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Eckehard Koch

"Was haltet Ihr von der orientalischen Frage?"

Zum zeitgeschichtlichen Hintergrund von Mays Orientzyklus


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"Master, was haltet Ihr von der orientalischen Frage?", wird Kara Ben Nemsi von Sir David Lindsay in Stambul gefragt; er antwortet lapidar: "Daß sie nicht mit einem Frage-, sondern mit einem Ausrufzeichen zu markieren ist". Karl May holt aber für seine Leser dann doch weiter aus:

[...] die orientalische Frage ist mir gar ein Greuel. Wer sie erst definieren kann, der mag sie danach lösen. [...] Der Türke ist ein Mensch, undeinen Menschen macht man nicht damit gesund, daß die Nachbarn sich um sein Lager stellen und mit Säbeln ein Stück nach dem ändern von seinem Leibe hacken, sie, die sie Christen sind. Einen kranken Mann macht man nicht tot, sondern man macht ihn gesund [...]. Ich hasse den Türken nicht, sondern er dauert mich, weil ich ein Christ bin, und es thut mir immer wehe, wenn ich einen Türkenfresser behaupten höre, daß dem Osmanen nicht zu helfen sei. Das ist Pharisäer-Hochmut, aber kein Christensinn. Die Streiter unserer heiligen Kirche besitzen mächtigere Waffen, als Schwerter und Kanonen es sind. Diese Waffen haben Weltreiche ohne Blut erobert. Warum soll diese Eroberung des Friedens nicht still und kräftig weiterschreiten? Das ist die Lösung der orientalischen Frage, wie der Christ sie sich denkt. - - - (III 49-552)1

Der 'kranke Mann am Bospurus' und die 'Orientalische Frage' gehörten zu den beherrschenden Themen der Politik im Europa des 19. Jahrhunderts. Der 'kranke Mann' war das Osmanische Reich, das im 19. Jahrhundert immer mehr verfiel. Die 'Orientalische Frage' verlangte nach Lösung der Probleme, die aufgrund der nationalen und religiösen Verhältnisse in den türkischen Provinzen Europas, Asiens und Afrikas bestanden. Die hauptsächlichen Ursachen dieser Probleme lagen neben dem Niedergang des Osmanischen Reiches im Nationalismus der von ihm unterworfenen Balkanvölker und im stärkeren Eingreifen europäischer Mächte, besonders Rußlands, Österreichs und Großbritanniens.2

  Die Türken hatten jahrhundertelang das christliche Abendland das Fürchten gelehrt, aber inzwischen hatten sich die Verhältnisse umgekehrt. Mit den Siegen der Österreicher und Russen in den



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Türkenkriegen des 18. Jahrhunderts begann die Orientalische Frage an Bedeutung zu gewinnen. Nach der Beendigung des russischen Türkenkrieges 1774 durch den Frieden von Kütschük Kainardschi war das politische Gewicht der Türkei schon stark zurückgegangen; von nun an bestimmten fremde Mächte zunehmend über sein Schicksal. In der Folgezeit trat das ein, was May uns an verschiedenen Stellen seines Orientzyklus mit Zitaten vor Augen führt: die Zerstückelung des 'kranken Mannes'. Es kam aber auch zu dem Verfall der inneren Verhältnisse des Osmanischen Reiches, das allerdings nur dadurch überhaupt den Hintergrund für Mays bunte Abenteuerwelt liefern konnte.

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"Geht nicht durch ganz Asia ein ungeheurer Diebstahl, ausgeführt von dem Ingiliz und von dem Moskow? Findest du nicht ein immerwährendes Erdrücken, Ersticken und Abschlachten der Stämme, die zwischen diese beiden Riesen geraten? Das thun diese Christen; der Türke aber ist froh, wenn man ihn in Ruhe läßt!" (IV 69)

Um die Mitte der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts, also in der Zeit, in der nach Angabe des Karl-May-Verlages der Orientzyklus spielt, umfaßte das Osmanische Reich die Landmasse, die aus Kleinasien, einem Teil der Balkanhalbinsel, Teilen von Armenien und Kurdistan, Syrien, den Küstenstrichen Arabiens, Ägypten und Tripolis bestand. Weitere Besitztümer wie die Krim, Bessarabien, die Inseln an der Donaumündung, die Ostküste des Schwarzen Meeres u.v.a. waren schon früher an das Russische Reich verlorengegangen, das sich nach dem Krieg 1828/29 auch das Protektorat über die Donaufürstentümer sicherte. Serbien hatte 1816 lokale Autonomie erhalten, 1830 wurde Griechenland unabhängig, und Ägypten gewann im 19. Jahrhundert weitreichende Selbständigkeit. England und das Metternichsche Österreich versuchten, möglichst den Status quo aufrechtzuerhalten. Rußland war - u.a. um Zugang zum Mittelmeer zu gewinnen - daran gelegen, die Türkei zu zerschlagen, was jedoch dazu führte, daß England die 'Pforte', wie die Türkei auch genannt wurde, als Bollwerk gegen Rußland zu stärken suchte. Diese Spannungen zwischen den Großmächten führten zum berüchtigten Krim-Krieg von 1853 bis 1856. Aber die Probleme wurden damit eher vergrößert und ihre Lösung auf jeden Fall nur verschoben.


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   Allmählich gewann in der Orientalischen Frage die Meinung die Oberhand, sie sei nur durch möglichst weitgehende Loslösung der christlichen Provinzen von der osmanischen Herrschaft in den Griff zu bekommen. Zwar hatte die Türkei bereits 1856 die bürgerliche Gleichstellung der Christen in ihrem Herrschaftsbereich mit den Mohammedanern verkündet, aber dennoch stellten die Großmächte im Pariser Friedenskongreß von 1856 die christlichen Minderheiten im Osmanischen Reich unter ihren Schutz, was ihnen gleichzeitig das Recht gab, jederzeit 'zu ihren Gunsten' zu intervenieren. Gewonnen war auch nicht viel; es kam zu Metzeleien u.a. in Syrien und in Bulgarien. "Kein Moslem, selbst der Mekkaner nicht, ist so fanatisch wie der Damaskese", urteilt May (III 350). "Dieser Fanatismus, welcher so leicht zu blutigen Ausschreitungen führt, ist selbst heute noch ganz derselbe wie im Jahre 1860, in welchem Tausende von Christen niedergemetzelt wurden." (III 350f.) May flicht die Schilderung des Massakers, das vom 9. bis 16. Juli 1860 dauerte und von der islamischen Sekte der Drusen angerichtet wurde, geschickt in seine Abenteuerhandlung ein.

   Die Gemetzel in Bulgarien waren u.a. der Anlaß für den Russisch-Türkischen Krieg von 1877 bis 1878. Er endete mit dem Berliner Vertrag vom 13. Juli 1878. Dieser Vertrag brachte Rumänien, Serbien und Montenegro die Unabhängigkeit; Bulgarien wurde in ein selbständiges Staatsgebilde, das tributpflichtige Fürstentum Bulgarien, und das unter türkischer Oberhoheit stehende, aber mit selbständiger Verwaltung ausgestattete Ostrumelien geteilt. Bosnien und Herzegowina kamen an Österreich-Ungarn, der größte Teil von Thessalien 1881 an Griechenland. Damit waren aber die Territorialverluste der Türkei noch nicht erschöpft.

   Das Recht auf 'Schutz der Minderheiten' forderte jede Art von Einmischungen: Rußland 'schützte' die Orthodoxen, Frankreich erhielt vom Berliner Kongreß offiziell seine Bestätigung als Schutzmacht für die christliche Bevölkerung des Orients (aufgrund seiner Intervention 1864 wurde der Libanon autonome Provinz), und Österreich 'wachte' - sehr zum Verdruß Rußlands - über die Katholiken.

   Zur Zeit, als May mit der Niederschrift des Orientzyklus begann, trat die Orientalische Frage erneut in den Vordergrund der europäischen Politik. In Ägypten erhob sich 1881 eine nationale Partei mit dem Slogan 'Ägypten den Ägyptern' (es war das Vorspiel zum Mahdi-Aufstand). England schlug die Erhebung mit


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Waffengewalt nieder, was zum Protest der anderen europäischen Mächte führte. Seit dem Berliner Kongreß hatte sich auch das Deutsche Reich eine führende Position in den Versuchen, die Orientalische Frage zu lösen, errungen. Im zeitgenössischen Brockhaus wurde diese Politik folgendermaßen gewürdigt:

Die Aufgabe dieser vom Fürsten Bismarck geleiteten Politik ist, keiner europ. Großmacht, namentlich weder England noch Rußland, besondere Vorteile im Osmanischen Reich zu gestatten und dasselbe durch Aufnahme europ. Civilisation lebensfähiger zu machen.3

   Die Verhältnisse zum Deutschen Reich endlich gestalteten sich zu großer Innigkeit, welche sich in Ordensverleihungen der Souveräne, im Austausch von Geschenken, in Überlassung tüchtiger deutscher Beamten und Offiziere an die Pforte kundthat.4

May hat diese Stimmung im Deutschen Reich zwar übertrieben dargestellt, aber vom Prinzip her nicht falsch getroffen, wenn er schreibt:

Nur ein einziger steht von ferne, mit christlicher Teilnahme im Herzen. Er war ihm einst ein ehrlicher Feind und möchte ihm nun auch ehrlicher Freund sein. Er hat eingesehen, daß der Türke ein ebenso großes Recht hat, sein Land zu behaupten, wie Preußen sein Schlesien, Sachsen und Hannover behalten hat. Dem Kranken, um welchen die Geier lauern, ist schon der aufrichtige Blick dieses Einen eine Bürgschaft der Genesung, und darum fühlt er sich bereit, ihm zuliebe selbst das zu thun, was er sich von andern nie erzwingen ließe. Dieser Einzige ist der Deutsche. Ist dem Germanen wirklich die weltgeschichtliche Rolle zugeteilt, der Träger christlicher Humanität zu sein, so ist er sicher überzeugt, daß Mekka einst veröden wird, wenn die Liebe dem Hasse das Schwert aus der Hand gewunden hat. Oder ist es vielleicht Wahnsinn, zu glauben, daß der Türke ein Christ werden könne? Das hieße nichts anderes, als die Macht des Evangeliums verleugnen. - - - (III 451 f.)

Tatsächlich erstreckte sich die deutsche Unterstützung für die Türkei vornehmlich auf die Entsendung von Militärs. Preußen bzw. danach das Deutsche Reich war bis zum Berliner Kongreß eine geachtete Macht, in erster Linie dank ihrer militärischen Stärke, aber sicher keine Weltmacht. In Ländern der - wie wir sie heute nennen würden - 'Dritten Welt' waren deutsche Offiziere im Hinblick auf die Reorganisierung der Streitkräfte sehr willkommen, vor allem, weil man bei ihnen davon ausgehen konnte, daß sie sich nicht in die inneren Angelegenheiten des betreffenden Staates einmischen würden. Preußische Ausbilder waren im 19. Jahrhundert und auch noch im 20. in verschiedenen Staaten tätig: in Chile, Argentinien und Bolivien, in China und Japan, und eben auch in der Türkei. Hier diente von 1836 bis 1839 der spätere preußische General-Feldmarschall und Chef des General-


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stabes [Generalstabes] Helmuth Graf von Moltke (1800-1891), der Sieger im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71, als Instrukteur. Colmar Freiherr von der Goltz (1843-1916) reorganisierte als Goltz-Pascha 1883 bis 1896 das türkische Heer. Weitere seit 1882 für die Dienste in der Türkei beurlaubte deutsche Offiziere waren: Kähler Pascha, von Hobe, Ristow, Kamphövener, von Schilgen und Krieg. Eduard Schnitzer alias Mehmed Emin Pascha (1840-1892) wurde zum bedeutenden Afrikaforscher und Kolonialpolitiker in türkischen Diensten; Michael Lattas, ein Österreicher, wurde als Omer Pascha (1806-1871) Feldmarschall und Kriegsminister in der Türkei, und Adolf Farkas alias Osman Pascha (1823-1898), Offizier und Professor an der Militärakademie von Konstantinopel, lebt noch heute als edle Gestalt in Mays Silbernem Löwen fort.5

   In einer zur Zeit des Ersten Weltkrieges erschienenen Weltgeschichte, die zwar nicht mehr ganz 'zeitgenössisch' war, in der aber der damalige 'Zeitgeist' noch aufscheint, heißt es:

Als [...] der deutsche Kanzler am 7. Oktober 1879 das Bündnis mit Österreich und bald darauf (1883) den Dreibund schloß, da erkannte auch der scharfsinnige Sultan, daß ihm nur die Anlehnung an diesen mächtigsten Friedenshort Europas von Nutzen sein könne [...]. Mit Hilfe deutscher Beamter einigte sich der Sultan 1881 mit den Gläubigern [das Osmanische Reich war völlig verschuldet; seit 1881 wurden einige Deutsche in türkischen Ministerien Unterstaatssekretäre] [...]. Die größte Kraft aber verlieh er dem Staate durch die Berufung deutscher Offiziere zur Durchführung einer Verbesserung des Heerwesens (1880) und der Ausarbeitung eines Militärgesetzes, das 1887 in Kraft trat.6

Kann man es mithin May verdenken, daß er einen einfachen türkischen Dorfschmied über den "Nemtsche", den Deutschen, ausrufen läßt: "[...] der Nemtsche ist auch der Einzige, der Gerechtigkeit besitzt" (IV 69)? In einem anderen Falle aber zieht er den 'Friedenshort' schon etwas ins Lächerliche, als er einem Beduinen die Worte über Deutschland in den Mund legt: "[...] das ist ein sehr friedliches Land, in welchem die Bewohner nichts thun, als Bücher lesen und viel Kaffee trinken." (III 357)

   Aus heutiger Perspektive wissen wir allerdings, daß die deutsche Unterstützung für die Türkei zwar nicht gering zu schätzen war, daß sich aber auch deutsche Geschäftsleute an der Ausbeutung des Landes beteiligten:

Die Grenzen, die dem Osmanischen Reich durch die Verträge aufgezwungen wurden, bilden keineswegs zugleich eine Grenze gegen Übergriffe des Auslands. Von den Meerengen abgesehen, über die 1841 in London ein Abkommen unterzeichnet und auf dem Pariser Kongreß erneuert wird, interveniert der Westen sogar im Inneren des Reiches auf


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dem Weg über die Handelsunternehmen, besonders über die Eisenbahn-Gesellschaften. Hier machen Engländer, Deutsche, Franzosen und Belgier unter Ausnutzung der "ungleichen" Verträge das Geschäft. Der Vertrag von 1838 setzt die Steuern des Warenverkehrs von Europa nach der Türkei auf 5 Prozent, in der umgekehrten Richtung aber auf 12 Prozent fest. Das hat unter anderem zur Folge, daß in vielen Gebieten der Türkei die Seidenproduktion innerhalb eines halben Jahrhunderts um 90 Prozent absinkt.7

Bis zum Krim-Krieg befanden sich die Finanzen des Osmanischen Reiches in gutem Zustand; das Reich hatte keine Schulden. Aber die Verschwendungssucht der Sultane und die ständigen Kriege führten bald zu einer ungeheuren Verschuldung. Sie betrug 1875 210 Millionen türkische Pfund und erforderte jährliche Zins- und Tilgungszahlen von 14 Millionen Pfund. Der Russisch-Türkische Krieg 1878 steigerte die Geldnot dann noch einmal 'ins Unendliche'. Im zeitgenössischen Brockhaus kann man es nachlesen:

Im Volke wurde der Mangel bitter empfunden; seit Jahren hatte die Armee keinen Sold, die Beamten, besonders die niedern Grade, kein Gehalt bekommen; wiederholt fanden Demonstrationen wütender Weiber in den Ministerien und selbst vor dem Kiosk des Großherrn statt; gegen das entwertete Papiergeld aber wollte kein Produzent seine Ware hergeben [...]. Selbst in den niedern Volksklassen erwartete man nur mehr von auswärtiger Einsicht und Redlichkeit Hilfe, welche seit 1880 die Pforte durch preuß. Finanzmänner, namentlich Wettendorf, auch zuteil wurde. Es war dies sicher ein Anfang der Besserung; doch ist noch nicht abzusehen, wann selbst unter günstigen äußern Verhältnissen die Reinigung des Augiasstalles wird in Aussicht gestellt werden können. In einem gewissen Wechselverhältnis zu den finanziellen Schwierigkeiten standen partielle Volkserhebungen. Aufstände der Griechen in Thessalien, der Bulgaren in Macedonien u.s.w. wurden bald unterdrückt, aber das sich an sie anlehnende Räuberwesen in den Gebirgsgegenden wuchert, den Landbau, die Industrie und den Handel weiter Distrikte schwer schädigend, noch jetzt fort.8

Zwar gelingt es auch Kara Ben Nemsi, Hadschi Halef Omar und den sonstigen Helden nicht, den 'Augiasstall' auszumisten, aber sechs Bände lang müssen sie sich in ihm und mit ihm herumschlagen. Mag man manche Einzelheiten der Handlung auch gut aus persönlichen Lebenserfahrungen Mays heraus deuten können9, insgesamt vermittelt er mit seinen Abenteuern ein karikierendes, aber nichtsdestoweniger treffendes Bild der Verhältnisse des äußerlich und innerlich verfallenden Osmanischen Reiches.

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Ein Beamtenausschuß, der 1864 die verschiedenen Provinzen des türkischen Reiches besuchte, stellte zusammenfassend seinen Ein-


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druck [Eindruck] fest: "Die Beamten mästen sich an den Abgaben, während das Volk leidet und wie ein Neger unter der Peitsche arbeitet. Der Ertrag der Steuern aber wird zwischen den Beamten geteilt, anstatt in die Staatskasse zu fließen."10

   Derartigen Beamten begegnen Kara Ben Nemsi und seine Begleiter auf Schritt und Tritt. Bei einer Gelegenheit gibt er dem Wunsch eines Beamten nach Geld nicht nach: "Es war gar nicht meine Absicht, das Geld für mich zu verwenden; aber ich konnte damit größeren Nutzen schaffen, als wenn ich es in die bodenlose Tasche des Beamten gelangen ließ." (III 630) "Das war denn einmal ein ehrlicher Beamter, eine Seltenheit im Reiche des Großherrn", heißt es an anderer Stelle. "Der Großherr, den Allah segne, will, daß Ordnung sei in seinem Reiche" (III 420), aber die Realität sieht ganz anders aus: "Du bist ein sehr braver Mann, aber nicht alle Beamten sind so, wie du. Ich kenne euch zur Genüge. Wenn ich fort sein werde, so wird dieser gute Kodscha Bascha wieder schalten und walten nach Belieben." (V 52)

   Wenn Kara Ben Nemsi es mit Beamten oder Hütern des Gesetzes im Osmanischen Reich zu tun bekommt, stößt er in der Regel auf einen Sumpf aus Korruption und Gesetzlosigkeit; Gerichtsverhandlungen werden zur Farce; Bakschisch muß reichlich eingesetzt werden; mit Bastonnade wird gedroht; Polizei und Militär sind häufig unfähig. Zwar zielte May bei solchen Schilderungen auch auf heimatliche Verhältnisse, im Gedenken an eigene leidvolle Erfahrungen in der Jugend; das ändert aber nichts daran, daß er die türkischen Verhältnisse im rechten schlechten Licht erscheinen läßt.11 Aber was wollte man von Beamten ohne Gehalt oder Soldaten, die keinen Sold erhielten, auch erwarten?

Es giebt manchen hohen Mansubli [Anm.: Beamter], dem der Großherr kein Gehalt bezahlt und der deshalb nur von dem Bakschisch lebt, welches er überall herauszupressen sucht,

urteilt May ganz richtig (III 490), wie er auch über einen türkischen Militärbefehlshaber zu Recht spöttelt:

[...] man weiß ja, was man von einem türkischen Lieutenant zu halten hat. Diese Subalternen sind oder waren nichts anderes, als die Stiefelputzer und Pfeifenstopfer der höheren Chargen. Man hatte den guten Mann nach Kbilli gesetzt, um ihm Gelegenheit zu geben, für sich selbst zu sorgen [...]. Der brave Wekil war also in Beziehung auf seinen Unterhalt auf Erpressung angewiesen [...]. (I 59)

Und wo es nicht der Bakschisch oder die Erpressung ist, die zur Bestreitung des Lebensunterhaltes herhalten (müssen), da werden


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Steuern erhoben, die aber keineswegs dem türkischen Staat als Ganzem zugute kommen. Über Damaskus schreibt May:

Aus der ehemaligen Weltstadt wurde eine Provinzialstadt, der Sitz eines Gouverneur-Pascha, und jedermann weiß ja, daß diese Art von Administratoren nur geeignet ist, das reichste Land der Erde arm und durch endlosen Steuerdruck den ergiebigsten Volkswohlstand bankerott zu machen. (III 350)

May erwähnt mehrfach den Charâdsch (oder türkisch Dschisieh), die Kopfsteuer, zu deren Zahlung sich die Nicht-Mohammedaner bei ihrer Unterwerfung verpflichten mußten. Darüber hinaus wurde mit diesem arabischen Wort, das von sämtlichen islamischen Nationen verwendet wurde, auch der Jahrestribut der zu der Türkei in Schutz- bzw. Suzeränitätsverhältnis getretenen autonomen christlichen Staaten bezeichnet. Überwiegend wurde aber unter Charâdsch die Abgabe der Rajah verstanden, d.h. die Kopfsteuer der im Osmanischen Reich lebenden Christen. Die Steuer war zwar nicht sehr hoch, aber wegen ihres ursprünglichen Charakters und wegen der Eintreibepraktiken ausgesprochen verhaßt. Das Motiv einer angeblich nicht bezahlten Kopfsteuer wird bei May auch zum Vorwand für einen Angriff auf Dschesidi verwendet (II 62, 73), aber hier hat sich der Schriftsteller getäuscht: der Charâdsch war schon 1855 von der 'Pforte' abgeschafft worden.12 Dagegen werden die türkischen Bodenklassen von May korrekt angegeben (VI 2); er konnte sie direkt aus dem zeitgenössischen Brockhaus entnehmen.13 May resümiert:

Die türkische Rechtspflege hat bekanntlich ihre Eigentümlichkeiten, sagen wir geradezu ihre Schattenseiten, die um so deutlicher hervortreten, je entlegener die Gegend ist, um die es sich handelt. Unter den dortigen Verhältnissen ist es nicht zu verwundern, daß da, wo die verschiedenen zuchtlosen, sich ewig befehdenden Stämme [...] ihre Wohnsitze haben, von einem wirklichen 'Rechte' fast gar nicht gesprochen werden kann. (V 1)

Alles in allem ist Mays Urteil über die türkischen Verhältnisse und den Orient eher negativ. Zwar hebt er häufig die Gastfreundschaft und auch Freundlichkeit der Menschen in den bereisten Gegenden hervor14, aber seine Meinung über die Türken ist ambivalent. Sie reicht von: "Der echte Türke ist ein ehrlicher, biederer Charakter, und wenn er anders wird oder anders geworden ist, so tragt ihr die Schuld, ihr, die ihr euch Christen nennt und doch schlimmer seid als die ärgsten Heiden" (I 444) über "Ich hasse den Türken nicht, sondern er dauert mich" (III 452) bis zu


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dem Rat Kara Ben Nemsis gegenüber einem Flüchtling: "Traue keinem Türken [...]!" (III 203) Und die Verhältnisse faßt er in einen Satz: "Das ist der Orient: neben blendendem, trügerischem Licht ein desto tieferer, unheimlicher Schatten!" (VI 210)15

   May urteilte aus dem Wissen und dem Geist seiner Zeit heraus. Aus heutiger Sicht kann man der Türkei des 19. Jahrhunderts mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen:

Während das Osmanische Reich in Europa und in seinen fernen Vasallenstaaten des Nahen Ostens und Nordafrikas dem Druck des Westens ausgesetzt ist, bleibt es durchaus nicht der passive 'kranke Mann am Bospurus', wie es die schulmäßige Auffassung lange behauptet hat. Von Istanbul aus bietet die Türkei ein anderes Bild, das Bild einer Macht, die kämpft und sich wehrt.16

Reformen werden durchgeführt - es ist die große Epoche der 'tanzimat' (Verordnungen) - im Heer, im Justiz- und Unterrichtswesen; eine Universität und höhere Schulen werden gegründet; Ministerien werden nach europäischem Muster gebildet; die Verpachtung der Steuern wird schon 1838 abgeschafft, ein Faktum, das May ebenfalls entgangen ist. Die westliche Zivilisation dringt in Staatsapparat und Wirtschaft ein, gegen heftigen Widerstand vieler Kreise und überschattet durch die Regentschaft unfähiger Sultane. Auf Betreiben des bedeutenden Staatsmannes Midhat Pascha (1822-1884) wird in der Türkei eine liberale Verfassung erlassen; außerdem wird ein Parlament mit zwei Kammern eingerichtet. Aber Midhat Pascha kann sich nicht lange halten, und erst die 'Jungtürken' nehmen später seine Pläne wieder auf. Der "so viel bewunderte und ebensoviel angefochtene" (III 288) Midhat Pascha gehört übrigens zu den ganz wenigen zeitgeschichtlichen Personen, die May in seinem Orientzyklus erwähnt:

Sie [die Pferdebahn mit Ausgangspunkt in Bagdad] wurde von dem reformfreundlichen Gouverneur Midhat Pascha erbaut, welcher später in Stambul eine so hervorragende Rolle spielte. Wäre dieser Mann von seinem Posten als Generalstatthalter von Irak nicht abberufen worden, so besäße Mesopotamien eine Eisenbahn, deren Zweck wäre, die Euphrat- und Tigrisländer über die Hauptorte Syriens hinweg mit Konstantinopel zu verbinden. Leider ist dieses hochwichtige Unternehmen bis auf den heutigen Tag Projekt geblieben. (III 250)

Die erste Eisenbahn im Osmanischen Reich wurde erst 1875 eröffnet, vier Jahre nach Rückkehr Midhat Paschas aus dem Irak.17 Über den Erfolg der Reformen heißt es:

Obwohl sie unvollendet blieben und in Mißkredit kamen, haben die tanzimat dennoch ein Aktivum aufzuweisen. Die Reformen haben in die Verwaltung die Theorie und die Praxis der Zentralisation eingeführt,


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dazu ein gewisses Staatsbewußtsein, kurz: einen unleugbaren Fortschritt, von dem die osmanische Türkei bis zu ihrem Ende zehrte. Selbst unter der Ausbeutung durch ausländische Gesellschaften war dem Land ein wirtschaftlicher Unterbau gegeben worden, ja, man kann behaupten, daß die Türkei zu ihrem eigenen Charakter zurückgefunden hat. Es war ein in sich selbst noch unsicherer Charakter, der zwischen Europa, Islam und türkischem Erbe hin und her schwankte, aber doch ein starker Charakter.18

Nachdenklich läßt May einen Mohammedaner sagen (anläßlich eines Derwischtanzes): "Ich weiß nicht, ob der Prophet solche Uebungen geboten hat; doch weiß ich ebensowenig, ob überhaupt seine ganze Lehre gut ist für das Land und das Volk der Osmanen." (III 470) Dieser Gedanke wird an anderer Stelle noch einmal aufgenommen:

"[...] du mußt dieses Gesetz mit dieser Gesellschaft vergleichen. Das Gesetz ist gut, und es meint es auch gut mit den Untertanen; aber die Gesellschaft, von der du sprichst, taugt nichts. Allah hat uns weise Gesetze und wohlthätige Satzungen gegeben, aber sie werden von seinen Vertretern falsch gehandhabt. Hast du nicht schon die Klage gehört, daß der Islam seine Anhänger verhindere, in der Kultur Fortschritte zu machen? [...] Der Islam verhindert den Kulturfortschritt nicht; aber die Macht, die er dem einen über den andern erteilt, ist in unrechte, treulose Hände gekommen. Auch der Türke ist gut. Er war und ist noch bieder, treu, wahrheitsliebend und ehrlich. Und wenn er anders wäre, wer hätte ihn anders gemacht?" (IV 67f.)

Klingen diese Gedanken und Fragen nicht sehr modern und aktuell?

4


Auf der Balkanhalbinsel hat dem Räuberunwesen niemals gesteuert werden können; ja, grad in den gegenwärtigen Tagen berichten die Zeitungen fast ununterbrochen von Aufständen, Ueberfällen, Mordbrennereien und anderen Ereignissen, welche auf die Haltlosigkeit der dortigen Zustände zurückzuführen sind. (IV 19)

Die Verhältnisse stellten sich tatsächlich so dar; aber, wie bereits erwähnt, bot nur so der Schauplatz die Möglichkeiten für Abenteuer in Mayscher Manier:

Ein angenehmes Gefühl ist es jedoch nicht, zwischen zwei bärenstarken und bis an die Zähne bewaffneten Wegelagerern zu sitzen. Daß es in der Türkei eine Menge solcher Menschen geben kann, das ist sehr leicht erklärlich; es liegt an den dortigen Verhältnissen. Liest man doch sogar heutzutage in fast jeder Nummer irgend einer Zeitung von gewaltsamen Grenzüberschreitungen, Räubereien und Ausplünderungen. Erst kürzlich hat die Regierung eine Bekanntmachung erlassen, in welcher sie befiehlt, daß jeder Richter nun endlich doch einmal nach


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dem Gesetz urteilen solle. [...] Ist es da ein Wunder, wenn in solchen Gegenden der Reisende sich selbst sein Recht spricht, weil er es sonst nicht findet? Ist es unbegreiflich, daß immer neue Banden auftauchen, wenn kaum eine alte zersprengt worden ist? Der friedliche Bewohner ist fast gezwungen, es mit diesen Leuten zu halten. Sie sind die wahren Herren und führen ein grausames Regiment. (V 150f.)

Hören wir zum Schauplatz noch einen Historiker, der die Maysche Darstellung aus heutiger Sicht bestätigt:

Schreckliche Zeiten brachen für Bulgarien an, das sich dem Wüten irregulärer türkischer Verbände ausgesetzt sah, schreckliche Zeiten aber auch für den Islam. Er war die klägliche Zuflucht der Tscherkessen und Tataren, die von den Russen, den Rumänen und schließlich den Bulgaren immer wieder von neuem vertrieben wurden. Die schmerzhafte Geburt der Nationen auf dem Balkan beweist jedenfalls die Widerstandskraft der Völkergruppen, die sich auf ihre Sprachen und Konfessionen stützten, auf jene millet (zugelassene Religionsgemeinschaften), die das Osmanische Reich hatte bestehen lassen, damit sie nicht die seinerzeit vorgefundene Ordnung des Staats und des Steuerwesens störten. Im übrigen ist dieses Überleben des örtlichen Partikularismus auch im Islam zu beobachten. Er wird von den Intrigen der manchmal landfremden Aristokratie gefördert, gegebenenfalls mit Hilfe und Wissen des Westens [...]. Die gleiche Unruhe [wie in Albanien] herrschte in den arabischen Ländern. Man darf über dem Allerweltsbeispiel Ägypten nicht die verschiedenen Gebiete Syriens übersehen, die sich in ständiger Revolte befanden, noch das Herz des alten Arabien, wo der unausrottbare Wahhabismus die unruhige Geschichte der saudischen Dynastie des Nadschd mit Leben erfüllte!19

Und über all dem thront der Herrscher, der Sultan oder Padischah (Großherr), der die höchste weltliche mit der höchsten geistlichen Gewalt, dem Kalifat, vereint, der 'unverantwortlich und unverletzlich' ist. Auch Kara Ben Nemsi steht "unter dem Schutze des Großherrn und kann [sich] sogar unter denjenigen einer europäischen Macht stellen" (III 246)20, und das, obwohl er ein Ungläubiger ist, worüber sich manch ein Rechtgläubiger wundert, der Kenner der Verhältnisse jedoch nicht zu wundern braucht. In die entlegenen, 'wilden' Gegenden seines Reiches aber reichen weder seine Autorität noch sein Einfluß.

   Was gab es da nicht alles für Völker: Die eigentlichen (mohammedanischen) Osmanli (der Name 'Türken' galt seinerzeit als Schimpfwort) nahmen zu Mays Zeit in Europa, aber auch in Asien an Zahl von Jahr zu Jahr ab. In der europäischen Türkei lebten damals schätzungsweise rund 1,4 Mio. Osmanen, 1,1 Mio. Griechen, 1 Mio. Albanesen (davon waren ca. 720000 Mohammedaner), 200000 Walachen, 1,4 Mio. Serben (ohne Serbien und Montenegro), 2,9 Mio. Bulgaren (davon 860000 islamische Pomaken), 100000 Armenier, 70000 Juden, 100000 Zigeuner


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und 140000 Tscherkessen. In Arabien, im Irak, in Ägypten und Tripolis bildeten die Araber die Mehrzahl der Bevölkerung (in Tripolis auch die Berber), in Kurdistan die Kurden und in einigen Bezirken von Armenien die Armenier. Für die asiatische Türkei schätzte man 12,5 Mio. Mohammedaner, 150000 Maroniten und 40000 syrische Christen, 80000 unierte Armenier, weiterhin 2 Mio. Gregor-Armenier, 1 Mio. Griechen, 80000 Juden und 1 Mio. Kurden.21

   Kein Wunder, daß in solch einem Völkergemisch, mit seiner Vielzahl von Stämmen und Sekten, Kara Ben Nemsi mit seinen Begleitern jede Menge Abenteuer zu bestehen hat! "Je weiter nach Nordost hinauf, desto wilder werden die Bergvölker, die keinen Ackerbau kennen und nur von Raub und Viehzucht leben" (II 115), heißt es über Kurdistan.

"Aus den Thälern Kurdistans ist der Qualm brennender Dörfer und der Geruch von Strömen vergossenen Blutes zum Himmel gestiegen. Wir befinden uns in einem Lande, in welchem Leben, Freiheit und Eigentum mehr gefährdet sind, als in jedem anderen. [...] gleich hinter Amadijah hört das Gebiet der Türken auf, und es beginnen diejenigen Länder, welche von Kurden bewohnt werden, die der Pforte nur dem Namen nach unterworfen oder tributpflichtig sind. Dort gewähren uns unsere Pässe nicht die mindeste Sicherheit; ja, es kann sehr leicht der Fall sein, daß wir feindselig behandelt werden, grad deshalb, weil wir die Empfehlung der Türken und der Konsuln besitzen. [...] Diese halbwilden gewaltthätigen Horden macht man sich am besten geneigt, wenn man sich ihrer Gastfreundschaft mit Vertrauen überläßt. Ein Araber kann noch Hintergedanken haben, wenn er einen Fremden in sein Zelt aufnimmt; ein Kurde aber nie." (II 270f.)

Aber auch dieses relativ positive Urteil über die Kurden, verstärkt durch die Meinung: "Ein Kurde ist kein heuchelnder Grieche und auch kein schmutziger Jude" (II 194), wird an anderer Stelle relativiert:

"Sie fielen von allen Seiten über uns her, diese kurdischen Ungeheuer. Sie zerstörten unsere Häuser, verbrannten unsere Gärten, vernichteten unsere Ernten, entweihten unsere Gotteshäuser, mordeten unsere Männer und Jünglinge, zerfleischten unsere Knaben und Mädchen [...]. Ein einziger, fürchterlicher Schrei tönte durch das ganze Land. Es war der Todesschrei von vielen tausend Christen. Der Pascha von Mossul hörte diesen Schrei, aber er sandte keine Hilfe, weil er den Raub mit den Räubern teilen wollte." (II 517)

May malt nicht schwarz-weiß, sondern er beschreibt schonungslos die zwei Gesichter, die die Stamme in ihren Auseinandersetzungen mit anderen Völkern zeigten. Er vermittelt damit - offen-


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bar [offenbar] anhand der benutzten Literatur - ein ausgewogeneres Bild als z.B. der zeitgenössische Brockhaus, in dem es heißt:

Die Kurden sind ein räuberisches, zum Islam sich bekennendes Nomadenvolk [...] sie wandern [...] nicht selten als Hirten, Karawanenführer oder Räuber in Kleinasien [...] weder die Pforte noch die pers. Regierung besitzt die Macht, die Kurden in wahrer Abhängigkeit zu halten.22

Auch zu den Griechen äußert sich der Brockhaus:

Die Befreiung Griechenlands führte zu einer staunenswerten Entwickelung des Volks [...], sodaß es als das gebildetste und klügste aller Völker der Türkei gelten kann, während in sittlicher Beziehung für die Beseitigung schlechter, aus der langen Zeit der Unterdrückung zurückgebliebener Eigenschaften noch viel zu thun bleibt. Durch ihre Bedürfnislosigkeit, Verschlagenheit und Betriebsamkeit gelangen sie oft schnell zu großem Reichtum.

Über die Armenier:

Sie zeichnen sich durch Arbeitsamkeit, Spekulationsgeist und Lernbegierde aus, leiden aber an Fehlern der Servilität, des Eigennutzes und Hochmuts.

Beide Charakterisierungen finden sich auch in Randbemerkungen Mays wieder; beide Völker kommen in seinem Roman schlecht weg, wenn auch sicher nicht aufgrund des Nachschlagens im Brockhaus, sondern weil er das damalige, sich auch im Brockhaus widerspiegelnde Informations- und Stimmungsbild aufnahm (in den damaligen Nachschlagewerken wurde nicht nur 'objektive', 'neutrale' Information vermittelt, wie es heute üblich ist, sondern deutlich wertende Information). Auch über die Juden fließt gar manches negative Urteil bei ihm ein.23

   Abgesehen von den Arabern bzw. Beduinen, die im Orientzyklus eine wesentliche Rolle spielen und die in ihrer ursprünglichen Lebensweise zumeist treffend geschildert werden, erwähnt May auch die Bulgaren24 einschließlich ihrer Geschichte und räumt den Skipetaren (Albanern, türk.: Arnauten) breiten Raum ein.25 Von letzteren war man in Deutschland überzeugt, daß ihr Volksgeist mehr zum umherschweifenden Hirtenleben als zum seßhaften Ackerbau neige, und daß sie der friedlichen Benutzung und Verarbeitung des Produktenreichtums des Landes ziemlich abhold seien.26 In den 80er Jahren, als May seinen Orientzyklus verfaßte, machte Albanien durch gegen die Türken gerichtete, allerdings bald niedergeworfene Aufstände, vor allem unter Ali Pascha (1881), viel von sich reden, sicher ein Grund mehr für May, einen erheblichen Teil seiner Romane in die Schkiperia zu verle-


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gen [verlegen]. "Diese Arnauten sind rohe und zügellose, gefährliche Leute" (I 503), bekennt May, und an anderer Stelle: "Es waren vielleicht zweihundert Arnauten, prächtige Gestalten mit wilden Angesichtern" (II 47), oder: "Der Arnaute achtet das Leben eines Menschen gleich nichts" (II 135).

Bei Ostromdscha beginnt das Gebiet dieser Skipetaren, welche nur das eine Gesetz kennen, daß der Schwächere dem Stärkeren zu weichen hat. (VI)

   Der Skipetar ist gegen Fremde ebenso ernst, abgeschlossen und feindselig wie sein Land. Seine sehnige, kraftvoll elastische Gestalt, sein ernstes Gesicht mit den granitnen, unerbittlichen Zügen, sein kalt blickendes und abweisend drohendes Auge stimmt ganz mit der Beschaffenheit der von ihm bewohnten Berge überein. Sein Inneres zeigt wenig helle, freundliche Punkte; es ist von tiefen Spalten und Rissen durchzogen, in deren Gründen die Wasser des Hasses, der Rache und des unversöhnlichen Zornes schäumen. (VI 344)

Bei dieser Schilderung ist offenbar die Fabulierkunst Mays mit ihm durchgegangen, um seinem Roman den entsprechenden abenteuerlichen Hintergrund zu liefern. Aber es fällt doch auf, daß sein Urteil über all diese Völker nicht gerade positiv ist. Im Gegensatz dazu hegt May offenbar Sympathien für zwei Sekten, die er - sicher aufgrund ihm vertrauter Literatur - sehr ausführlich schildert: die Nestorianer (Chaldäische Christen) und die 'Teufelsanbeter' (Dschesidi).27 Es ist hier nicht der Platz, diesen Darstellungen im einzelnen nachzugehen; soviel aber sei angemerkt, daß May in groben Zügen Richtiges und viel Lehrreiches, Wissenswertes vermittelt hat; in einigen Details wäre er allerdings zu ergänzen. Dieses Urteil trifft im übrigen ganz allgemein für seine Darstellung der Verhältnisse, der Völker, der Städte und Landschaften und auch der Orientalischen Frage zu. Als Kind seiner Zeit, aus der Perspektive der Zivilisation und des Christentums, sah er die Zustände überwiegend negativ, aber er wäre nicht Karl May gewesen, wenn er sich nicht Gedanken über die Ursachen für die 'tiefen und unheimlichen Schattenseiten des Orients' gemacht hätte.

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Es giebt kein Land der Erde, welches so zahlreiche und hohe Rätsel birgt, wie der Boden, welchen die Hufe meines Pferdes berührten. Auch ganz abgesehen von den Ruinen des assyrischen und babylonischen Reiches, welche hier bei jedem Schritte zu sehen sind, tauchten jetzt vor mir die Berge auf, deren Abhänge und Thäler von Menschen bewohnt werden, deren Nationalität und Religion nur mit der größten Schwierig-


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keit [Schwierigkeit] zu entwirren sind. Lichtverlöscher, Feueranbeter, Teufelsanbeter, Nestorianer, Chaldäer, Nahumiten, Sunniten, Schiiten, Nadschijeten, Ghollaten, Rewafidhiten, Muatazileten, Wachabiten, Araber, Juden, Türken, Armenier, Syrer, Drusen, Maroniten, Kurden, Perser, Turkmenen: - ein Angehöriger dieser Nationen, Stämme und Sekten kann einem bei jedem Schritte begegnen, und wer kennt die Fehler und Verstöße, welche ein Fremder bei einer solchen Gelegenheit begehen kann! Diese Berge rauchen noch heute von dem Blute derjenigen, welche dem Völkerhasse, dem wildesten Fanatismus, der Eroberungssucht, der politischen Treulosigkeit, der Raublust oder der Blutrache zum Opfer fielen. [...] Hier hat das System der Unterdrückung, der rücksichtslosen Aussaugung jene ingrimmige Verbitterung erzeugt, welche kaum noch zwischen Freund und Feind unterscheiden mag, und das Wort der versöhnenden Liebe, welches von den christlichen Sendboten gepredigt wurde, es ist in alle Winde verschollen. (I 543f.)

Klingen nicht auch diese Worte Mays sehr modern und aktuell? Sein Orientzyklus enthält eine Vielzahl von Passagen zum Verhältnis zwischen Christentum und Islam, zum Islam selbst, seinen heiligen Stätten, seiner Entstehung, den Spannungen zwischen Sunniten und Schiiten und ihrer Historie - all das wäre es wert, im Detail verfolgt zu werden, denn es gehört natürlich mit zum 'Hintergrund'. Auch hierfür gilt das oben Gesagte: May hat sehr viele interessante und für das Verständnis des zeitgeschichtlichen Rahmens relevante Kenntnisse vermittelt. Am ergiebigsten ist dafür der Band Von Bagdad nach Stambul, der aus dem gesamten Orientzyklus m. E. den bedeutendsten darstellt. In ihm gibt May über den islamischen geschichtlichen und zeitgeschichtlichen Hintergrund die meisten Informationen: er sei dem an Vertiefung Interessierten besonders ans Herz gelegt.28

   Zwar vertritt May den Standpunkt des Christentums gegenüber dem Islam und stellt die christliche Botschaft der Liebe und den Pazifismus immer wieder dem Gedanken der Blutrache im Islam entgegen; er läßt sich vielfach als Giaur beschimpfen und die Verachtung der Mohammedaner gegenüber dem Christentum über sich ergehen.29 Das hindert ihn aber nicht, die Vertreter eines falschen Christentums und einer falschen Zivilisation, die Ausbeuter und Unterdrücker von fremden Völkern, gehörig anzuprangern. Wie in all seinen übrigen Werken nimmt er sich der 'fremden' Völkerschaften an und sucht die Schuld an der Misere der Verhältnisse nicht zuletzt bei den Europäern, eine Haltung, die auch heutzutage bei der Beurteilung der Vorgänge im Nahen Osten vielfach nottäte.

   "Es giebt gute und böse Menschen überall, also auch unter den Christen und unter den Moslemim", erklärt Kara Ben Nemsi (IV


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278), muß sich jedoch bei anderer Gelegenheit sagen lassen: "Herr, du bist ein Christ? O, die sind zuweilen die schlimmsten!" (VI 7) In der Tat: "So seid ihr Christen. Ihr verurteilt uns, ohne uns belehren zu wollen, und ebenso greift ihr zu, ohne zu fragen", erklärt ein einfacher türkischer Dorfschmied.

"Wer hat die besten Stellen des Landes? Wer besitzt den Einfluß? Wer bereichert sich fort und fort? Der Armenier, der Jude, der schlaue Grieche, der herzlose Engländer und der stolze Russe. Wer zehrt von unserem Fleisch? Wer saugt von dem Safte unseres Lebens, wer nagt an unsern Knochen? Wer schürt immer und immer den Mißmut, das Mißtrauen, die Unzufriedenheit, den Ungehorsam der Unterthanen? Wer hetzt ohne Unterlaß einen gegen den andern? Einst waren wir gesund. Wer hat uns angesteckt? Wer hat uns krank gemacht?"

Kara Ben Nemsi hält dagegen: "Du verwechselst Religion mit Politik. Du suchst die Ursachen eurer Krankheit außerhalb des Staatskörpers, in welchem der Krankheitskeim doch bereits von Anfang lag." (IV 70) Aber an anderer Stelle führt May zur Orientalischen Frage Ähnliches wie der Dorfschmied aus, in humaner Beurteilung der Verhältnisse, wie sie weiter oben geschildert wurden - und dazu gehörte im Zeitalter des Imperialismus doch einiger Mut:

Der Türke war einst ein zwar rauher, aber wackerer Nomad, ein ehrlicher, gutmütiger Gesell, der gern einem jeden gab, was ihm gehörte, sich aber auch etwas. Da wurde seine einfache Seele umsponnen von dem gefährlichen Gewebe islamitischer Phantastereien, Lügen und Widersprüche [dies natürlich eine sehr "christliche" Perspektive]; er verlor die Klarheit seines ja sonst schon ungeübten Urteiles, wollte sich gern zurecht finden und wickelte sich desto tiefer hinein. Da ward der bärbeißige Gesell zornig [...]; er wollte sich einmal Gewißheit schaffen, wollte einmal sehen, ob es wahr sei, daß das Wort des Propheten auf der Spitze der Schwerter über den Erdkreis schreiten werde. [...] Er siegte und siegte wieder [...]. Es lagen ihm Tausende zu Füßen [...]. Das blieb so, bis er gezwungen wurde, bis an den Leib in dem Sumpfe byzantischer Heuchelei und griechischer Raffinerie zu waten. Man schmeichelte ihm, man machte ihn zum Halbgott [...]; man erfand tausende Sünden, um Einfluß auf ihn zu gewinnen, und lehrte ihn Bedürfnisse, die ihn zu Grunde richten mußten. Seine Natur widerstand lange; aber als er einmal zu siechen begann, nahm die Krankheit Riesenschritte an, und nun liegt er da, umgeben von eigennützigen Ratgebern, welche sich sogar nicht scheuen, noch zu seinen Lebzeiten sein Erbe an sich zu reißen. (III 450f.)

Gedankenverloren sinniert Kara Ben Nemsi:

Dürfte ich doch ein Pionier der Civilisation, des Christentums sein! Ich würde nicht zurückdrängend oder gar vernichtend unter meine fernen Brüder treten [...]; ich würde jede Form der Kultur und auch den kleinsten ihrer Anfänge schätzen; [...] nicht dem Eigennutze, sondern nur der Selbstlosigkeit kann es gelingen, mit wirklichem Erfolge das erha-


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bene [erhabene] Wort zu lehren, das "den Frieden predigt und das Heil verkündigt". (II 615)30

Auch diese Gedanken haben, sieht man von dem Ziel der christlichen Missionierung ab, nichts von ihrer Gültigkeit verloren. Die Orientalische Frage ist bis heute nicht gelöst, sie hat sich fortgesetzt in den Problemen des Nahen Ostens bis in unsere Tage, wie die Ereignisse am Golf 1990/91 besonders drastisch vor Augen geführt haben. Daß ihre Grundzüge in Mays Orientzyklus, verkleidet in Abenteuergestalt, nähergebracht werden, macht die Lektüre dieser Romane auch von daher heute wieder lohnend.

   Der Spott Hadschi Halef Omars über Deutschland bzw. das Abendland ist beißend, gipfelnd in der Aussage: "Das muß ein ganz entsetzliches Leben sein!" (V 76ff.)31, aber Mays Frage: "Ja, der Orient schmachtet nach Erlösung aus schweren, tausendjährigen Banden. Wann wird sie ihm werden?" (III 387) ist heute aktuell wie vor hundert Jahren und nach wie vor unbeantwortet.


Anmerkungen

Für meine Mutter, und im Gedenken an meinen Vater, der mich mit Karl May vertraut machte.

1Die von May verwendete Literatur ist bekannt (vgl. Karl-May-Handbuch, hg. v. Gert Ueding. Stuttgart 1987, S. 179): Josef Chavanne: Die Sahara oder von Oase zu Oase. Wien 1879; Carsten Niebuhr: Beschreibung von Arabien. Kopenhagen 1772; Charles Didier: Ein Aufenthalt bei dem Groß-Scherif von Mekka. Leipzig 1862; Amand von Schweiger-Lerchenfeld: Der Orient. Wien 1882; A. E. Lux: Die Balkanhalbinsel. Freiburg i. Br. 1887; Austen H. Layard: Ninive und seine Überreste, nebst einem Berichte über einen Besuch bei den chaldäischen Christen in Kurdistan und den Jezidi oder Teufelsanbetern. Leipzig 1850; Claudius James Rieh: Reise nach Kurdistan und dem alten Ninive. II. Abt. Stuttgart 1837; Gustav Rasch: Nach Algier und den Oasen von Siban [...]. Berlin 1866; und viele andere.
2Die Literatur zur türkischen Geschichte ist sehr umfassend. Ein ausführliches Verzeichnis der bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts relevanten Literatur findet sich in Hebnolts Weltgeschichte [Anm. 6], S. 494ff. Erwähnt seien: Joseph von Hammer-Purgstall: Geschichte des Osmanischen Reichs. 10 Bde., Pest 1827-34, 2. Aufl. Pest 1835-36; Johann Wilhelm Zinkeisen: Geschichte des Osmanischen Reichs in Europa. 7 Bde., Gotha 1840-63; F. Eichmann: Die Reformen des Osmanischen Reichs. Berlin 1858; Johannes Schmeidler: Geschichte des Osmanischen Reichs im letzten Jahrzehnt. Leipzig 1875; W. Müller: Politische Geschichte der Gegenwart 1867-83. Berlin 1868-1884. Heutige wesentliche Literatur u.a.: Die Türkei. Raum, Mensch,


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Kultur und Wirtschaft in Gegenwart und Vergangenheit, hg. v. Werner Kündig-Steiner. Tübingen 21977; Willi-J. Eggeling: Türkei. Wien 1978; Ernst Werner/Walter Markov: Geschichte der Türken von den Anfängen bis zur Gegenwart. Berlin 21979.
3Brockhaus' Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie. 13. vollst, umgearb. Aufl., 16 Bde. Leipzig 1882-1887. Art. Orientalische Frage.
4Ebd., Art. Osmanisches Reich.
5Eckehard Koch: Zur Person Osman Paschas. In: MKMG 75 (1988), S. 24-28.
6Helmolts Weltgeschichte. 2. Aufl., 9 Bde., hg. v. Armin Tille. Bd. 4: Balkan-Halbinsel. Von Karl Georg Brandis, Rudolf von Scala, Nicolae Jorga, Heinrich Zimmerer, Wladimir Milkowicz und Johannes Hohlfeld. Leipzig, Wien 1919, S. 304f.
7Andre Miquel: Der Islam. Von Mohammed bis Nasser. Essen 1975, S. 459.
8Brockhaus [Anm. 3], Art. Osmanisches Reich.
9Vgl. z.B. Walther Ilmer: Durch die sächsische Wüste zum erzgebirgischen Balkan. Karl Mays erster großer Streifzug durch seine Verfehlungen. In: JbKMG 1982, S. 97-130; ders.: Von Kurdistan nach Kerbela. Seelenprotokoll einer schlimmen Reise. In: JbKMG 1985, S. 263-320.
10Helmolts Weltgeschichte [Anm. 6], S. 297.
11Vgl. folgende Stellen: Rechtspflege: I 57, 59; III 113; Polizei: I 160; IV 442; V 321ff.; VI 415; Bakschisch: I 132; III 409.
12Brockhaus [Anm. 3], Art. Charâdsch. Weitere Stellen: I 343; III 574.
13Ebd., Art. Osmanisches Reich.
14I 341, 579; II 271, 401; III 165; s. auch III 400.
15Vgl. auch II 199f., 319.
16Miquel [Anm. 7], S. 459.
17Historisch ist auch Ismail Pascha (1830-1895), der Vizekönig von Ägypten, den May beiläufig erwähnt (II 161, 167).
18Miquel [Anm. 7], S. 466.
19Ebd., S. 460f.
20Dieser Schutz durch den Großherrn (bzw. europäische Mächte) wird häufig betont: I 179, 208, 264, 514, 540; II 476; III 55, u.ö.
21Brockhaus [Anm. 3], Art. Osmanisches Reich.
22Ebd., Art. Kurden.
23Ebd., Art. Osmanisches Reich. Vgl. zur Darstellung der Griechen: III 461; IV 69; zu den Armeniern: I 15, 22, 66; IV 294; V 394 (vgl. Rainer Jeglin: Karl May und die Armenier. In: MKMG 6, 1970, S. 20-24, und MKMG 7, 1971, S. 22-25); zu den Juden: II 176, 194, 260; III 546 (vgl. Norman Strech: Die Darstellung der Juden bei Karl May. In: MKMG 58, 1983, S. 32-43).
24IV 11, 30, 90f., 144, 486; V 122; VI 310.
25I 507, 514, 532, 539; II 135, 156, 180, 259, 306; IV 39; V 129, 349; VI 319.
26Brockhaus [Anm. 3], Art. Albanien.
27Nestorianer: II 109-118, 148, 373, 468, 471, 473, 500, 518, 524, 550, 561; Dschesidi: I 486, 489, 500, 520, 554ff., 567f., 579, 592ff., 616; II 117; zu Mays Quellen vgl. Anm. 1. Eine gute Einführung in den Glauben beider Religionsgemeinschaften gibt: Die Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theo-


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logie [Theologie] und Religionswissenschaft, hg. v. Kurt Galling. Tübingen 1957-1962 (6 Bde., 3. Aufl.).
28Vgl. bei May: Islam: I 1ff., 180, 184, 295; III 1-8, 184ff., 204, 247, 249, 286f., 290, 300ff., 361f.; VI 581; Harun al Raschid: I 346; II 568; III 249, 300f.; V 293; Mekka: I 184, 291, 297f.; Dschidda: I 185, 222, 231f.
29Pazifismus: I 452; II 77, 280; III 228; Rache: I 26, 74, 567; III 181; u.a.; Giaur: I l, 26, 101, 163, 179f., u.a.; Verachtung des Christentums: I 556, 568; III 56, 59, 130, 141, 143, 147.
30Ähnliche Zitate: I 568f.; II 633f.; IV 187.
31Im Gegensatz dazu: Lob des Abendlandes: III 204.



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Sekundärliteratur


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