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Der Waldkönig.

Eine Erzählung aus dem Erzgebirge

von

Karl May.

(Fortsetzung.)

    Der Erste kam und stieg hernieder. Nachdem seine Hand einen grad oberhalb Frieders Kopf liegenden Punkt berührt hatte, bückte er sich nieder; ein leises Rollen ließ sich hören, dann verschwand er, auf den Knieen kriechend, im Innern des Stollens.

    Frieder rührte sich nicht. Auch der Zweite, der Dritte und Vierte kam – dasselbe Berühren der angegebenen Stelle und dasselbe langsame Verschwinden. So ging es beinahe eine Stunde fort, vom Fünften bis zum Neunzehnten, und selbst als dieser in das Versteck gedrungen war, veränderte der Lauscher seine Lage nicht, denn das geringste Geräusch konnte seine Anwesenheit verrathen.

    Beinahe die gleiche Zeit wie vor acht Tagen mußte er warten, ehe die dunklen Männer der Erde wieder entstiegen. Hinter dem Letzten leuchtete auch heute der helle Schein für einen Augenblick und ließ die Linien des Viereckes, welches den Eingang bildete, mit großer Bestimmtheit erkennen; dann schloß sich derselbe, die Schritte verklangen, und es herrschte tiefe Stille ringsumher.

    Er wartete noch einige Zeit und stand dann schon im Begriff sich zu erheben, als das Rollen nochmals erklang. Augenblicklich senkte er sich in seine vorige Lage zurück und hielt das Auge auf den sich wieder öffnenden Eingang gerichtet. Ein Mann kroch hervor und stellte sich neben ihm auf. Er trug, wie Frieder deutlich sah, langes, dunkles Haupthaar, welches bis auf die Schultern niederhing, und einen eben solchen Vollbart, den die vorgebundene Maske nicht zu verhüllen vermochte. In seinem Gürtel blitzte neben einigen Pistolenläufen eine offene Messerklinge, und mit der rechten Faust hielt er den oberen Lauf einer kurzen Stutzbüchse umschlossen.

    Das war jedenfalls kein Anderer als der Waldkönig. Sollte


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Frieder ihn fassen? Sollte er ihn niederschießen? Ein Griff nach dem Revolver genügte dazu. Doch nein, sein ganzes Geheimniß mußte unverhüllt daliegen, ehe er ihn greifen wollte, und zwar mit der ganzen verbrecherischen Genossenschaft.

    »Es ist gut dunkel, das paßt, um mir den Spießer zu hol'n. Sie sind All' bei der Schießhütt', und ich kann sicher geh'n!« murmelte der Vermummte, indem er sich anschickte, die Senkung zu ersteigen.

    Als er fort war, richtete sich Frieder auf.

    »Ja, es ist der Feldbauer! Hätt' ich net seine Stimm' gehört, die er hier net verstellt', weil er gemeint hat, allein zu sein, so hätt' ich ihn gar nimmer erkannt, so gut war er verkleidet. Er geht wildern und kommt nach mehr Stund'n erst zurück, das ist gewiß. Jetzt bin ich ungestört und werd' net wart'n bis früh, sondern den Stoll'n sofort untersuch'n. Er hat das Licht brennen lass'n; es schien hinter ihm her; sonst dürft ich's net wag'n.«

    Er untersuchte nun den Verschluß mehr mit der Hand als mit dem Auge. Er bestand aus einem Steine der jedenfalls auf Rollen ging, und war auf seiner Außenseite mit Moos bekleidet und über diesem von einer großblättrigen Pflanze bedeckt, welche es unmöglich machte, seine von der Umgebung gelösten Umrisse zu erkennen. Frieder versuchte, ihn nach Innen zu bewegen; es gelang ihm nicht trotz Anwendung aller seiner Kräfte. Daher erhob er sich wieder und prüfte die Stelle, nach welcher Alle, auch zuletzt der König selbst, so auffällig gelangt hatten. Es war eine aus der Erde stehende Wurzel, aber kalt und unbiegsam, jedenfalls, wie eine nähere Untersuchung ergab, aus Eisen künstlich nachgebildet und mit Naturfarbe überstrichen, so daß sie bei einer zufälligen Betrachtung nicht auffällig erschien.

    Frieder versuchte sie zu bewegen, es gelang. Sie war in Gestalt eines Drehlings geformt, welcher sich durch eine Verbindungsstange in das Innere fortsetzte und dort voraussichtlich in einer Vorrichtung endete, welche das Schließen und Oeffnen bewerkstelligte. Jedenfalls bestand diese nur aus einer korrespondirenden Stange oder Schiene aus Eisen, welche sich, je nachdem man die Wurzel drehte, vor den Stein legte oder sich von demselben zurückzog.

    Dies bekam Frieder erst nach vielem Probiren weg, dann stellte er die Wurzel, rollte den Stein nach Innen und kroch durch die jetzt entstandene Oeffnung, den Revolver in der Hand, in den Stollen.

    Eine wohlgefüllte Thonlampe brannte am Boden, doch war, so weit ihr Schein reichte, kein lebendes Wesen zu bemerken. Der furchtlose junge Mann brachte den Stein wieder in seine vorige Stellung und bemerkte auch die vermuthete Eisenstange, welche er vorschob, um den Verschluß zu bewerkstelligen. Dann nahm er die Lampe vom Boden auf und untersuchte den Stollen zunächst in der Richtung nach seiner verschütteten Mündung zu. Er fand nichts Bemerkenswerthes und ging wieder zurück. Am Eingange jetzt vorüberschreitend, gelangte er bald an eine eingehauene Nische, in welcher mehrere Stufen aufwärts führten; doch war die früher jedenfalls über ihnen vorhandene Oeffnung vor kurzer Zeit, wie sich an dem Gemäuer erkennen ließ, wieder zugebaut worden.

    »Das sind die Stuf'n, welche der Vater hinabstieg'n ist damals, und feucht und kalt ist's auch, das stimmt. Hier ist die That gescheh'n, und hier wird auch meine Rach' über sie kommen wie der Blitz, den man net vorher ahnt und geg'n den es kein Entrinnen giebt!«

    Nicht weit davon entfernt gab es eine starke, eichene Thür. Sie war geöffnet, doch hing in dem Haspen ein großes, eisernes Vorlegeschloß. Der Raum hinter ihr war niedrig und eng, und das auf dem Boden liegende faulige Stroh ließ ebenso wie der in der Ecke stehende halb zerbrochene Wasserkrug vermuthen, daß diese Höhlung als Gefängniß verwendet werde.

    Frieder ging weiter und kam an eine Stelle, wo der Stollen künstlich erweitert worden war. Rohe Steinbänke standen ringsum; viele Nägel staken in den Wänden, und von der Decke hing eine Oellampe, deren Cylinder noch Wärme zeigte. Dies war allem Anscheine nach der Versammlungsort der Bande.

    Von hier aus führte der Stollen eine lange Strecke immer in gerader Richtung unter der Erde fort, bis plötzlich eine querüber laufende Mauer ein unübersteigliches Halt gebot. Frieder untersuchte Zoll für Zoll derselben, ebenso den Boden, die Decke und die Seitenwände, fand aber nicht das Mindeste, was auf einen versteckten Durchgang schließen ließ. Er klopfte; der Ton klang hohl. Der Gang setzte sich also jenseits fort, doch war es allerdings möglich, daß er von den Schmugglern nicht benutzt wurde.

    »Aber wie ist der Waldkönig in den Stoll'n gekommen? Beim Stein da vorn net, sonst hätt' ich ihn ja bemerkt. Es muß noch


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einen Zugang geb'n, den er nur für sich benutzt! Heut ist's zu spät, weiter zu forsch'n; ich werd' die nächst'n Tag' dazu benutzen. Jetzt muß ich fort, sonst wag' ich doch zu viel!«

    Er ging zurück, setzte die Lampe auf derselben Stelle nieder, von welcher er sie aufgenommen hatte, schob die Eisenstange zurück, zog den Stein von der Oeffnung und stieg in das Freie. Nachdem er vermittelst der Wurzelkurbel den Eingang wieder verschlossen hatte, trat er den Nachhauseweg an. Er wußte sich vollständig sicher. Der König wilderte jedenfalls nicht in der Richtung des Dorfes; die Schmuggler waren nach der Grenze gegangen, und so hielt er es nicht für nothwendig, seine Schritte unhörbar zu machen.

    Eben war er in die Nähe des Forsthauses gelangt, als er ein scharfes »Halt, steh, oder wir schieß'n!« vernahm und zugleich sah er von vorn und der Seite mehrere Gewehrläufe auf sich gerichtet.

    »Gut' Freund! Was soll's?« antwortete er, stehen bleibend.

    »Wer bist'?«

    »Der Frieder vom Bachhof.«

    »Ah,« vernahm er die Stimme des Feldwebels, »sind  S i e


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es, Herr Goliath junior? Darf ich bitt'n, die Mask' abzuleg'n!«

    Frieder erschrak. Er dachte erst jetzt daran, daß er sie noch nicht vom Gesicht genommen hatte. Er band sie los. Der Feldwebel trat, während seine Leute die Gewehre noch immer im Anschlage hielten, auf ihn zu und sah ihm in das Gesicht.

    »Ja, er ist's. Hab'n Sie Waff'n bei sich?«

    »Ja, einen Revolver.«

    »Gelad'n?«

    »Vollständig.«

    »So so! Da hätt'n wir ja einen von den Kerls, vielleicht gar den Herrn Urian, den Waldkönig selber. Her mit der Waff' und der Larv'!«

    Frieder wußte, daß der Feldwebel in seinem Rechte handle[,] und übergab Beides.

    »Gut. Jetzt bist' mein Gefang'ner. Also darum ließ sich keine Flieg' bei der Schießhütt' sehn um Neun, weil der Zettel falsch war und uns verleit'n sollt'. Unterdess'n ist hier ein Putsch


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gescheh'n, und es ist nur gut, daß ich auf Patrouille ging, sonst wär' der Vogel glücklich heimgekommen. 'Wirst Niemand mehr durch's Fenster werf'n und net mehr oft mit der Martha tanz'n, mein Bursch'. Vorwärts marsch!«

    »Oho, so weit sind wir wohl net! Warum ich die Larv' anthu, das ist meine Sach', und den Revolver darf ich trag'n.«

    »Wer hat's erlaubt?«

    »Der Förster.«

    »Das wird sich find'n. Marsch vorwärts! sag ich, sonst brauch' ich Gewalt!«

    »Papperlapapp, die Gewalt kennt man schon! Wie weit sie reich'n darf, das weiß ich auch. Dort ist noch Licht im Forsthaus, und der Förster wird daheim sein. Jetzt geh' ich gerad'n Weg's zu ihm, und Ihr dürft mitkommen. Wer mich aber anrührt, den schlag' ich zu Pulver. Ihr kennt mich, und damit Punktum!«

    Er ging auf das Forsthaus zu, und der Webel folgte ihm mit den Seinen auf dem Fuße. Er getraute sich doch nicht, sich an dem


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»Goliath junior« zu vergreifen. Der Förster war eben erst von der Schießhütte nach Hause gekommen und blickte allerdings verwundert auf, als er seinen Freund unter solcher Begleitung bei sich eintreten sah.

    »Frieder, du? Wie kommst' zu dieser Stund' zu mir?«

    »Er ist unser Gefang'ner,« schnitt der Feldwebel die Antwort ab. »Er gehört zu der Bande des Waldkönigs.«

    »Der Frieder? Sind Sie bei Sinnen, Herr Feldwebel?«

    »Sogar sehr! Wir hab'n ihn auf der That ertappt.«

    »Auf welcher That? Wie kann der Frieder zum Waldkönig gehör'n, der seinen Bruder erschoss'n und seinen Vater geblendet hat!«

    »Das geht mich nix an! Er hatt' eine Larv' im Gesicht und den gelad'nen Revolver bei sich, als wir ihn fand'n.«

    »Und hat Ihnen Beides ohne Geg'nwehr übergeben?«

    »Die Wehr hätt' ihm nix geholf'n!«

    »Das muß ich sehr bezweifeln, wie ich ihn kenn'. Den Revolver hab' ich ihm erlaubt; er ist freiwillig mein Gehülf' im Forstwes'n


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und darf in den Wald[,] wenn und wie er will, bewaffnet oder net, ganz wie es ihm gefällt. Ich werds verantwort'n.«

    »Da kann ich nix dageg'n sag'n. Aber die Larv'?«

    »Das ist seine Sach'.«

    »Oder auch net. Der König geht mit der Larv' und seine Leut' all' mit 'nander auch. Wer sich im Wald maskiert, wird arretiert.«

    »Wo steht's geschrieb'n?«

    »Das versteht sich von selber! Er soll mich net umsonst heut aus dem Fenster und aus der Thür geworfen hab'n. Er bleibt Arrestant und wird aufs Gericht transportirt! «

    »Also net weg'n der Mask', sondern aus Rachsucht. Zeig'n Sie 'mal den Revolver und die Larv'!«

    Der Buschwebel reichte ihm Beides hin. Er nahm die Gegenstände und gab sie dem Freunde, welcher der Verhandlung lächelnd zugehört hatte, zurück.

    »Hier hast' die Sach'n, Frieder. Geh' nach Haus'. Und wer 'was dageg'n hat, der mag auch mich vor Gericht verlangen!«

    »Halt,« gebot der Webel; »her mit dem Corpus delicti! Es gehört mir und der Gefang'ne dazu!«

    Da legte ihm Frieder die Hand auf die Schulter.

    »Feldwebel, jetzt will auch ich 'mal sprech'n! Sie hab'n gehört, was der Förster sagt. Er bürgt für mich, und das ist mehr als genug, denn er und ich, wir sind jederzeit zu find'n. Ich werd' vielleicht doch noch Wen durch's Fenster werf'n und mit der Martha tanz'n, wenn mir's paßt. Jetzt aber geh ich nach Haus', und wer nur die Mien' verzieht, mich d'ran zu hindern, der wird sogleich seh'n, was passirt. Ich lass' mich weder zur Schießhütt' noch ins Bockshorn jag'n. Merkts, und nun gut' Nacht!«

    Er ging, und Keiner getraute sich, ihm den Weg zu vertreten. – – –

––––––––

IV.

In der Falle.

    Der Buschwebel hatte doch die Anzeige gemacht und eingesandt, und die Folge davon war, daß Frieder vom Amte einen Bestellzettel erhalten hatte und heut in die Stadt geritten und im Verhör gewesen war. Dieses schien einen für ihn befriedigenden Verlauf genommen zu haben, wie die Miene zeigte, mit welcher er das Pferd bestieg, um wieder heimzukehren.

    Ein gut Theil über die Hälfte des Wegs war zurückgelegt, und er gelangte an ein einsames Wirthshaus, welches mitten im Walde an der Straße lag. Ein hochbeladener Heuwagen hielt vor der Thür, und er erkannte das Gespann als Eigenthum des Feldbauern. Er konnte annehmen, daß derselbe Leute genug habe, um dergleichen Fuhren nicht selbst unternehmen zu müssen; jedenfalls führte ein Knecht das Geschirr, und es war dann kein Grund vorhanden, auf den frischen Trunk zu verzichten, welchen er hier zu sich nehmen wollte.

    Er stieg daher ab, befestigte die Zügel an das Staket und trat in die Stube. Er hatte sich getäuscht. Außer einigen Holzhackern, welche im Winkel ihr mageres Brod verzehrten, befanden sich der Feldbauer und einige Soldaten in dem Zimmer. Sie waren auf einem Patrouillengang durch den Forst hier eingekehrt und wurden von dem sonst nicht sehr freigebigen Bauer auf das Beste traktirt. Frieder setzte sich an einen separaten Tisch, ließ sich sein Bier geben und wandte sich von den Anwesenden dem Fenster zu.

    »Trinkt immer, trinkt,« meinte der Feldbauer mit einem giftigen Blick auf den Neuangekommenen. »Ehrliche Leut', die ohne Larv' sich sehen lass'n, dürf'n in das Wirthshaus gehn; Andre aber sollt' man durch die Polizei fortweis'n!«

    »Was ist's denn mit der Larv'?« frug der Wirth.

    »Nix weiter, als daß man die kleinen Spitzbub'n hängt, die groß'n aber lauf'n läßt. Der Buschwebel hat Einen gefangen, der die Mask' und den Revolver getrag'n hat. Er gehört ganz sicher zum Waldkönig, hat sich aber gut herausgelog'n und wagt's auch noch, bei Männern zu sitz'n, die keine Mörder und Blender sind!«

    »Wer ist's denn?«

    »Ja, da fragst' mich zu viel. Schau Dich darnach um!«

    »Ach so! Warst' in der Stadt?« forschte der Wirth ablenkend.

    »Ja. Das Heu ist mir heuer verregnet, so daß ich mit meiner Ernt' net reich'; da es nun jetzt billig ist, will ich mir einen Vorrath hol'n.«

    Frieder trank sein Bier, bezahlte und ging. Die Niederträchtigkeit seines Feindes war so ungeheuerlich, daß er sie kaum zu fassen vermochte. Als er an dem Wagen vorüberlenkte, durchzuckte ihn ein Gedanke.

    »Ist dem Feldbauer wirklich das Heu vernäßt, so daß er sich


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welches kauf'n muß? Seine Wies'n trag'n ja grad so gut wie die unsern, und der Bachhof hat doppelt so viel Futter, als er verbrauch'n kann! Und warum fährt er selber? Da steckt 'was dahinter, und er traktirt die Soldat'n net umsonst, so viel ist gewiß. Ich muß ihn auf der Zech belausch'n, wenn er das Heu ablädt!«

    Er nahm den Braunen scharf in die Zügel und sah bald das Dorf vor sich liegen. Vor demselben und zwischen der Straße und dem Feldhof erblickte er Martha, welche am Ufer des Baches Wäsche netzte. Er konnte sich diese Gelegenheit, einige Worte mit ihr zu wechseln, unmöglich entgehen lassen und lenkte zu ihr hin.

    »Gut' Arbeit, Martha! 'Hast große Wäsch'?«

    »Ja, da giebt's zu thun, Frieder. Aber welch ein Glück, daß der Vater net zu Haus' ist!«

    »Weshalb?«

    »Es ist uns am Montag gar bös ergangen, Frieder, und so schlimm wie da ist er noch gar nie gewes'n.«

    »Weg'n dem Tanz?«

    »O nein. Von dem hat er kein Wort gesagt. Aber von weg'n Dem, daß Du dann im Wald gewes'n bist mit dem Revolver und verlarvt.«

    »Das weißt' auch schon?«

    »Der Buschwebel hat's ihm gleich in der Früh' erzählt, und dann brach das Gewitter los. Frieder, das war schauderhaft! Der Vater hat gesagt, ich sei in Dich – – –«

    »Du sei'st – – was denn, Martha?«

    »Ich kann's net sag'n! Dann hat er mich beim Haar ergriff'n und ebenso die Mutter, die mir mit Flehn zu Hülf' kommen wollt'. Nachher – – –«

    »Halt, Martha, erzähl' net weiter, sonst reit' ich wieder zurück und zertret' ihn zu Staub und Brei, wo ich ihn find'! Ich weiß jetzt All's; das Maß läuft immer voller, und ist der letzt' Tropf'n hinein, so kommt die Fluth, in der er untergeht!«

    »Frieder, ich bitt' gar schön, thu's net! Du bist ihm über, das wiss'n All', aber es kann nix d'raus werd'n als Kummer, Sorg' und Unheil!«            (Fortsetzung folgt.)


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Der Waldkönig.

Eine Erzählung aus dem Erzgebirge

von

Karl May.

(Fortsetzung.)

    [»]Bedauerst' ihn vielleicht?«

    »Er ist ja doch der Vater! Die Mutter wär' schon längst von ihm, wenn net die Schand' dabei zu fürcht'n wär'. Sie hat ihn niemals lieb gehabt und wohl auch nimmer acht'n können, und ich, ich zittre, wenn ich ihn nur seh. Aber der Zorn bringt schlimme Frucht, Frieder.«

    »Wer sie sä't, der wird sie ernt'n, Martha; das ist ein göttlich' Gesetz, daran Niemand das Geringst' zu ändern vermag. Ich bin ihn auch heut, erst vorhin wieder geflohn, als er mit mir beginnen wollt', doch wo er mir das Herz antastet, da soll er net auf Nachsicht rechnen. Lieber laß' ich mir den Hof wegbrennen als Den beleid'gen, den meine Lieb' umfangen hält! Was hast gedacht bei meinem Gang zum Wald?«

    »Der Vater sagt, Du seist der Waldkönig; ich aber hab' gleich das Richt'ge vernommen: Du hilfst dem Förster. Net wahr?«

    »Der hat es mir bezeugt. Jetzt komm' ich vom Gericht und hab' den Freipaß für den Wald bei Tag und Nacht.«

    »Und wirst auch hinausgehen.«

    »Warum sollt' ich net?«

    »Frieder, thu's net! Es ist jetzt gar viel Gefahr im Wald, und selbst der Tapferst' kann net sag'n, ob er gut daraus hervorgeht. Es giebt ja Leut', um deretwill'n Du Dich schonen mußt!«

    »'Hast recht, Martha! Aber es giebt auch einen Engel, der mich beschützt bei jedem Weg, den ich thu.«

    »Welcher ist das?«

    »Du selbst!«

    »Ich? Wo denkst' hin! Meinst wohl, weil ich bei der Wäsch' bin, wo man weiß und sauber geht!«

    »Dann wärst' ja blos der Wäsch'engel! Aber sag, warum legst' sie hier auf die Wies' und net in den Gart'n, wo es bequemer ist?«

    »Wir hab'n dort kein Wasser. Der eine Brunnen wird reparirt, und der andre, den der Vater ganz nur allein gegrab'n hat, giebt keinen Tropf'n, weil er in den Stoll'n gestoß'n ist, der unter dem Hof fortgeht. Wir dürf'n davon gar net red'n, sonst wird der Vater bös; er sagt, die Leut' lach'n ihn aus, wenn sie hör'n, daß er Wasser gesucht hat da, wo keins zu find'n ist.«

    »Wie alt ist dieser Brunnen?«

    »So alt, als ich auf dem Feldhof bin. Er grub ihn gleich in der erst'n Zeit und nur bei Nacht.«

    »So weiß die Gemeind' gar nix davon?«

    »Nein, weil's zu viel' Umständ' macht. Nur die Mutter hat's gewußt und ich. Die Mündung ist in der Hinterkammer neb'n der Scheu'n, wozu er nie den Schlüssel herausgiebt. D'rum also muß ich auf die Wies'.«

    »Und das ist gut, Martha, sonst hätt' ich Dich jetzt net gesehn!«

    »'Wirst mich auch heut am Abend sehn, wenn ich es möglich mach'n kann. Er geht wieder um Acht zur Ruh.«

    »Ja komm', Martha! 'Wirst große Freud' anricht'n. Und sollt' ich net sofort daheim sein, so komm' ich sicher, noch eh Du wieder gehst. Leb' wohl!«

    »Leb' wohl, Frieder!«

    Sie blickte ihm nach, wie er dem Braunen die Sporen gab und in eleganter Sicherheit auf demselben über die breiten Gräben setzte. Wie war er doch so ganz anders als die Männer, welche sie bisher kennen gelernt hatte, besonders aber als der Vater! Sie durfte ihm gar nicht erzählen, wie dieser sie und die Mutter am Montag miß-


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handelt [mißhandelt] hatte. Es war noch viel ärger gewesen[,] als sie angedeutet hatte, und wenn sie auch den eigentlichen Grund nicht kannte, der den Feldbauer über den nächtlichen Gang Frieders in solche Wuth versetzt hatte, sie wußte doch, daß diese Zornesergüsse wiederkehren würden, da es nicht in ihrer Absicht lag, dem wilden Manne das jung emporsprossende Glück ihres Innern zu opfern.

    Frieder kam nach Hause. Er mußte darüber lächeln, daß seit seinem Hiersein ihn der Waldkönig fast mehr in Anspruch nahm als das Bachgut. Er war abermals gezwungen, den Feldbauer zu belauschen und zwar ohne Verzug, und konnte daher den Eltern nur kurze Auskunft ertheilen.

    »Nun, wie war's auf dem Amt'?« frug der Vater.

    »Ganz wie ich's gedacht hab'. Sie wollt'n Alles wiss'n, ich hab' ihnen aber blos gesagt, daß ich mich weg'n dem König vermaskir'. Dann mußt' ich von Euch erzähl'n und bekam darauf die Erlaubniß, zu thun, was ich für gut halt'.«

    »Ja, warum sagst' doch net, was Dir arrivirt ist im Wald? Wenigstens uns kannst's doch erzähl'n. Wir sind gar sehr erschrock'n, als wir hört'n, daß Du es machst wie der Franz; 'wirst uns wohl auch so ein Herzeleid bringen wie er. Was soll d'raus werd'n?«

    »Nix Anders, als daß ich den König fang', Vater; d'rauf kannst' Dich verlass'n!«

    »Ja, grad so wie der Franz und ich! Dann wirst eines Tag's am Baum gefund'n[,] oder Du kommst eines Morgens heim ohne Aug' und Licht.«

    »Vater, sorg' Dich net! Ich bin groß und alt genug, um zu wiss'n, ob ich sicher geh –«

    »Ich war's auch!«

    »Und grad jetzt nun weiß ich ganz genau, daß er mir nix schaden kann. Er ist schon fest in meiner Hand.«

    »Fest – in Deiner Hand –?« Der Blinde sprang auf, und auch die Mutter trat hinzu. Sie hatte das Wort noch nicht ergriffen, weil der Vater ja auch ihre Gedanken aussprach. »Ist's wahr, Frieder, sag' schnell, ist's wirklich wahr?«

    »So wahr, als ich vor Euch steh!«

    »So red', wer ist's? Schaff ihn mir zur Stell', rasch, jetzt gleich, damit mein täglich Gebet Erhörung find' und ich ihn unter mir zerdrück', wie der Funk' zerstiebt unter dem Hammer, der Eis'n zermalmt. Sag' ihn, bring' ihn; ich will ihn hab'n, ich muß ihn hab'n, sofort und ohn' Verzug!«

    Ein einziger Augenblick hatte den alten Mann in eine Aufregung versetzt, die ihn alles Andre vergessen ließ. Frieder versuchte, ihn zu besänftigen:

    »Du sollst ihn hab'n, Vater, aber jetzt noch net. Es ist noch net die recht' Zeit dazu!«

    »Die recht' Zeit ist stets, ist immer, ist sofort! Oder weißt noch net, wer's ist?«

    »Ich weiß es; aber eh' ich den Namen nenn', muß der Beweis vollständig sein und ohne Lück'. Drum hab' noch eine kleine Zeit Geduld! Du bist der Erst', der ihn von mir empfängt, das will ich Dir versprech'n!«

    Er ging.

    Hinter dem Dorfe, da, wo der Wald sich von der Höhe hernieder zu neigen begann, hatte man einst nach Erz gegraben. Der Ertrag war in der ersten Zeit lohnend gewesen, nach und nach aber so gesunken, daß man den Bau aufgegeben hatte. Noch heut trat die Taubgesteinshalde weit aus dem Berge hervor, um deren Rand sich eine rohe, hölzerne Umzäunung zog zum Zeichen, daß der Zugang für den Unberufenen verboten sei. Der Platz gehörte jetzt zum Areal des Feldhofes, und der jetzige Bauer hatte an Stelle des kleinen, verwitterten Häuschens, welches das Mundloch des noch immer offenen Schachtes bedeckte, eine Scheune errichtet, angeblich, um sich bei der Heu- und Grummeternte am Berge die Mühe des Heimbringens zu ersparen. Der Ort wurde noch heut »die Zeche« genannt, und Niemand kam hinauf, um den Argwohn des gefürchteten Feldbauern nicht zu erregen.

    Frieder richtete es ein, daß er von der Forstseite aus die Halde erreichte und an die hintere Wand der Scheune gelangte, wo man ihn vom Thale aus nicht bemerken konnte. Die Thür war verschlossen, das wußte er; doch kostete es ihm keine große Anstrengung, mit dem Messer einen Laden zu öffnen. Er stieg durch diesen in das Innere und verschloß ihn dann wieder. In einer Ecke der Scheune stieg der Schacht in die Tiefe; seine Mündung war mit Brettern belegt. Der übrige Raum war zur Hälfte mit Heu bis unter das Dach angefüllt. Er stieg hinauf und wühlte sich so zwischen die duftigen Bündel hinein, daß er vor Entdeckung sicher sein und doch Alles überblicken konnte.

    Der Feldbauer hatte bald nach Friedern die Schenke verlassen; die Räder seines Wagens knarrten, er öffnete die beiden Flügel des


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Thores und schob das ungelenkte Fuhrwerk rücklings in die Scheune. Die Pferde blieben unter dem Eingange halten, der eine so geringe Breite besaß, daß Niemand an ihnen vorüber Zutritt nehmen konnte. Nachdem er die Läden einer raschen Besichtigung unterworfen hatte, legte er Jacke und Mütze ab, entfernte die Bretter von dem Mundloche und zog unter dem Heu eine umfangreiche Seilrolle und einen Gegenstand hervor, dessen Zweck Frieder völlig unbekannt war. Er sollte nicht lange über denselben im Unklaren bleiben.

    Nachdem einige Bündel Heu vom Wagen genommen waren, zeigte sich, daß sie nur bestimmt gewesen waren, die eigentliche Ladung dem Auge zu entziehen. Diese bestand in Paketen, kleinen Fässern und Kisten, welche der Bauer mit einer Schnelligkeit ablud, die man seinem massiven Körperbau gar nicht zugetraut hätte. Dann zog er den räthselhaften Gegenstand herbei, welcher aus vier oben in einem Gelenk vereinigten, unten aber sich ankerartig auseinanderbiegenden Eisenstäben bestand, befestigte ihn an dem Seil, belud ihn mit einem Theile seiner Fracht und ließ ihn dann in den Schacht hinab.

    Frieder mußte im Stillen die Klugheit seines Gegners anerkennen, welcher eine Vorrichtung erfunden hatte, die das Abladen überflüssig und jede anderweite Hülfe entbehrlich machte. Denn war die Ladung unten angekommen, so stießen die Ankerarme auf den Boden, legten sich auseinander und warfen ihre Last von selber ab; wurde die Vorrichtung dann wieder emporgezogen, so nahm sie ihre vorherige Gestalt an.

    Auf diese Weise waren die Güter bald in dem Schachte verschwunden; der Feldbauer versteckte die beiden Gegenstände unter das Heu, bedeckte das Mundloch wieder, warf das noch vorhandene Futter vom Wagen und fuhr davon, nachdem er das Thor verschlossen hatte.

    »Jetzt nun kenn' ich das ganz' Geschäft!« athmete Frieder tief auf. »Hier hält er die Einfuhr', ohne daß ein Mensch ein Wort davon erfährt oder mit einer Silb' daran denkt; am Stoll'n ist die Ausfuhr' durch die Pascher, die gar net wiss'n, woher die Päck' und Kist'n kommen, und dazwisch'n ist der Brunnen, durch den er den Auf- und Abstieg nimmt, wenn man im Feldhof denkt, er schläft. Dort muß er auch die Niederlag' hab'n, und in der Mauer, die ich betrachtet hab', ist ein Loch, durch das er geht, obgleich ich's net zu find'n vermocht'. Aber ich werd's noch entdeck'n und zwar heut. Er geht wieder um Acht zum Schlag, wie Martha sagt', und wenn ich auch net beim Stein gewes'n bin, so weiß ich also dennoch, daß seine Leut' bestellt sind; er hat den Zettel dazu wohl gleich in der Früh besorgt, und jetzt, jetzt steigt er durch den Brunnen, um die Güter parat zu mach'n.«

    Er öffnete den Laden und sprang hinaus. Offen lassen durfte er ihn auf keinen Fall, und nur nach langer Mühe gelang ihm der Verschluß. An der Berglehne traf er ganz unerwartet mit dem Buschwebel zusammen, welcher von weiter oben aus dem Walde kam und es so eilig zu haben schien, daß er beinahe von ihm umgerannt worden wäre.

    »Was läufst' hier im Weg herum!« polterte er mit hochgeröthetem Gesicht, welches sich höhnisch verzog. »'Bist ja mehr im Wald als zu Haus; aber ich werd' Dir gar bald das Spazier'ngehn verleid'n!«

    Frieder sah ihn groß an. War der Mann verrückt, daß er nach den Erfahrungen der letzten Zeit noch in diesem Tone sprechen konnte?

    »Feldwebel, mach'n Sie kalte Umschläg', die Hundstag' sind vor der Thür!«

    »Ja, die Tag', wo man die Hund' an die Kett' legt und ihnen den Beißkorb giebt. 'Wirst auch einen bekommen für Dein Herumstreich'n. Und das gar bald; ich sorg' dafür!«

    Er eilte weiter, geraden Weges auf den Feldhof zu. Vom Flur desselben aus erblickte er den Bauer, welcher eben den Schlüssel an die Brunnenstube steckte.

    »Halt, Bauer, komm her!«

    »Was soll's?«

    »Eine Neuigkeit, eine wichtige. Komm herauf in meine Stub', denn hier ist net der Ort dazu!«

    Er schritt voran. Der Bauer folgte ihm halb erwartungsvoll, halb mißmuthig. Er war von ihm in der dringendsten Beschäftigung gestört worden.

    »Nun, Buschwebel, was giebt's, daß ich hierher geschleppt werd'?«

    »Ich hab' ihn; ich hab ihn fest!« antwortete der Gefragte, mit einer Miene im Zimmer hin- und herstolzirend, als habe er eine Schlacht gewonnen.

    »Wen denn?«

    »Ihn und seine ganze Sippschaft!«

    »So sag doch' wen!«

    »Den Waldkönig!«


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    »Bist wohl net bei Trost?« frug der Bauer, die Spannung seiner Züge so viel wie möglich beherrschend.

    »Sogar sehr, ganz ungeheuer bin ich bei Trost! Hab' ich Dir's net gesagt, Feldbauer, daß ich ihn fangen werd'? O, man weiß schon, warum man grad mich herbeigeschickt hat! Und kaum bin ich hier, so ist er auch schon in die Fall' gerath'n. Der Lieutenant ist mir sicher, und mit der Marthe – hm, hübsch ist sie, und bekommen thut sie auch Etwas mit; aber ein Offizier muß auch Am-


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bition [Ambition] halt'n. Wenn sie einen Andern will, so bekomm' ich Zehn dafür.«

    »Aber so red' doch kein solch dummes Zeug, Webel, sondern sprich von der Leber weg! Du hast den Waldkönig? Wo denn?«

    »Beim alten Stoll'n!«

    Der Bauer schrak beinahe sichtbar zusammen.

    »Beim alten Stoll'n! Hast' ihn wohl schon dort?«

    »Ja, wenigstens so gut, als hätt' ich ihn schon! Dir kann


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ich's erzähl'n, denn Du bist der Letzt', der ihn warnt. Aber halt' den Mund, das sag' ich Dir! Also, ich geh' heut in den Wald. Ich hatt' Etwas viel gespeist und die große Hitze, so daß ich müd zu werd'n begann und es für's Best' hielt, mich ein wenig in das Moos zu leg'n. Das war dort auf der Höh', wo die Stein' auf der kleinen Lichtung lieg'n. Da kriech' ich unter die Zweig', streck' mich aus und schlaf' auch richtig ein. Ich weiß net, wie lang ich so geleg'n bin, da wach' ich auf einmal auf: es raschelt in dem Laub. Rasch blick ich durch die Zweig', und was seh' ich? Rath einmal!«


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    »Nun!«

    »Ein Mann steht bei dem Gestein, hebt einen Block in die Höh', blickt darunter, läßt ihn wieder fall'n und geht dann fort!«

    »Was ist's weiter!« meinte der Zuhörer so gleichgültig wie möglich.

    »Was es weiter ist, das wirst' gleich hör'n! Ich bin noch net fertig, mir die Sach' zurecht zu leg'n, da kommt noch Einer, der dasselbe thut, nach zehn Minuten wieder Einer, und so geht es fort, bis ich endlich mich vor Neugierd' net mehr zu halt'n vermag. Ich


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nehm' also die Zwischenzeit gut wahr, spring hin, seh nach, und was hab ich gefund'n, he?«

    »Nur heraus damit; ich bin doch net allwissend!«

    »Unter dem Stein liegt ein Zettel, und darauf steht: [»]Beim alten Stollen, um 10.« Was sagst' dazu?«

    »Das ist ja ganz absonderlich!«

    »Absonderlich blos? Nein, noch viel mehr! Der Waldkönig giebt am Stein seine Bestellung auf; seine Leut' kommen heut' an den alt'n Stoll'n; ich hol' unsere ganze Mannschaft zusammen und fang' sie all' mit 'nander. Weißt', was das ist?«

    »Glück, ungeheures Glück, und noch dazu im Schlaf, grad' wie's im Buch steht! Aber, Buschwebel, nimm's auch in Acht, daß Dir's net wieder davonläuft!«

    »Mir net, drauf kannst getrost Gift nehmen!«

    »Hast' den Zettel mitgenommen?«

    »Fällt mir gar ein! Hält'st mich wohl für auf die Nas' gefall'n ?«

    »Nun, als Beweis!«

    »Das Papier nützt mir nix, die Pascher brauch ich, die will ich hab'n! Aber wenn ich ihnen den Zettel hinwegnehm', so wittern sie Verrath und kommen net.«

    »Das mag wahr sein! Aber 'hast sie doch erkannt?«

    »Keinen! Die in der Näh' wohnen, sind vielleicht schon dagewesen, noch eh' ich recht erwacht bin; doch das schadet nix. Ich weiß, wo sie zu finden sind, und werd' sie all' mit 'nander bekommen.«

    »Aber net auf die Weis', wie Du vorhin sagt'st!«

    »Warum?«

    »Am alt'n Stoll'n, heißt's, aber wo? An einem Punkt von ihm oder an der Mündung?«

    »Hm, ja, das weiß ich net!«

    »Siehst'! Nun nimmst die ganz'n Soldat'n mit, stellst sie auf[,] und grad wo die Schmuggler das Rantewuh hab'n, wie Du sagst, da hast' sie net beisammen. Und denkst' etwa, der Waldkönig ist so dumm und merkt net, daß Ihr da seid? Er hat seine Spion' in jedem Haus, und wenn Keiner 'was sieht, das Gelauf von Euch wird doch bemerkt. Seine Leut' kommen natürlich net anmarschirt wie eine Kompagnie Soldat'n, sondern sie schleichen sich Einer hübsch nach dem Andern herbei, da kannst' wart'n, bis Du sie bekommst!«

    »Das klingt ganz richtig! Aber was soll ich thun?«

    »Buschwebel, Du mußt das ganz von selber wiss'n! Der Feldbauer ist ein Esel, das hast' ja gesagt, net wahr? Wie kann er Dir da sag'n, was zu thun ist?«

    »Hartkopf, der Du bist! Das war ja gar net so schlimm gemeint. Du hast mehr vom Waldkönig gehört als ich, und kennst also seine Schlich' auch besser. Sag', was würdst' thun an meiner Stell'?«

    »Plaudern gar net; zu keinem Mensch'n.«

    »Auch zum Lieut'nant net?«

    »Erst recht net! Oder willst', daß er Dir den Preis wegnimmt? Du mußt ihm ja gehorch'n, auch wenn er die Sach' so anstellt, daß nur er die Ehr' davon hat.«

    »Mein Seel', Du hast recht, Feldbauer! Ich muß die Sach' erst ganz allein auf mich nehmen, und wenn ich den Ort genau kenn', sie so einricht'n, daß ich den Offizier net brauch', nämlich so, daß der Fang so schnell kommt, daß ich keine Zeit hab', ihm vorher Meldung zu mach'n.«            (Fortsetzung folgt.)



Einführung "Der Waldkönig"


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