Juni 2020

Archiv, Rezensionen

Winnetous Erben – Abenteuer und Symbol (Teil 3)

GW33Der Autor Rolf Kamradek, Verfasser von „Die seltsamen Reisen des R.K.“ und des Schauspiels „Karl May – der Traum vom Fliegen“, hat erstmals seit seiner Kindheit den Band „Winnetous Erben“ wieder gelesen und seine Gedanken dazu notiert. Seine Rezension bringen wir hier in drei Teilen. Der erste Teil betrachtet den Roman unter dem Aspekt des Abenteuers, der zweite stellt die Symbolik heraus und der dritte Teil schließlich liefert einen historischen Nachtrag.

Den Band „Winnetous Erben“ können Sie im Karl-May-Verlag erwerben. Die ursprüngliche, unter dem Titel „Winnetou IV“ erschienene Fassung ist noch als Reprint zum Sonderpreis von nur 9,90€ lieferbar. Bestellungen des Reprints richten Sie bitte an: reprints@karl-may-gesellschaft.de

 

Winnetous Erben – Abenteuer und Symbol

zwei unterschiedliche Inhaltsangaben.

von Rolf Kamradek

3. Nachtrag: Karl May, Winnetous Erben und Indianerdenkmäler

In dem symbolischen Roman Winnetous Erben widersetzt sich Karl May vehement dem Bau eines Winnetoudenkmals. Winnetou hat Seele, nur Seele zu sein. Er soll nicht unter Metall und Stein begraben werden.

Im Nachwort des Romans aber weist Karl May hoffnungsvoll auf ein Projekt Lewis Rodman Wanemakers hin. Er wollte 1909 im New Yorker Hafen das überdimensionale Monument eines Indianers errichten. Es sollte, gegenüber der Freiheitsstatue, die Weißen mit ausgestreckten Händen begrüßen. Das Projekt wurde nicht verwirklicht.

Und im ersten Kapitel des Romans stehen Karl May und das Herzle ergriffen vor dem Denkmal des Indianerhäuptlings Sa-go-ye-wat-ha, des weisen Sprechers der Seneca.

In diesen beiden Fällen bejaht May also ein Denkmal.

Im Roman lässt Karl May die Söhne seiner halbindianischen Freunde, des Westmannes Old Surehand und des Komantschen Apanatschka, als Bildhauer auftreten, die Winnetou als Kolossalstatue, in der Hand eine Pistole, das besagte Denkmal setzen wollen. Im Jahre 1907

Es gibt eine Parallele zur Wirklichkeit, allerdings erst nach Karl Mays Tod:

Allan Houser, (1914 – 1994), Sohn eines Apachenkriegers und Großneffe Geronimos (1829 – 1909), des letzten Kriegshäuptlings der Apachen, studierte Kunstgeschichte und schuf als Bildhauer beeindruckende Bronzeskulpturen. Oft sind mehrere Personen in einem Block vereint, was manchmal an Ernst Barlachs erinnert.

Er zeigt jedoch auch Realistisches aus der indianischen Vergangenheit: Tanzende, Betende, Singende, Trommelnde, Büsten mit den Köpfen von Häuptlingen oder schönen Indianerinnen.

Aber auch die kriegerische Vergangenheit wird bearbeitet: Bewaffnete, sich anschleichende Apachen, Kundschafter, Bogenschützen.

Bestimmt erfreut hätte Karl May wohl die Bronzeplastik einer Apachenfamilie. Sie zeigt wahrscheinlich den Häuptling Cochise, mit seiner Schwester.

Und gerade dieser Cochise, der letzte große Häuptling, von Zeitgenossen als edelmütig und gut aussehend geschildert, war es wohl, der Karl May zur Gestalt seines Winnetou anregte.

Cochises Schwiegervater Mangas Colorado kämpfte wie Winnetous Vater Intschu tschuna gegen Goldgräber. Wie er wurde er von Weißen ermordet (allerdings bei seiner Friedenmission von Soldaten). Wie Cochise kämpfte auch Winnetou anfangs gegen die Weißen, wie Cochise schloss er Frieden und wie er hatte er auch einen weißen Westmann zum Freund. Seine Schwester soll großen Einfluss auf Cochise gehabt haben, so wie Nscho-tschi auf Winnetou. In Winnetous Erben erwähnt Karl May diesen großen Einfluss der Frauen und spricht von der weiblichen Erbfolge bei der Häuptlingswahl. Tatsächlich war ja Cochise der Schwiegersohn Mangas Colorados.

Ganz gewiss hätte Karl May eine weitere Skulptur Housers gefreut: Ein Apache reckt seine Friedenspfeife in die Höhe.

Teil 1 „Abenteuer“ finden Sie hier

Teil 2 „Symbolik und bewusstes Wunschdenken“ finden Sie hier

Archiv, Nachrichten

Interview mit Florian Schleburg

Nach der entscheidenden Sitzung von Kuratorium und Vorstand der Karl-May-Stiftung am 27. Juni, auf der ein neuer Stiftungsvorstand ins Amt berufen wurde, äußert sich nun unser Vorsitzender Florian Schleburg gegenüber Karl May & Co. in einem ausführlichen Interview. Darin richtet er auch seinen Dank an die breite öffentliche Unterstützung und bittet darum, der Stiftung und dem Museum nun etwas Geduld entgegen zu bringen:

„Die ganze Karl-May-Szene hat in den vergangenen Wochen mitgefiebert und mitdiskutiert – die Villa „Shatterhand.“ ist ja für jeden und jede von uns ein Ort von großer symbolischer Bedeutung. Von meiner KMG, die sich – um ein Schlagwort der Debatte aufzugreifen – am ›Kommunikationskulturkampf‹ sehr tat- und wortkräftig beteiligt hat, erhalte ich seit Bekanntwerden der Ergebnisse fast im Minutentakt freudige und erleichterte Rückmeldungen. […] Der 27. Juni hat Weichen gestellt, aber der Weg ist noch weit und wird den Gremien der Stiftung und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr viel Arbeit abverlangen. Wer dem Museum und seinem hochmotivierten Personal in dieser kritischen Lage seine Solidarität bekunden möchte, sollte bald wieder einmal in Radebeul vorbeischauen!“

Das vollständige Interview können Sie auf www.karl-may-magazin.de nachlesen.

Archiv, Himmelsgedanken

Himmelsgedanke

Ruinen sind Reste steinerner Hieroglyphenschrift. Wer sie zu lesen und die an sie noch gefesselten Gedanken zu befreien versteht, der hat einen Blick in die Gerichtssitzung des jüngsten Tages gethan.

 

Archiv, Nachrichten

Neuer Vorstand der Karl-May-Stiftung

Auf der Sitzung von Vorstand und Kuratorium der Karl-May-Stiftung wurde ein neuer Stiftungsvorstand für zunächst ein Jahr gewählt. Der Vorstand besteht aus den folgenden vier Personen:

  • Thomas Grübner
  • Léontine Meijer-van Mensch
  • Dr. Jörg Müller
  • Dr. Volkmar Kunze

Volkmar Kunze, zuvor stellvertretender Kuratoriumspräsident, übernimmt als neues Vorstandsmitglied die Geschäftsführung von Stiftung und Museum. Den Posten des fachlichen Museumsdirektors soll der bisherige Sammlungsleiter Robin Leipold einnehmen.

Weitere Informationen finden Sie auf www.karl-may-magazin.de, www.dnn.de und www.mdr.de.

Archiv, Neuerscheinungen

Neuerscheinung: Robert Kraft – Die Traumapotheke, Die Roulette und andere Erzählungen

rk15Robert Kraft: Die Traumapotheke, Die Roulette und andere Erzählungen. Gesammelte Romane und Novellen Band 15. Edition Braatz & Mayrhofer. Leipzig/Wien. Hardcover. Preis: 40 € (ab 22.08.2020: 44 €).

In der Edition Braatz & Mayrhofer ist der Erzählungsband „Die Traumapotheke, Die Roulette und andere Erzählungen“ von Robert Kraft (Bd. 15) erschienen. Der Band kann ab sofort zum Vorzugspreis von 40 &euro bestellt werden. Die Auslieferung erfolgt ab dem 22.08. Bei Bestellungen ab dem 22.08. kostet der Band 44 €. Enthalten sind die folgenden Erzählungen und Novellen:

Im Paradies der Hölle

Monsieur Automate

Lila Nachtschatten

Santa Madonna

Zweimal getäuscht (identisch mit „Aus London dunklen Gassen“)

Eine englische Wette

Die barmherzige Schwester

Bismarck, der Sultan von Berlin

Die Traum-Apotheke

Ein Freundschaftsdienst

In den Goldfeldern von Klondike [Deutsche Erstveröffentlichung]

Ein kerngesunder Mensch

Busa

Im „Weißen Roß“

Aberglauben im modernen England

D. D.

Drei helle Fenster

In Walhalla

Die Kriegskatze

Bestellungen und weitere Informationen auf www.robert-kraft.de

Archiv, Neuerscheinungen

Wiener Karl-May-Brief 1/2020 erschienen

wkmb2020_1

Aus dem Inhalt:

– Wilhelm Brauneder: Nachruf auf Arnold Tokstein

– Robert Ciza: Klemens von der Wolga (I). Unbekannte May-Abdrucke

– Jürgen Brake: Das Gold der Schwarzen Berge (I). Karl May und der stei­ri­sche Prä­rie-Poet Ale­xan­der Berg­hold

– Michael Schaden: War Karl May ein Riesenschlitzohr? Bericht über den KMG-Kon­gress in Mainz 2019

– Elisabeth Berger: Wer „S“ sagt, stirbt

– Robert Ciza: Wo liegt Schlummerhausen? Ein Nachtrag zur anonymen Po­li­zei-Ge­schich­te „Ein Fang“

– Alexander Brandt: Champignon Käse und Karl-May-Sammelbilder

– Wilhelm Brauneder: Nicht Wiesbaden!

– Robert Ciza: Erlebnisse eines Weltläufers. Ein unbekannter Krumir-Abdruck

– N. N.: Das Sparkassenbuch

Beziehbar über die Wiener Karl-May-Runde

Archiv, Nachrichten

Countdown für Radebeul

Am Samstag, den 27. Juni tagen in Radeneul Stiftungsvorstand, Kuratorium und Museumsbeirat, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Es geht nicht nur darum, dem Imageschaden entgegenzuwirken, sondern auch darum, wirtschaftlichen Schaden abzuwenden. In den vergangenen Tagen sind wieder eine Reihe von Berichten und Beiträgen in den Medien erschienen, die wir Ihnen hier in einer kurzen Übersicht zum Nachlesen präsentieren.

  • Das Magazin Karl May & Co. hat das Stiftungskuratorium vorgestellt, also die Personen, auf deren Entscheidungskraft es am Samstag ankommt:

www.karl-may-magazin.de

  • Der Bayrische Rundfunk präsentierte am 11. Juni ein Interview mit dem Kunstdidakten und Kunstpädagogen Prof. Dr. Andreas Brenne:

www.br.de

  • Auch die Dresdner Neuesten Nachtrichten sprachen in einem Beitrag vom 11. Juni mit Andreas Brenne:

www.dnn.de

  • Am 16. Juni lieferte das Magazin Karl May & Co. eine erneute Analyse der Situation:

www.karl-may-magazin.de

  • Ralf Harder, Stellvertretender Vorsitzender der Karl-May-Stiftung, äußerte sich am 18. Juni gegenüber der Freien Presse:

www.freiepresse.de

  • In der Sächsischen Zeitung erschien am 21. Juni ein Beitrag von Andreas Brenne:

www.saechsische.de

  • Das Magazin Karl May & Co. veröffentlichte am 22. Juni ein Interview mit André Neubert, Leiter des Karl-May-Hauses:

www.karl-may-magazin.de

  • Ebenfalls am 22. Juni folgte auf den Seiten des Magazins Karl May & Co. ein Beitrag zu den Hintergünden der Karl-May-Stiftung:

www.karl-may-magazin.de

  • Am 23. Juni veröffentlichte Florian Schleburg als Vorsitzender der Karl-May-Gesellschaft ein Statement auf dieser Seite:

www.karl-may-gesellschaft.de

  • Am heutigen 24. Juni präsentiert Karl May & Co. ein paar „Was wäre wenn“-Szenarien für Radebeul:

www.karl-may-magazin.de

Archiv, Nachrichten

Statement des Vorsitzenden der Karl-May-Gesellschaft

Liebe Mitglieder der Karl-May-Gesellschaft,

liebe Freundinnen und Freunde Karl Mays,

nach wochenlanger ›diplomatischer‹ Vorbereitung steht am kommenden Wochenende nun die Sitzung des Kuratoriums der Karl-May-Stiftung an, die nach gründlicher Aufarbeitung des Sachverhalts, und hoffentlich ohne lähmenden Kleinkrieg, über die Zukunft des Radebeuler Karl-May-Museums entscheiden soll.

Die tiefgreifenden strukturellen Reformen, die nach der Stagnation der vergangenen Jahrzehnte unausweichlich sind, werden sich aufgrund ihrer juristischen Komplexität frühestens in der zweiten Jahreshälfte konkretisieren lassen, doch was Finanzen und Personal betrifft, ist an diesem Samstag entschlossenes Handeln gefragt. Ich hoffe – und habe nach Kräften darauf hingewirkt –, dass von unserer Zusammenkunft ein unmissverständliches Zeichen der Neuorientierung ausgeht und der kaum begonnene Professionalisierungsprozess wieder aufgenommen werden kann. Es geht ja ganz grundsätzlich um die Frage, wie (und damit: ob) Karl May im 21. Jahrhundert lebendig zu vermitteln ist, aber auch sehr akut um Arbeitsplätze und das wirtschaftliche Überleben des Museums.

All meinen Gesprächspartnern der letzten Wochen, allen Mitarbeitern der Karl-May-Gesellschaft, Aktiven aus der Szene und Medienvertretern, die unsere Meinungsbildung durch Veröffentlichungen, Diskussionsbeiträge und persönliche Anregungen unterstützt haben, danke ich sehr herzlich. Ich danke auch den Museumsangestellten, die den Betrieb in dieser doppelt schwierigen Saison mit bewundernswerter Solidarität am Laufen gehalten und damit dem Kuratorium, vielleicht zum letzten Mal, ihr Vertrauen geschenkt haben.

Sie alle, denen an Karl May und seinem Erbe gelegen ist, möchte ich bitten, uns nun die Daumen zu drücken, bis Sie aus dem Schornstein des Radebeuler Rathauses ›weißen Rauch‹ aufsteigen sehen …

Florian Schleburg

Vorsitzender der Karl-May-Gesellschaft

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Winnetous Erben – Abenteuer und Symbol (Teil 2)

GW33Der Autor Rolf Kamradek, Verfasser von „Die seltsamen Reisen des R.K.“ und des Schauspiels „Karl May – der Traum vom Fliegen“, hat erstmals seit seiner Kindheit den Band „Winnetous Erben“ wieder gelesen und seine Gedanken dazu notiert. Seine Rezension bringen wir hier in drei Teilen. Der erste Teil betrachtet den Roman unter dem Aspekt des Abenteuers, der zweite stellt die Symbolik heraus und der dritte Teil schließlich liefert einen historischen Nachtrag.

Den Band „Winnetous Erben“ können Sie im Karl-May-Verlag erwerben. Die ursprüngliche, unter dem Titel „Winnetou IV“ erschienene Fassung ist noch als Reprint zum Sonderpreis von nur 9,90€ lieferbar. Bestellungen des Reprints richten Sie bitte an: reprints@karl-may-gesellschaft.de

 

Winnetous Erben – Abenteuer und Symbol

zwei unterschiedliche Inhaltsangaben.

von Rolf Kamradek

2. Symbolik und bewusstes Wunschdenken

Wenn Karl May im Jahre 1907 tausende Apatschen, und Sioux als frei lebende Indianer auf den Kriegspfad schickt und man weiß, dass der letzte Apachenhäuptling Geronimo und seine letzten 23 Krieger schon 1886 von der ganzen US-Army gejagt und gefangen wurden, dass man danach alle Apachen nach Florida verschleppte, dass die Sioux nach der Schlacht am Little Bighorn nach Kanada flohen, dann erscheint das Geschilderte oft etwas albern.

Karl May war 1908 in Amerika. Man kann doch annehmen, dass er um diese Wirklichkeit wusste.

Aber die Wirklichkeit verfremdet er bewusst. Er will den Roman symbolisch verstanden wissen.

Das früher noch unbewusste Wunschdenken Mays, das er sich mit Überhöhung seiner eigenen Person in seinen Abenteuerromanen verwirklichte, erkannte schon Hermann Hesse. Jetzt in Mays Alterswerk wird dieses Wunschdenken auch bewusst eingesetzt, wobei der Dichter die traurige Wirklichkeit verschweigt. Hartmut Wörner hat das mit der Interpretation des Gedichtes „Schön“ aus dem Spätwerk Mays gezeigt. Seine verunglückte Ehe mit Emma Pollmer verschweigt May darin, idealisiert sie bewusst ins Gegenteil, in die Wunschdarstellung einer Ehe (Mitteilungen der Karl-May-Gesellschaft No 204, Juni 2020).

So arbeitet er auch in Winnetous Erben.

Deshalb hier eine zweite Inhaltsangabe:

In Mays Wunschvorstellung entstammen alle Indianer einer großen, gemeinsamen Nation. Aus Asien kommend, haben sie, unter Beibehalten der Verbindung zu ihrer Heimat deren Hochkultur und geistige Reife auch in Amerika bewahrt, mussten aber später ihren Niedergang, beschleunigt durch die Weißen, zur traurigen Gegenwart erleben. Jetzt aber stehe ihnen wieder eine große Zukunft bevor. Sinnbild daf

ür ist der Niagara, der sich aus erhabenen Seen kommend zu einem Fall verengt, sich aber unten wieder zur erneuten Größe weitet. Tatellah-Satha, der Bewahrer der Medizinen, war der Lehrer Winnetous. Er besitzt am Mount Winnetou ein altes Schloss, das im Laufe der Jahrhunderte mit allen Bauelementen indianischer Hochkulturen errichtet wurde. (Nur einen emporstrebenden Dom vermisst Karl May). In dem weisen Medizinmann erkennt er das Pendant seiner asiatischen „Seele“ Marah Durimeh in Kurdistan, die man aus anderen Spätwerken Mays kennt. Sogar die Gesichtszüge sind identisch. Die unermesslichen bibliophilen und kunstgeschichtlichen Schätze der Indianer werden nun mit Hilfe Karl Mays und des fliegenden „Jungen Adlers“ entdeckt.

Dem Wiederaufstieg der roten Rasse steht also nichts mehr im Wege. Aber die Sioux wollen ein nationales indianisches Großreich unter Ausschluss der Bleichgesichter und deren Helfer der Apatschen. Old Shatterhand und Winnetou stehen dem als Symbole für die Gemeinsamkeit aller Menschen im Wege.

Old Shatterhand beginnt nochmals an Winnetous Grab zu graben und entdeckt die Tagebücher des Apatschen. Die werden nun jeden Abend vorgelesen und das Herzle wirft mit einem Projektor das Bild Sasha Schneiders an den Wasserfall, auf dem der nackte Winnetou, eine Adlerfeder verlierend, gegen das fallende Wasser emporsteigt, empor ins Reich der Edelmenschen. Das ist das Gegenbild zu dem Rowdy im Denkmal. Alle, auch die nun befreiten Sioux, Utahs und Kiowas, sogar die beiden Bildhauer werden so vom richtigen Weg überzeugt. Alle treten dem Clan der edel gesinnten „Winnetous und Winnetas“ bei, die, alle wie Winnetou gekleidet, einen Stern an der Brust tragen, auf deren Rückseite der Name eines Menschen steht, dessen Schutzengel sie sein wollen. Interessant ist auch Mays modern anmutende Kritik an der Zerstörung der Natur durch die Technik, ebenso der den Frauen gewährte Anteil am Erfolg der Geschichte, insbesondere des „Herzles“, das sich im emotionalen Erfassen einer Situation oft sogar Old Shatterhand überlegen zeigt. Auch einige Indianerinnen und die Siouxfrauen, die sich dem Kriegszug ihrer Männer widersetzen und selbst einen friedlichen Zug zum Mount Winnetou unternehmen, passen hierzu.

Mays alle Menschen vereinenden und damit die Welt verbessernden Ziele sind sicher edel und bejahenswert, liegen aber, so wie hier dargestellt, meist allzu fern aller Realität. Diese sollte sich eigentlich auch im Symbol erkennbar spiegeln, ist aber allenfalls in Ansätzen erkennbar. May beschwört diese Ziele oft in seitenlangen, emotionalen und sich wiederholenden Monologen.

Nun ja – ich lege das Buch zur Seite. Ich werde mal wieder „Unter Geiern“ lesen.

Fortsetzung folgt …

Teil 1 „Abenteuer“ finden Sie hier

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