September 2010

Archiv, Nachrichten

Erscheint in Kürze: HKA-Band »Die Fastnachtsnarren«

Textfassungen der frühen Humoresken wissenschaftlich erschlossen

Karl May bediente in den ersten Jahren seiner schriftstellerischen Karriere praktisch alle gängigen Genres der Gebrauchsliteratur: Vom historischen Roman über exotische Abenteuererzählungen bis hin zu Dorfgeschichten und Humoresken reichte sein Repertoire. Nach „Der beiden Quitzows letzte Fahrten“ (I.4) liegt nun mit „Die Fastnachtsnarren“ ein weiterer Band aus dieser frühesten Schaffensphase vor. Er vereinigt alle bis 1879 entstandenen Humoresken mit Ausnahme der Dessauer- und Blücher-Erzählungen in der Fassung des Zeitschriftenerstdrucks und gibt damit zum ersten Mal die Möglichkeit, diese später vom Autor selbst als „Vorübungen“ bezeichneten Texte in ihrer Gesamtheit und chronologisch geordnet zu betrachten.

„Die vierzehn Humoresken und zwei Fragmente des vorlie¬genden Bandes sind für Karl May exemplarisch, denn sie ver¬deutlichen die Arbeitsweise Mays bis in die Zeit der späten Reiseerzählungen (…) Mays Methode, Motive und ganze Plots immer wieder aufzugreifen und Texte in einem Umfang zu überarbeiten, dass sie nicht mehr als Varianten, sondern als eigenständige Neufassungen älterer Versionen anzusehen sind, zieht sich durch einen Großteil seines literarischen Schaffens.“ (Aus dem Editorischen Bericht). Bandbearbeiter Ulf Debelius legt in diesem knapp 90 Seiten umfassenden Bericht ein Hauptaugenmerk auf die Rekonstruktion der Entstehungsdaten der einzelnen Erzählungen und auf ihre Motivabhängigkeiten untereinander, die durch eine schematische Darstellung am Schluss des Bandes verdeutlicht werden. Die Entstehungsdaten sind aus dem nur punktuell überlieferten Quellenmaterial lediglich in Ausnahmefällen mit Sicherheit zu benennen, und erst durch umfangreiche Textvergleiche sowie Wort- und Stilanalysen unter Heranziehung der aus diesem Schaffenszeitraum überlieferten Manuskriptfragmente war es möglich, hier zu Ergebnissen von einiger Wahrscheinlichkeit zu gelangen. Diese erhärten die in der Forschung schon seit längerem vertretene These, dass May bereits vor seiner Inhaftierung im Zuchthaus Waldheim schriftstellerisch tätig war. Sie lassen zudem Rückschlüsse auf Mays Umgang mit Verlegern und Zeitschriftenredaktionen in dieser frühen Phase zu: So bot er dem Verlag Göltz & Rühling über Jahre hinweg bereits zuvor gedruckte Arbeiten als Originale an, indem er konsequent Titel änderte, ein Pseudonym verwendete und Manuskriptdoubletten einreichte, wie der Vergleich aller überlieferten Drucke von „Die verhängnißvolle Neujahrsnacht“ und deren Neufassung „Die beiden Nachtwächter“ belegt. Insgesamt gibt der Band einen aufschlussreichen Einblick in die Werkstatt eines Gebrauchsliteraten, der schon in dieser Schaffensperiode deutlich bemüht war, diesen Status zu überwinden und seinen eigenen, unverwechselbaren Stil zu finden. „Die Plastizität in der Beschreibung seiner später insbesondere in den Jugenderzählungen auftauchenden skurrilen Nebenfiguren – exemplarisch genannt seien nur der Hobble-Frank, die beiden Snuffles und der ›Fremdsprachenexperte‹ Heimdall Turnerstick – wäre ohne diese Vorstudien jedoch kaum denkbar. May hatte mit diesen ersten literarischen Gehversuchen somit eine wichtige Basis für seinen späteren Erfolg gelegt.“ (Aus dem Editorischen Bericht).

Die Fastnachtsnarren. Humoresken von Karl May. Herausgegeben von Ulf Debelius und Joachim Biermann. Bamberg und Radebeul: Karl-May-Verlag 2010 (Karl Mays Werke. Historisch-kritische Ausgabe für die Karl-May-Stiftung. Herausgegeben von der Karl-May-Gesellschaft. Band I.3). ISBN 978-3-7802-2002-8.

Bestellungen unter www.karl-mays-werke.de

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Karl May Auktion am 22. Oktober 2010

Am 22. Oktober 2010 werden um 15:00 Uhr wertvolle Original-Illustrationen, Gouachen und Federzeichnungen, Autographen und Erstausgaben von Karl May im Auktionshaus Galerie Gerda Bassenge, Berlin, versteigert. Es erscheint ein reich illustrierter Katalog, der auch ab sofort unter www.bassenge.com eingesehen werden kann.

Über 200 Millionen Exemplare erreichte die Gesamtauflage der in 42 Sprachen übersetzten Werke des Erfolgsautors Karl May (1842-1912). Die große Popularität dieses meistgelesenen Autors und die immense Druckproduktion machen die vergleichsweise wenigen Originale wie Autographen oder Illustrationsentwürfe so wertvoll. Erstmalig in der von Ereignissen nicht armen, nun fast hundert Jahre währenden Rezeptionsgeschichte der Werke Karl Mays können den Sammlern, Kritikern und Liebhabern jetzt über 250 Originalillustrationen der Fehsenfeldschen Illustrierten Reiseerzählungen zusammen mit Erstausgaben und Autographen angeboten werden. Prachtvolle Gouachen und feine Federzeichnungen erwecken die Helden um den Ich-Erzähler – Kara Ben Nemsi im Orient bzw. Old Shatterhand im Wilden Westen – zum Leben: Hadschi Halef Omar, Sam Hawkins und der große Apachenhäuptling Winnetou. Den Illustratoren Peter Schnorr, Claus Bergen, Willy Moralt und Willy Planck gelingt es meisterlich, das Spannende, das Unheimliche und Grausige, das Monumentale und Unendliche, das Liebliche, Verwunschene und Zauberhafte darzustellen, das uns bei der Lektüre umweht – und das dem Werk wie dem ganzen „Karl-May-Kosmos“ seine ewige Gültigkeit gibt. Neben einigen Erstausgaben aus dem Fehsenfeld-Verlag findet sich eine Reihe für die Forschung bislang unbekannter Autographen Karl Mays und seiner Frau Klara, die einen Einblick in das „reale Dasein“ des Autors über ganze 12 Jahre hinweg geben. Karl May berichtet von seinen Reisen, Kuraufenthalten, Geburtstags- und Weihnachtsfeiern und lädt zu vergnüglichen Kaffeestunden in die Villa Shatterhand in Radebeul ein.

Dr. Markus Brandis

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