Im Frühjahr 2001 fand ich in einer norddeutschen Bibliothek ein komplettes Exemplar einer Parallelausgabe zu dem "Illustrierten Unterhaltungsblatt. Belletristische Wochenschrift für die Familie und Jedermann." aus dem Verlag Hermann Schönlein, Stuttgart.
Im Jahrgang 1879 dieser Zeitschrift, die als Beilage zu einer Tageszeitung ausgegeben wurde, ist in den Nummern 32 bis 39 die Erzählung "Der Dukatenhof" von Karl May enthalten (Version B).
Diese Erzählung erschien bekanntlich zuerst 1877 in der "Bibliothek der Unterhaltung und des Wissens", Verlag von Hermann Schönlein, Band 11, Seite 92 - 208 (Version A). Dieser Text wurde in dem Reprint der KMG "Unter den Werbern" uns Karl-May-Freunden wieder zugänglich gemacht. Wie Ekkehard Koch in seinem Vorwort zu dieser Ausgabe schreibt, hat Karl May selbst seinen "Dukatenhof"-Text für eine neue Ausgabe im Jahre 1903 in dem Band "Erzgebirgische Dorfgeschichten. Karl Mays Erstlingswerke" (Version C) bearbeitet und einige Änderungen vorgenommen.
Um die Unterschiede zwischen diesen drei Textversionen genauer betrachten und analysieren zu können, habe ich die drei Versionen derart nebeneinander geschrieben, dass korrespondierende Absätze auf der gleichen Zeile beginnen. Unterschiedliche Textteile sind durch Kursivdruck kenntlich gemacht. Diejenigen Unterschiede, die durch Änderung der Rechtschreibung begründet sind (z.B. -niß --> -nis, thun --> tun), habe ich nicht kenntlich gemacht.
Den Text der Erzählung habe ich in acht Teile zerlegt, wobei ich der Einteilung der Version B von 1879 in acht Fortsetzungen folgte. Dadurch werden die Textänderungen in dieser Version B besonders kenntlich und verständlich.
In der Version C von 1903 treten viel weiter gehende Änderungen auf:
Seite A/102: das schöne Mädchen --- Seite C/178: das Mädchen
Seite A/106: die leblose Hülle Derjenigen zu sehen, die er geliebt hatte mit der ganzen Gluth, deren das menschliche Herz nur fähig ist --- Seite C/182: die leblose Hülle zu sehen
Seite A/110: Das Ganze hatte jetzt das Aussehen eines improvisirten Altares, dem auch das Bild nicht fehlte, denn an der inneren Seite der Klappe --- Seite C/185 An der einen Seite der Klappe
Seite A/110: sprachen von nichts als von dem Dasein einer tiefen, heiligen Liebe zu dem Wesen, dem er eine Inbrunst widmete, welche man fast mit dem Worte Anbetung bezeichnen konnte. --- Seite C/185: sprachen von nichts als von einer tiefen Verehrung.
Seite A/115: und Keiner verstand es so wie er, ein Mädchen im Kreise zu drehen, daß es schien, als gehe es mit Flügeln oder auf Federn. --- Seite C/190: ---
Seite A/120: Sie hielt seine Hand länger fest, als für den einfachen Gruß nöthig war. Früher hatte er sie ihr gelassen und oft noch ein Weilchen mit ihr geplaudert; heut' aber entzog er sie ihr und ging. Es war ihr recht weh zu Muthe; sie mochte nicht wieder in die Stube gehen und stieg hinauf in ihre Kammer. --- Seite C/194: ---
Seite A/140: von dem Gegenstande ihrer ersten Liebe als Angebinde erhalten. --- Seite C/213: von dem Köpfle-Franz als Angebinde erhalten.
Seite A/148: Sie rechte ihm die freie Hand. Er erfaßte diese, zog das Mädchen an sich und drückte einen innigen Kuß auf ihre Lippen. --- Seite C/221: Sie rechte ihm die freie Hand und fragte dabei:
u.a.m
Hier finden Sie den Text:
Beginn
Bibliographische Angaben zu den drei Textversionen:
Die zweite Gruppe von Änderungen läßt die wörtlichen Reden gestelzt erscheinen gegenüber der Version A, und die dritte Gruppe von Änderungen nimmt dem Text viel an Lebendigkeit und Innigkeit.
1. Fortsetzung
2. Fortsetzung
3. Fortsetzung
4. Fortsetzung
5. Fortsetzung
6. Fortsetzung
SchlußBibliothek der Unterhaltung und des Wissens
Jahrgang 1877
Elfter Band
Seite 92 - 208
Verlag von H. Schönlein, StuttgartIllustrirtes Unterhaltungsblatt
Belletristische Wochenschrift für die Familie und Jedermann.
Jahrgang 1879, No. 32 - 39, Seite 249 bis 306.
Verlag von H. Schönlein, StuttgartErzgebirgische Dorfgeschichten
Karl May's Erstlingswerke
Autorisierte Ausgabe
Band I, Seite 167 bis 277
Belletristischer Verlag, Dresden, (1903)
Übersicht verfügbarer May-Texte