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DAS FÜNFUNDFÜNFZIGSTE JAHRBUCH ist in der langen Geschichte der Karl-May-Gesellschaft das erste, für das der im Februar 2025 verstorbene Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Claus Roxin nicht mehr als Mitherausgeber fungiert. Das Jahrbuch ist daher dem verdienstvollen langjährigen Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden der KMG gewidmet. Die hier versammelten Beiträge zeigen ein weiteres Mal eindrücklich, dass nicht nur die Forschung zu Karl May weiterhin neue Erkenntnisse bringt, sondern dass auch die Grundlagenforschung noch nicht abgeschlossen ist.
Martin Lowsky präsentiert erstmals eine vollständige deutsche Übersetzung der Briefe der französischen Übersetzerin Juliette Charoy an Karl May, und Joachim Biermann kommt zu neuen Ergebnissen bei der Suche nach Mays Vorlagen zu seiner Bearbeitung des ›Waldläufers‹ von Gabriel Ferry. Die Untersuchung von Spannung und Retardierung in Mays Werk durch Michael Andermatt zeigt, dass deren Verwendung auch in Abenteuerromanen keineswegs trivial ist. Helmut Schmiedt und Hartmut Vollmer gehen in ihren Aufsätzen Verbindungen zwischen Karl May und Thomas Mann bzw. Friedrich Schiller nach und verdeutlichen, dass die Grenze zwischen Hoch- und Trivialliteratur eine künstliche ist.
Vier Beiträge widmen sich der Figurenebene. Laura Thüring analysiert in ihrem Beitrag die Figurenkonstitution des Westmanns Sam Hawkens, und Theresa Homm untersucht vergleichend Figurenkonstellationen bei Karl May und James Fenimore Cooper. Zwei Beiträge befassen sich mit der Figur Quimbo: Stefan Schmatz betrachtet Mays Quimbo vor dem Hintergrund der gleichnamigen Figur in Harriet Beecher Stowes ›Onkel Toms Hütte‹, während Rudi Schweikert der Namensherkunft nachgeht und davon ausgehend narrative Elemente in Mays Werk erörtert.
Der weiterhin aktuellen postkolonialen Debatte widmet sich Malte Ristau mit Überlegungen zu Mays kolonialem Mindset, und Florian Schleburg stellt zwei Eingaben aus dem Jahr 1957 an den US-Senat vor, die sich für die indigene Bevölkerung stark machen und deutlich von der Lektüre Karl Mays inspiriert sind.
Den Abschluss des Jahrbuchs bilden wie stets der Literaturbericht von Helmut Schmiedt, der Medienbericht von Michael Kunz und der Schriftführerbericht von Gunnar Sperveslage.
Inhaltsverzeichnis:
Gunnar Sperveslage: Das fünfundfünfzigste Jahrbuch
Juliette Charoy: Briefe aus Paris an Karl May · Mit Briefen weiterer Übersetzerinnen · Herausgegeben und erläutert von Martin Lowsky
Joachim Biermann: Karl Mays ›Waldläufer‹ und seine Vorlagen
Michael Andermatt: »Er hielt einige Augenblicke inne, jedenfalls um die Spannung seiner Zuhörer zu vergrößern« · Spannung und Retardierung in Karl Mays ›Winnetou‹-Trilogie
Laura Thüring: Sam Hawkens – ein Flickenteppich · Zu einigen ›Flicken‹ seiner Figurenkonstitution
Hartmut Vollmer: »Setz Dich, und schreib!« · Karl May und sein »Lieblingsschriftsteller« Friedrich Schiller
Theresa Homm: Westmann und American Frontier Hero, Apple Indian und Edler Wilder · Kulturkontakt und Anpassung in Karl Mays ›Winnetou I‹ und James Fenimore Coopers ›Last of the Mohicans‹
Stefan Schmatz: Quimbo · Karl May und Harriet Beecher Stowe
Rudi Schweikert: Sich einen Namen wählen: Quimbo · Mit Bemerkungen zu einigen narrativen Elementen May’schen Erzählens
Helmut Schmiedt: Der eine empfiehlt Korinthenbrot, der andere wurmstichige Bärentatzen · Über Störungen des Essens bei Thomas Mann und Karl May
Malte Ristau: Koloniales Mindset bei Karl May? · Überlegungen zur mentalen Landkarte des Schriftstellers
Florian Schleburg: »… these famous and all over the world well-known peoples …« · Wie Karl May zwei Eingaben an den US-Senat inspirierte
Helmut Schmiedt: Literaturbericht
Michael Kunz: Medienbericht
Gunnar Sperveslage: Ruhiges Fahrwasser · Das 55. Jahr der Karl-May-Gesellschaft