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Babel und Bibel oder Das weibliche Prinzip


Im Alterswerk nimmt der Erzähler Karl May - intuitiv - zentrale Denkansätze der modernen christlichen Theologie vorweg.1 Das gilt für Babel und Bibel (1906), das einzige Bühnenstück unseres Autors, nicht weniger.

   Ähnlich wie später Paul Claudel oder Charles Péguy lag May, dem Typus des Künstlers wohl angemessen, das unmittelbare Erfassen viel näher als das begriffliche Denken.2 Ein Denker, ein Theologe im weiteren Sinn, war May aber dennoch. Anspruchsvoll im spirituellen Gehalt, provozierend und aktuell in der Aussage, offenbart sein Erlösungsdrama "die vom Künstler wiedererlebten, erneuerten Glaubensinhalte des Christentums."3

   Die wichtigsten Botschaften des Jenseits-Buches, des Friede-Romans und des Silberlöwen III/IV finden sich, explizit oder implizit, auch in Babel und Bibel. Um Wiederholungen zu vermeiden, Überschneidungen auf ein Mindestmaß zu beschränken und die fortschreitende Entwicklung auch innerhalb des Mayschen Spätwerks zu demonstrieren, wird in der folgenden Darstellung ein neuer Weg beschritten. Eine bekannte, in ihrer religiösen Brisanz aber noch nicht herausgearbeitete Thematik des älteren May soll am Beispiel des Dramas ins Blickfeld gerückt werden. Als Brennpunkt des ganzen Alterswerks soll sie erhellt, als hermeneutischer Schlüssel zur gesamten Ideenwelt des 'Hakawati' soll sie interpretiert werden.



4.1

Das mütterliche Antlitz Gottes


Eine im Frühwerk des Schriftstellers latent schon vorhandene und in den späten Erzählungen sehr deutlich hervortretende Tendenz erreicht in Babel und Bibel ihre volle theologische Relevanz. Der göttliche Bereich, das Heilende und Befreiende, wird transparent in der 'Weiblichkeit' (S. 89)4 - personifiziert in Marah Durimeh und Bent'ullah, der 'Tochter Gottes'.

   Mays Drama ist, wie Sascha Schneider richtig erkannt hat, eine "Apotheose des ewig Weiblichen".5 Der FRAU wird eine sakrale, eine heilsgeschichtliche Bedeutung zuerkannt, die orthodoxe Kirchenmänner, noch zu Lebzeiten Mays, alarmierte. Der Benediktiner Ansgar Pöllmann sah in der Gestalt Marah Durimehs die häretische, von der "Papstlehre" wegführende "Trägerin eines verschwommenen Interkonfessionalismus".6 Verfehlt war diese Schelte insofern, als May die "Papstlehre" ja gar nicht berührte; und der patriarchalisch-hierarchischen Ämterstruktur der Kirchen galt sein Interesse allenfalls sekundär. Aber Pöllmann ahnte und verwarf wohl das Grundsätzliche in der Sichtweise des Dichters: Mays Alterspoesie läuft hinaus auf den Gegenentwurf zum einseitig männlich verstandenen Gottesbild und in der Folge dann auch zur männlich beherrschten Kirchenstruktur.

   Papst Johannes Paul I., der nur 33 Tage regierte (1978), sagte in einem Gebet: "Gott ist Vater, und mehr noch, er ist uns auch Mutter."7 Die vom Papst hier vorausgesetzte 'Androgynität' Gottes8 wird in den Mythen und in vielen nichtchristlichen Religionen als selbstverständlich betrachtet. Auch in der Bibel, in ihren teils männlichen, teils weiblichen Gottesbildern,9 ist sie fundiert. In der Geschichte der christlichen Frömmigkeit wur-


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de sie allerdings vergessen oder ins Unterbewußte verdrängt. Durch C.G. Jung freilich und, im Anschluß an ihn, durch moderne Theologen wurde sie wiederentdeckt. Auch Mays Spätwerk geht von ihr aus, und in Babel und Bibel führt sie zu wichtigen - auch gesellschaftskritischen - Konsequenzen.

   In seinem Buch Das mütterliche Antlitz Gottes10 versucht der Befreiungstheologe Leonardo Boff, die berechtigten Anliegen einer 'feministischen Theologie' ins christliche und speziell ins katholische Glaubensverständnis zu integrieren. Von diesem Denkansatz Boffs her könnte auch das Bühnenwerk Karl Mays, was seine religionsphilosophischen Grundlagen betrifft, neu erschlossen werden.

   In Bent'ullah wie in Marah Durimeh begegnet dem Leser das Mütterliche, und zwar - über selbstbiographische Reminiszenzen des Autors hinaus - in der theologischen Dimension: als 'mütterliches Antlitz Gottes'. Die 'Stellvertreter' Gottes auf Erden sind im Drama der Hakawati und der 'Sohn des Friedens', vor allem aber die 'Bibel' und die Menschheitsseele Marah Durimeh. Als Geschöpfe sind sie mit Gott nicht identisch; aber sie stehen dem Schöpfer so nahe, daß DURCH SIE der Schutz Gottes für die Menschheit erfahrbar wird. In ihnen teilt sich Gott mit, offenbart er sein Wesen. Sie verkörpern, in ihrer Liebe, den göttlichen Heilswillen - auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

   Daß diese Frauengestalten in Konkurrenz treten könnten zur Selbstoffenbarung Gottes in Christus, weiß May zu vermeiden. Als 'Mittlerin' aller Gnaden wird Marah Durimeh schließlich abgelöst durch die Bibel: "Wenn meine Zeit hier abgelaufen ist / Und ich zurück zum Herrn der Welten kehre, / Sollst DU die Seele aller Menschen werden, / An meiner Statt, doch herrlicher als ich." (S. 110)11 Die Bibel aber, die Tochter Gottes, verkündet - im Neuen Testament - den SOHN Gottes als die menschgewordene Liebe.

   Gleichwohl, zur 'Inkarnation', zur Menschwerdung Gottes in Christus, steht die Gegenwart Gottes in Marah Durimeh bzw. Bent'ullah in engster Beziehung. Karl Mays - nach der Vollendung des Dramas, im Advent 1906, verfaßtes - Glaubensbekenntnis12 enthält eine höchst merkwürdige Formulierung. Die besondere Christus-Nähe, die 'adventliche' Bedeutung der weiblichen Protagonisten in Mays Alterswerken rückt dieser Text ins Licht ganz eigenartiger, von der May-Forschung noch wenig bedachter (jedenfalls theologisch noch kaum reflektierter) Zusammenhänge.

   Vom Wortlaut des offiziellen Credos der Kirchen, des Apostolikums und Nizänums, in erheblichem Maße abweichend heißt es bei May:


Ich glaube an die himmlische Liebe, die zu uns niederkam, für die Sterblichen den Gottesgedanken zu gebären. Indem sie dies tat, wurde sie für uns zur Gottesmutter. Sie lebt und wirkt, gleichviel, ob wir sie verehren oder nicht. Sie ist die Reine, die Unbefleckte, die Jungfrau, die Madonna!13


   Maria, die Mutter des Herrn, wird namentlich hier nicht genannt.14 Da die 'Geburt des Gottesgedankens' in der Seele des Menschen ja nicht erst mit dem Auftritt Marias in Galiläa erfolgte, dürfte May an die historische Maria - zunächst - nicht gedacht haben. Nicht das Mädchen von Nazareth wird er mit der 'himmlischen Liebe' gemeint haben, sondern die 'Große Mutter' in ihrer kosmischen, in ihrer archetypischen, auch den nichtchristlichen Mythen innewohnenden15 Bedeutung: als mütterliches 'Prinzip', als Symbol des Göttlichen selbst.

   Im unmittelbaren Anschluß an den "Gottesmutter"-Artikel schreibt May, nun 'richtig' im Sinne der kirchlichen Lehre, dann weiter: "Ich glaube an den von ihr Geborenen, den Sohn des Vaters [...] Er ist [...] der Weltenheiland, der Erlöser!"

   Worauf zielt nun aber der "Gottesmutter"-Artikel? Wird die Madonna als 'Inkarnation' der himmlischen Liebe verstanden? Geht der Menschwerdung Gottes in Christus16 eine


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Art Menschwerdung Gottes in der MUTTER voraus? Nimmt die "himmlische Liebe" (das 'ewig Weibliche' in Gott sozusagen?) Gestalt an in der Jungfrau Maria? Wird diese in den Bereich des Göttlichen selbst mit hineingenommen? Wird die 'männliche', die 'väterliche' Inkarnation Gottes im 'Sohn' gewissermaßen vorbereitet durch ein 'weibliches' Pendant: durch die Epiphanie des 'mütterlichen' Gottes in einer Frau?

   Wenn die Fragezeichen nun wegfielen und die Fragen zu Hypothesen würden, was käme heraus? Ein absurdes, theologisch abstruses und gesellschaftspolitisch belangloses Hirngespinst? Daß Leonardo Boff, ein weltoffener, sozial engagierter, in der Philosophie, der Kirchengeschichte, der vergleichenden Religionswissenschaft und der Tiefenpsychologie bewanderter Theologe, in seinem Buch (fast) dasselbe sagt wie May in seinem Glaubensbekenntnis, müßte zu denken geben.

   Anders als Boff läßt sich May zwar nicht ein auf trinitarische Theorien; auch liegt es ihm fern, ein 'mariologisches' System zu errichten. Aber er dürfte, intuitiv, in dieselbe Richtung tendieren wie Boff.

   Im Anschluß an griechische Kirchenväter und verschiedene Theologen des 17., 19. und 20. Jahrhunderts vertritt Boff eine - in dieser Zuspitzung - neue, nicht zur Lehre des Christentums gehörende, der christlichen Lehre aber - wie er meint - nicht widersprechende These:17 Analog zum Gottmenschen Jesus könne Maria als "hypostatisch", als substantiell "mit der dritten Person der Dreifaltigkeit verbunden" gedacht werden.18 Der Heilige Geist habe von Maria "Besitz ergriffen" (vgl. Lk 1, 35ff.); Gottes Geist, nach Leonardo Boff das 'ewig Weibliche' in Gott selbst, habe sich Maria "als den Ort seiner Gegenwart und seines Wirkens in der Welt zu eigen" gemacht.

   Woher weiß Boff das alles? Er beruft sich auf die Bibel: Maria werde bei Lukas "auf die Ebene Gottes erhoben"! Dieses Ereignis gehöre "zur Dynamik" der Erlösung. Dem "kollektiven Unbewußten der Kirche" sei diese innigste Verbindung Gottes mit Maria nicht verborgen geblieben. Im "unschuldigen und vom Diskurs der offiziellen Orthodoxie unberührten Glauben" des einfachen Volkes erscheine Maria "als die letzte Instanz des Trostes, der Gnade und der Erlösung". Aussagen wie "Maria ist unsere Fürsprecherin", die "Trösterin der Betrübten" und die "Mittlerin aller Gnaden" entsprächen - im Lichte der Vergöttlichung Marias - durchaus der Wahrheit.

   Was ist von Boffs Hypothese zu halten? Evangelische Christen, die sich mit der Marienverehrung ohnehin schwerer tun, werden sie ablehnen. Ulrich Wickert, einer der wenigen evangelischen Theologen, die sich mit dem Thema 'Maria' ernsthaft beschäftigen, erklärte: "Was Boff macht, führt in die Unwahrheit und, falls man sensibel genug ist, in den Wahnsinn."19

   Auch 'normal' denkende Katholiken werden die Vergöttlichung der Madonna, ihre praktische Gleichstellung mit dem Erlöser, wohl nicht akzeptieren. Aber um Boff zu verstehen, muß man bedenken: Sein erkenntnisleitendes Interesse gilt ja nicht nur Maria, sondern dem unendlichen Wert und der letzten Berufung des Menschen überhaupt.

   Die Einheit mit Gott, die in Christus antizipiert wurde, ist - nach Boff - "für alle, die dieselbe menschliche Natur besitzen wie Jesus, [...] eine Möglichkeit zukünftiger Realisierung."20 Ohne daß sie aufhören, von Gott verschieden zu sein, und ohne ihre Individualität zu verlieren, "werden in der Ewigkeit alle Gerechten - jeder auf seine Weise und in spezifischer Intensität - von Gott, der dann 'alles in allen' (l. Kor 15, 28) sein wird, hypostatisch ergriffen werden."

   Die innigste Verbindung mit Gott ist für Boff - und gewiß auch für May - eine, durch Gnade bewirkte, Möglichkeit aller Menschen. In Maria ist, nach Boff, das spezifisch


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weibliche und in Jesus das spezifisch männliche Wesen "in seiner absoluten Realisierung" vorweggenommen. Unter dieser Voraussetzung sieht Boff die volle, in der Androgynität Gottes wurzelnde Gleichwertigkeit von Mann und Frau garantiert. Die z.B. bei Augustinus und Thomas von Aquin belegbare - und bis in die Gegenwart hereinwirkende - Diskriminierung der Frau21 in Kirche und Gesellschaft will der Befreiungstheologe durch seinen radikalen, den Ursachen dieser Diskriminierung auf den Grund gehenden Denkansatz überwinden.

   Den Respekt vor der Würde, der unendlichen Würde des Menschen will Boff proklamieren. Im Dialog mit verschiedenen Denkpositionen und theologischen Richtungen will er keine Gräben vertiefen, sondern - im Gegenteil - Brücken bauen. Auch mit den Thesen zur Gottesmutter möchte er Brücken bauen: zu den Weltreligionen, zum Glauben des einfachen Volkes, zu den Mythen und Träumen der Menschheit! Er will, nicht zuletzt, auch Brücken bauen zu den großen Befreiungsbewegungen unserer Zeit: zur Frauenbewegung, zur Friedensbewegung, zur Bewegung der Solidarität mit den Ländern der 'dritten Welt'.

   Natürlich muß trotzdem gefragt werden: Ist, um solcher Ziele willen, eine 'Vergöttlichung' des Menschen Maria denn wirklich erforderlich? Würde das Bekenntnis zu Gottes Liebe in Christus (der ja selbst auch 'weibliche' Züge trägt22) nicht genügen? Würde der Hinweis auf das mütterliche Antlitz Gottes und auf bestimmte Frauen, die - wie Maria - dieses Antlitz Gottes in besonderer Weise verkörpern, den Intentionen Boffs (und Mays) nicht auch schon gerecht werden?



4.2

Die 'andere Maria' oder Die Gedankenwelt des alten May


Die - auch für Luther noch selbstverständliche - Marienverehrung ist zutiefst verwurzelt in der Seele des Volkes. Im katholischen Milieu und in den orthodoxen Kirchen ist sie das, meist unbewußte, Gegengewicht zu einem rein männlich verstandenen Gottes- und Christusglauben.

   Christa Mulack, eine feministische Theologin, schrieb ein Buch mit dem Titel Maria - Die geheime Göttin im Christentum.23 Streng genommen ist dieser Titel ein Ärgernis: Aus Maria eine Göttin zu machen - wie es im Faust auch Goethe getan hat24 - ist von der biblischen Botschaft und der 'gesunden' Dogmatik her natürlich verfehlt. Psychologisch verständlich und theologisch wohl legitim ist aber die Tatsache: Das Grundbedürfnis nach SCHUTZ, nach Heilung durch Liebe, nach den mütterlichen Zügen des barmherzigen Gottes, wird im Glauben des Volkes, in der Literatur und in der christlichen Kunst oft 'festgemacht' an Maria, der "Mater gloriosa",25 der "Himmelsjungfrau gnadenvoll"!26

   Daß im Entwurf Marah Durimehs auch Karl May von der Gestalt der Gottesmutter beeinflußt war, wird in der Forschung als sehr wahrscheinlich betrachtet.27 Schon der Name 'Marah'28 verweist auf Maria. In Durchs wilde Kurdistan tritt sie zum erstenmal auf: als altes Kurdenweib, als barmherzige Frau, als gütiger 'Höhlengeist', unter dessen Schutz und Schirm sich der Ich-Held befindet. Über dem Eingang zu ihrer Höhle hängt - in Kurdistan - "das Bild der heiligen Mutter Gottes";29 sie selbst ist "Katholikin"30 und trägt einen "mantelähnlichen Umhang"31 über dem weißen Gewand. Ein direkter Hinweis auf die Jungfrau Maria fehlt nun zwar in Babel und Bibel; aber unter dem Kleid trägt Marah Durimeh den "Strahlenpanzer von Krystall":32 nach Mays Erklärung das Symbol des 'allerhöchsten' Schutzes!33


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   An die Schutzmantelmadonna,34 die jungfräuliche Königin, die "wunderschön prächtige, hohe und mächtige, sonnenumglänzete, sternenbekränzete himmlische Frau"35 zu denken, liegt nahe - zumal ja May, im Jahre 1905, der 'Regina Protectrix' besonders gedachte.36 Marah Durimeh, die uralte Menschheitsseele, und Bent'ullah, die Mutter des Edelmenschen, sind also nicht nur die Spiegelung des privaten Mutter- und Großmutterkomplexes Karl Mays. Beide Frauen sind AUCH als Verkörperungen des marianischen Prinzips, der weiblichen Dimension im Wesen Gottes zu deuten.

   Mehr noch als Marah Durimeh erweist sich die 'Bibel' - im Geiste des Neuen Testaments - als die Mildreiche, die Barmherzige, die Schützende schlechthin.37 Die Mutter Ben Tesalahs, die 'Mater dolorosa',38 die selbst GELITTEN hat am "Kreuz" ihres Sohnes (S. 110f.), will Abu Kital - den 'Vater des Krieges' - vor den Schlägen des Riesenhammers bewahren. Sie stellt die große Frage: "Gibt es denn keinen ANDERN Weg empor / Als nur das Elend und die Schmach der Erde?" (S. 111)

   Der Weg des Menschen führt am Kreuz nicht vorbei. Aber SIE, die Schmerzensmutter, lindert die Pein. In seines Lebens "allerschwerster Stunde" (S. 195) steht sie Abu Kital zur Seite.39

   May bekennt sich, in früheren Werken, zur Marienverehrung, die auch das Spätwerk - im Kleid Marah Durimehs - beseelt und bewegt. Das mütterliche Antlitz Gottes, das, 'marianische Prinzip', ist die Botschaft des alten und auch des jüngeren May. Seine von Friede und vom Silberlöwen III/IV, aber auch vom Buch der Liebe (1875/76)40 her bekannten Gedanken sind in dieser Botschaft enthalten: Mays Ideologiekritik, seine Kritik am Mißbrauch der Religion, seine ökumenische Grundeinstellung, seine Gnadentheologie, seine eschatologische Hoffnung, seine Sehnsucht nach Frieden, sein christliches Menschenbild können aus dieser Botschaft entwickelt werden.41


4.2.1

Kritik am Ritualismus


Mays Theologie verbindet eine tiefe Frömmigkeit mit einer progressiven gesellschaftspolitischen Programmatik. Wie verträgt sich das mit einem 'marianischen' Gottesbild? Gilt die Marienverehrung nicht weithin als Sache der 'Konservativen'? Ist sie nicht geradezu ein Erkennungsmerkmal für religiöse Traditionalisten, fürs rechte Spektrum der katholischen Kirche?

   Ausgerechnet 'linke' Theologinnen und Theologen - evangelischer und katholischer Provenienz - haben Maria, die 'andere' Maria,42 in jüngster Zeit neu entdeckt: durch die Rückbesinnung auf den Geist der heiligen Schrift. Auch im Drama Karl Mays wird der Geist der Bibel - mit dem 'mütterlichen Antlitz Gottes' - wiedergefunden und aus dem 'Turm von Babel' befreit. Dazu gibt es in der heutigen theologischen Literatur interessante Parallelen. In seinen Ungehaltenen Hirtenreden zum Beispiel will der katholische Pastoraltheologe Paul Zulehner "Maria aus dem Gefängnis der vermeintlich 'rechten' Christen befreien"!43 Denn die Gottesmutter gehört, so Zulehner, allen Menschen, gerade auch den 'kritischen' Christen. Der Zugang zu ihr ist neu zu erschließen: durch Einsichten, die im Werk Karl Mays antizipiert sind.

   Die marianische Frömmigkeit ist nicht selten mit zwanghafter Strenge verknüpft: mit einer verengten Gebetspraxis, die bestimmte Formen - den Rosenkranz z.B. - vorschreiben will und gerade so, durch die Nötigung, die Liebe zu diesem Gebet erstickt und erschlägt. In Babel und Bibel wird solche Starrsinnigkeit sehr wirkungsvoll karikiert: Der Imam, der gesetzliche Glaube, hält den "muhammedanischen Rosenkranz" (S. 12) in der


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Hand. Das Ritual nur ist wichtig; zum "eigentlichen Gebete" (S. 15) kommt es hier nie. Das "Formular" (S. 98), die ständige Wiederholung, die richtigen Verneigungen (S. 16), das Kommando des Vorbeters sind die Hauptsache. Der Scheik, die "heilge Macht" (S. 23), schlägt mit der Peitsche den Takt: "Das schnappt und klappt! Das ist so fest gefügt! / Das bricht sich Bahn! Wer kann da widerstehen! / Ein SOLCH Gebet steigt wie in Wehr und Waffen / Zum Himmel auf und muß selbst Gott besiegen!" (S. 26)

   Was 'Unsere Liebe Frau' dazu sagen würde? Wie Bent'ullah, die Tochter Gottes, würde sie handeln: Die Bibel "verleidet" dem Scheik das "Umeha",44 das "Schnarren" und "Knarren" (S. 128) des toten Gebets. Sie führt ihn zum echten Gebet, das aus freiem Herzen und "freiem Munde" (S. 27) kommt.

   Von Bent'ullah, von der Liebe Gottes besiegt, stimmt der Gewaltmensch mit ein ins wahre Gebet. Sein "Ende" (S. 103) - als Gewaltmensch - ist damit gekommen. Die Verwandlung beginnt!


4.2.2

Universale Hoffnung


Bent'ullahs Gebet, das die Umkehr des Herrenmenschen schon vorbereitet, ist die Fat'ha, die erste Sure des Koran. Dieser islamische Text ist "ganz im Sinn der Bibel" (S. 128) zu verstehen; seine Bedeutung entspricht dem "christlichen Vaterunser" (S. 16). Mit dieser Bemerkung bringt der Autor seine Offenheit für das Heilswirken Gottes in sämtlichen Religionen und seine - in Friede und im Schlußband des Silberlöwen betonte - Kritik am Exklusivitätsanspruch der 'allein seligmachenden' Kirche erneut zum Ausdruck. Das "heilge Imamat" prangert er an. Denn diese Behörde fühlt sich, als klerikale Macht-Instanz, "allein" berufen, die "Seligkeit im Volke zu verteilen" (S. 26).

   Solcher Anmaßung setzt der Dichter die eigene Vision, die eigene Hoffnung entgegen: die Rettung aller Menschen durch Gottes Erbarmen. Was der Häftling im Repertorium C. May verkündet45 und der junge Schriftsteller im Buch der Liebe bekräftigt,46 was der Erzähler des Jenseits-Romans nur verhalten erahnen läßt,47 was der Ustad im Silberlöwen III proklamiert und der Autor im Silberlöwen IV wieder zurücknimmt,48 wird in Babel und Bibel erneut postuliert: die Erlösung der Hölle!

   Wichtig und in dieser Deutlichkeit neu ist Mays Begründung für seine Vision: Die Liebe der FRAU, die Fürsprache der MUTTER, die List des ewig Weiblichen überwinden die Pforten der Unterwelt! Als Stellvertreterin Gottes49 kann Marah Durimeh "zuletzt den Teufel überlisten" (S. 36)! Ja selbst die Hölle soll zum Himmel werden, "Damit sogar der Teufel selig werde. / Denn dieser war der erste aller Sünder / Und sei nun auch der erste der Erlösten." (S. 141)

   Der Imam, der geistliche Amtsträger ist's, der (ironisch?) so spricht. Aber nicht nur die Rede des Imam, auch der Handlungsverlauf des Bühnenwerks selbst bringt die Rettung des Universums - als Ziel des göttlichen Heilswillens - zur Sprache. Die Bibel, die Tochter Gottes, will stets nur "verzeihen"; sie "KANN" gar nicht anders (S. 111)! Selbst den Schlimmsten - dem Imam und dem Kadi, die "entlastet" an ihre Plätze zurückkehren (S. 195) - vergibt sie gern und mit herzlicher Liebe.

   Als die mildreiche Frau, als die große Fürsprecherin erweist sich auch Marah Durimeh. Nach der Rettung des Scheiks bittet sie den "Sohn" der Bibel, das Glück auch "ALLEN Andern" zu schenken: "Und frage nicht, ob sie es würdig sind!" (S. 191)

   Zu beachten sind in diesem Zusammenhang die Ausführungen Zulehners über die Fürsprecher-Rolle der Gottesmutter bei ihrem Sohn Jesus Christus. Der Pastoraltheologe be-


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dauert die "übergroße Heilsangst",50 die - merkwürdigerweise - in marianischen Kreisen heute verbreitet ist. Die Vorstellung, daß die Hölle leer sein könnte, wird dort heftig bekämpft - obwohl diese Kreise der 'Fürsprache Mariens' sonst alles zutrauen und obwohl sie jeden Tag beten: "Führe alle Seelen in den Himmel, besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen!"

   Zulehner beruft sich auf Urs v. Balthasar, einen sehr angesehenen - konservativen - Theologen. Balthasar, der Interpret des Seidenen Schuh, des Erlösungsdramas Claudels,51 verfaßte ein sorgfältig argumentierendes Büchlein mit dem Titel Was dürfen wir hoffen?52 Der Mystikerin Adrienne von Speyr folgend bezeichnet er - wie vor ihm schon Karl Rahner53 - die Rettung Aller, das Überwiegen der göttlichen Gnade über die menschliche Schuld, als christliches Hoffnungsgut. Was war die Folge? Ein Aufschrei der konservativen kirchlichen Presse!54 Die Hölle darf doch nicht leer sein!

   Weder Balthasar noch Rahner, weder Zulehner noch May wollen bestreiten: Der Mensch kann durch die Sünde sein Leben verfehlen. In Jenseits und im Silberlöwen IV hat May diese Möglichkeit, warnend, betont. Das Leersein der Hölle kann und darf nicht einfach behauptet werden! Aber die FRAGE muß doch erlaubt sein: Ist Gottes Ja am Ende nicht größer als das menschliche Nein? "Ist es wirklich gottgemäß", wenn Christus "die letzte Auswirkung unserer Todverfallenheit am Kreuz auf sich nimmt: wenn dann eine große Zahl, ja nur einer verlorengeht?"55

   Gott will, daß alle gerettet werden (1 Tim 2, 4). Ein schwacher Wille nur? Zulehner meint: "Ich gestehe, daß ich Gott zutraue, daß er am Ende alle rettet. Und ich hoffe dies auch deshalb, weil ich auf die mütterliche Fürsprache Marias setze."56


4.2.3

Die politische Alternative


Die Gnade Gottes hebt die Verantwortung des Menschen freilich nicht auf. Relevant für die Deutung des Mayschen Spätwerks und der handlungstragenden Rolle Marah Durimehs (bzw. Bent'ullahs) in Babel und Bibel ist auch die folgende Überlegung Paul Zulehners: Über das Heil des einzelnen hinaus hat die Marienverehrung einen Bezug zum Schicksal der Welt. Erstaunlich, daß marianische Kreise in der Regel so unpolitisch sind! Daß 'Friedensmarschierer' gerügt werden und allein das Gebet dann empfohlen wird!57

   Eine süßliche Art der Marienverehrung läßt die Madonna als weltfremd, als bedeutungslos fürs irdische Leben erscheinen. Doch einer der wichtigsten marianischen Texte der Bibel, das Magnifikat (Lk 1, 46-55),58 zeigt Maria von einer ganz anderen Seite. Der Lobpreis Gottes durch die Jungfrau von Nazareth ist ein ausgesprochen politisches Gebet, das die Armen und Unterdrückten der 'dritten Welt' ganz wörtlich verstehen:59 Gott "zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind. Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen. Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben, und die Reichen läßt er leer ausgehen." (Lk 1, 51ff.)

   Maria preist einen Gott, der die Gewalt der Herrschenden und das Unrecht der Mächtigen nicht akzeptiert. So wird sie "zum Sinnbild für eine Kirche, die eine tiefe Mystik mit ernsthafter Politik zu verknüpfen weiß [...] Maria wird also halbiert, wenn man sie fromm verehrt, aber dann für die bedrohte Welt keinen Finger rührt."60

   In Durchs wilde Kurdistan legt May das Preislied Marias, etwas abgewandelt, Marah Durimeh in den Mund!61 Was im Orientzyklus (1881ff.) eher wie ein Fremdkörper erschien, wird in Babel und Bibel dann stimmig. Zusammen mit der Bergpredigt Jesu könnte man das Magnifikat geradezu als Konzentrat der religiös-politischen Hoffnungs-Vision,


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der 'konkreten Utopie', der alternativen Denkweise des älteren May und seines Dramas Babel und Bibel bezeichnen: Die Macht des Gewaltmenschen bricht in dieser Vision nun endgültig zusammen; Abu Kitals Bereitschaft zum Krieg, sein äußerer Glanz, sein Pochen auf "Reichtum",62 sein protziger Lebensstil (der Mantel von Elissa, die Marakanda-Seide usw.) werden entlarvt als nichtiger Wahn; und er selbst stürzt herunter vom Thron - um dem "Menschenthum der Liebe" (S. 196), dem Frieden, der Versöhnung der Völker von jetzt an zu dienen.

   Wie May in seinen Erläuterungen zu Babel und Bibel erklärt, versteht er unter 'Gewalt' auch die strukturelle, die "geistliche" und "gesetzgeberische" Gewalt der kleinen und großen Tyrannen, der Autokraten und der 'Wahrheitsbesitzer': "Ein Gewaltmensch ist jeder, der sich auf seinem Sondergebiet so benimmt, als ob er der alleinige und bevorzugte Besitzer des betreffenden Rechtes oder des betreffenden Gutes sei."63

   Mit der Hoffnung auf Frieden meint der Schriftsteller, folgerichtig, ein neues Gesamtverhalten der menschlichen Gesellschaft: Auch der ökologische Friede mit der "Schöpfung",64 auch der kulturelle - "der kirchliche, der soziale" - Friede sind zu erstreben! Denn die Sehnsucht nach dem politischen Frieden "wird trotz der Suttner [...] nicht zum Ziel führen, wenn wir nicht vorher auch schon den Frieden in all diesen anderen Beziehungen haben."65

   May ächtet den Krieg - mit flammenden Worten.66 Aber er weiß sehr wohl: Mit dem Schweigen der Geschütze und dem Abbau der Waffen ist der Friede noch längst nicht identisch. Denn der Friede erfordert, wie May unterstreicht, "viel Geist und mehr Geist, als der besitzt, der da denkt, man brauche einfach bloß nur abzurüsten, und dann sei alles gut!"67

   Wir sehen: So naiv und blauäugig, wie manchmal behauptet wird, war May keineswegs. Aber die "Möglichkeit"68 eines wirklichen Friedens - schon hier auf der Erde - ließ er sich von niemandem ausreden!

   Das 'realistische' Vorurteil, den üblichen Einwand gegen den Pazifismus formuliert Abu Kital. Den 'Träumer', den Hakawati, verhöhnt der 'Realpolitiker': "Dein Friede ist, wie du, ja nur ein Märchen!" (S. 42) Doch das Märchen läßt May zur "Wirklichkeit" (S. 164) werden. Der 'Vater des Kampfes' wird vom 'Sohn des Friedens', von der schützenden Frau, von der Gnade Gottes besiegt. So kann er, zuletzt, "sich selbst" besiegen69 und - im Geist des Preislieds Mariens - dem Stolz, dem Reichtum, der Machthaberei entsagen.


4.2.4

Das große Verlangen


Wer den Pazifisten May lobt und den Theologen May ignoriert, wird weder dem Menschen noch dem Schriftsteller May voll gerecht. Die Tiefe, aus der er lebte und schrieb, entspricht dem Magnifikat, der Botschaft der 'anderen' Madonna: der gesellschaftspolitisch 'revolutionären', zum Verzicht auf den Krieg, zum umfassenden Frieden, zur universalen Hoffnung herausfordernden Gnadenmutter. Die Herz-Mitte seiner Ideenwelt, der Inhalt seiner prophetischen Dichtung ist der anwesende Gott: das 'mütterliche Antlitz' seiner unendlichen Liebe.

   Eine fürs Verständnis des Mayschen Spätwerks und speziell seiner Frauengestalten bedeutsame Überlegung soll diesen Gedanken vertiefen und - in seiner menschlichen Relevanz - verdeutlichen.

   Als 'Jungfrau' und Mutter wird Maria in der kirchlichen Verkündigung vorgestellt. Damit sind Themen berührt, die das bewußte oder unbewußte Selbstverständnis des Men-


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schen betreffen: sein Verhältnis zur Sexualität, zur eigenen Mutter, zur persönlichen Rolle als Mann oder Frau.

   Das Beispiel Marias wird oft weniger zur Erschließung der Heilsgeschichte als zur Durchsetzung bestimmter Normen - die 'keusche Jungfrau', die 'gehorsame Magd', die 'selbstlose Mutter' - verwendet. Von solchen Klischees will Zulehner, in den Ungehaltenen Hirtenreden, die Marienverehrung befreien. Zur Jungfräulichkeit führt er aus: Ursprünglich sei eine Lebenshaltung gemeint,


die jungen Frauen eigen ist, die aufs Heiraten zugehen [...] Sie sind voller Erwartung: auf das Fest, auf den Bräutigam. Jungfräulich sein bedeutet somit soviel wie aussein auf den lebendigen Gott, nach ihm dürsten, wie das dürre Land nach dem lebendigen Wasser (Psalm 63). Jungfräulichkeit, wie wir sie später als Kultur menschlicher Sexualität antreffen, ist bereits eine Einengung des ursprünglichen Glaubenswortes. Denn wer immer wahrhaft glaubt, ist jungfräulich: aus auf Gott. Jungfräulichkeit ist ein inneres Moment jeglichen christlichen Glaubens: also zum Beispiel auch des Glaubens von Eheleuten.70


   In diesem Sinne jungfräulich sind auch die religiösen Protagonisten bei Karl May! Nicht der Wilde Westen und nicht der Jagdhieb Old Shatterhands, sondern die adventliche Sehnsucht nach dem Kommen des Reiches Gottes, das 'bräutliche' Verlangen nach der endgültigen "Vereinigung" mit Gottes Liebe,71 war das Hauptthema Mays schon zu Beginn seiner literarischen Laufbahn: in den Geographischen Predigten72 und im Buch der Liebe. Und schon damals glaubte er, in der "Weiblichkeit" der fraulichen Liebe, das Bild und das Gleichnis der göttlichen "Gnade" und "Barmherzigkeit"73 zu erkennen.

   Im Alterswerk werden diese frühen Motive ästhetisch verfeinert und theologisch weiterentwickelt. In Babel und Bibel sind es Marah Durimeh und Bent'ullah vor allem, die die 'jungfräuliche' Sehnsucht des Dichters verkörpern: die Sehnsucht nach der Nähe des Herrn - schon jetzt im irdischen Sein - und die Sehnsucht nach der Heimkehr zu Gott "im nächsten Leben":74 in der Ewigkeit Gottes selbst.

   Wenn Gott das "Leben in Fülle" (Joh 10, 10) ist, dann entspricht die 'Jungfräulichkeit' - das große Verlangen, das Verlangen nach Gott - der TIEFSTEN menschlichen Sehnsucht: der Sehnsucht nach Liebe, nach unvergänglicher Liebe. Die Selbst-findung und nicht die Selbst-aufgabe des Daseins kommt hier zum Ausdruck: "Und bin ich müd, so such ich meine Ruhe / Allein bei dir, o Herr, allein bei dir!" (S. 194)

   Die Mutter Ben Tesalahs spricht's. Und Marah Durimeh, Schefaka, der Hakawati, alle stimmen mit ein: "Allein bei dir, o Herr! / Allein bei dir, o Herr! / Allein bei dir! Allein bei dir!"



4.3

Das fundamental-theologische Menschenbild


Mit poetischen Ausdrucksmitteln wird - bis zu einem gewissen Grade - die feministische Theologie des ausgehenden 20. Jahrhunderts in Babel und Bibel vorweggenommen. Der extreme Feminismus ist May allerdings fremd. Der 'männliche' Vater-Gott wird nicht abgesetzt von der 'Großen Mutter'! Die Christozentrik wird zwar ergänzt, aber nicht ersetzt durch die 'Mariozentrik'. Und die Führungsrolle des Mannes übernimmt nicht einfach die Frau.

   Marah Durimeh ist selbst 'androgyn'. Sie verkörpert, so May an Sascha Schneider, "nicht nur das Weibliche, sondern auch die Männlichkeit der Menschheitsseele".75 Zwar überwiegt in ihr natürlich die Weiblichkeit; aber zum 'Ausgleich' kann May ja auf Ben


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Tesalah (der christusähnliche Züge trägt), den verwandelten Abu Kital und den Hakawati verweisen.76

   Das Feminine und das Maskuline werden in Mays Drama nicht gegeneinander ausgespielt, sondern - gleichwertig - aufeinander bezogen. May verkündet nicht die männliche Herrschaft, aber auch nicht die weibliche Dominanz. Er predigt die Würde des Menschen, der Mann oder Frau ist, und in Gott (der 'Vater' und 'Mutter' zugleich ist) seine Vollendung erlangt.

   "Du hast uns für dich erschaffen, o Gott, und unruhig ist unser Herz, bis es ruhet in dir!" Schon im Buch der Liebe hatte sich May zu diesem Augustinus-Wort bekannt,77 und im Erlösungsdrama kommt es zur lebendigen Anschauung.

   Was meint nun aber 'Erlösung' und was bedeutet 'Ruhe finden in Gott'? Die Aufhebung der Individualität und des personalen Charakters des menschlichen Seins? Den Untergang des Einzelmenschen in der Unendlichkeit Gottes - so wie der Tropfen sich auflöst im Meer?

   Die Interpretation Martin Schenkels geht, zuletzt, in diese Richtung: Die "heilsgeschichtliche Gesetzlichkeit negiert die Eigengesetzlichkeit des Individuums, den Menschen als Einzelwesen [...] In der Erlösung vollzieht sich zugleich die Auflösung des Charakters."78

   Schenkels Kritik stützt sich auf die Verse "Nicht Einzelwesen, DRAMA ist der Mensch, / Um Zeit und Ort mit Handlung zu beleben" (S. 180). Diesen - auch in der Selbstbiographie zitierten,79 dem Autor also wichtigen - Versen die Auflösung des "Charakters" und der "Eigengesetzlichkeit" des Individuums zu entnehmen, ist jedoch eine Überinterpretation, der die Grundtendenz des Mayschen Gesamtwerks deutlich widerspricht.

   Gewiß, die 'Personen' des Dramas sind keine Einzelwesen, sondern allegorische Verallgemeinerungen. Eine Leugnung oder Geringschätzung der menschlichen Individualität durch den Schriftsteller folgt daraus aber nicht.

   "Nicht [nur] Einzelwesen" ist der Mensch, weil er in einem Geflecht von sozialen Beziehungen lebt, die sein Ich konstituieren. "Drama" ist der Mensch, weil seine Psyche nicht eindimensional, sondern vielschichtig ist. Und "Drama" ist der Mensch, weil er nicht stehenbleibt, sondern sich weiterentwickelt.

   Karl May vertritt einen universalen, mit der 'Punkt Omega'-Theorie des Jesuiten Teilhard de Chardin (1881-1955) schon beinahe vergleichbaren Zukunftsoptimismus.80 Sein evolutives, an der 'Neuen Schöpfung' (2 Kor 5, 17) orientiertes Weltbild verbindet er mit seiner Botschaft vom Edelmenschen: "Ich sehe es: Es kommt - - - es kommt - - - es kommt, / Das hohe, edle, wahre Menschentum." (S. 111)

   Der Mensch soll "zum Menschen werden" (S. 32), dessen einmaliges und unverwechselbares Profil durch die Erlösung nicht zerstört, sondern 'veredelt' wird. Mays Leidenschaft ist der Mensch, dessen Traum und dessen - von Gott selbst ihm eingestiftete - Bestimmung die "Maßlosigkeit"81 ist! Mays Vision ist der Mensch, der sein wahres Gesicht, seinen eigentlichen Charakter durch die Erlösung überhaupt erst gewinnt (vgl. z.B. Mt 10, 39).

   Der Dichter sieht den neuen, in der Person Jesu Christi schon antizipierten Menschen kommen, dessen Zukunft in Wahrheit noch größer ist, als seine verwegensten Utopien ihn ahnen lassen. May glaubt an den Menschen, der nach Gottes Bilde erschaffen und zur 'Vereinigung' mit dem Schöpfer, der "Urquelle alles Lebens",82 berufen ist. Er hofft auf den Menschen, der sein Ego, seine 'In-dividualität', sein 'ungeteiltes' Für-sich-sein zwar übersteigt in der Öffnung zum Du, in der Teilhabe am Sein des Schöpfers und seiner


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Schöpfung.83 Er vertraut aber zugleich auf Gottes Liebe, die den Menschen nicht erdrückt, nicht aufsaugt, sondern bejaht und bestätigt: in seinem Ansehen, in seiner Gnade bei Gott (Lk 1, 28), in seiner je besonderen und einzigartigen personalen Würde, die selbst im Tod nicht zerstört, sondern erlöst und vollendet wird.

   Mit diesem hier nur angedeuteten Menschenbild wird in Mays Drama nichts Fremdes hineininterpretiert. May selbst hat - in Jenseits, im Silberlöwen III/IV und in Friede - dieses Menschenbild reflektiert und, mit poetischen Stilmitteln, zum Ausdruck gebracht.84 Dasselbe Menschenbild setzt er in Babel und Bibel voraus. Es entspricht, zumindest annähernd, der biblischen Verheißung (Offb 21) und dem christlichen Evolutionsverständnis, das im Neuen Testament vorausentworfen (Kol 1, 13ff.) und in neuerer Zeit von Henri Bergson, Teilhard de Chardin, Karl Rahner u.a. systematisch entfaltet wurde.85



Anmerkungen


1Die folgenden Ausführungen entsprechen, nahezu unverändert, Hermann Wohlgschaft: 'Babel und Bibel'. Ansätze zur feministischen Theologie' im Erlösungsdrama Karl Mays. In: JbKMG 1991, S. 148-181 (S. 161-175).
2Vgl. Curt Hohoff: Was ist christliche Literatur? Freiburg 1966, S. 19 (zu Claudel und Péguy).
3Alfred Paffenholz: Kleine Fluchten oder: Der Traum vom Paradies. Eine Erinnerung an Karl May und seine Wiederentdeckung. In: Karl May - der sächsische Phantast. Studien zu Leben und Werk. Hrsg. von Harald Eggebrecht. Frankfurt/M. 1987, S. 45-62 (S. 61, mit Bezug auf Martin Schenkel: "Babel und Bibel". Ein aufklärerisches Drama des Mittelalters. In: Karl May. Hrsg. von Helmut Schmiedt. Frankfurt/M. 1983, S. 278-309).
4Seitenangaben in () beziehen sich auf Karl May: Babel und Bibel. Arabische Fantasia in zwei Akten. Freiburg 1906.
5Aus Sascha Schneiders Brief vom 3.7.1906 an May. In: Hansotto Hatzig: Karl May und Sascha Schneider. Dokumente einer Freundschaft. Beiträge zur Karl-May-Forschung 2. Bamberg 1967, S. 120.
6Ansgar Pöllmann: Ein Abenteurer und sein Werk. In: Über den Wassern. Halbmonatsschrift für schöne Literatur. Hrsg. von Expeditus Schmidt. Münster, 3. Jg. 1910, S. 274 - Vgl. oben, S.528.
7Papst Johannes Paul I. in einer Ansprache am 10.9.1978.
8Vgl. Paul Michael Zulehner: Ungehaltene Hirtenreden. Menschlichkeit darf maßlos sein. Freiburg 1988, S. 109. - Zur 'Androgynität' Gottes erläutert Leonardo Boff: Das mütterliche Antlitz Gottes. Ein interdisziplinärer Versuch über das Weibliche und seine religiöse Bedeutung. Düsseldorf 1985, S. 246: "Gott übersteigt die Geschlechter und die männlich-weiblichen Bestimmungen. Dennoch gründen sie in Gott, und wenn Gott sich offenbart, bedient er sich dieser Kategorien [...] Gott kann sich als Vater wie auch als Mutter zu erkennen geben, obwohl er beide transzendiert, denn er wohnt ja in einem unzugänglichen Licht."
9Weibliche Gottesbilder finden sich z.B. in Hos 11,4; Ps 25, 6; Ps 115, 5; Jes 49, 15; Jes 66, 13 und Lk 13, 34.
10Boff, wie Anm. 8.
11In einem - auch sonst sehr aufschlußreichen - Brief an Sascha Schneider erläutert May (1906): "Die Menschheitsseele war vor Jahrtausenden eine ganz andere als heut; denn die Menschheit wird im Vorwärtsschreiten von immer neuen und höheren Culturpotenzen beseelt." (Zit. nach Hatzig, wie Anm. 5, S. 125).
12Karl May: Mein Glaubensbekenntnis. In: Donau-Zeitung. Passau, 117. Jg. (4.1.1907). Wiedergegeben in: Schriften zu Karl May. Materialien zur Karl-May-Forschung, Bd. 2. Ubstadt 1975, S. 245f. - Vgl. unten, S. 674ff.
13May: Glaubensbekenntnis, wie Anm. 12, S. 245.
14Vgl. Heinz Stolte: Hiob May. In: JbKMG 1985, S. 63-84 (S. 80).
15Vgl. Boff, wie Anm. 8, S. 222ff.
16Christus ist zweifellos gemeint, auch wenn er namentlich in Mays Credo nicht genannt wird.
17Vgl. Boff, wie Anm. 8, S. 106-117. Diesem Abschnitt sind die folgenden Zitate entnommen.


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18Da die 'Inkarnation' ein terminus technicus der Christologie ist, spricht Boff (ebd., S. 110ff.) nicht von der Inkarnation, sondern von der "Spiritualisierung" des Heiligen Geistes in Maria.
19Ulrich Wickert in einem Brief vom 21.2.1989 an Ernst Seybold (der diesen Brief, mit Wickerts Erlaubnis, dem Verfasser übermittelt hat).
20Boff, wie Anm. 8, S. 107; dort auch die folgenden Zitate.
21Vgl. ebd., S. 11 f. u. 82ff.
22Boff selbst (ebd., S. 107) gibt diesen Hinweis.
23Christa Mulack: Maria - Die geheime Göttin im Christentum. Stuttgart 1985.
24"Jungfrau, Mutter, Königin, Göttin, bleibe gnädig!" betet der Doctor Marianus in der Schlußszene des Faust, II. Teil.
25Vgl. die in Anm. 24 erwähnte Faust-Szene mit der Mater gloriosa, dem Doctor Marianus (alias Faust) und dem Chorus mysticus.
26Vgl. die 10. Szene des 2. Aktes in Verdis Oper Die Macht des Schicksals.
27Vgl. Walter Schönthal: Christliche Religion und Weltreligionen in Karl Mays Leben und Werk. SKMG Nr. 5 (1976), S. 16 - Paffenholz, wie Anm. 3, S. 54ff. - Hartmut Vollmer: Marah Durimeh oder Die Rückkehr zur 'großen Mutter'. In: Karl May. Hrsg. von Heinz Ludwig Arnold. Sonderband Text + Kritik. München 1987, S. 158-190 (S. 180ff.).
28Zum Namen 'Marah Durimeh' vgl. auch Wolf-Dieter Bach: Fluchtlandschaften. In: JbKMG 1971, S. 39-73 (S. 69) - Werner Poppe: Marah Durimeh. Eine Quellenforschung zu Karl Mays Reiseerzählung 'Durchs wilde Kurdistan'. Sonderheft 1 der Zeitschrift 'Graff-Anzeiger'. Braunschweig 1975, S. 19.
29Karl May: Durchs wilde Kurdistan. Gesammelte Reiseromane, Bd. II. Freiburg 1892, S. 569.
30Ebd., S. 207.
31Ebd., S. 329.
32Aus Mays Brief an Prinzessin Wiltrud von Bayern. In: JbKMG 1983, S. 92-99 (S. 98).
33Karl May: Der Dichter über sein Werk. Skizze zu Babel und Bibel (1.10.1906). In: KMJB 1921. Radebeul 1920, S. 41-80 (S. 77).
34Zur Assoziation 'Schutzmantelmadonna' vgl. auch Wolf-Dieter Bach: Muttergedichte Karl Mays und Hermann Hesses. In: JbKMG 1970, S. 114-117 (S. 115).
35So heißt es in dem bekannten Marienlied (Text aus dem 19. Jhd.) im offiziellen katholischen Gesang- und Gebetsbuch 'Gotteslob' Nr. 875.
36Der Stiftskirche von Ossiach am See (Kärnten) stiftete May zwei Bogenfenster mit der Aufschrift 'Salve Regina Protectrix Ossiacensium' bzw. 'In omnibus glorificetur Deus'! - Vgl. Karl Serden: Wann war Karl May in Ossiach? In: MKMG 78 (1988), S. 44f.
37Als 'Herrin von Märdistan' (dem Lande der 'Männer' und der 'Läuterung') klagt sich Marah Durimeh vor der Bibel der "Härte" an (Babel und Bibel, S. 112) - ein merkwürdiger Umstand, der zum sonstigen Bild der allgütigen 'Menschheitsseele' nicht passen will. Vielleicht spielen hier autobiographische Reminiszenzen herein; Marah Durimeh würde dann negative Mutter-Erlebnisse des Autors widerspiegeln. Vielleicht erliegt May hier auch der gängigen (in der Sache verfehlten) Entgegensetzung des alttestamentlichen Gottes der 'Strafe' und des neutestamentlichen Gottes der 'Liebe'. - Vgl. Schenkel, wie Anm. 3, S. 299 - Paffenholz, wie Anm. 3, S. 61 (gegen Schenkels Deutung).
38Eine Marienkalendergeschichte Karl Mays trägt den Titel Mater dolorosa (Regensburg 1892).
39Gleichwohl meint Hatzig, wie Anm. 5, S. 249 (Anm. 21), daß Bent'ullah "zum Schaden des ganzen Stückes" zu "blaß" geraten sei.
40Vgl. oben, S. 142.
41Dieses ethisch-religiöse Programm findet sich fast vollständig schon bei May: Durchs wilde Kurdistan, wie Anm. 29, S. 615, und zwar - gewiß kein Zufall - im Umkreis Marah Durimehs!
42Vgl. Die andere Maria. Neue Zugänge. Hrsg. von Johannes Thiele. Freiburg, Basel, Wien 1987 (mit Beiträgen von Bert Brecht, Marianne Dirks, Dorothee Sölle, Kurt Marti, Ernesto Cardenal, Luise Rinser, Eugen Drewermann, Dom Helder Camara u.a.).
43Zulehner, wie Anm. 8, S. 95.
44Nach Mays Erklärung (Babel und Bibel, S. 16) eine von den 'heulenden Derwischen' übernommene Gebetsform der Moslems.
45Vgl. Mays sehr wahrscheinlich im Arbeitshaus Schloß Osterstein entstandenes Fragment Mensch und Teufel. In: Karl May: Hinter den Mauern und andere Fragmente aus der Haftzeit. In: JbKMG 1971, S. 122-143 (S. 137f.).


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46Vgl. Karl May: Das Buch der Liebe. Dresden 1875/76. Reprint der Karl-May-Gesellschaft. Regensburg 1988. Hrsg. von Gernot Kunze. Bd. I: Textband, S. 27f.: "Weg darum mit Tod, Hölle und Teufel!" Eine "Hölle, in welcher die Verdammten in ewigem Feuer braten, ist eine Lästerung Dessen, der seine Kinder 'je und je geliebet' hat." Denn wie die Fehler und Sünden des Menschen "der Zeitlichkeit entsprangen, so kann auch die Strafe keine ewige sein."
47Vgl. oben, S. 608.
48Vgl. oben, S. 645.
49Vgl. Schenkel, wie Anm. 3, S. 300.
50Zulehner, wie Anm. 8, S. 101.
51Vgl. oben, S. 483. - Zu Claudels Drama hat v. Balthasar ein Nachwort verfaßt.
52Hans Urs v. Balthasar: Was dürfen wir hoffen? Einsiedeln 1986.
53Vgl. Karl Rahner: Hölle. In: Herders theologisches Taschenlexikon, Bd. 3. Hrsg. von Karl Rahner. Freiburg, Basel, Wien 1972, S. 305-308.
54Vgl. Zulehner, wie Anm. 8, S. 101f.
55Ebd., S. 102. - Im Katholischen Erwachsenen-Katechismus (hrsg. von der Deutschen Bischofskonferenz 1985), S. 423, heißt es: "Weder in der Heiligen Schrift noch in der kirchlichen Glaubensüberlieferung wird von irgendeinem Menschen mit Bestimmtheit gesagt, er sei tatsächlich in der Hölle."
56Zulehner, wie Anm. 8, S. 103 - Zur ganzen Fragestellung hervorragend: Franz-Josef Nocke: Eschatologie. Düsseldorf 1982, S. 138-142 (Kapitel 'Wird es die Hölle geben?').
57Zulehner, wie Anm. 8, S. 106f., illustriert diese Mentalität mit Äußerungen kirchlicher Würdenträger.
58Das Magnifikat hat ein alttestamentliches Vorbild im Danklied der Hanna (1 Sam 2, 1-10). Beide Texte werden von den biblischen Dichtern Frauen in den Mund gelegt!
59Dazu Boff, wie Anm. 8, S. 199-210.
60Zulehner, wie Anm. 8, S. 106.
61May: Durchs wilde Kurdistan, wie Anm. 29, S. 630ff.
62May: Der Dichter über sein Werk, wie Anm. 33, S. 78.
63Ebd., S. 61f.
64Ebd., S. 63, spricht Babel in seiner Vermessenheit dem Menschengeist "die Oberhoheit über die irdische Schöpfung zu"! Man könnte hier sehr wohl an die - von May vorausgeahnte? -Zerstörung der Umwelt durch die Profitgier denken.
65Ebd., S. 62.
66Sascha Schneider, der den Krieg lobte, bekam von May im Juli 1906 die Antwort: "Wehe und tausendmal wehe dem Volke, welches das Blut und das Leben von Hunderttausenden vergießt, um anderthalb Schock Ritter des eisernen Kreuzes erster Klasse dekorieren zu können!" (Zit. nach Hatzig, wie Anm. 5, S. 126).
67May: Der Dichter über sein Werk, wie Anm. 33, S. 80.
68Ebd.
69May in einem undatierten Brief (1906) an Sascha Schneider; zit. nach Hatzig, wie Anm. 5, S. 125.
70Zulehner, wie Anm. 8, S. 100f.
71May: Das Buch der Liebe, wie Anm. 46, S. 7.
72Vgl. Karl May: Geographische Predigten. In: Schacht und Hütte. Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für Berg-, Hütten- und Maschinenarbeiter. Dresden, 1. Jg. (1875/76). Reprint Hildesheim, New York 1979, S. 125f.: Von "Braut" und "Bräutigam" ist hier, im Zusammenhang mit der "Sehnsucht" nach dem "Reich Gottes" bzw. dem "Himmelreich", ausdrücklich die Rede!
73May: Das Buch der Liebe, wie Anm. 46, S. 30f.
74So heißt es im Motto zu Babel und Bibel.
75May im Brief vom 16.9.1906 an Sascha Schneider; zit. nach Hatzig, wie Anm. 5, S. 131.
76Vgl. Mays undatierten Brief (1906) an Sascha Schneider. In: Hatzig, wie Anm. 5, S. 125f.
77Aurelius Augustinus: Bekenntnisse I. 1; vgl. May: Das Buch der Liebe, wie Anm. 46, S. 29.
78Schenkel, wie Anm. 3, S. 304.
79Vgl. Karl May: Mein Leben und Streben. Freiburg 1910. Hrsg. von Hainer Plaul. Hildesheim, New York 21982, S. 74, 111 u. 233.


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80Vgl. May: Der Dichter über sein Werk, wie Anm. 33, S. 52. - Zu May und Teilhard de Chardin vgl. unten, S. 703.
81Vgl. Zulehner, wie Anm. 8, S. 18-26.
82May: Das Buch der Liebe, wie Anm. 46, S. 22.
83Vgl. Heinz Robert Schlette: Individualismus. In: Herders theologisches Taschenlexikon, Bd. 3. Hrsg. von Karl Rahner. Freiburg, Basel, Wien 1972, S. 344ff.
84Vgl. oben, S. 602ff., 622ff. u. 635ff.
85Vgl. z.B. Pierre Teilhard de Chardin: Der Mensch im Kosmos. München 1959 - Karl Rahner: Christologie im Rahmen des modernen Selbst- und Weltverständnisses. In: Ders.: Schriften zur Theologie IX. Einsiedeln, Zürich, Köln 1970, S. 227-241.




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Sekundärliteratur


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