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RUPRECHT GAMMLER


Literaturbericht II





Auch in einem normalen Jahr ohne Gedenktage ist die Flut der Veröffentlichungen von und zu May nicht abgeebbt, wobei sich bisweilen der Eindruck aufdrängt, daß die Vermarktung des etablierten ›Produktes May‹ der eigentliche Auslöser zu sein scheint.

   Florian Kann (Pseudonym eines Berliner Rechtsanwaltes, der schon ein entsprechendes Werk über die Fernsehserie ›Die Lindenstraße‹ verfaßt hat) legt die »längst überfällige Studie zu Karl May aus juristischer Perspektive« (Buchrückseite) ›Der Fall Karl May‹1 vor. Nun kann eine solche Würdigung des strafrechtlich relevanten Verhaltens des Romanpersonals, die schon eine längere literarische Tradition besitzt, für den Fachmann durchaus reizvoll sein und dem normalen Leser, der dies beim abenteuerlichen Lesevergnügen gar nicht bemerkt, bewußt machen, daß viele Handlungen unter strafrechtlichen Gesichtspunkten tatsächlich Deliktscharakter annehmen.

   Jedoch enthält allein schon das Vorwort drei merkwürdige bis absurde Behauptungen, die ernsthafte Zweifel an der Seriosität des ganzen Unternehmens begründen: »Die heute verbindliche Ausgabe seiner Werke erscheint (...) im Karl-May-Verlag« (S. 5); die historisch-kritische Ausgabe oder der Fehsenfeld-Reprint wird nicht erwähnt. Die Behauptung: der Autor wurde »vor allem sehr populär, weil einige seiner Werke verfilmt wurden« (ebd.) realisiert nicht, daß die Gesamtauflage seiner Bücher zum Beginn der Filmwelle 1962 ca. 25 Millionen betrug. Für ein »Gutachten« schlicht unannehmbar ist die dritte Behauptung, eine »rechtliche Betrachtung von Karl Mays Leben und Werk lag bisher nicht vor« (S. 6f.), mit gleichzeitigem Verweis in der zugehörigen Fußnote (S. 7) auf die grundlegende Arbeit von Claus Roxin. Die vom Autor gewählte Begründung für die Beurteilung »nach dem heute geltenden deutschen Strafrecht« (S. 9) vermag nicht zu überzeugen, insgesamt bleiben auch wichtige Aspekte der Anwendung bzw. Nichtanwendung internationalen und interlokalen Strafrechts unberücksichtigt. Als Textgrundlage für die strafrechtliche Subsumption die stark fremdbearbeitete Bamberger Ausgabe statt der Originaltexte zu verwenden entwertet die Beweiskraft erheblich und führt zu dem grotesken Ergebnis, daß der Autor zwar beteuert, sein Buch beschäftige sich z. B. nicht mit den Kolportageromanen (S. 11), um etwa später doch die Bände ›Der Derwisch‹ (S. 112, 121) und ›Im Tal des Todes‹ (S. 165f.) ausführlich zu zitieren. Es hätte ihm als saubere Lösung freigestanden, einfach per Definition heutiges Strafrecht auf den im 19. Jahrhun-


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dert angesiedelten Sachverhalt mit der Bamberger Ausgabe als Vorlage zu verwenden.

   Schematisch und in steter Aneinanderreihung und Wiederholung werden die Taten, vorwiegend auf dem nordamerikanischen Schauplatz, nach dem StGB subsumiert, dabei schreckt der Verfasser auch konsequenterweise nicht vor der Anwendung des Tierschutzgesetzes (z. B. S. 78), Betäubungsmittelgesetzes (z. B. S. 109), Bundesjagdgesetzes (z. B. S. 45) oder Sprengstoffgesetzes (z. B. S. 154) zurück. Besonders hat es ihm das Waffengesetz angetan, und er ermittelt wegen unerlaubten Waffenbesitzes im Wilden Westen auf den Seiten 45, 55, 58, 60, 73, 88, 89, 94, 103, 106, 114, 120, 127, 137, 153, 155, 156, 161 und 162 (kein Anspruch auf Vollständigkeit!).

   Inkonsequenzen, Fehler und anfechtbare Wertungen finden sich immer wieder. Richtigerweise gibt es nach dem StGB keine Rechtfertigungsgründe für diese Körperverletzung, wenn Old Shatterhand nach Westernsitte eine Beleidigung Rattlers mit seinem Jagdhieb beantwortet (S. 41f.). Im Wilden Westen geltendes Gewohnheitsrecht (S. 71) oder das »Recht der Savanne« (S. 168) als Rechtfertigungsgründe lehnt der Autor hier ab, um in einem anderen Fall unvermittelt doch »das damals im Wilden Westen geltende Gewohnheitsrecht« (S. 78) als Rechtfertigungsgrund anzuerkennen. Wenn es heute gerichtliche Auseinandersetzungen wegen der Verwertung und Vermarktung des Produktes ›May‹ gibt, läßt sich daraus kaum schlußfolgern, daß May heute »zu den umstrittenen deutschen Schriftstellern gehört« (S. 180).

   Als Fazit bleibt nur festzustellen, daß der Autor besser dem Medium seines ersten Buches treu geblieben wäre und sich etwa der Serie ›Gute Zeiten, schlechte Zeiten‹ angenommen hätte.

   »Einhundert Millionen mal sind inzwischen die Bücher gedruckt worden, die aus der Feder des Karl May stammen, doch vergleichsweise gibt es wenig Literatur über den erfolgreichen Schriftsteller (...)« (Verlagsprospekt). Diesen bedauerlichen Mangel endlich erkannt zu haben und die Lücke in der Sekundärliteratur zu schließen durch sein Standardwerk ›Wahre Geschichten um Karl May‹ (79 Seiten mit vielen Illustrationen, kl. 8!),2 ist das bleibende Verdienst von Jürgen Helfricht, der durch seine bahnbrechenden Veröffentlichungen in der sächsischen Bild-Zeitung seine Kompetenz hinlänglich bewiesen hat. Um das Ergebnis zu charakterisieren, genügt es, den Verfasser mit seinem Urteil über May zu zitieren, welches auf ihn selbst zurückfällt: In seinem ›Bild‹-kräftigen Stil »wütet (er) geradezu in seiner Phantasie« (S. 23), »wüste Geschichten ausdenkend« (S. 42); später spekuliert Helfricht über Mays »Manneskraft« (S. 68). Daß May auch Orientromane geschrieben haben soll, bleibt ihm und seinen Lesern verborgen. Statt dessen finden sich neue spektakuläre Enthüllungen zum Verhältnis Bilz und May: »Das Gesundheits-Kochbuch - es erschien 1910. Zwei Jahre später war Karl May tot« (S. 51). Was will uns der Autor damit sagen?


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Mit Band 82, ›In fernen Zonen‹,3 der Mays Orient- und Amerikareise anhand des heute noch vorhandenen Materials dokumentiert, erweitert der Karl-May-Verlag die Reihe der Gesammelten Werke. In seinem knappen, aber bedeutsamen Vorwort ›Karl Mays Reisen und ihre Wirklichkeit‹ weist Hans Wollschläger vor allem auf einen wichtigen Aspekt hin, der in der Forschung bisher zu wenig Beachtung gefunden hat: die nicht zu überschätzende Bedeutung von »Karl Mays ›Image‹« (S. 9) als berühmter Weltreisender bei seinen Lesern und Zeitgenossen, dessen Zerstörung seinen Ruf nachhaltiger schädigte als die Entlarvung als ›Schundschriftsteller‹.

   Über Jahrzehnte konnte sich - offenbar als notwendiger Bestandteil der Bindung der Lesergemeinde wie auch einiger Forscher an den Autor - hartnäckig die auch von May nie ernsthaft dementierte sogenannte Frühreisenlegende halten: wenn das Geschriebene schon nicht selbst erlebt war, so sei er doch wenigstens in den sechziger Jahren nach Amerika und Nordafrika gereist. Noch 1996 enthält der Sammelband ›Karl May und Österreich‹ einen unkommentierten Wiederabdruck eines 1962 veröffentlichten Zeitungsbeitrags von Gustav Urban zum Thema (vgl. Literaturbericht im Jahrbuch der Karl-May-Gesellschaft (Jb-KMG) 1997, S. 407). Entstehung, Geschichte und Widerlegung schildert die kritische Untersuchung von Amira Sarkiss, ›Karl May und die Frühreisenlegenden‹, wobei die Autorin beispielhaft und präzise die Mechanismen der Entstehung und Weiterentwicklung, »›Spiegelung‹« und »›Kombinationslehre‹ - d. h. man versetzt sich in den Betreffenden und fragt sich, was man an seiner Stelle tun würde« (S. 23) -, herausarbeitet, die wir ›Methode Urban‹ taufen wollen. Sie scheint uns vorzüglich geeignet, über diesen Beitrag hinaus die Vorgehensweise unserer Spiegelungsexperten zu illustrieren.

   Den größten Raum nimmt naturgemäß die Darstellung der beiden großen Reisen ein: Ekkehard Bartschs und Hans Wollschlägers Dokumentation ›Karl Mays Orientreise 1899/1900‹, erweitert gegenüber dem Erstabdruck im Jb-KMG 1971 nicht zuletzt durch eine Vielzahl von Fotografien, Postkarten und anderen Faksimiles, sowie Dieter Sudhoffs Spurensuche ›Karl May in Amerika‹. Da Klara May den größten Teil des Reisetagebuchs der Orientreise sowie viele Briefe Mays vernichtet hat und da ihre Schilderungen der Amerikareise nur mit Vorsicht zu genießen sind, sind neben allen Unterlagen relevante Textstellen aus den beiden Altersromanen, die unmittelbar durch diese Reisen inspiriert wurden, eingefügt. Die fast detektivisch zu nennende Arbeit an der chronologischen Dokumentation der Amerikareise führte auch noch nach 90 Jahren zu der sensationellen Entdeckung, daß sie erheblich kürzer war und die Rückreise einen anderen Verlauf nahm als von May behauptet.

   Bürgt bereits die Wahl der Autoren für das Ergebnis, so bleibt außerdem positiv festzuhalten, daß der Verlag im Gegensatz zu früher seit einiger Zeit geneigt ist, auch kritische, Legenden zerstörende Forschungsergebnisse zu ermöglichen und zu publizieren.


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Da dieser Band im Format der Gesammelten Werke erschienen ist, war es notwendig - um die zahlreichen größtenteils stark verkleinerten Abbildungen qualitativ gut wiedergeben zu können -, leicht getöntes Papier sowie einen bräunlichen Druck zu wählen, was im Ergebnis vorzüglich gelungen ist. Zu wünschen bleibt, daß der Verlag vielleicht einmal eine limitierte Ausgabe auf Kunstdruckpapier im Großformat herausbringt, die den vielen Faksimiles wirklich gerecht würde.

   Seit einigen Jahren verlegt der Verlag Reclam Leipzig in seiner Reclam-Bibliothek eine Autoren-ABC-Reihe mit so illustren Namen wie Goethe, Lichtenberg, Nietzsche, Fontane und Proust. Hierzu gesellt sich nun ein ›Karl-May-ABC‹4 der Bamberger Literaturwissenschaftler Rolf-Bernhard Essig und Gudrun Schury (Verfasserin des ›Goethe-ABC‹, Leipzig 1997). Entstanden ist keineswegs eine trockene lexikalische Aneinanderreihung, sondern eine Vielzahl bisweilen verblüffender Stichworte zu Mays Leben, Werk, Rezeption etc., vom knappen, doch den Nagel auf den Kopf treffenden Einzeiler »Brice. Den Käse kannte Karl May noch nicht« (S. 41) bis zu fremdartigen Stichworten wie ›Prügelfaul‹ - womit May eine »höchst nützliche ›Unempfindlichkeit gegen Schläge‹« bezeichnet - (S. 166-76) mit Essaycharakter. Dem Buch ist es deutlich anzumerken, daß die Autoren - stets auf der Höhe des aktuellen Forschungsstandes - durchaus mit Lust und Freude zu Werke gegangen sind wie etwa bei ›Cinema Paradiso‹ (S. 43ff.) mit seinen Textschnipseln von nicht weniger als 18 Kußszenen - dabei hier und an anderer Stelle die Tradition des May-Examinierens, wie sie beispielsweise Ernst Bloch und Carl Zuckmayer pflegten, wieder aufnehmend. Dies alles geschieht nicht ohne einen Schuß Selbstironie (Stichworte: ›Essig‹ und ›Ypsilon‹). Dies sind nur einige, viel zu wenige Beispiele für die kritisch-umfassende Durchdringung des May-Kosmos, die die unterhaltsame, anregende Lektüre des gar nicht voluminösen Buches dem erstaunten May-Kundigen offenbart und ihm, aber auch dem Neuling der überreichen Sekundärliteratur entwindet. Dieses ABC ist ein Ruhmesblatt für den Verlag und die Autoren und ein Glücksfall für den Leser.

   Die inzwischen fest etablierte Reihe der ›Karl-May-Studien‹ wird planmäßig fortgesetzt mit dem 5. Band ›Karl Mays »Satan und Ischariot«‹5 mit insgesamt neun Beiträgen sowie Einleitung und Bibliographie. Diese Trilogie wurde von der Forschung bisher weitgehend ignoriert oder nur innerhalb größerer Untersuchungen mitabgehandelt, da sie insgesamt doch umstritten ist und vor allem wegen ihrer kompositorischen Mängel als eher mißlungen gilt. Deshalb griffen die Herausgeber mangels anderer relevanter Altbeiträge auf die beiden wichtigen, in den Jahrbüchern der KMG 1989 und 1996 eigentlich noch leicht zugänglichen Arbeiten von Helmuth Mojem (›Karl May: Satan und Ischariot. Über die Besonderheit eines Abenteuerromans mit religiösen Motiven‹) und Helmut Schmiedt (›Identitätsprobleme. Was ›Satan und Ischariot‹ im Innersten zusammenhält‹) zurück, die leicht überarbeitet abgedruckt werden.


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   Im ersten Originalbeitrag ›»Was nun thun? War ich denn noch nicht da?« Beobachtungen zur Erzählsituation‹ untersucht Werner Kittstein die Position des Helden. Von den Gefährten wird diese Position immer stärker in Frage gestellt, was Old Shatterhand zu immer gewagteren Beweisen seiner Omnipotenz zwingt, wodurch die durch die Gleichsetzung von Held, Erzähler und Autor geprägte Erzählsituation gesprengt wird. Dies führt zu einer für May innovativen Erzähltechnik und soll dem Roman die Bedeutung eines »Schwellenwerk(s) im Schaffen Karl Mays« (S. 76) verschaffen. ›»So etwas war noch nie dagewesen«. Ein Apatschenhäuptling im Orient und andere unglaubliche Geschichten in Karl Mays »Satan und Ischariot«‹ lautet die Überschrift, die das Ergebnis der literarischen Analyse von Walter Olma programmatisch vorwegnimmt: Der Rückfall in längst überwunden geglaubte »grob trivialliteraturhafte Schreibstrukturen« (S. 112) und deren eindeutige Dominanz über alle Realismustendenzen lassen den Roman zwiespältig werden, ja insgesamt scheitern. Die auch schon von anderen Autoren beobachtete Sonderstellung im Rahmen des Werkes findet Joachim Biermann ›Von der Felsenburg zur wahren Heimat‹ bei der bisher von der Forschung vernachlässigten Betrachtung der ›Örtlichkeiten zwischen Heimat und Fremde‹. Bauwerke und Behausungen beherrschen in einem für Mays Amerikaromane, bei denen sonst Naturszenerien die Hauptrolle spielen, ungewöhnlichen Maße das Geschehen; die Parallelen zum Spätwerk und zu den Kolportageromanen sind unübersehbar. ›Physiognomische Phänomene als Elemente der Charakterbildung‹, d. h. die Konstruktionsprinzipien der Charaktere, physiognomische Veränderung, Disharmonie von Erscheinung und Charakter beschreibt Gudrun Keindorfs gründliche Untersuchung ›Schöne Männer und schmutzige Frauen‹. Dabei zeigt sich, daß May in seiner Gestaltung weitgehend über genretypische Stereotypen hinausgeht. ›Wirrwarr »in der Heimat«‹ überschreibt Walther Ilmer sein ›Dokument einer Wende mit Folgen‹, den einzigen Beitrag, der sich ausschließlich mit der ausgeschiedenen Episode ›In der Heimath‹ beschäftigt und stilistisch wie inhaltlich nicht das Niveau der anderen Arbeiten erreicht, obwohl er durchaus eine Anzahl anregender Ideen und Gedanken enthält. Zwar betont der Autor, »einen Lernprozeß durchlaufen (zu) haben« (S. 186), aber seine zentrale These, die biographische Spiegelung Judith Silberstein/Klara May, scheint zu viel der oben erwähnten ›Methode Urban‹ zu verdanken, um die Wahrscheinlichkeit für sich zu haben, insbesondere die Spekulation um die Gleichsetzung bei den Namensableitungen ›Pollmer‹ = ›(Ge)stein‹ und ›Plöhn‹ von Plön in Hol›stein‹ (S. 192). Ob seine Bewertung des Textes (»gehört zum Seltsamsten« und »überflüssig«, S. 181f.) stichhaltig ist, muß weiteren Untersuchungen vorbehalten bleiben. Wendungen wie »Forträumen von Seelenmüll« (S. 193) oder »aufpeitschende Lüsternheit« (S. 201) belegen exemplarisch die schon früher geäußerte Qualifizierung ›Sensations- und Kolportagestil‹. Die Überschrift ›Wirrwarr‹ scheint zutreffend gewählt.


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   ›Strukturen des Erzählens, Sehnsüchte des Erzählers‹ von Martin Lowsky - vor dem bereits im Jb-KMG 1999 abgedruckten übergreifenden Beitrag ›Die Einkehr‹ entstanden - entschlüsselt ›Über die Motivreihe Gasthaus, Heim, Heimat in Karl Mays »Satan und Ischariot«‹ das die bewegte Abenteuerhandlung immer wieder durchbrechende Sujet der Ruhe als beherrschendes literarisches Strukturprinzip des Romans. Sehnsucht nach Heimat im Diesseitigen wie im Jenseitigen und ihre mögliche Erfüllung im Irdischen stehen am Ende der Trilogie. Abschließend deckt Helmut Lieblangs gewichtige Studie ›»Ich war noch niemals hier gewesen«‹ nicht nur auf, welche Quellen zu ›Satan und Ischariot‹ May benutzt hat, sondern verschafft Einblicke in seine Kreativität. Ausreichendes Quellenmaterial befruchtet die Phantasie des Autors, Mangel läßt sie verdorren, wenig anschauliche Schilderungen sind das Ergebnis. Darüber hinaus vermittelt diese Quellenstudie - wie auch schon frühere Arbeiten des Autors - Grundsätzliches über den Umgang mit potentiellen Quellen und warnt damit vor voreiliger Zuschreibung. Bedauerlich ist die schlechte Wiedergabe von zwei Kartenausschnitten auf den Seiten 250 und 256, die wohl dem Drucker anzulasten ist.

   Dieser Band, der einem als schwächer bis mißlungen eingeschätzten Werk gilt, bestätigt nachdrücklich die Konzeption dieser Reihe der ›Karl-May-Studien‹, das Einzelwerk in den Blick zu nehmen. Die das Forschungsspektrum hinreichend abdeckenden unterschiedlichen Interpretationsansätze, die seine Sonderstellung als Werk des Umbruchs sehen, gewinnen speziell an diesem Roman bestätigende bis neue Einsichten, die für große Teile des Werks Gültigkeit haben dürften, wie etwa die Arbeit von Gudrun Keindorf zeigt. Zugleich finden sich hier beispielhaft Forschungsresultate, die an anderen Werken noch zu leisten sind, wie etwa die nahezu vollständige Topographie dieses Romans durch Biermanns Untersuchung.

Der nächste Band wird ›Und Friede auf Erden!‹ gewidmet sein.



1 Florian Kann: Der Fall Karl May. Juristisches Gutachten über die Machenschaften des sächsischen Schriftstellers Karl May und seiner Helden Old Shatterhand, Winnetou, Kara Ben Nemsi, Old Firehand, Old Surehand, Old Wabble, Sam Hawkens und anderen. Frankfurt a. M. 1999

2 Jürgen Helfricht: Wahre Geschichten um Karl May. Taucha 1999

3 Karl May's Gesammelte Werke Bd. 82: In fernen Zonen. Karl Mays Weltreisen. Bamberg-Radebeul 1999

4 Rolf-Bernhard Essig/Gudrun Schury: Karl-May-ABC. Leipzig 1999

5 Karl Mays »Satan und Ischariot«. Hrsg. von Dieter Sudhoff/Hartmut Vollmer. Oldenburg 1999




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