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ECKEHARD KOCH

»... den Roten gehörte alles Land;
es ist ihnen von uns genommen worden ...« (1)
Zum zeitgeschichtlichen Hintergrund
von Mays ›Schatz im Silbersee‹



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Der Große Bär war ein berühmter Häuptling der kanadischen Cree-Indianer; er lebte von 1825 bis 1888 und gehörte zu den bedeutendsten Anführern im Aufstand der Indianer und Metis (der indianisch-französischen Mischbevölkerung) 1885 anläßlich der sogenannten Zweiten Riel-Rebellion, eines der wenigen Indianerkriege der kanadischen Präriegebiete.(2) Überliefert ist auch ein Kleiner Bär (sicherlich gab es in der indianischen Historie noch viele ›Kleine‹ und ›Große Bären‹, aber nur wenige sind dem Geschichtsschreiber bekannt geworden): Der Kleine Grizzlybär, ein bedeutender Omaha-Krieger, wurde aus Kämpfen mit den Pawnee 1798 bekannt.(3)

   In Karl Mays ›Schatz im Silbersee‹ sind der ›große‹ und der ›kleine Bär‹, Vater und Sohn, berühmte Angehörige des Tonkawa-Stammes. Sie waren so gleich gekleidet und bewaffnet, daß der Sohn als das genaue, verjüngte Spiegelbild des Vaters erschien ... Das schwarze Haar war schlicht nach hinten gekämmt und fiel dort bis auf den Rücken herab, was ihnen ein frauenhaftes Aussehen verlieh (S. 15). Und so wird ihnen auch flugs vorgeworfen, daß sie »zu den zahmen Roten (gehören), welche sich vor jeder Katze fürchten« (S. 16). Und: »Die Tonkawa sind entartet. Nur diese beiden ... haben die Kriegslust ihrer Ahnen geerbt und treiben sich im Gebirge und der Prairie umher« (S. 26). Entsprechend ist auch das Verhalten der beiden. Der ›kleine Bär‹ rettet dem Mädchen Ellen, einer der liebenswerten Gestalten im ›Silbersee‹, das Leben vor einem Panther und beweist damit, daß er sich »vor kleiner, räudiger Katze« (S. 37) nicht fürchte. Überhaupt sind die beiden Indianer von einem Schlag, wie man es erwartet: tapfer und edel. »Sie haben ihre Kriegsbeile in die Erde gelegt ...« (S. 49), der ›große Bär‹ ist ein »Freund der weißen Männer« (S. 117, auch 575), und darüber hinaus ist er auch der Hüter des Schatzes im Silbersee, der beim Eindringen der Utah in den Zugang zum Schatz den entsprechenden Gang zerstört und damit viele Indianer ums Leben bringt; er ist auch der Eigentümer des Landes »am Silbersee, so weit es rundum von den Bergen eingefaßt wird« (S. 632), das er jedoch


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schließlich den Weißen überläßt; und zwischen dem ›kleinen Bären‹ und Ellen entwickelt sich am Ende der Erzählung ein schönes, geschwisterliches Verhältnis (S. 643). Schon nach der Rettung hat er ihr ein Totem zum Schutz geschenkt: »Aber wenn du kommen in Gefahr bei Indianer und es vorzeigen, dann Gefahr gleich zu Ende« (S. 67), was sich später auch tatsächlich als vorteilhaft erweisen sollte (S. 588): »›Sein Schatten ist mein Schatten, und sein Blut ist mein Blut; er ist mein älterer Bruder‹ ... An diesem kleinen Lederstückchen kann das Leben vieler Menschen hängen.« (S. 69).

   Der ›Schatz im Silbersee‹ ist bekanntlich zu einer der beliebtesten Erzählungen Mays geworden, und der ›kleine‹ und der ›große Bär‹ gehören zu seinen bekanntesten literarischen Gestalten. Die Freundschaft zwischen dem ›kleinen Bären‹ und Ellen, auf die später noch einmal zurückzukommen sein wird, ist liebenswert geschildert, aber warum May ausgerechnet Angehörige der Tonkawa als entscheidende Gestalten auftreten läßt, erscheint aus heutiger Sicht eher rätselhaft.

   Immerhin, das ›Handbook of American Indians‹(4) räumt der Darstellung der Tonkawa etwa doppelt so viel Platz ein wie der der Comanchen; heutzutage sind uns letztere noch wohl bekannt, die Tonkawa, die in neueren populärwissenschaftlichen Büchern über die Indianer kaum erwähnt werden, allenfalls vermittels Mays ›Silbersee‹. Das ›Handbook‹ bezeichnet sie als prominenten Stamm, der im 18. und 19. Jahrhundert überwiegend in Zentral-Texas lebte und, obwohl er sich den Amerikanern gegenüber friedlich verhielt, bei Indianern und Weißen in schlechtem Ruf stand. In erster Linie hing dies mit seinen kannibalistischen Gebräuchen zusammen, die auf ihre Nachbarn abstoßend wirkten. Aber sie waren als Krieger berühmt; sie betrieben wenig oder keinen Ackerbau, lebten als nomadische Jäger und Sammler und folgten den Büffelherden. Im Unterschied zu den eigentlichen Prärieindianern aßen sie auch Fisch. Klapperschlangenfleisch war für sie eine große Delikatesse. Aus religiösen Gründen mieden sie Wolf- und Coyote-Fleisch. Geteilt in eine Vielzahl unabhängiger Verbände durchzogen sie das Riesengebiet vom Edwards Plateau bis zu den Niederungen des Brazos und Trinity. Sie selbst nannten sich Titska watitch (etwa: ›die eigentlichen Menschen‹); das Wort Tonkawa, eine Waco-Bezeichnung, bedeutet so viel wie ›sie stehen (bleiben) alle zusammen‹. Sie bildeten eine eigenständige sprachliche Gruppe, allenfalls sprachlich lose verwandt mit den Karankawa oder Coahuilteca in Texas.

   Als Läufer und Bogenschützen galten die Tonkawa als unübertrefflich. Auffällig waren Kleidung und Schmuck, Bemalung und Tätowierung. Während die Frauen ihr Haar kurz trugen, fiel es bei den Männern – wie es May angibt – lang über die Schultern.

   Der Waco-Name für sie war, wie ihre Geschichte zeigt, nicht pas-


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send. Sie selbst betrachteten sich als Hauptfeinde der texanischen Stämme, und speziell die Comanchen und Apachen waren ihre Todfeinde. Bemerkenswerterweise wurde jedoch ein Apache, der als Gefangener bei den Tonkawa aufwuchs, als El Mocho ein berühmter Tonkawa-Häuptling, aber sein Traum, beide Stämme zu vereinen – 1782 hielt er eine große Ratsversammlung mit mehr als 4000 Angehörigen beider Stämme ab – scheiterte an der Unüberwindlichkeit ihrer Zwistigkeiten, und schließlich wurde El Mocho von den Spaniern getötet (1784).

   1778 schätzt man die Tonkawa auf 300 Krieger oder 1500 Menschen. Als Texas 1845 an die USA angeschlossen wurde, war davon nur noch die Hälfte übrig geblieben. Zehn Jahre später erhielt der Rest des Volkes – zusammen mit anderen texanischen Stämmen – zwei kleine Reservate am Clear Fork des Brazos River. Doch führte der heftige Widerstand der Texaner, ein Überfall auf die Agentur eingeschlossen, gegen diese Regelung dazu, daß die Indianer 1857 an den Washita River in Oklahoma gebracht wurden, in die Gegend des heutigen Anadarko. Bis zur Bezwingung der Kiowa und Comanchen dienten Tonkawa immer wieder als Scouts für die amerikanische Kavallerie gegen ihre Feinde. Letztere beglichen alte Rechnungen, indem sie – Comanchen, Kiowa, zusammen mit Delawaren, Shawnee und Caddo – die Reservation am 25. 10. 1862 überfielen und 137 Männer, Frauen und Kinder, fast die Hälfte des Stammes, umbrachten. Die Überlebenden flohen nach Fort Arbuckle, kehrten aber ein Jahr später nach Texas zurück. Als nach dem Bürgerkrieg (1865) Fort Griffin in Texas gegründet wurde (der Kommandant war 1869/70 der aus Württemberg stammende Offizier John W. Clous (1837-1908)), ließen sie sich hier nieder, bis die restlichen 92 Tonkawa 1884 nach Oklahoma auf ein kleines Reservat im Kay County in der Nähe des Ponca-Stammes gebracht wurden. 1960 gab es nur noch etwa 60 Indianer mit Tonkawa-Blut, von denen sich aber die meisten mit ihren Lipan-Nachbarn vermischt hatten.

   Über den ›großen Bären‹ notiert May: »Er nannte sich ein Tonkawa, und dieser fast ausgestorbene Stamm befindet sich nie auf Wanderung, sondern ist auf seinen elenden Reservationen im Thale des Rio grande seßhaft« (S. 50). May hat wohl Fort Griffin, in der von ihm benutzten Quelle genannt, nicht auf seinen Karten gefunden und angenommen, es liege am Rio Grande. Zwar stimmt Mays Aussage, daß die Tonkawa fast ausgestorben seien, aber was meinte er mit entartet (S. 26)? Von ihrem Kannibalismus berichtet er nichts. War es das Exotische an diesem Stamm, das May zu seiner Schilderung anregte – er hat dem ungeliebten Stamm eine bleibende, freundliche Erinnerung verschafft –, oder gab es ganz nüchterne Gründe dafür, daß er ausgerechnet Tonkawa in seinen Roman aufnahm?


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1876 erschien in Deutschland der ›Gatschet‹,(5) eines der wichtigsten Grundlagenwerke über Indianersprachen, mit seinen ausführlichen Wortverzeichnissen. May zog dieses Werk etwa ab 1882 heran, und es bildete eine seiner wesentlichen Quellen für seine Darstellungen der Indianer – so auch im ›Silbersee‹ – und der von ihm verwendeten Sprachproben. Hier konnte er die Übersetzung deutscher Begriffe in vierzehn Indianersprachen finden und entsprechend für seine Erzählungen nutzen; hier fand er den Hinweis auf Fort Griffin – Gatschet spricht von »ärmlichen Überbleibseln« des Stammes(6) – und auch die Sprachproben der Tonkawa. Bemerkenswerterweise stammt ein Großteil der Wörtersammlungen des ›Gatschet‹ von dem Deutschamerikaner Oscar Loew, der als Chemiker die ausgedehnten Vermessungs- und Forschungsexpeditionen unter Leutnant George M. Wheeler (1842-1905) begleitete, die sich von 1871 bis etwa 1880 erstreckten; 1872 suchte er die Tonkawa auf einer Expedition im Dienst einer Minencompagnie auf. Weitere Informationen über die Tonkawa stammten von dem Münchner Friedrich Freiherr von Rupprecht, dem Topographen Captain George P. Buells (1834-83), der längere Zeit in Fort Griffin stationiert war.

   May ließ sich ganz sicher aus dem ›Gatschet‹ anregen, die Tonkawa in seinen ›Silbersee‹ aufzunehmen, da er somit auch über Sprachproben verfügte; es ist unwahrscheinlich, daß außer diesem ›praktischen‹ Grund noch tiefere Überlegungen dafür ausschlaggebend waren, abgesehen vielleicht von seinem Hinweis auf die Tatsache, daß die Tonkawa vom Aussterben bedroht waren, daß er geheimnisumwitterte Vertreter eines Volkes dem entartet(en) Rest gegenüberstellen konnte und daß der Name Tonkawa in Deutschland weit weniger bekannt war und daher exotischer klang als etwa die Stammesbezeichnungen Apachen, Comanchen, Sioux.

   Ähnlich verhält es sich auch mit dem anderen bedeutenden Stamm, den May in seinem ›Silbersee‹ auftreten läßt: die Utah (sowohl in den USA als auch in Deutschland heutzutage überwiegend als Ute bezeichnet). In seiner Aufzählung der Utah-Stämme (S. 387): »Es werden sich versammeln die Krieger der Weawers, der Uinta, Yampa, Sampitsches, Pah-vants, Wiminutsches Elks, Capotes, Païs, Tasches, Muatsches und Tabequatsches«, folgt er fast genau der Reihenfolge aus dem ›Gatschet‹, abgesehen davon, daß er aus den Weber-Utes die Weawers gemacht, einige Namen eingedeutscht (z. B. die Weeminuches) und die Païs: die Pa-Utes, ihre westlichen Nachbarn in Nevada, Utah, Kalifornien und anderen Staaten noch hinzugenommen hat. Die Pa-Utes sprechen einen dem der Utah nahestehenden Dialekt, werden aber nicht zu den eigentlichen Utah gezählt. Mays Angabe über die Sprache der Utah, welche


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ein Glied der shoshonischen Abteilung des Sonorasprachstammes ist (S. 373), hat er jedenfalls wörtlich aus dem ›Gatschet‹ übernommen.

   Einem Utah-Stamm allerdings weist May eine wichtige Rolle in seiner Erzählung zu: den Timbabatschen, obwohl er offenbar nicht wußte und auch nicht angibt, daß es sich um einen solchen handelte. Im ›Gatschet‹ werden die Timbabatschen nicht erwähnt; sie sind aber in der Karte von Neuspanien aufgeführt, die Alexander von Humboldt Anfang des 19. Jahrhunderts entwarf.(7) Auf der Grundlage dieser Karte entstanden bis etwa 1850 weitere Landkarten der Neuen Welt. Daher ist anzunehmen, daß May die Timbabatschen auf einer dieser Karten gefunden hat; zum Teil sind sie in diesen Kartenwerken wie bei Humboldt genau dort eingezeichnet, wo sie bei May vorkommen.(8) Aber das Kartenwerk war, als May es nutzte, bereits veraltet. Schon vor 1870 gab es die Timbabatschen, die 1865 noch etwa 300 Seelen zählten und im Tal des Utah-Sees und in den umliegenden Bergen wohnten, als selbständige Gruppe nicht mehr; sie waren in den Uintah aufgegangen,(9) wahrscheinlich ist dies der Grund, warum sie im ›Gatschet‹ nicht mehr erwähnt werden. Ihre Sprache wich von der der eigentlichen Utah in Akzent und einigen Worten ab; sie galten als sehr arm, wagten sich – trotz Pferdebesitzes – aus Furcht vor den Comanchen nicht auf Büffeljagd, nutzten aber den Reichtum ihrer Jagdgründe an Hasen und Kaninchen und wurden überdies als ›Fischesser‹ bekannt.

   Es mag auch sein, daß May die Timbabatschen aus Zimmermanns ›Malerischer Länder- und Völkerkunde‹ entnommen hat, wo sie erwähnt werden, und sie danach in alten Landkarten gesucht und gefunden hat. Daß dieses Werk in seiner Bibliothek offenbar nicht vorhanden war, spricht nicht gegen diese Vermutung.(10)

   May hat aber vorzugsweise mit dem ›Gatschet‹ gearbeitet und in diesem Werk auch ausgiebig ›gesucht‹. Daß ihm dabei auch Fehler unterlaufen sind, ist, berücksichtigt man die ständige Eile und Hetze, in der er arbeitete, leicht erklärlich. Von Wilhelm Manig stammt die folgende Untersuchung zu Mays Umgang mit dem ›Gatschet‹, die er mir dankenswerterweise für den vorliegenden Aufsatz zur Verfügung gestellt hat.(11) Dabei kann es natürlich nicht um die Korrektur Mayscher Angaben gehen, sondern darum, daß die Einbeziehung der Sprachproben bei der Beurteilung von Mays Romanen wertvolle Aufschlüsse darüber geben kann, wie er mit seinen Quellen umgegangen ist.

   Da ist z. B. das Totem des Nintropan Homosch (S.69): »›Schakhe-i-kauvan-ehlatan, henschon-schakin henschon-schakin schakhe-i-kauvan-ehlatan, he-el ni-ya.‹« Old Firehand gibt die ›wörtliche Übersetzung‹: »›Sein Schatten ist mein Schatten, und sein Blut ist mein Blut; er ist mein älterer Bruder‹«. Schlüsselt man dies nach dem ›Gatschet‹ auf, so ergibt sich als genaue Übersetzung: ›Schatten sein, Blut mein, Blut mein, Schatten sein, er Bruder‹. Das Wort ›ni-ya‹ = Bruder (älterer) ent-


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stammt als einziges nicht dem Tonkawa. Im Wörterverzeichnis ist ein passendes Wort nicht vorhanden. May entnahm der Spalte links daneben aus dem Tonto ›ni-ya‹. Ferner fällt auf, daß May sich einerseits viel Mühe gemacht hat, um die Wörter an den verschiedenen Stellen im ›Gatschet‹ ausfindig zu machen. Andererseits hat er die Zusammenstellung sehr flüchtig vorgenommen; denn es wäre leicht gewesen, den Satz so zusammenzustellen, daß er der Übersetzung von Old Firehand gerecht wird.

   Ein anderes Beispiel: Auf S. 610 tritt Nanap varrenton – der ›alte Donner‹ – auf. Hier ist May in die falsche Zeile geraten: Nanap = alt, aber varrenton = Blitz, während Donner nach ›Gatschet‹ im Utah unune heißt. Die Radebeuler Ausgabe hat das verschlimmbessert: Der alte Häuptling heißt hier Kai-Unune = der ›rollende Donner‹ (Donner steht im ›Gatschet‹ gleich in der Zeile über Blitz). Aber Kai? Im ›Gatschet‹ wird als Bedeutung ›singen‹ angegeben (!).

   Auf Seite 110 wird der Ausdruck »Schai nek-enokh, schai kopaia« mit »ich weiß es nicht, niemand« übersetzt; die richtige Übersetzung nach dem ›Gatschet‹ müßte lauten: ›ich nicht wissen, ich nichts‹. Und ein letztes Beispiel: Hauey-kolakakho (S. 306) wird von May richtig mit ›der große Vater‹ übersetzt (kolakakho-u = mein Vater, vom Sohn angeredet). Der andere Name Ikhatschi-tatli ist aztekisch, hat die gleiche Bedeutung und wurde von May dem Tehua-Abschnitt bei ›Gatschet‹ entnommen (was zeigt, daß May tatsächlich in dem Werk gesucht hat).

   Abschließend sei Manigs Hinweis auf einen absichtlichen, eher amüsanten ›Fehler‹ Mays wiedergegeben. Der indianische Name des ›kleinen Bären‹ Nintropan Homosch ist so nicht korrekt; statt Homosch müßte es Komosch (kómosh) heißen. Aber das hätte vermutlich jeder Leser und vor allem jeder Schüler sofort in Verbindung mit ›komisch‹ gebracht, so daß May das ›K‹ sicher bewußt in ein ›H‹ verwandelt hat.


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Wenn man im Fall der Tonkawa noch mit Recht mutmaßen kann, daß der ›Gatschet‹ Mays Quelle darstellte, reicht diese Feststellung für die Utah – wie auch das Beispiel der Timbabatschen zeigt – nicht aus. Mays Schilderung dieses Stammes weist so viele Bezüge zur amerikanischen Geschichte auf, daß der Schluß naheliegt, er habe noch weitere Literatur zu Rate gezogen oder aus entsprechenden Zeitungsberichten o. ä. geschöpft.(12) Die Geschichte der Utah – und das ist hierzulande kaum bekannt – ist mit der Geschichte der Gold- und Silbersuche im amerikanischen Westen eng verknüpft, geradeso, wie es May im ›Silbersee‹ erzählt, und diese Spur ist es wert, ihr nachzugehen.


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   Bis Ende des 17. / Mitte des 18. Jahrhunderts waren die Utah einfache Jäger und Sammler. Ackerbau war und blieb ihnen fremd. Ab dem 18. Jahrhundert übernahmen sie – zunächst von den Pueblo-Indianern – allmählich Pferde und darüber hinaus viele kulturelle Elemente von den Prärieindianern. Die Weiden der Utah waren groß und saftig, um Pferde darauf grasen zu lassen, und mit ihrer neu gewonnenen Mobilität wurden die Utah Händler und auch ›Räuber‹ mit immenser Reichweite. Ihr Territorium erstreckte sich von den südlichen Rocky Mountains im heutigen Colorado westlich bis zum Sevier River im heutigen Utah. Im Süden reichte ihr Gebiet bis zum oberen San Juan River im nördlichen Neumexiko, im Norden bis Süd-Wyoming. Von den Prärieindianern übernahmen sie das Tipi, das bei ihnen allerdings auch weiterhin so klein blieb wie ihre ursprünglichen Zweigzelte, dafür aber mit um so leuchtenderen Farben bemalt wurde. Und sie übernahmen perlenbesetzte Lederkleidung, den Gebrauch des Kalumets, wie ihn May für verschiedene Zusammenkünfte schildert (z. B. S. 498), den Sonnentanz zusätzlich zu ihrer eigenen herausragenden Zeremonie, dem Bärentanz, sowie das Häuptlings- und Kriegertum. Im Gegensatz zu den eigentlichen Plainsindianern gingen sie allerdings nur selten auf Büffeljagd. Immerhin ist Mays Hinweis darauf (S. 471) nicht aus der Luft gegriffen.

   Die Utah galten bald als sehr kriegerischer Stamm. Sie selbst nannten sich Nünt'z,(13) , d. h. ›Volk‹, nach Gatschet aber Yu-in-tetse. Der Name Utah, der auch einem amerikanischen Staat den Namen gab, soll ›hoch oben‹ oder ›Land der Sonne‹ bedeuten, während nach anderer Ansicht die Bedeutung unbekannt ist. Offiziell wird der Name von dem indianischen Wort Eutaw oder Yuta abgeleitet, das ›Bewohner der Bergspitzen‹ bedeute.(14)

   Ursprünglich in kleine Gruppen zerfallen, bildeten die Utah mit Übernahme des Pferdes größere Einheiten. Lange Zeit mit den Comanchen im Kampf gegen die Apachen im Bunde, zerstritten sie sich um 1750 mit ihnen und verbündeten sich nun umgekehrt mit den Jicarilla-Apachen, eine Verbindung, die über ein Jahrhundert andauern sollte. Die Feindseligkeit, mit der in Mays Erzählung Winnetou von den Utah begegnet wird, ist also unhistorisch. Ouray, einer der bedeutendsten Utah-Häuptlinge, hatte eine Jicarilla zur Mutter, sein Vater war ein Tabeguache (nach anderen Quellen, die aber seltener genannt werden, war sein Vater ein prominenter Jicarilla, seine Mutter eine Utah). Auf Ouray wird noch einmal zurückzukommen sein; er hätte Karl May durchaus als Beispiel für einen Versöhner zwischen Weiß und Rot dienen können, zumal er eng befreundet mit einem gebürtigen Deutschen gewesen ist. Statt dessen hat May die Utah in seinem ›Silbersee‹ eher negativ geschildert.

   Prototyp des treulosen und verräterischen Utah ist bei May Ovuts-


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avaht, der ›große Wolf‹, der an Körpergröße sogar noch Old Firehand überragt. Er läßt Old Shatterhand und seine Gefährten in unfairen Zweikämpfen um ihr Leben kämpfen. Durch List gelingt es, die Utah zu bezwingen; der schurkische ›große Wolf‹ unterliegt im Zweikampf Old Shatterhand, aber sein Versprechen, die Weißen nach ihrem Sieg frei gehen zu lassen, hält er nicht. Er gerät dann selbst in die Hände der Westmänner, raucht mit ihnen sogar die Friedenspfeife, aber bricht abermals sein Wort – eine Haltung, die allen Ehrvorstellungen, die man sich von den Indianern macht, zuwider läuft. So treulos diese Roten waren ... (S. 610), wird über sie geurteilt, und bis zuletzt werden die Utah von May immer wieder als wortbrüchig und grausam geschildert. Die Tramps Knox und Hilton finden unter ihnen ein bestialisches Ende, der rote Cornel Brinkley und seine Gefährten werden von den Utah hingemetzelt, und Old Shatterhand und seinen Gefährten gelingt es nur mit Mühe, einem ähnlichen Schicksal zu entgehen.

   Marterungen in der Art, wie sie May schildert, waren bei den Utah allerdings nicht üblich. Möglicherweise hat sich May hierfür aus dem Werk Zimmermanns inspirieren lassen,(15) in dem geschildert wird, wie ein Baron Wogan, der einen Timbabatschen erschossen hat, am Marterpfahl sterben soll. Nach Zimmermann kann der Baron jedoch beweisen, daß er aus Notwehr gehandelt habe. Da er noch dazu einer Frau und ihren zwei Kindern des Stammes das Leben vor einem grauen Bären gerettet hatte, wird er von den Utah freigelassen. Dies erinnert an die Szene im ›Silbersee‹, da beim Kampf Old Shatterhands und seiner Gefährten mit den Utah ums Überleben Davy beim Wettschwimmen durch einen Trick Old Shatterhands den ›roten Fisch‹ besiegt, aber ihm sein Leben schenkt. Kein Utah-Krieger begreift diese christliche, ›unvernünftige‹ Haltung, doch des ›roten Fisch‹ Frau und ihrer beiden Kinder wissen ihm Dank (S. 445f).

   Mag May für die Gestaltung dieser Szenen von Zimmermann inspiriert worden sein; eine oberflächliche Betrachtung der Geschichte der Utah mag in der Tat zu dem Schluß führen, daß sie ein treuloses, wortbrüchiges und unredliches Volk gewesen seien, und man kann vermuten, daß May durch mancherlei zeitgenössische zweitklassige Schriften und Aufsätze in dieser Haltung beeinflußt war.

   Einer der bedeutendsten Utah-Häuptlinge war Walkara, den die Weißen Walker nannten. Er ist hierzulande so gut wie unbekannt geblieben, obwohl er wahrscheinlich der bekannteste, mächtigste und gefürchtetste indianische Führer im Great Basin-Gebiet zwischen 1830 und 1855 gewesen ist.(16) »Sein Aufstieg zur Macht durch eine Verbindung aus persönlicher Kühnheit, Schlauheit im Handel, wagemutigen Raubzügen auf kalifornische Pferdeherden und Kompromißfähigkeit gegenüber den Weißen lassen auf einen Mann mit ungewöhnlichen Charaktereigenschaften und Fähigkeiten schließen.«(17)


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   Walkaras Name ›gelb‹ oder ›Der Gelbe‹ (er bevorzugte gelbe Gesichtsbemalung und gelbe Lederkleidung) gemahnt an den Häuptling ›gelbe Sonne‹ in Mays ›Silbersee‹ (S. 556), andererseits auch an die kräftige Bemalung des ›grauen Wolfes‹ (S. 372, 498 u. a.). Auch der Charakter des ›grauen Wolfes‹, wie ihn May schildert, gemahnt in bestimmten Zügen, z. B. der Grausamkeit, an den Walkaras.

   Walkara wurde um 1808 am Utah-Lake geboren und war ein Timbabatsche (!). Schon früh scharte er Angehörige verschiedener Stämme um sich und unternahm mit ihnen außerordentlich erfolgreiche (aus seiner Warte) Raubzüge nach Utah und Kalifornien. Auch Weiße gehörten zu seiner Bande; seine Leute leisteten ihm unbedingten Gehorsam. Den Kaliforniern galt er als ›größter Pferdedieb‹ der Geschichte (allein 1840 soll er angeblich 3000 Pferde gestohlen haben); unter verwandten Stämmen wie den Paiute erregte er Angst und Schrecken, da er ihnen Frauen und Kinder entführte und als Sklaven verkaufte. Weiße, die mit ihm zusammentrafen, schilderten ihn als gebieterische, männlich-schöne, hochgewachsene Persönlichkeit und bemerkten seine kühne Hakennase. Er trug amerikanische Kleidung mit indianischem Schmuck. Seine hervorragend disziplinierte ›Kavallerie‹ war protzig gekleidet, und deren Pferde waren so mit Silber- und Metallschmuck behängt, daß sie in der Sonne funkelten und blitzten.

   Walkara fand Unterstützung durch Mountain-Men und Trapper bzw. Händler wie Jim Beckwourth (ca. 1800 – ca. 1866), die ihm Waffen und Whiskey gegen Pferde verkauften. Als sich die Mormonen im Großen Becken niederließen, begann er mit ihnen einen freundschaftlichen Handel; die Mormonen waren auf friedliche Beziehungen zu ihm bedacht, und 1850 ließ er sich sogar von ihnen taufen. Aber wenig später läutete eine Masernepidemie, der viele Utah zum Opfer fielen, das Ende seiner Herrschaft ein. Schließlich begann er 1853 gegen die Mormonen Krieg zu führen (›Walkers Krieg‹), ausgelöst dadurch, daß ihm eine Mormonenfrau, die er zu heiraten gedachte, verwehrt wurde, aber vor allem vor dem Hintergrund, daß die Mormonen ihm nicht Whiskey und Waffen verkauften und ihn nicht im Kampf gegen die Shoshonen unterstützten. Die Mormonen jedoch wußten sich so gut ihrer Haut zu wehren, daß Walkara schließlich Frieden schloß. Seine Macht war dahin, die Mormonen gewährten ihm großzügig zwanzig Acre Landes (8,094 ha), die er jedoch stolz ablehnte. Als dann auch noch ein zweites Mal sein Werben um eine Weiße zurückgewiesen wurde, war ihm klar, daß es auf Dauer kein friedliches, vor allem kein gleichberechtigtes Miteinander zwischen Weiß und Rot geben würde; diesbezügliche Versicherungen der Weißen waren ebenso falsch wie ihre Zusagen auf ein friedliches Nebeneinanderleben in dem Gebiet, das einst ganz den Utah gehört hatte. Am 29. Januar 1855 starb Walkara und wurde nach Utah-Brauch begraben. Zwei seiner Frauen wurden getötet und mit ihm be-


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graben, ebenso zwei indianische Kinder, die als Gefangene bei ihm lebten, und fünfzehn Pferde. Walkaras Begräbnis war das letzte unter den Utah, das mit Menschenopfern verbunden war; es bedeutete auch das Ende einer Ära.


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Von der angeblichen Treulosigkeit der Utah – als zumindest »von unfreundlichem Geist« wurden sie noch anfangs unseres Jahrhunderts bezeichnet(18) – konnte in der Geschichte noch mehrfach die Rede sein. 1853 überfielen Angehörige des Stammes in der Nähe des Sevier Sees in Utah Captain John Gunnison und seine Truppe, die Forschungs- und Vermessungsarbeiten im Rahmen der Expeditionen unternahmen, die ausgeführt wurden, um eine Route für eine den ganzen Kontinent durchquerende Eisenbahnlinie zu finden. Gunnison, der deutsche Botaniker Friedrich Creuzefeld und der Künstler, Topograph und Naturforscher Richard Kern (geb. 1821), der von Schweizer Herkunft war, befanden sich unter den Toten. Zu den renommierten Opfern der Utah gehörte auch der Händler, Trapper und Forscher William S. Williams (Old Bill Williams, 1787-1849), der lange unter diesem Stamm gelebt hatte, aber sich später gegen ihn wandte und ihn betrog; mit ihm starb Benjamin Kern (geb. 1818), der ebenfalls der bedeutenden Forscher- und Künstlerfamilie der Kerns aus Philadelphia entstammte.(19) Mag sein, daß die Vorfälle um Walkara, die Kerns und Creuzefeld dazu führten, daß in Deutschland hin und wieder negativ über die Utah berichtet wurde. Auch bei May ist diese Antipathie gegen die Utah zu spüren, aber er hat ganz klar und richtig die eigentliche Ursache betont (S. 363f): »Es ist eine Gesellschaft von weißen Goldsuchern in eins der Utahlager gebrochen, um Pferde zu rauben; aber die Utahs ... haben sich zur Wehr gesetzt, wobei viele von ihnen von den weit besser bewaffneten Weißen getötet worden sind.« Die Utah verfolgten die Räuber; beim nachfolgenden Kampf kamen noch einmal um die sechzig Indianer ums Leben, aber nur sechs Weißen gelang die Flucht. Während die Utah nun diese Entkommenen suchten, wurde gleichzeitig eine Abordnung zu den Weißen gesandt, um Schadenersatz zu verlangen. Aber: »Es fällt den Weißen gar nicht ein, den Roten die Berechtigung zu irgend einer Forderung zuzusprechen.« Mit anderen Worten: »Also erst werden die Utahs überfallen, beraubt und ihrer viele getötet; als sie Bestrafung der Uebelthäter und Ersatz verlangen, weist man sie ab, und nun sie die Angelegenheit in die eigenen Hände nehmen, hetzt man die Navajos gegen sie und bezahlt diese letzteren mit der Beute, welche den Beleidigten und Geschädigten abgenommen wird! Ist es da ein Wunder zu nennen, wenn sie sich bis zum Aeußersten getrieben fühlen? Ihre Er-


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bitterung muß groß sein und wehe nun allerdings dem Weißen, welcher in ihre Hände fällt!«

   May hat hier das Grundproblem im Umgang mit den Utah auf den Punkt gebracht: es war die Gier der Weißen nach Gold, die die Utah allmählich um ihr Land und ihre Existenz brachte.(20) Den ersten Vertrag schlossen die Vereinigten Staaten und die Utah schon 1849, natürlich verbunden mit dem Gelöbnis ewigen Friedens und der Möglichkeit für die Weißen, Forts, Handelsposten und Agenturen im Land der Utah zu bauen und dieses frei zu durchreisen. Indianeragenten richteten dann 1856 und 1859 verschiedene Reservate für sie ein. Das entscheidende Jahr allerdings kam 1858, als man in der Nähe des heutigen Denver Gold entdeckte. Schon drei Jahre später wurde das Territorium Colorado organisiert, dessen Hauptstadt 1867 Denver wurde. 1870 erreichten die Denver Pacific und Kansas Pacific Eisenbahnlinien Denver, und schon am 1. 8. 1876 wurde Colorado als 38. Staat in die Union der Vereinigten Staaten aufgenommen. Und nur zwei Jahre später wurde die Silberproduktion in Colorado in großem Stile vorangetrieben.

   Natürlich veränderten die Goldfunde in Colorado die Siedlerstruktur. Minenstädte und Handelszentren wurden aus dem Boden gestampft und zogen Siedler unterschiedlichen Niveaus aus allen Teilen der Vereinigten Staaten und aus Übersee an. Zu dieser Zeit gehörte das Land noch den Indianern. In bemerkenswerter Verdrehung der historischen Wahrheit heißt es in der Encyclopedia Americana unter dem Stichwort ›Colorado‹(21): »Indianerunruhen plagten das Minengebiet mehr als ein Jahrzehnt lang.« Die Cheyenne und Arapaho, denen ein Teil der von den Weißen beanspruchten Gebiete gehörte, verkauften nach lang andauernden Kriegen schließlich ihr Land östlich der Gebirge (d. h. in Richtung Kansas und Nebraska) und zogen sich aus dem Gebiet zurück. Vielleicht hat May darüber gelesen und den voreiligen Schluß gezogen: »Ich traue diesen Sheyennes und Arapahoes nicht viel zu ... Beide Stämme sind sehr klein und haben seit langer, langer Zeit kein Kriegsbeil in den Händen gehabt. Wir können uns nicht auf sie verlassen ...« (S. 202) Tatsächlich verhielten sich die südlichen Cheyenne und Arapaho seit dem Vertrag von Medicine Lodge 1867 weitgehend friedlich (General Custers blutiges Massaker unter ihnen am Washita 1868 war ein trauriges Intermezzo); aber daß sie noch zu kämpfen verstanden, zeigte die Teilnahme der nördlichen Gruppen dieser Stämme an den Kriegen der Dakota bis hin zur Custer-Schlacht am Little Bighorn 1876.

   Bemerkenswerterweise hat sich May gerade umgekehrt auch bei den Osage geirrt, die ebenfalls im ›Silbersee‹ im Kampf um Butlers Farm auftreten. Über ihren Häuptling Menaka schecha (die ›gute‹ bzw. die ›große Sonne‹) heißt es (S. 155): »Er ist ein sehr tapferer und erfahrener Krieger und dabei kein eigentlicher Feind der Weißen, obgleich die Osa-


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gen zu den Völkerschaften der noch ungezähmten Sioux gehören.« In der Zeit, in der May seinen ›Silbersee‹ schrieb, waren die Osage im Gegensatz zu den Cheyenne und Arapaho aus weißer Sicht längst ›gezähmt‹; Ende der 60er Jahre hatten sie der US-Armee sogar noch als Scouts im Kampf gegen die Cheyenne gedient (nach May hatten sie das Kriegsbeil mit den Cheyenne und Arapaho begraben (S. 190)), und seit 1870 bewohnten sie friedlich ein Reservat im Nordostteil des Indianerterritoriums Oklahoma. Freilich, im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts hatten sie, deren Name aus einer Verballhornung des französischen Namens für sie: Wazhazha entstand und die sich selbst Ni-U-ko'n-Ska (›Kinder der mittleren Gewässer‹) nannten, zu den gefürchtetsten Stämmen im heutigen Missouri sowie in den angrenzenden Teilen von Arkansas, Kansas und Oklahoma gehört und mit ihren indianischen Nachbarn in ständiger Fehde gelebt. Sie galten als der bedeutendste südliche Sioux-Stamm und bildeten mit den Kaw, Omaha, Ponca und Quapaw die sogenannte Dhegiha-Gruppe der Sioux-Sprachfamilie. Stammesorganisation, Ritenwesen und Mythologie erhoben sie in vieler Hinsicht über ihre Nachbarn. Ursprünglich enge Verbündete der Franzosen und von daher von großem Einfluß, begegneten sie den Amerikanern erst feindlich, aber in Verträgen 1808, 1818, 1825, 1839 und 1865 gaben sie ihr Land auf, bis sie schließlich 1870 in Oklahoma ansässig wurden. Ihre bedeutendsten Häuptlinge waren Clermont, Oberhaupt der Arkansas-Osage, der sich 1802 mit einem Teil von dem übrigen Stamm trennte und stark den Alkoholmißbrauch bekämpfte, sowie das Oberhaupt der in Missouri zurückbleibenden Osage Pawhuska (Weißes Haar, 1760?-1825), der offenbar ein Häuptling von Gnaden der Weißen war und mit dazu beitrug, das Land seines Volkes zu veräußern. Den Namen Menaka schecha entnahm May offenbar seinem ›Catlin‹,(22) aber aufgrund eines Irrtums Catlins, dem auch May aufsaß, bedeutet der Name (Mandan: Menaka = Sonne; Dakota: schecha = böse (statt gut, wie Catlin angab)) ›böse‹ und nicht ›gute Sonne‹.(23)

   Die Osage zählten um 1800 noch ca. 6500 Seelen, Mitte der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts nur noch um 1600, aber heute wieder knapp 7000. Ölfunde auf ihrem Land um 1900 machten die Osage zum damals reichsten Indianerstamm Nordamerikas. Doch kehren wir nun zu den Utah zurück.

   Die westlichen Landesteile von Colorado gehörten nach wie vor den Utah. 1861 erhielten die Uinta das gleichnamige Tal, den Rest ihres Landes nahm man ihnen einfach weg. Da sich die Konflikte zwischen den Indianern und den Prospektoren immer mehr zuspitzten, schloß man 1863 einen Vertrag mit den Tabeguache. Ein Jahr später wurden die Utah von ihren 1856 und 1859 gegründeten Reservaten vertrieben, das Land verkauft. Schließlich wurde 1868 ein neuer Vertrag abgeschlossen, und die bedeutendsten Verbände der Utah traten ihr gesam-


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tes Land im östlichen Colorado ab und verpflichteten sich, die kontinentale Wasserscheide nicht mehr nach Osten zu überschreiten; sie erhielten ein Reservat in Colorado. Als bald danach in Colorado der ›Silberrausch‹ ausbrach und die Weißen ins Land der Utah eindrangen, obwohl es ihnen vertraglich untersagt war, kam es zu neuen Kämpfen und neuen Verträgen mit verwirrenden Bestimmungen. Die Jahre 1873, 1876, 1878, 1879, 1880, 1882, 1888, 1897 und 1899 markieren die Veränderung oder Neugründung von Reservaten, überwiegend verbunden mit dem Verlust von Land.

   Über den entscheidenden Vertrag von 1868 schreiben Scherer und Walker: »1868 waren alle Ute in Reservationen. In dem Jahrzehnt davor war aus ihrem einstigen Boden in Colorado Gold im Wert von 25 Millionen Dollar gewonnen worden.« Noch entscheidender jedoch war der Vertrag von 1873. Fünf Utah-Stämme (Tabeguache, Moache, Capote, Wiminuche und White River) wurden gezwungen, auf ihr gesamtes Gebiet in Colorado – vier Millionen Acre – , mit Ausnahme eines kleinen Streifen Landes im Südwesten des Staates, zu verzichten. Darüber liest man bei Scherer und Walker (wenn auch von ihnen einem anderen Vertrag irrtümlich zugeordnet): »Dafür und für Bahnrechte durch ihre Reservationen versprach die Regierung den Ute fünf Hengste, etwas Vieh und Schafe sowie für 20 000 Dollar jährlich [tatsächlich waren es 25 000 Dollar. E. K.] zehn Jahre lang Versorgungsgüter. Tatsache ist, daß die Staaten nichts davon leisteten und nur das Land nahmen.«(24) Die noch verbleibenden Utah im nordöstlichen Colorado wurden 1881 vertrieben (darauf wird noch einmal zurückzukommen sein), sie waren ein Opfer des politischen Slogans »Die Ute müssen fort«, und 1882 war Colorado bis auf den Streifen im südwestlichen Teil endlich frei von Indianern. Die Vereinigten Staaten hatten es verstanden, die Bestimmungen des ersten Vertrages von 1849 gehörig für sich auszunutzen. Darin hieß es nämlich, sie könnten »die territorialen Grenzen regulieren, wie es die Regierung der genannten Staaten für das Glück und Wohlergehen der genannten Indianer für erforderlich hält.«(25)


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Die Haupttragik in der Geschichte der Utah spielte sich in Colorado ab, nicht so sehr in Utah, wo die Mormonen eine eher friedliche Politik verfolgten; ihr Zusammenstoß mit den Utah unter ihrem Chief Walkara wurde oben geschildert. Die Mormonen kamen 1847 in die Gegend des heutigen Utah, das damals noch mexikanisch war. 1848 fiel das Gebiet an die Vereinigten Staaten, 1850 entstand das Territorium Utah, das nach vielen Querelen zwischen Mormonen und US-Regierung erst 1896 in die Union aufgenommen wurde. Nachdem schon 1857 amerika-


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nische Truppen zur Überwachung der Mormonen, die angeblich die Utah aufhetzten und anderes Böse im Schilde führten, nach Utah beordert worden und bis zum Ausbruch des Bürgerkrieges in Camp Floyd westlich des Utah-Sees stationiert waren, folgten 1862 einige hundert kalifornische Freiwillige unter Oberst Patrick E. Connor (1820-91), der sich in Fort Douglas etablierte – von hier konnte er das Tal des Großen Salzsees überblicken und sowohl die Mormonen überwachen wie auch sie vor Indianern beschützen. Während er gegen letztere mit großer Brutalität vorging (z. B. in seinem Zug gegen die Shoshonen 1863), behandelte er feindliche Mormonen taktvoll, wenn auch mit entschiedener Entschlossenheit. Connor wurde zum großen Förderer der Prospektion in Utah. Mit seiner Unterstützung sowie Hilfe durch die amerikanische Regierung wurden reiche Silberadern entdeckt; nachdem 1869 die transkontinentale Eisenbahn fertiggestellt war, wurden diese Minen ausgebeutet. Inmitten der mormonischen Siedlungen entstanden viele Minenstädte, was wesentlich zu den Konflikten zwischen Mormonen und den übrigen Amerikanern beitrug. Connor, zuletzt General und als solcher 1866 verabschiedet, gründete die erste Tageszeitung in Utah und baute das erste Dampfschiff auf dem Großen Salzsee.(26)

   May erwähnt ein Fort Mormon (S. 362) und schildert ein Zusammentreffen Old Shatterhands und seiner Kameraden mit amerikanischen Kavalleristen, die er mitsamt ihrem Leutnant das Fürchten lehrt (S. 357ff.); der Leutnant warnt Old Shatterhand dann auch vor dem Aufstand der Utah und erzählt freimütig von deren oben schon zitierter ungerechter Behandlung; auf Old Shatterhands finstere Einwürfe antwortet er lakonisch: »Ich habe nur zu gehorchen und besitze kein Recht, irgend ein Urteil zu fällen.« (S. 364) Mögen bei May, wenn er seine Helden Offizieren ein Schnippchen schlagen läßt, immer auch persönliche Erfahrungen Pate stehen; hier aber wollte er vielleicht auch die Geschichte in Utah einschließlich ihres Obersten Connor anklagen und ihr eine symbolische Ohrfeige geben.

   Als Old Firehand und seine Begleiter die Gegend des Silbersees erreichen, der nach Wortlaut des Textes in Utah liegt (S. 581), zeigt er dem Ingenieur Butler ein Gebilde, das diesen frohlocken läßt: »Das ist ja reines, gediegenes Silber!« (S. 581) Außer den Silbererzgängen gibt es auch jede Menge Goldadern: »... hier liegen Millionen, und der Entdecker ist ein reicher, steinreicher Mann!« (S. 582) Natürlich sollen alle Begleiter Old Firehands an dem Fund teilhaben dürfen. Von Winnetou wird erwartet, daß er die Timbabatschen, denen das Gebiet hier gehört, veranlaßt, es an die Weißen zu verkaufen. Und auch die technischen Probleme – Bau von Wasserröhren zur Sprengung des Gesteins mit Wasserzufluß unter hohem Druck und Bau von Pump- oder Paternosterwerken, um den Abfluß des Wassers zu besorgen – erscheinen lösbar (S. 584).


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   Daß May so intensiv die Lösung technischer Probleme beschreibt, gerade auch die Abflußprobleme, legt den Schluß nahe, er habe sich – über die spezielle Historie Colorados und Utahs hinaus – noch durch eine weitere Einzelheit der amerikanischen Geschichte für seinen ›Schatz im Silbersee‹ inspirieren lassen. Genau das, was Old Firehand und seine Freunde am Silbersee finden: eine außerordentlich reiche Silbermine, durchsetzt mit Gold, wurde 1859 in Nevada entdeckt: die ›Comstock Lode‹. Unglaublich viel Silber und Gold wurde hier in den ersten Jahren gefördert; später wechselten Flauten und Erfolge; 1869 bis 1871 war das Ergebnis mager, aber die Wiederbelebung der Mine gipfelte 1873 in der Entdeckung der Big Bonanza, der reichsten Silbermine Amerikas. Zufluß und Abfluß bildeten auch hier ein entscheidendes Problem. Um Wasser von der Sierra Nevada nach Virginia City, der an der Mine entstandenen Stadt, zu schaffen, baute Henry Schussler 1873 lange Kanäle und eine 11 km lange Pipeline quer durch das Washoe Tal. Ein noch größerer Kanal, einschließlich eines 900 m langen Tunnels, wurde 1875 gebaut und brachte Wasser aus 50 km Entfernung aus dem Marlette See. Um die tiefer gelegenen Minengeschosse zu be- und entlüften – die Arbeiter schürften hier unter unmenschlichen Verhältnissen – und zu entwässern, baute der Ingenieur Adolph Sutro bereits ab 1869 (bis 1878) einen 6 km langen Tunnel in den Berg.

   Ab Ende der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts nahm die Ergiebigkeit der Mine ab, aber insgesamt erbrachte sie Gold und Silber im Wert von mehr als einer halben Milliarde Dollar; die wirtschaftliche Entwicklung San Franciscos wurde durch dieses Geld außerordentlich gefördert. Sutro stammte – und das ist in Anbetracht der Tatsache, daß der Reisegesellschaft, die zum Silbersee zieht, etliche Deutsche angehören (auch Old Firehand ist ein Deutscher), besonders bemerkenswert – aus Aachen, wo er, von jüdischer Herkunft, 1830 geboren wurde. Er ging nach seinen Aktivitäten in Nevada als reicher Mann nach San Francisco, wo er 1892 mit dem Bau der damals luxuriösesten Badeanstalt begann, von 1894 bis 1896 als Bürgermeister amtierte und neben großzügigen Wohltätigkeitsspenden eine Bibliothek von mehr als 200000 seltenen Büchern aufbaute. Daß die Comstock-Mine überhaupt soviel Gold und Silber erbringen konnte, war zudem dem deutschen Bergbauingenieur Philipp Deidesheimer zu verdanken, der ein geniales System von Tunnelverstrebungen entwickelte, so daß man trotz des lockeren Gesteins in immer größere Tiefen vorzustoßen in der Lage war.(27)

   Karl May hat die Geschichte von Utah und Colorado in den Grundzügen gekannt; darüber kann es keinen Zweifel geben. Von der realen Geschichte, zu der auch die Geschichte der Comstock-Mine gehört – deren Entdecker, der Prospektor Henry Comstock (1820-70), wurde nicht Old Firehand, aber Old Pancake genannt; Virginia City hieß so nach einem anderen Prospektor namens James Fennimore, der auch als


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James Finney oder Old Virginny bekannt war –, hat er sich für seinen ›Silbersee‹ mit inspirieren lassen. Aber es mag noch weitere Quellen für seine Darstellungen gegeben haben.

   1890, als May mit dem ›Silbersee‹ gerade begonnen hatte, brach eine der schlimmsten Flutkatastrophen der Geschichte Arizonas über die Stadt Wickenburg herein, als der Damm eines Stausees nachgab (!). Achtzig Einwohner wurden getötet; zerstört wurde auch die Ranch von Henry Wickenburg, der als Johannes Henricus Wickenburg 1819 in Holsterhausen (heute ein Stadtteil von Essen) geboren worden war und 1862 nach Arizona kam. Im Oktober 1863 entdeckte er die Vulture Mine in der Nähe der später gegründeten Stadt, die nach ihm benannt wurde. In der Mine sollte bis zu ihrem Einstellen in den 80er Jahren Gold im Wert von 30 bis 50 Millionen Dollar geschürft werden, wenn auch der Entdecker selbst nur wenig davon profitierte. Immerhin besaß er trotz der großen Verluste durch den Dammbruch 1890 einen wertvollen Besitz. 1905 fand man ihn mit einer Kugel im Kopf; ob er einem Mordanschlag zum Opfer fiel oder Selbstmord verübte, ist nie geklärt worden.(28)

   Außer Wickenburg gab es noch andere deutsche Prospektoren in Arizona; am berühmtesten wurde der geheimnisumwitterte Besitzer der ›Lost Dutchman Mine‹, Jacob Waltz (1810-91), ein Preuße, der mit einem Landsmann, Jacob Weiser (ca. 1810-71), 1863 nach Arizona kam. Angeblich rettete Waltz in dem Ort Arizpe, Sonora, einem gewissen Miguel Peralta während eines Streits das Leben, worauf ihm Peralta aus Dankbarkeit den Plan (!) einer Mine schenkte, die in den Superstition Bergen in Arizona gelegen war und von seiner Familie ausgebeutet wurde. Der Legende gemäß fanden Waltz und Weiser die Mine und brachten Gold im Wert von 60 000 Dollar nach Tucson, wovon Peralta die Hälfte erhalten haben soll. Weiser mag von Indianern oder seinem Gefährten selbst getötet worden sein, was letzterer bis zu seinem Tode bestritt. Bald rankten sich viele Legenden um die Mine; Waltz holte sich Gold, wenn er es brauchte, aber schüttelte alle Verfolger ab (einige soll er getötet haben), verbarg den Eingang der Mine und nahm – trotz einiger Hinweise, die er kurz vor seinem Tode gab – ihr Geheimnis mit ins Grab.(29)

   Die Brunckow-Mine, benannt nach dem Berliner Frederick Brunckow (ca. 1830-60), der beim heutigen Tombstone eine Silbermine fand und wohl von mexikanischen Angestellten ermordet wurde, war wenig ergiebig, wurde aber eine bekannte Landmarke.(30) Carl Schuchard (1827-83) aus Hessen-Kassel verbrachte viele Jahre als Mineningenieur in Arizona und Mexiko.(31) Der bedeutendste von allen deutschen Mineningenieuren in Arizona aber war Hermann Ehrenberg (1816-66) aus Steuden bei Leipzig, der auch Bedeutendes für die Entwicklung des Territoriums Arizona geleistet hat.(32)


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   Wenngleich nicht zu bezweifeln ist, daß May bei der Gestaltung seiner Romane auch von Kindheitserinnerungen und inneren Erfahrungen getrieben war, d. h. selbst wenn man den psychologischen Hintergrund seines Romans nicht leugnen wird,(33) kann doch aus den vorhandenen Übereinstimmungen geschlossen werden, daß May Kenntnisse über die Geschichte der von ihm verwendeten Schauplätze hatte und sich daraus Anregungen holte. Sei es der Minenplan, der aus Dankbarkeit geschenkt wird, sei es der Dammbruch zum ›passenden Zeitpunkt‹ (1890), sei es die Geschichte der Comstock-Mine und die Leistung Sutros bzw. Deidesheimers – es sind zu viele Übereinstimmungen, als daß man hier nur von Zufall sprechen könnte. Vielleicht findet ein penibler May-Forscher irgendwann in einer deutschen Zeitung oder Zeitschrift von 1890 einen Artikel über den Dammbruch von Wickenburg und darin auch weitere Berichte über deutsche Prospektoren in Arizona ... Die Tatsache, daß einige spezielle Quellen, die May für die Abfassung seines ›Silbersees‹ verwandt hat, inzwischen bekannt sind, dürfte vor diesem allgemeinen Hintergrund beinahe verblassen.


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»Auch in dieser Erzählung hat May zeitgenössische Quellen verwendet, dem Anschein nach auch Robert von Schlagintweits Werke über den Bau der nordamerikanischen Eisenbahnlinien. Heute auf Landkarten nicht mehr auffindbare Orte wie Sheridan und Eagle Tail, die in der Erzählung eine wichtige Rolle spielen, hat es wirklich gegeben (vgl. H. Miller u. a.: Kansas – A Pictorial History. Topeka 1961). Fraglich ist, ob May sich von dem Silbersee, der südöstlich von Salt Lake City im Wasatchgebirge liegt, hat anregen lassen; ›sein‹ Silbersee ist nach der vom KMV herausgegebenen Landkarte noch östlich vom Green River zu suchen.«(34)

   Weitere Quellen Mays sind inzwischen bekannt geworden. In der ›Gartenlaube‹ erschien 1878 ein Artikel über ›Die Tramps. Eine neue Landplage der Vereinigten Staaten‹; ein Vergleich des Textes mit Mays Darstellung fördert überraschende Übereinstimmungen zutage.(35) Old Firehand findet in den Taschen eines Tramps ein Stück Zeitung mit einem Bericht über die »erstaunliche Thatsache, daß es innerhalb der Vereinigten Staaten einen Landstrich gibt, größer als mancher Staat, der sich der Auszeichnung erfreut, ganz und gar nicht regiert und verwaltet zu werden,« ein freier Räuberstaat sozusagen, wo Verbrecher ihr Unwesen treiben und zum »Schrecken der benachbarten Territorien« wurden (S. 185f.). Der von Old Firehand verlesene Text wurde am 11. Februar 1881 in der in Lawrence/Kansas erschienenen deutsch-amerikanischen Zeitung ›Germania‹ veröffentlicht.(36) Wilhelm Brauneder, dem wir die-


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se Entdeckung verdanken, vermerkt dazu: »Es ist fraglich, ob May, was beim Schreiben am ›Schatz‹ 1889 zeitlich sehr wohl möglich gewesen wäre, die ›Germania‹ von 1881 tatsächlich benützt hat. Viele deutsche Zeitungen brachten zu Mays Zeiten Berichte über Nordamerika, und zwar oftmals einfach dadurch, daß sie aus einschlägigen nordamerikanischen Zeitungen ebenso Artikel übernahmen wie aus anderen deutschen oder sonstigen europäischen Blättern. Es könnte dies übrigens auch mit dem Tramp-Artikel der ›Gartenlaube‹ 1878 der Fall sein.«(37)

   Schließlich sei noch die Vermutung Volker Grieses erwähnt, daß May sich bei seiner Darstellung der Flucht des Westmannes Engel vor dem ›roten Cornel‹ Brinkley durch die historisch belegte Flucht des Mountain Man John Colter (ca. 1775-1813) vor Schwarzfuß-Indianern (1808) – Colter lieferte die erste Beschreibung von ›Colter's Hell‹, dem heutigen Yellowstone Park – hat anregen lassen.(38) Die Schilderung von Präriehundedörfern in ›Silbersee‹ schöpfte May offenbar aus Möllhausens Werk.(39) Anklänge an Gerstäckers ›Flußpiraten des Mississippi‹ lassen sich bei Mays Schilderung der Dampferfahrt auf dem Arkansas finden.

   Es ließe sich noch vieles über Mays Sicht der amerikanischen Verhältnisse, seine subjektive Schilderung deutscher Einwanderer und ihrer Ehrlichkeit im Gegensatz zu den Yankees, worin er an die Romane von Otto Ruppius gemahnt, über die Schauplätze der Erzählungen, über die Rolle der Pedlars und Quacksalber im Wilden Westen, über die Reisenden und Westläufer, Fallensteller, Prospektoren und Forscher sagen. Dies muß hier aus Platzgründen unterbleiben. Aber auf die Frage, wann denn nun eigentlich Mays Erzählung spielt, soll noch kurz eingegangen werden. Heinemann(40) verlegt sie in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Da Winnetou in ihr noch auftritt und May sein Todesjahr mit 1874 angegeben hat, kann es sich dann allenfalls um den Beginn der 70er Jahre handeln. Der Artikel in der ›Gartenlaube‹ bezieht sich auf das Jahr 1873 (der Zeitungsausschnitt aus der ›Germania‹ datiert von 1881). Die hohe Zeit der Gold- und Silberfunde in Utah und Colorado indes waren die 60er Jahre; dies war auch die Zeit der Niederwerfung der Indianer des Großen Beckens wie auch der Utah, auch wenn sich ihre gelegentlichen Raubzüge und Aufstände bis in die 70er Jahre hinzogen. Projiziert man die Schilderung Mays sowohl der Prospektion als auch der Geschichte der Utah auf die oben geschilderte Historie, so gelangt man eher zu dem Schluß, daß die Erzählung in der zweiten Hälfte der 60er Jahre spielt. Im übrigen haben die von May geschilderten Kämpfe zwischen Utah und Navajo ein historisches Vorbild, und dies ist ebenfalls nicht in den 70er, sondern in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts zu suchen, wenn auch die Ereignisse etwas anders abliefen, als May es uns erzählt.


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Die Darstellung der Navajo in Mays Werk zu untersuchen wäre eine eigene Arbeit wert. Im ›Silbersee‹ wird nur ihre Rolle im Kampf gegen die Utah auf Seiten der Weißen geschildert; sie sind mit den Weißen verbündet, von diesen gegen die Utah aufgehetzt (S. 364, 388); im Kampf gegen sie drohen sie zu unterliegen und werden erst durch die ankommenden Weißen gerettet (S. 560f, 595, 600f).

   Wer waren die Navajo? May schlägt sie den Apachen zu (S. 388, 571) und wertet damit Winnetou auch gleich zum Oberhäuptling der Navajo auf. Tatsächlich waren die Navajo zwar sprachlich mit den Apachen verwandt und bildeten ursprünglich mit ihnen ein Volk (die Spanier nannten sie ab 1630 ›Apaches de Nábaju‹), aber ansonsten handelte es sich um ein davon verschiedenes und unabhängiges Volk(41) mit eigenständiger Kultur und Lebensweise. Seit dem 13. Jahrhundert kamen sie mit den Apachen in ihre heutigen Siedlungsgebiete in Arizona, New Mexico, Colorado und Utah und ließen sich in der Nähe der Pueblo-Indianer nieder, von denen sie kulturell stark beeinflußt wurden. Ursprünglich Jäger und Sammler, übernahmen sie zusätzlich den Pflanzenbau. Töpferei und Korbflechterei wurden wenig entwickelt. Die Spanier brachten ihnen aber Pferde-, ein wenig Rinder- und später noch die Ziegen- und Schafzucht, wodurch ihre Frauen zu geschickten Weberinnen von Decken und Teppichen wurden. Die Herstellung von Silberschmuck entfaltete sich aufgrund des Einflusses der Pueblo und der Mexikaner. Wegen ihres Kunsthandwerks sind die Navajo heute sehr anerkannt, darüber hinaus auch wegen ihrer Sandbilder, die als Teil ritueller Handlungen vornehmlich der Krankenheilung dienten. Schamanen spielten als Krankenheiler, Psychotherapeuten und Schlichter von Streitigkeiten eine große Rolle.

   Ursprünglich lebten die Navajo in selbständigen Lokalgruppen ohne zentrale Stammesorganisation. Sie trugen Leder-, später Baumwollkleidung und wohnten in Hogans, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts zu achteckigen Winterhäusern aus mit Lehm abgedichteten Holzbalken entwickelten. Das kuppelförmige Dach mit Öffnung für den Rauchabzug war mit Erde abgedeckt.

   Die Navajo kämpften gegen ihre indianischen Nachbarn, die Spanier, Mexikaner und schließlich die Amerikaner. Überall waren sie verhaßt, aber wegen ihrer halbnomadisierenden Lebensweise konnten sie erst besiegt werden, als das amerikanische Militär mit geballter Kraft gegen sie zu Felde zog. 1864 wurden sie vernichtend geschlagen und auf ihrem ›Zug der Tränen‹ nach Bosque Redondo im östlichen New Mexico deportiert, wo sie mit ihren Feinden, den Mescalero, zusammen hausen mußten. Der Versuch, sie zu Ackerbauern umzuerziehen, schlug fehl; endlich durften sie 1868 in ihre Heimat zurückkehren, wo sie bald als


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Viehzüchter großartige Erfolge aufzuweisen hatten. Um 1870 gab es etwa 8000 Navajo, heute sind es über 160 000. Zweifellos hat die ›Navajo-Nation‹ große Fortschritte gemacht. Ihre Reservation ist die größte der USA. Es gibt eine Kleinindustrie, Schulen wurden gegründet, Zeitungen werden herausgegeben. Überschattet werden die Erfolge durch hohe Arbeitslosigkeit (40 %) und Alkoholismus, Umweltverschmutzung durch den Abbau von Steinkohle im Gebiet der Black Mesa und Auseinandersetzungen mit den Hopi, deren Reservat vom Navajo-Reservat umschlossen wird.

   Von all den Errungenschaften der Navajo, ihrer hochentwickelten Kultur, ihrem ausgeprägten Kriegertum einerseits, ihrem bemerkenswerten Schamanentum andererseits, ihrer Kunst usf. berichtet uns May im ›Silbersee‹ nichts. Er weist nur auf die Feindschaft zu den Utah hin, und tatsächlich gehörten diese zu den Hauptfeinden der Navajo. Sie entführten ihnen Frauen und Kinder und bedrohten ihre Siedlungen (wie natürlich auch umgekehrt) und unternahmen zahllose Raubzüge, auch um Sklaven zu gewinnen, gegen sie. Noch heute ist das Wort Ute bei den Navajo ein Synonym für ›Feind‹.(42) Als reine Jäger und Krieger waren sie den halbseßhaften Navajo überlegen, und die Geschichte Mays von der Niederlage, die die Utah den Navajo beibringen, ist keine Mär. Als schließlich Oberst Christopher ›Kit‹ Carson (1809-68) gegen die Navajo zu Felde zog, schlossen sich ihm mehrere hundert Utah als Scouts an – sie betrachteten die Weißen als Verbündete, sie wollten Navajo-Frauen und Navajo-Vieh, und gerade in dieser Zeit verstärkten sie ihre Sklavenzüge gegen die Navajo. Vor allem durch Hilfe der Utah wurde der Feldzug Carsons ein Erfolg.(43) May hat in seiner Erzählung zwar die Bündnisverhältnisse genau verkehrt herum geschildert, aber von den Feindseligkeiten zwischen Utah und Navajo hat er möglicherweise gewußt.

   Kit Carson, der Bezwinger der Navajo, und der bereits erwähnte Utah-Häuptling Ouray waren befreundet; Carson zählte ihn zu den bedeutendsten Persönlichkeiten, die er je kennengelernt hatte, und als Carson starb, fand Ouray in dem Utah-Agenten, dem Deutschen Charles Adams, einen neuen Freund.


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Ouray, um 1820 oder aber erst um 1833 in Taos geboren, war einer der hervorragendsten Utah-Häuptlinge; allerdings war auch er ein von der Regierung ernannter ›Oberhäuptling‹; um so erstaunlicher war der Einfluß, den er auf alle Utah-Stämme auszuüben wußte. Er war maßgeblich an den Landabtretungsverträgen beteiligt, vor allem an dem Vertrag von 1873, versuchte aber stets, auch die Interessen seines Volkes zu


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wahren. Mehrfach besuchte er Washington und half, Aufstände anderer Utah-Chiefs friedlich beizulegen. Die Regierung gewährte ihm eine jährliche Zuwendung von 1000 Dollar und baute ihm ein eigenes Adobe-Haus als Dank für seine Verdienste (1875), was ihn bei seinen Stammesgenossen allerdings ins Zwielicht rückte, und mehrfach entging er nur knapp Anschlägen auf sein Leben. Er sprach Englisch und Spanisch und verschiedene Indianersprachen; er galt als weise und geduldig.

   Nachdem Colorado 1876 als Staat in die USA aufgenommen worden war, versuchten die Minengesellschaften, die Utah von deren Land am White River zu vertreiben. Trotz ihrer Dienste im Kampf gegen die Navajo, und obwohl sie nun relativ friedlich waren, kam der politische Slogan hoch: »Die Ute müssen fort!« Auch ein geachteter Mann wie Ouray, der sich um Frieden bemühte, konnte den Gewaltausbruch auf Dauer nicht verhindern, zumal Charles Adams zu dieser Zeit schon nicht mehr Agent für die Utah war.

   Adams hieß eigentlich Karl Adam Schwanbeck, stammte aus Pommern und kam vor dem Bürgerkrieg in die USA. Nach seiner Teilnahme am Sezessionskrieg und an Kämpfen gegen die Kiowa gelangte er nach Colorado, wo er die Schwester der Frau des Gouverneurs heiratete. Auf ihren Wunsch hin änderte er seinen Namen in Charles Adams. 1870 machte ihn der Gouverneur zum Brigadegeneral der Staatsmiliz, und durch seine Fürsprache wurde er im Juni 1872, im Alter von etwa siebenundzwanzig Jahren, Agent für die Utah im Los Pinos Reservat. Damals waren Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Aufstand im Umlauf; die Utah hatten Angst, aber Adams beruhigte sie und gewann ihr Vertrauen. Bald hatte er eine Sägemühle laufen, im Winter richtete er eine Schule ein, er gewann Respekt und Freundschaft der Indianer, da er sie achtete und sich ihrer annahm. 1874 schied er bedauerlicherweise aus, um Postamtsinspekteur zu werden. Ein Jahr später wurde die Los Pinos Agentur an den Uncompahgre River verlegt, und bei den nördlichen Utah am White River nahm 1878 ein neuer Agent, Nathan Meeker (geb. 1817), seine Tätigkeit auf. Seine Ungeschicklichkeit provozierte den Utah-Aufstand von 1879 (u. a. wollte er die Utah mit Gewalt zum Ackerbau bekehren und pflügte ihr bestes Weideland um), in dem er selbst und neun Angestellte der Agentur sowie dreizehn Soldaten getötet, achtundvierzig Soldaten verwundet und Meekers Frau und Tochter sowie eine weitere Frau und zwei Kinder entführt wurden. Das Kriegsministerium plante eine größere Offensive gegen die Utah, aber es gelang dem damaligen Innenminister Carl Schurz (1829-1906), der bekanntlich aus Liblar bei Köln stammte, in den USA als General im Bürgerkrieg und Politiker Karriere machte und noch heute als bester Freund gilt, den die Indianer je fanden (er hat u. a. die Dakota vor ihrer völligen Vernichtung bewahrt), sich durchzusetzen und eine Friedensmission zu entsenden – geleitet von Charles Adams.(44) Adams und


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Ouray gelang es, eine Ausbreitung des Aufstandes zu verhindern und die Geiseln freizubekommen. Adams ging mit strikter Gerechtigkeit vor, so kehrte wieder Ruhe ein; bis auf einen Häuptling wurden alle Utah-Führer freigeprochen, und dieser eine blieb nur ein Jahr im Gefängnis.

   1880 reiste Ouray noch einmal nach Washington, wo ein neuer Vertrag unterzeichnet wurde, mit dem die White River Utah endgültig ihr Land aufgaben und – zusammen mit den Uncompahgre – nach Utah auf die Uinta-Reservation zogen. Nur im äußersten Süden Colorados durften die Utah ihr kleines Land behalten. Der zu dieser Zeit schon kranke Ouray starb noch 1880; seine Frau Chipeta verschied 1924 in Armut auf dem Uinta-Reservat – die Regierung hatte sie sofort nach Ourays Tod vergessen; Ouray war wohl in den Augen der Amerikaner auch nur ein ›nützlicher Indianer‹ gewesen –, Adams wurde 1880 Gesandter in Bolivien. Als zwischen diesem Staat und Chile Krieg ausbrach, nahm er als Schiedsrichter der USA an der Friedenskonferenz von Arica teil. Später wurde er Geschäftsmann in Denver und kam bei einer Explosion 1895 in Denver ums Leben.

   Die Utah bewohnen heutzutage ein Reservat in Utah und eines in Colorado; das dritte umfaßt Parzellen aus Colorado, Utah und New Mexico. Sie leben von Öl-, Gas- und Mineralvorkommen, von Ackerbau und Viehzucht. Jährlich halten sie Bären- und Sonnentänze ab. Während die Utah um 1870 etwa 4000 Seelen zählten, waren es 1909 nur noch etwa 2000; Mitte der 80er Jahre aber war die Zahl wieder auf rund 4700 angewachsen. Und die Utah entdecken ihre Kultur und Sprache neu. Karl May hat ihnen in seinem ›Silbersee‹ ein bleibendes Andenken bewahrt, das von der historischen Wirklichkeit gar nicht so weit entfernt ist, wie man ihm ohne näheres Studium der Quellen unterstellen würde. Die hervorragende Freundschaft zwischen Ouray und dem Deutschen Schwanbeck alias Adams und dessen Verdienste um die Utah bleiben unvergessen; auch May ging es in seinem Roman letztendlich um den Sieg des Friedens und der Freundschaft.


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Noch vieles ließe sich über die Darstellung der Indianer in Mays ›Silbersee‹ sagen: über Martern und Skalpieren, religiöse Vorstellungen und Medizinmänner, über Kalumet und Schwur, über Freundschaft und Feindschaft, das Häuptlingstum, die Rolle der Frauen, den Alkoholmißbrauch, den Stolz und die Erbitterung, den Verrat und die Treue. Einiges von dem, was May an allgemeinen Kenntnissen einfließen läßt, ist richtig, anderes wiederum nicht. Aber eine Botschaft zu verkünden, wird May nicht müde: daß es letztlich die Weißen sind, die an all dem Unglück der Indianer die Schuld tragen. Auch der ›große Wolf‹, von


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dem am Schluß noch ausgesagt wird: Er war es, der am meisten gegen sie [die Weißen] gesündigt hatte; er trug die Schuld an allem, was geschehen war (S. 642), ist letztlich zu seinem Verhalten durch die Weißen provoziert worden, und immer wieder wird dem Leser vor Augen gehalten: »... wenn Ihr im Fort von der Begegnung mit uns erzählt, so sagt dabei, daß Old Shatterhand kein Feind der Roten ist und es lebhaft bedauert, daß eine reichbegabte Nation zu Grunde gehen muß, weil man ihr keine Zeit läßt, sich nach den Gesetzen menschlicher Kultur natürlich zu entwickeln, sondern von ihr verlangt, sich nur so im Handumdrehen aus einem Jägervolke in eine moderne Staatsgemeinschaft zu verwandeln. Mit ganz demselben Rechte kann man einen Schulknaben umbringen, weil er noch nicht das Geschick und die Kenntnisse besitzt, General oder Professor der Astronomie zu sein.« (S. 365)

   »... die Bleichgesichter drängen von allen Seiten auf uns ein; sie überschwemmen uns, und der rote Mann ist verurteilt, eines langsamen und qualvollen Erstickungstodes zu sterben. Ist es da nicht besser für ihn, den Kampf so zu führen, daß er rascher stirbt und rascher vernichtet wird?« (S. 389)

   Und ein letztes Zitat: »Wer die Indsmen haßt, der beurteilt sie falsch, der hat nicht darüber nachgedacht, was die Roten alles erduldet haben ... den Roten gehörte alles Land; es ist ihnen von uns genommen worden, und wenn sie sich wehren, wozu sie mehr Recht haben als du, so verurteilst du sie?« – »Hm! Ist schon richtig, was du sagst; aber der Rote muß fort [wie es im Slogan »Die Ute müssen fort!« hieß. E. K.], muß aussterben; das ist ihm bestimmt.« – »Ja, er stirbt aus, weil wir ihn morden. Es heißt, daß er nicht kulturfähig sei und darum verschwinden müsse. Die Kultur aber schießt man nicht wie eine Kugel nur so aus dem Laufe heraus; dazu gehört Zeit, viel Zeit; ich verstehe das nicht, aber ich meine, daß dazu sogar Jahrhunderte gehören. Gibt man aber etwa dem Roten Zeit? ... ich habe bei ihnen ebensoviel gute Menschen getroffen wie bei den Weißen, ja noch viel mehr.« (S. 85)

   Es braucht hier nicht abermals wiederholt zu werden: May hat sich der Sache der Indianer, natürlich aus europäischer, aber um so humanerer Sicht, verschrieben. »Mays Eintreten für die Indianer und die sich daraus ergebende Formung des Bildes von den Indianern bei den Deutschen durch ihn dürfte zu den bemerkenswertesten Wirkungen eines Autors in der Literaturgeschichte überhaupt zählen«, wurde an anderer Stelle formuliert.(45) Aber diese Haltung Mays drückt sich nicht nur in theoretischen Belehrungen aus, sondern auch in der Handlung selbst: wenn etwa (S. 276) der Ingenieur dem Roten eine sehr achtungsvolle Verbeugung machte oder wenn Old Firehand Winnetou begegnet: Old Firehand zog ihn an seine breite Brust, küßte ihn auf beide Wangen und sagte im Tone freudiger Rührung: »Mein Freund, mein lieber, lieber Bruder! ...« (S. 278)


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   Ähnliche Stellen finden sich noch mehr in Mays Roman, gipfelnd in dem Verhältnis des ›kleinen Bären‹ und Ellens. Da May seine Erzählung speziell für die Jugend geschrieben hat, muß diese Schilderung um so eindringlicher wirken: Sein Auge ruhte mit Wohlgefallen auf dem Mädchen, welches er gerettet hatte. Dieses kam mit raschen Schritten auf ihn zu, nahm seine Hand zwischen die ihrigen beiden, drückte sie herzlich und sagte: »Du bist ein guter und mutiger Knabe. Schade, daß wir uns nicht nahe wohnen; ich würde dich lieb haben.« Er sah ihr ernst in das rosige Gesichtchen und antwortete: »Mein Leben würde dir gehören. Der große Geist diese Worte hören; er wissen, daß sie wahr sind.« (S. 66) Und am Ende der Erzählung: Ein schönes, geschwisterliches Verhältnis entwickelte sich zwischen Ellen und dem ›kleinen Bären‹. Er war den ganzen Tag um ihr kleines Persönchen, und wenn er einmal auf sich warten ließ, so fehlte er ihr an allen Ecken und Enden. (S. 643)

   Noch deutlicher kann man gegen rassistische Vorurteile nicht eintreten; man sollte May hier aber nicht zitieren, ohne auch die Ansprache zu erwähnen, die Otfried Hans Freiherr von Meusebach, in Texas als John O. Meusebach bekannt, hielt, als er 1847 seinen berühmten Frieden mit den Comanchen schloß und damit seinen Gründungen Friedrichsburg (Fredericksburg) und Neu Braunfels (New Braunfels), diesen bedeutenden deutschen Siedlungen in Texas, eine solide Basis und Sicherheit schuf. Meusebach (1812-97) war von William Penns (1644-1718) Indianerpolitik in Pennsylvanien inspiriert, und seine Erfolge bei den Indianern hingen sicher wenigstens teilweise mit seiner positiven Einstellung und seinem freundlichen Verhalten ihnen gegenüber zusammen.

   Meusebach sagte in den Verhandlungen mit den Comanchen: »Wenn mein Volk für eine Zeitlang mit Euch gelebt hat und wenn wir uns gegenseitig besser kennen, dann mag es vorkommen, daß einige heiraten möchten. Bald werden unsere Krieger Eure Sprache lernen. Wenn sie dann wünschen, ein Mädchen aus Eurem Stamm zu heiraten, sehe ich darin überhaupt kein Hindernis, und unsere Völker werden so viel bessere Freunde.« In derselben Rede sagte er auch: »Mein Bruder spricht von einer Barriere zwischen den roten Männern und den Bleichgesichtern. Ich schätze meine roten Brüder nicht geringer, weil ihre Haut dunkler ist, und ich halte nicht mehr vom Volk der Weißen, nur weil ihre Hauptfarbe heller ist.«(46)

   Ein Historiker äußerte sich zu dem Vertrag zwischen Comanchen und Deutschen, der nie ernsthaft gebrochen wurde, mit folgenden Worten: »Die Erschließung dieses ausgedehnten Teritoriums von 3 000 000 Acre [tatsächlich 3 878 000] für die Zivilisation und Kultivierung ist ohne Zweifel die bedeutendste Pioniertat der Deutschen in Texas und konnte nur vollbracht werden durch das absolute Vertrauen, das die Indianer in die Versprechungen und Zusagen der Deutschen setzten.«(47)


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   Schwebte May Ähnliches vor, wie es von den Deutschen in Texas bekannt war, als er am Ende seiner Erzählung alle Feindseligkeiten beendet? Das Resultat war ein »ewiger« Friede zwischen allen Parteien; Sühne war von keiner Seite zu leisten; die Gefangenen wurden freigegeben, und alle, Utahs, Navajos und Timbabatschen, verpflichteten sich, den Bleichgesichtern, welche im Felsenkessel wohnen und arbeiten wollten, Freundschaft zu erweisen und allen Vorschub zu leisten. (S. 642) Daß die weiße Gesellschaft im ›Silbersee‹ teils aus Deutschen besteht, erwähnt May nicht noch einmal eigens. So muß man davon ausgehen, daß es ihm vornehmlich um die Aussöhnung zwischen Weiß und Rot geht, die in der Geschichte der USA leider nur sehr selten vorgekommen ist. Daß aber diese Aussöhnung mit dem Triumph der Zivilisation, verbunden mit der Ausbeutung der vorhandenen Bodenschätze, einhergeht, daß die Indianer sich verpflichten, den Weißen Freundschaft zu erweisen (umgekehrt ist davon nicht die Rede) – das läßt dieses Ende des Romans doch etwas ambivalent erscheinen. Ob dies von May beabsichtigt war? –

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Herr Wilhelm Manig, Waldems, hat mir für diesen Aufsatz eine Fülle von Informationen übermittelt; ohne ihn wäre diese Arbeit nicht in der vorliegenden Form zustande gekommen. Ihm ist herzlich für seine Unterstützung zu danken, und daher sei ihm diese Arbeit auch mit besten Wünschen gewidmet. Bestürzend war für mich dieNachricht von seinem überraschenden Tod im März 1997; möge auch dieser Aufsatz dazu beitragen, ihm ein ehrenvolles Gedenken zu bewahren.



1 Karl May: Der Schatz im Silbersee. In: Der Gute Kamerad. 5. Jg. (1890/91) / Buchausgabe: Stuttgart 1894. Zitiert nach: Karl Mays Werke. Historisch-kritische Ausgabe. Abt. III Bd. 4: Der Schatz im Silbersee. Hrsg. von Hermann Wiedenroth und Hans Wollschläger. Nördlingen 1987. Künftig wird den Zitaten die Belegstelle mit Seitenzahl in Klammern nachgestellt – Zitat hier S. 85.

2 Zur Biographie z. B.: Carl Waldman: Who Was Who In Native American History: Indians and Non-Indians From Early Contacts Through 1900. New York u. a. 1990

3 Vgl. George E. Hyde: The Pawnee Indians. Norman 21974, S. 132f.

4 Handbook of American Indians North of Mexico. Hrsg. von Frederick Webb Hodge. 2 Bde. Washington 1907, 1910 (Neuausgabe Totowa-New Jersey 1975). – Zu den Tonkawa vgl. auch: Carl Waldman: Encyclopedia of Native American Indian Tribes. New York 1988; John Upton Terrell: American Indian Almanac. New York 1971; Encyclopedia Americana (1968); John R. Swanton: The Indian Tribes of North America. Washington D. C. 41974; Bill Yenne: Indianerstämme. Die große Bildenzyklopädie von A – Z. Limassol 1994 (ohne Hinweis auf den Kannibalismus der Tonkawa; der Bezug zur Algonkin-Sprachgruppe erscheint unverständlich); Theodore F. Fehrenbach: Die Comanchen. Zerstörung einer Kultur. Hannover 1992 (mit Schilderungen von Grausamkeiten, S. 76, und der Tätigkeit der Tonkawa als Scouts der amerikanischen Truppen, S. 360); Mildred P. Mayhall: The Kiowas. Norman 41987, S. 220, 287 u. a.

5 Albert S. Gatschet: Zwölf Sprachen aus dem Südwesten Nordamerikas (Pueblos- u. Apache-Mundarten; Tonto, Tonkawa, Digger, Utah). Wortverzeichnisse. Weimar 1876.

6 Gatschet, wie Anm. 5, S. 72


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7 Alexander von Humboldt: Carte Générale du Royaume de la Nouvelle Espagne. Paris 1812. – Ausschnitt abgedruckt in : Wilhelm Manig: Auf Fährtensuche: Waren die Nijoras in Mays Erzählungen Apachen? III. Teil. In: Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft (M-KMG) 99/1994, S. 27-36 (29)

8 Manig: Nijoras, wie Anm. 7, und persönliche Mitteilung vom 27. 5. 1996

9 Hodge, wie Anm. 4, Art. Timpaiavats; hier ist auch der Name Timbabachis aufgeführt. Vgl auch: Handbook of North American Indians. Hrsg. von William C. Sturtevant. Vol. 11, Great Basin. Washington 1986; Art. Timpanogots (= Timbabatschen), S. 340, S. 360 sowie unter Synonymy, S. 364ff.

10 W. F. A. Zimmermann: Malerische Länder- und Völkerkunde. Eine Naturbeschreibung aller Länder der Erde und Schilderung ihrer Bewohner (...). Berlin 1861, S. 507; daß May dieses Werk als Quelle für ›Winnetou I‹ benutzt hat, wurde von Gerhard Klußmeier nachgewiesen: Gerhard Klußmeier: Karl May: Schriftsteller und kein Psychopath. II. ... zu der mir eine alte Beschreibung von Indien den Anlaß gab. Das Quellenwerk zu Karl Mays Roman ›Winnetou I‹. In: Vom Old Shatterhand zum Sherlock Holmes. Hrsg. von Siegfried Augustin und Walter Henle. München 1986, S. 78-112.

11 Persönliche Mitteilung vom 22. 6. 1996

12 Zu den Utah vgl. die in Anm. 4 angegebenen Handbücher und Enzyklopädien; ferner: Sturtevant, wie Anm. 9, S. 336ff., sowie Lexikon der Völker. Regionalkulturen in unserer Zeit. Hrsg. von Wolfgang Lindig. München 1986; Spezialartikel: Gesine Schroeter-Temme: Wykoopah – Ein indianisches Zweisprachenprojekt bei den Nördlichen Ute. In: Indianische Realität. Nordamerikanische Indianer in der Gegenwart. Hrsg. von Wolfgang Lindig. München 1994, S. 228-51; Gottfried O. Lang: A Study in Culture Contact and Culture Change: The Whiterock Utes in Transition (University of Utah, Anthropological Papers 15). Salt Lake City 1953; Anne M. Smith: Ethnography of the Northern Utes (Papers in Anthropology 17). Santa Fe 1974.

13 Mitteilung von Wilhelm Manig in: Jenseits der Rocky Mountains. Unveröffentlichtes Manuskript (1990), S. 24

14 Waldman: Encyclopedia, wie Anm. 4, Art. Ute, gibt die genannte Bedeutung an, während bei Swanton, wie Anm. 4, die Bedeutung als unbekannt bezeichnet wird. Offizielle Ableitung in der Encyclopedia Americana, wie Anm. 4, vol. 27, Art. Utah, S. 825.

15 Zimmermann, wie Anm. 10, S. 506ff.

16 Zu Walkara vgl.: Waldman: Who Was Who, wie Anm. 2, S. 369; Frederick J. Dockstader: Great North American Indians. Profiles in Life and Leadership. New York u. a. 1977, S. 315ff.; The Reader's Encyclopedia of the American West. Hrsg. von Howard R. Lamar. New York 1977, S. 1232f.; Manig: Jenseits der Rocky Mountains, wie Anm. 13.

17 Lamar, wie Anm. 16, S. 1232

18 Hodge, wie Anm. 4, Art. Ute

19 Vgl. Waldman: Who Was Who, wie Anm. 2; Ekkehard Koch: Karl Mays Väter. Die Deutschen im Wilden Westen. Husum 1982, S. 120; vgl. auch: Wiliam H. Goetzmann: Army Exploration in the American West 1803-1863. New Haven 1959.

20 Gut zusammengefaßt in: Joanna Cohan Scherer u. Jean Burton Walker: Indianer. Zeitgenössische Photos aus dem Leben der Indianer Nordamerikas 1847-1929. Rüschlikon-Zürich 1975, S. 153f. ; zur Geschichte der Utah siehe die Literatur in Anm. 12.

21 Encyclopedia Americana, wie Anm. 4, vol. 7, S. 330

22 George Catlin: Die Indianer Nordamerikas und die während eines achtjährigen Aufenthalts unter den wildesten Stämmen erlebten Abenteuer und Schicksale. New York-London 1841; deutsch Brüssel 1848; Neuausgabe Berlin 1924

23 Persönliche Mitteilung von Wilhelm Manig am 22. 6. 1996. Zur Geschichte der Osage vgl. u. a.: Hodge, wie Anm. 4; Yenne, wie Anm. 4; Waldman: Encyclopedia, wie Anm. 4; speziell zu Clermont und Pawhuska vgl. Dockstader, wie Anm. 16, und Waldman: Who Was Who, wie Anm. 2. – Zu den Cheyenne und Arapaho vgl. die eben genannte Literatur sowie Lindig: Lexikon der Völker, wie Anm. 12; Gorge B. Grinnell: The Cheyenne Indians. 2 Bde. New Haven 1923; E. Adamson Hoebel: The Cheyennes. New York 1960; neuerdings: Renate Schukies: Hüter der Heiligen Pfeile. Red Hat er-


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zählt die Geschichte der Cheyenne. München 1994. Allgemeine Darstellung in vielen Werken zur Geschichte der Indianer, z. B. Norman B. Wiltsey: Die Herren der Prärie. Der Todeskampf der Indianer. Stuttgart 1965; Dee Brown: Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses. Hamburg 1972; besonders eindrucksvoll: Mari Sandoz: Cheyenne. Deutsche Ausgabe Bamberg 1965.

24 Scherer/Walker, wie Anm. 20, S. 154

25 Zit. nach ebd.

26 Encyclopedia Americana, wie Anm. 4, Art. Utah u. Connor

27 Ebd., Art. Comstock Lode; zu Comstock u. Sutro vgl.: Dictionary of American Biography. Hrsg. von Allen Johnson. 20 Bände. New York 1928-1936. Eine Schilderung der Verhältnisse als Augenzeuge lieferte John Ross Browne: Adventures in Apache Country, a tour through Arizona and Sonora, with notes on the Silverregions of Nevada. New York 1869; dtsch.: Abenteuer im Apachenlande. Nach der Übersetzung von H. Hertz (Jena 1871, 2. Aufl. Gera 1877) bearbeitet u. hrsg. v. Ulrich Schlemmer. Stuttgart 1984 (speziell die zweite und dritte Reise). Wie weit May das Buch benutzte, auch für seine sonstigen Werke, bedarf noch der Erforschung. Zur Comstock-Mine und zum Leben in Virginia City anschaulich: Max Mittler: Eroberung eines Kontinents. Der große Aufbruch in den amerikanischen Westen. Zürich 1968, speziell S. 266-78.

28 Koch: Karl Mays Väter, wie Anm. 19, S. 218; Henry G. Alsberg: Arizona. A. State Guide. New York 1956; Dan L. Thrapp: Encyclopedia of Frontier Biography. 3 Bde. Spokane 1990, Art. Wickenburg, Henry.

29 Koch: Karl Mays Väter, wie Anm. 19, S. 217f.; Alsberg, wie Anm. Anm. 28; Thrapp, wie Anm. 28, Art. Waltz, Jacob

30 Thrapp, wie Anm. 28, Art. Brunckow

31 Ebd., Art. Schuchard

32 Ebd., Art. Ehrenberg; ferner: Koch: Karl Mays Väter, wie Anm. 19, S. 215f.; Armin M. Brandt: Nicht nur Helden – Nicht nur Schurken. ABC der großen Namen des Alten Westens. Bad Segeberg 1981, S. 59ff.

33 Vgl. Wilhelm Vinzenz: Feuer und Wasser. Zum Erlösungsmotiv bei Karl May. Sonderheft der Karl-May-Gesellschaft 26/1980, S. 11f.

34 Erich Heinemann: Werkartikel ›Der Schatz im Silbersee‹. In: Karl May-Handbuch. Hrsg. von Gert Ueding in Zusammenarbeit mit Reinhard Tschapke. Stuttgart 1987, S. 342-48 (343). Die Bücher von Robert von Schlagintweit: Die Pacific-Eisenbahn in Nordamerika (1870); Die Santa Fe- und Südpacificbahn (1884), befanden sich in Mays Bibliothek, fanden aber nach Meinung Brauneders (Wilhelm Brauneder: »Ist das wahr, ist das möglich?« Zu Mays Quellen ein Beispiel. In: M-KMG 107/1996, S. 34ff.) in Mays Werk weniger Niederschlag, als dem Inhalt entsprach. Manig (persönliche Mitteilung vom 28. 11. 96) ist hier jedoch genau gegenteiliger Ansicht.

35 Die Gartenlaube. Jg. 1878 (Nr. 48), S. 790ff.; nachgedruckt in: Karl May: Leben – Werk – Wirkung. Eine Archiv-Edition. Hrsg. von Ekkehard Bartsch. Abt. II: Werk, Gruppe c: Quellenmaterial Karl Mays; Heft 2. Bad Segeberg; vgl. dazu Mays Darstellung der Tramps im ›Schatz im Silbersee‹.

36 Vgl. Brauneder, wie Anm. 34

37 Ebd., S. 36

38 Volker Griese: Colters Indian Run. In: M-KMG 75/1988, S. 44f.

39 Volker Griese: Karl May's »Wanderungen« durch Möllhausens Prärien und Wüsten. II. In: M-KMG 80/1989, S. 31-37 (31)

40 Heinemann, wie Anm. 34, S. 343

41 Zu den Navajos vgl.: Hodge, wie Anm. 4; Yenne, wie Anm. 4; Lindig: Lexikon der Völker, wie Anm. 12; ferner: James F. Downs: The Navajo. New York 1972; Laura Gilpin: The Enduring Navajo. Austin 1968; Clyde Kluckhohn u. Dorothea Leighton: The Navajo. Cambridge 1946; Ruth M. Underhill: The Navajos. Norman 1956; ferner auch: Wolfgang Lindig und Mark Münzel: Die Indianer. Kulturen und Geschichte der Indianer Nord-, Mittel- und Südamerikas. München 1976; Oliver La Farge: Die Grosse Jagd. Geschichte der nordamerikanischen Indianer. Olten-Freiburg 1956; Hans Läng: Kulturgeschichte der Indianer Nordamerikas. Olten 1981; Uwe Peters: Die Navajo zwischen Anpassung und Widerstand. In: »Unsere Zukunft ist eure Zukunft«. India-


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ner heute. Eine Bestandsaufnahme der Gesellschaft für bedrohte Völker. Hamburg-Zürich 1992, S. 143-47.

42 Vgl. Underhill, wie Anm. 41, S. 83

43 Ebd., S. 116f.

44 Einzelheiten dargestellt in Koch: Karl Mays Väter, wie Anm. 19, S. 199ff.; Waldman: Who Was Who, wie Anm. 2, Art. Ouray; Waldman: Encyclopedia, wie Anm. 4, u. a.; in der Schilderung bei Dee Brown, wie Anm. 23, fehlt jeder Hinweis auf Adams.

45 Eckehard Koch: »...die Farbe der Haut macht keinen Unterschied«. – Betrachtungen zum angeblichen Rassisten Karl May. In: Exemplarisches zu Karl May. Hrsg. von Walther Ilmer und Christoph F. Lorenz. Frankfurt a. M. u. a. 1993, S. 99-120 (116)

46 Zitiert in Irene Marschall King: John O. Meusebach. German Colonizer in Texas. Austin und London 1967, S. 118; übersetzt durch E. K.

47 Moritz Tilling: History of the German Element in Texas from 1820-1850, and Historical Sketches of the German Texas Singers' League and Houston Turnverein from 1853-1913. Houston 1912, S. 104; zit. nach King, wie Anm. 46, S. 123, übersetzt durch E. K.; zur Geschichte der Deutschen in Texas vgl. auch Koch: Karl Mays Väter, wie Anm. 19, sowie Klaus Gröper: Im Winter brach der Regenbogen. Der deutsche Treck nach Texas. Wien-München 1978.


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