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KARL MAY

May gegen Mamroth

Antwort an die »Frankfurter Zeitung«





Radebeul b. Dresden, Villa Plöhn, d. 20. August 1899.

Hochverehrter Herr Redakteur!

Da ich weiß, daß das von Ihnen geleitete Blatt nicht zu denjenigen gehört, welche die mehr als bloß gehässigen Angriffe nachgedruckt haben, die jetzt während und vielleicht auch wegen der Abwesenheit des Reiseschriftstellers Karl May von sich dazu berufen wähnenden »Helden der Feder« gegen den jetzt Verteidigungslosen gerichtet werden, so gestatte ich mir die ganz ergebene Bitte, meine gegenwärtige Zuschrift gütigst in Ihre Spalten aufzunehmen. Herr Karl May weiß zwar nichts davon, daß ich mich an Sie wende, aber ich glaube in seinem Sinne zu handeln und fühle mich als sein persönlicher Freund und als der mit seiner umfassenden Korrespondenz Beauftragte innerlich verpflichtet, mich wenigstens mit der einstweiligen Abwehr zu befassen, bis er unterrichtet und dann im Stande ist, selbst einzugreifen, falls er die Waffen, mit denen man auf ihn loshaut und -sticht, für einer Gegenwehr würdig hält.

»Die Redaktionen sollen die Thronsäle der "Königin Presse", die Hochburgen des edlen Journalismus, die Wohnstätten wahrhaft nobler Gesinnung, die Lehrzimmer vornehmer Schreib- und Handlungsweise sein. Sind sie das, lieber Herr?«

Diese Frage richtete May einst in meiner Gegenwart an einen ihn besuchenden Redakteur. Die Antwort klang genau so, wie diejenige des geneigten Lesers am Schlusse dieser Darstellung klingen wird!

Es war im Jahre 1891, kurz nachdem Karl May den Verlagsvertrag mit F. E. Fehsenfeld unterzeichnet hatte, als ich ihn fragte, ob er glaube, mit diesen seinen Büchern gute Geschäfte zu machen. Er antwortete:


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»Nicht nur gute, sondern ganz außerordentliche. Fehsenfeld hat eine glückliche Nummer gezogen. Das glaube ich nicht nur, sondern ich bin überzeugt davon, denn ich weiß, was und warum ich schreibe, und ich kenne meine Leser. Man gibt mir die Ehre, mich einen Jugendschriftsteller zu nennen; ich bin es nicht und ich bin es doch. Ich schreibe nicht für die Schul-, sondern für die geistige Jugend, für die Herzen, welche nie alt werden, für die Gemüter, welche sich ihre Ideale nicht stehlen lassen, für die frohgemuten Konstitutionen, durch deren Adern ein gesundes Blut von einem kräftigen Puls getrieben wird. An solcher Jugend ist mein liebes Deutschland reich und wird es immer bleiben. Das sichert mir die Zukunft meiner Werke, von denen, wie du ja weißt, der junge westfälische Graf mir kürzlich schrieb: "Solange es gesunde Deutsche gibt, wird May gelesen werden."

Und ich schreibe für die an Liebe Armen und Bedürftigen, für die, welche sich nach innerem Frieden sehnen, für alle die, welche anklopfen, aber keiner tut ihnen auf. Das sind ungezählte Tausende, welche mich jetzt und nach meinem Tode lesen werden. Das klingt freilich, als ob ich eingebildet auf meine Werke sei, als ob ich nach nichtigem Ruhme, nach literarischer Größe strebe. Aber ich bitte dich, dies ja nicht zu denken, lieber Freund. Auf solchen Ruhm und solche Größe verzichte ich ein für allemal, und zwar ganz gründlich gern. Warum? Ich will es dir sagen:

Ich hatte eine Großmutter, die konnte so lieb, so lieb von ihrem Herrgott, vom Himmel, von den Engeln, vom Glauben, von der Liebe und der Seligkeit dort über den Sternen sprechen. Ich war ihr Lieblingsenkel und ich habe das von ihr geerbt. Sie ist jetzt droben bei dem, an den sie glaubte, ich aber spreche an ihrer Stelle weiter. Und ich hatte einen Paten, welcher als Wanderbursche weit in der Welt herumgekommen war. Der nahm mich in der Dämmerstunde und an Feiertagen, wenn er nicht arbeitete, gern zwischen seine Kniee, um mir und den rundum sitzenden Knaben von seinen Fahrten und Erlebnissen zu berichten. Es war ein kleines schwächliches Männlein, mit weißen Locken, aber in unseren Augen ein gar gewaltiger Erzähler voll übersprudelnder, mit in das Alter hinüber geretteter Jugendlust und Menschenliebe.

Alles, was er berichtete, lebte und wirkte fort in uns; er besaß ein ganz eigenes Geschick, seine Gestalten gerade das sagen zu lassen, was


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uns gut und heilsam war, und in seine Erlebnisse Szenen zu verflechten, welche so unwiderstehlich belehrend, aneifernd oder warnend auf uns wirkten. Wir lauschten atemlos, und was kein strenger Lehrer, kein strafender Vater bei uns erreichte, das erreichte er so spielend leicht durch die Erzählungen von seiner Wanderschaft. Er hat seine letzte Wanderung schon längst vollendet; ich aber erzähle an seiner Stelle weiter. Nun kennst du meine Absicht, ich will kein Schriftsteller, kein Romancier, kein Novellist, kein Gelehrter, kein Geograph, kein Ethnolog sein, sondern ich will meinen Lesern das sein, was meine Großmutter und mein Pate mir gewesen sind, und wenn es mir gelingt, ihnen dies zu werden, so bin ich mehr als zufrieden, denn ich habe das große Ideal meines Lebens erreicht: Ich gebe ihnen spielend und in Liebe das, was sie sich sonst im Kampfe mit der Härte des Lebens mühsam zu erringen hätten.

Ich habe in meinen "Geographischen Predigten" diesen nun endlich erscheinenden Bänden eine erklärende Einleitung vorausgeschickt. Sie enthalten fünf Kapitel: "Himmel und Erde", "Erde und Meer", "Strom und Straße", "Stadt und Land", "Haus und Hof", das letzte Kapitel ausklingend in "Gotteshaus und Kirchhof", von wo aus die Seele zur Heimat zurückkehrt, der sie im ersten Kapitel "Himmel und Erde" entstiegen ist. Diese "Geographischen Predigten" enthalten die ganze vollständig festgestellte Disposition meiner Werke, nach welcher ich ganz genau gearbeitet habe und auch weiter arbeiten werde. Sie enthalten ferner eine ausführliche Erklärung der Gründe, warum ich meine "Predigten" in das Gewand der Reiseerzählungen kleide und darum gezwungen bin, auch wirklich Reisen zu unternehmen, und zwar nicht in gewöhnlich touristischer, sondern in einer solchen Weise, daß ich möglichst viel erlebe. Sie geben sodann an, warum ich mich dessen, was die Herren Schriftsteller "Styl" nennen, nicht im mindesten befleißen werde. Was verstehst du überhaupt unter Styl, lieber Freund? Kannst du mir es sagen? Nein; kein Mensch kann es! Unter Styl versteht man die Scheuleder und Aufsatzzügel des Autorenschimmels. Styl ist die Allerweltssauce, welche man in gewissen Speisehäusern in allen Fleisch- und Gemüsearten, ebenso zu Rindsfilet und Rebhuhn, wie auch zu Kalbsbraten und Ente bekommt.

Styl ist die literarische Schnurrbartbinde, die sorgfältig und mit vieler Mühe eingeplättete Kavalierfalte an der Schriftstellerhose. Es


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gibt Schriftsteller, welche weder Geist noch Kenntnisse noch sonst etwas haben, als nur den Styl. Man besitzt stylvolle Zimmer, wohnt aber nicht darin. Ein Kommis rühmt sich seines guten Styles, wenn er sich um eine Stelle bewirbt. Ich mag diesen Ruhm nicht, und wenn ein Kritiker oder Redakteur meinen Styl tadelt, so läßt mich das vollständig kalt, weil ich mich ja nie um eine Anstellung bei ihm bewerben werde. Und wagt es etwa jemand, auch nur eine Zeile meines Manuskriptes zu ändern oder gar sogenannte Verbesserungen anzubringen, so bekommt er keinen einzigen Buchstaben mehr von mir. Du weißt ja, wie streng sich meine Verleger an diese meine stets allererste Bedingung zu halten haben. Es ist genug, daß ich ihnen die neue, noch gar nicht reife Orthographie gestattete, Korrekturen aber auf keinen Fall; denn jedes meiner Worte ist mein unangreifbares geistiges Eigentum. Andere mögen sich von den Redaktionen um- und ausflicken lassen, ich nicht! Wie mich mein Pate zwischen seine Kniee nahm und ohne Styl und Zaudern zu mir sprach, so will ich es auch mit meinen Lesern halten. Man wird meine Erfolge vielleicht dem Umstande zuschreiben, daß ich in der ersten Person erzähle. Ich schreibe in der dritten wenigstens ebenso erfolgreich. Der Grund ist nur der: Ich schreibe hundert, zweihundert, wenn es drängt, auch dreihundert Seiten ohne alle Pause, ohne zu schlafen und zu essen. Das weißt du ja. Wie es aus denn Herzen kommt, so fliegt es aufs Papier, und geht von da wieder zum Herzen. Es ist das eine direkte Sprache von Gemüt zu Gemüt, durch keinen Styl um ihre Ursprünglichkeit, Unmittelbarkeit und Herzlichkeit gebracht. Ich lese keine Manuskripte noch einmal durch; ich ändere kein Wort; ich schicke es fort, wie es aus der Feder kam, und ganz genau so muß es gedruckt werden. Jede redaktionelle Änderung zerschneidet den Faden zwischen mir und dem Leser, und wenn der hochweise Herr ihn auch wieder zusammenknüpft, es entsteht ein Knoten, den ich nicht dulden kann, weil er die direkte Wirkung hemmt und stört. Hierin aber auch ganz allein hierin liegt das Geheimnis meiner bisherigen und wahrscheinlich auch späteren Erfolge. Ich künstele und feile nicht; mein Styl ist Natur. Darum wird mich jeder natürlich fühlende und natürlich denkende Leser lieb gewinnen, während die Angehörigen des alternden Federtums und alle anderen sonstigen Pedanten mich zu ihren Antipoden verweisen werden, wohin ich allerdings auch gehöre. Ich weiß, ja ich


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habe es sogar auch beabsichtigt, daß meine Erzählungsweise ein ganz neues Literatur-Genre bildet. Auch hierzu ist die Erklärung in meinen "Geographischen Predigten" zu lesen. Man hat mich ob dieser Weise mit Verne verglichen; aber jener süddeutsche Kritiker hat sehr recht, welcher sagt: "May mit Verne zu vergleichen, ist barer Unsinn; sie stehen einander ferner als je zwei andere beliebige Autoren." Man wird noch ganz andern und noch viel größern Unsinn über mich schreiben und auch drucken; das weiß ich schon jetzt, denn wer die "Geographischen Predigten" nicht gelesen hat, ist vollständig unfähig, meine Voraussetzungen und Ziele zu kennen, meine Art und Weise zu begreifen, mein Denken und Wollen zu verstehen und ein gerechtes Urteil über meine Werke zu fällen; die Herren von der Kritik haben aber, wie es scheint, nicht die mindeste Notiz von ihnen genommen. May war ein ihnen unbekannter Mann, und so befürchte ich, daß ihnen, wenn sie nun Notiz von mir zu nehmen beginnen, Alles ebenso unbekannt geblieben sein wird, was sie wissen und kennen müßten, um über den Wert oder Unwert meiner Werke entscheiden zu können. Ich hasse die Kritik keineswegs; nein, ich liebe sie; ich will sie haben, auch über meine Werke, sogar streng, aber gerecht. Ich fordere aber, daß der, welcher mich kritisiert, mich nicht nur gelesen, sondern studiert hat, und zwar von der ersten bis zur letzten meiner Arbeiten, die so organisch zusammenhängen, daß sie nur im Ganzen zu beurteilen sind.

Und da, lieber Freund, weiß ich schon jetzt, was geschehen wird. Ich lege die Sonde an die großen Wunden der Gegenwart; das schmerzt. Ich zeige die Heilung auf denn Wege des Glaubens, der Liebe und des Friedens. Es gibt aber Unzählige, welche diesen Glauben, diese Liebe und diesen Frieden nicht wollen; sie werden über mich herfallen. Das ist die Reaktion, auf welche ich mich freue, auf welche ich mit Sehnsucht hoffe; denn tritt sie nicht ein, so habe ich in die Luft geschrieben, und der Wert meiner Werke ist gleich Null. Tritt sie aber ein, wenn auch in noch so feindlich gegen mich gerichteter, aber natürlicher und ehrlicher Weise, so werde ich diesen Gegnern mit Freuden Stand halten, denn ich weiß, sie selbst zwar versagen mir ihre Zustimmung, aber ihre Kinder und Enkel werden um so eifriger über meinen Büchern sitzen und dann an ihnen finden, was die Väter nicht gefunden haben, weil sie es absolut nicht finden wollten. Das ist die Reaktion, auf welche


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ich mich freue, denn sie kommt mir von braven, ehrlichen, gesinnungstüchtigen Gegnern. Leider aber sind noch andere Strömungen zu erwarten, trübe, unlautere Wasser, die aus sumpfigem Boden fließen. Es wird eine Kritik geben, welche meine Werke verurteilt, obgleich und weil sie meine "Geographischen Predigten" nicht kennt. Diese Einleitungsschrift ist zwar vielerorts, auch im Kürschner, ganz deutlich angegeben, aber was kümmert das einen Kritiker, der sich nun einmal fest vorgenommen hat, einen ihm unsympathischen oder unbequem gewordenen Autor an den Marterpfahl zu binden und bei lebendigem Leibe abzuschlachten. Ich kenne solche Herren. Diese Art der Kritik überspringt sogar die alleräußerste Schranke literarischen Anstandes, indem sie persönlich wird, und wenn sie sich dem Werke ohnmächtig gegenüber sieht, in den Privatverhältnissen des Verfassers nach Wunden sucht, um ihn dann öffentlich verbluten zu lassen. Das ist aber vorzugsweise italienische und französische Gepflogenheit. In den Journalen Seinebabels kann man solche Kafillerszenen öfter vor sich gehen sehen. Es sind das Scheußlichkeiten, deren unsre deutsche Presse denn doch nicht fähig ist.

Auf diese Art der Kritik, welche meine Werke verurteilt, ohne die Hauptsache für den Kritiker, nämlich ihre Vorbedingungen zu kennen, freue ich mich zwar nicht, aber ich habe auch nicht den mindesten Grund, mich vor ihr zu fürchten. Wo der Grund und Boden fehlt, fällt der Bau von selbst zusammen. Da es ihr unmöglich ist, den Inhalt zu erfassen, wird sie sich höchst wichtig mit den Nebendingen, den Äußerlichkeiten befassen, sie wird den Styl tadeln. Na, diesen Genuß gönne ich ihr sehr gern, wenn sie nur auch selber Styl im Tadel hat. Da sie meine Einleitung nicht kennt, wird sie nicht wissen, in welches Fach und da wieder in welche Büchse die Werke Mays gehören. Im großen literarischen Krämerladen muß doch Ordnung herrschen, damit, wenn der Bauer Tabak oder der Backfisch Bonbons verlangt, die Kritik in ihrer "Bücherschau" nur nach den betreffenden Kästen zu zeigen braucht. Wo nun da hin mit mir? Natürlich "Jugendschriftsteller", "Indianergeschichten"! Wie falsch, wie grundfalsch! Sie wird ferner tadeln, daß ich mich so oft wiederhole. Ja, wenn ich z. B. einen Menschen täglich sehe und nicht Geist genug besitze, mich mit seinem inneren Leben zu beschäftigen, so werde ich seiner überdrüssig, und mag schließlich nichts


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mehr von ihm wissen. So auch mit meinen Erzählungen, von denen ich so frei bin zu behaupten, daß eine Seele in ihnen wohnt, welche man nur dann lieb gewinnt, wenn man sich Mühe gibt, sie zu beobachten. Ich führe den Leser vorzugsweise in die Prairie, die Savanne, in die Steppe, die Wüste. Es ahnt wohl kaum ein Leser, wie sehr ich mir meine Aufgabe dadurch selbst erschwert habe. Glaube, Liebe, Friede ... bei solcher Szenerie, solcher Staffage! Aber grad diese Schwierigkeit hat mir die Arbeit lieb gemacht. Es ist nichts Großes, in der Kirche vom Glauben, im Hospiz von der Nächstenliebe und beim Busenfreunde während der Nachmittagszigarre vom Frieden zu sprechen; aber diese Lehre grad da wirken zu lassen, wo ihr der größte Widerstand entgegentritt, das ist gar nicht so leicht, wie man denkt. Man lese meine Nachahmer, oder gar die, welche ihre Indianer- und sonstigen Geschichten unter meinem Namen schreiben! Man bedenke auch, was die Prairie, die Steppe, die Wüste in Beziehung auf Tier- und Pflanzenleben bietet. Entweder fast nichts, wie z. B. die Sahel, oder wenig Arten bei allerdings viel Individuen. Dementsprechend zeigt sich, wie überall, das Menschenleben in seinen Beziehungen und Äußerungen. Sucht der Erzähler da nach Stoff, so findet auch er sehr wenig Arten, aber unzählige Wiederholungen. Man frage tausend Indianer, tausend Beduinen, sie sollen auch verschiedener Stämme sein, nach erzählenswerten Ereignissen aus ihrem Leben; man wird immer wieder dieselben oder doch ganz ähnliche Szenen hören. Soll ich nun etwa einer oberflächlichen Kritik wegen ein Land oder ein Volk ganz anders schildern, als es in Wirklichkeit ist? Soll ich Lebensbeziehungen finden und dorthin tragen, wo sie unmöglich sind? Mit einem anderen Worte: Soll ich unwahr schreiben, weil irgend Jemand am Redaktionspult besser und angenehmer unterhalten sein will als ich selbst, wenn ich mich in der Öde oder im Duar befinde? Die Kritik soll mich nicht tadeln, sondern es mir danken, daß ich nicht unwahr schildere, sondern es verschmähe, in der Weise wie meine Nachahmer, welche die Früchte meiner Bäume ernten, Szenen in die Ganz- oder Halbwildnis zu verlegen, welche in eine Dorf- oder gar Salongeschichte gehören! Dabei ist zu bedenken, daß ich aus sehr ernsten Gründen für mich das für Andere so außerordentlich ergiebige Motiv der Geschlechtsliebe vollständig ausgeschlossen habe. Nichtkenner faseln zwar davon, daß das Familienleben der Indianer und


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Beduinen kein inniges sei. Ich sage, es ist wenigstens ebenso innig wie bei uns, tritt aber nicht so an die Öffentlichkeit. Ich habe da freiwillig auf einen wahren Reichtum an Sujets verzichtet, teils aus religiösen, teils aus ethischen Gründen, doch aber auch, wie ich aufrichtig gestehe, um den allerdings höchst schwierigen Beweis zu führen, daß man ein viel und gern gelesener Verfasser werden kann, auch ohne die Untreue, den Ehebruch oder das Thema: sie wollten sich zwar, sollten sich aber nicht kriegen und kriegen sich endlich doch, immer wieder zu variieren. Dieser Beweis ist mir gelungen; der Tadel berührt mich nicht, zumal er der Unkenntnis und der Oberflächlichkeit entspringt. Wenn ich nämlich zugebe, daß die von mir erzählten Begebenheiten rein äußerlich oft Ähnlichkeit mit einander besitzen, ein Mangel an Abwechslung, den man aber nicht mir, sondern dem dortigen Leben anzurechnen hat, wird jeder wohlmeinende und nicht absichtlich übelwollende Leser finden, daß dieser äußere Mangel durch liebevolles Eingehen auf das innere Leben und dessen Reichhaltigkeit mehr als vollständig ausgeglichen wird. Wer allerdings mit dem Vorsatze, mich literarisch anzurempeln, nur so obenüberhin nach Kampf und Mord und Blut sucht, der wird davon nichts merken, sondern eben anrempeln.

Ferner wird die sonderbare Frage erhoben werden, ob ich das, was ich erzähle, auch wirklich Alles und zwar bis zu dem Tüpfelchen auf dem i erlebt habe. Man sollte es zwar nicht für möglich halten, aber es wird doch wohl geschehen, wenn auch gewiß nicht von einem Einzigen von denen, welche meine "Geographischen Predigten" gelesen haben.

Der verständige Leser wird das als eine geistige Pfennigfuchserei bezeichnen, die, wenn man ihr einen ganzen Sack voll verschiedener Geldstücke schenkt, des Goldes und des Silbers gar nicht achtet, aber die Heller und die Paras, 40 auf den Piaster zu 16 Pfennigen, mit peinlicher Genauigkeit nachzählt. Diese guten, so sehr besorgten Seelen verweise ich auf meine Biographie, welche genau zur rechten Zeit bei Fehsenfeld erscheinen wird, der das alleinige Recht des Verlages besitzt.

Diese und wahrscheinlich noch manche andere rein äußere Frage, die ich nicht vorher wissen kann, wird man, so zu sagen, an die Umschläge, die Einbände meiner Bücher richten, die Seele aber, welche ihnen innewohnt, das in ihnen lebende, treibende und entwickelnde


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Prinzip, welches von dem Leser erkannt und aufgenommen werden soll, um nun auch in ihm zu wirken, darnach wird wohl niemand fragen, höchstens wird man sagen, daß es sich für einen Verfasser von Reisebeschreibungen nicht gut schicke, den frommen Mann zu spielen, weil religiöse Bemerkungen an so ungeeigneter Stelle gar nicht passend seien.«

II.

In dem Artikel I habe ich ziemlich genau wiedergegeben, was May damals sagte. Es interessierte mich so, daß ich es möglichst wortgetreu aus dem Gedächtnisse niederschrieb, um später zu wissen, ob es in der Weise, wie er gemeint hatte, eingetroffen sei. Jetzt nun hat sich alles erfüllt; die gesunde, ehrliche Reaktion ist da, denn die Gegner des positiven Glaubens gehen sehr kräftig gegen die May-Bände vor; auch die »trüben Strömungen« sind da, und nur in Einem hat er sich leider, leider sehr geirrt, nämlich darin, daß die »Kafillerszenen« nur im Seinebabel zu beobachten seien.

Es war ein Irrtum von ihm, zu meinen, daß die deutsche Presse einer solchen Abschlachtung nicht fähig sei. Und zwar ist er es selbst, den man »an den Marterpfahl gebunden« hat. Man höre, wie von den weißen christlichen und anderen Indsmen verfahren worden ist! May reiste im vorigen Jahre nach Wien, eingeladen vom Grafen J. Beider Geburtstagsfest fällt auf den selben Tag und sollte in dem gräflichen Hause gefeiert werden. Dieser Aufenthalt war nur auf einige Tage berechnet, dehnte sich aber auf 5 Wochen aus. Warum? Seine Leser hielten ihn dort fest, aber leider war dies nicht allein der Fall, sondern eine Krankheit hielt ihn fest, ein in seiner Familie erbliches Hämorrhoidalleiden, kompliziert mit einem Aufbruche einer alten schlecht vernarbten Wunde. Er kam dem Tode nahe, und nur seine Riesennatur, die ihn selbst bei fünf auf einmal genommenen Schlafpulvern wach erhielt, rettete ihn. Der Arzt, ein Jude, hatte noch nie einen solchen Patienten gehabt, der trotz der sichtlich außerordentlichen Schmerzen stets so heiter scherzte und sich nicht von ihm verbinden ließ. May kennt seine Konstitution am besten und läßt keinen Arzt an sich heran; außerdem hatte dieser Herr eine schwere Hand.


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Hier nun bot sich ein willkommener Griff zum Packen. Warum darf der Arzt ihn nicht verbinden? Ah ...! Oh ...! Hm ...! Es wurde das Gerücht verbreitet, May leide an einer schlechten Krankheit. Man denke! Aber das genügte noch nicht. Zwar, er war hoffentlich nun gesellschaftlich tot; aber man mußte auch seine Frau umbringen. Darum wurde auch das Nötige gegen seine Frau hinzugefügt. Die Feder sträubt sich, dies zu schreiben, aber zur Kennzeichnung der Mittel, zu denen die Gegner griffen, muß und muß es dennoch geschrieben werden. Hoffte man beide gesellschaftlich umgebracht zu haben, so genügte das auch noch nicht, denn er schrieb ja fröhlich weiter. Man mußte ihn auch geistig umbringen. Dies war ja auch so leicht.

May übte sich damals in der an Schnalzlauten so reichen Namaqua-Sprache und hatte in Gesellschaft einen ihm dabei vorgekommenen heitern Passus zum Besten gegeben. Da es keinen Namaqua gab, mit dem er sprechen konnte, war er gezwungen, mit sich selbst zu sprechen, und zwar laut. Ein bei ihm neu eingezogener Dienstbote vom Lande geht an der Tür der Studierstube vorbei, hört drinnen die so fremd klingenden, mit Zungenschnalzen untermischten Laute, läuft schleunigst zur Herrin und meldet: »Der Herr schreit oben wie verrückt; kommen Sie schnell herauf!« Dieses von ihm selbst herzlich belachte Intermezzo wurde so herumgedreht, daß es folgende Fassung bekam: Die Herrin kommt plötzlich voller Angst in die Küche gerannt und ruft: »Mein Mann schreit oben in seinem Zimmer herum, er ist verrückt geworden!« Hierauf war in den Zeitungen schwarz auf weiß zu lesen, daß May wahnsinnig sei. - Ein Blatt druckte es vom andern ab, ohne es für der Mühe wert zu halten, sich vorher an der einzig richtigen Stelle zu erkundigen. Hunderte von besorgten brieflichen Anfragen seiner Leser gingen bei May ein; er ließ sie lächelnd in den Papierkorb gleiten und sagte nur: »Man soll bald lesen, ob ich verrückt geworden bin!«

Er schrieb gerade an seinem wunderbaren Band »Am Jenseits«, der einen beispiellosen Absatz fand und den seit langer Zeit kräftigsten Schlag in das Gesicht des Unglaubens bedeutet.

Hierauf gab die schon seit Jahren gegen ihn so rührige »Frankfurter Zeitung« die erste Antwort. Schon Weihnachten 1897 hatte sie im Gefühl ihrer Autorität bestimmt, daß »Karl May auf den Index gehöre«. Seine Leser lachten damals recht herzlich über den Demokraten, der


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sich geberdete, als ob er selbst so fest auf dem heiligen Index sitze, daß nur ihm allein das Recht zustehe, zu bestimmen, wer neben ihm Platz zu nehmen habe. Jetzt nun ereignete sich etwas, was man für eine gegen die »Frankfurter Zeitung« schlecht erfundene Anekdote halten würde, wenn es nicht in ihren eigenen Spalten gestanden hätte. Sie führte nämlich gegen den Verfasser von »Am Jenseits« ein Davidlein ins Feld, dessen Schleuder folgendes Geschoß enthielt: May kann nicht in Amerika gewesen sein, weil er in seinem »Winnetou« behauptet, ein texanischer Fluß, ich weiß nicht, welcher, sei schiffbar, während es doch in Texas keinen schiffbaren Fluß gibt. Auch behauptet er, von einem Ort zum anderen in kürzerer Zeit geritten zu sein als der Bahnzug braucht, diese Strecke zurückzulegen. Dieses entsetzliche Geschoß wurde also wirklich geschleudert.

Bisher weiß aber Niemand, wen es getroffen hat. Ich will verraten, daß ich es aufgefangen habe und jetzt mitleidig wegwerfe. Nämlich wer ist dieser David? Die in Anonymen gegen May so überreiche »Frankfurter Zeitung« nannte ihn »ein mehrjähriger Texaner auf dem Hunsrück«. Alle Art von Hochachtung, aber wenn dieser kleine »Mehrjährige« keine Erfindung ist, sondern wirklich ganz echt texanisch auf dem Rücken des Hunnen herumkrabbelt, so mag er sich doch beeilen, baldigst sechs Jahre alt zu werden, damit er in die Schule kommt. Dort kann er erfahren, daß es in Texas sogar mehrere schiffbare Flüsse gibt, nicht nur den einen, dessen Topographie May so genau gibt, daß dem unschiffbaren Mehrjährigen nur die einzige Ausrede übrig bleibt, er habe nicht von Texas gesprochen, sondern nur behauptet, daß der Hunsrück nicht schiffbar sei. Er lasse doch einmal nachzählen, wie viele amerikanische Fahrzeuge z. B. während des mexikanischen Krieges in den Rio Grande gekommen sind! Und höchst lustiger Weise kennt er den Namen des Flusses nicht, den er meint! Ebensowenig gibt er bei seiner Behauptung die Namen der Orte an! Heraus mit ihnen! Aber bitte, ja keine Verwechselung, mein "Ia in Geographie«! In den Vereinigten Staaten und auch in Texas gibt es bekanntlich eine Menge gleichlautender Ortsnamen. Ein deutscher »Einjähriger« würde sich da wohl leicht zurechtfinden, ob aber wohl auch ein texanischer »Mehrjähriger«, das ist bei seinen bisherigen Leistungen sehr zweifelhaft! Übrigens, da ich in Sachsen wohne, liegt mir ein erklärendes Beispiel


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aus diesem Lande nahe. Nämlich, wenn ich von Meissen nach Tharandt reite, komme ich dort eher an, als wenn ich die Eisenbahn benutze.

Jetzt bin ich mit dem Hunsrück in Texas fertig und habe nur noch zu fragen: Wer bringt Unwahrheiten, May oder die »Frankfurter Zeitung«? Warum hat der Redakteur das Gewäsch aufgenommen, ohne vorher, wie es seine Pflicht war, im Lexikon nachzuschlagen? Oder hätte er doch nachgeschlagen? Hm! Warum spielt er einen namenlosen Unwissenden gegen einen namhaften deutschen Schriftsteller aus? Was aber sonderbarer als das Alles ist: Drei Dutzend Zeitungen drucken den berühmten Fall »Der mehrjährige Hunsrück contra Karl May« ganz wörtlich nach, ohne sich vorher darüber zu unterrichten, ob der Vorwurf begründet ist oder nicht. May soll und muß sich derartigen Waffen aussetzen; der Mehrjährige darf sich hinter seine notorische Unsichtbarkeit verkriechen!

Wen bringt die »Frankfurter Zeitung« dann? Wieder einen Unbekannten! Sie bezeichnet ihn als einen im Rheinlande lebenden Sachsen. Ich will anständig gegen diesen Herrn sein und ihm verraten, daß die Redaktion vorläufig seinen Namen nicht nennt, vielleicht auch nicht nennen kann, jedenfalls sage ich der Redaktion, daß eine Buchkritik nicht das mindeste mit den Privatverhältnissen und gar der Frau des Verfassers zu tun hat, daß die Herabwürdigung seines Schriftstellerrufes einem Autor ganz bedeutenden pekuniären Schaden bereiten kann und daß es in dieser Beziehung Schadenersatzklagen gibt. Dies nur nebenbei zur anderweitigen Warnung. Mein Freund ist nämlich gar nicht der May, welcher für Dittrich und der Ihren kühnen Wildschütz Karl Stülpner geschrieben hat. Wer solche unwahren Behauptungen verbreitet, muß sich die Folgen gefallen lassen.

Wer kommt nun? Ein Berliner Schriftsteller in Lausanne, natürlich auch ungenannt. Man möchte diese Leute doch gar zu gern entdecken, doch geht das nicht, weil sie Alle so schlau gewesen sind, nicht daheim zu bleiben. Der Texaner auf dem Hunsrück, der Sachse im Rheinland und der Berliner gar in der Schweiz. Das ist doch höchst beklagenswert! Der letztere Herr flößt mir unendlichen Respekt ein: er ist ein Mann von ungeheurer geistiger Kürze. Er tut einen Autor, der ca. 40 Bücher geschrieben hat, mit 6 1/2 Zeilen ins Irrenhaus. Bestehen seine schriftstellerischen Leistungen vielleicht aus ebensovielen Zeilen? Er scheint


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dabei gern nachzuschreiben, denn sein »Psychiater« erinnert allzusehr an den »Wahnsinn« in München und Wien, an welchem nur May nicht litt. So eine Hinrichtung in 2 1/2 Sekunden bringt die »Frankfurter Zeitung« und wird leider von anderen Zeitungen nachgedruckt.

Weiter! Ein Lehrer aus Karlsruhe. Dieser Mann gefällt mir, denn er ist doch wenigstens zu Hause geblieben, von seiner Einsendung ist freilich sehr zu wünschen, daß sie ihm dort treu geblieben wäre. Oder ist auch er in der Fremde? Das Wörtchen »aus« läßt das vermuten. Man sieht, wie unbequem für den ehrlichen Mann, der seinen Namen nennt, solche Ano- und Pseudonyme sind. Das, was sie vorbringen, hat ja nicht den mindesten Wert. Keine Käsefrau hätte etwas hineingewickelt; die »Frankfurter Zeitung« bringt aber nicht nur das Papier, sondern auch den Käse, aber nur die Namen nicht, und wieder druckt man nach! Und May ist der Überzeugung gewesen, daß die deutsche Presse solcher Kafillerei nicht fähig sei!

Aber noch bin ich nicht fertig, es kommt noch das Ende, und das ist unbedingt die Krone des Ganzen.

Trotz all der bisherigen Angriffe lebt May noch, sogar in voller Rüstigkeit. Dieser Mann ist nicht umzubringen! Jetzt ist er gar wieder unterwegs nach Afrika und Asien. Höchst wahrscheinlich bringt er von da eine Fülle von Sujets für neue Bände mit! Diese Fortschreiberei des Verhaßten muß unterbleiben! Kein weiteres Werk darf Absatz finden! Aber wie das anfangen? Was da tun? ... Wie, wenn er Deutschland gar nicht verlassen hätte, sondern irgendwo steckte? Wenn diese Reise fingiert wäre? Einer solchen Entdeckung wäre ja der großartigste Erfolg sicher.

Man merke wohl: Ich schiebe diesen Gedankengang keinem Menschen unter, ich verdächtige Niemand. Ich staune nur darüber, daß das Alles so schön zusammenhängt, wie bei einem organisch aufgebauten Bühnenstück, und füge meine eigenen teuflischen Einflüsterungen hinzu: Die Hinrichtung in Wien hatte damals keinen Erfolg, sie werde wiederholt! Er hat seine Reise gar nicht unternommen; Beweis: er trug sich, während er vorgab, in Afrika zu sein, an einem deutschen Orte in das Fremdenbuch ein. Was für ein Ort? Kommt man auf seine »schlechte" Wiener Krankheit zurück, so ist ein Jodbad, wo mit dergleichen deprimierenden Übeln behaftete Personen Heilung suchen, hierfür der ge


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eignete Ort. Die Gegner Mays sind ja an dem, was nun geschieht, vollständig unschuldig, ganz und gar unschuldig. Jedoch wie ähnlich meine Gedanken den Gedanken anderer Leute sind, mögen nachfolgende Ausdrücke zeigen.

»Ich kann Ihnen sagen, daß es in Tölz kühler ist als in Afrika und daß jetzt kein Mensch dorthin geht. Was den Brief aus Nubien betrifft, so hat Frau May ihn einfach in die betreffende Zeitung lanciert. Erst kamen kleine Artikel, daß die Gattin Mays bei einem Kommerzienrat weile; dies waren die Vorbereitungen, und dann wurde der Brief eingeschoben ...«

Plötzlich berichtete eine Leserin, natürlich auch ungenannt, aus dem Jodbad Tölz, daß Karl May, der nach seinen eigenen Angaben gegenwärtig »vom Sudan zu dem ihm befreundeten Araberstamm der Haddedihn reitet«, der letzten Kurliste zufolge im Hotel »Bürgerbräu« als Kurgast abgestiegen sei. Die liebenswürdige, pflichteifrige »Frankfurter Zeitung« telegrafiert natürlich sofort nach Tölz und erhält folgende Drahtantwort: »Karl May, Fremdenbuch eingetragen, persönlich unbekannt.« Sie veröffentlicht das natürlich sofort und fügt in wirklich beneidenswerter breiter Behaglichkeit hinzu: »Sollte der Araberstamm der Haddedihn, mit welchem Karl May befreundet ist, am Ende gar in Oberbayern hausen?«

Ich gestatte mir zu sagen: Die fadenscheinige Dürftigkeit dieses neuen Manövers ist wirklich zum Erbarmen. May gibt vor, in Afrika zu sein, steckt aber in Tölz. Er, der das Einkommen eines Millionärs bezieht, welches er allerdings größtenteils zu wohltätigen Zwecken verwendet, wofür er jetzt mit Wonne abgeschlachtet wird, er kommt nur bis Tölz, er kann nicht einmal über die Grenze, um sich jenseits zu verstecken. Jedenfalls fehlt ihm das Geld dazu. Höchst sonderbar! Er hat doch am 26. März, als er von daheim abreiste, 25 000 M Reisegeld mitgenommen, und zwar in Circular Letters of Credit, die in jedem größeren Orte Afrikas und Asiens und in Deutschland überall honoriert werden! Wo ist die Summe hin? Es kann ja doch nur die Geldnot sein, die ihn in Tölz angenagelt hat. Ah, Jodbad! Und dieser May, der Verfasser von ca. 40 Büchern, schreibt in Tölz seinen Namen in ein Fremdenbuch, während er Alles in Bewegung gesetzt hat, die Welt glauben zu machen, daß er sich in Afrika befinde. Wer ist da wahn


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sinnig? May, der das tut? Oder, da er es nicht getan hat, der Redakteur, der es in seiner Zeitung bringt? Und da ich nicht der Mann bin, mir einen wahnsinnigen Redakteur denken zu können, so frage ich billig: Wie hat dieser Redakteur, und wie haben alle ihn kritiklos nachdruckenden Redakteure gehandelt, als sie über ganz Deutschland und Österreich und so weit die deutsche Zunge klingt, ohne alle vorherige Prüfung verkündeten, daß der gelesenste Schriftsteller der Gegenwart den ungeheuren Schwindel begangen habe, in Tölz zu stecken, während er überall, sogar an Fürstenhöfen glauben machte, er sei nach dem Sudan gegangen? Es ist das so über alle Maßen beispiellos, daß ich getrost behaupten kann: So lange die Erde steht, hat noch nie die Presse irgend eines Landes in dieser haarsträubenden Weise an einem Schriftsteller gehandelt!

III.

Und dieser so öffentlich an das Kreuz, nein an den Schandpfahl geschlagene Mann ist der frömmste, gläubigste Christ, der edelste, beste Mensch, den es nur geben kann, der durch seinen edlen, wohltätigen Sinn bekannteste Bürger seines Wohnortes und ein so begeisterter Patriot, daß er mit der größten Überzeugung sagen konnte: »Nein, solcher Kafillereien ist unsere deutsche Presse denn doch nicht fähig!« Die einzige, aber auch allereinzige Erklärung liegt in denn Geständnisse des Redakteurs eines gewissen demokratischen Blattes: »Wir beschlossen, ihn auszumerzen!« Nein, mein Herr, ein Karl May wird weder von Ihnen, noch von Ihren Helfershelfern »ausgemerzt«. Mag auch die »Frankfurter Zeitung« die Unwahrheiten, welche man gegen ihn veröffentlicht, aus Texas, vom Hunsrück, aus Tölz oder sonst woher zusammenklauben, sie mag ihn vor wie nach in der Mistgabelmanier angreifen, sie mag die Angriffe und ungeheuerlichen Beleidigungen in noch so vielen Dutzenden von Blättern nachdrucken lassen, so wird sie doch nur dies Eine erreichen: Sie handelt, wie noch nie an einem Schriftsteller gehandelt worden ist, aber sie macht auch für ihn eine Reklame, wie er sie sich erfolgreicher gar nicht wünschen könnte! -

Sollte Jemand glauben, daß der Streich mit dem Fremdenbuch eine Originalerfindung sei, so ist das ein Irrturn. Es kommt vor, daß May


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so ganz en passant erfährt, daß er in irgendeinem Pfarrhause, einem Kloster übernachtet habe. So machte z. B. ein gewisser Otto den ganzen Strich von Breslau bis nach Hof in Bayern unter dem Namen Karl May, Schriftsteller, unsicher. Er hatte sich als Buchdruckergehülfe in den Besitz eines abgesetzten Manuskripts gebracht, welches auch ganz unglaublicher Weise von allen Buchdruckern und Schriftstellern, die er aufsuchte, als Legitimation anerkannt wurde. Also originell ist diese Tölzer Idee keineswegs, dafür aber ihre Ausführung umso interessanter. Ich will hier zeigen, warum. Es ist dazu nicht die ganze betreffende Seite des Fremdenbuchs nötig; ich gebe also nur die beiden Namen wieder, zwischen denen derjenige meines Freundes steht:


NameWohnortStandDatum
Michael GruberMünchenPrivatier23. 6. 99
Karl May, alias »Old Shatterhand«Oberlößnitz b. Dresdenallbekannt 31. 3. 99
v. Heuß-BlößtMünchen
Irma v. Heuß-BlößtMünchen24. 6. 99

Ich gestehe, daß die Schrift keine Ähnlichkeit besitzt, daß aber aus ihrem Charakter das Bemühen, sie nachzuahmen, hervorgeht. Die Fälschung ist unbedingt vorher eingeübt worden; es handelt sich also um keinen dummen Scherz, sondern um ernste Gründe. Es existieren viele tausende von Briefen und Karten, mit denen mein Freund die an ihn gerichteten beantwortet hat. Es war also für den Betreffenden gar nicht schwer, sich in den Besitz einer Namensunterschrift zu bringen. Aber schon das »alias« beweist die Fälschung; May würde sich dieses Wortes nie bedienen. Dann der Wohnort. May wohnt seit vier Jahren nicht mehr in Oberlößnitz, sondern in Radebeul, einem Dresdner Villenvorort. Das hat der Fälscher nicht gewußt, er hat vielleicht das Oberlößnitz einem alten Bande von Kürschners Schriftsteller-Lexikon entnommen, ist vielleicht Fachmann, Journalist.

Ich möchte fast glauben, daß ein Schriftsteller oder Journalist sich den Namen Karl May in die Feder übt, um ihn in Tölz in das Fremdenbuch einzutragen. Beim vorstehenden Namen ist der 23., beim nachfolgenden der 24. Juni verzeichnet. Der dazwischen stehende Fälscher hat den 31. März geschrieben, also eine Lüge. Warum? Die Antwort


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halte ich hier zurück, denn diese ganze Angelegenheit wird Sache des Staatsanwalts werden. Man will doch nicht nur den Täter, sondern auch den intellektuellen Urheber kennenlernen! Es gibt für solche Herren Freibäder, wenn es auch nicht gerade in Jod und Tölz sein muß.

Was nun die angegebenen Daten betrifft, so habe ich folgendes zu erklären: May reiste in Begleitung seiner und meiner Frau, welche innige Freundinnen sind, über Luzern nach Genua, wo ich über Ala kommend, zu ihnen stieß. Wir brachten ihn auf das Schiff, von welchem ich, als er aus dem Hafen dampfte, eine photographische Aufnahme machte. May hat am Sonntag, dem 28. März, früh acht Uhr Dresden verlassen und ist abends 8 Uhr in Frankfurt a. Main, Hotel »Continental«, abgestiegen. Mittwoch früh 9.45 Uhr Weiterfahrt nach Freiburg i. Br., um seinen Verleger, Herrn Fehsenfeld, aufzusuchen und mit ihm die neuen Auflagen während einer wahrscheinlich mehr als einjährigen Abwesenheit zu besprechen. Freitag, den 31., ab nach Lugano. Da der Fälscher diesen Tag in Tölz eingetragen hat, vermute ich, daß er schon am 30. dort eingetroffen ist, an welchem Tage der Verleger Fehsenfeld dem Schriftsteller May oberhalb Freiburg im Schwarzwalde das Areal zeigte, auf dem das Jagdschlößchen stehen wird, welches Herr Fehsenfeld seinem Autor schenkt. Sollte aus diesem Schlößchen ein Schloß werden, so würde das nur der feindlichen Reklame zu verdanken sein. Falls man nach »Frankfurter Zeitungs«-Art diese wahrheitsgemäßen Angaben als Lügen bezeichnen sollte, stehen mir dafür, daß May am 31. nicht in Tölz gewesen, sondern von Freiburg nach Lugano gefahren ist, mehr als genug Zeugen zur Verfügung. Er traf am 2. April in Genua ein, ist am 4. April mit der »Preußen« nach Port Said in Egypten gefahren und am 9. dort angekommen.

Was nun die anderen Daten, nämlich den 23. und 24. Juni betrifft, so ist es mir auch da sehr leicht nachzuweisen, daß mein Freund sich in Afrika und keineswegs in Tölz befunden hat. Übrigens wurde er von zahlreichen Lesern vor seiner Abreise um Ansichtskarten aus Egypten gebeten. Er hat diese Wünsche mehr als reichlich erfüllt. Es existieren mehr als tausend Karten, welche er bis jetzt an deutsche Leser sandte. Die Besitzer derselben sind natürlich über die Anschuldigungen, welche man gegen ihn schleudert, empört. Und wenn man die Vermutung äußert, wie es tatsächlich geschehen, der Brief Mays aus Nubien sei


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von der Gattin desselben in die Pfälzer Zeitung lanciert, so muß wohl der dies Sagende der Unwahrheit beschuldigt werden, aber nicht May. Möchte sich doch die »Frankfurter Zeitung« genauer informieren über Dinge, die sie veröffentlicht. Die »Frankfurter Zeitung« beschuldigt May des Kultus der Unwahrheit und geberdet sich außerordentlich besorgt um die Wahrheitsliebe der deutschen Jugend, die durch die Lektüre Mayscher Werke geschädigt werde; was aber sagt und wie handelt sie?

Es ist eine geradezu phänomenale Dreistigkeit, mit welcher die »Frankfurter Zeitung« May Lügen straft. Wie reißt sie ihn in ihrem »Karl May im Urteil der Zeitgenossen« herunter, ohne sich nur die allergeringste Mühe, die Wahrheit festzustellen, gegeben zu haben! Sie selbst, eine Feindin der Wahrheit, wagt es, Karl May eine Lüge nach der andern ins Gesicht zu schleudern. Dabei weiß der Redakteur nicht einmal, was eine Biographie ist, denn er bezeichnet den betreffenden »Hausschatz«-Artikel als solche. May schrieb seine »Leiden und Freuden eines Vielgelesenen« auf mehrmalige Aufforderung des Verlegers und vielseitiges Bitten seiner Leser. Wenn er sich da einen Vielgelesenen nennt, so ist das vollständig richtig, denn auf je einen Leser der »Frankfurter Zeitung« kommen mehr als zweihundert Leser von ihm. Was bildet sich denn eigentlich dieser Herr ein? Er läßt einen ungenannten »Mehrjährigen«, einen Sachsen am Rhein, auch ungenannt, einen Berliner in der Schweiz und einen Lehrer in Karlsruhe, auch namenlos, ihren Geifer ausspucken, gibt dann seine eigenen unbewiesenen Behauptungen zu ihren Wildschützen und unschiffbaren Flüssen, und man höre und staune - die Summe dieses Blödsinns und seiner böswilligen Behauptungen bezeichnet er, der geistige »Riese«, als »das Urteil der Zeitgenossen«! Es ist ein wahres Glück, daß es außer diesen fünf Koryphäen in Deutschland noch ein halbes Hundert Millionen anderer Zeitgenossen gibt.

Ich sage Ihnen, Herr Redaktions-Generalissimus, daß jedes Wort der »Leiden und Freuden eines Vielgelesenen« die reinste Wahrheit enthält, die allerdings Ihnen unglaublich erscheinen mag.

Warum wiederholen Sie so oft und höhnisch den Ausdruck »vom Sudan nach Arabien reiten«? Das hat Fehsenfeld geschrieben, nicht May. Warum reiben Sie es dem Unschuldigen immer in den Bart? Wie nennt man das? Und denken Sie etwa, Sie haben ein Recht, über diesen


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Ausdruck zu lachen? Wenn ich von Hamburg nach der Schweiz reite und mich an irgend einer Stelle über die Weser und den Rhein setzen lasse, so bin ich eben von Hamburg nach der Schweiz geritten. Die Stunde auf dem Wasser ändert nichts. Und wenn May von Alt Dongula nach Berber und von da nach Suakin reitet, sich von dort nach Kunfuda über das rote Meer setzen läßt, und dann, wie er es sich vorgenommen hat, längs des Dauasir nach Hasa reitet, so ist er eben geritten, verstehen Sie das? Falls Sie aber denken, er kann nicht reiten, so steht ein Brief aus Minieh zur Verfügung, in welchem englische Offiziere sich nach seiner Ankunft freuen und ihm Zelte und Kamele zur Verfügung stellen. Dieser Brief ist echt, wie alle angeführten Briefe echt sind, nicht etwa gefälscht wie die Tölzer Eintragung.

Und dieser Mann, den englische Offiziere einladen und willkommen heißen, wird hier in Deutschland von Jemand, der jedenfalls nur seinen Redaktionsschemel reiten kann, so öffentlich verspottet und verlacht! Was hat Ihnen May denn eigentlich getan? Nichts! Mit welchem Rechte maßen Sie sich ein Urteil über ihn an? Sind Sie etwa gescheidter, weiser, besser als er? Nein! tausendmal nein, ich glaube es nicht! Oder etwa, weil Sie Redakteur Ihrer Zeitung sind? Hören Sie, darauf bilden Sie sich ja nichts ein! Eine Zeitung, deren sämtliche Zeitgenossen aus einem »Mehrjährigen«, einem Sachsen, einem Preußen, einem Karlsruher und Ihnen bestehen, die hat kein Urteil über May und merzt ihn auch nicht aus! Aus was soll er denn eigentlich gemerzt werden? Aus Ihrer Zeitung? Die braucht er nicht und hat sie nie gebraucht. Aus der Schriftstellerei? Er will ja gar kein Schriftsteller sein! Nicht einmal ein Journalist, wie Sie! Dann hören Sie nur noch diese kurzen Worte:

Sie verschmähen es nicht, mit den geographischen Fehlern eines »Mehrjährigen« gegen May vorzugehen Sie werfen ihm den Wildschützen Stülpner an den Kopf; Sie schicken ganz und gar ungeprüft und mit sehr bemerkbarer Wonne die Tölzer Fälschung in die Welt hinaus. Sie sagen von dem Artikel meines Freundes, in welchem nicht ein Körnchen Unwahrheit zu finden ist; »Wir lasen und lachten dann, daß man es drei Gassen weit hörte!« Etwa Sie und Ihr »Mehrjähriger«? Bitte, wo haben Sie dieses hochanständige Lachen her? Sie machen Karl May in Ihrem Blatte lächerlich, so oft es Ihnen ohne allen Grund beliebt. Sie nennen ihn unwahr; Sie warnen die Jungen und die Alten


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vor seinen Werken; ja, Sie setzen ihn gar auf den Index, dann versuchen Sie ihn schließlich noch ganz auszumerzen. Und wenn Sie das Alles getan haben, so ist er doch noch da und lächelt über Sie, hören Sie, nur Lächeln, kein Gelächter, drei Gassen weit zu hören!

Sie hassen einen Mann, der Ihnen nie etwas getan hat, weil Ihre atheistische Richtung die zu Gott führende Richtung seiner Werke fürchtet. Darum soll er unmöglich gemacht werden, um jeden Preis, selbst um den Preis der Wahrheit und der eigenen Ehre. In dieser Weise wird von Ihnen ohne alles Bedenken die Ehre Ihrer Mitmenschen umgebracht. Darf so ein Mann die hochverantwortliche Stellung eines Redakteurs bekleiden?

Wie war das, was er von den Redaktionen sagte? Wissen Sie es noch? Ist die Ihrige ein Thronsaal der Königin Presse? Eine Hochburg des edlen Journalismus? Eine Wohnstätte wahrhaft nobler Gesinnung? Ein Lehrzimmer vornehmer Schreib- und Handlungsweise??? Und was Ihre Ehre betrifft, so frage ich Sie: Ist es ehrenhaft, die Person eines Schriftstellers seiner Werke wegen abzuwürgen? Ist es ehrenhaft, Alles, was er unbefangen und wahrheitsgetreu von seinem Heim, seinem Privatleben, seinen Besuchen, seinen Korrespondenzen erzählt, an den Pranger zu nageln, ohne vorher auch nur einen einzigen Blick in dieses sein Heim getan zu haben? Ist es ehrenhaft, die Ehe eines Autors mit in die Kritik zu ziehen und ihn in den Augen seiner Leser dadurch herunter setzen zu wollen, daß man sich der Veröffentlichung bedient, er habe eine Handwerkerstochter geheiratet? Notabene, das bezog sich freilich auf den Verfasser des »Wildschützen Stülpner«, ist aber von ganz derselben Beweiskraft für Ihre Handlungsweise. Es gibt sechs Schriftsteller, welche May heißen, und noch mehr, welche unter »Karl May« schreiben, ohne es zu sein. Mein May aber würde sogar die zerlumpteste Bettlerin heiraten, ohne Sie zu fragen, und alsdann stolz auf das Glück seiner Ehe sein. Ist es ehrenhaft, mit giftigen Spionenblicken dem Privatleben und privaten Handeln eines Menschen nur deshalb nachzuspüren, weil man beschlossen hat, ihn dadurch als Lügner hinzustellen, daß man selbst die Unwahrheit spricht?

Ist es ehrenhaft, einen so kenntnisreichen Geographen (denn daß May das ist, werden selbst seine Feinde zugeben) mit Hülfe der Schuljungenirrtümer ungenannter Personen als Schwindler öffentlich hinzustellen?


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Ist es ehrenhaft, sobald sich irgendwo nur ein Stäublein gegen ihn zeigt, mit wahrhaft heißhungriger Wollust darüber herzufallen, und, ohne zu prüfen, dieses Stäublein zu einer mit Unwahrheiten gefüllten Bombe aufzublasen, die man dann öffentlich platzen läßt? Ist es ehrenhaft ...? Doch wozu noch mehr solcher Fragen; es genügt ja eine einzige von ihnen vollständig! Man will ihn ausmerzen, ihn verderben! Man sei ja sehr vorsichtig dabei! Mit dem Besitzer der Villa »Shatterhand« anzubinden, ist nicht ganz so sehr kinderleicht, wie man sich das denkt, selbst wenn er abwesend ist; er kommt ja zurück! Und ich will ganz im Vertrauen mitteilen: ich halte noch einige andere Überraschungen bereit. Für dieses Mal aber habe ich die Ehre, Sie so, wie ich Sie jetzt vor mir sehe, in all Ihrer Herrlichkeit und Größe stehen zu lassen!

Diese kleine Auseinandersetzung hatte ich mit dem Redakteur der »Frankfurter Zeitung«, Mamroth, zu pflegen; wenn er sie liest, wird er nicht sehr erbaut sein, und wenn er dennoch ein Gelächter anstimmen sollte, drei Gassen weit zu hören, dann werde ich ihm, im geeigneten Moment, mit einem neuen, aber prompt wirkenden Reduktionsmittel dienen.

Was nun soll ich allen den Herren sagen, welche seine Angriffe abgedruckt und veröffentlicht haben, ohne auch nur eine einzige Frage nach der Wahrheit auszusprechen? Man hat sogar das Gute weggelassen und geflissentlich nur das Schlimme gebracht. Wäre ich Redakteur, ich würde niemals in meinem Blatte einen Menschen angreifen, ohne ihn vorher davon benachrichtigt und seine Antwort abgewartet zu haben. Das ist eine so einfache, so selbstverständliche Forderung der Gerechtigkeit. Das hat keiner dieser Herren getan; ich hege aber die Zuversicht, daß nun auch keiner von ihnen unterläßt, im Sinne dieser Gerechtigkeit den Angriffen nun auch hier diese meine Entgegnung folgen zu lassen.

Sie ist leider aus einer nicht mit den schriftstellerischen Verhältnissen vertrauten Feder geflossen und wird manchen Mangel und manche Lücke zeigen. Die Vervollständigung muß ich meinem Freunde überlassen, der, sobald er das rote Meer erreicht, alle diese Zeitungen vorfinden wird.

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Und nun zurück zu Ihnen, dem Redakteur, an den ich mich am Beginne dieser Zuschrift gewendet habe. Sie ist beträchtlich länger geworden, als ich beabsichtigte; sie würde aber um das Zehnfache wachsen, wenn ich Alles sagen wollte, was ich gegen diese ebenso ungerechten wie rücksichtslosen Angriffe zu sagen habe. Es versteht sich ganz von selbst, daß ich die Verantwortung für jedes meiner Worte ganz allein auf mich nehme; ich habe mich nicht im geringsten zu fürchten, ganz ebenso wie auch May keinen einzigen seiner Gegner fürchtet.

Bitte, bringen Sie auch diese, an Sie gerichteten Zeilen zum Abdruck. Ich wünsche, daß kein Wort weggelassen werde.

Auf solche Schandartikel, wie sie der Redakteur der »Frankfurter Zeitung« gegen Karl May nur zu dem Zwecke veröffentlicht, diesem für die höchsten Güter des Lebens eintretenden Schriftsteller die Eingeweide einzeln aus dem Leibe zu reißen (ein starkes Bild, aber ganz bezeichnend), gehört eine kräftige Antwort. Ich denke vielmehr, daß mein »Styl« noch viel zu höflich ist; hier paßt eigentlich nur ein anderer »Stiel«. Empfangen Sie, geehrter Herr, im Voraus meinen verbindlichsten Dank für die Veröffentlichung dieser Zeilen und genehmigen Sie den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung!

Richard Plöhn.

(»Tremonia«, Dortmund. »Karl May und seine Gegner«, Nrn. 404, 406, 408 vom 27., 28. und 29. 9. 1899)


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