Mit dem Erscheinen von Der Schut, dem 6. Band des großen Orientromans Karl Mays, kommt eines der Großprojekte der Historisch-kritischen Ausgabe nach fast 40 Jahren endlich zum Abschluss. Nicht zuletzt diese Reiseerzählung, die den Erzähler auf eine Reise rund um das Mittelmeer durch weite Teile des Osmanischen Reiches führt, hatte seinerzeit Karl Mays Ruhm begründet, als sie unter dem Titel Giölgeda padishanün – Im Schatten des Padischah – in der Zeitschrift ›Deutscher Hausschatz‹ in Fortsetzungen über mehrere Jahre erstveröffentlicht wurde.
Wie die Zweitauflagen der vorausgehenden fünf Bände des Orientromans, so enthält auch Der Schut einen ausführlichen editorischen Bericht, der unter anderem wieder die Varianten der Zeitschriftenfassung gegenüber der Buchausgabe detailliert verzeichnet. Der editorische Bericht enthält darüber hinaus die Editionsgeschichte des Bandes, die Bibliografie aller zu Mays Lebzeiten erschienenen Ausgaben und Auflagen und die Darstellung der Textgeschichte.
Herausgeber: Joachim Biermann
Bearbeiter: Dr. Florian Schleburg
Erscheinungsjahr: 2026
629 Seiten, Halbleinen-Band mit Lesebändchen, Graphitschnitt, Buntpapierbezug und Silberprägung
Thomas Kramer: Das Trivialepos der DDR. Mosaik und seine Quellen. Ch. A. Bachmann Verlag, Berlin, 2026, 254 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-96234-102-2. Preis: 29,90€
Das MOSAIK war weit mehr als ein Comic. Für Millionen Leserinnen und Leser der DDR wurde es zur inoffiziellen Geschichtserzählung. Als aquarienbuntes Trivialepos prägte das Heft ganze Generationen. Doch welche Ideen, Vorbilder und verborgenen Bezüge steckten hinter den zeitreisenden Abenteuern? In 60 pointiert erzählten Kapiteln entdeckt Thomas Kramer ein überraschend weites Netz von historischen, literarischen und künstlerischen Quellen, die die Schöpfer selbst nie offenlegten. So entsteht ein facettenreiches Panorama, das die unterschätzte Komplexität der kulturellen Identität des Ostens neu beleuchtet. Eine etwas andere Kulturgeschichte für alle, die das MOSAIK lieben oder erst noch entdecken wollen.
Analysiert werden u.a. auch die zahlreichen Karl-May-Bezüge zwischen Euphrat und Silbersee im MOSAIK.
DAS FÜNFUNDFÜNFZIGSTE JAHRBUCH ist in der langen Geschichte der Karl-May-Gesellschaft das erste, für das der im Februar 2025 verstorbene Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Claus Roxin nicht mehr als Mitherausgeber fungiert. Das Jahrbuch ist daher dem verdienstvollen langjährigen Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden der KMG gewidmet. Die hier versammelten Beiträge zeigen ein weiteres Mal eindrücklich, dass nicht nur die Forschung zu Karl May weiterhin neue Erkenntnisse bringt, sondern dass auch die Grundlagenforschung noch nicht abgeschlossen ist.
Martin Lowsky präsentiert erstmals eine vollständige deutsche Übersetzung der Briefe der französischen Übersetzerin Juliette Charoy an Karl May, und Joachim Biermann kommt zu neuen Ergebnissen bei der Suche nach Mays Vorlagen zu seiner Bearbeitung des ›Waldläufers‹ von Gabriel Ferry. Die Untersuchung von Spannung und Retardierung in Mays Werk durch Michael Andermatt zeigt, dass deren Verwendung auch in Abenteuerromanen keineswegs trivial ist. Helmut Schmiedt und Hartmut Vollmer gehen in ihren Aufsätzen Verbindungen zwischen Karl May und Thomas Mann bzw. Friedrich Schiller nach und verdeutlichen, dass die Grenze zwischen Hoch- und Trivialliteratur eine künstliche ist.
Vier Beiträge widmen sich der Figurenebene. Laura Thüring analysiert in ihrem Beitrag die Figurenkonstitution des Westmanns Sam Hawkens, und Theresa Homm untersucht vergleichend Figurenkonstellationen bei Karl May und James Fenimore Cooper. Zwei Beiträge befassen sich mit der Figur Quimbo: Stefan Schmatz betrachtet Mays Quimbo vor dem Hintergrund der gleichnamigen Figur in Harriet Beecher Stowes ›Onkel Toms Hütte‹, während Rudi Schweikert der Namensherkunft nachgeht und davon ausgehend narrative Elemente in Mays Werk erörtert.
Der weiterhin aktuellen postkolonialen Debatte widmet sich Malte Ristau mit Überlegungen zu Mays kolonialem Mindset, und Florian Schleburg stellt zwei Eingaben aus dem Jahr 1957 an den US-Senat vor, die sich für die indigene Bevölkerung stark machen und deutlich von der Lektüre Karl Mays inspiriert sind.
Den Abschluss des Jahrbuchs bilden wie stets der Literaturbericht von Helmut Schmiedt, der Medienbericht von Michael Kunz und der Schriftführerbericht von Gunnar Sperveslage.
Inhaltsverzeichnis:
Gunnar Sperveslage: Das fünfundfünfzigste Jahrbuch
Juliette Charoy: Briefe aus Paris an Karl May · Mit Briefen weiterer Übersetzerinnen · Herausgegeben und erläutert von Martin Lowsky
Joachim Biermann: Karl Mays ›Waldläufer‹ und seine Vorlagen
Michael Andermatt: »Er hielt einige Augenblicke inne, jedenfalls um die Spannung seiner Zuhörer zu vergrößern« · Spannung und Retardierung in Karl Mays ›Winnetou‹-Trilogie
Laura Thüring: Sam Hawkens – ein Flickenteppich · Zu einigen ›Flicken‹ seiner Figurenkonstitution
Hartmut Vollmer: »Setz Dich, und schreib!« · Karl May und sein »Lieblingsschriftsteller« Friedrich Schiller
Theresa Homm: Westmann und American Frontier Hero, Apple Indian und Edler Wilder · Kulturkontakt und Anpassung in Karl Mays ›Winnetou I‹ und James Fenimore Coopers ›Last of the Mohicans‹
Stefan Schmatz: Quimbo · Karl May und Harriet Beecher Stowe
Rudi Schweikert: Sich einen Namen wählen: Quimbo · Mit Bemerkungen zu einigen narrativen Elementen May’schen Erzählens
Helmut Schmiedt: Der eine empfiehlt Korinthenbrot, der andere wurmstichige Bärentatzen · Über Störungen des Essens bei Thomas Mann und Karl May
Malte Ristau: Koloniales Mindset bei Karl May? · Überlegungen zur mentalen Landkarte des Schriftstellers
Florian Schleburg: »… these famous and all over the world well-known peoples …« · Wie Karl May zwei Eingaben an den US-Senat inspirierte
Helmut Schmiedt: Literaturbericht
Michael Kunz: Medienbericht
Gunnar Sperveslage: Ruhiges Fahrwasser · Das 55. Jahr der Karl-May-Gesellschaft
Mit dem 5. Band von Karl Mays Orientzyklus ist nunmehr im Rahmen der Historisch-kritischen Ausgabe die Reihe der Zweitauflagen der ersten Bände dieser vor fast 40 Jahren begonnenen Reihe abgeschlossen. Auch in diesem Fall wurde der Text nicht nur noch einmal kritisch durchgesehen, sondern der Band um einen ausführlichen editorischen Bericht erweitert, wobei einige neue Erkenntnisse bezüglich der Entstehung des ursprünglichen Manuskripts der Zeitschriftenfassung mitgeteilt werden können.
Der editorische Bericht enthält neben der Editionsgeschichte des Bandes die Bibliografie aller zu Mays Lebzeiten erschienenen Ausgaben und Auflagen, die Darstellung der Textgeschichte und auch wieder ein detailliertes Variantenverzeichnis. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die von May recht häufig verwendete Konstellation gelegt, die den Ich-Erzähler als Angeklagten vor Gericht zeigt.
Herausgeber: Joachim Biermann
Bearbeiter: Gunnar Sperveslage, unter Mitwirkung von Manfred Mertiens
Erscheinungsjahr: 2025
557 Seiten, Halbleinen-Band mit Lesebändchen, Graphitschnitt, Buntpapierbezug und Silberprägung
Florian Schleburg: Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden, vorgetragen in der Mitgliederversammlung am 4. Oktober 2025
Hartmut Wörner Karl May und ›Die schöne Literatur‹
Christoph Blau Noch einmal Franz Weigl und Gegen den Schund. Eine Ergänzung zum KMG-Sonderheft Nr. 155
René Grießbach: … aber der Inhalt ist für mich von Wert. Zu Karl Mays Gedichten im Allgemeinen und Heimkehr im Besonderen
Stefan Schmatz: Die Liebe des Ulanen in der ›New-Yorker Staats-Zeitung‹. Ein in mehrfacher Hinsicht besonderer Karl-May-Abdruck während des Ersten Weltkriegs (Teil 1)
Stefan Schmatz: Historisch-kritische Karl-May-Ausgabe im Halbleder? Ein merkwürdiges Fundstück
… Aufgelesen … aus einer amerikanischen Zeitung von 1944
Hans-Ulrich Danner: Clemens Mayers ›Die Projektoren‹ – ein Buch für Karl-May-Fans
Karl May: Briefwechsel mit seinen Verlegern und Redakteuren. Erster Band: Briefe von und an Friedrich Pustet, Karl Pustet, Venanz Müller, Heinrich Keiter, Otto Denk und Johannes Dederle Hrsg. von Hans-Dieter Steinmetz, Florian Schleburg und Helmut Schmiedt. Gesammelten Werke Band 97. Karl-May-Verlag, Bamberg/Radebeul, 2025. 548 Seiten, Hardcover. ISBN: 978-3-7802-0097-6. Preis: 29,00€
Karl May hat, wie in der damaligen Literatur üblich, einen großen Teil seiner Werke zunächst als Fortsetzungsromane in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht. Das für ihn wichtigste Publikationsorgan war der im Regensburger Pustet-Verlag erscheinende ‚Deutsche Hausschatz‘. Ein großer Teil der Korrespondenz zu dieser Geschäftsbeziehung hat sich erhalten. Sie verlief problematisch, da May wegen seiner umfangreichen Tätigkeit für andere Verlage immer wieder mit Manuskriptlieferungen in Rückstand geriet und mit seinem Spätwerk in Widerspruch zur streng katholischen Linie des ‚Hausschatz‘ stand. Die überlieferten Briefe, Postkarten und anderen Materialien zu diesem Themenkomplex werden dokumentiert. Es ergeben sich spannende Einblicke in das Leben des Autors, aber auch zur Literatur- und Mediengeschichte generell. Detaillierte Erläuterungen zu den in der Korrespondenz angesprochenen Personen und Ereignissen ermöglichen das Verständnis der Texte. Im zweiten Teil des Bandes wird Mays Briefwechsel mit dem Journalisten Johannes Dederle wiedergegeben, der May wohlwollend gegenüberstand und sich seit der Jahrhundertwende angesichts der Auseinandersetzungen um sein Leben und Werk immer wieder für ihn engagierte. May nutzte den Kontakt, um in der Öffentlichkeit das Bild von sich zu verbreiten, an dem ihm im Alter gelegen war.