Karl-May-Gesellschaft


Wo ich große Wirkungen sehe,
pflege ich große Ursachen vorauszusetzen.

(Goethe zu Eckermann, 21. 10. 1823)

Karl May ist der Schöpfer von Winnetou und Old Shatterhand gewesen, von Hadschi Halef Omar und vielen anderen Gestalten, die seit der Jugend unsere Fantasie bevölkern. Karl May hat aber auch Bücher geschrieben, deren orientalisches oder amerikanisches Kostüm nur Tarnung war: dahinter erschließen sich Einblicke in seine Psyche und in sein kompliziertes Leben. Dieses Leben endlich, lange Zeit von Legenden verstellt, ist in den letzten Jahren entscheidend aufgehellt worden, und gleichzeitig haben wir gelernt, seine Bücher nicht nur als abenteuerliche Erzählungen, sondern auch gegen den Strich zu lesen und die darin verschlüsselte Konterbande ans Licht zu heben. Das Wechselspiel von Leben und Werk, von Interpretation und Faktenforschung, aber auch die Bereitstellung von andernorts kaum zugänglicher Literatur ist das Arbeitsfeld der Karl-May-Gesellschaft.

Wir wissen heute, wer sich hinter den orientalischen Namen im Roman "Im Reich des silbernen Löwen" verbirgt, wie genau der historische und geografische Hintergrund seiner Bücher ist, wie die Quellen seiner Arbeit beschaffen waren, welche tieferen Schichten seines Wesens wie seiner Biografie sich in den Romangestalten und der Handlungsführung widerspiegeln. In seinen Dorfgeschichten finden wir seine Heimat wieder, in seinen Helden und Schurken die Verwerfungen seines Lebens. Wir wissen auch mehr über die Kraftanstrengung, mit der er nach seinem Zuchthausaufenthalt ins Leben zurückfand und nach der Überwindung der Misere einer schlecht bezahlten Fronschriftstellerei zum glänzenden Schriftsteller wurde, bis plötzlich auf dem Höhepunkt seines Ruhms zu Anfang dieses Jahrhunderts eine die Verfehlungen der Vergangenheit aufdeckende und teilweise verleumderische Pressekampagne ihn und sein Werk fast zugrunde richtete.

Als die Karl-May-Gesellschaft 1969 gegründet wurde, galt Karl May beim großen Publikum wie bei der Wissenschaft als eher harmloser Jugendautor mit einer zweifelhaften Vergangenheit. Das schiere Gewicht seiner Popularität (deutsche Gesamtauflage über 80 Millionen) schob ihn in die Ecke der flachen Vielschreiber. Die Karl-May-Gesellschaft, heute mit rund 1700 Mitgliedern in mehr als 20 Ländern eine der größten deutschen literarischen Gesellschaften, hat wesentlichen Anteil an der eigentlichen Entdeckung Mays. Aber sie versteht sich nicht nur als Sammelpunkt der Forschung, sondern ebenso sehr als Vereinigung all derer, die von Karl May fasziniert sind und mehr über den sächsischen Fantasten erfahren wollen, ohne selbst zur Schreibmaschine zu greifen. In der Karl-May-Gesellschaft treffen sich Germanisten, Juristen, Hausfrauen, Kaufleute, Schriftsteller, Schüler, immer aber Menschen, die Freude an seinem Werk haben und diese Freude und Neugier mit anderen Teilen wollen. Karl May ist kein Schriftsteller, der gleichgültig lässt. Die Karl-May-Gesellschaft wendet sich nicht an die Gleichgültigen. Aber sie will auch keine kultische Verehrung betreiben. Nichts gegen May als Inspirator für Freilichtaufführungen und Namensgeber fürs Indianerspielen. Der Karl-May-Gesellschaft geht es mehr um vorurteilsfreie, nüchterne und wissenschaftlich solide, aber auch im besten Wortsinne amateurhafte, also liebhaberische Beschäftigung mit May, bei der wacher kritischer Verstand Hand in Hand geht mit Engagement für den Webersohn, der sich und uns eine eigene Welt schuf.

Die Karl-May-Gesellschaft hat ein vielfältiges Forum geschaffen für Veröffentlichungen über die unterschiedlichsten Aspekte Karl Mays von seiner Biografie bis hin zur Werkinterpretation. Seit ihrer Gründung veröffentlicht sie ein Jahrbuch, das grundlegende Beiträge zur Forschung bietet. Daneben erscheinen viermal im Jahr die ›Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft‹ für kleinere Forschungsbeiträge und die ›KMG-Nachrichten‹ für Vereins-Interna sowie in unregelmäßigen Abständen Sonderhefte, ›Materialien zum Werk Karl Mays‹ und Bände der ›Juristischen Schriftenreihe‹. Außerdem unterhält die Gesellschaft ein allgemein zugängliches Online-Angebot, das ständig aktualisiert und ausgebaut wird, und ein den Mitgliedern vorbehaltenes Mitgliederportal. In den ersten Jahrzehnten ihres Bestehens hat sie ein umfangreiches Reprintprogramm betrieben. Seit 2007 schließlich ist sie Herausgeberin der mittlerweile bereits auf über 60 Bände angewachsenen historisch-kritischen Ausgabe ›Karl Mays Werke‹.

Alle zwei Jahre findet an wechselnden Orten ein Kongress statt, während dessen auch die turnusmäßige Mitgliederversammlung abgehalten wird. Alle vier Jahre wählt die Mitgliederversammlung satzungsgemäß den Vorstand. In unregelmäßigen Abständen veranstaltet die KMG außerdem in Kooperation mit wissenschaftlichen Partnern Symposien zu aktuellen Themen der May-Forschung.

Es versteht sich von selbst, dass die gesamte Arbeit der Karl-May-Gesellschaft einschließlich der Tätigkeit des Vorstandes ehrenamtlich geschieht. Alle Mitgliedsbeiträge, Spenden und sonstige Einkünfte der Gesellschaft kommen ausschließlich der literarischen Arbeit zugute.



 

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