Vom 18. bis 19. April 2026 fand in Idar-Oberstein die zweite Karl-May-Messe statt. Neben dem Karl-May-Verlag war auch die Karl-May-Gesellschaft mit einem gemeinsamen Stand mit dem Karl-May-Museum Radebeul vertreten. Die Messe war weniger stark besucht als die erste Messe 2019, die Besucherinnen und Besucher zeigten aber wieder großes Interesse an der Arbeit unserer Gesellschaft. Am Stand ausgelegt und erwerbbar waren unsere Publikationen, darunter auch die Historisch-kritische Ausgabe der Werke Karl Mays. Betreut wurde unser Auftritt von unserem Schatzmeister Uwe Teusch. Wir danken ihm herzlich für seinen Einsatz!
Mit dem Erscheinen von Der Schut, dem 6. Band des großen Orientromans Karl Mays, kommt eines der Großprojekte der Historisch-kritischen Ausgabe nach fast 40 Jahren endlich zum Abschluss. Nicht zuletzt diese Reiseerzählung, die den Erzähler auf eine Reise rund um das Mittelmeer durch weite Teile des Osmanischen Reiches führt, hatte seinerzeit Karl Mays Ruhm begründet, als sie unter dem Titel Giölgeda padishanün – Im Schatten des Padischah – in der Zeitschrift ›Deutscher Hausschatz‹ in Fortsetzungen über mehrere Jahre erstveröffentlicht wurde.
Wie die Zweitauflagen der vorausgehenden fünf Bände des Orientromans, so enthält auch Der Schut einen ausführlichen editorischen Bericht, der unter anderem wieder die Varianten der Zeitschriftenfassung gegenüber der Buchausgabe detailliert verzeichnet. Der editorische Bericht enthält darüber hinaus die Editionsgeschichte des Bandes, die Bibliografie aller zu Mays Lebzeiten erschienenen Ausgaben und Auflagen und die Darstellung der Textgeschichte.
Herausgeber: Joachim Biermann
Bearbeiter: Dr. Florian Schleburg
Erscheinungsjahr: 2026
629 Seiten, Halbleinen-Band mit Lesebändchen, Graphitschnitt, Buntpapierbezug und Silberprägung
Der Band IV.5 der Historisch-kritischen Ausgabe Durch das Land der Skipetaren konnte Ende letzten Jahres ausgeliefert werden und ist Januar 2026 in den freien Verkauf gegangen. Mittlerweile ist auch der letzte Band des Orientromans Der Schut (KMW IV.6) so weit gediehen, dass er im April 2026 ausgeliefert werden kann – diesmal wieder an alle Subskribenten, auch diejenigen, die auf die zweiten Auflagen der Bände 1–5 des Orientromans verzichtet haben. Damit liegt nach über 40 Jahren Karl Mays großer Orientroman auch in der HKA vollständig vor.
Für die zweite Jahreshälfte 2026 ist ein weiterer Band der HKA vorgesehen, und auch für die folgenden Jahre gehen wir davon aus, jeweils zwei Bände pro Jahr herausbringen zu können. Die beiden nächsten Bände werden, wenn alles nach Plan verläuft, Im Lande des Mahdi III (KMW IV.11) und Pandur und Grenadier (KMW I.6) sein.
Thomas Kramer: Das Trivialepos der DDR. Mosaik und seine Quellen. Ch. A. Bachmann Verlag, Berlin, 2026, 254 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-96234-102-2. Preis: 29,90€
Das MOSAIK war weit mehr als ein Comic. Für Millionen Leserinnen und Leser der DDR wurde es zur inoffiziellen Geschichtserzählung. Als aquarienbuntes Trivialepos prägte das Heft ganze Generationen. Doch welche Ideen, Vorbilder und verborgenen Bezüge steckten hinter den zeitreisenden Abenteuern? In 60 pointiert erzählten Kapiteln entdeckt Thomas Kramer ein überraschend weites Netz von historischen, literarischen und künstlerischen Quellen, die die Schöpfer selbst nie offenlegten. So entsteht ein facettenreiches Panorama, das die unterschätzte Komplexität der kulturellen Identität des Ostens neu beleuchtet. Eine etwas andere Kulturgeschichte für alle, die das MOSAIK lieben oder erst noch entdecken wollen.
Analysiert werden u.a. auch die zahlreichen Karl-May-Bezüge zwischen Euphrat und Silbersee im MOSAIK.
bei der Auslieferung des Jahrbuchs 2025 ist von Verlagsseite ein Fehler unterlaufen, der dazu geführt hat, dass manche Mitglieder gar keines, andere dagegen überzählige Jahrbücher erhalten haben. Sollten Sie davon betroffen sein, finden Sie weitere Informationen und eine E-Mail-Adresse, an die Sie sich wenden können, im Mitgliederportal.
DAS FÜNFUNDFÜNFZIGSTE JAHRBUCH ist in der langen Geschichte der Karl-May-Gesellschaft das erste, für das der im Februar 2025 verstorbene Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Claus Roxin nicht mehr als Mitherausgeber fungiert. Das Jahrbuch ist daher dem verdienstvollen langjährigen Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden der KMG gewidmet. Die hier versammelten Beiträge zeigen ein weiteres Mal eindrücklich, dass nicht nur die Forschung zu Karl May weiterhin neue Erkenntnisse bringt, sondern dass auch die Grundlagenforschung noch nicht abgeschlossen ist.
Martin Lowsky präsentiert erstmals eine vollständige deutsche Übersetzung der Briefe der französischen Übersetzerin Juliette Charoy an Karl May, und Joachim Biermann kommt zu neuen Ergebnissen bei der Suche nach Mays Vorlagen zu seiner Bearbeitung des ›Waldläufers‹ von Gabriel Ferry. Die Untersuchung von Spannung und Retardierung in Mays Werk durch Michael Andermatt zeigt, dass deren Verwendung auch in Abenteuerromanen keineswegs trivial ist. Helmut Schmiedt und Hartmut Vollmer gehen in ihren Aufsätzen Verbindungen zwischen Karl May und Thomas Mann bzw. Friedrich Schiller nach und verdeutlichen, dass die Grenze zwischen Hoch- und Trivialliteratur eine künstliche ist.
Vier Beiträge widmen sich der Figurenebene. Laura Thüring analysiert in ihrem Beitrag die Figurenkonstitution des Westmanns Sam Hawkens, und Theresa Homm untersucht vergleichend Figurenkonstellationen bei Karl May und James Fenimore Cooper. Zwei Beiträge befassen sich mit der Figur Quimbo: Stefan Schmatz betrachtet Mays Quimbo vor dem Hintergrund der gleichnamigen Figur in Harriet Beecher Stowes ›Onkel Toms Hütte‹, während Rudi Schweikert der Namensherkunft nachgeht und davon ausgehend narrative Elemente in Mays Werk erörtert.
Der weiterhin aktuellen postkolonialen Debatte widmet sich Malte Ristau mit Überlegungen zu Mays kolonialem Mindset, und Florian Schleburg stellt zwei Eingaben aus dem Jahr 1957 an den US-Senat vor, die sich für die indigene Bevölkerung stark machen und deutlich von der Lektüre Karl Mays inspiriert sind.
Den Abschluss des Jahrbuchs bilden wie stets der Literaturbericht von Helmut Schmiedt, der Medienbericht von Michael Kunz und der Schriftführerbericht von Gunnar Sperveslage.
Inhaltsverzeichnis:
Gunnar Sperveslage: Das fünfundfünfzigste Jahrbuch
Juliette Charoy: Briefe aus Paris an Karl May · Mit Briefen weiterer Übersetzerinnen · Herausgegeben und erläutert von Martin Lowsky
Joachim Biermann: Karl Mays ›Waldläufer‹ und seine Vorlagen
Michael Andermatt: »Er hielt einige Augenblicke inne, jedenfalls um die Spannung seiner Zuhörer zu vergrößern« · Spannung und Retardierung in Karl Mays ›Winnetou‹-Trilogie
Laura Thüring: Sam Hawkens – ein Flickenteppich · Zu einigen ›Flicken‹ seiner Figurenkonstitution
Hartmut Vollmer: »Setz Dich, und schreib!« · Karl May und sein »Lieblingsschriftsteller« Friedrich Schiller
Theresa Homm: Westmann und American Frontier Hero, Apple Indian und Edler Wilder · Kulturkontakt und Anpassung in Karl Mays ›Winnetou I‹ und James Fenimore Coopers ›Last of the Mohicans‹
Stefan Schmatz: Quimbo · Karl May und Harriet Beecher Stowe
Rudi Schweikert: Sich einen Namen wählen: Quimbo · Mit Bemerkungen zu einigen narrativen Elementen May’schen Erzählens
Helmut Schmiedt: Der eine empfiehlt Korinthenbrot, der andere wurmstichige Bärentatzen · Über Störungen des Essens bei Thomas Mann und Karl May
Malte Ristau: Koloniales Mindset bei Karl May? · Überlegungen zur mentalen Landkarte des Schriftstellers
Florian Schleburg: »… these famous and all over the world well-known peoples …« · Wie Karl May zwei Eingaben an den US-Senat inspirierte
Helmut Schmiedt: Literaturbericht
Michael Kunz: Medienbericht
Gunnar Sperveslage: Ruhiges Fahrwasser · Das 55. Jahr der Karl-May-Gesellschaft