie zu Gott empor.“Lena Schr.

107

90.

„… Möchten doch alle Schriftsteller, so wie Sie darauf bedacht sein, zu veredeln, anstatt das Gegentheil zu bewirken!“Frida Z.

91.

„Da so viele Leute, begeistert von Ihren herrlichen Reisewerken, sich keine Mühe und Arbeit verdrießen lassen, einige freundliche Zeilen von Ihnen zu verlangen, drängt es auch mich dem Verfasser von „Winnetou“, „Mahdi“ etc. meine tiefste Verehrung und meinen Dank für solche der Menschheit geschenkten Meisterwerke auszusprechen. …“A. Chr. Sch. Philologe.

92.

„Es läßt mir keine Ruhe mehr; ich muß Ihnen sagen, wie Ihre Bücher veredelnd auf mich wirken. Wie herrlich glänzt die Feindesliebe und die Geduld mit den Nebenmenschen durch alle Ihre Werke! …“A. M.

93.

„Wer Ihren festen, gottvertrauenden Character sich zum Vorbilde nimmt, der muß Sie liebgewinnen. Ich bin ein Kämpfer für Ihre Bände, indem ich sie jedem als die besten Bücher empfehle. Leben Sie noch lange! …“A. K.

94.

„Ihre Erzählungen haben mich schon oft auf bessere Gedanken gebracht, wenn ich mich in einer nicht ganz rechten Stimmung befand. …“A. W. Arbeiter.

95.

„… Möge der liebe Gott Ew. Wohlgeboren in ungestörter Gesundheit erhalten und Ihnen ein volles Maaß des Glückes bescheeren. Er lasse Sie noch recht, recht viele Jahre zum Wohle der Menschheit wirken. Dieser Wunsch kommt aus der Tiefe eines dankbaren Herzens!“Fr. B. Lehrerin.

96.

„… Ich bin durch Ihren „Winnetou“ ganz anders geworden. O, wären doch alle Bücher so geschrieben, wieviel Gottvertrauen wäre mehr in der Welt! Wer doch auch so fromm

108

und voll Glauben wäre wie Sie! Gott segne Sie und erhalte Sie noch recht lange!“M. F.

97.

„… Wer Ihre Bücher gelesen hat, aus dem muß ja ein guter und ordentlicher Mensch werden!“

R. S.

98.

„… Ferner spreche ich Ihnen meinen tiefgefühltesten Dank für Ihre Schriften aus, die auch auf mich ihren guten, ja besten Eindruck nicht verfehlt haben, die auch mich meinen richtigen Lebenszweck erkennen ließen, den ich, und zwar nicht vergebens, zu erreichen suche.“W. Sch.

99.

„Seit Jahren lese ich Ihre Werke. Sie enthalten etwas Hohes und wirken wie eine Bibel auf mich. Ich muß mein Herz voller Dankbarkeit gegen Sie ausschütten!…“

H. B.

100.

„… Während wir uns vorher auf Kneipen und Irrwegen herumtummelten, sind wir durch Ihre Bücher auf den Pfad der Humanität geführt worden.“Fr. Br. J. K. J. M.

101.

„Zuerst muß ich Ihnen meinen tiefgefühltesten Dank aussprechen für die vielen Stunden der Erbauung, Belehrung und Unterhaltung, die Sie mir durch Ihre Bücher — von denen ich einen Theil besitze und die, nächst der Bibel natürlich, meinen köstlichsten Schatz bilden — bereitet haben.

Ich bitte täglich unsern lieben Vater droben, daß er Sie für das, was Sie durch Ihre Bücher an mir gethan haben, tausendfältig segnen möge! …“

K. P. M.

102.

„… So lange ein Deutscher lebt, wird Ihr Name und werden Ihre Werke nicht in Vergessenheit gerathen. Schreiben Sie noch viele solche Bücher!“I. M.

109

103.

„… Mein Leben ist oft ein recht hartes. Wie es mir aber immer leicht wird in solchen Stunden, wenn ich in Ihrer „Weihnacht“, in Ihrem „Winnetou“ lese, das weiß der liebe Gott!“

J. M. Kaplan.

104.

„… Der liebe Gott ergieße seinen reichsten Segen über Sie und Ihre Werke, deren Sie noch viele den Sie verehrenden Lesern darbieten mögen!“M. S. (Schulschwester).

(folgen noch 25 Unterschriften.)

105.

„Aus Ihren Werken, hochverehrter Herr, hatte ich das Glück, Sie kennen zu lernen. Als Lehrer muß ich sagen, solches noch nicht gelesen zu haben. Man kann als Erzieher viel von Ihnen lernen…“K. Pr. Lehrer.

106.

Es war für mich wirklich ein Freudentag, als die Postkarte von meinem liebsten, verehrten Schriftsteller eintraf. Den Dank will ich Ihnen dadurch beweisen, daß ich stets nach Ihrem Vorbilde leben und ein frommer und fleißiger Mensch zu werden mich bemühe!“

E. St.

107.

„… Ich bin schon seit 8 Jahren schwer krank und daher oft recht tiefsinnig. Da bekam ich vor Kurzem vom Arzte einige Bücher geliehen, welche Sie geschrieben haben. Als sich mein Zustand verschlechterte und ich zum 4ten Male mit den heil. Sterbesakramenten versehen wurde, brachte mir der Herr Cooperator „Winnetou“ und „Weihnacht“, und ich kann Ihnen nicht beschreiben, was Sie mir für glückliche Stunden bereitet haben…“E. F.

108.

„… Wie können wir uns freuen, daß uns Gott einen so tüchtigen Autor gegeben hat, zumal in dieser Zeit. Wie werden Sie aber auch wegen Ihrer Beliebtheit angefeindet und beneidet von Ihren Gegnern! Gott wird Ihnen das Gute, das Sie sowohl durch Ihre Schriften als auch durch Ihre That vollbringen, reichlich lohnen!…“J. E.

110

109.

„Hochgeehrter Herr!

Ich bin ein eifriger Bewunderer von Ihnen und Jeder, der Ihre Bücher liest, muß die Feder in die Hand nehmen und Ihnen schreiben. Sie schreiben aber auch so wirklich prachtvoll herzlich und interessant, daß schon viele durch die Lectüre Ihrer Bücher wieder auf gute Wege zurückgekommen sind.

Ich will Ihnen nur eine Begebenheit erzählen, wie ein Freund von mir, der auf Irrwegen wandelte, durch Ihre Werke wieder auf den rechten Weg zurückgeführt wurde....“K. Schl.

110.

„… Ihr „Winnetou“ und dann „Weihnacht“ haben mich tief ergriffen. Ich mußte immer Ihren Glauben bewundern, um so mehr, als ich den meinigen schon fast verloren hatte, theils durch den Umgang mit glaubenslosen Freunden, theils durch eigene Trugschlüsse. Durch das Lesen Ihrer Werke aber habe ich meinen früheren Glauben wiedergewonnen; nur fühle ich mich in demselben noch schwach. Da wage ich Sie nun…“

K. S.

111.

Verehrtester Herr!

Im Auftrage von 18 eifrigen Lesern, unter denen einer ist, der bloß Ihnen zu Liebe die deutsche Druckschrift lesen lernte, erlaube ich mir, mit diesen Zeilen Ihre gewiß kostbare Zeit…“

Buffalo

Washington Street.

A. V.

112.

Sehr geehrter Herr!

Mein Brief führt Sie, geehrter Herr, aus der deutschen Heimat hinweg nach Dänemark. Unweit von Kopenhagen liegt Charlottenlund. Hier thront auf einer Anhöhe das Sankt Andreas-Colleg. Viele deutsche Eltern schicken ihre Kinder zur Erziehung hierher. Bei den Mahlzeiten wird vorgelesen, und seit einigen Jahren kamen Ihre gesammelten Reiseerzählungen an die Reihe und wurden freudig aufgenommen. Selbst die Dänen bemühen sich, auf jedes Wort zu lauschen. Wir lesen jetzt …“

(Zahlreiche Unterschriften.)

111

113.

„… und da ich weiß, wieviel Gutes Ihre Werke in den Ländern deutscher Zunge gestiftet haben, bin ich entschlossen, sie — meine Lieblingslectüre — in meine Muttersprache, ins Ungarische zu übersetzen.

Ich würde mich unendlich freuen, wenn ich durch diese Übersetzung einerseits die schädlichen Bücher und Werke unserer Litteratur verdrängen und andererseits das uns Fehlende wirk­sam …“

G. von T.

Doctor der Philosophie.

114.

„… Mit dem Gefühle der Bewunderung und Dankbarkeit muß ein jeder Ihrer zahlreichen Leser an Sie denken, und auch ich kann nicht anders, ich muß Ihnen meinen Dank kund thun. Ihre mannigfachen Werke haben mir, abgesehen von dem großen Vergnügen, nicht wenig Bekehrung und Anregung zum Guten gebracht. Mein aufrichtiges Dankgefühl soll sich aber nicht mit Worten begnügen, nein, ich will Gott bitten, Ihrer Feder Segen zu verleihen.

F. M.

115.

„… So wage ich es nun, an dieser Stelle meinen innigsten Dank auszudrücken für die zahlreichen frohen Stunden, die mir die Lectüre Ihrer wunderbaren Werke bereitete. Alle Anderen müssen vor Ihren Schriften weit in den Hintergrund treten. Ihre leichtverständliche, ungekünstelte Schreibweise ist es, die mich immer wieder nur Ihre Bücher in die Hand nehmen ließ. Sie bilden den schönsten Schmuck meiner kleinen Bibliothek, und kommt jemand zu Besuch, so sind es gewiß Ihre Bücher, die ich zuerst zeige. Von Allen, denen ich sie leihe, erhalte ich die Versicherung, daß…“

Fl. D.

116.

„… Ich kann nicht ermangeln, Ihnen meinen tiefgefühltesten Dank auszusprechen, denn ich bin erst von da an Mensch, wo ich begann, Ihre Werke zu lesen. Der „May“ ist für mich nicht ein unterhaltender Zeitvertreiber, sondern eine unerschöpfliche Quelle mannigfacher Freuden. Ich begehre keinen andern; er tröstet mich über manche größere oder kleinere Kümmernisse; er bewahrte

112

mich davor, ein Zweifler zu werden! Was aus mir geworden wäre, wenn ich nicht Ihre Bücher gelesen hätte, ich mag gar nicht daran denken!

Mein Wunsch ist, daß Sie derselbe Gott, der Sie schon so manche Gefahr bestehen ließ, in seinem mächtigen Schutz behalte, auf daß Sie noch recht viel zum besten der Menschheit wirken mögen!…“

A. Ko.

117.

„… Von keiner Seite würde ein Wort der Ermahnung so eindrucksvoll wirken wie das Ihre. Nehmen Sie den herzinnigsten Dank, und seien Sie überzeugt, daß wir Ihnen den höchsten Segen und das größte Glück wünschen. Möchte der gütige Gott Ihnen Ihr Leben in rechter, freudiger Zufriedenheit genießen lassen, wie Sie, lieber, hochverehrter Herr es verdienen!…“

Frau H. B.

118.

„… Schon lange hörte ich, daß man Ihre Werke als unterhaltend, belehrend und sehr christlich rühmte. Ich hatte bald das Verlangen, dieselben zu lesen. Ein Freund borgte mir „Im Lande des Mahdi“ III. Ich war tief ergriffen, als ich das Buch ausgelesen hatte und gab mir Mühe, noch andere lesen zu können…

Von meinen Ersparnissen kaufte ich mir „Old Surehand“. Großen, sehr großen Eindruck machte dieses Werk auf mich. Ja, ich kann sagen, daß ich seit der Zeit, als ich Ihre Werke las, wieder regelmäßig bete, was ich vorher nicht mehr kannte....

M. K.

119.

„… Falls es Ihnen Freude bereitet, theile ich Ihnen mit, daß ich, seit ich Ihre Werke lese, ein besserer Mensch geworden bin. Mein Charakter hat sich gefestigt, und meine Gesinnung ist eine ganz andere geworden.. .“

H. S. Kaufmann.

120.

„… Warum ich das grad Ihnen schreibe, weiß ich selbst nicht genau; ich glaube, das macht das Studium Ihrer selbst aus

113

Ihren Werken. Sie werden vielleicht lächeln, wenn Sie dies lesen, aber ich sage Ihnen (und das ist meine innerste Ueberzeugung): Seitdem ich Ihre Bücher las und noch lese, bin ich, ich fühle es, ein besserer Mensch an Leib und Seele geworden. Sie haben recht, wenn Sie sagen, daß beim Verbreiten des Christenthums die Thaten mehr als die Worte machen. Ihre Schriften sind solche Thaten!…“

Fr. H.

121.

„… Ich bin ein eifriger Bewunderer von Ihnen und schreibe Ihnen, daß ich durch Ihre Bücher auf den Pfad des Guten zurückgeführt worden bin, von dem ich abzuweichen im Begriffe stand….“

E. J.

122.

„… Ich habe mich bisher bemüht, keinen Fehler zu machen und keine Sünde zu thun. Noch ist es mir nicht ganz gelungen. Ich gebe mir immer mehr Mühe, diese Fehler zu vermeiden, und lasse meine Hoffnung, daß es mir mit Gottes Hilfe noch gelingen werde, nicht fallen.

Glauben Sie mir, lieber Herr May, daß wer ohne Rührung von Ihrer Liebe, Ihrem Mitleid und von Ihrer Hoffnung auf Gott diese Bücher durchlesen kann, der muß ein gefühlloser Mensch sein!…“

W. R.

123.

„… Manches Kapitel ließ einen sehr tiefen Eindruck in mir zurück, der nicht ohne gute Früchte bleiben wird, und dann erfüllte mich der religiös, warme, reine, gerechtigkeitsliebende Geist, welcher aus Ihren Werken spricht, mit inniger Freude. Mein Fühlen und Denken wird dem Ihren so verwandt, wie ein Bruder dem andern, und obwohl ich Sie in diesem Leben persönlich nicht werde kennen lernen, zählen Sie in meinem Herzen zu jenen Freunden, deren ich täglich gedenke, bis uns der Himmel vereint …“

M. St.

114

124.

„… Da grad durch diese Ihre Schreibweise schon so Mancher aus dem Taumel der Gottlosigkeit zu einem neuen, kräftigen Glauben erwacht ist…“

Religionslehrer und Vorstand des Arbeiter-

Vereins in J. E. W.

125.

„… Ew. Hochwohlgebohren können versichert sein, daß ich zu jeder Zeit dankbar sein und Sie in mein Gebet einschließen werde. Durch Ihr Gespräch mit Old Wabble etc. haben Sie aus mir einen ganz an deren Menschen gemacht. Durch einige meine Collegen zum Unglauben verleitet, bin ich dadurch wieder zu meinem Glauben zurückgekehrt…“

R. Schl.

126.

„… Ich freue mich schon jetzt herzlich, endlich einmal meinen heißesten Wunsch in seiner Erfüllung reifen zu sehen, wonach es mir vergönnt sein soll, das Haus zu schauen, in welchem ein gottbegnadetes Menschenkind so viel des Guten und Schönen geschaffen, so viel Liebe gepredigt und Ideales gezeitigt hat, das Heim jenes Mannes, den ich mit jeder Faser meines Herzens aufs tiefste verehre und liebe, dessen ich im Gebete gedenke!…“

O. E.

127.

„… Möge der Himmel Ihr reges Schaffen noch lange, lange Jahre mit seinem reichsten Segen begleiten, damit besonders der Jugend durch die kostbaren Erzeugnisse Ihrer Muße reine, geistige Genüsse dargeboten werden, die Ihnen zugleich einen hohen, sittlichen Fond für das Leben gewähren, da Ihre Werke einen religiösen Character zu bilden so sehr geeignet sind....“

L.

Belgique.

128.

„… Auch hier würden sie Freunde finden, welche Sie wirklich und herzlich lieb haben. Von mir will ich nicht reden; ich will

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nur sagen: kein Herrscher Europas würde, wenn er mein Haus beträte, mir so viel, so großes Glück und Freude machen wie Sie, hochgeehrter Herr. Ich bitte, lächeln Sie nicht über diesen Brief, denn jetzt hat mein Herz gesprochen. Wie oft schon wollte ich Ihnen dieses schreiben, aber ich getraute es mir nicht!…“

A. F.

K. K. Postmeister.

129.

„… Ich bin Beamter im Dienst der Gemeinde Wien und über die Jugendjahre längst hinaus. Ich will Sie nicht belästigen; aber das habe ich schon längst auf dem Herzen, Ihnen zu schreiben, daß ich durch Ihre Werke zu einem christlich denkenden Manne geworden bin. Seien Sie herzlich dafür bedankt!“

R. L.

130.

„… Unser lieber, ich möchte fast sagen, angebeteter Karl May hat seinen Lesern seinen Geist und seine Gefühle eingehaucht. Sie denken und handeln wie er denken und handeln würde. Er ist ihr Führer — — ihr Vater!…“

Universität Rom.J. C.

131.

„… War und ist es für mich doch die größte Freude und Erquickung, wenn ich nach des Tages Mühen Ihre mir so lieben, lieben Bücher zur Hand nehme.

Meine schönste Freude und mein größter Stolz ist die stattliche Anzahl Ihrer Werke in meiner Bibliothek. Nehmen Sie meinen herzlichsten, innigsten, nehmen Sie tausend Dank für das viele Gute, was Sie der Menschheit gespendet haben. Mögen sie uns noch recht, recht lange erhalten bleiben!…

A. M.

132.

„… um weiterhin als Lehrer des ganzen deutschen Volkes ihren Beruf erfüllen zu können und immer neue Anhänger und Leser für Ihre herrlichen Ansichten zu gewinnen, von denen ich mich wohl als einen der treuesten bezeichnen darf.“

W.

116

133.

„Ich nehme mir die Freiheit, Sie, hochgeehrter Herr, heute mit meinem Schreiben zu belästigen; bitte, nicht böse sein! Wie komme ich aber dazu, Ihnen einen solchen Brief zu schreiben? Denn einen solchen Brief, wie ich Ihnen schreibe, hat gewiß niemand unter den Tausenden und Abertausenden Ihnen gesandt. Bitte zu lesen und zu staunen! So war die Sache — — Eines Abends kam ich zu einem meiner Freunde. Er saß beim Fenster, las ein Buch — — und weinte! Als ich eintrat, wischte er schnell die Thränen aus den Augen und klappte das Buch zu, es war der II. Band „Winnetou“. Wir unterhielten uns über allgemeine Gegenstände; ich stand auf, nahm das Buch in die Hand und sagte: „Was können das für Geschichten sein, daß Du bis zu Thränen gerührt wurdest?“ Ich meinte, er werde es in Abrede stellen, wurde aber enttäuscht, denn er sagte: „Wer dieses Buch liest und nicht weint, den möchte ich wirklich sehen wollen.“ Ich sah, nähertretend, eine Indianer- und eine Europäergestalt als Titelbild und lachte ihn aus, dass er wegen einer Indianergeschichte weine. Es entspann sich nun zwischen uns eine förmliche Debatte, die damit endete, dass ich probeweise den I. Band von „Winnetou“ lesen sollte. Ich nahm ihn mit nach Hause und da eben nicht anderes zu thun war, begann ich gleich den I. Band zu lesen. Zunächst las ich einige Seiten gleichgiltig durch. Dann verwandelte sich diese Gleichgiltigkeit in Aufmerksamkeit und als ich etwa 80 Seiten gelesen hatte, war ich so erregt und so gespannt, dass ich — — gar nicht schlafen gehen wollte! Ja, ich las bis 2 Uhr und — — — Allah-Wallah-Tallah!! Wie dachte ich über Indianerbücher! Ich hielt nämlich niemals auf solche Mordgeschichten, wie sie in 25-Pfennig-Büchern zu lesen sind und nur der Jugend Unheil bringen. O! lieber Herr Karl May, wie großartig ist die Wirkung eines guten Buches!! Wenn es mir die Zeit erlaubte, las ich nichts anderes als ein von Ihnen verfaßtes Buch, und wie wirkte diese Lecture auf mich!! — — — Ich weinte, weinte bittere Thränen; ich wurde so ganz anders! Ich kenne mich selbst nicht mehr!! Zu Anfang schrieb ich, es wäre das einzige Schreiben dieser Art unter den vielen Stößen von Briefen! Aber ich weiß, daß Sie gewiß es nicht unbeachtet bei Seite schieben, und hoffe, (wenn es auch längere Zeit dauern wird,) von Ihnen, Herr May, ein eigenhändiges Schreiben zu erhalten, daß mir große Freude bereiten wird, wenn auch gerade nicht sofort von Ihnen Antwort kommt. — Ich werde geduldig warten! Ich bitte jetzt um etwas Aufmerksamkeit, denn ich will Ihnen — — — eine förmliche Beichte ablegen. — — — Wozu? — — Nun, ich weiß,

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dass es Sie freut, wenn Ihretwegen aus einem Saulus ein Paulus wird. Wenn — ich gestehe es, aus einem wirklichen Taugenichts, der zu allen Streichen und Bosheiten mit Wort und That der Erste war, ein Mensch wurde, der jetzt sich nicht mehr wiederkennt. Keine Strafe und Ermahnung von meinen Eltern wirkte. Alle Worte gingen in ein Ohr hinein, aus dem andern kamen sie heraus. O wie ganz anders wurde es, als ich einige Ihrer Bücher las!! Ich weinte, blieb einen Sonntagnachmittag zu Hause und dachte nach, was zu thun sei. Ja ich fasste einen Entschluss.! Montags Nachmittag ging ich in die Kirche! Um zu — — — beichten! Ja, ich beichtete alles was meine Seele beschwerte. Bisher gelang mir alles, was ich unternahm, verkehrt! Mir fehlte der Segen Gottes, mir fehlte die Gnade ein wahrer Christ zu sein. O! wie weit wäre ich gekommen. Im Laufe der Zeit wäre ich immer tiefer in den Schlamm der Sünden gesunken, bis ich darin verschwunden wäre; der Schlamm hätte mich begraben! Und so kam die Rettung (ich muß es so nennen!) in Gestalt Ihrer tief ergreifenden Bücher. Ich langte darnach — ein Entschluß — ein Ruck! — und ich war gerettet! Wie leicht war meiner armen Seele!! Zentner waren von ihr gefallen! Und ich? Nun, was ich thue und beginne, alles bringt mir Glück und Segen, alles gelingt mir, weil es Gott wohlgefällig ist! — — Tausend und Millionenmal sei Ihnen gedankt, Gott möge Ihnen seinen Segen geben! Denn durch Sie allein habe ich das gefunden, was meine Seele bedurfte. Ich bin zur Ueberlegung gekommen, die mir endlich diesen, vorerwähnten Entschluß verlegte. Es ist kein Wunder, dass Sie Thaten glücklich vollführten, die andern unmöglich schienen. Denn wer auf Gott vertraut, hat wohl gebaut, und ich habe es selbst erlebt, dass der Gute dem Bösen überlegen ist.“

T.

Beamter der Finanzwache.

134.

„Mein lieber, hochverehrter Herr!

Wollen Sie mir freundlichst verzeihen, wenn ein Ihnen Wildfremder Sie mit diesen Zeilen zu belästigen wagt.

Was soll ich Ihnen sagen, was mich zu dieser Kühnheit berechtigt? Möge sie dadurch Ihnen weniger schlimm vorkommen, wenn ich Ihnen sage, daß Ihre Bücher allein mich dazu gebracht haben! —

Ueber Ihre Werke mich lobend zu äußern, dazu ist meine Feder

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zu schwach, und ist dies auch schon von berufeneren Personen geschehen. —

Nur das eine soll Ihnen, hochverehrter Herr May, alles sagen, daß unter allen Schriftstellern, die ich gelesen – und es sind deren nicht wenige – immer und immer „mein“ May, wie ich mich zu sagen erkühne, mir schon als 16jähriger Gymnasiast bis heute stets der allerliebste gewesen ist und auch späterhin sein wird. —

Einer Jugendfreundin aus meiner frühesten Kindheit, meiner nunmehrigen Braut, auch ihr geht ihr „Karl May“ über alles und für sie ist es die größte Freude, wenn ich ihr wieder aus meiner kleinen Bibliothek einen „neuen May“ mitbringe und die größte Strafe und Drohung für sie, wenn ich im Scherze ihr manchmal diese ihr so liebe Lectüre verweigere. —

Bei ihr kommt eben an erster Stelle „ihr May“, dann noch einmal und dann noch einmal und dann erst ich….“

O. B.

135.

„… Schon lange drängt es mich, an Sie, hochverehrter Herr, zu schreiben, und doch hielt mich immer die Scheu ab, unbescheiden zu sein, was, wie ich ja öfter in den herrlichen Reiseerlebnissen zu lesen Gelegenheit hatte, dem Dichter derselben so unangenehm ist. Ich glaube aber hoffen zu dürfen, daß unter den vielen Zuschriften, welche Sie zu lesen die Güte haben, auch meine einen Platz finden wird.

Ich will ja nicht anderes, als danken für die vielen genußreichen Stunden, die Sie mir und den Meinen verschafft haben, indem Sie nicht nur Unterhaltung, sondern in noch viel größeren Maße Erhebung über die kleinlichen Vorkommnisse des Lebens bieten, durch den Hinweis auf jene höheren Zwecke, die der Mensch nur zu oft vergißt.

Vielleicht freut es Sie, zu hören, daß auch ich mich bestrebe, in Ihrem Sinne gut zu sein, daß, gerade so wie jene, die das Glück gehabt, mit dem berühmten Mann zu verkehren, sich so schwer trennen konnten, auch wir nun, da wir alles gelesen, ein Gefühl haben, wie wenn ein lieber Freund uns verlassen hätte, der uns durch sein belehrendes und unterhaltendes Gespräch nach unserem anstrengenden Berufe — wir sind Privatlehrerinnen für Sprachen — Erholung brachte.

Wir hatten uns so daran gewöhnt, jeden freien Augenblick den Bücher zu widmen, die wir uns leider nicht anschaffen können

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und nur aus einer Leihbibliothek bezogen hatten. Wir haben den herrlichen Winnetou bewundert und beweint; wir haben über den witzigen kleinen Halef gelacht und uns über seinen Muth und sein gutes Herz gefreut; wir haben in den Gefahren für Sie gebangt und gezittert, und nun da wir am Ende sind — „Im Jenseits“ ist noch nicht in der Bibliothek zu haben — fühlen wir uns noch ganz vereinsamt, denn jede andere Lectüre scheint uns jetzt ohne Gehalt und Werth.

Indem ich schließlich noch die Hoffnung ausspreche, mein Brief möge als das genommen werden, was er ist, der aus vollem Herzen kommende Dank an den unvergleichlichen Erzähler und edlen Menschen, zeichne ich ehrfurchtsvoll

W. B.

136.

„… Es war mir durch einen glücklichen Zufall vergönnt, eines Ihrer Werke, nämlich „Winnetou“, zu lesen. Bisher, ich muß es gestehen, hatte ich wohl nur von Ihnen gehört, und zwar als einen Autor, welcher „Indianergeschichten“ schreibt. Trotz des Lobes von verschiedenen Seiten konnte ich mich nicht zu der Ansicht bekehren, in Ihnen denjenigen sehen zu messen, den ich jetzt wirklich verehre. Ich habe Ihnen mit Ersterem Unrecht gethan, und ich leiste deshalb Abbitte. Ich bin völlig bekehrt!

Ich verdanke Ihnen durch dieses Werk sehr viel mehr als Sie glauben können. Ich selbst bin eigentlich bisher in der Religion ein Leichtfuß gewesen, der es mit derselben nicht so genau nahm, und der, ich gestehe es Ihnen offen ein, auch der „modernen Richtung“, die sich leider mehr und mehr der Religion entfremdet, angehörte.Winnetou“ ließ mich den richtigen Weg erkennen; ich mußte mich vor mir selbst schämen. Er, noch ein Heide, ging den rechten Weg, und ich, ein civilisierter Mensch…

Doch jetzt ist es anders. Im Geiste drücke ich Ihnen die Hand und preise den Zufall glücklich, der mir „Winnetou“ in den Weg führte. Ueber dem ganzen Werke liegt ein so erhabener religiöser Zug, der, wenn vielleicht manchmal das Wilde zu sehr hervordringen will, dasselbe sofort durch Old Shatterhand abschwächen läßt. Ihr Werk ist eine Verteidigungsschrift christlicher Nächstenliebe und Menschlichkeit.

Tief ergriffen war ich, ein Schauer rüttelte meinen Körper, als ich jene Stelle las, wo Old Shatterhand und Winnetou so urplötzlich in dieser wunderbaren Naturschönheit -

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Naturschönheit entdecken, und als dann mit den feierlichen Thönen der Vesperglocke, das erhabene Ave Maria der frommen Gemeinde ertönte. Ich faltete unbewußt die Hände und dachte vergangener Zeiten. Überwältigt von dieser Feierlichkeit, von diesem Gottvertrauen mußte ja Winnetou die göttliche Nähe fühlen.

Und dann, als Winnetou, den nahen Tod ahnend, von seinem Charlie Abschied nimmt. Ein Preislied treuester Freundschaft. Ich kann mich sehr lebhaft in die Lage Old Shatterhands hinein versetzen; ich habe mit ihm geweint. Dieser rührende Anschied hat mich furchtbar ergriffen. Und zuletzt jene Wucht, die in der erhabenen Sterbescene liegt, als Winnetou sterbend nochmals sein herrliches Lieblingslied „Es will das Licht des Tages scheiden“ verlangt. Es ist beinahe mehr als ein fühlender Mensch ertragen kann. Ich glaube, ich hätte Winnetous Tod nicht überlebt. Hier lernte ich erst den „stolzen Herrscher der Erde“, den Menschen, in seinem ganzen Nichts vor der göttlichen Allmacht kennen. Ich habe wieder beten gelernt....“

P. Sch. Justizanwärter.

137.

„…Wir alle hier sind Ihre Freunde und gehören längst zu Ihrer Familie. Ich habe mir Ihre sämmtlichen im vorigen Jahr zu habenden 27 Bände angeschafft; aber stets sind über die Hälfte draußen, um gelesen zu werden. Neulich hatte ich nur noch einen und mußte dann thatsächlich gute Worte brauchen, um selber wieder etwas zum Lesen zu bekommen.

Unser Bürgermeister las in den ersten 3 Monaten 21 Bände, sage und schreibe: einundzwanzig. Ich selber gehe selten zu Bette, ohne vorher einen Abschnitt Ihrer Erlebnisse miterlebt zu haben. Das macht mir nach der schweren Tagesarbeit (mit 72 Schülern) wohl.

Sehr gerne möchte ich wissen, wie es Ihnen geht. Schreiben Sie noch weiter, und lassen Sie dem 27. Bande auch noch einen 28., 29. etc. folgen?…“

K. im Elsaß.A. B. Lehrer.

138.

„… Wieder steht das liebe Weihnachten vor unseren Thüren; aber auch wieder stehen wir vor der großen Frage: Womit sollen wir die Zöglinge unserer Anstalt erfreuen, damit sie sich der freien Stunden der Vakanztage auf eine angenehme und zugleich geistbildende Weise vertreiben können? Und während ich darüber nachsinne, -

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nachsinne, tauchen Ihre Reisebeschreibungen vor meinem Geiste auf. Da wage ich die höfliche Bitte, Hochwohlgeboren mögen uns das eine oder andere Ihrer Werke gütigst zukommen lassen, da unsere Anstalt wegen des im Jahre 1895 stattgehabten großen Brandunglückes nicht imstande ist, dieselben aus eigenen Mitteln anzuschaffen.

Euer Hochwohlgeboren würden uns durch Gewährung dieser Bitte zu großem Danke verpflichten, welchen abzustatten durch das Gebet unserer Zöglinge für Sie wir sicher nicht versäumen werden.

In vorzüglicher Verehrung und Hochachtung zeichne…“

(Taubstummenanstalt.)M. C. (O. S. F.)

139.

„… Gegenwärtig lese ich gerade Ihr „Am Jenseits“ und hat mich dasselbe, wie man zu sagen pflegt, neben Ihren Winnetou, hingerissen. Neben dieser prächtigen Schilderung der Wüste diese, ich möchte sagen, religiöse Abhandlung und die so kräftige Bethätigung der religiösen Grundsätze; alles das wirkt so mächtig auf jeden Leser, der in Gedanken an Ihrer Seite weilt. Wenn ich nur diese Punkte nenne, so glauben Sie ja nicht, ich unterschätze Ihre Thaten, o nein! durchaus nicht. Aber offen gesagt, ich lese Ihre Werke mehr der Liebe, des Glaubens und der Hoffnung wegen, welche Tugenden Sie in Ihnen predigen durch Wort und That. Und gerade dies ist es, was uns an alle unsere Fehler, so furchtbar erinnert und auch uns erschrecken möchte; aber: „Die Liebe höret nimmer auf“…“

Fr. S.

140.

Hochverehrter Herr!

Gestatten Sie einem eifrigen und bewundernden Leser Ihrer zahlreichen packenden, durch Handlung und Naturschilderung gleich fesselnden Werken seine größte Anerkennung und seinen besten Dank für so überaus viele fesselnde und angenehme Stunden auszudrücken, die er der Lektüre Ihrer Erzählungen verdankt. Mein alter Vater, Professor und Gymnasialoberlehrer a. D., ist seit langen Jahren erblindet, und da sind Ihre Werke es, welche ihm den größten Genuß und die größte Erholung gewähren. Wieder und wieder hat er sich Ihre Reiseschilderungen vorlesen lassen, um stets auf’s Neue Anregungen aus denselben zu schöpfen. Nicht viele Schriftsteller verstehen es so wie Sie, hochverehrter Herr, Länder und Völker in solch’ lebenden Worten zu skizzieren, daß der Geist des Lesers all’ die Eigentümlichkeiten, Nationaleigenheiten, Naturschönheiten -

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Naturschönheiten u. s. w. unmittelbar aus den Zeilen klar und deutlich vor sich aufsteigen sieht. Das grade ist es auch, was Ihre Werke meinem blinden Vater so anziehend macht, daß er immer wieder nach deren Vorlesung verlangt!

Und so sind ihm Old Shatterhand und Winnetou, Old Shurehand und Sam Hawkens, Turnerstick und Lindsay, Halef und der Reis Effendina und all’ die anderen lebenswahr geschilderten Gestalten in seinen vielen Stunden, die er trotz der aufmerksamsten Pflege allein sein muß, gar liebe und vertraute Freunde geworden, mit denen er sich im Geist beschäftigt!

Nach dem Gesagten werden Sie, verehrter Herr May, es begreiflich finden, wenn ich mir erlaube…“

H. H. Journalist

141.

Werther Herr!

Wir haben Ihre „Reiseerzählungen“, Bände I bis XXVII, in unserer Schulbibliothek. Seit zwei Jahren erhalte ich immer die Antwort — Nichts Neues erschienen von Karl May. Ist dem so?

Auch möchte ich wissen, ob nicht ein dritter Band „Im Silbernen Löwen“ und ein zweiter Band „Am Jenseits“ erschienen sind oder erscheinen werden, denn alle sind unbefriedigt mit deren Schlüssen.

Heute morgen noch verlangte eine Dame nach dem dritten Band „Im Silbernen Löwen“ und konnte kaum glauben, daß kein dritter Band erschienen sei.

Ergebenst

M. W. S.

Grammar School Nr. 24

Ellicott Street

Buffalo Mich. U. S. America.

142.

„… Zu viele Worte würden Ihnen die Zeit rauben, deshalb will ich nur sagen, daß ich noch nie ein Buch gelesen habe, welches mein Interesse in Anspruch nahm wie diese. Der Grund lag wohl in jenen lieben und menschenfreundlichen Personen, die ihr Vertrauen auf Gott und seine unendliche Liebe setzen und mit seinem Beistand den Beweis lieferten, daß es unmöglich ist, daß das Gute dem Bösen jemals den Platz räume.

123

Ich habe mich noch nie erdreistet, jemals einen Schriftsteller mit Correspondence zu belästigen und bitte deshalb herzlich um Nachsicht; zu meiner Entschuldigung kann ich eben nur anführen, daß es auch in mir eine Stimme gab, die mir gebot, Ihnen zu danken.

Ihr Sie verehrender

Th. U.

Obermatrose.

143.

Hochverehrter Herr!

Wie stolz und glücklich haben Sie mich gemacht durch Ihre große Güte; mich Unbedeutende halten Sie für werth, Freundin zu nennen!

Wohl habe ich mir im Stillen gewünscht, einer Antwort gewürdigt zu werden, aber so viel hätte ich nicht erwartet, und ich scheue mich nicht, es niederzuschreiben, daß wir alle vor Freude weinten — auch unsere Eltern lieben Sie sehr in Ihren Büchern — als wir Ihre liebe Sendung erhielten.

Wahrlich, ein werthes Andenken wird mir das Buch sein, denn, indem ich darin lese, wird es mir sein, als ob ich mit meinem väterlichen Freund — wie stolz bin ich, so sagen zu dürfen! — spräche; ich werde Sie immer vor mir sehen und mir Trost und Rath holen, wenn ich an den Menschen verzweifle; der Glaube aber an einen allbarmherzigen Gott wird nie mehr in mir wankend werden, und auch das verdanke ich nur Ihnen.

Ich will aber auch täglich zu Gott für Sie flehen, damit er Ihnen und Ihrer Familie nur Glück bescheeren möge.

Ihre aus tiefsten Herzen

dankende

W. B.

Lehrerin.

144.

Hochgeehrter Herr!

Nachdem ich nunmehr alle Ihre 25 Bände gelesen habe, drängt es mich, Ihnen zugleich im Namen Anderer meinen und unser Aller ehrfurchtsvollen Gruß und Dank hiermit auszusprechen. O möchten Sie, hochverehrter Herr, noch recht lange wirken und schaffen, zur Freude und Genugthuung Ihrer unabsehbaren Leser und Freunde, die Sie sich für alle Zeit erworben haben! Sie sind ein Schriftsteller par excellence! — Die Schilderung und das Wirken jener herrlichen Menschen: „Winnetou, Kara Ben Nemsi Effendi, Halef“ etc sind,

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wenn ich mich ausdrücken darf, unsterbliche Erzeugnisse eines großen Geistes, der in dieser Art wohl nimmer seinesgleichen finden wird!…

H. St.

145.

Verehrter Meister!

Es drängt mich, Ihnen, verehrter Meister, für die vielen, vielen schönen Stunden, die mir durch das Lesen Ihrer Werke beschieden waren, von Herzen Dank zu sagen. Wohl weiß ich, daß es Ihnen auf den Dank und die Anerkennung eines so Unbedeutenden nicht ankommt, aber ich danke Ihnen nicht für mich allein, sondern im Namen vieler Anderer, welche durch Ihre Werke, nach des Tages Arbeit Belehrung und Erholung fanden. — Und vielleicht freut Sie es doch, wenn Sie hören, daß auch in Wien die Menschen Sie lieb haben! — Doch ich muß mich kurz fassen, um nicht Ihre kostbare Zeit unbescheiden für mich in Anspruch zu nehmen. Mit Spannung warte ich schon auf die Einreihung Ihres neueste Werkes in unsere Bibliothek, und gewiß glaube ich, daß es gerade so schön sein wird wie die vorhergehenden.

Möge Sie, verehrter Meister, der liebe Gott noch lange in Gesundheit und Wohlergehen dem deutschen Volke erhalten zu seinem Nutzen und zu seiner Freude! Dies wünscht herzlich und aufrichtig Ihr

ergebenster

R. S.

146.

Sehr geehrter Herr!

Sehr befremdend wird geehrten Herrn dieses Schreiben aus weiter Ferne und von gänzlich unbekannter Hand vorkommen. Wir hatten zwar nicht die Ehre, Sie persönlich kennen zu lernen, solange wir im Vaterland weilten — wir sind der Mehrzahl nach aus Bayern gebürtig — doch sind wir zur Kenntnis einiger Ihrer Schriften gekommen. Diese haben es uns förmlich angethan. Wir können Sie nicht genug bewundern und behaupten mit Recht, daß es die besten Werke sind, Geist und Herz zu bilden. Von „hoher Seite“ erfuhren wir, daß bereits 27 Bände von Ihrer schriftstellerischen Tüchtigkeit zeugen, und gerade der Wunsch, in den Besitz wenigstens einiger Ihrer Bücher zu gelangen, gibt uns die Freiheit, bei Ihrer allbekannten Güte anzuklopfen. Wir haben Kinder und Jungfrauen, meistens aus armen Familien, fürs Leben zu erziehen; wie schön wäre es, wenn wir in freien Stunden

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aus Ihren unvergleichlichen Werken unsern Pfleglingen vorlesen könnten! Sollte uns die Ehre zu theil werden, Bücher von geehrten Herrn zu erhalten, so wird dankbares Gebet armer Klosterfrauen, die sonst nichts zu geben imstande sind, Ihr steter Begleiter zu sein und reichsten Segen zu all Ihren Arbeiten und Unternehmungen herabrufen.

Um Entschuldigung für unsere Freiheit bittend und sicher hoffend, Ihre Güte nicht vergebens in Anspruch genommen zu haben, zeichnen sich…

Arme Dominikanerinnen,

p. Sr. M. Clotilde.

Lawrence, Mass., America.

147.

„Mein hochverehrter Herr!

Nachdem ich Ihre in ungewöhnlich fesselnder Weise geschriebenen und von einem sittlichreinen Geist durchwehten Werke gelesen habe, möchte ich Ihnen auf diesem Wege meine Dankbarkeit und Anerkennung für die umfangreichen Arbeiten entbieten. Wie wohl selten einer von den Autoren, deren Werke ich bis jetzt gelesen, es zu Stande gebracht hat, seine Leser wie Sie in solch hohem Grade zu fesseln und der Gegenwart zu entrücken, ist man unwillkürlich beim Lesen Ihrer Schriften gezwungen, in Gedanken so mitzuhandeln, überhaupt zu leben, wie Sie, geehrter Herr, und Ihre lieben Gefährten es thaten. Und nicht mit Unrecht kann man Ihren Schöpfungen den Zweck einer rechten Christenerziehung beimessen.

Ich bin glücklich, durch den Fingerzeig des ewigen Geschicks auf Ihre Schriften gelenkt worden zu sein und manche mir bisher unklare Vorstellung ist mir durch Ihre edle Denk- und Handlungsweise zur reinen Erkenntnis gekommen....“

H. W.

Beamter der Fürstlichen Landesrentenbank.

148.

Hochgeehrter Herr!

Soeben bin ich mit der Lectüre Ihres so berührenden Romanes „Weihnacht“ fertig, und wenn es für einen Fremden, für einen Franzosen, auch eine schwere Arbeit ist, unter der Bedingung, daß er noch

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sehr entfernt ist, die deutsche Sprache ganz gut zu beherrschen, dennoch mit größter Freude gesteht er zu, er habe sehr selten so viele, so feine und so tiefe Empfindungen wie beim Lesen Ihres schönen Werkes gefühlt. Vor allem hat die Scene in Falkenau, wo die jungen Schüler sich für arme Leute opfern, auf mich einen großen Eindruck ausgeübt, und zum Schluß, im Augenblicke wo der armselige Carpio stirbt, die Erinnerung an die schönen Jugendjahre und an die schon seit langer Zeit vergangenen Ereignisse erweckt unsere innigsten Gefühle.

Einer von meinen Zöglingen, welche so eifrig Ihre belehrenden und zusammen unterhaltenden Werke lesen, der schon heute an den Besuch denkt, welchen er Ihnen vorige Sommerferien abstattete, hat mir Ihre Adresse mitgetheilt, und ich habe nicht die Gelegenheit versäumen wollen, die mir erlaubt, Ihnen meine aufrichtigste Bewunderung zu zeigen.

Mögen Sie, verehrter Herr, an meine herzlichste Hochachtung glauben!

J. F.

Préfet à l’Académie Imperiale et …

149.

„Mein liebster Freund!

So sehr Ihre lieben Zeilen mich einerseits erfreut haben, so sehr betrübten sie mich andererseits, da ich zuerst daraus vernahm, daß eine ganz gemeine Presse es unternommen hat, gegen Sie vorzugehen, der Sie doch durch Ihre Werke so hoch …

Sie haben ganz Recht, ein solches von sehr tief unten kommende Gewäsch, Gekreisch und Gekläff keiner Antwort zu würdigen ...

Mit diesen Gefühlen wünsche ich Ihnen, liebster …“

(Verfasser ist Feldmarschall.)

150.

Sehr geehrter Herr!

„Ohne Ihre so kostbare Zeit in Anspruch nehmen zu wollen, wage ich es doch, Ihnen in einige Zeilen meine tiefste Verehrung auszusprechen. Was ich Ihnen hier sage, werden Ihnen hundert, nein tausend Andere gesagt haben; doch es ist mir nicht anders möglich; denn: „weil, wer ein Buch von Ihnen gelesen hat, gar nicht anders kann, er muß sich hinsetzen und Ihnen schreiben.“ und ich

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und viele Andere mit mir, sind am hiesigen Ort in der glücklichen Lage, nicht nur ein Buch, sondern alle Bücher, die Sie in die Welt senden, zu lesen; das verdanken wir hauptsächlich der hiesigen Lesehalle, die Ihre Werke 2 mal angeschafft hat, damit man nie eins bekommen kann, weil gewöhnlich keins da ist; man reißt sich geradezu darum.

Ich sage am Anfang, daß ich Sie verehre und zwar wegen Ihrer christlichen Werke, Ihrer Liebe. Wie ergreifend ist es, wenn Sie von der göttlichen Liebe und Allmacht reden. Wie tief ergreifend sind doch so viele Teile aus: „Weihnacht“, „Winnetou“, „Am Jenseits“, „Satan und Ischariot“ u. A. Welche Kraft müssen Jedem, der diese Erzählungen liest, diesselben geben. Sie dürfen nicht glauben, daß ich aus eitel Frömmelei so rede; aber was für ein erhebendes Gefühl ist es doch, wenn man sagen kann: „du bist mir dir im Klaren, du weißt, was du glauben sollst;“ doch nicht nur glauben, sondern auch nach diesem Glauben handeln.

Dann aber auch ermuntern Ihre Werke zur ernstlichen Arbeit, zum Lernen. Seitdem ich sie gelesen habe, arbeite ich mit viel größerer Liebe....

F. A. Kaufmann.

151.

„… Dafür wünsche ich Ihnen aber Ihnen und den Ihrigen ein gesegnetes neues Jahr, das Ihnen alles bringen möge, was Sie ersehnen: Erneute Schaffensfreude, vielen Erfolg und das, was Sie selbst als das Höchste schätzen an Ihrer Schriftstellerei: Die Rettung von Seelen, die durch das Lesen Ihrer Schriften auf den rechten Weg zurückgeführt werden. Und wenn Ihnen, l. Herr, persönlich nur die allerwenigsten Fälle solcher Rettung zur Kenntnis gelangen, so wird Ihnen das, was Sie nicht an irdischem Dank bekommen, unser Herrgott drüben um so reicher vergelten. —

Widerwärtigkeiten und Verdruß wird das neue Jahr Ihnen zwar auch bringen, denn ich müßte mich sehr täuschen, wenn die letztes Jahr gegen Sie inscenierte Hetze nicht sofort wieder losbräche, sobald erst die Kunde Ihrer Heimkunft in weitere Kreise gedrungen ist. Lassen Sie sich dadurch nicht entmutigen! Den Beifall derer, die hetzen, können sie leicht entbehren und die anderen 999/1000 werden nur um so fester zu Ihnen stehen. Der einzige Erfolg der Hetze wird, wie ich s. Z. schon einmal er-

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wähnte [erwähnte], der sein, daß sich Ihr Leser- und Verehrerkreis vergrößert. Denn derjenige Ihrer bisherigen Leser müßte ein recht alberner dummer Schafskopf sein, der sich durch das widerwärtige, feindliche Geschreibsel beeinflussen ließe, von dem ferneren Lesen Ihrer Werke abzustehen!…“

J. A.

152.

„… Von Ihren Werken war mir allein „Am Jenseits“ noch unbekannt. Ich habe daher die Lektüre dieses Buches sofort begonnen und trotz vieler anderer Arbeiten bis zu Ende durchgeführt. Wenn ich von Ihren früheren Werken und der pädagogischen Bedeutung derselben entzückt war, so hat der Inhalt des Buches mich geradezu hingerissen. Möge der liebe Gott Sie dafür segnen und das Buch nicht nur jenen zugänglich machen, die zwar den Glauben an denjenigen zu haben vorgeben, der aus Liebe zu der Menschheit die Menschennatur angenommen und als schwaches Kind unter uns erschienen ist, deren Werke aber schlimmer sind als die der Heiden, sondern auch denen, die alles positiven Glaubens bar und ledig in Nietzsche’s Uebermenschen ihr Ideal erblicken. Hat „Am Jenseits“ mir selbst viel genützt, wie ich offen gestehe, so will ich, soviel als möglich, dafür sorgen, daß auch andern, meinen Pfarrkindern, Nutzen bringe und ihnen ein Führer werde zu einem wahrhaft christlichen Leben....“

L. Pfarrer.

153.

„Sehr geehrter Herr!

Heute endlich kann ich mein Herzensbedürfnis befriedigen, Ihnen meine aufrichtigste Verehrung und Bewunderung auszudrücken.

Ich besitze alle Ihre Werke, selbst Ihre Gedichte, und kein anderes Buch kann mir die Freude, das Vergnügen bereiten, wie ein von Ihnen verfaßtes. Darum, geehrter Herr, erlaube ich mir, zu fragen, ob ich mich bald an einem neuen Buch von Ihnen erfreuen darf.

Sie können sich nicht denken, wie sehr ich Sie bewundere, denn ich erblicke in Ihnen mein Ideal! Darum können Sie mir glauben, daß ich Ihre Erzählungen nicht nur heruntergelesen habe, um eben bloß zu lesen. Nein! Ich habe all Ihre Bücher oft gelesen und darüber nachgedacht, besonders aber über

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das Gespräch in „Old Surehand“ I. Band, welches Sie mit Old Wabble und Old Surehand bei jenem nächtlichen Ritt führten. (pag. 398–414) …“Fr. A.

154.

„… Ich spreche Ihnen meinen herzlichsten Dank für die Lehre und den festen Glauben, der mir durch diese Werke gespendet wurde. Ich bin seit vier Jahren im Dienste der Kirche als Organist und Chordirigent und habe stets meinen Glauben und Religion heilig gehalten. Durch Ihre Werke aber, besonders Winnetou und Old Wabble (Old Surehand) ist mein Glaube an Gott, Christum und die Auferstehung noch mehr befestigt worden …“R. B.

155.

„… vor dem ich die allergrößte Hochachtung habe, der mit wahrem Bienenfleiße für weite Leserkreise arbeitet, um die Gottesidee, die leider heutzutage so sehr schwindet, wieder zu befestigen, der in jedem Menschen, ob Indsman, ob Weißer, das Geschöpf Gottes, das Ebenbild desselben erblickt, der mir so ganz aus der Seele schreibt!...“J. Fl.

156.

„… Und wie Sie einmal in einem Bande den Schutzengel eines jeden Menschen so schön verherrlichten — ebenso mögen Sie in den ganz besonderen Schutz Gottes und seiner hl. Engel gestellt sein! — Ach ja, es ist etwas Erhabenes, in allen Kämpfen des Lebens seinen reinen, guten Kinderglauben bewahrt zu haben!...“A. H.

157.

Sehr verehrter Herr!

Genehmigen Sie bitte, meinen herzlichsten Dank für das sehr wertvolle Schreiben vom 2. m. c. und die beigelegten Bilder.

Trotz eifrigen Nachdenkens kann ich nicht ergründen, was mir die Ehre dieser Auszeichnung verschafft hat. Der Umstand, daß ich als Leiter von über 100 jungen Studenten den verdienten Schöpfer einer Litteratur, die an Reinheit und Reichthum des Inhalts unendlich hoch über den meisten

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neueren Schriften steht, hochschätze und — modulo meo unterstütze in meinen Bestrebungen, kann Ihnen doch nicht sonderlich auffallen.

Wenigstens denke ich mir, daß in allen Pensionaten und Seminarien bei den Schülern das regste Interesse, bei den Vorstehern die dankbarste Anerkennung für Ihre Publicationen eine ganz selbstverständliche Sache ist!

Ich wurde zuerst auf Ihre vortrefflichen Arbeiten aufmerksam gemacht durch den derzeitigen Stadtpfarrer von W., Prälat Dr. K., der auf Grund einer 20jährigen pädagogischen Thätigkeit und ganz eminenter Begabung ein competentes Urtheil wohl ab geben konnte.

Wie danke ich ihm für seine Anregung!

Ihnen aber, vielgeschätzter Herr, wünsche ich eine lange, lange Reihe gesunder Jahre, auf daß es Ihnen möglich sei, zur Ehre Gottes und zum Segen unseres Volkes noch viele Bände fertig zu stellen!

Wir werden es uns zur höchsten Ehre anrechnen, wenn Sie den in Aussicht gestellten Besuch im nächsten Sommer wirklich zur Ausführung bringen. Unser Ort bietet außer einer für Sie begeisterten Gymnasialjugend gar nichts, und aus mir hätte ich sicher nicht gewagt, zu einem Besuche unseres Musenstädtchens einzuladen; aber nachdem Sie die Güte hatten, diesen Besuch zu versprechen und durch dieses bloße Versprechen Ihre Leser zu electrisieren, werden Sie es mir nicht als Unbescheidenheit auslegen, wenn ich hiermit in aller Form ergebenst bitte, dieses Versprechen einzuhalten.

Mit der Zusicherung ganz besonderer Verehrung und Werthschätzung verbleibe ich

hochachtungsvollst

Dr. B.

158.

„… Aber ich kann schon wieder Freude melden: Ein hiesiger verheirateter Geschäftsmann mußte vor einem Jahr sein Geschäft verkaufen, wegen Nervenleiden. Er hatte für nichts mehr Interesse. Seine Frau versuchte, ihm Romane vorzulesen; er hatte nichts davon behalten. Dann gab sie ihm Andachtsbücher; er wollte sie nicht lesen. Da bot ich ihm einer Ihrer Erzählungen an. Jetzt will er alle 25 Bände lesen, nachdem er weiß, daß ich sie besitze; und die Hauptsache ist: Ein Glaubensflämmchen ist dadurch angefacht! Jetzt hörte ich ihn darüber reden. Er ist auch energischer in seinem

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Wesen geworden. Also ein „Nervenstärkungsmittel“ für den armen Kranken sind Ihre Werke.

J. E.

159.

„… Zweitens ob Sie noch neue Werke verfassen? Sie können überzeugt sein, daß dies vielen Tausenden ja Millionen die größte Freude bereiten würde. Ohne Schmeichelei kann ich mit vollem Recht sagen, daß mir noch kein hinreißender und gewandter Schriftsteller wie Sie, Herr May, begegnet ist. Habe ich doch das höchste Gut: meinen Glauben durch Ihre ergreifenden Erzählungen wiedergewonnen. Kurz, sie sind mit Recht ein Wohlthäter der Menschheit auf geistigem Gebiete; denn durch Ihre herrlichen Werke …“

L. H.

160.

„Hoch geehrter Herr und Meister!

Ihr „Nachwort“ des III. Bandes „Im Lande des Mahdi“ lautet nicht gerade ermutigend für Jene, die in Begeisterung für Ihre Werke den verzeihlichen Wunsch hegen, einen Brief in jene Hand gelangen zu lassen, die all die Herrlichkeiten der Erzählungen niederschrieb, mit denen Sie sich eine Welt von Bewunderern erobert haben. Nicht mit dem ungesund erhitzten Gemüt eines Kindes, nein, ruhig und klaren Auges erwäge ich den Wert des Eindruckes Ihrer Schilderungen, und bewundere hierbei den immensen Reichtum von Phantasie, den herzerhebenden Inhalt des religiösen, den erfrischenden und belebenden Athem des Mutes Ihrer Helden, und in der Ausführung die anregende Fülle sprachlichen Ausdruckes, sowie den staunenswerthen künstlerischen Ernst, durch den Sie Wahrheit und Dichtung in Ihren belehrenden und zugleich herzerhebenden Büchern vereinigt haben. Darf es Sie da noch wundern, daß Tausende verehrungsentfachter Herzen Ihnen entgegenschlagen, dessen Geist ein ganzes Leben lang unser Innerstes zu beseelen und beglückend auszufüllen vermag!…“

H. B.

161.

… Welchen Trost werden Sie auf Ihrem Sterbebette (ich wünsche den Zeitpunkt noch recht fern, damit Sie noch

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viel Gutes thun können!) empfinden, indem Sie sagen, daß noch gar manche Seele Nutzen aus Ihren Arbeiten ziehen wird, wenn Ihre Hand keine Feder mehr halten kann!

Ich bin jetzt 67 Jahre alt, ich möchte aber noch so gern das Denkmal Winnetou erleben. Möge doch überall, wo Sie den Samen Gottes streuten, herrliche Frucht zur Ehre Gottes erwachsen. Amen!…“

Schw. M.

162.

… Ich habe mich als Jüdin in eine christliche Bibliothek aufnehmen lassen, nur um Ihre Bücher lesen zu können! Das Beste aber, was man meiner Ansicht nach aus ihnen lernen kann, ist das, daß man, wo und was man auch sein mag, seinen Glauben an Gott stärken und auch manchen andern wankelmüthigen Menschen wieder gottesfürchtig machen kann!…“

R. G.

163.

„… Vor allen Dingen aber muß ich Ihnen danken für viele Stunden reinen, ungetrübten Genusses, den ich Ihren Schriften verdanke. Besonders Ihre Religionsanschauung, die sich, wohl für manche unbemerkbar, in jeden, besonders in Ihren letzten Bänden Ihrer Erzählungen zeigt, ist für mich, der ich weder Katholik, noch Protestant dem Glauben nach war, sondern schon alles für Legende hielt, von großem Einfluß gewesen.

Ich bin zu einem einfachen Glauben gekommen, der sich allerdings nicht ganz streng an die Formen der Kirche hält.

Die vielen trüben, durch meine ehemalige Glaubenslosigkeit veranlaßten Stunden werden nicht mehr zurückkehren. Und das danke ich nur Ihnen!

Ein Mensch ohne Glauben ist wirklich ein bedauernswertes Wesen....

W. B.

164.

„… Seien Sie mir nicht bös. Ich bin eine alte 70-jährige Frau. Auch bitte ich meiner schlechten Schrift wegen. Ich habe den Rheumatismus so schlimm, daß ich kaum mehr ein ordentliches Wort recht fertig bringe, und doch drängt es mich so

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sehr, zu schreiben, um von einem Manne zu hören, den ich über alles achte!

Ich würde so gern direct an ihn schreiben, allein das getraue ich mir nicht. Bitte, senden Sie mir nur einige Zeilen, ob er schon wieder von Persien zurück ist und ob bald wieder Bücher kommen! Ach, ich bin so begierig nach ihnen, denn sie sind meine liebste Lectüre von allen Büchern der Welt! In meinen schlaflosen Nächten ist mir Karl May ein trauter, lieber Freund, und ich vergesse oft ganz meine Schmerzen. Ich bete jeden Morgen für eine glückliche Wiederkehr zu den lieben Seinen und um noch langes Leben für ihn und um baldige neue Bücher für mich …!

Milwaukee.

Amerika.

B. St.

(Der Brief der lieben, alten Dame ist, wie man aus der Schrift ersieht, unter großen Schmerzen geschrieben, aber trotzdem drei Folioseiten lang.)

165.

„Hochgeehrter Herr!

So oft ich in meinen freien Stunden nach einer Lektüre greife, muß ich mir ein jedes Mal die Frage vorlegen, warum der Stoff dieser Lektüre immer nur in Ihren Erzählungen besteht. Dann muss ich mir ebenso oft selbst die Antwort darauf erteilen: „Weil es kein interessanteres, kein lehrreicheres Buch gibt, als dasjenige, welches die Aufschrift „Reiseerlebnisse von Karl May“ trägt. —

Wie oft greife ich nach einem anderen Buche, welches jahrelang in meinem Bücherschranke liegt, aber nie, oder wenigstens sehr selten, bringe ich es zu Stande, das Werk fertigzulesen, obwohl ich es schon lange mein Eigen nenne, und dessen Autor zu den hervorragendsten gehört. Ich finde kein Interesse daran. Und wenn ich ein derartiges Buch lese, so geschieht es nicht selten, dass ich ganze Seiten desselben übergehe. Frägt mich dann jemand, der dem Buche das beste Zeugnis ausstellt, warum ich dies thue, so antworte ich ihm darauf, weil all das, was ich nicht lese, für mich keinen Reiz hat.—

Nehme ich aber eines Ihrer unvergleichlichen Werke zur Hand, so bin ich im Vorhinein davon überzeugt, dass ich keine Zeile, nicht einmal ein Wort lesen werde, ohne dies mit der größten Aufmerksamkeit zu thun. Und habe ich dann den Band zu Ende gelesen, so muss ich immer dem Herrn Verleger volles

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Recht geben, wenn er in seinem Vorwort sagt: „Bei ihm ist keine Zeile ohne Leben, ohne innere und äußere Bewegung. Er empfindet, berechnet und denkt auf seinen Reisen wie wenige seinesgleichen und zwingt den Leser, mit zu fühlen, mit ihm zu denken und zu berechnen.“ — —

Seit Dezember vorigen Jahres, wo der zweite Band des Werkes „Im Reiche des silbernen Löwen“ mein Eigenthum wurde, habe ich keine frische Lektüre von „Karl May“. Auch die Prachtbände sind schon zwei- bis dreimal erledigt, und so erwarte ich von Tag zu Tag einen neuen Band. Wie glücklich wäre ich, wenn Sie, hochgeehrter Herr, die Güte hätten, mir wenigstens eine kleine Angabe zu machen, ob und wann ein neuer Band erscheinen wird....“

N. J.

166.

„… Als eifriger Leser und glücklicher Besitzer Ihrer wertvollen und in ihrer Art so unübertrefflichen Werke — welche mir in meiner freien Zeit die einzige Erholung bieten — sei es mir vergönnt, im nachstehenden eine große Bitte auszusprechen. — Was mir das Herz bewegt, und welche Gefühle sich meiner, bei dem Lesen dieser unschätzbaren Schriften, bemächtigen, das läßt sich unmöglich in Worten wiedergeben. Nur dies eine erlaube ich mir Ihnen, hochzuverehrender Herr, mitzuteilen, daß mir Old Shatterhand — mein Vorbild in allen meinen Lebenslagen — als ein guter Genius ewig in meiner Seele leben wird....“

R. Sch. Buchhändler.

167.

„Hochverehrte Frau!

Als eifriger Leser und aufrichtiger Bewunderer der in ihrer Art einzig dastehenden Werke Ihres Herrn Gemahls erlaube ich mir, an sie gnädige Frau, da Ihr Herr Gemahl augenblicklich auf einer Weltreise begriffen ist, einige Zeilen zu richten.

Das Hauptmotiv, welches mich zu diesem Schritte gedrängt hat, ist die Lektüre des Buches „Am Jenseits“. Es sind bereits 7 Jahre verflossen, seit ich zum ersten Male ein Werk Ihres Herrn Gemahls zu Gesicht bekommen habe, und ich habe während dieser ganzen Zeit sämtliche bisher erschienen Bände drei- und viermal gelesen, und ich werde sie noch weiterhin studieren; aber in dem letzten, was ich zufällig hier in dem anmuthigen Ostseebade entdeckt habe,

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scheint sich der Herr Verfasser selbst übertroffen zu haben.

Es finden sich Stellen in dem Buche „Am Jenseits“, die einer Kritik zu unterziehen ein Frevel wäre. Annähernd könnte ich mich über diese herrlichen Worte in gebührender Weise aussprechen, wenn ich der orientalischen Sprache mächtig wäre; die deutsche läßt mich hier mit ihrem Mangel an Worten in Stich. Sie können mir glauben, hochverehrte Frau, wer dieses Buch liest und nicht bis in die tiefsten Tiefen seines Herzens mitempfindet, wer nicht aufgerüttelt wird bei den herrlichen und doch zugleich schrecklich mahnenden Worten Ben Nur’s, der muß ein Herz von Stein haben oder gar keins! Ich wenigstens habe nie in meinem Leben solche Empfindungen gehabt, wie gerade hier bei diesen unvergleichlichen Worten von der Liebe. Oft war ich nahe daran, in Thränen auszubrechen, was bei mir nicht oft geschieht. Doch vermag ich mit meinen schlichten Worten über solch ein Meisterwerk eines wahren, echten Menschen, wie er unter Tausenden nicht zu finden ist, ein Urteil zu fällen! Ich will aufhören und zu dem übergehen, was ich eigentlich beabsichtigte. Doch zuvor möchte ich mir erlauben, anzufragen, ob Sie vielleicht geneigt wären, mir zu sagen, wann der dritte Band des „Silbernen Löwen“ erscheinen wird, auf den ich sehnsüchtig warte….“

P. F.

168.

„Lieber Herr May!

Ich muß dem Verfasser von „Winnetou“ meinen Dank ausdrücken, denn fast verzweifelte ich, je ein passendes deutsches Buch für meine Töchter zu finden, als ich zufällig von Ihren Reiseerzählungen hörte – und die drei Bände von Winnetou sofort kommen ließ.

Meine drei Töchter sind von einer bayerischen Bonne erzogen worden. Wir behielten sie neun Jahre lang, und dann wollte sie nach Bayern zurück, um eine Art von Soeur de Charité zu werden. Die Töchter lieben sie noch von ganzem Herzen, und schreiben ihr sehr oft — doch wünschte ich, sie viel auf deutsch lesen zu lassen, und suchte passende Bücher; aber keine Romane — von denen lasse ich sie keine anrühren. —

Ich schrieb um ein Exemplar des „Mädchenbuches“ und dachte etwas wie „Little Folks“ zu bekommen. Aber es war eine Sammlung -

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Sammlung von dummen und höchst sentimentalen Geschichten — das ging durchaus nicht — da machte ich mich an das Buch für Knaben, und hoffte einen deutschen „Chums“ zu finden: Es war noch ärger als das Mädchenbuch, und dabei so gemein geschrieben!

Denken Sie nur meine Freude, als ich den „Winnetou“ traf! Aber jetzt wollen wir noch mehr von ihm wissen — und würden so froh sein, wenn Sie so freundlich sein wollten, mir diejenigen Ihrer Werke anzuzeigen, wo noch von Winnetou gesprochen ist.

Ihnen wiederholt für die köstlichen Stunden dankend, die wir mit…“

B.

Loire inférieure.

La France.

La Baronne M. de M.

169.

„… Ich frage nicht aus bloßer Neugierde, sondern es hat vielmehr das ganze Werk „Am Jenseits einen tiefen Eindruck auf mich gemacht und mich, wo ich bereits daran war, das ganze Christenthum über Bord zu werfen, verführt von dem glaubenslosen Geist, der in der jetztigen Zeit herrscht, veranlaßt, wieder umzukehren und je mehr ich in der Bibel las, die mir als Evangelischen ja nicht verboten ist, habe ich mich von der Wahrheit des Christenthums überzeugt....“

F. H.

170.

Hochverehrter Herr!

Gestatten Sie einem schlichten Germanisten, daß er Ihnen seinen verehrungsvollen Gruß entbietet.

Ihren Werken verdanke ich Vieles; würde ich davon schreiben, es müßte ein stattliches Büchlein werden.

Nichts aber hat so sehr auf mich gewirkt und mich, wenn auch oft staunend, doch stets überwältigt, wie der über alles erhabene, in allen Ihren Werken wehende Friedensgeist. Sie, der stets kampfbereite Mann, der unermüdliche Wanderer, Kenner und Freund so vieler Länder und Inseln, Sie haben eine viel größere Berechtigung, Frieden zu predigen als eine Bertha von Suttner!

Sie geben die Ehre immer dem Einen, den Sie, wie selten einer, in der Bethätigung der von ihm gegebenen Naturkräfte und -Gesetze, in den oft winkeligen, für das kurzsichtige Menschenauge undeutlichen,

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oft unsichtbaren Wegen und Arten der geistigen, der religiösen Auferstehung kennen lernten.

Von Ihnen angeregt, habe ich, dem Einen zum Preis, mein „Wüstenwunder“ gesungen und bitte Sie herzlich, das kleine Product meiner noch in den Kinderschuhen steckenden Dichtkunst als Widmung, als geringen Dank für so Vieles annehmen zu wollen …F. M.

171.

… Seitdem ich Ihre „Himmelsgedanken“ lese — und ich lese sie oft und gern, wenn des Tages Mühe vergessen sein und der Geist sich aufschwingen soll über Erdenstaub und Erdenpein zu jenen lichten Höhen, wo die Gottheit thront in ewigem Frieden — — erscheint mir Ihr ganzes Sein so weltfern, Himmelsnähe schon athmend, daß es mich nicht wundern kann, wenn Sie den Streit der Erde verschmähen und lieber sich Verfolgung wollen gefallen lassen, weil er Ihre abgeklärte Ruhe, Ihren in heißen Kämpfen langer Jahre mühsam errungenen Frieden stört — — und Ihre Lebensarbeit!

Die gehässige Verfolgung Ihrer Person von Seiten antichristlicher und ultramontaner Kreise, unter welchen Formen und Titeln sie auch laufe, darf Sie und Ihre Arbeit der allgemeinen Menschenliebe nicht stören. Würden Sie auf diese Angriffe antworten, sie würden den Dichter der „Himmelsgedanken“ in den Staub zerren, von dem ich sage:

„Und was uns alle bändigt, das Gemeine,

Liegt hinter ihm im wesenlosen Scheine.“

Deshalb kann ich Sie heut nicht mehr auffordern, in die Arena herabzusteigen und sich mit diesen Leuten herumzuschlagen. Zu solch einem Kampfe sind Sie mir zu gut. Schreiben Sie unbeirrt weiter an Ihren goldenen Lehren der Menschenliebe, und achten Sie des Geifers solcher Feinde nicht. Denen, die Sie verstehen, sind Sie trotz aller Angriffe der Interpret jenes Engels des Lichtes, von dem Sie im „Am Jenseits“ schreiben...“

Dr. med. H.

172.

„… Zum Schlusse des Jahres drängt es mich, an Sie zu schreiben und für die großen Freuden,welche ich durch die liebenswürdige -

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liebenswürdige Zusendung Ihrer Lebenszeichen während Ihrer 11/2jährigen Orientreise hatte, von ganzem Herzen zu danken. Wie erfreut ich über jede Ihrer Karten war, kann ich nicht beschreiben.

Warum wohl nur? —

Ist es doch, als ob aus Ihrer Feder nur zu Herzen gehende Freuden fließen würden — aber es ist halt die Liebe Gottes, welche Sie sehr beseelt und die sich aus jedem Ihrer Gedanken und Worte mitteilt; daher muß ein Jeder, der sich in Ihr Denken hinein lebt, Sie aus ganzer Seele verehren. Und dennoch haben Sie, edler Apostel, wie ich gestern von Excellenz S. erfuhr, während der Zeit, in welcher Sie von Deutschland abwesend waren, bitteren Undank in der Heimat erfahren, und nicht einer hat das für Sie gethan, was Sie für viele thaten. —

Neid und Mißgunst beherrschen die Welt zu sehr, und unser Heiland, welcher doch die größte Liebe war, wurde der schwerste Undank zu theil. — Wie klein wird einmal dieses Häuflein sein, welches ihn verstand! — mag auch Mancher, der Sie gelesen, es nicht bekennen wollen, und mag er auch noch so verstockt sein, ein Fünkchen bleibt ihm doch in der Brust zurück, — möchte es ihm einmal Retter sein! — Und unserem lieben „Karl May“ wird doch die Siegespalme winken…“M. S.

173.

Hochverehrter Herr!

Die Verhandlungen vor der Strafkammer des Großherzoglichen Landgerichts zu Freiburg i. Br. Gegen die Schüler G. und V. wegen Brandstiftung haben Ausfälle gegen Ihre berühmten Schriften gezeitigt, die uns mit tiefsten Bedauern erfüllen. Der Medizinalrat Dr. Fritschi fühlt sich veranlaßt, zu behaupten, daß der Anlaß ungeeigneter Lektüre wie „gewisse May’scher Bücher“ die jungen Leute mit zu den Verirrungen geführt habe, während der Rechtsanwalt Karl Mayer sogar erklärt: scharf zu geißeln sei anläßlich dieses Falles die für kindliche Gemüter verderbliche Lektüre „von der Art der May’schen Erzählungen“.

Wenn wir auch annehmen, daß derartige Äußerungen nur in der Absicht gethan sind, um für die Uebelthäter die Zuerkennung mildernder Umstände zuerwirken, so müssen wir doch entschieden Verwahrung dagegen einlegen, daß Ihre Erzählungen zu diesem Zwecke gemißbraucht werden. Wir können uns leider nicht der Ueberzeugung verschließen, daß die Auslassungen der

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Herren Fritschi und Mayer nur geeignet sind, sehr vielen Ihrer jugendlichen Leser den Idealismus zu rauben und dadurch der Allgemeinheit mehr zu schaden, als es je möglich gewesen wäre, den beiden Verurteilten zu nützen, indem der Richter vielleicht annimmt, daß sie sich mildernde Umstände angelesen hätten.

Oder sollte Medizinalrat Fritschi und Rechtsanwalt Mayer ein solches Urteil über Ihre Bücher, ohne dieselben schließlich gar gelesen zu haben, aus anderen Gründen abgeben? Dann wären die Herren nur um so tiefer zu bedauern, und möchten wir denselben die Worte Emanuel Geibel’s so recht zum eifrigen Studium empfehlen:

„Ein Maulwurf hört in seinem Loch

Ein Lerchenlied erklingen

Und spricht: Wie sinnlos ist es doch,

Zu fliegen und zu singen!“

H. Sch., Buchhändler.

174.

„… Seit vier Jahren lese ich Ihre Werke, wohl jeden einzelnen Band zum 10ten Male, und kann Ihnen hiermit versichern, daß dieselben nicht nur äußerst belehrend auf mich eingewirkt, sondern mich auch vor mancher sittlicher Gefahr bewahrt haben, und dafür muß ich Ihnen meine Dankbarkeit bekunden.

Sie glauben nicht, wie beliebt Sie sind! Das „Kismet“ hat mich zum Bibliothekar des hiesigen Jünglingsvereins gemacht. Unsere Bibliothek besitzt auch 15 Bände von Ihnen. Seit einem halben Jahre nun bekleide ich mein Amt und habe in der Zeit höchstens 3 Bände in die Hand bekommen; in den Schrank kommen diesselben überhaupt nie; sie sind immer unterwegs. Und jeden Sonntag werde ich bestürmt, ob ich nicht ein „May-Buch“ auf Lager habe. Und so geht es nicht nur bei uns, sondern in jeder Bibliothek....“

J. K.

175.

„… Entschuldigen Sie meine Offenherzigkeit! Ich war 17 Jahre alt und wurde durch schlechte Kameradschaft so verdorben, daß ich meine Eltern, wie man sagt, zu Tode ärgerte. Und lachen Sie nicht. Ich haßte trotz meiner Jugend die Kirche und die Herren Seelsorger.

140

Da ich ein großer Freund vom Lesen bin, so machte mir einer von den Kameraden den Vorschlag, ich solle zum Herrn Cooperator gehen. Der Kamerad sagte: „Ich wette, du gehst nicht!“ Nur um die Wette nicht zu verlieren, ging ich zum Hochw. Herrn, um mir etwas zum Lesen zu holen, und ergab mir das von Ihnen geschriebene BuchAm Jenseits“. Wie staunte er aber, als ich ihm das Buch zurückbrachte und ihm sagte, daß ich nun ein anderer Mensch werden wolle, und ich habe es auch gehalten. Ich saß stundenlang bei dem Buche und dachte über meine schlechte, vorhergegangene Zeit nach und faßte den Entschluß, mich zu bessern, koste es, was es wolle, und kam diesem Entschlusse auch nach.

Empfangen Sie also meinen aufrichtigen Dank, und ich wünsche, daß das Buch viele solche, wie ich war, zum Glauben zurückführe …“

A. Fr.

176.

„… Ich weiß es, daß ich an Sie glauben darf und daß mein Vertrauen durch nichts erschüttert werden kann; denn wer Ihre Werke liest und nicht bloß verschlingt, der muß unbedingt daraus entnehmen, daß der Verfasser ein edler, guter frommer Mensch ist. So weit läßt sich die Heuchelei nicht treiben, und ein Schriftsteller, der solche Werke geschrieben hat wie Sie, ist gar nicht fähig, auch Sittenloses zu veröffentlichen. Ich habe in meinem langen leben viele Täuschungen erlebt und bin dadurch ziemlich verbittert und schon mißtrauisch geworden, aber die ganze Welt vermöchte es nicht, mich glauben zu machen, daß bei Ihnen die Frömmigkeit nur ein Deckmantel sei. Ich weiß zu gut, daß Neid und Eifersucht die Triebfeder der Verleumder sind.

Ich bete für Sie alle Tage wie für meine Lieben. Es ist mir das zur lieben Angewohnheit geworden. Denn alle frohen Stunden, die ich habe, verdanke ich Ihren Schriften und heut noch, obwohl ich alle Angriffe gegen Sie kenne, lese ich mit gleicher Vorliebe ein oder das andere Werk von Ihnen und schöpfe Freude und Trost daraus….“

L. Schr.

177.

„… Der Grund meines Schreibens liegt jedoch darin, meiner Bewunderung und Sympathie für Sie einmal Ausdruck zu verleihen.

141

Schon in meinem Knabenalter war ich ein eifriger Leser Ihrer Werke, die ich alle mir nicht nur leihweise verschaffte, sondern nach und nach selbst erwarb, so daß heute nach Jahren sämmtliche Bände in meiner Bibliothek prangen. Nach vollendetem Studium kam ich als Lehrer hierher und fand Jahre hindurch nicht mehr Zeit, mich in Ihre Werke zu vertiefen — — infolge der großen Bürde beruflicher Arbeit.

Da kam die von Ihnen selbst vorhergesagte Reaktion gegen Ihre Bücher. Die Gymnasien verbannten „Karl May“ aus ihren Bibliotheken, und auch in Volksschullehrerkreisen fand man diese Werke plötzlich anstößig. Im Vertrauen gesagt, habe ich diese Ihre Gegner in Verdacht, Ihre Bücher nur oberflächlich gelesen zu haben. Ich machte mich daraufhin daran, die Bände wieder zu lesen, um zu erfahren, ob sie jetzt nach Jahren noch ebenso bezaubernd wirken würden wie ehedem. Und offen gestanden:

Ich erkenne heute noch mehr die trefflichen Eigenschaften Ihrer Werke: das großartige Erzähltalent, die Fülle kulturgeschichtlicher Wahrheiten, den tiefen, sittlichen Inhalt.

Mir ist auch klar, warum man gegen „May“ donnert! Einzig darum, weil seine Werke weder offen noch versteckt die Tendenz des modernen Atheismus athmen. Hoffentlich wird die gegenwärtige Strömung Ihnen nicht viel Schaden zufügen und Sie nicht abhalten von Ihrem idealen Schaffen!Z. H., Lehrer.

178.

„ — — — „Himmelsgedanken“! Fremdartig für das Milieu unserer Zeit, welcher im Kriechen inmitten des Stauben der Materie der Himmelsgedanke entschwand, Titel und Gehalt des Buches! Es ist das eine eigene Poesie, die mir hier entgegentritt; ihr Gewand ist schön, wohlgeformt die Gestalt, fließend ihr Wort! Und dessen Wesen? So oft ich drinnen lese, mutet es mich an, als ob ich beten würde, nimmer lesen, — beten in einem weltfernen, stillen Dom, den Urwaldrauschen umhüllt, so daß der Erde Getöse und das Gewoge der Menge nicht zu mir dringe, nicht mich störe. Und dann wieder ist es, wie wenn ein hypermaterialer Geist zu mir spräche, ernst und schwer mit dem wuchtigen Wort der Ueberzeugung: und so bin auch ich zu dem Schlusse gekommen, daß sie in diesen Himmelsgedanken — wie die Widmung besagt — Gottes Wünsche materialisierten: „Ich lieh diese Lieder; Sie sind mein Eigentum 1).“

1) Siehe „Widmung“ pag. 1.
142

Bei aller Freude aber, die ich empfinde in der Lectüre der „Himmelsgedanken“, ist es doch auch das Gefühl der Wehmut, das mich beschleicht. Denn ich beginne dann zu trauern über alles das Verlorene, das ich beklagen muß; ich trauere, wenn ich merke, daß mir der echte, frohe Kinderglauben verloren ging auf meiner Bahn durchs Leben; noch zu weit bin ich — im Banne rationalistischen und materialistischen Wissenschaftswahns, wie er alle unsere modernen Wissenschaften, die meine vor allen, durchdringt — entfernt von der einen Wahrheit, von Gottes Erkennung 1). Und was ich Liebe bisher nannte? Wenn ich an der Hand der Himmelsgedanken meine Seele durchforsche, was war meine Liebe, meine caritative Thätigkeit? Was meine gesamten altruistischen Gefühle? In dem einen Falle Egoismus, im andern ein Glänzenwollen, ein Prahlen, in einem dritten herablassenden Wohlthun, und so fürchte ich, am Tage des Wägens, wenn er heute einträte, nichts vorweisen zu können an Thaten der Liebe 2).

Wenn ich es könnte, ich würde diese Himmelsgedanken hineintragen in jede Hütte, jeden Palast und bitten, daß man sie lese, wie einen Runenstein aus dem verlorenen Paradies, den ein Wissender ausgrub. Mir sind die Gefährten stiller Stunden, in denen ich aus dem Alltagsgleichgewichte trete, zu meinem Herrgott flehe und um Erbarmen bete, bete, daß er mich segne und alle Menschen, segne, daß wir die Brücke der Prüfung alle heil überschreiten und bestehen El Mizan. Immer klingt in mir noch Ben Nurs Wort, und mit Basch Nazyr muß ich sagen: „Wie viele Worte Ben Nurs klangen so, als ob sie nur für mich gesprochen worden seien!“ —

Sie haben gekämpft, gerungen, und abgeklärt vom Erdenschaum liegt Ihr leben friedlich da. Möge auch uns das werden!

Erst mit diesen beiden Sachen: „Am Jenseits“ und den „Himmelsgedanken“ sind Sie wirklich in Ihre gottgewollte Mission getreten. So schön die andern Schriften alle sind, so reich sie Gedanken bergen, die zum Himmel führen, die erheben, erfreuen, erbauen: — sie reichen nicht auf Meilen hin an diese beiden letzten. Losgetrennt von der Erde, wie Marah Durimeh, scheinen Sie mir nun an Ihrem Testamente zu schreiben. Gott führt Ihre Feder, Sie sind nur mehr sein williges Organ, ein Theophoras für Ihre Leser! Möchte doch auch unser Leben dadurch immer geistiger werden, freier von den Schlacken der Materie, freier in Gott und in seiner

1) Siehe pag. 134.
2) Siehe pag. 336.
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Liebe, und so zu einem geklärten Sein. Herzlichen Dank für diese Lieder! Wir brauchten viele Stunden, sie durchzusprechen miteinander — und können’s nicht! In aufrichtiger Verehrung bin ich unter herzlichen Grüßen von allen meinen Lieben an Sie und Ihre Frau Gemahlin — mit dem Zurufe: „Frohe Weihnachten! Selige Weihnacht!“ —

Ihr ergebener, dankbarer

Dr. W.

Empfehlende Worte deutscher Bischöfe.

Se. Exzellenz Herr Georg Kardinal Kopp, Fürstbischof von Breslau, schreibt:

Die Reiseerzählungen von Karl May bedürfen angesichts der begeisterten Aufnahme, welche dieselben in den weitesten Kreisen der Bevölkerung gefunden haben, keiner besonderen Empfehlung. Diese Erzählungen gewähren nicht allein eine fesselnde und spannende Unterhaltung, sondern bieten auch eine reiche Quelle an Belehrung über geographische, ethnographische und kulturelle Verhältnisse, was wohl oft nicht genug gewürdigt wird.“

Se. Bishöfliche Gnaden Dr. Franz Leopold Freiherr von Leonrod, Bischof von Eichstätt, schreibt:

„Ich sehe mich daher bei diesem höchst interessanten und spannend geschrieben Werke, das auch jüngere Leute unverletzten Fußes durchwandern können, darauf beschränkt, dasselbe durch mein Pastoralblatt mit einigen anerkennenden Worten empfehlen zu lassen….“

Im Pastoralblatt des Bistums Eichstätt vom 20. September 1894 werden die Werke, wie folgt, empfohlen:

„Die verderbliche Romanlitteratur der neueren Zeit hat das Verlangen nach Werken hervorgerufen, welche auf echt christlicher Grundlage beruhen. Es sind deshalb auch in den letzten Decennien sehr viele gute Jugendschriften erschienen, und zu den besten dieser Art zählen die Reiseerlebnisse des bereits überall bekannten und beliebten katholischen Schriftstellers Karl May. Der Verfasser liefert und Reisebeschreibungen aus vielen Ländern

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Amerikas, Asiens und Afrikas; keine trockenen Schilderungen von Land und Leuten, sondern so spannende und interessante Erzählungen, daß es dem Leser jedesmal schwer ist, das Buch zu schließen, so oft äußere Umstände ihn dazu zwingen. Karl May führt uns durch Erzählung seiner vielen Abenteuer unmittelbar hinein in das Leben und Treiben, in die Kämpfe und Spiele der einzelnen Völkerstämme dieser Erdteile und bietet so dem Leser ein konkretes Bild von den Sitten und Gebräuchen, von dem Charakter und den Anschauungen dieser Völker. — Die Sprache ist formvollendet und kann deshalb der Jugend zum Muster dienen: der Inhalt überaus reich an herrlichen Gedanken und mit solchem Takt gewählt, daß man jeden Band unbedenklich der heranwachsenden Jugend in die Hand geben kann. — Für Instituts- und Jugendbibliotheken wird das Werk eine besondere Zierde sein, und kann es daher auch allen, die sich die Anschaffung von Werken für die Jugend angelegen sein lassen, aufs wärmste empfohlen werden.“

Im Auftrage Sr. Exzellenz des Hochwürdigsten Herrn Dr. Johann Christian Roos, Erzbischofs von Freiburg, schreibt der hochwürdige Herr Dr. Werthmann, erzbischöflicher Hofkaplan:

„daß Se. Exzellenz von den Publikationen mit Interesse Kenntnis genommen habe…. Es wird zu Sr. Exzellenz besonderer Befriedigung gereichen, wenn durch diese Bücher bei dem, einer ernsten Lektüre entwöhnten Publikum, die vielfach unsittliche, verführerische und sentimentale Litteratur ersetzt oder wenigstens zurückgedrängt würde….“

Se. Bischöfliche Gnaden Herr Leo Redner, Bischof von Culm, schreibt:

„Die Reiseerzählungen von Karl May, welche mit Recht in den katholischen Leserkreisen so viele Freunde gefunden haben…“

Se. Bischöfliche Gnaden Herr Dr. Carl Klein, Bischof von Limburg, schreibt:

Gerne würde ich wie bisher, so auch fernerhin dieselben als eine durchaus empfehlenswerte Lektüre anrühmen und mich freuen, wenn ich dadurch zu deren Verbreitung etwas sollte beitragen können etc….“

Se. Bischöfliche Gnaden Herr Dr. Paulus Leopold Haffner, Bischof von Mainz, schreibt:

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„Ich habe schon früher viel Rühmliches von dieser Lektüre gehört und mich persönlich davon überzeugt, daß dieselbe ebenso spannend als belehrend ist. Ich wünsche der Verlagsbuchhandlung Glück zu diesem Unternehmen, welches dem Lese-Bedürfnis unserer Zeit entspricht, ohne nach irgend einer Hinsicht zu schaden...“

Im Auftrage Sr. Bischöflichen Gnaden, des Herrn Dr. Hermann Dingelstad, Bischofs von Münster, schreibt Herr Hofkaplan Dr. v. Hartmann:

„Wenn dieselben dem guten Rufe entsprechen, der ihnen vorausgeht, so freuen sich Se. bischöfliche Gnaden für Konvikte und ähnliche Anstalten unserer Diözese eine passende Lektüre gefunden zu haben…“

Se. bischöfliche Gnaden, Herr Dr. Bernhard Höting, Bischof von Osnabrück, schreibt:

„… Da die hier gebotene Lektüre ebenso sehr sittlich rein und unterhaltend, als auch lehrreich ist und zur Erweiterung des geistigen Gesichtskreises beiträgt, werde ich auch keinen Anstand nehmen, diese Bücher bei geeigneter Gelegenheit zu empfehlen…“

Se. bischöfliche Gnaden, Herr Dr. Michael v. Rampf, Bischof von Passau, schreibt:

„Die Lektüre der Bücher ist stets unterhaltend und spannend; sie bietet aber auch vielfache Belehrung über geographische und ethnographische Verhältnisse. Was aber die Hauptsache ist, die Bücher sind frei von allem, was konfessionell oder sittlich anstößig wäre, sie geben vielmehr vielfach sittlich gute Anregungen, so daß man selbst jungen Leuten dieselben in die Hand geben darf und denselben in der That damit Freude bereitet…“

Herr Erzbischof Dr. F. J. von Stein von München schreibt:

„Der sprachgewandte Verfasser besitzt in hohem Grade die Gabe, frisch, packend und volkstümlich zu schreiben. Seine in weiteren Kreisen so beifällig aufgenommenen „Reiseerzählungen“ haben einen vielseitig belehrenden, sittlich anregenden, stetig interessanten Inhalt, in welchem auch der gesunde Humor zu seinem Rechte kommt. Was dabei besonders zu betonen ist, das ist die christliche Grundlage, auf welcher sie ruhen. Frei von allem sittlich Bedenklichen kommen sie dem Lesebedürfnis der Zeit entgegen und verdienen sie einen Platz in dem Hause der christlichen Familie.

146

Einige Stimmen der Presse.


1.

Kölnische Volkszeitung“: Karl Mays Reiseromane erscheinen jetzt in billiger Ausgabe im Verlag F. E. Fehsenfeld, Freiburg i. Br. Wir haben seit Jahren diese ganz eigenartigen Schöpfungen mit wirklichem Vergnügen verfolgt und verstehen sehr wohl das lebhafte Interesse, welches sie in sehr weiten Kreisen gefunden haben. May’s Werke stehen turmhoch über den gewöhnlichen Skalp-, Büffel- und sonstigen Jägererzählungen. Lebhafteste Phantasie und gefällige Darstellung vereinigen sich hier mit einer vielseitigen Bildung, und den Hintergrund der wilden Abenteuer bildet eine ernste Lebensauffassung und gründliche Kenntnis der geographischen und ethnographischen Details. Alles für die Jugend Anstößige ist sorgfältig vermieden, obgleich May’s Werke nicht etwa bloß für diese bestimmt sind; viele tausend Erwachsene haben aus diesen bunten Bildern schon Erholung und Belehrung im reichsten Maße geschöpft etc. etc. etc.

2.

Der Burggräfler (Meran): „— — Endlich, endlich die gesammelten Werke von Karl May, von „dem May“, von „unserm May“! Ein frohes aufrichtiges Bravo! diesem Unternehmen, das die Leser und Bewunderer Karl May’s so lange entgegen erwartet haben. Wir verstehen es, daß ein Schriftsteller wie Karl May von allen Denen, welche seine Werke kennen, wahrhaft hochgeschätzt, liebgewonnen und schwärmerisch verehrt wird ..... Nun haben wir, was wir längst wünschten: unsern May in Büchern gebunden, die uns für alles Gute und

Edle begeistern und die wir getrost unsern Frauen und Kindern in die Hände geben können .... May ist ein zweiter Verne, nur edler, reiner, absolut herzensbildend, voller tiefer, wahrer Religiösität und dabei von jenem echten Humor, der selbst den Ernstesten erquickt .... Seine Werke sind eine Gabe von hohem, sittlichem Werte; es kann ihnen wohl kaum etwas Aehnliches an die Seite gestellt -

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gestellt werden. Niemand wird einen dieser Bände ohne hohe Befriedigung aus der Hand legen. Wir müssen gestehen, daß einem oft das Herz stillsteht vor Erwartung und Spannung und daß es einem fast geht wie jenem Mädchen von zehn Jahren, welches, vor die Wahl gestellt, mit den Eltern eine Spazierfahrt ins Gebirg zu machen oder in einer Lieferung von Karl May zu lesen, das letztere vorzog. Und wir müssen vollständig dem beistimmen, was ein Gymnasialprofessor aus dem Elsaß an den Verleger schrieb: Ist es nicht wunderbar, daß „May“ ebenso sehr dem reifen Manne wie dem Tertianer und dem Backfischchen gefällt? Fürwahr eine wunderbare Lektüre! etc. etc.“

3.

Blätter für die christliche Eziehung“: „— — Wir beglückwünschen die Buchhandlung zu diesem Unternehmen und sind überzeugt, daß May’s herrliche Erzählungen künftig in jedem christlichen Hause zu finden sein werden etc.“

4.

Schlesische Schulzeitung“: „— — — Wir machen uns nicht gern zur Lobtrompete buchhändlerischer Unternehmungen; im vorliegenden Falle aber können wir es mit gutem Gewissen und großer Freudigkeit thun. Jetzt, wo bei gemütlichem Lampenschein die interessantesten Bücher hervorgeholt werden, dürften uns die Leser gewiß dankbar sein, wenn wir auf eine höchst lehrreiche und unvergleichlich fesselnde Lektüre hinweisen, die uns schon manche angenehme Stunde bereitet hat. Wir meinen die Reiseromane des berühmten Schriftstellers Karl May. Wie kein zweites Werk führen sie uns in die orientalische Welt ein, und farbenprächtig, dabei scharf umrissen, ungemein lebhaft, humorvoll und angenehm anregend sind die Schilderungen dieses gediegenen Orientkenners. Mehr und mehr finden sie Eingang, und wer einmal davon probiert hat, der läßt auch bald die Fortsetzung folgen. Wir vermuten, daß unter der Kollegenschaft diese Reiseromane noch wenig bekannt sein dürften, und nehmen gern Gelegenheit, für den Winter eine frische Kost für den Lesetisch zu empfehlen. In manchen Stücken zwar ähnlich den Jules Verneschen Reise- und Naturbildern, weichen die Schilderungen des urgemütlichen und urechten Deutschen doch in vieler Beziehung vorteilhaft ab etc. etc.“

5.

Die Gegenwart“: „— — Ein echter Jugend- und Volksschriftsteller ist Karl May, dessen spannende und belehrende Reiseromane -

148

Reiseromane bei F. E. Fehsenfeld in Freiburg i. Br. erscheinen. May ist der geborene Erzähler voll Phantasie und Fluß, volkstümlich und gesund, lebensfroh und humorreich, in farbigen Schilderungen und in allen Künsten des Vortrages erfahren. Es sind Reiseskizzen in novellistischem Gewand, vornehmlich aus Afrika und der Türkei, und man merkt überall, daß der Verfasser alles selbst gesehen und manches erlebt hat. Seit Gerstäcker und Sealsfield hatten wir keinen so interessanten ethnologischen Plauderer mehr.“

6.

Der Protestant (Evangelisches Gemeindeblatt): „… Fragen wir uns nun zum Schluß noch einmal, was denn diese „Reiseerzählungen“ so anziehend und in jedem Sinne wertvoll macht. Das ist einmal die Fülle der Erlebnisse, die Bereicherung geographischer und ethnographischer Kenntnis. Sodann die Art des Erzählers, das Kolorit und Milieu, plastisch, geistreich, humorvoll. Endlich — und das ist hier für uns das Wichtigste und giebt uns die innere Berechtigung, diese Romane hier, in einem kirchlichen Gemeindeblatt, des näheren zu besprechen: der sittlich-religiöse Hauch, der über dem Ganzen schwebt. May hat nicht für gewisse Kreise Pikantes, nichts sittlich Anstößiges zu erzählen; sein Schild als Mensch und Schriftsteller ist auch in dieser Beziehung rein. Dafür zieht sich ein tiefreligiöses Empfinden durch alle Erzählungen hindurch, das manche, namentlich einige kleiner Episoden zu wahren Perlen macht, ein Glaube an Gottes sittliche Weltordnung, der oft thatsächlich eine erschütternde Bestätigung findet, eine Feindesliebe, die selbst dem grimmsten Feind feurige Kohlen aufs Haupt sammelt, ein Edelmut und eine Selbstlosigkeit, die sich freut, andern wohlzuthun und selber arm bleibt, während oft Millionen zu ihrer Verfügung stehen. May ist überzeugter Christ, aber sein Christentum hat draußen in der weiten, wilden Welt die dogmatischen Härten verloren und erhebt sich zu einer oft johanneisch anmutenden Höhe und Duldsamkeit. Ihm kommt es immer zuerst auf das Christliche, das wahrhaft Religiöse an, und dann erst auf die konfessionelle Ausprägung. So ist er ungesucht ein Träger christlichen Glaubens und christlicher Gesittung geworden, und auch wir können uns über den Wert unseres Glaubens und die Unverbrüchlichkeit der göttlichen Weltgesetze manche heilsame Lehre von ihm holen …“

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Geschichte der deutschen Nationallitteratur von Münsterpfarrer G. Brugier in Konstanz. pag. 613.: „… In vorzüglichen Reisenovellen finden wir bei ganz natürlich ebenmäßiger Entwickelung der Erzählung wundersam frische Scenerien in kräftigen Zügen nach der Natur gezeichnet, eine Schilderung, die öfters mit wenigen Meisterstrichen farbenprächtig zu malen versteht etc. etc. etc.“

8.

Niederrheinische Volkszeitung“: „… Karl May ist seit langen Jahren in Deutschland der Liebling des „Deutsches Hausschatzes“, bei dessen Redaktion eine Flut von Beschwerdeschriften einläuft, wenn einmal eine Nummer keinen Beitrag von Ihm gebracht hat ..... er weiß packend und fesselnd zu schildern. Besonders spricht für seine Schriften, daß er alle jene Hilfsmittel verschmäht, durch welche weniger begabte Autoren ihren Werke einen ködernden Reiz geben etc. etc. etc.“

9.

Echo der Gegenwart“: „… Karl May ist von allen jenen Plattheiten frei, welche wir bei den Publizisten der Neuzeit nur zu oft finden. Er ist durch und durch Original und der hervorragendste Meister in diesem Genre etc. etc. etc.“

10.

Berliner Finanz- und Handelszeitung“: „… Wir sind überzeugt, daß May’s prächtige Erzählungen künftig in jeder Familie zu finden sind, denn bei der absoluten Reinheit ihres Inhaltes können sie ganz besonders auch der Jugend unbedenklich in die Hand gegeben werden etc. etc.“

11.

Fränkischer Kurier“: „… Die Vorzüge von Mays glänzender Darstellung und Diktion, die wir bei früheren Besprechungen schon verschiedentlich lobend hervorzuheben Gelegenheit hatten, finden wir beim Durchlesen der neuesten Hefte in fast erhöhtem Maße wieder vor. In wenigen, kurzen Strichen zaubert und May die Oertlichkeiten zu greifbarer Wirklichkeit vor die Augen. Dem Leser überkommt nie ein Gefühl der Ermüdung; das Interesse wächst vielmehr von Band zu Band, weil eben überall neben dem angenehm Unterhaltenden das belehrende Moment in den Vordergrund tritt etc. etc. etc.“

150

12.

Litteraturblatt für Erzieher“: „… Referent kann die Versicherung geben, daß es wohl kaum eine zweite Schrift giebt, welche einen so hohen sittlichen Wert für sich beanspruchen kann. Die vorliegenden Reiseerzählungen kann man ohne alle Bedenken der christlichen Familie und der Jugend empfehlen etc. etc.“

13.

Die christliche Familie“: „… Wer kennt nicht May? Wer hat sich nicht schon an Karl May entzückt und erbaut bei den köstlichen, lebendigen Schilderungen dieses echten Volksschriftstellers? etc. etc. etc.“

14.

Weltblatt“: „… Selten noch hat ein deutscher Reiseschriftsteller einen derartigen Erfolg erzielt wie Karl May. Er weiß selbst den eingefleischten Romanleser zu fesseln und bietet den denkenden eine Fülle von Anregungen. Er besitzt ein außerordentlich anschauliches Erzählertalent, kennt die Städte und Länder, in denen seine Erzählungen spielen, genau und ist dabei ein guter Mensch und überzeugungstreuer Christ. Seine Werke sind wahre Perlen der deutschen Litteratur etc. etc. etc.“

15.

Salzburger Chronik“: Im dritten Bande wird das Portrait des berühmten Reiseschriftstellers gratis beigegeben. Seine Werke müssen geradezu epochemachend genannt werden etc.“

16.

Katholische Volkszeitung“: Karl May ist ein Volksschriftsteller und Volkslehrer im wahrsten, besten und edelsten Sinne des Wortes geworden etc. etc.“

17.

Central-Organ für die Interessen des Realschulwesens“: „… In den ersten 3 Bänden „Durch Wüste und Harem“, „Durchs wilde Kurdistan“ und „Von Bagdad nach Stambul“ hatte der hochbegabte Verfasser uns den Helden seiner „Reiseerlebnisse

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mit den Seinen so lieb und wert gemacht, daß unzweifelhaft jeder Leser, gleichviel welchen Alters und Geschlechtes (und das will etwas heißen), dem in den drei neuen Bänden abschließenden Verlaufe der neuen Odyssee mit begieriger Spannung entgegen gesehen haben wird. Wie vorauszusehen war, ist dieselbe in reichsten Maße befriedigt worden. Von Adrianopel führt die Reise, welche die Verfolgung kühner Verbrecher zum Zwecke hat, nach dem Balkan und durch seine und des Schar-Dagh Wildnisse in unaufhörlichen Abenteuern nach Skutari und ans Meer; in einem Anhange sieht der Held noch einmal Damaskus, Mesopotamien und das Kurdenland wieder, und das Schöne Werk endet in einem gemütvollen, wehmütigen Abschiedsklang. Das schönste an dem herrlichen Werke ist wiederum außer der konsequenten Charakteristik und dem tiefen sittlichen Gehalte der Umstand, daß es sich mit der reichen Phantasie des berühmten Erzählers verhält wie mit dem edelsten Hengste, den sein Held reitet: beide sind feurig und temperamentvoll, wissen aber dem Zügel des überlegenen Verstandes zu gehorchen. Es zeigt sich aufs neue, daß der Verfasser ganz bedeutende Studien für sein Werk gemacht haben muß; darum berührt denn auch die ruhige Objektivität seiner Urteile über Land und Leute sehr angenehm. Wenn er auch hier seiner Antipathie gegen die Armenier Raum giebt und überhaupt zu den das Türkenreich bevölkernden Auchchristen nicht selten ein Fragezeichen setzt, so ist er lediglich in seinem guten Rechte. Auch diese drei Bände habe ich mit herzlichem Vergnügen wiederholt gelesen und teile mit den Lesern den Wunsch, dem Verfasser auf ähnlichen Fahrten noch recht oft zu begegnen. Das hier abgeschlossen vorliegende Werk sei aufs herzlichste empfohlen, namentlich auch zur Anschaffung für Schülerbibliotheken. Glückauf für die weiteren Fahrten und Abenteuer des neuesten und edelsten Odysseus!“

18.

Dies Blatt gehört der Hausfrau“: „… Auf dem Gebiete der Belletristik erscheinen uns als hervorragende Novitäten die gesammelten Reiseromane von Karl May. Wir wüßten zur Stunde keine gesündere Unterhaltung für das Volk wie für die heranwachsende Jugend zu empfehlen, als diese Reiseromane, welche von hohem sittlichen Gehalt durchweht sind. Land und Leute, welche der Autor schildert, erstehen vor unserem geistigen Auge in buntem Wechsel, aber jedes lebensvoll in seinem eigentümlichen besonderen Charakter. Karl May ist ein vorzüglicher Kenner von

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Natur und Menschen, und seine Erzählergabe ist stets fesselnd und hinreißend, oft sogar in hohem Maße humorvoll. Seine Werke sind wertvolle Beiträge in erzählender Form zur Länder- und Völkerkunde.“

19.

Illustrierte Welt“: „… Der Verfasser versteht es wie wenige, Land und Leute in ihrem ganzen eigenartigen Kolorit zu schildern; er ist nicht nur ein ungemein erfahrener Reisender, sondern auch ein höchst liebenswürdiger, stets interessanter und formgewandter Erzähler.“

20.

Danziger Courier“: „… Wiederholt war es mir aufgefallen, daß mein Sohn und seine Genossen, sobald sie eine Jugendschrift in die Hände bekamen, sofort danach suchten, ob in derselben eine Reiseerzählung enthalten sei. Derartige Bücher standen hoch im Kurs und wurden in den Schülerbibliotheken stark gefragt. Auf mein Befragen, ob denn die Werke wirklich so schön seine, wurde mir entgegnet, daß die Sachen von May interessanter seien, als die Erzählungen von Lederstrumpf und die übrigen Indianergeschichten. Da ich in meiner Jugend selbst ein großer Verehrer der „Großen Schlange“ u. s. w. gewesen bin, so wurde ich schließlich neugierig und nahm meinem Jungen einen derartigen Band ab, um ihn selbst zu lesen. Nunmehr war das Rätsel schnell gelöst, denn ich muß gestehen, daß mein Interesse von Seite zu Seite wuchs, so daß ich die Erzählung beinahe mit derselben Spannung gelesen habe, wie mein Tertianer. In der That besitzt May in hohem Maße die Gabe, Interesse zu wecken. Er vereinigt in sich etwas von Cooper und Jules Verne. Wie der erstere hat er einen ungemein scharfen Sinn für die Natur, und seine Schilderungen sind von einer plastischen Anschaulichkeit, daß man die von ihm beschriebenen Gegenden vor Augen zu haben meint. Ein interessantes Beispiel konnten wir vor einiger Zeit hier betrachten. Der berühmte Reisende v. Vincenti hielt eine Vortrag über die heilige Stadt der Schiiten, Kerbela und die Totenkaravane. Aus den Worten dieses Augenzeugen ging recht deutlich hervor, daß die Schilderungen, welche in der May’schen Erzählung „Von Bagdad nach Stambul“ vorhanden sind, nicht allein bis in die kleinsten Einzelheiten zutreffen, sondern auch von einer Lebendigkeit sind, die den Vergleich mit der Schilderung des durch seinen blühenden Vortrag berühmten Reisenden recht gut aushielt. An Jules Verne erinnert die reiche Phantasie, die immer

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neue und überraschende Situationen zu erfinden weiß. Während aber die Phantasie des Franzosen in das Ungeheuerliche abschweift, bewegt sich May immer auf realem Boden. Es ist von unserer Jugend gewiß mit Freude begrüßt worden, daß die Verlagsbuchhandlung sich entschlossen hat, eine Gesamtausgabe der May’schen Reiseromane zu veranstalten. Es liegen uns von derselben 5 Bände vor. — Es wird den meisten Lesern wie uns gehen, nämlich daß man atemlos vor Spannung nicht von der Lektüre loskommt und nur eines bedauert, daß man nicht schon die Fortsetzung besitzt. Die Sammlung eignet sich, wie kein anderes Werk, zu Weihnachtsgeschenken für Knaben.“

21.

Ueber Land und Meer“: „… Unterhaltend und lebendig erzählt sind die „Reiseromane“ von Karl May (Freiburg i. Br., Fr. E. Fehsenfeld), welche auch einzeln — „Durch Wüste und Harem“, „Durchs wilde Kurdistan“, „Von Bagdad nach Stambul“, und „In den Schluchten des Balkan“ — zu haben sind. Sie ziehen vor allem durch die Fremdartigkeit des Stoffes an, den der Verfasser offenbar nach eigener Anschauung stets geistvoll und fesselnd zu gestalten und zu behandeln weiß. Sie sind für jedes Geschlecht und jedes Alter interessant.“

22.

Die deutsche Volksschule“: „… Wer sich von des Tages Last und Hitze recht durch gute Lektüre erholen will, dem raten wir, zu den oben genannte Romanen zu greifen. Interessant — packend — lebenswahr sind die einzelnen Skizzen und Personen gezeichnet; man kann wirklich das Erscheinen der weiteren Lieferungen kaum erwarten. Die Romane spielen zum größten Teile im Morgenlande, sie führen den Mohammedaner vor, wie er ist: fanatisch, grausam, tapfer, stets an das Schicksal, das ihm vorgeschrieben ist, glaubend. Daneben sind die Eigenarten der Begleiter des Erzählers vortrefflich gezeichnet, die des tapferen Halef, des sonderbaren Engländers Lindsay u. s. w. Durch die Erzählung geht als freundlicher Zug die tiefe Religiosität des Verfassers, die Freundlichkeit, mit der er Freund und Feind behandelt, und das Bestreben, wo es möglich ist, Gutes zu thun und zu hinterlassen. Es ist dem Verleger als Verdienst anzurechnen, daß er die Herausgabe der May’schen Reiseromane veranlaßt hat; hoffentlich bürgern sie sich so ein, daß sie bald in keinem deutschen Hause fehlen.“

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23.

Katholische Schulzeitung“: „… Wer weitere Abwechslung in das Gebiet des „Geschichtenerzählers“ bringen will, namentlich wenn es in einem zahlreichen Gesellschaftskreise großer und kleiner Zuhörer sein soll, darf getrost nach den sogenannten Reiseromanen von Karl May(Fehsenfeldscher Verlag in Freiburg i. Br.) greifen, die schon früher von der „Schulzeitung“ näher charakterisiert wurden. Wer die Art und Weise kennen lernen will, in der Karl May erzählt, lese im „Deutschen Hausschatz“ (Regenburg, Pustet) des gegenwärtigen Jahres die Reiseerzählung „Der Mahdi“; man wird bald die Erfahrung machen, daß die Zuhörer keiner Mahnung zur Aufmerksamkeit bedürfen, aber auch, daß alle vor dem Bekenntnismute des christlichen Helden Achtung empfinden. Gerne entschließt man sich, die Lieferungshefte à 30 Pfg. der ganzen Sammlung zu bestellen. — Einen Wunsch spreche ich zum Schlusse aus: Möge die Verlagsbuchhandlung Probehefte an die Zeitungs- und Reiselitteraturverkäufer auf allen größeren Bahnhöfen senden und ihnen die Hefte mit einem guten Rabatt anbieten! Ohne Zweifel würde dadurch bewirkt werden, daß mancher dort aufgestapelte Schund stehen bliebe und dafür die unschädliche Lektüre der May’schen Reiseromane verlangt würde. Das wäre ein verdienstliches Werk.“

24.

Litterarischer Jahresbericht“: „… Einen glücklichen Griff that F. E. Fehsenfeld in Freiburg, indem er eine Sammelausgabe von Karl May’s Reiseromanen veranstaltete, von der zum Feste sechs Bände in sehr stattlichem äußeren Gewande vorliegen werden. — Unter den neueren Schriftstellern ist Karl May unbedingt der am meisten gelesene. Er ist namentlich der Abgott der männlichen Jugend, die seine Romane mit Interesse verschlingt, das andere, weniger glückliche Autoren mit Neid erfüllen muß. Karl May verfügt über ein ungemein reiches und bewegliches Talent, spannende und ungewöhnliche Verwicklungen zu erfinden, Hindernisse auf Hindernisse zu häufen und schließlich, wenn der Leser meint, der Verfasser werde sich selbst nicht herauszuwickeln wissen, alles zu einem guten Ende zu führen. Dann weiß er so lebendig und so anschaulich zu schildern, wie es nur wenig Erzählern gegeben ist; die Handlung

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entsteht vor unseren Augen und entwickelt sich in schlagender Weise. Damit verbindet er fesselnde Darstellungen aus fernen Ländern, die mit ihrer Farbenfrische anziehend wirken und in unterhaltender Plauderei belehrend wirken. Und endlich durchweht alle seine Werke ein streng sittlicher Geist, der nicht hoch genug anzuschlagen. So empfehlen wir denn die gesammelten Reiseromane Karl May’s allen, die sich für diese Art der Lektüre interessieren, auf das dringendste....“

25.

Katholisches Kirchenblatt“: „… Die gesamte Presse des In- und Auslandes hat mit größter Freude das Erscheinen der Werke dieses wahren und echten Volksschriftstellers begrüßt; alt und jung erfreuen sich gleichmäßig an dieser fesselnden, anmutigen Darstellung fremder Länder und fremder Völker, und der wahre Humor, der das Ganze durchzieht, hat besonders die Herzen der Jugend im Fluge erobert und dauernd Besitz von ihnen genommen. So wie wir in unserer Jugend bei unseren Spielen die Bilder Cooperscher Helden zum Vorbilde nahmen und oft bitterer Streit darüber entstand, wer die „Große Schlange“ und wer den „Unkas“ und „Falkenauge“ vorstellen sollte, so wird heute überall, in Dorf und Stadt, von der deutschen Jugend „Hadschi Halef“ und „Kara Ben Nemsi“ dargestellt, die Helden der farbenprächtigen morgenländischen Erzählungen Karl Mays. Neben dem bezaubernden Inhalt, der krystallhellen, natürlichen Sprache, ist es vor allem die absolute sittliche Reinheit in allen Werken Karl Mays, die ihn mit Recht zum Liebling des deutschen Hauses, der deutschen Frau und der ganzen deutschen Jugend gemacht hat. Wer sich und seinen Kindern eine wahre Weihnachtsfreude machen will, der kaufe ihnen Karl Mays Werke, die in herrlichem Kleide in jeder Buchhandlung zu haben sind.“

26.

Schlesische Schulzeitung“:… Die Reiseromane von Karl May sind ein echtes, wahres Volksbuch, daß aber auch der reiferen Jugend unbedenklich in die Hand gegeben werden kann. Das prächtige Werk, bei dem wirklich kein Lob übertrieben ist, verdient obenan für den Weihnachtstisch empfohlen zu werden.

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Wir wissen nicht, welcher Seite des prächtigen Werkes wir den Vorzug geben sollen, der glänzenden Schilderung von Land und Leuten, der immer aufs neue spannenden Erzählung, dem köstlichen Humor oder dem ethisch erhabenen Gehalt. — Tausende von begeisterten Zuschriften sind aus allen Kreisen der Gesellschaft an den Verfasser gegangen, ein Beweis, wie lieb und wert sein Buch den Lesern geworden ist. Es ist aber auch eine prachtvolle Erzählung; wir bedauern es aufrichtig, daß wir jetzt von den so lieb gewordenen Helden Abschied nehmen müssen. Versäume es niemand, dieses seltene Werk voll der spannendsten Unterhaltung, voll der angenehmsten Belehrung, voll des edelsten Gehaltes sich zu eigen zu machen. Der folgende 7. Band soll den Anfang des dreibändigen Romans „Winnetou, der rote Gentleman“ bringen. Wir dürfen wohl jetzt schon auf diese Werk hinweisen.“

27.

„Allgäuer Zeitung“: Wir sind Pilger auf Erden, und unser Leben ist eine Reise ins himmlische Vaterland; nach diesem geht unser Sehnen, und unruhig und traurig ist unser Herz, bis wir den Frieden desselben erreicht. —

Diese Grundbestimmung der Reiseerzählungen des beliebten Erzählers Karl May schwebt wie ein feiner, leise zitternder Duft über den Ereignissen und hüllt dieselben in ihren schwermütigen Schatten. Innerliches Unbefriedigtsein in beschränkten Verhältnissen, Ueberdruß an der Ueberkultur der heutigen zivilisierten Welt, angeborener Wandertrieb, tiefes Himmelsheimweh und Wissens- und Thatendurst trieben den ungewöhnlichen Mann rastlos in die Ferne. So durchirrte auch wohl Byron die Länder und Meere, doch nicht wie May. Jenen ließ eine geistige Krankheit, der Fieberwahn des Weltschmerzes verbittert und thatenlos das Reich der Schöpfung durchgeistern, diesen aber drängt der Ueberschuß an gesunder Lebenskraft, werkthätige Liebe zu den Nebenmenschen aus dem engen Haus.

Land und Leute der Heimat und der fernsten Zonen drängen sich in den Reiseerlebnissen in buntem, lebendigem Wechsel, und den ihnen eigentümlichen, besonderen Charakter abzulauschen und in lebensvollem Handeln wiederzuspiegeln, dazu bedarf es eines vorzüglichen Menschenkenners, eines scharfen Beobachters und gewandten Darstellers. May vereinigt diese Eigenschaften in

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unübertroffenen Maße. Natur und Menschenleben haben keine Geheimnisse vor ihm. In meist kurzer, gewählter Schilderung entstehen die unbekannten Welten in festen Umrissen vor unseren Augen: die todesschwangere Sahara mit ihrem glühend heißen Wüstensand, die einsame hochgrasige Prärie und der undurchdringliche tropische Urwald in seiner üppigen Lebensfülle. In schlagender, geistreicher Dialogform offenbaren sich uns die Tiefen des Menschenherzens: der Charakter des edelsten Menschenfreundes und des vollkommensten Bösewichtes, das allen milderen Regungen unzugängliche Herz eines Savannenläufers und das zarteste Frauengemüt.

Ueberhaupt sucht May als Charakterschilderer seinesgleichen. Aber nirgendwo – und das ist das Geheimnis der Mayschen Darstellung – macht sich eine starre Beschreibung breit; alles löst sich vielmehr in Leben und Bewegung auf; die gedrängten Schilderungen sind mit in die Handlung verwoben; die Natur selbst schein belebt und an den Wagnissen teilzunehmen zu gunsten unsres Helden.

Damit hängt enge zusammen die unübertreffliche Art und Weise, wie unser Autor Spannung hervorzurufen weiß. Diese verleiht seinen Schöpfungen einen besonderen Reiz. Es sind durchaus nicht bloß die ungewöhnlichen Begebenheiten, die unsere Aufmerksamkeit fesseln; nein, auch bei den einfachsten Scenen verweilen wir gern; keinen Schritt thun wir mit dem Verfasser, der uns überflüssig oder gar langweilig dünkt. Woher dieser Zauber, der uns immerfort in seinem Banne hält und jede Müdigkeit vergessen läßt? Er rührt von der geheimnisvollen Wünschelrute des Autors her, die auch dem sprödesten Gestein frisches pulsierendes Leben einhaucht und uns die ungeahnten Kräfte und Schätze der Natur und des Menschenlebens enthüllt. Und diese Wünschelrute ist der tief poetische Geist und das empfängliche Gemüt unseres Erzählers.

An dem rauhen Stamm der durchweg gefahrvollen Ereignisse, die im Siege des Rechts und des Guten gipfeln, rankt sich die geschmeidige, in allen Farben schillernde Pflanze des köstlichen Humors empor. Komische Intermezzos und Situationen vor und während der Kampfscenen locken auf die wetterharten Züge der vielleicht dem Tod geweihten Helden ein flüchtiges Lächeln und möchten ihnen den schweren Gang leichter machen, oder sie schließen die blutige Kampftragödie wirksam ab; immer aber bilden sie zu den ernsten Waffengängen und sonstigen Mühsalen den ergreifendsten Kontrast. Daß der Stoff dazu nicht ausgeht, dafür hat May ausreichend gesorgt; er hat höchst originelle Kauze in seinem Gefolge,

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wahre Falstaffs, die ihrem berühmten Vorbilde nur an Großartigkeit des Leibesumfanges wirklich nachstehen, an Unerschöpflichkeit sprudelnder Laune aber seine talentvollsten Schüler sind. Ueberhaupt scheint uns May mit Erfolg dem großen britischen Dichter im humoristischen Genre nachgeeifert zu haben, wenigstens zählen der spindeldürre, unsäglich phlegmatische Lindsay und der derbe, drollige Seemann Turnerstick zu den besten Charakterfiguren, die er geschaffen. Kurz, Karl Mays Erzählungen sind eine wahre Fundgrube goldenen, ungekünstelten Humors.

Es erübrigt uns noch, der warmen, echt volkstümlichen Sprache unseres Schriftstellers mit Anerkennung zu gedenken. Wie aus einem klaren Quell das krystallhelle Bächlein sprudelt, über felsiges Gestein daherrauscht und geschwätzig lachende Fluren durcheilt, und alles in seinem durchsichtigen Wasser wiederspiegelt, so fließt die Sprache lebendig und leicht, prunklos und klar aus dem Munde des Erzählers und vergegenwärtigt einem jeden mit der gleichen Treue und Anschaulichkeit das Todesschweigen der Wüste und den gewaltigsten Seesturm im bekannten Joseph Vernetschen Kolorit, das entsetzlichste Kampfgewühl und den tiefen Frieden eines ländlichen Idylls, den kecksten Humor und das ergreifendste Seelenleid.

Es liegt uns gänzlich ferne, mit unseren obigen Ausführungen den Beweis erbringen zu wollen, daß Mays Schöpfungen Kunstwerke im höheren Sinne des Wortes seien; wir glauben überhaupt nicht, daß der Verfasser selbst für seine Geisteskinder darauf Anspruch erhebt. Derselbe verfolgt unseres Erachtens vielmehr mit seinen Werken in erster Linie einen praktischen Zweck und unterscheidet dieselben dadurch hinreichend von ausschließlichen Kunstwerken, die lediglich einen ideellen Beruf haben, also auch nicht etwa nur, wie man heute vielfach fordert, durch Unterhaltung sich nützlich machen sollen, wodurch z. B. die dichterischen Produkte zu bloßem Lesefutter herabsinken. Was May uns bietet, sind Reiseskizzen in novellistischem Gewande. Die Kunstform ist also weder Hauptsache, noch dient sie zur äußeren Gestaltung einer großartigen künstlerischen Idee. Interessante Beiträge zur Länder- und Völkerkunde zu schreiben, dieser an und für sich populär-wissenschaftliche Gedanke schwebte dem Autor bei Abfassung seiner Berichte vor; um denselben aber dem modernen Publikum auf die sympathischste Weise zu realisieren und zugleich seinen Schriften höhere Werte und längere Dauer zu sichern, kleidete er ihn in die Erzählungsform, die er freilich nur insoweit den Gesetzen der Kunst unterwerfen konnte, als der wenig einheitliche, unkünstlerische Stoff es zuließ. Mit einem Worte, May

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that alles, um seine Reiseerzählungen in die Sphäre des Schönen zu erheben und höheren Kunstwerken wenigstens nahe zu bringen, ohne damit ihre eigentliche Idee und Bedeutung als meisterhafte Reiseberichte aufzugeben. Und da glauben wir dem Verfasser durch unsere obige orientierende Skizze das wohlverdiente Zeugnis ausgestellt zu haben, daß in seinen Werken so viele Elemente des Schönen enthalten sind und manche Kunstgesetze eine solch meisterhafte Anwendung gefunden haben, wie wir es selbst in vielen der mit Recht gerühmtesten dichterischen Kunstwerke der Gegenwart vergeblich suchen.